Der Clifford’s Tower – Ein mysteriöser Turm mitten in der Stadt York

Eigenes Foto.

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Mitten in York steht wie ein abgebrochener Zahn der Clifford’s Tower, einziger Überrest der Burg, die vor langer Zeit an dieser Stelle die Stadt beherrschte. Warum der Turm so heißt, konnte nie so ganz geklärt werden; anfangs hieß er der King’s Tower, 1596 wurde er erstmals als Clifford’s Tower erwähnt, wahrscheinlich weil ein gewisser Roger de Clifford hier aufgehängt wurde. Dieser beteiligte sich an einer Rebellion gegen Edward II und wurde in der Schlacht von Boroughbridge 1322 schwer verwundet, gefangengenommen und zum Tode verurteilt. Am 23. März knüpfte man ihn in der Burg auf.

Der Clifford’s Tower bzw. King’s Tower hatte schon 1190 ein Schicksalsjahr erlebt. Bei anti-semitischen Unruhen flüchteten die ortsansässigen Juden in den damals noch hölzernen Turm und verbarrikadierten sich hier. Der Mob steckte ihn an und vor lauter Verzweiflung begingen die meisten der Juden Selbstmord; ein düsteres Kapitel in der Geschichte der Stadt York. Erst wurde der Turm wieder aus Holz aufgebaut, später durch einen steinernen mit dicken Mauern ersetzt. In den folgenden Jahrhunderten diente der Clifford’s Tower eine Zeit lang als Gefängnis, sollte abgerissen werden, was aber bei der Bevölkerung auf Widerstand stieß, wurde 1644 bei einer Belagerung beschädigt, dann wieder repariert und 1684 bei einem Feuer schwer verwüstet. Später folgte noch einmal eine Verwendung als Gefängnis und heute dient der Turm nur noch Touristen, die sich daran ergötzen, auf seinen geschichtsträchtigen Mauern herumzuklettern.

Umgeben ist der Clifford’s Tower von einem großen Parkplatz; wohl kaum einer der hier nach einem Platz suchenden Autofahrer wird sich wohl darüber Gedanken machen, was sich an dieser Stelle alles abgespielt hat.

Natürlich ist der Turm auch „haunted„, kein Wunder bei dem vielen Blut, was hier vergosssen wurde. Apropos Blut, es gibt einige Steine in der Mauer, die sich immer wieder rot färben. Das liegt an dem Massaker an den Juden, meinen einige; Quatsch, das ist ein spezieller Pilzbefall sagen die Wissenschaftler. Wie der Historiker und Geisterjäger Richard Felix in dem Film „Ghosts of York“ erzählt, sind im Clifford’s Tower unerklärliche Phänomene beobachtet worden wie „Orbs“ (mysteriöse weiße Flecken)  und Nebelschwaden; Fußstapfen und zuschlagende Türen ließen die nächtlichen Phantomjäger über ihren Ursprung rätseln. Auch Richard Felix erlebte bei seinem Besuch mit der Filmcrew etwas Merkwürdiges: Die Film- und Tonaufnahmen, die sie im Clifford’s Tower machten, waren beim späteren Betrachten im Studio alle misslungen, so dass sie alles noch einmal wiederholen mussten.

Der Clifford’s Tower ist fast an jedem Tag des Jahres geöffnet; der Eintritt kostet £4.30.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 2013, als man den Clifford’s Tower illuminierte.

Im Inneren des Clifford Towers. Eigenes Foto.

Im Inneren des Clifford’s Towers.
Eigenes Foto.

Blick vom Clifford Tower. Eigenes Foto.

Blick vom Clifford’s Tower auf die Stadt York.
Eigenes Foto.

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Published in: on 24. April 2014 at 02:00  Comments (5)  
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5 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Welch hübscher Zufall! Als ich vor zwei Jahren York besuchte, stellte ich meinen Wagen auf genau diesem Parkplatz ab – ich erinnere mich noch des Parkfeldes und selbstverständlich dieser trutzigen Burg. Natürlich trieb es mich sogleich in die Altstadt und ins Minster. Das alte Gemäuer am Parkplatz aber, deren Geschichte ich eben durch diesen tollen Blog-Eintrag erfahren habe, liess ich damals links liegen…! Vielen Dank für diese Bereicherung!

  2. Im Grunde ist der Clifford’s Tower eine klassische Motte, nur aus Stein halt. Ärgere mich heute noch, dass ich mir das Ding damals, bei meinem ersten Englandbesuch im zarten Alter von 16 Jahren, nicht angeguckt habe, aber wir waren hungrig und hatten das Ziel, in jeder englischen Stadt, die wir besuchten, das McDonald’s auszutesten. Kein Kommentar, Teenager halt…

    • Ich hoffe, dass es bei McDonalds wenigstens geschmeckt hat. Fish and Chips waren wohl weniger angesagt?
      Viele Grüße
      Ingo

      • Fish & Chips waren dann bei den nächsten England-Besuchen angesagt. Den Rekord dürfte ich bei meinem Aufenthalt 1996 aufgestellt hatten. Da hatten wir an allen 9 Tagen Chips mit oder ohne Fish 😉

  3. […] diesen Jahres wurde in York, auf dem großen Parkplatz am Clifford’s Tower (s. dazu meinen Blogeintrag), das Shakespeare’s Rose Theatre eröffnet…und am 2. September wieder geschlossen. Es […]


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