Die Jennings Brewery in Cockermouth (Cumbria)

Eigenes Foto.

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Vielleicht ist es das klare Wasser des Lake Districts, das die Biere aus der Jennings Brewery so gut schmecken lässt; mir gefiel jedenfalls das „Cumberland Ale“ aus der Brauerei in Cockermouth (Cumbria), das ich kürzlich trank, sehr gut. Für alle, die diese ehemalige Familienbrauerei einmal besichtigen möchten: Sie liegt passenderweise am Brewery Lane, dort wo die beiden Flüsse Cocker und Derwent zusammenfließen (und hin und wieder für eine Überschwemmung sorgen; s. dazu meinen Blogeintrag). Dort werden Führungen angeboten, die in der Hauptreisezeit von April bis Oktober täglich, außer sonntags, um 12 Uhr und um 14 Uhr stattfinden. Für £8 kann man die Brauerei besichtigen und zum (krönenden) Abschluss die Biere des Hauses probieren. Der angeschlossene Shop bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sich mit einigen Flaschen Jennings Bitter, Cocker Hoop oder Sneck Lifter einzudecken.

Die Brauerei wurde schon 1828 von der Jennings-Familie gegründet; anfangs wurde das Bier in Lorton gebraut, bis man später in das sechs Kilometer entfernte Cockermouth zog. Dort stand die Castle Brewery zum Verkauf, die man übernahm und wo man bis heute Bier produziert. Die Brauerei florierte, man kaufte kleinere Brauereien sowie Pubs hinzu und das Unternehmen blieb in Familienhand, bis es 2005 von dem Konzern Marston’s PLC übernommen wurde. Diese in Wolverhampton ansässige Firma besitzt noch andere Brauereien wie z.B. die Wychwood Brewery in Witney (Oxfordshire) über die ich schon einmal berichtete. Außerdem nennt sie über 2000 Pubs im ganzen Land ihr eigen.
Von dem Besitzerwechsel profitierte die Jennings Brewery (anders als befürchtet), denn es wurde Geld investiert und Arbeitsplätze erhalten.

Ich nannte schon die Namen der Biere, die hier in Cockermouth produziert werden; zusätzlich gibt es noch die saisonalen Biere. Jeden Monat wird ein anderes Produkt auf den Markt gebracht. Im Augenblick, im Monat April, ist es das Red Rascal, im Mai wird es das Gold Digger sein. Man hat hier offensichtlich einen sehr erfindungsreichen Namengeber für die Erzeugnisse des Hauses. Sehr schön finde ich auch die Namen Lakeland Stunner (März), Blazing Saddles (September) und World’s Biggest Liar (November).

Hier ist ein Tasting des von mir probierten Cumberland Ales.

Jennings Brewery
Brewery Lane
Cockermouth, Cumbria, CA13 9NE
Tel. 0845 1297190

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Die Gebäude der Jennings Brewery in Cockermouth (Cumbria).    © Copyright Alexander P Kapp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 30. April 2014 at 02:00  Comments (6)  
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Das Festival of Fools im Muncaster Castle (Cumbria)

Das Muncaster Castle in Cumbria.    © Copyright David Rogers and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Thomas Skelton lebte im 16. Jahrhundert, und er war der letzte Hofnarr, den sich die Pennington-Familie, Besitzer des Muncaster Castles bei Ravenglass in Cumbria, „hielt“.  Tom liebte es, vor der Eingangstür der Burg unter einer alten Kastanie zu sitzen und von dort aus zu beobachten, was sich da so alles abspielte. Er war also immer gut informiert;  zu gut, zumindest in den Augen von Sir William Penningtons Tochter Helwise. Die hatte nämlich eine heimliche Affäre mit einem Zimmermann, was der Hofnarr bald herausbekam und der hatte nichts Besseres zu tun, als Sir William darüber aufzuklären. Der Herr von Muncaster fand das natürlich „shocking“; seine Tochter und ein Zimmermann, das ging ja nun gar nicht. Also befahl Vater Pennington dem Hofnarr, der ihm absolut ergeben war, den Liebhaber von Helwise irgendwie loszuwerden. Tom Skelton hatte da eine Idee; er machte den unerwünschten Verehrer des Burgfräuleins betrunken und enthauptete ihn dann mit dessen eigenem Werkzeug. Auftrag erledigt!
Doch die mörderische Aktion blieb nicht ohne Folgen, denn man behauptet, dass Tom Fool, wie Skelton auch genannt wurde, noch heute sein Unwesen als Geist im Muncaster Castle treibt.

Auf dieser Geschichte könnte man doch aufbauen, sagten sich die späteren Burgherren und riefen das Festival of Fools ins Leben, das jedes Jahr im Rahmen des Muncaster Festivals ausgetragen wird, in diesem Jahr vom 25. bis zum 29. Mai. Mitmachen kann jeder und so treten „Hofnarren“ aus allen Teilen der Welt an, um den begehrten Titel Fool of Muncaster zu erringen. Zusätzlich zu dem Titel gibt es für den Sieger auch noch einen Jahresvorrat an Bier; wenn sich das nicht lohnt…

Unter den Teilnehmern im letzten Jahr waren u.a. The Mighty Gareth, ein Zauberer, Kester the Jester, ein Jongleur, und Betty „Strong Lady“ Brawn, die stärkste Frau der Welt. Den Titel Fool of Muncaster holte sich der Comedian Martin Soan.

Über meine Besuche im Muncaster Castle berichtete ich in meinem Blog bereits vor einiger Zeit.

Chas and Dave und ihre Liebeserklärung an Margate (Kent)

Strand und Amüsement in Margate.    © Copyright Chris Downer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Man mag es eigentlich gar nicht glauben, aber der Verlag, der die Reiseführer-Reihe Rough Guides herausbringt, kürte die Küstenstadt Margate in Kent im vorigen Jahr als eine der Top Ten-Destinationen weltweit. Auf Platz 7 wurde Margate eingestuft und musste sich nur Orten wie Dresden, Dubrovnik und Stockholm geschlagen geben. Das Echo auf diese hohe Einschätzung der Stadt war, wie man sich vorstellen kann, geteilt. Manche meinten, diese Einstufung sei lächerlich, Margate wäre auf dem absteigenden Ast mit seinen zahllosen Geschäftsleerständen und viel zu vielen Spielhallen, die sich überall ausbreiteten. Andere verteidigten ihre Stadt und hoben das Positive hervor wie die neue Turner Contemporary Art Gallery, die für £17.5 Millionen erbaut wurde.

Für viele ist Margate noch immer der Badeort, in den man mit seinen Kindern fährt, die dort im Sand buddeln können, während Vater und Mutter im Liegestuhl daneben liegen. Abends amüsiert man sich unter Zuhilfenahme von etlichen Pints in den „Amusement arcades“.

Das englische Pop-Duo Chas and Dave haben das 1982 einmal sehr schön mit ihrem Song „Down to Margate“ beschrieben: Da werden die Kinder und der Opa in den Bus verfrachtet, Eimer, Schaufeln und Badehosen eingepackt, Aal in Gelee gegessen und einige Bierchen getrunken. Das Fazit: „You can keep the Costa Brava and all that palava, going no farther, me i’d rather have me a day down Margate with all me family „. So stellt(e) sich die Arbeiterklasse ihren Traumurlaub vor. Allerdings hat sich einiges seit dem Erscheinen des Songs geändert. 32 Jahre später gibt es Ryan Air und All-Inclusive-Angebote für Mallorca und die Kanaren, die oft nicht teurer sind als ein Urlaub im eigenen Land. Viele englische Badeorte haben diese Entwicklung zu spüren bekommen.

Hier sind Chas and Daves mit ihrer Liebeserklärung an Margate.

Das hässliche Gesicht der Stadt.    © Copyright Richard Vince and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das hässliche Gesicht der Stadt.
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...und das moderne Gesicht von Margate, die Turner Contemporary Art Gallery.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 28. April 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Robin Hood’s Bay an der Ostküste Yorkshires – Ein Outlaw, Schmuggler und Sargfenster

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Ich war zweimal in dem kleinen Küstenort Robin Hood’s Bay im Osten von Yorkshire und beide Male ging es hier sehr ruhig zu; aber ich könnte mir vorstellen, dass in der Hochsaison hier Hochbetrieb herrscht. Es gibt zwei Zufahrtsstraßen nach Robin Hood’s Bay, das südlich von Whitby liegt; beide zweigen von der A171 (Whitby-Scarborough) ab. Von Norden kommend, ist es die B1447, auf der man von Hawsker aus zur Küste fahren kann, von Süden kommend, ist es eine nicht-nummerierte Straße, die von der Robin Hood’s Bay Road abbiegt und durch eine Heide- und Moorlandschaft bis zum Ort führt. Hat man eine Hügelkuppe erreicht, dann bietet sich von dort aus ein toller Blick auf die Bucht.

Warum heißt das Fischerdorf nun Robin Hood’s Bay? Eigentlich machte der Outlaw mit seinen Spießgesellen ja den Sherwood Forest in Nottinghamshire unsicher. Doch eines Tages soll ihm der Boden unter den Füßen dort zu heiß geworden sein, so dass er sich an die Küste Yorkshires absetzte. Hier machte man gern von dem weltberühmten Namen Gebrauch und so findet sich in Robin Hood’s Bay ein Little John House in der New Road oder ein Sherwood Cottage (das zu einem Ferienhaus umgebaut worden ist) in der King Street. Südlich des Ortes gibt es die Robin Hood’s Butts, Grabhügel aus der Bronzezeit.

Besonders malerisch ist die King Street, eine enge Gasse, die direkt am Meer beim Bay Hotel endet. Ich stelle mir das sehr eindrucksvoll vor, wenn man dort ein Zimmer mit Meerblick hat und die schäumende See bei Herbststürmen direkt unter sich sieht. Das Parken ist ein Problem in Robin Hood’s Bay; viele Straßen sind auf beiden Seiten mit doppelten gelben Streifen versehen, was Parkverbot bedeutet. Da bietet sich der Fisherhead Car Park in der Lower Robin Hood Bay an oder der Car Park gegenüber dem Victoria Hotel in der Station Road.

Robin Hood’s Bay war einmal eine Schmugglerhochburg. Schiffe mit Schmugglerware vom Kontinent legten hier an; die Ware wurde dann über ein Netzwerk von unterirdischen Gängen in die Häuser verteilt wie z.B. in den Gasthof The Fisherman’s Arms, der nicht mehr existiert und ebenfalls in ein Ferienhaus umgebaut wurde.
Eine Besonderheit in dem Fischerdorf sind die Sargfenster, die „coffin windows„; das sind Fenster im ersten Stock einiger verwinkelter Häuser, die dazu dienten, die Särge mit den Verstorbenen aus dem Haus zu bugsieren, weil ein Abtransport über die engen Treppenhäuser nicht möglich war.

Ich berichtete schon einmal über Robin Hood’s Bay in Zusammenhang mit dem mondänsten Schweinestall der Welt, in dem man jetzt auch wohnen kann (Menschen, meine ich).

Hier ist ein filmischer Spaziergang durch Robin Hood’s Bay.

Die New Road.    © Copyright Derek Harper and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die King Street.    © Copyright pam fray and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Bay Hotel.    © Copyright Adie Jackson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 27. April 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Der Saltersgate Inn an der A169 in den North York Moors – Ein historisches Gasthaus, das allmählich verfällt

Der Saltersgate Inn an der A169 heute.    © Copyright Ian S and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Saltersgate Inn an der A169 heute.
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Ich bin mehrmals an diesem Pub in den North York Moors vorbeigefahren, als er noch geöffnet war. The Saltersgate Inn liegt an der A169, die von Pickering nach Whitby führt, weit entfernt von der nächsten Ansiedlung. 1648 wurde das Gasthaus gebaut, das als Kutschenstation diente und auch von Schmugglern als Unterschlupf genutzt wurde, die sich hier so manches Scharmützel mit Zöllnern lieferten. Eines Nachts legte sich einer der Zollbeamten auf die Lauer und ging, als die Schmuggelaktivitäten gerade wieder begannen, in den Pub, um die Missetäter zu verhaften. Dabei hieb ihm einer der Schmuggler ein Stuhlbein über den Kopf und tötete ihn. Schnell begrub man ihn unter der Feuerstelle im Gasthof, und der Wirt schwor, das Feuer nie ausgehen zu lassen, damit man das Grab des Zollbeamten niemals finden würde. Wenn das denn so stimmt, wäre das Feuer seit 1801 bis zur Schließung des Pubs im Jahr 2007 niemals ausgegangen.

Der Name des Pubs „Saltersgate Inn“ weist darauf hin, was damals geschmuggelt wurde, nämlich Salz, das die Fischer in den nahegelegenen Küstenorten wie Whitby und Robin Hood’s Bay dringend benötigten.

Seit der Gasthof geschlossen wurde, steht das Haus einsam und verlassen an der A169 und verfällt immer mehr. Pläne, es als Hotel wiederauferstehen zu lassen zerschlugen sich. Ein trauriger Anblick ist das und man kann nur hoffen, dass sich doch noch jemand (mit genügend Geld) des Saltersgate Inns erbarmt und ihn wieder zurück ins Leben ruft!

Der traurige Anblick des seit 2007 geschlossenen Saltersgate Inns in den North Yorkshire Moors.    © Copyright Pauline E and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der traurige Anblick des seit 2007 geschlossenen Saltersgate Inns in den North York Moors.
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Published in: on 26. April 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Whitby im Osten von Yorkshire – Hier wurde am 3. Februar 1940 das erste deutsche Flugzeug über britischem Boden abgeschossen

Eine Heinkel 111H. Attribution: Bundesarchiv. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.

Eine Heinkel 111.
Attribution: Bundesarchiv.
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Feldwebel Hermann Wilms, Unteroffizier Rudolf Leushake, Unteroffizier Karl Missy und Unteroffizier Johann Meyer waren die Besatzungsmitglieder einer Heinkel 111, die am 3. Februar 1940 im Osten der Grafschaft Yorkshire angeschossen und damit zu einer Bruchlandung gezwungen wurde. Es war das erste deutsche Flugzeug, das im Zweiten Weltkrieg über britischem Boden abgeschossen wurde. Leushake und Meyer kamen bei dem Crash ums Leben, Missy und Wilms gerieten in Kriegsgefangenschaft. Der Heinkel-Bomber, der in Schleswig gestartet war, hatte den Auftrag, zusammen mit einigen anderen Bombern, einen britischen Schiffskonvoi ausfindig zu machen, der vor der Nordostküste unterwegs sein sollte, und diesen anzugreifen. Die Radarstationen hatten die Flugzeuge auf ihrem Schirm und meldeten das an den Flugplatz RAF Acklington in Northumberland weiter. Dort stiegen drei Hawker Hurricanes auf, um die deutschen Maschinen abzufangen. Sie trafen auf die Heinkel, die von Feldwebel Wilms gesteuert wurde, und nahmen sie unter Beschuss. Schwer angeschlagen flog diese im Tiefflug über die Dächer der Küstenstadt Whitby, bis sie schließlich drei Kilometer weiter westlich auf dem Gelände der Bannial Flatt Farm herunterkam. Die verhängnisvollen Schüsse auf die deutsche Maschine gab übrigens Flight Lieutenant Peter Townsend ab, der später durch seine Liebesbeziehung zu Prinzessin Margaret, Schwester der Königin, bekannt wurde.

Der genaue Absturzort des Heinkel-Bombers befindet sich dort, wo sich die Straßen A171 und A169 kreuzen; am Kreisverkehr hat man einen Erinnerungsstein aufgestellt mit der Inschrift:

The first enemy aircraft to be shot down in England during the Second World War fell 80 yards opposite this tablet on 3rd February 1940„.

Die beiden getöteten deutschen Soldaten wurden auf dem Militärfriedhof von Catterick in North Yorkshire beigesetzt, später wurden sie zum German War Cemetery nach Cannock Chase in Staffordshire gebracht.


Published in: on 25. April 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Clifford’s Tower – Ein mysteriöser Turm mitten in der Stadt York

Eigenes Foto.

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Mitten in York steht wie ein abgebrochener Zahn der Clifford’s Tower, einziger Überrest der Burg, die vor langer Zeit an dieser Stelle die Stadt beherrschte. Warum der Turm so heißt, konnte nie so ganz geklärt werden; anfangs hieß er der King’s Tower, 1596 wurde er erstmals als Clifford’s Tower erwähnt, wahrscheinlich weil ein gewisser Roger de Clifford hier aufgehängt wurde. Dieser beteiligte sich an einer Rebellion gegen Edward II und wurde in der Schlacht von Boroughbridge 1322 schwer verwundet, gefangengenommen und zum Tode verurteilt. Am 23. März knüpfte man ihn in der Burg auf.

Der Clifford’s Tower bzw. King’s Tower hatte schon 1190 ein Schicksalsjahr erlebt. Bei anti-semitischen Unruhen flüchteten die ortsansässigen Juden in den damals noch hölzernen Turm und verbarrikadierten sich hier. Der Mob steckte ihn an und vor lauter Verzweiflung begingen die meisten der Juden Selbstmord; ein düsteres Kapitel in der Geschichte der Stadt York. Erst wurde der Turm wieder aus Holz aufgebaut, später durch einen steinernen mit dicken Mauern ersetzt. In den folgenden Jahrhunderten diente der Clifford’s Tower eine Zeit lang als Gefängnis, sollte abgerissen werden, was aber bei der Bevölkerung auf Widerstand stieß, wurde 1644 bei einer Belagerung beschädigt, dann wieder repariert und 1684 bei einem Feuer schwer verwüstet. Später folgte noch einmal eine Verwendung als Gefängnis und heute dient der Turm nur noch Touristen, die sich daran ergötzen, auf seinen geschichtsträchtigen Mauern herumzuklettern.

Umgeben ist der Clifford’s Tower von einem großen Parkplatz; wohl kaum einer der hier nach einem Platz suchenden Autofahrer wird sich wohl darüber Gedanken machen, was sich an dieser Stelle alles abgespielt hat.

Natürlich ist der Turm auch „haunted„, kein Wunder bei dem vielen Blut, was hier vergosssen wurde. Apropos Blut, es gibt einige Steine in der Mauer, die sich immer wieder rot färben. Das liegt an dem Massaker an den Juden, meinen einige; Quatsch, das ist ein spezieller Pilzbefall sagen die Wissenschaftler. Wie der Historiker und Geisterjäger Richard Felix in dem Film „Ghosts of York“ erzählt, sind im Clifford’s Tower unerklärliche Phänomene beobachtet worden wie „Orbs“ (mysteriöse weiße Flecken)  und Nebelschwaden; Fußstapfen und zuschlagende Türen ließen die nächtlichen Phantomjäger über ihren Ursprung rätseln. Auch Richard Felix erlebte bei seinem Besuch mit der Filmcrew etwas Merkwürdiges: Die Film- und Tonaufnahmen, die sie im Clifford’s Tower machten, waren beim späteren Betrachten im Studio alle misslungen, so dass sie alles noch einmal wiederholen mussten.

Der Clifford’s Tower ist fast an jedem Tag des Jahres geöffnet; der Eintritt kostet £4.30.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 2013, als man den Clifford’s Tower illuminierte.

Im Inneren des Clifford Towers. Eigenes Foto.

Im Inneren des Clifford’s Towers.
Eigenes Foto.

Blick vom Clifford Tower. Eigenes Foto.

Blick vom Clifford’s Tower auf die Stadt York.
Eigenes Foto.

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Published in: on 24. April 2014 at 02:00  Comments (4)  
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The Sleeping Children – Eine Marmorskulptur in der Kathedrale von Lichfield (Staffordshire)

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Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich zuletzt in Lichfield in Staffordshire war, eine Stadt, deren Skyline von den drei hohen Türmen der Kathedrale bestimmt wird. Einer meiner Blogleser, Daniel Graber aus der Schweiz, machte mich kürzlich auf eine besonders eindrucksvolle Skulptur aufmerksam, die 1817 in der Südostecke der Kathedrale aufgestellt worden ist, und die ich wohl damals bei meinem Besuch übersehen habe. Die Marmorskulptur heißt The Sleeping Children und wurde von dem Bildhauer Sir Francis Chantrey (1781-1841) angefertigt.

„Die beiden Mädchen stellen Ellen-Jane und Marianne Robinson dar, Töchter von Reverend William und Ellen-Jane Robinson. Beide Mädchen starben nacheinander in den Jahren 1813 und 1814. William Robinson, eine notable Person in Lichfield und Beamter in der Diözese, ging den Töchtern voraus, indem er 1812 an Tuberkulose verstarb. Die ältere Tochter Ellen-Jane, die mit ihrer Mutter gleichen Namens in Bath in der Kur war, verstarb 1813 an den Brandwunden, die sie sich während eines Brandes zuzog, als sie ins Bett wollte. Die jüngere Tochter Marianne erkrankte und starb 1814, als sie mit ihrer Mutter in London weilte. Die arme Frau verlor also innerhalb von 2 – 3 Jahren ihre ganze Familie.“ (Vielen Dank für diese Kurzdarstellung an Daniel Graber).

Die Mutter Ellen-Jane Robinson gab die Skulptur in Auftrag und hatte eine ganz klare Vorstellung wie sie aussehen sollte; dabei orientierte sie sich an dem Boothby Monument, das ein anderer Bildhauer, Thomas Banks, in der St Oswald’s Church in Ashbourne in Derbyshire aufgestellt hatte. Diese Skulptur aus weißem Marmor zeigt ein schlafendes Kind, Penelope Boothby, die im Alter von fünf Jahren gestorben war; sie war die Tochter von Sir Brooke Boothby, der für die Kathedrale von Lichfield Glasmalereien aus dem flämischen Herkenrode angekauft hatte und der zum intellektuellen Zirkel der Stadt in Staffordshire gehörte.

Hier ist ein Film über die Lichfield Cathedral, in dem kurz auch die Sleeping Children zu sehen sind.

Das Vorbild für die Sleeping Children: Penelope Boothbys Monument in der Kirche St Oswald's in Ashbourne (Derbyshire). This work is in the public domain.

Das Vorbild für die Sleeping Children: Penelope Boothbys Monument in der Kirche St Oswald’s in Ashbourne (Derbyshire).
This work is in the public domain.

Published in: on 23. April 2014 at 02:00  Comments (1)  
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St Mary Magdalen and St Lawrence in Davington (Kent) – Hier fand am 21. April die Trauerfeier für Peaches Geldof statt

St Mary Magdalen and St Lawrence in Davington (Kent).    © Copyright pam fray and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Gestern, am 21. April, fanden sich in der Kirche St Mary Magdalen and St Lawrence in Davington (Kent) viele Prominente ein, um  Peaches Geldof ihre letzte Ehre zu erweisen. Die hübsche 25jährige Tochter von Sir Bob Geldof war am 7. April aus noch immer ungeklärten Ursachen in ihrem Haus am Fairseat Lane in der Nähe des Dorfes Wrotham in der Grafschaft Kent gestorben. Wrotham liegt zwischen den beiden Autobahnen M20 und M26, der Fairseat Lane nördlich der M20, eine schmale Straße, die tunnelartig von Bäumen zugewachsen ist. Dort wohnte Peaches Geldof mit ihrem Mann Tom Cohen und ihren beiden kleinen Kindern.

Die Kirche in Davington, am Rande von Faversham gelegen, hat für die Familie Geldof eine besondere Bedeutung. Hier fand schon die Trauerfeier für Peaches‘ Mutter Paula Yates statt, die am 17. September 2000 in ihrer Londoner Wohnung an einer Überdosis Heroin starb und die auf dem Friedhof von St Mary Magdalen and St Lawrence beigesetzt ist. Peaches und Tom Cohen heirateten am 8. September 2012 in der selben Kirche und das Anwesen ihres Vaters, Davington Priory (hier ein Foto), grenzt direkt an die Kirche an. Bob Geldof und Paula Yates ließen sich 1986 hier ebenfalls trauen.

Zur gestrigen Trauerfeier erschienen u.a. Kate Moss, Ex-Rolling Stone Bill Wyman, die Duchess of York und viele andere Prominente aus dem Showbusiness. Hier einige Bilder.

St Mary Magdalene and St Lawrence wurde 1153 gebaut und ist damit eines der ältesten Gebäude in der Region Faversham. Peaches wuchs als Kind in der Davington Priory ihres Vaters auf, der das Grundstück vor 30 Jahren gekauft hatte.

Hier bei Wrotham in Kent wohnte Peaches geldof.    © Copyright Ian Yarham and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier bei Wrotham in Kent wohnte Peaches Geldof.
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Die Wishing Fish Clock in der Regent Arcade in Cheltenham (Gloucestershire)

Die Wishing Fish Clock in Cheltenham (Gloucestershire).    © Copyright Brian Robert Marshall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Wishing Fish Clock in Cheltenham (Gloucestershire).
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In der Stadt Cheltenham in der Grafschaft Gloucestershire lässt es sich ausgezeichnet spazierengehen und auch wer einen Einkaufsbummel im Auge hat, wird hier nicht enttäuscht, z.B. im Regent Arcade Shopping Centre in der High Street, wo man sein Geld in über 60 Läden lassen kann. Über eine Besonderheit verfügt die Regent Arcade, die Wishing Fish Clock, die der Künstler Kit Willliams entworfen hat. Dieses eigenartige, sehenswerte Gebilde wurde 1987 eingeweiht und ist mit rund 15 m Höhe eine der größten mechanischen Uhren der Welt. Drei Tonnen Gewicht bringt die Uhr auf die Waage, die von der ortsansässigen Firma Sinclair Harding & Co hergestellt wurde und £80,000 kostete.
Jede halbe Stunde setzt sich die Wishing Fish Clock in Bewegung und da gibt es einiges zu sehen. Die weiße Ente ganz oben auf der Uhr legt goldene Eier, die in die Uhr transportiert werden, aus kleinen verborgenen Türen schauen ab und an die Köpfe von Mäusen heraus, über dem Ziffernblatt lauert eine Schlange und unter der Uhr hängt ein vier Meter langer Fisch, der sich zu der Melodie von „I’m Forever Blowing Bubbles“ dreht und dabei Seifenblasen ausstößt. Wenn man eine dieser Blasen auffängt, darf man sich etwas wünschen, daher kommt der Name des Kunstwerks.

Kit Williams, der sein Studio in den Cotswolds hat, entwarf noch weitere faszinierende Uhren für Einkaufszentren, so z.B. für das Midsummer Place Shopping Centre in Milton Keynes (Buckinghamshire) The Time Machine, meist The Frog Clock genannt, und eine ähnliche für das Telford Shopping Centre in Telford (Shropshire), die Bubble-Blowing Frog Clock.

In diesem Film ist die Wishing Fish Clock in Cheltenham zu sehen.

Das kurze Gastspiel einer Maus in der Wishing Fish Clock.    © Copyright Brian Robert Marshall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 21. April 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Rick Astley – Der schmächtige Mann mit der starken Stimme

Zwischen 1987 und 1993 hatte der englische Popsänger Richard Paul Astley international einige große Erfolge. Irgendwie passte die ausgeprägte Stimme nicht zu dem sehr jugendlich wirkenden Gesicht, und ich hatte eigentlich damals gedacht, dass aus dem jungen Mann aus Lancashire noch einmal ein Superstar werden würde; aber in den frühen 1990er Jahren war es dann mit seinen Chartserfolgen vorbei.

Geboren wurde Rick Astley am 6. Februar 1966 in Newton-le-Willows, einer kleinen Marktstadt in Merseyside, in der auch der berühmte Musikproduzent Pete Waterman eine Zeit lang wohnte und der ihn auch dort entdeckte. Waterman gehörte zu dem außerordentlich erfolgreichen Produzententrio Stock Aitken Waterman, das einige Jahre lang den englischen Musikmarkt beherrschte und z.B. Kylie Minogue zum Durchbruch verhalf.

1987 kletterte der junge Mann aus Lancashire gleich zweimal auf Platz 1 der deutschen Charts, mit den Titeln “Never gonna give you up” und “Whenever you need somebody“. Der erstere kam auch in Großbritannien und in den USA auf den Spitzenplatz. Seine nächsten Singles waren dann zwar noch unter den Top Ten gelistet, aber außer „When I Fall In Love“ und „Together Forever„, die in Großbritannien noch Platz 2 erreichten, war der Höhepunkt seiner Erfolgswelle überschritten. Mit 27 Jahren zog er sich 1993 aus dem Showbusiness zurück, um sich mehr seinem Familienleben zu widmen. Eine Entscheidung, die man eher selten antrifft. Erst im Jahr 2002 zog es Rick Astley wieder ins Rampenlicht zurück, und er nahm ein neues Album auf, „Keep It Turned On„. Aber an seine großen früheren Erfolge konnte er nicht mehr anknüpfen. 2008 wurde er bei der Vergabe der MTV Europe Music Awards in Liverpool als „Best Act Ever“ ausgezeichnet, vor Britney Spears, Christina Aguilera und U2.

Rick Astley wuchs als Kind in der Park Road in Newton-le-Willows auf und besuchte erst die St Peter’s Primary School (die es heute noch gibt) und darauf die Selwyn Jones High School (die abgerissen und auf deren Gelände die Hope Academy errichtet wurde).

Als  Musikvideo habe ich “She wants to dance with me” ausgewählt, ein Song, der 1988 auf dem Album “Hold me in your arms” erschien und von Rick Astley selbst geschrieben wurde. Mir tat immer das Mädchen in dem Video leid, das sich mit den vollen Tellern durch die tanzende Menge quälen musste.

Hier ist das Video zu sehen.

Hier in der Park Road in Newton-le-Willows (Lancashire) wuchs Rick Astley auf.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der Park Road in Newton-le-Willows (Lancashire) wuchs Rick Astley auf.
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Published in: on 20. April 2014 at 02:00  Comments (1)  
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„The Royal Collection“ des Elisabeth Sandmann Verlags

Der Münchener Elisabeth Sandmann Verlag hat ein sehr interessantes Programm. Die beiden Bücher Extravagante Engländerinnen“ und „Mit Miss Marple aufs Land“ von Luise Berg-Ehlers stellte ich in meinem Blog schon einmal vor. Für alle, die am britischen Königshaus interessiert sind, kann ich die vierbändige Reihe „The Royal Collection“ des Verlags empfehlen, die sich mit der Queen beschäftigt.

Angela Kelly ist seit zwölf Jahren für die Garderobe Elisabeths II. zuständig und kümmert sich auch um den Schmuck ihrer Arbeitgeberin. Als Tochter eines Dockarbeiters aus Liverpool hat sie sich diese wichtige Position am Königshaus erkämpft und ist dort hoch angesehen. Das Outfit der Queen zur Hochzeit ihres Enkels William wurde von Kelly entworfen. Aber sie arbeitet auch für andere Mitglieder des Königshauses, z.B. für die Prinzessinnen Eugenie und Beatrice. In ihrem Buch „Das trägt die Queen: So entsteht die Garderobe ihrer Majestät“ lässt Angela Kelly einen Blick hinter die Kulissen der Hofschneiderei zu. In Kapiteln wie „Perfekt mit Hut“, „Die Aufbewahrung der Garderobe“ und „Die Schmucksammlung“ erfahren wir Details über das Modebewusstsein der Königin.

Ein ähnliches Thema behandelt der Band „Was trägt die Queen, wenn sie verreist? – Twinsets, Hüte, Abendroben“ von Caroline de Guitaut. Seitdem Elizabeth II. den Thron bestiegen hat, unternahm sie, gemeinsam mit ihrem Ehemann, über 150 Reisen in die ganze Welt (die in dem Buch alle akribisch aufgelistet sind). Man kann sich vorstellen, was für ein gewaltiger Aufwand erforderlich war, um jeweils die richtige Garderobe zusammenzustellen, die den unzähligen Anlässen auch gerecht wurde. Caroline de Guitaut ist Kuratorin am The Royal Collection Trust

Ein weiterer Band der „Royal Collection“ ist das Erinnerungsalbum der Queen mit dem Titel „Elizabeth II – Ein Leben auf dem Thron„. Die offizielle Publikation des britischen Königshauses dokumentiert den Lebensweg der Königin, von der Geburt am 21. April 1926 in der Londoner Bruton Street 17 bis zu ihrem diamantenen Thronjubiläum.

Ein ganz anderes Thema behandelt der vierte Band der „Royal Collection“; darin geht es um die royalen Vierbeiner. „Königliche Hunde: Von der Liebe des britischen Königshauses zu seinen treuesten Begleitern“ heißt das Buch von Sophie Gordon, die darin bis zu Königin Victoria zurückgeht und aus der Royal Photograph Collection viele Fotos von den Lieblingshunden der Royals zusammengetragen hat. Hier geht es also nicht nur um die berühmt-berüchtigten Corgis Elizabeths II., sondern auch um Prince Alberts Lieblings-Windhund Eos und um Cäsar, den Foxterrier Edwards VII.

Caesars Grabmahl. Author: lorelei. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Caesars Grabmahl.
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – The Royal Standard of England in Forty Green (Buckinghamshire)

Eigenes Foto.

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„Wild Mushroom Risotto“ wählt Joyce Barnaby aus der Karte des Green Man aus, während ihr Mann Tom sich für die Chicken Pie und „a pint of your excellent ale“ entscheidet. Beide wollen sich in dem Pubrestaurant einen schönen Abend machen, aber wie es bei den Barnabys so ist, Toms Handy klingelt und der Anruf von Sergeant Jones erweist sich als wichtiger als das Abendessen und im Hamdumdrehen sitzt Joyce allein am Tisch, samt Risotto und Chicken Pie.

Zu sehen ist diese Szene in Inspector Barnabys Folge 50 „Death in Chorus“ (dt. „Tote singen nicht“). Gedreht wurde nicht in einem „Green Man“, sondern in dem uralten Pub „The Royal Standard of England„, am Rande des Weilers Forty Green in Buckinghamshire, ein paar Kilometer von Beaconsfield entfernt. Leicht ist dieser Gasthof, der sich auf seinem Pubschild „The Oldest Free House in England“ nennt, nicht zu finden; man kommt dort nicht zufällig vorbei, man muss ihn schon gezielt aufsuchen. Eine schmale Landstraße führt an ihm vorbei, auf der zwei Autos nicht ohne zu rangieren aneinander vorbei passen. Später sieht man in der Episode noch eine weitere Szene im Royal Standard, als in der Bar die beiden rivalisierenden Chorleiter aufeinandertreffen und es zu einer Prügelei kommt.

Noch ein weiteres Mal kam das Produktionsteam von „Midsomer Murders“ hierher; in Episode 61 „Blood Wedding“ (dt. „Ganz in Rot“) wurden drei Szenen hier gedreht: Zuerst treffen sich Cully und ihr zukünftiger Ehemann Simon in der Bar, dann sehen wir Sergeant Jones und Sally Fielding vor dem Pub, die sich beide näher gekommen sind, und schließlich noch einmal Ben Jones und Cully, die sich kurz vor ihrer Eheschließung moralisch aufrichten lassen muss.

Der „Royal Standard of England“ ist ein außerordentlich atmosphärischer Pub, mit vielen ineinander verschachtelten Räumen, jeder Menge Kuriositäten wie Rüstungen und einem Skelett unter den Dachbalken im Restaurant, Kaminen, einem Wildschweinkopf, unzähligen Bildern an der Wand usw. usw.
Auf der Speisekarte konnte ich kein „Wild Mushroom Risotto“ entdecken, dafür aber eine „Chicken, Leek & Mushroom Pie“, die den Zusatz trug „Midsomer Murder Resurrection Pie“.

Der Name des Gasthofs ist König Charles II zu verdanken, der hier einst auf der Flucht nach der Schlacht von Worcester 1651 Unterschlupf fand. Für seine gute Tat wurde der  royalistische Pubbesitzer später belohnt, als Charles II wieder an die Macht kam. Er durfte den bisherigen Namen des Gasthauses „The Ship“ in den sehr viel pompöser klingenden „The Royal Standard of England“ umwandeln. Charles II suchte das Haus in Forty Green später noch öfter auf, denn er empfing dort im Obergeschoss seine Mätressen, mit denen er sich vergnügte. Auf die Diskretion des Landlords konnte er sich ja verlassen.

Noch andere Filmcrews fanden den Pub optimal für ihre Dreharbeiten, so wurden hier einige Szenen für „Hot Fuzz“ (2007) hergestellt, der unter dem unsäglichen Titel „Zwei abgewichste Profis“ in die deutschen Kinos kam, und „The Boys Are Back“ (2009) mit Clive Owen in der Hauptrolle; der deutsche Titel lautete „The Boys Are Back – Zurück ins Leben“.

Hier ist ein kleiner Film über den Gasthof.

Mir schmeckte das von Tom Barnaby genannte „excellent pint“ auch sehr gut.

The Royal Standard of England,
Forty Green,
Beaconsfield,
Buckinghamshire,
HP9 1XS

Das Restaurant des Royal Standards. Eigenes Foto.

Das Restaurant des Royal Standards.
Eigenes Foto.

Der Eingang zum Restaurant. Eigenes Foto.

Der Eingang zum Restaurant.
Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

The Red Lion Hotel in Henley-on-Thames – Hier wohnten zahlreiche illustre Gäste

The Red Lion Hotel in Henley-on-Thames. Eigenes Foto.

The Red Lion Hotel in Henley-on-Thames.
Eigenes Foto.

Direkt an der Themse liegt in Henley-on-Thames (Oxfordshire) das 600 Jahre alte Red Lion Hotel, das früher auf der Strecke von London nach Oxford als Kutschenstation diente. Zentraler kann man in Henley nicht wohnen, und wenn die berühmte Regatta hier stattfindet, ist das Haus lange Zeit im voraus ausgebucht, denn von vielen Zimmern aus hat man einen freien Blick auf den Fluss. Einen Gästeparkplatz gibt es auch, also was will man mehr?

Über dem Eingang des Hotels sitzt, oder besser springt, der namensgebende rote Löwe. Er hat im Laufe der Zeit viele berühmte Gäste kommen und gehen gesehen, nach denen die Zimmer des Hauses benannt worden sind, aber man fand es auch für angemessen, dem Löwen ein Zimmer zu widmen; so heißt Zimmer 106 The Red Lion Room.

König Charles I stieg gern in diesem Hotel in Henley ab und so gibt es natürlich auch einen Charles I Room (Zimmer 108), dessen Besonderheit das königliche Wappen mit dem Monogramm des Königs ist, das hier hinter Glas zu bewundern ist. Zimmer 109 erinnert an den Duke of Marlborough, der auf seinem Weg von Blenheim nach London gern hier eine Übernachtung einlegte. Zimmer 111 (General Blucher’s Room) und 201 (Caroline Cooper’s Room) haben einen historischen Zusammenhang. Auf dem Weg nach Oxford legten General Blücher und der Duke of Wellington, die Sieger von Waterloo, im Red Lion eine Rast ein. Zu diesem Anlass wurden zwölf der hübschesten Henley-Mädchen ins Hotel geschickt, um die erlauchten Gäste zu unterhalten. Eine davon war Caroline Cooper, von der der preußische General gern einen Kuss haben wollte. Aber: Die standhafte Caroline verweigerte den Kuss. Wie Blücher darauf reagierte, weiß ich nicht, aber immerhin hat man der schönen Themse-Anwohnerin ein Zimmer gewidmet.

Ein häufiger Besucher im Red Lion war König George III und auch George IV besuchte das Haus. Als letzterer noch Prinzregent war, soll er dort einmal 14 Koteletts auf einen Streich gegessen haben. Soviel ich weiß, steht dieser Rekord noch immer. Zimmer 208 wurde nach ihm benannt.
Grace Kelly, als sie noch nicht Fürstin von Monaco war, übernachtete 1947 einmal im Red Lion; Zimmer 114, der Princess Grace Room, wurde ihr gewidmet. Sir Winston Churchill war auch schon hier und nahm einen Drink an der Bar.

Es gibt sicher nicht viele Hotels in England, die sich mit so vielen berühmten Gästen brüsten können.
Die Zimmerpreise beginnen in etwa bei €120, klettern aber zu Regattazeiten auf das Mehrfache. So werden heute (noch!) Zimmer am 4. und 5. Juli zu einem Übernachtungspreis von €755 angeboten, aber auch die dürften schnell vergeben sein.

Hier ist ein Porträt des Hotels im Film.

The Red Lion Hotel
Henley-on-Thames
Oxfordshire
RG9 2AR
Tel. 01491 572161

 

 

Kirchen, die aus dem Rahmen fallen – Teil 2: St Augustine in Brookland (Kent) und der „Weihnachtsbaum-Glockenturm“

St Augustine's in Brookland (Kent).    © Copyright Julian P Guffogg and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Augustine’s in Brookland (Kent).
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Brookland liegt in der Romney Marsh an der A259, die von Folkestone nach Hastings führt. Am Ende der High Street liegt die Kirche St Augustine, deren ungewöhnlicher Glockenturm sofort ins Auge fällt. Einen Glockenturm erwartet man ja eigentlich oberhalb der Kirche, hier steht er aber direkt daneben, in Form eines Weihnachtsbaumes, bestehend aus drei Hütchen, die aufeinandersitzen. Man sagt, dass das ursprüngliche Holz des Turmes von Schiffswracks stammte, die vor der Küste von Kent auf Grund gelaufen waren. Es wird auch behauptet, dass dieser „belfry“ früher in Lydd, also weiter südlich, stand und auf Anordnung von Kardinal Wolsey nach Brookland transportiert wurde.

Natürlich gibt es auch hier nette Geschichten, warum der Glockenturm nun neben und nicht auf der Kirche steht. Eine kommt mir bekannt vor, wenn ich an den verdrehten Turm von Chesterfield denke: Bei einer Trauungszeremonie war die Braut noch Jungfrau und darauf fiel der Turm vor Erstaunen von der Kirche herunter. So etwas Seltens hatte er noch nie erlebt (da frage ich mich doch, woher der das eigentlich wusste???). Eine ähnlich gelagerte Geschichte ist die, dass der Glockenturm auf Grund eines Schocks herunterpurzelte, als der nämlich sah wie eine ausgesprochen hübsche Braut einen Fiesling von Bräutgam heiratete.

Natürlich gibt es auch realistischere Versionen, z.B. die, dass der Untergrund hier in der Romney Marsh zu weich ist, um eine Kirche samt Glockenturm tragen zu können. Wobei ich mich frage, warum dann die All Saints Church, die „Cathedral on the Marsh“, im benachbarten und bereits erwähnten Ort Lydd über einen der höchsten (und damit sicher auch schwersten) Türme der ganzen Grafschaft Kent verfügt.

Hier ist eine Kostprobe des Glockenläutens der St Augustine’s Church zu hören und hier ist ein Film über die Kirche zu sehen.

Published in: on 16. April 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Kirchen, die aus dem Rahmen fallen – Teil 1: St Peter in Binton (Warwickshire) und sein außergewöhnliches Kirchenfenster

St Peter in Binton (Warwickshire).    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter in Binton (Warwickshire).
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Binton ist ein kleines Dorf in Warwickshire, einige Kilometer westlich von Stratford-on-Avon und nördlich von Welford-on-Avon, wo ich einmal wohnte. Dort gibt es eine Kirche namens St Peter, die über ein sehr ungewöhnliches Kirchenfenster verfügt. Normalerweise sind auf Kirchenfenstern Heilige, Szenen aus der Bibel usw. zu sehen, also religiöse Motive. Hier in St Peter ist eines der Fenster dem Polarforscher Robert Falcon Scott gewidmet, der am 29. März 1912 bei einer Expedition in der Antarktis ums Leben kam. Was hatte Scott mit Binton zu tun?

Robert Falcon Scott war mit der Bildhauerin Kathleen Bruce verheiratet, deren Bruder Reverend Lloyd Harvey Bruce von 1906 bis 1924 Pfarrer in Binton war. Beide waren häufig in der Rectory zu Gast und, bevor sich Scott auf den Weg zum Südpol machte, verabschiedete er sich noch von seinem Schwager hier in Binton. Nach dem tragischen Tod Scotts und seiner Weggefährten in den unendlichen Weiten der Antarktis gab der Reverend in Erinnerung an seinen Schwager ein Kirchenfenster in Auftrag, das Szenen aus jener schicksalhaften Expedition zeigen sollte. Auftragnehmer war die Londoner Firma C. E Kempe and Co., die sich auf Glasmalerei spezialisiert hatte und deren Firmengründer Charles Eamer Kempe u.a. Arbeiten in den Kathedralen von Gloucester, Hereford, Lichfield, Wells, Winchester und York durchgeführt hatte.

Eine der Szenen zeigt Captain Lawrence Edward Grace Oates, der sich mutig für seine Kameraden aufopferte und mit den berühmten Worten „I am just going outside and may be some time“ an seinem Geburtstag das Lager verließ und nie mehr gesehen wurde. Die Inschrift besagt: „Here Captain Scott that brave and gallant gentleman unwilling to be a burden to his companions, leaves them and the shelter of the tent, to die“
Eine andere Szene gibt den Moment wieder, als die Expedition am Südpol ankommt und erkennen muss, dass der Norweger Roald Amundsen schon vor ihnen dagewesen war.

Neben dem beeindruckenden Kirchenfenster erinnert ein Kreuz an den ehemaligen Pfarrer von St Peter. Eine weitere Sehenswürdigkeit in der Kirche ist eine bronzene Christusskulptur, die seine Schwester Kathleen schuf.

Das Kirchenfenster von St Peter in Binton.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kirchenfenster von St Peter in Binton.
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Published in: on 15. April 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubschilder – The Beehive in Grantham (Lincolnshire)

The Beehive in Grantham (Lincolnshire).    © Copyright Jo Turner and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Beehive in Grantham (Lincolnshire).
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In Margaret Thatchers Geburtsort Grantham in Lincolnshire gibt es in der Straße Castlegate einen Pub aus dem 16. Jahrhundert, dessen „Schild“ außergewöhnlich ist. Statt eines gemalten Schildes weist dort in einem Baum direkt vor der Eingangstür ein Bienenkorb auf den Pubnamen The Beehive hin und darin wohnt sogar ein richtiges Bienenvolk. Ich meine, das ist einmalig in ganz Großbritannien. Die Linde ist der einzige Baum in diesem Teil der Castlegate und der Bienenkorb soll mindestens schon seit 1830 in ihrem Geäst angebracht sein. Unter diesem kuriosen Pubschild ist eine Plakette mit diesem Vers zu finden:

Stop Traveller! This wondrous sign explore
And say, when thou has viewed it o’er,
Grantham, now two rarities are thine:
A lofty steeple and a living sign

Der Hinweis auf den „lofty steeple“ bezieht sich auf die Kirche St Wulfram’s, die am anderen Ende der Straße zu finden ist, und deren Kirchturmspitze 86 Meter in die Höhe ragt, womit sie auf der Rangliste der höchsten Kirchtürme des Landes auf Platz 6 steht.

Die fleißigen Bienen produzieren etwa 30 Pfund Honig pro Jahr, der im Gasthaus auch verwendet wird.
Direkt gegenüber vom Beehive steht ein Konkurrenz-Pub, der nach der Straße benannt ist: The Castlegate, übrigens mit einem „richtigen“ gemalten Pubschild, das den Kirchturm von St Wulfram’s zeigt.

Hier ist ein kleines Porträt der Bienen.

The Beehive
10/11 The Castlegate
Grantham NG31 6SE

Hier werden jedes Jahr rund 30 Pfund Honig produziert.    © Copyright Jo Turner and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier werden jedes Jahr rund 30 Pfund Honig produziert.
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Published in: on 14. April 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Die Shopping-Tour des Henry Ford Anfang der 1930er Jahre in den Cotswolds

St Peter in Winchcombe.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter in Winchcombe. Hätte Henry Ford gern gehabt…
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Anfang der 1930er Jahre machte sich der Automobilbauer Henry Ford aus den USA auf eine Shopping-Tour nach England, um dort in den Cotswolds für sein riesiges Greenfield Village in Dearborn/Michigan einzukaufen. Ford hatte vor den Toren der Autostadt Detroit einen großen Museumskomplex eingerichtet, den er mit Gebäuden aus Merry Old England etwas aufhübschen wollte. Er hatte da unter anderem an eine nette Dorfkirche gedacht und zwar speziell an St Peter’s in Winchcombe, nordöstlich von Cheltenham in Gloucestershire. Diese Kirche zeichnete sich vor allem durch die zahlreichen Wasserspeier und Fratzen aus, die in die Außenmauern eingelassen waren. Ford wollte die Kirche kaufen, sie Stein für Stein auseinandernehmen und in Michigan wieder aufbauen. Aber er hatte die Rechnung ohne die Menschen aus Winchcombe gemacht, die ihre Kirche im Dorf lassen wollten und so wurde aus den Plänen des Autobauers nichts.

Auch eine andere seiner Ideen ließ sich (Gottseidank) nicht realisieren. In dem hübschen Cotswolds-Dörfchen Bibury gibt es die berühmte Arlington Row, eine Straße mit sehenswerten alten Cottages. Auch die wollte sich Henry Ford einverleiben und in die USA mitnehmen. No, No, sagte man in Bibury, nicht mit uns und so steht die Arlington Row noch heute an der gleichen Stelle und wird von unzähligen Menschen Jahr für Jahr fotografiert.

Aber der gute alte Henry ging nicht ganz erfolglos in die Staaten zurück, denn ein paar Dinge konnte er doch erwerben, z.B. das Rose Cottage, das er in Chedworth erwarb. Dieses Haus aus dem 17. Jahrhundert kaufte er für $5000, ließ es zerlegen und in sein Greenfield Village transportieren. Dazu kam noch eine alte Schmiede, die 300 Jahre lang ihren Dienst in den Cotswolds versehen hatte und nun nahe der Autostadt Detroit weiterleben musste. Auch ein „dovecote„, ein Taubenhaus samt Inhalt, also inklusive der Tauben, ging über den großen Teich. Zum Schluss kam noch eine komplette Schafsherde aus den Cotswolds dazu. Das war’s!

Daß Brücken, Kirchen usw. aus England in die USA transportiert wurden, ist ja nichts Außergewöhnliches, man denke nur an die London Bridge, die in Lake Havasu City in Arizona wieder zusammengebastelt wurde oder an die Kirche St Mary Aldermanbury aus London, die jetzt in Missouri steht (ich berichtete darüber).

Auch an den Häusern der Arlington Row in Bibury (Gloucestershire) biss sich Henry Ford die Zähne aus.    © Copyright Katy Walters and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch an den Häusern der Arlington Row in Bibury (Gloucestershire) biss sich Henry Ford die Zähne aus.
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Published in: on 13. April 2014 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire Heroes

 

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Der kleine Verlag Countryside Books in Newbury (Berkshire), der 1976 von Nick and Sue Battle gegründet wurde, hat ein sehr interessantes Verlagsprogramm, darunter auch die „Heroes“-Serie. Darin werden die „Helden“ einzelner Grafschaften vorgestellt. Bisher gibt es Bände über Hertfordshire, Cornwall, Norfolk, Leicestershire, Derbyshire und Buckinghamshire. David Kidd-Hewitts persönliche Auswahl „Buckinghamshire Heroes“ habe ich gerade gelesen. Er stellt zehn sehr unterschiedliche Helden der Grafschaft vor, beginnend mit dem „Steuerrebell“ John Hampden (1594-1643), der mit einem Denkmal auf dem Marktplatz von Aylesbury geehrt wurde, bis zu dem kleinen Thomas Ball aus Prestwood, der 2003 im Alter von nur 14 Jahren an Krebs starb und sich in seinen Leidensjahren trotzdem noch für das Wohl anderer Kinder einsetzte.

Weiterhin werden als Helden Buckinghamshires angeführt:

Roald Dahl, der Schriftsteller aus Great Missenden, der weltweit durch seine Kinderbücher berühmt wurde
– Die zahllosen Mitarbeiter von Bletchley Park, die im Zweiten Weltkrieg die Verschlüsselung des geheimen Nachrichtenverkehrs der deutschen Wehrmacht knacken konnten
Florence Nightingale, die Begründerin der modernen Krankenpflege
Ken „Snakehips“ Johnson, der erste schwarze Swing Bandleader Großbritanniens, der in Marlow Sir William Borlase’s Grammar School besuchte
John Newton, der Komponist aus Olney, der noch heute, vor allem durch sein „Amazing Grace“, weltberühmt ist.

Diese und noch einige andere Helden aus der Grafschaft Buckinghamshire werden auf 125 Seiten dargestellt, im Anschluss gibt es noch ein weiterführendes Literaturverzeichnis. Ein sehr lesenswertes und empfehlenswertes Buch!

David Kidd-Hewitt: Buckinghamshire Heroes. Countryside Books 2005. 128 Seiten. ISBN 978-1853069291.

Roald Dahls Grab auf dem Kirchhof von Great Missenden.    © Copyright David Hillas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Roald Dahls Grab auf dem Kirchhof von St Peter and St Paul in Great Missenden.
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John Hampdens Statue auf dem Marktplatz von Aylesbury. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license. Attribution: KingDaveRa at English Wikipedia.

John Hampdens Statue auf dem Marktplatz von Aylesbury.
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The Old Vicarage in Olney. Hier schrieb John Newton das Lied "Amazing Grace".    © Copyright Robin Drayton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Vicarage in Olney. Hier schrieb John Newton das Lied „Amazing Grace“.
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Published in: on 11. April 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Was aus den Hotels der von Essen Gruppe wurde, die 2011 Insolvenz anmeldete

Thornbury Castle Hotel in Gloucestershire. Eigenes Foto.

Thornbury Castle Hotel in Gloucestershire.
Eigenes Foto.

Wer meinen Blog schon über längere Zeit verfolgt hat, wird sicher gemerkt haben, dass ich eine ausgeprägte Vorliebe für englische Schloss- und Country House Hotels habe. Viele von ihnen habe ich in meinem Blog schon vorgestellt. Besonders gern wohnte ich immer in den Häusern der „von Essen Hotelgruppe„. Der englische Geschäftsmann Andrew Davis hatte sich in den ersten zehn Jahren des neuen Jahrtausends jede Menge der schönsten Hotels des Landes zusammengekauft, sich dabei aber finanziell übernommen, denn im April 2011 musste er Insolvenz anmelden. Was sollte nun aus diesen vielen Häusern werden? Schon fürchtete ich, dass einige von ihnen in die Hände superreicher Araber, Russen oder Chinesen fallen würden, die sie zu privaten Wohnsitzen umbauen könnten, was aber glücklicherweise nicht der Fall war.
Hier ist eine Übersicht mit einigen Beispielen, wie es mit den Hotels weitergegangen ist.

– Mein Lieblingshotel, das Thornbury Castle Hotel in Thornbury (Gloucestershire), dessen früheren Besitzer, den Baron of Portlethen, ich noch kannte, wurde von den Luxury Family Hotels übernommen. Eigentlich passt es gar nicht so richtig in diese familienfreundliche Hotelgruppe, denn bei meinen Besuchen (ich glaube, ich habe mittlerweile achtmal dort gewohnt) habe ich noch nie eine Familie mit Kindern dort gesehen, aber vielleicht war das ja nur Zufall. Ich war sehr erleichtert, dass dieses wunderschöne alte Schlosshotel erhalten geblieben ist!!!
Hier geht es zu meinem Blogeintrag, hier zur Webseite des Hotels.

– Das großartige Cliveden House Hotel bei Taplow in Berkshire war so etwas wie das Flaggschiff der von Essen Hotels. Es wurde von den Brüdern Ian und Richard Livingstone übernommen, denen schon das ebenso berühmte Chewton Glen Hotel an der Küste Hampshires gehört. General Managerin ist Sue Williams, die bisher die gleiche Position im Bath Priory Hotel in Bath inne hatte.
Hier geht es zu meinem Blogeintrag, hier zur Webseite des Hotels.

– Auch im Amberley Castle Hotel bei Arundel in West Sussex habe ich mich sehr wohlgefühlt. Dieses schöne Burghotel fand im Oktober 2011 ein neues Zuhause. Es wurde von Andrew und Christina Brownsword in ihre Brownsword Hotelgruppe integriert, zu der auch das oben erwähnte Bath Priory Hotel gehört.
Hier geht es zu meinem Blogeintrag, hier zur Webseite des Hotels.

– Das Buckland Manor Hotel liegt vor den Toren der Cotswold-Stadt Broadway; ein sehr angenehmes Haus wie ich selbst feststellen konnte. Auch dieses Hotel wurde im Oktober 2011 von der Brownsword-Gruppe übernommen. Möge es ihm unter den neuen Besitzern gut gehen!
Hier geht es zu meinem Blogeintrag, hier zur Webseite des Hotels.

– Das Hunstrete House Hotel in der Nähe von Bath fand erst einmal keinen Käufer und musste im Mai 2011 schließen. Aber: Seit März diesen Jahres ist es als The Pig – Near Bath wieder auferstanden. Der Hotelier Robin Hutson hatte es gekauft, umgebaut und in seine „Pig“-Gruppe integriert. Es gibt bereits „The Pig“ in Brockenhurst im New Forest,  „The Pig in the Wall“ in Southampton und demnächst „The Pig on the Beach“ in Studland in Dorset.
Hier geht es zur Webseite des Hotels.

Ston Easton Park, eines der schönsten Hotels in Somerset, wurde von dem Geschäftsmann James Caan übernommen (zusammen mit dem berühmten Sharrow Bay Hotel im Lake District). Damit sind auch die letzten beiden von Essen-Hotels in neue Hände übergegangen.
Hier geht es zu meinem Blogeintrag, hier zur Webseite des Hotels.

Das Cliveden House Hotel in Berkshire. Eigenes Foto.

Das Cliveden House Hotel in Berkshire.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 10. April 2014 at 02:00  Comments (2)  

Der Schauspieler Sir John Mills und seine Beziehung zu Denham in Buckinghamshire

Hills House an der Village Road in Denham (Buckinghamshire). Eigenes Foto.

Hills House an der Village Road in Denham (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

John Mills (1908-2005) wollte schon von Kindesbeinen an Schauspieler werden; ein Wunsch, der ihm erfüllt werden sollte. Viele Jahrzehnte lang drehte er Dutzende von Filmen. Für seine Darstellung des Michael in „Ryans Daughter“ (dt. „Ryans Tochter“) erhielt er 1971 den Oscar als bester Nebendarsteller. 1960 wurde Mills zum Commander of the British Empire ernannt und 1976 von der Queen zum Ritter geschlagen.

Sir John wollte Zeit seines Lebens immer auf dem Lande wohnen, Großstädte reizten ihn nie, und so suchte er in der näheren Umgebung von London einen passenden Ort, in dem er sich wohlfühlen konnte. Wie so macher andere Schauspieler auch war Denham in Buckinghamshire seine erste Wahl und sollte es immer bleiben. Auf der einen Seite ist Denham ein wirklich hübsches Dorf und auf der anderen Seite liegt es nicht weit von den großen Filmstudios und von London entfernt.

Über 30 Jahre, mit Unterbrechungen, sollte Sir John in Denham wohnen. Mopes Farm Cottage am Denham Lane, das er auf Grund seiner Feuchtigkeit scherzhaft „Damp Delight“ nannte, war die erste Station, die er mit seiner Frau Mary bezog.  Dort wurde es ihnen aber bald zu eng und so zogen sie in das Misbourne Cottage in der Village Road, das sie für £900 erwarben. Ihr Traumhaus an der Misbourne Bridge stellte Sir John in den 1960er Jahren für die Dreharbeiten der Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford zur Verfügung (im Film wohnte Miss Marple in der Old Pasture Lane in Milchester). Doch noch immer hatten Sir John und seine Frau Mary nicht das endgültige Domizil gefunden. Sie kauften Rex Harrison und Lilli Palmer ihr „The Little House“ (hier ein Film) an der Slade Oak Lane ab, das etwas weiter entfent von Denham Village lag. Dann zogen sie einige Kilomete weiter westlich nach Fulmer (Buckinghamshire), wo sie das Haus Fernacres erwarben, das eine Pferdekoppel hatte. So konnten ihre Töchter hier reiten lernen. Als aber einmal Einbrecher dort eindrangen, während die Kinder in der Obhut ihrer Nanny schliefen und die Eltern gerade abwesend waren, entschieden sie sich schweren Herzens, dort wieder auszuziehen und nach London zu gehen.

Aber die englische „countryside“ lockte zu sehr und so suchten und fanden sie schließlich, wieder in Denham, ein Haus, das bis zum Tode des Ehepaars ihr endgültiges Domizil bleiben sollte, das Hills House an der Village Road, direkt neben der Kirche St Mary’s. Hier wohnten früher einmal der Filmproduzent Alexander Korda und seine Frau, der Filmstar Merle Oberon.

Im Januar 2001 erneuerten Sir John und Mary ihr Eheversprechen in der Dorfkirche; weit hatten sie ja dahin nicht zu gehen. Er starb am 23. April 2005, seine Frau nur einige Monate später, am 1. Dezember des gleichen Jahres, beide in Denham, in dem Ort, den sie so sehr liebten. Die Trauerfeier fand natürlich auch in St Mary’s statt und begraben liegen beide auf dem Kirchhof unter einer alten Kastanie, ganz dicht an ihrem ehemaligen Grundstück. Eine Plakette ist am Hills House angebracht, die auf ihren berühmten Bewohner hinweist.

Über Denham habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, besonders in Zusammenhang mit der „Inspector Barnaby„-TV-Serie. Hier wurden mehrere Episoden gedreht.

Das Misbourne Cottage in Denham.    © Copyright Jo Turner and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Misbourne Cottage in Denham.
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Published in: on 9. April 2014 at 02:00  Comments (1)  
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William Watson, der „Sonnenuhrmacher“ von Seaton Ross (East Yorkshire)

Sundial Cottage in Seaton Ross (East Yorkshire).    © Copyright Jonathan Thacker and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sundial Cottage in Seaton Ross (East Yorkshire).
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William Watson (1784-1857) war eine kleine lokale Berühmtheit im Osten der Grafschaft Yorkshire. Er war Farmer, Landvermesser, Kartograph, Amateurastronom und interessierte sich sehr für Sonnenuhren. Geboren wurde er in der kleinen Gemeinde Seaton Ross, ca 23 km südöstlich von York, und er verbrachte auch einen Teil seines Lebens hier auf der Dial Hall Farm. Ohne ihn hätte man im Land wohl nie etwas von Seaton Ross gehört. Die von Watson geschaffenen Sonnenuhren machten den Ort bekannt, denn hier an einem alten Backsteinhaus in der Straße North End (auf der rechten Seite, wenn man das Dorf in Richtung Norden verlässt), brachte er an der Außenwand die größte Sonnenuhr Großbritanniens an, deren Durchmesser 3,65 Meter beträgt. Das Haus trägt natürlich auch einen passenden Namen „Sundial Cottage„.
Es gibt dazu eine nette Geschichte: Einer von Watsons Farmarbeitern wohnte früher einmal in dem Haus, der sich dadurch auszeichnete, dass er ständig zu spät zur Arbeit erschien. „Ich besitze keine Uhr“ war seine Ausrede. Nun, das können wir ändern, dachte sich Watson und konstruierte speziell für diesen Arbeitnehmer die Sonnenuhr. So war dieser zumindest an sonnigen Tagen immer rechtzeitig an seiner Arbeitsstelle.

William Watsons Sonnenuhren finden sich noch an seinem Farmhaus und eine Miniaturversion über der Eingangstür der Dorfkirche St Edmund’s. Dort wurde er auch 1857 begraben; auf seinem Grabstein steht die Inschrift „At this church I so often with pleasure did call, that I made a sundial upon the church wall“.

Im Jahr 2012 hat man sich in der nahegelegenen Stadt Pocklington seiner erinnert und ihn mit einer Sonnenuhr geehrt, die auf einem Metzgerladen in der George Street angebracht wurde. Der regionale Sonnenuhrmacher Stephen Holehan hat dazu eine Vorlage verwendet, die er in Watsons Notizbuch fand. Hier in Pocklington erschien 1854 auch William Watsons Buch „Dialling Diagrams„, in dem er sich mit der Konstruktion von Sonnenuhren beschäftigte.

Die Sonnenuhr an der Dial Hall Farm.    © Copyright Roger Gilbertson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Sonnenuhr an der Dial Hall Farm.
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St Edmund's in Seaton Ross mit einer Mini-Sonnenuhr über dem Eingang.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Edmund’s in Seaton Ross mit einer Mini-Sonnenuhr über dem Eingang.
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Published in: on 8. April 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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James Matthew „Peter Pan“ Barrie und seine Begeisterung für Cricket

Das Stanway House und der berühmte Springbrunnen.    © Copyright Colin Craig and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Stanway House und der berühmte Springbrunnen.
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Vor kurzem sah ich mir bei ARTE den Spielfilm „Wenn Träume fliegen lernen“ (Originaltitel „Finding Neverland“) mit Johnny Depp und Kate Winslet an; darin geht es um die Entstehung des Kinderbuch-Klassikers „Peter Pan“. Das brachte mich auf die Idee, einmal über eine andere, weniger bekannte Seite des „Peter Pan“-Schöpfers James Matthew Barrie zu schreiben: Seine Vorliebe für das Cricketspiel.

Der schottische Schriftsteller (1860-1937) war häufig auf dem Landsitz Stanway House in Gloucestershire zu Gast, das den Eltern seiner Sekretärin, Cynthia Asquith, gehörte. Lord und Lady Wemyss nahmen Barrie gern bei sich auf, der sich hier sehr wohlfühlte und das Stanway House bald als seine zweite Heimat betrachtete. Hier gab es ein Cricketspielfeld mit einem alten ausgedienten Eisenbahnwaggon als Pavillon; den ließ Barrie entfernen und stattdessen durch ein richtiges gemauertes Gebäude ersetzen, das auf 25 sogenannten „staddle stones“ ruht, das sind pilzförmige Steine, die verhindern sollen, dass sich dort Ungeziefer breitmacht.  Dieses reetgedeckte Haus steht auch heute noch in Stanway.

Barrie hatte sogar einen eigenen Cricketclub gegründet, den er „Allahakbarries“ nannte, ein Wortspiel aus seinem Nachnamen und dem Arabischen Allah Akbar, was er als „Der Himmel möge uns helfen“ deutete, was aber „Gott ist groß“ heißt. Dieser Club war zeitweise so etwas wie eine literarische All Stars-Vereinigung, denn zu seinen Mitgliedern gehörten namhafte Schriftsteller wie Sir Arthur Conan Doyle, P.G. Wodehouse, A.A. Milne, Herbert George Wells, Jerome K. Jerome und Gilbert Keith Chesterton. Wie hoch Barrie das Cricketspiel einschätzte, zeigte seine Aussage, dass er den Cricket-Erfinder noch über den „Hamlet“-Schöpfer Shakespeare einstufte.

1890 schrieb Barrie ein 40seitiges Buch über seinen Cricketclub mit dem Titel „Allahakbarries C.C„, das 1950 noch einmal nachgedruckt wurde.

Das Stanway House und die dazugehörenden Gärten, die noch heute im Besitz der Wemyss Familie (Lord und Lady Neidpath) sind, kann man in den Sommermonaten jeweils dienstags und donnerstags zwischen 14 und 17 Uhr besichtigen. Berühmt ist der Springbrunnen, der zu den höchsten in ganz Europa zählt.

Stanway liegt nordöstlich von Cheltenham an der B4077.

Das Buch zum Artikel:
Kevin Telfer: Peter Pan’s First XI: The Story of J.M. Barrie’s Cricket Team. Hodder&Stoughton 2010. ISBN 9780340919453.
Hier ist ein Video über das Buch.

Barries Cricket-Pavillon in Stanway.    © Copyright Jeremy Bolwell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Barries Cricket-Pavillon in Stanway.
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Published in: on 7. April 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Chenies Manor House in Buckinghamshire

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Wer sich noch an Episode 12 „Judgment Day“ (dt. „Der Mistgabel-Mörder“) der „Inspector Barnaby“-Serie erinnern kann, da geht Cully mehrmals in das Haus des alternden Schauspielers Edward Allardyce, den Tom Barnabys Tochter sehr verehrt und den sie interviewen möchte. Dieses Haus ist Chenies Manor House in dem kleinen Ort Chenies in Buckinghamshire, an der A404 gelegen. Weil es den Produzenten dort offenbar gut gefiel, drehten sie gleich in der nächsten Folge, „Beyond the Grave“ (dt. „Der Fluch von Aspern Tallow“), im Chenies Manor House weiter. Dieses Mal fungiert es als das Aspern Hall Museum. In dieser Episode 13 sieht man auch das Village Green des Dorfes und die Kirche St Michael’s, die gleich neben dem Manor House liegt. Einige Episoden weiter, in der Folge 38 „Orchid Fatalis“ (dt. „Blumen des Bösen“) dient das Haus als Malham Manor, auf dessen Gelände die Malham Annual Flower & Orchid Show stattfindet. Der „neue“ Barnaby sucht in Episode 85 „The Oblong Murders“ (dt. „Ein Funke genügt“) zum (vorerst) letzten Mal das Manor House auf. In dieser Folge ist es das Hauptquartier der Oblong Foundation und heißt Malham Hall.

Chenies Manor House, dessen älteste Teile bis ins Jahr 1460 zurückgehen, hat in seiner Geschichte so einiges erlebt. Heinrich VIII war hier häufig zu Gast, sowie seine Frau Catherine Howard und, zu Heinrichs Leidwesen, auch Catherines Geliebter Thomas Culpepper, die sich hier vergnügten; wofür sie aber teuer bezahlen mussten, denn der König ließ beide hinrichten. Heinrich VIII soll im Manor House noch immer sein Unwesen treiben, denn in einem Treppenhaus und im Korridor, der zu Catherines früherem Schlafzimmer führt, hört man nachts schlurfende Schritte; man sagt, dass sei der misstrauische König, der die Treue/Untreue seiner Frau überprüfen will.
Heinrich VIII war von den künstlerisch gestalteten Schornsteinen des Hauses sehr angetan; so sehr, dass er sie in der gleichen Form auf seinem Schloss Hampton Court anbringen ließ.

Chenies Manor House, das in Privatbesitz ist, hat erst vor wenigen Tagen seine Pforten für die Saison 2014 wieder geöffnet. Bis Ende Oktober kann man es jeweils mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr besichtigen.

Hier ist ein Film über das Manor House.

St Michael in Chenies, zu sehen in     © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Michael in Chenies, zu sehen in Midsomer Murders Folge 13 „Beyond the Grave“.
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Das Village Green von Chenies.    © Copyright David Howard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Green von Chenies.
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Der Bulford Kiwi von der Salisbury Plain – Ein Stück Neuseeland in Wiltshire

 

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Was macht man mit Soldaten, die fern von der Heimat in einem fremden Land stationiert sind, unbedingt nach Hause wollen und sich fürchterlich langweilen? Man gibt ihnen eine möglichst sinnvolle Aufgabe, die ihnen auch noch Spaß macht.

So geschehen nach Ende des Ersten Weltkriegs, als Tausende von Soldaten aus Neuseeland in ihren Kasernen in Bulford (Wiltshire) festsaßen und darauf warteten, endlich ans andere Ende der Welt zurückzukehren. Es waren aber keine Transportschiffe verfügbar, was die Soldaten sprichwörtlich auf die Barrikaden brachte, denn in ihrem Sling Camp brachen Unruhen aus. Also überlegten ihre Vorgesetzten, was man tun könnte, um sie zu beschäftigen. Da hatte jemand eine brilliante Idee: In Wiltshire gibt es ja mehrere Weiße Pferde, die vor langer Zeit in Hügel geritzt worden waren. Warum nicht einmal ein anderes Tier in gleicher Form verewigen und zwar eines, das in besonderer Weise mit Neuseeland verbunden ist, den Kiwi?

Gesagt, getan. Ein gewisser Percy Blenkarne, Sergeant Major der neuseeländischen Armee, fertigte eine Skizze des Nationalsymbols Neuseelands an und übertrug sie auf den Beacon Hill in Bulford, dann machten sich die Soldaten des New Zealand Canterbury Battalions an die Arbeit und trugen 30cm des Bodens ab, bis sie auf die darunterliegende Kalkschicht stießen. So entstand im Laufe von vier Monaten auf einer Fläche von über 6000 qm ein Riesen-Kiwi, der vom Scheitel bis zur Sohle 130m misst; allein der Schnabel des Tieres ist 46m lang. Damit auch jeder, der den Kiwi am Beacon Hill sieht, weiß, wo sein Herkunftsland ist, ritzte man unter seinen Kopf noch die Buchstaben „NZ“ für „New Zealand“ in den Boden. Fertig!

Irgendwann sind dann die Soldaten wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und überließen den Kiwi seinem Schicksal. Eine Zeit lang kümmerte sich eine Firma, die Schuhwichse herstellt, die Kiwi Polish Company, um den Vogel, dann interessierte sich keiner mehr für ihn. Im Gegenteil, während des Zweiten Weltkriegs störte er sogar, weil er den anfliegenden deutschen Bombenflugzeugen als Wegweiser hätte dienen können. Also deckte man ihn komplett ab und nach dem Krieg vegetierte er so vor sich hin, bis man im Jahr 1986 hier in der Ebene von Salisbury wieder ein Herz für Kiwis hatte und er erneut schön herausgeputzt wurde. Heute kümmert sich das britische Verteidigungsministerium um den Bulford Kiwi (auch eine sinnvolle Aufgabe für die dort stationierten Soldaten!).

Bulford befindet sich nördlich der A303 bei Amesbury, nur einen Katzensprung von Stonehenge enfernt.

Hier ist ein kleiner Film über den Vogel vom Beacon Hill.

Der Bulford Kiwi kurz nach der Fertigstellung. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der Bulford Kiwi kurz nach der Fertigstellung.
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Published in: on 5. April 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Famous Graves – Kathleen Agnes Cavendish, Marchioness of Hartington, auf dem Kirchhof von St Peter’s in Edensor (Derbyshire)

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Das kleine Dorf Edensor in Derbyshire stand ursprünglich woanders, aber da der Anblick den 6. Duke of Devonshire von seinem Anwesen Chatsworth House aus störte, ließ er es zwischen 1838 und 1842 einfach abreißen und da wieder aufbauen, wo es seinem Blickfeld entzogen war. So einfach war das damals. Auch die Kirche St Peter’s wurde im neuen Dorf Edensor nach Plänen von Sir George Gilbert Scott neu gebaut, wobei Teile der alten Kirche integriert wurden.

Viele der Dukes of Devonshire liegen auf dem Kirchhof von St Peter’s begraben, auch eine Angeheiratete der Familie Cavendish, die US-Amerikanerin Kathleen Agnes Cavendish, Marchioness of Hartington, die zu ihrem Titel kam, weil sie den ältesten Sohn des 10. Dukes of Devonshire geheiratet hatte, William Cavendish, Marquess of Hartington. Kathleen war niemand anderes als die Schwester des späteren US-Präsidenten John F. Kennedy. Die beiden hatten 1944 geheiratet, was auf nicht allzuviel Begeisterung bei der Kennedy-Familie (die Cavendishs waren protestantisch, die Kennedys katholisch) hervorrief und so war bei der Hochzeit auch nur Kathleens ältester Bruder Joe anwesend, der nur wenige Monate später im Krieg fiel. Auch Kathleens Ehemann kam noch im gleichen Jahr in Belgien bei einer miltärischen Aktion ums Leben.

Am 13. Mai 1948 traf es auch die Marchioness of Hartington, als sie, zusammen mit ihrem neuen Freund, Peter Wentworth-Fitzwilliam, bei einem Flugzeugunglück in der Ardèche in Frankreich ums Leben kam. Sie wurde nur 28 Jahre alt. War das auf den sogenannten „Kennedy-Fluch“ zurückzuführen?

John F. Kennedys Schwester wurde auf dem Kirchhof von St Peter’s in Edensor begraben. Ihr Bruder besuchte das Grab einige Monate, bevor er selbst bei einem Attentat getötet wurde.

Die Grabinschrift lautet:
In Loving Memory of KATHLEEN (1920 – 1948)
Widow of Major The Marquess of Hartington Killed in Action & Daughter of The Hon. Joseph Kennedy Sometime Ambassador of the United States to Great Britain. Joy She Gave Joy She Has Found.

Hier ist eine kleine Hommage an Kathleen Kennedy.

Kathleen Kennedy. This work is in the public domain i

Kathleen Agnes Cavendish, Marchioness of Hartington.
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Edensor in Derbyshire mit St Peter's.     © Copyright Russel Wills and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Edensor in Derbyshire mit St Peter’s.
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Das Chiltern Open Air Museum bei Chalfont St Giles (Buckinghamshire)

Der Eingang zum Chiltern Open Air Museum.    © Copyright Alexander P Kapp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Eingang zum Chiltern Open Air Museum.
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Ganz in der Nähe der beiden Chalfonts, Chalfont St Giles und Chalfont St Peter, in Buckinghamshire, liegt das Chiltern Open Air Museum, das so etwas wie ein Gnadenhof für alte, ungeliebte Häuser darstellt. Die M25 führt in unmittelbarer Nähe vorbei, so dass man das Museum von London aus schnell erreichen kann.

1976 wurde das Museum in den Chiltern Hills gegründet, um historische Gebäude, die kurz vor dem Abriss standen, zu retten. Sie wurden Stein um Stein abgetragen und genauso wieder auf dem Museumsgelände aufgebaut. 30 Häuser stehen zurzeit auf dem weitläufigen Gelände. Hier sind einige Beispiele:

Thame Vicarage. Dieses vorfabrizierte Gebäude aus dem Jahr 1896 stand zuerst im Garten der Pfarrei von Thame in Oxfordshire, wurde 1916 nach Aylesbury (Buckinghamshire) verkauft, wo es als Gartenhaus diente und kam dann im Jahr 1990 hierher in das Museum.

Caversham Public Convenience. Auch so etwas kann man hier finden, ein altes Toilettenhäuschen aus dem Jahre 1906, das einmal in Caversham in Berkshire stand. Als man dort nicht so recht wusste, was man damit anstellen sollte, wurde ihm Asyl im Chiltern Open Air Museum angeboten.

– Aus Garston in Hertfordshire stammt die alte Schmiede, The Garston Forge, die bis 1926 in Betrieb war, dann allmählich verfiel und komplett abgerissen werden sollte. 1982 hatte man aber eine bessere Idee und spendete sie dem Museum, wo sie seitdem wieder voll „in action“ ist, d.h. freiwillige Helfer schmieden hier Gegenstände, die man dann im Museumsladen kaufen kann.

– Sehr schön finde ich das High Wycombe Toll House aus dem Jahr 1826, ein Zollhäuschen, das früher an der A40 stand und in das einmal ein Auto krachte, so dass es beschädigt wurde. Statt ihm den Gnadenschuss zu geben, kam es wie ein altes Pferd zum Chiltern Open Air Museum und wurde hier liebevoll wieder aufgepäppelt.

Es gibt hier aber nicht nur alte Häuser zu sehen; jede Menge Veranstaltungen werden auf dem Museumsgelände zwischen dem 29. März und dem 31. Oktober angeboten wie mittelalterliche Ritterkämpfe, Oldtimertreffen, Musik- und Kunstfestivals und (im August) eine Trebuchet-Vorführung, bei der gezeigt wird wie die mittelalterlichen Katapulte funktionierten.

Das Museumsgelände eignet sich auch hervorragend für Filmaufnahmen und so wurden hier u.a. schon Szenen für die TV-Serien „Downton Abbey“ und „Call the Midwife“ gedreht.

Im letzten Jahr wurde das Museum mit dem „Pride of Bucks“ Award  in der Kategorie „Environmental Project“ ausgezeichnet.

Das Museum ist täglich von 10 – 17 Uhr geöffnet; der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt £9.50.

Dieses Video zeigt einen Rundgang durch das Gelände.

Chiltern Open Air Museum
Newland Park
Gorelands Lane
Chalfont St Giles, Buckinghamshire HP8 4AB
Tel.  01494 871117

Thame Vicarage. This work is released  into the public domain.

Thame Vicarage.
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High Wycombe Toll House. This work is released into the public domain.

High Wycombe Toll House.
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Published in: on 3. April 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Die schiefe Kirchturmspitze von St Mary the Virgin in Cleobury Mortimer in Shropshire

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Die wohl bekannteste schiefe Kirchturmspitze Englands findet man in Chesterfield (Derbyshire), über die ich schon einmal berichtete. Die Legende hat auch eine Erklärung, warum der Turm so verdreht ist. So soll dort einmal eine jungfräuliche Braut geheiratet haben, und der Turm war darüber so verdutzt, dass er sich verdreht hat, um sich diese außergewöhnliche Braut näher anzusehen. Legende Nummer Zwei behauptet, dass der Teufel auf der Spitze saß und er seinen Schwanz um den Turm schlang, um einen besseren Halt zu haben, dabei hinterließ der Schwanz seine Spuren auf der Oberfläche.

Doch es gibt noch einige andere „crooked spires“ in England, z.B. in der Kleinstadt Cleobury Mortimer in Shropshire. Dort „brüstet“ sich die Kirche von St Mary the Virgin einer verdrehten Turmspitze. Hier war die Ursache nicht Neugier oder der Teufel wie in Chesterfield, sondern ganz einfach ein Fehler des Baumeisters, der die Kirchturmspitze nicht richtig auf dem Sockel verankerte. So konnte sich Feuchtigkeit ausbreiten, die sowohl das Holz als auch den ziemlich weichen Stein des Unterbaus in Mitleidenschaft zog, so dass sich der Turm im Laufe der Jahrhunderte schief stellte. 1993 wurden Restaurationsarbeiten ausgeführt, wobei man aber die verdrehte Turmspitze so beließ, denn irgendwie gehört sie ja zu Cleobury Mortimer dazu. Auch im Inneren von St Mary the Virgin ist nicht alles wie mit dem Lineal gezogen; John Betjeman äußerte sich einmal: „The whole church seems to have slipped out of shape. Inside there isn’t a straight arch or doorway.” Die Kirche ist Mitglied der Association des Clochers Tor de l’Europe, in der sich europäische Kirchen mit schiefen Turmspitzen zusammengeschlossen haben.

Es gibt noch einige weitere Kirchen in England, deren Turmspitzen nicht als gerade zu bezeichnen sind, z.B. die St Peter’s Church in Barnstaple (Devon), die Church of St Peter and St Paul in Ermington (Devon) oder St Mary’s in Hadleigh (Suffolk).

Hier ist ein Rundgang durch Cleobury Mortimer.

St Mary's in Cleobury Mortimer.    © Copyright Philip Pankhurst and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary the Virgin in Cleobury Mortimer.
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Im Inneren von St Mary the Virgin.    © Copyright Carol Walker and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Inneren von St Mary the Virgin.
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Published in: on 2. April 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Burston in Norfolk und der längste Streik in der Geschichte Großbritanniens

Die Burston Strike School.    © Copyright Richard Rice and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Burston Strike School, rechts das Village Sign des Dorfes.
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Auf den Tag genau 100 Jahre ist es heute her, als am 1. April 1914 der längste Streik in der Geschichte Großbritanniens begann…und bis 1939 dauerte. Schauplatz war das kleine Dorf Burston, rund fünf Kilometer nördlich von Diss gelegen.

Es begann damit, dass das Lehrerehepaar Tom und Annie Higdon, die an der Dorfschule unterrichteten, vom Schulvorstand von Burston entlassen worden war. Tom Higdon hatte sich bei den Farmbesitzern und dem Pfarrer Charles Tucker Eland unbeliebt gemacht, weil er sie bei den Kommunalwahlen besiegt hatte und weil er ständig darauf beharrte, dass die hygienischen Verhältnisse in der Schule verbessert werden mussten. Außerdem setzte sich das Lehrerehepaar immer wieder für die Kinder der Farmarbeiter ein, denen es nicht gut ging, weil ihre Eltern so wenig verdienten, während das Einkommen des Pfarrers z.B.  das x-fache betrug. Also versuchte man, die beiden mit allen Mitteln loszuwerden, indem man ihnen Fehlverhalten unterstellte. Obwohl eine Untersuchungskommission sie von allen Vorwürfen freisprach, mussten Tom und Annie Higdon gehen. Die Folge: Von den 72 Schulkindern blieben 66 ab sofort dem Unterricht fern und bestreikten ihre Schule. Stattdessen besuchten sie eine Behelfsschule, die die Higdons auf dem Dorfanger errichteten. Die Schulbehörde wollte das nicht durchgehen lassen, verklagte die Eltern und belegte sie mit einer Geldstrafe. Vor dem Gerichtsgebäude wurde gesammelt, so dass die Eltern die Strafe gleich bezahlen konnten.

Als der Winter nahte, zog die provisorische Schule in leerstehende Werkstätten im Dorf um; da das aber kein Dauerzustand sein konnte, ging man an die Öffentlichkeit und bat um Spenden für ein neues Schulgebäude. Aus ganz Großbritannien trafen Spenden ein, einige Gewerkschaften machten sich stark für die mutigen Lehrer, Eltern und Kinder und so konnte 1917 die neue Schule eröffnet werden.

Die Burston Strike School blieb bis 1939 in Betrieb, musste dann aber nach dem Tode von Tom Higdon schließen, denn seine Frau konnte den Unterricht allein nicht mehr bestreiten, sie war inzwischen auch über 70 Jahre alt. So ging nach 25 Jahren der in die Geschichte eingegangene längste Streik aller Zeiten zu Ende. Die Kinder wechselten wieder in die Dorfschule über, in der aber zwischenzeitlich andere, bessere Verhältnisse herrschten.
Die Dorfhelden Tom und Annie Higdon liegen auf dem Kirchhof von St Mary’s begraben; ihrer und dem von ihnen ausgelösten Streik wird jedes Jahr im September mit einer Feier in Burston gedacht.

Die Burston Strike School, zwischen Village Green und St Mary’s gelegen, ist zu einem kleinen Museum umgebaut worden. Dieses Video zeigt eine der Gedenkfeiern, die an der alten Schule stattfand.

Die BBC verfilmte die Geschichte 1985 unter dem Titel „The Burston Rebellion“ mit Eileen Atkins und Bernard Hill in den Hauptrollen.

Das Buch zum Artikel:
Pamela Scobie: The School That Went On Strike. Oxford University Press 1991. 170 Seiten. ISBN 978-0192716477. Das Buch ist vergriffen, aber antiquarisch leicht zu bekommen.

 

In diesem Cottage am Mill Green in Burston lebten die Higdons.    © Copyright Adrian S Pye and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In diesem Cottage am Mill Green in Burston lebten die Higdons.
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Das Lehrerehepaar bleibt in Burston unvergessen.    © Copyright Adrian S Pye and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Lehrerehepaar bleibt in Burston unvergessen.
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Published in: on 1. April 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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