North West Bicester (Oxfordshire) – Großbritanniens erste Öko-Stadt

Bicester - Eine der umweltfreundlichsten Städte Englands.    © Copyright Jonathan Billinger and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bicester – Eine der umweltfreundlichsten Städte Englands.
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Bicester ist eine Stadt, nördlich von Oxford gelegen, die sich in Sachen Umweltschutz mächtig ins Zeug legt. Unter dem Projektnamen“Eco Bicester“ geht es um ökologische Nachhaltigkeit, Energieeinsparung, Energieverluste reduzieren durch Hausisolierung, Minimierung des Kohlendioxidausstoßes usw.

Der Hauptbestandteil von „Eco Bicester“ ist aber der Bau von Großbritanniens erster Öko-Stadt North West Bicester, der vor einigen Wochen begonnen hat. An der B4100 sollen einmal bis zu 6000 Häuser entstehen, die alle keinerlei CO² ausstoßen werden.
In der ersten Phase werden 393 Häuser gebaut, davon 119 sogenannte „affordable homes“, d.h. Häuser, die sich auch ein „Normalbürger“ leisten kann. Außerdem bekommt NW Bicester eine Grundschule, ein Dorfgemeinschaftshaus, einen ökofreundlichen Pub und ein Einkaufszentrum. Alle Häuser erhalten eine Dreifachverglasung, ein Regenwassersammel- und aufbereitungssystem, Solaranlagen auf dem Dach und superschnelle Breitbandanschlüsse. Während der Bauphase sollen keine Abfälle auf die umliegenden Deponien gebracht werden; die Müllreduzierung ist bei dem Projekt ein ganz wichtiges Thema. Lokale und regionale Firmen werden beim Bau bevorzugt.

40% der Öko-Stadt wird aus Grünflächen bestehen, Fußgänger- und Fahrradwege werden in genügender Anzahl bereitgestellt, kein Haus ist weiter als 400 Meter von der nächsten Bushaltestelle entfernt und es gibt Ladestationen für Elektroautos an jedem Haus.
Ehrgeizige Pläne gibt es auch für die Entstehung neuer Arbeitsplätze: Man hofft pro Haus einen neuen Job zu schaffen, im Endstadium wären das also 6000.

Auch der soziale Aspekt dieses Gemeinwesens spielt eine herausragende Rolle, so gibt es außer dem Gemeinschaftshaus Grillplätze und Spielplätze auf denen die Kinder sicher aufgehoben sind. Man legt Wert darauf, das sich die Nachhbarn kennen und miteinander kommunizieren. Geplant ist, dass im Frühjahr 2015 die ersten Häuser bezugsfertig sind.
Ein tolles Projekt, dem man nur viel Erfolg wünschen kann!!

Dieser Film zeigt noch einmal in Kurzfassung die Besonderheiten der zukünftigen Öko-Stadt North West Bicester.

Reverend Harold Davidson aus Stiffkey (Norfolk), der „Prostitute’s Padre“, dessen Leben in einem Löwenkäfig endete

 

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Man kann wirklich nicht behaupten, dass das Leben des Reverend Harold Davidson (1875 – 1937) aus Stiffkey in Norfolk langweilig verlief, obwohl man vermuten könnte, dass dieses Kirchenamt in dem kleinen Ort im Norden der Grafschaft Norfolk nicht allzuviel Aufregung mit sich brachte. Tat es auch nicht, deshalb verschwand der Pfarrer von St John the Baptist, nachdem er die Sonntagspredigt gehalten hatte, auch meistens und fuhr mit dem Zug nach London, wo er sich mit „attraktiveren“ Dingen beschäftigte. Statt sich um das Wohlergehen seiner Schäfchen in Stiffkey zu kümmern, hatte sich Harold Davidson das Wohlergehen junger Londoner Mädchen auf seine Fahnen geschrieben, die er vor der Sünde retten wollte. So nannte man den kleinwüchsigen Reverend nicht nur „Little Jimmy„, sondern auch „The Prostitute’s Padre„.

Samstagabends war Little Jimmy immer wieder in seinem Heimatdorf zurück, um die Sonntagspredigt vorzubereiten. Den Gemeidemitgliedern von Stiffkey war das Verhalten ihres Pfarrers natürlich suspekt und eines Tages wandte sich jemand an den Bischof von Norwich und wies diesen auf den „unmoralischen Lebenswandel“ des Gottesmannes hin. Der Bischof stand nun unter Zugzwang und musste etwas unternehmen. Trotz Davidsons Beteuerungen, er hätte sich ausschließlich um das Seelenleben der jungen Damen gekümmert und wäre ihnen nie zu nahe getreten, kam es zu einer Gerichtsverhandlung, in der er schuldig gesprochen und seines Amtes enthoben wurde. Sicher, bei der Verhandlung wurde ein Foto gezeigt, auf dem er mit einem halbnackten Mädchen zu sehen war, aber alle befragten jungen Damen äußerten sich damals nur positiv über ihn.

Harold Davidson kämpfte weiter um sein Ansehen und gegen die Tyrannei der Church of England, wenngleich auf recht merkwürdige Weise. Da er die Prozesskosten bezahlen musste und ja nun kein festes Einkommen mehr hatte, entschied er sich, in Vergnügungsstätten wie in Blackpool aufzutreten. Dort ließ er sich z.B. in einem Fass „bestaunen“ oder er war auf einer Bühne zu sehen, wo ihn ein rotgekleideter Teufel mit einer Heugabel zu Leibe rückte. Das war ja doch alles ziemlich erbärmlich, aber was sollte er tun?

In dem Badeort Skegness an der Ostküste ereilte ihn schließlich sein Schicksal. Sein „Showact“ dort bestand daraus, dass er vor einem Löwenkäfig eine kurze Ansprache hielt und sich dann zu den beiden Löwen gesellte. Das ging eine Zeit lang gut… bis zum 28. Juli 1937. Freddie und Toto, die beiden Löwen, waren an diesem Tag wohl nicht so gut drauf, auf jeden Fall hatte Freddie die Geduld mit dem Ex-Pfarrer verloren (manche behaupten auch, Davidson wäre Freddie versehentlich auf den Schwanz getreten) und fiel ihn an, wobei Little Jimmy den kürzeren zog und schwer verletzt wurde. Zwei Tage später starb er im Krankenhaus von Skegness.

Beerdigt wurde Davidson auf dem Kirchhof von St John the Baptist in Stiffkey, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung; man spricht von 3000 Trauergästen.

Die ungewöhnliche Geschichte des Pfarrers aus Norfolk fand ihren Niederschlag in Büchern, Filmen und Theaterstücken. Eine Biografie erschien 1975 von Tom Cullen mit dem Titel „The Prostitute’s Padre“ (The Bodley Head) und 2007 eine weitere von John TuckerThe Troublesome Priest“ (Michael Russell).

Eine kleine kuriose Notiz am Rande: Der Dorfpub von Stiffkey heißt „The Stiffkey Red Lion„!

Dieser Film zeichnet den „Fall Davidson“ noch einmal kurz nach.

St John the Baptist in Stiffkey (Norfolk).    © Copyright Richard Law and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St John the Baptist in Stiffkey (Norfolk).
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Tiddles, die Kirchenkatze von St Mary’s in Fairford (Gloucestershire)

Tiddles' Grabstein auf dem Friedhof von St Mary's in Fairford (Gloucestershire).    © Copyright David Stowell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tiddles‘ Grabstein auf dem Friedhof von St Mary’s in Fairford (Gloucestershire).
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Es war einmal eine ganz kleine herrenlose Katze, die sich 1963 auf dem Gelände der St Mary’s Church in Fairford (Gloucestershire) herumtrieb. Der Küster und seine Frau verliebten sich auf Anhieb in das Tier und schlossen mit ihm einen Deal: Katze sorgt für eine mäusefreie Kirche, dafür ist Kost und Logis für sie frei. Tiddles, so wurde die Katze getauft, war damit hochzufrieden und fühlte sich in St Mary’s pudelwohl. Am meisten liebte sie die Sonntage, wenn die Gemeindemitglieder zum Gottesdienst erschienen, dann suchte sie sich einen ihr besonders genehmen Menschen aus und machte es sich während der Predigt auf dessen Schoß bequem. Da  Tiddles eine „well-behaved cat“ war, hatten sie sie alle sehr in ihre Herzen geschlossen. 17 Jahre dauert dieses Idyll in St Mary’s, dann starb sie zum Leidwesen aller im Jahr 1980, als sie vom Kirchendach herunterpurzelte.

Der örtliche Steinmetz Peter Juggins war der Meinung, dass Tiddles sich einen Grabstein verdient hatte und so bekam sie auch einen; vor ihrem Grab auf dem Kirchhof von St Mary’s steht auch noch ein steinernes Ebenbild von ihr, das die Gemeindemitglieder immer wieder an die treue Katze erinnert. Später gab es noch eine Nachfolgerin, Tiddles II, ebenfalls eine herrenlose Katze, die im Kirchenportal wohnte und auch zu einem festen Bestandteil der Kirchengemeinde wurde. Tiddles II starb im Dezember 2010; ihr wurde allerdings kein eigener Grabstein zur Verfügung gestellt.

June Lewis-Jones schrieb ein Buch über Tiddles (I) mit dem Titel „Tiddles and the Nursing Nun“ (erschienen vor wenigen Wochen bei Crumps Barn Studio). Bei der „Nursing Nun“ handelt es sich um Daphne Jones, die sich im Zweiten Weltkrieg als Hebamme und Krankenschwester im Londoner East End verdient gemacht hat. Sie war übrigens die Inspiration für Jennifer Worths Buch „Call the Midwife“ (dt. „Call the Midwife – Ruf des Lebens“), auf dem die gleichnamige erfolgreiche TV-Serie der BBC basiert. Jennifer Worth hat ihr Buch Daphne Jones gewidmet.

Daphne Jones wurde in Fairford geboren und wuchs hier auch auf. Ihr Wunsch, kurz bevor sie starb, war, dass sie auf dem Friedhof von St Mary’s möglichst nah am Grab von Tidddles beigesetzt werden möchte. Der Wunsch wurde ihr erfüllt.

Fairford liegt rund 10 km östlich von Cirencester am Rande der Cotswolds. Bekannt ist die kleine Stadt vor allem durch den Flugplatz der Royal Airforce auf dem jährlich   The Royal International Air Tattoo stattfindet, die größte militärische Luftfahrtshow der Welt.

 

Eine Nachfolgerin von Tiddles in St Mary's.    © Copyright David Stowell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Nachfolgerin von Tiddles in St Mary’s.
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Tiddles' frühere Heimat, St Mary's in Fairford.    © Copyright David Stowell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tiddles‘ frühere Heimat, St Mary’s in Fairford.
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Published in: on 29. Mai 2014 at 02:00  Comments (3)  
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The Roman Temple im Windsor Great Park bei Virginia Water

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1816 brachte das Schiff HMS Weymouth eine ganze Ladung Ruinen von Libyen nach England, Ruinen, die in der alten von den Römern erbauten Stadt Leptis Magna standen und dort einmal eine Tempelanlage bildeten. Es war ein Geschenk des Paschas von Tripolis an den Prinzregenten und späteren König George IV. Man lagerte die alten Steine erst einmal im Britischen Museum in London; die Idee, den antiken Tempel in irgendeiner Weise als Vorhalle in den Eingangsbereich des Museums zu integrieren, wurde wieder verworfen.

Der Gartenarchitekt Sir Jeffry Wyattville hatte eine bessere Idee, als er 1826 die Leptis Magna-Ruinen sah. Er war mit umfangreichen Umgestaltungsarbeiten am Windsor Castle und dem Windsor Great Park beauftragt, und so platzierte er den römischen Tempel in einen Teil des Parks, der ganz in der Nähe des Virginia Water liegt, das ist ein See auf dem riesigen Parkgelände. Der gleichnamige Ort liegt gleich daneben, auf der anderen Seite der A30. Der Temple of the Gods war nun statt des libyschen trockenen Wüstenklimas dem feuchten englischen Wetter ausgesetzt, das dann auch erwartungsgemäß seine Spuren auf den Säulen hinterließ, d.h. man muss ständig Restaurierungsarbeiten durchführen, um die Anlage zu erhalten.

Man kann die Ruinen im Windsor Great Park von der Blacknest Road aus sehen, das ist die A329, die in Virginia Water von der A30 in westlicher Richtung abzweigt. Die Blacknest Road ist eine sehr schöne, auf beiden Seiten von Bäumen gesäumte Straße, die streckenweise einen richtigen Tunnel bilden. Hier findet man u.a. das luxuriöse Coworth Park Hotel und The Belvedere Arms, ein „Country Pub & Eating House“.

Hier ist ein Film über die Ruinen.

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Published in: on 28. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Great Fulford Manor bei Dunsford in Devon – Stammsitz der Familie Fulford seit über 800 Jahren

Great Fulford Manor in Devon. With friendly permission of Patrick Baty.

Great Fulford Manor in Devon.
With friendly permission of Patrick Baty.

Es gibt zahlreiche Landbesitzer in England, deren Häuser und Grundstücke viele Millionen Pfund wert sind, die aber nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, ihre Häuser so instandhalten zu können wie es eigentlich erforderlich wäre. Da sind schon einmal die Dächer undicht oder das Mauerwerk bröckelt, doch woher das Geld nehmen, um dem Verfall Herr zu werden?
Genau vor diesem Problem steht schon seit Jahren Francis Fulford, der Eigentümer des Great Fulford Manor bei Dunsford im südlichen Devon. Das große Haus ist schon seit vielen Generationen im Besitz der Fulford-Familie und kleinere und größere Reparaturen sind an vielen Stellen des Gebäudes nötig. Ein Verkauf des Anwesens kommt für Francis Fulford nicht in Frage; er möchte es an seinen ältesten Sohn weitervererben. Die Vorstellung, Great Fulford Manor an irgendeinen Neureichen zu verkaufen, ist für ihn unerträglich. Was kann man also tun, um neue Geldquellen anzuzapfen? Man kann z.B. das Haus für Touristen öffnen, was man hier auch getan hat. Nach Voranmeldung werden Besuchergruppen vom Hausherrn persönlich durch das Manor geführt, was aber nicht besonders viel einbringt bei bescheidenen £5 Eintritt. Man kann sein Haus für Filmaufnahmen oder Fotoshootings zur Verfügung stellen; hat man hier ebenfalls getan, z.B. für die Magazine Playboy und Vogue. Sehr beliebt sind Hochzeiten in alten Landhäusern und so bietet der Eigentümer von Great Fulford Manor sein Haus auch dafür an, sogar mit Übernachtungsmöglichkeiten für das Brautpaar und/oder einige Gäste.

Da selbstverständlich auch dieses einsam gelegene Manor House von Geistern bevölkert ist, kommen gern Geisterjäger hierher, um ihre Nachtwachen abzuhalten, in der Hoffnung, einige dieser Spukgestalten anzutreffen. In dem Buch „Ghostly Encounters“ (Robson Books 1996) von Astrid St Aubyn berichtet Francis Fulford von seinen persönlichen Begegnungen mit den Hausgeistern. Schon im zarten Alter von vier/fünf Jahren begann es, als er nachts in seinem Zimmer mit einem geisterhaften Mädchen konfrontiert wurde. Doch die übernatürlichen Mitbewohner scheinen sehr friedlich zu sein, denn Francis Fulford sagt „I love my ghosts. To me they are allies and friends“.

Im Jahr 2004 drehte der TV-Sender Channel Four eine Dokusoap über die Familie mit dem Titel „The F***ing Fulfords„, die einen Blick in ihr Alltagsleben wirft und die Sorgen und Nöte eines Landbesitzers aufzeigt. Hier ist Teil 1 der Dokumentation (die weiteren Teile sind alle auch auf Youtube zu sehen). Francis Fulford liebt das F-Word, daher der Titel der Sendung. Hier ist noch ein aktuellerer Film über die Familie und das Haus.

Great Fulford Manor liegt zwischen Dunsford und Cheriton Bishop. Die Zufahrt erfolgt über die enge Fulford Road, von der dann die Green Road zum Haus abbiegt.

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Happy Birthday Mr. Punch!

This work is released    into the public domain.

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Nun habe ich ihn leider doch vergessen, den Geburtstag von Mr. Punch über den ich eigentlich an seinem Ehrentag am 9. Mai schreiben wollte. Ich hole es hiermit nach. Happy Birthday Mr. Punch im nachhinein, Glückwunsch zum 352. Geburtstag. Im Zuge des Londoner Covent Garden May Fayre  and Puppet Festivals fand wie jedes Jahr auf dem Gelände der St Paul’s Church, der „Schauspieler-Kirche“, über die ich in meinem Blog schon berichtete, die Ehrung für Mr. Punch statt.

Warum gerade hier? Es war exakt am 9. Mai 1662, als einer der berühmtesten „Blogger“ seiner Zeit, der Tagebuchschreiber Samuel Pepys vor der St Paul’s Church in Covent Garden „an Italian puppet play“ sah, von dem er schwer begeistert war. Damals hieß die Figur noch Pulcinella und wurde im Laufe der Zeit zu Mr. Punch, das britische Gegenstück zu dem deutschen Kasper. Eigentlich ist Mr. Punch ja ein übler Typ, er ist aggressiv und drischt mit seinem Prügel gern auf alles ein, was sich auf seiner kleinen Bühne zeigt, besonders das arme Krokodil bekommt viel Schläge von ihm ab. Weitere Darsteller einer Punch and Judy Show sind Punchs Frau Judy, das Baby und der Polizist. Punch and Judy Shows waren/sind immer eine feste Institution in englischen Seebädern; Kinder saßen begeistert vor der kleinen Bühne und sahen den Prügelorgien Mr. Punchs zu.

Das diesjährige Covent Garden May Fayre  and Puppet Festival fand am Sonntag, dem 11. Mai statt. Es begann mit der Grand Procession, auf die ein Gottesdienst in St Paul’s folgte und anschließend daran zeigten am Nachmittag zahlreiche Puppenspieler aus dem ganzen Land ihre Künste.

Die Figuren Punch and Judy sind in der Popmusik mehrmals für Songs verwendet wurden wie z.B. von der britischen Band Marillon oder der US-Gruppe The Cascades („Rhythm of the Rain“).

Hier ist eine Punch and Judy Show aus dem Jahr 1901 zu sehen (mit einem „richtigen“ Hund auf der Bühne) und hier eine weitere Show aus einem früheren Covent Garden Puppet Festival.

Ganz in der Nähe der St Paul’s Church gibt es passenderweise auch einen Pub mit dem Namen Punch & Judy

St Paul's Church, Covent Garden.    © Copyright Ian Yarham and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Paul’s Church, Covent Garden.
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Published in: on 26. Mai 2014 at 02:00  Comments (3)  

York – Cat Lover’s Paradise

Eine der viele Katzenfiguren, die an Yorks Hauswänden zu finden sind.    © Copyright Gordon Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine der viele Katzenfiguren, die an Yorks Hauswänden zu finden sind.
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Wer durch die Straßen der Stadt York in North Yorkshire spaziert und seine Blicke nicht auch einmal nach oben schweifen lässt, wird sie wohl eher nicht zu sehen bekommen, die vielen Katzenfiguren, die so manche Wände und Dächer verzieren. Gut zwei Dutzend mögen es sein; da liegt z.B. eine schwarze Katze auf einem Fensterbrett, eine andere hat es sich auf einem Schornstein bequem gemacht, eine weitere spaziert mit hoch erhobenem Schwanz über einen Dachfirst.

Katzen galten schon immer als Glücksbringer und so hat man in York schon seit Jahrhunderten kleine Katzenstatuen an den Häusern angebracht, um die bösen Geister abzuwehren, vor allem aber um Ratten und Mäuse abzuschrecken, die als Träger der Pest früher sehr gefürchtet waren. Einige dieser hübschen Katzenfiguren sind schon sehr alt, andere wiederum sind neueren Datums und haben ihre von Wind und Wetter verrotteten Vorfahren ersetzt.

Wer keine Lust hat, die Tiere in den Straßen von York selbst zu suchen, kann sich das leichter machen, nämlich mit einem Plan, auf dem der York Cat Trail genau eingezeichnet ist. Man kann sich den Plan herunterladen oder ihn sich bei York Glass in den Shambles (Hausnummer 34) kostenlos abholen. Hier gibt es auch die York Lucky Cats zu kaufen, das sind kleine handgemachte Glaskatzen.
21 Katzenfiguren verzeichnet der York Cat Trail und wenn man ihn komplett abgegangen hat, hat man auch gleichzeitig einen schönen Stadtrundgang mit vielen der Sehenswürdigkeiten Yorks absolviert.

Katzenliebhabern sei noch ein anderes Geschäft empfohlen, das in der Straße Low Petergate (Hausnummer 45) zu finden ist: The Cat Gallery. Hier gibt es alles rund um das Thema Katze zu kaufen, Socken und T-Shirts mit Katzenmotiven, Bücher über Katzen, Armbanduhren, Ohrringe, Broschen usw. usw.

Dieser Film gibt weitere Informationen über den York Cat Trail.

The Cat Gallery in Yorks Low Petergate.    © Copyright Ian Taylor and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Cat Gallery in Yorks Low Petergate.
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Published in: on 25. Mai 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Pubschilder – The Fox & Hounds in Barley (Hertfordshire)

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Ein sehr ungewöhnliches „Pubschild“, wenn man überhaupt davon sprechen kann, besitzt The Fox & Hounds in einem Dorf namens Barley in der äußersten Nordostecke von Hertfordshire. Es besteht aus einem galgenähnlichen Gebilde, das vom Pub die Straße Church End überspannt. Auf dem Balken sieht man bemalte Figuren wie die beiden Jäger, die Jagdhunde und natürlich auch den armen Fuchs, der um sein Leben rennt. Diese Art von Pubschildern sind äußerst selten geworden.

Den Gasthof selbst baute man 1797 aus einem ehemaligen Bauernhaus um. Früher hieß er The Waggon & Horses, als aber in den 1950er Jahren ein anderer Pub mit dem Namen The Fox & Hounds, ein paar hundert Meter weiter die High Street hinunter, abbrannte, übernahm man dessen unversehrtes „Galgenschild“ und benannte The Waggon & Horses einfach in The Fox & Hounds um, damit Name und Schild wieder übereinstimmten.

Seit April 2011 hat das Gasthaus einen neuen Besitzer und es ist nach wie vor ein brauereiunabhängiges Free House. Im Herbst 2007 wurde das historische Haus durch ein Feuer erheblich zerstört, so dass es über einen längeren Zeitraum schließen musste. Auch im letzten Jahr ereignete sich ein Unfall in The Fox & Hounds, als zur Mittagszeit ein Auto mit hoher Geschwindigkeit in den Pub krachte, wobei der Fahrer schwer verletzt und eine Wand des Gebäudes stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Zur Orientierung: The Fox & Hounds steht am Ortseingang von Barley an der B1368, südöstlich von Royston. Öffnungszeiten: Täglich von 12 Uhr bis 23 Uhr.

The Fox & Hounds
High Street
Barley, near Royston, Hertfordshire SG8 8HU
Tel. 01763 849400

 

Published in: on 24. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wimborne Minster (Dorset) und das Wimborne Minster und… The Man in the Wall

Das Wimborne Minster in Wimborne Minster.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Wimborne Minster in Wimborne Minster.
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Die kleine Stadt Wimborne Minster im Osten der Grafschaft Dorset macht in ihrem Namen schon deutlich, was sie als Besonderheit zu bieten hat…nämlich das Wimborne Minster oder auch die Minster Church of St Cuthburga genannt, deren Zwillingstürme das Stadtbild beherrschen. Stolz ist man hier auf die astronomische Uhr aus dem 14. Jahrhundert, die „chained library“ (wertvolle Bücher, die man aus Sicherheitsgründen an die Kette gelegt hat), eine der ältesten Kirchenorgeln Englands und die 13 Glocken.

Etwas im Schatten dieser Kirchen-Highlights steht ein Sarkophag an der Südseite der Trinity Chapel, in dem The Man in the Wall seine letzte Ruhestätte gefunden hat; dabei handelt es sich um Anthony Ettrick, der von 1622 bis 1703 gelebt hat. Ettrick stammte aus Wimborne Minster und war ein erfolgreicher Anwalt. Eines Tages hatte er sich mit den Bewohnern Wimbornes dermaßen überworfen, dass er schwor, er wolle niemals in ihrer Kirche beerdigt werden, weder innerhalb noch außerhalb der Kirchenmauern, weder „above ground nor below ground“ auf dem Friedhof.

Man soll nie „niemals“ sagen, denn im Laufe der Jahre begann Anthony Ettrick sich umzubesinnen. Eigentlich wäre es doch nicht so übel, in der schönen Kirche seine letzte Ruhestätte zu finden. Da er ja ein schlauer Anwalt war, ersann er eine List, um seinen Schwur nicht zu brechen, aber trotzdem im Wimborne Minster bestattet zu werden. Er bat die Kirchenväter um Erlaubnis, seinen Sarg nach seinem Ableben in eine Nische in der Wand zu stellen; so war dieser weder innerhalb noch außerhalb der Kirchenmauern, weder „oberhalb noch unterhalb“ des Friedhofs. Ein Geniestreich mit dem der liebe Anthony sehr zufrieden sein konnte!
Als er langsam älter wurde, gelangte er zu der Überzeugung, dass er im Jahr 1693 sterben würde, und so ließ er sich einen schön bemalten Sarg anfertigen, auf dem auch schon sein vermutliches Todesdatum verzeichnet war. Aber Anthony Ettrick war ein besserer Anwalt als Prophet, denn er starb erst 1703. So musste man das Datum seines Todes auf dem Sarg vorsichtig übermalen und aus der Jahreszahl „1693“ eine „1703“ machen, was denn mehr schlecht als recht gelang.
Als man 1857 den Sarg untersuchte, stellte sich heraus, dass Anthony nicht darin, sondern darunter beigesetzt worden ist. Warum weiß heute niemand mehr.

Dieser Film zeigt die Bellringer von Wimborne Minster bei der Arbeit und hier bekommt man einen Eindruck von der Stadt.

Hier ruht The Man in the Wall.    © Copyright Chris Downer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier ruht The Man in the Wall.
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Published in: on 23. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Nether Lypiatt Manor in Gloucestershire – Royals, Exzentriker und Geister

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Die Anfahrt zum Nether Lypiatt Manor in der Nähe von Thrupp in der Grafschaft Gloucestershire erfolgt über schmale Wege. Mitten in der Wildnis kommt man dann an dem schönen Haus vorbei, das in Privatbesitz ist und nicht besichtigt werden kann. Wir befinden uns hier in Royal Gloucestershire wie man so schön sagt, weil einige Royals in dieser Grafschaft ihre (Zweit-)häuser haben. Prince Charles wohnt in Highgrove bei Tetbury, Princess Anne auf Gatcombe Park bei Minchinhampton und der Vetter der Königin, Prince Michael of Kent, residierte mit seiner Frau bis 2005 in besagtem Nether Lypiatt Manor. 1981 kaufte es Prince Michael für einen relativ geringen Preis. Nur £300,000 blätterte er für das Haus hin, das eigentlich sehr viel mehr hätte einbringen müssen, aber potentielle Käufer schreckten vor dem Ruf Nether Lypiatt Manors zurück: Es hieß, dass darin mehrere Geister umgehen. Den Prinzen schreckte das nicht ab und so kam er zu einem günstigen Preis an ein tolles Haus.
Der Nachbesitzer, seit 2006, ist Lord Drayson, ein Geschäftsmann, Politiker und Rennfahrer, dem das Manor House £5.75 Millionen wert war.

Eine frühere Besitzerin war Violet Gordon-Woodhouse (1872-1948), eine Dame, die für ihre Cembalo-Künste berühmt (hier eine Kostprobe ihres Könnens) und für ihr exzentrisches Privatleben berüchtigt war. Verheiratet war sie mit einem Gordon Woodhouse, lebte aber zeitweise mit mehreren Männern gleichzeitig unter einem Dach. Als sie Nether Lypiatt Manor übernahm, hatte sie „nur“ eine Ménage à Trois, nämlich Ehemann Gordon und Liebhaber William Barrington. Offensichtlich lief dieses Dreiecksverhältnis aber gut. Violet entwickelte in ihren späteren Jahren eine Vorliebe für das „Gedankengut“ Adolf Hitlers, den sie sehr verehrte.

Gebaut wurde Nether Lypiatt Manor Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Richter namens John Coxe, der dafür berüchtigt war, häufig Todesurteile auszusprechen. Durch den Strick starben aber nicht nur die von ihm Verurteilten, sondern auch sein Sohn, der sich in einem der Zimmer des Manor Houses erhängte. Sein Geist soll Nether Lypiatt bis zum heutigen Tag heimsuchen wie übrigens auch der eines Pferdes. Judge Coxe besaß einen Hengst namens Wag, ein intelligentes Tier, das er regelmäßig allein zum Einkaufen in das drei Kilometer entfernte Stroud schickte. In den aufgeschnallten Tragekörben befanden sich die Einkaufszettel, und so trabte Wag von Laden zu Laden, bis die Körbe gefüllt waren, dann trat er seinen Heimweg wieder an. Für seine Verdienste wurde ihm ein Obelisk errichtet auf dem die Worte eingraviert sind:
My name is Wag, that rolled the green
The oldest horse that ever was seen
My years they numbererd forty-two
I seved my master just and true

Ein weiterer Geist von Nether Lypiatt Manor ist der des Schmiedes, den Judge Coxe seinerzeit beauftragte, das Gittertor anzufertigen. Noch bevor der seine Arbeit erledigt hatte, wurde er wegen Schafdiebstahls vor Gericht gestellt und dabei natürlich mit dem gestrengen Judge Coxe konfrontiert. Der verschob aus nachvollziehbaren Gründen das Todesurteil und ließ ihn erst noch sein Gittertor fertigstellen.  Der Schmied baute aus Rache einige kleine Fehler darin ein, die man aber nicht auf den ersten Blick sehen konnte. Außerdem soll er noch einen Fluch über das Haus ausgesprochen haben: Nether Lypiatt sollte niemals vom Vater auf den Sohn vererbt werden. In der über 300jährigen Geschichte des Hauses ist das tatsächlich auch nie geschehen!

Published in: on 22. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Bruton Street im Londoner Stadtteil Mayfair

Plakette an der Bruton Street 17.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Plakette an der Bruton Street 17.
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Sie zieht sich vom Berkeley Square (der mit der Nachtigall) zur New Bond Street, die Bruton Street im Londoner Stadtteil Mayfair. Hier erblickte in der Hausnummer 17 am 21. April 1926 um 2.40 Uhr morgens die heutige Queen Elizabeth II das Licht der Welt. Warum gerade hier? Ihre Mutter, Elizabeth Bowes-Lyon, damals Herzogin von York, wählte das Haus ihrer Eltern, um dort ihre Tochter zur Welt zu bringen. Der 14. Earl of Strathmore hatte in der Bruton Street sein Londoner Stadthaus. Leider steht es nicht mehr, denn es wurde abgerissen und durch ein recht gesichtsloses modernes Gebäude ersetzt. Die ersten fünf Monate ihres Lebens verbrachte die künftige Queen hier in Mayfair und erinnert wird daran durch zwei Plaketten, die rechts an der Außenwand des neuen Hauses mit der Nummer 17 angebracht sind.

Heute befindet sich in dem Gebäude ein edles China-Restaurant namens Hakkasan Mayfair, dessen Küchenchef Tong Chee Hwee sich bereits einen Michelin-Stern erkocht hat. In coolem Ambiente kann man hier z.B. Pekingente mit Kaviar oder gegrilltes Wagyu-Rind (das teuerste Rindfleisch, das es gibt) bestellen.

Die Bruton Street wurde nach John Berkeleys, 1st Baron Berkeley of Stratton, Landsitz Bruton in Somerset benannt. Berkeley kämpfte im Civil War auf Seiten der Royalisten und besaß das Gelände in London, auf dem später, etwa 1738, mit dem Bau der Straße begonnen wurde. Prominente Bewohner der Bruton Street waren u.a. der Dramatiker Richard Brinsley Sheridan und der Politiker George Canning, der Premierminister mit der kürzesten Amtszeit (nur 119 Tage).

In der Hausnummer 33 ist noch heute eines der renommiertesten britischen Waffengeschäfte zu finden. Die Firma Holland & Holland wurde schon 1835 gegründet und verfügt über Filialen in New York und Moskau. In der Nummer 30 hat die Modedesignerin Stella McCartney ein Geschäft eingerichtet. Überhaupt gibt es in der Straße zahlreiche Modeläden der nicht ganz billigen Art wie Kenzo und Hermès. Das hübscheste Haus ist sicher die Nummer 5, in der der Gasthof Coach & Horses residiert. Es war eines der ersten Häuser, das in der Bruton Street gebaut wurde; leider handelt es sich hier aber nicht mehr um das originale Gebäude, das abgerissen werden musste und 1933 durch dieses ersetzt wurde.

Wer nach einem Einkaufsbummel in der Straße sich gleich noch einen neuen Bentley mitnehmen möchte, der kann das in der Niederlassung am Berkeley Square tun.

Bruton Street 17 in Mayfair. Copyright: London Remebers.

Bruton Street 17 in Mayfair.
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Das Waffengeschäft Holland&Holland.    © Copyright Anthony O'Neil and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Waffengeschäft Holland&Holland.
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The Coach&Horses.    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Coach&Horses.
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Der Dichter William Wordsworth, ein kleines Mädchen und die Ruinen des Goodrich Castles in Herefordshire

Hier am Goodrich Castle traf Wordsworth 1793 auf das kleine Mädchen, das er in einem Gedicht verewigte.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Goodrich Castle traf Wordsworth 1793 auf das kleine Mädchen, das er in einem Gedicht verewigte.
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Mit Gedichten habe ich im Allgemeinen nicht viel am Hute, aber jetzt stieß ich auf eines, das der Romantiker William Wordsworth (1770-1850) geschrieben und das mich doch sehr berührt hat. Das Gedicht „We Are Seven“ findet sich in den „Lyrical Ballads„, die 1798 veröffentlich wurden.

Im Jahr 1793 besuchte der Poet die Ruinen des Goodrich Castles, etwa 5 Kilometer südwestlich von Ross-on-Wye in der Grafschaft Herefordshire. Wenn man die alte Burg heute besuchen möchte, fahre man in der Mitte des Dorfes Goodrich den Castle Lane bis zum Ende. Dort ist ein riesiger Parkplatz, wo man sein Auto abstellen kann.  Das Goodrich Castle wurde Ende des 11. Jahrhunderts erbaut und 1646 im Civil War mit Hilfe eines Mörsers, den man „Roaring Meg“ nannte (seit 2004 im Castle ausgestellt), schwer beschädigt. Heute gehören die Ruinen dem English Heritage.

Während sich also William Wordsworth die romantischen Ruinen ansah, traf er auf ein achtjähriges Mädchen, mit dem er ins Gespräch kam. Er fragte sie, ob sie denn auch Geschwister hätte. Ja, antwortete das Mädchen, wir sind sieben, ein Bruder und eine Schwester liegen allerdings auf dem Friedhof. Dann seid ihr ja nur fünf, meinte Wordsworth. Nein, insistierte das Kind, wir sind sieben. Oft geht sie die beiden Geschwister besuchen und singt ihnen etwas vor oder sie nimmt sich ihren Teller mit Porridge und isst am Rande der beiden Gräber oder sie holt sich ihr Strickzeug mit auf den Friedhof. Während Wordsworth bzw. der Erzähler im Gedicht sich der Geschichte mathematisch nähern, sieht das kleine Mädchen das emotional; die beiden toten Geschwister gehören für sie eben nach wie vor zur Familie.

Im Frühjahr 1841 kam Wordsworth erneut zum Goodrich Castle; er hatte die Begegnung mit dem Kind nicht vergessen und hätte gern irgendetwas über die weitere Zukunft des Mädchens erfahren, aber er hatte sie damals noch nicht einmal nach seinem Namen gefragt.

Hier ist der komplette Text des Gedichtes „We Are Seven“ inklusive der deutschen Übersetzung. Hier ist die gesprochene und hier die vertonte Version.

Das Goodrich Castle ist vom 1. April bis zum 2. November täglich geöffnet; der Eintrittspreis beträgt £6.40.

William Wordsworth; Porträt von William Shuter. This image is in the public domain because its copyright has expired.

William Wordsworth; Porträt von William Shuter.
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Cheese Rolling am Cooper’s Hill bei Brockworth in Gloucestershire – Eine knochenbrechende Angelegenheit

Die Tradition des Cheese Rolling ist uralt und soll sogar bis zu den Römern zurückgehen. Anscheinend hatten die Herren damals auch nichts Besseres zu tun, als hinter einem Käse herzulaufen.

Alljährlich am Spring Bank Holiday treffen sich tollkühne Männer und Frauen an einem sehr steilen Hang in der Nähe von Brockworth in der Grafschaft Gloucestershire, dem Cooper’s Hill. Dort wird ein neun Pfund schwerer Double Gloucester-Käse den Hang heruntergerollt und dem rennen, stürzen, kugeln todesmutige Menschen hinterher, um ihn einzufangen, was aber meistens nicht gelingt, da besagter Käse eine Geschwindigkeit von über 100 km/h erreichen kann. Sieger ist, wer den Käse einfängt bzw. als erster die Ziellinie unten am Hang überquert. Da der Cooper’s Hill nicht nur sehr steil, sondern auch noch sehr uneben ist, kommt es immer wieder zu mehr oder minder schweren Stürzen, die von den anwesenden Sanitätern behandelt werden. Ambulanzen stehen für die komplizierteren Brüche auch gleich bereit, damit die verletzten Käsejäger in die umliegenden Krankenhäuser gebracht werden können. Die Siegestrophäe besteht übrigens aus dem „Rollkäse“.

Das Ereignis am Cooper’s Hill ist so populär, dass sich jedesmal Tausende von Besuchern einfinden, die gern live sehen möchten wie sich Menschen aus allen Teilen der Welt diesem nicht ungefährlichen „Vergnügen“ hingeben. In den letzten Jahren gab es mit dem Cooper’s Hill Cheese Rolling gewisse Probleme. Im Jahr 2009 erschienen 15 000 Besucher zu dem Event, was eindeutig zu viel war und die bisherigen Organisatoren zogen sich zurück. Trotzdem hielt man die Tradition aufrecht und man führt jetzt eben eine inoffizielle Käsejagd durch. Seit 1988 stellt die 87jährige Käsemacherin Diana Smart den Double Gloucester zur Verfügung; die Polizei warnte sie, wie schon im Vorjahr, dass sie dadurch unter Umständen zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn es zu schweren Unfällen kommen sollte, da sie durch die Lieferung des Käses so etwas wie eine Organisatorin darstellt. Im letzten Jahr beachtete sie die Warnung, und so wurde bei dem Wettbewerb kein echter Käse verwendet, aber in diesem Jahr ist es der alten Dame offensichtlich egal und sie will wieder ihren 9-Pfünder zur Verfügung stellen.

Der absolute Cooper’s Hill Cheese Rolling Champion, Chris Anderson, der schon dreizehn Mal als Schnellster den Hang heruntergekugelt ist, kann beim diesjährigen Wettbewerb aus Verletzungsgründen nicht teilnehmen; da werden die anderen Käsejäger aber aufatmen und ihre Chance wittern…

Das Spektakel findet in diesem Jahr am Montag, dem 26. Mai statt. Beginn: 12 Uhr. Der Cooper’s Hill ist auf sehr engen Straßen von der A46, der Painswick Road, zu erreichen; an diesem Tag sind allerdings mehrere Straßen gesperrt, so dass es nicht einfach sein wird, sein Auto irgendwo abzustellen.

Hier ist ein Film über das Cheese Rolling vom vorigen Jahr und hier ein Musikvideo der Gruppe The Maccabees mit dem Titel „Can You Give It„, in dem das Ereignis im Mittelpunkt steht.

Nach dem Event bietet sich übrigens der Cheese Rollers Inn im nahegelegenen Shurdington für ein Pint an.

The Cheese Rollers Inn in Shurdington.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Cheese Rollers Inn in Shurdington.
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Published in: on 19. Mai 2014 at 02:00  Comments (4)  
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Neues aus Inspector Barnabys Midsomer County

Das Long Crendon Courthouse. Hier wurde für Episode 101 gedreht. Eigenes Foto.

Das Long Crendon Courthouse. Hier wurde für Episode 101 gedreht.
Eigenes Foto.

Nachdem am 12. Februar diesen Jahres der Sender ITV die 100. Folge der Inspector Barnaby-Krimiserie mit dem Titel „The Killings at Copenhagen“ (dt. „Barnaby muss reisen“) ausgestrahlt hat, wird jetzt weitergedreht. Die 17. Staffel wird mit der Episode 101 „The Dagger Club“ beginnen. Zum wiederholten Male hat man sich wieder mein Lieblingsdorf Long Crendon in Buckinghamshire für die Dreharbeiten ausgesucht, wobei das Courthouse, das dem National Trust gehört, als Buchhandlung umfunktioniert wurde. Das Haus liegt am Ende der High Street, direkt neben der Kirche St Mary the Virgin.
Alle 100 Folgen der beliebten Serie sind auf DVD erhältlich.

Die Midsomer Murders Society wird auch in diesem Jahr wieder ihre Convention „Midsummer in Midsomer“ abhalten. Wie der Homepage der Gesellschaft zu entnehmen ist, trifft man sich vom 20. bis zum 23. Juni, um einige Schauplätze der TV-Serie aufzusuchen und um sich miteinander auszutauschen. Seit einigen Jahren ist der Peacock Country Inn in Henton (Oxfordshire) das „Basislager“ für die Veranstaltung. Das Hotel liegt günstig für Ausflüge ins Midsomer County, denn Orte wie Bledlow, Chinnor oder Thame, in denen häufig gedreht wurde, sind in unmittelbarer Nähe.
Auf der Besuchsliste stehen in diesem Jahr das White Waltham Airfield, das in Episode 99 „The Flying Club“ (dt. „Flieg, Mörder, flieg“) als das Finchmere Airfield eine Rolle spielt. Der Flugplatz liegt zwischen der M4 und der A40 südwestlich von Maidenhead. Wallingford in Oxfordshire, das Causton in der Serie und Wohnort der Barnabys, soll im Verlauf der Tage angesteuert werden, sowie das Chalgrove Manor, das wir aus der Episode 28 „Birds of Prey“ (dt. „Unglücksvögel“) kennen, und das hübsche Denham in Buckinghamshire. Auf einer Fahrt nach Windsor soll ein Stop im Bearwood College eingelegt werden, in dem in Episode 82 „Death in the Slow Lane“ (noch nicht im deutschen Fernsehen gezeigt) gedreht wurde.

Die Mitgliedschaft in der Midsomer Murders Society kostet übrigens nur bescheidene £10 pro Jahr!

The Peacock Country Inn in Henton (Oxfodshire).   © Copyright Ian S and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Peacock Country Inn in Henton (Oxfodshire).
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Das Airfield bei Maidenhead.   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das White Waltham Airfield bei Maidenhead.
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Wallingford (Oxfordshire). Eigenes Foto.

Wallingford (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

Das Bearwood College.   © Copyright Mick Crawley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Bearwood College bei Wokingham (Berkshire).
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Published in: on 18. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Teapot Island bei Yalding (Kent) – Eine der größten Sammlungen von Teekannen in der ganzen Welt

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Teapot Island bei Yalding in Kent beherbergt … ein Teekannenmuseum und zwar eines der größten der Welt. Es liegt an der B2162, dem Hampstead Lane, direkt am River Medway. In Gareth Rubins wunderschönem Buch „Crap Days Out“ (das ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt habe) kommt das Museum noch einmal mit einem blauen Auge davon, indem er schreibt:“People supposedly visit this odd exhibition – that isn’t actually an island by any stretch of the imagination – dressed as cups. There are 6500 teapots. It’s awful if you don’t like teapots. But it’s probably all right if you do.“ Trotzdem las man diese Worte nicht gern auf Teapot Island! Auch die Tageszeitung The Telegraph war offensichtlich nicht allzu begeistert, denn sie zählt die Teekannensammlung in einem Beitrag vom 13. Mai zu „The world’s most boring museums“.

Das Guinness Book of Records verzeichnete Teapot Island eine Zeit lang als die größte Sammlung von Teekannen weltweit (mit knapp 7000 Exemplaren). Und man war stolz darüber in Yalding. Doch dann kam plötzlich ein Chineses namens Tang Yu und behauptete, er hätte eine weit größere Sammlung als die läppischen 7000 im Südosten Englands. Er nennt sage und schreibe 30 000 Teepötte sein eigen. Futsch war der Eintrag im Guinness-Buch. Man maulte zwar ein bisschen auf Teapot Island und bezweifelte die Angaben des Chinesen, fuhr aber nicht hin, um sich selbst ein Bild zu machen. Vielleicht hat Tang Yu ja auch die Doubletten mitgezählt, was man in Yalding nicht tut.

Im März diesen Jahres waren Prinz Charles und Camilla zu Gast, im Zuge ihrer Rundreise durch die flutgeschädigten Gebiete im Süden des Landes. Auch Teapot Island hatte es erwischt, denn der Medway war über seine Ufer getreten und hatte es mit der Teekannensammlung nicht gut gemeint. Rund £20,000 betrug die Schadenshöhe, die die Besitzer Keith und Sue Blazye zu verkraften hatten. Teapot Island musste einige Monate geschlossen werden, hat aber mittlerweile wieder geöffnet.

Es gibt hier die erstaunlichsten Teekannenformen zu sehen wie z.B. die vier Beatles, jeweils mit Henkel am Kopf, eine angeschnittene Geburtstagstorte, Tony Blair, ein Totenkopf oder ein Motorroller.

Ist ja doch irgendwie schade, dass Teapot Island nicht mehr im Guinness Book of Records verzeichnet ist. Aber eine Chance gibt es für eine Wiederkehr vielleicht doch noch, denn in China soll es ja auch große Flüsse geben, die häufig Überschwemmungen verursachen…

Hier ist ein Film über Teapot Island.

TeaPot Island
Hampstead Lane
Yalding, Maidstone, Kent.
ME18 6HG
Tel. 01622 814541

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Published in: on 17. Mai 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Bertie Wooster und Jeeves sind wieder auferstanden, in dem neuen Roman „Jeeves and the Wedding Bells“ von Sebastian Faulks

Jeeves

Ich habe die humorvollen Romane des P.G. Wodehouse immer gern gelesen. Sicher, manchmal waren sie ein wenig albern, wenn es z.B. darum ging, ein verschwundenes  silbernes Milchkännchen wieder aufzufinden oder wenn Bertie Wooster, mit tatkräftiger Unterstützung seines Butlers Jeeves, einer ungewollten Verlobung mit einer jungen Dame vom Lande zu entgehen versuchte. Aber trotzdem, die Romane von Sir Pelham Grenville Wodehouse, der 1975 in Southampton im US-Bundesstaat New York starb, waren für mich immer wieder eine kurzweilige Lektüre. Die Verfilmung der „Jeeves and Wooster“-Serie mit Stephen Fry und Hugh Laurie (23 Episoden auf 8 DVDs als Boxset erhältlich), die von 1990 bis 1993 vom britischen Sender ITV ausgestrahlt wurde und zwei BAFTA-TV-Awards gewann, war den Büchern ebenbürtig. Hier eine kleine Kostprobe.

Wenn ich richtig gezählt habe, erschienen 18 Bücher mit dem witzigen Duo, das bereits 1917 in der Kurzgeschichtensammlung „The Man With Two Left Feet“ (wurde nicht ins Deutsche übersetzt) eingeführt wurde und 1974 in „Aunts Aren’t Gentlemen“ (dt. “ Fünf vor zwölf, Jeeves“) die Bühne wieder verließ.

Der englische Romanautor Sebastian Faulks, der 2008 schon einmal einen James Bond-Nachfolgeroman mit dem Titel „Devil May Care“ (dt. „Der Tod ist nur der Anfang“) geschrieben hat („Sebastian Faulks writing as Ian Fleming“), nahm sich im vergangenen Jahr der beiden Wodehouse-Figuren an und schrieb das Buch „Jeeves and the Wedding Bells“ (noch nicht ins Deutsche übersetzt), „A Tribute to P.G. Wodehouse“. Wenn Bertie Wooster das Wort „Hochzeitsglocken“ hört, dann schrillen bei ihm immer die Alarmglocken. Wird es auch dieses Mal so sein oder kommt Bertie letztendlich doch unter die Haube? Herr und Diener vertauschen in Faulks‘ Pastiche die Rollen, d.h. in Sir Henry Hackwoods Landsitz Melbury Hall, wo sich die beiden aufhalten, ist Jeeves Upstairs und Bertie Downstairs zu finden. Chaos ist also vorprogrammiert.

Sebastian Faulks wollte sich weder zu eng an den Wodehouseschen Stil halten, noch wollte er eine Parodie schreiben (wie es im Vorwort des Buches steht). Aber ich glaube, es ist ihm sehr gut gelungen, die Country House-Atmosphäre wieder lebendig werden zu lassen, in der schrullige Landmänner, furchterregende Tanten und heiratslüsterne junge Damen die Szene beherrschen.

Sebastian Faulks: Jeeves and the Wedding Bells. Hutchinson 2013. 272 Seiten. ISBN 978-0091954048.

Hier in der Londoner Dunraven Street 17, in Westminster, lebte P.G. Wodehouse viele Jahre. Photo: Gwynhafyr in Open Plaques. Creative Commons 2.0

Hier in der Londoner Dunraven Street 17, in Westminster, lebte P.G. Wodehouse von 1924 bis 1934.
Photo: Gwynhafyr in Open Plaques.
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The Halifax Gibbet – Eine Guillotine, die noch immer in der Stadt in West Yorkshire aufgestellt ist

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An der Ecke Gibbet Street und Bedford Street in Halifax (West Yorkshire) befindet sich ein winziger, baumbestandener Park, der eine Besonderheit aufweist, die es in England kein zweites Mal gibt: Hier steht noch immer eine Guillotine, die allerdings nicht mehr benutzt wird. Lange ist es her, da wurde von The Halifax Gibbet reichlich Gebrauch gemacht. Schätzungsweise 52 Menschen (die Zahlen variieren da etwas) verloren auf diesem Platz ihren Kopf, ihre Namen stehen auf einer Tafel, die man hier angebracht hat.

Wer waren die armen Seelen, die man in Halifax enthauptete und warum tat man das überhaupt? Es waren keine Mörder oder Schwerverbrecher, die man mit Hilfe der Guillotine hinrichtete, es waren kleine Diebe, die Stoffe gestohlen hatten. 1650 waren Anthony Mitchell und John Wilkinson die Letzten, die man hier um einen Kopf kürzer machte. Damals gab es ein Gesetz, Gibbet Law genannt, wodurch jeder hingerichtet werden konnte, der Waren im Wert von 13 ½ Pence und mehr gestohlen hatte. Die Stoffherstellung war seinerzeit in der Stadt im Westen Yorkshires extrem wichtig und Grundlage für einen gewissen Wohlstand, der sich hier breit gemacht hatte. Und da wollte man mit drastischen Methoden dem Diebstahl des wertvollen Gutes einen Riegel vorschieben.

Oliver Cromwell verbot den weiteren Einsatz der Enthauptungsmaschine und man baute sie (sehr zur Erleichterung weiterer potentieller Diebe) ab. Die steinere Plattform auf der das Gerät stand, blieb erhalten und im August 1974 stellte man eine Replika des Halifax Gibbets darauf. Ob wohl dadurch die Diebstahlsquote in der Stadt drastisch gesunken ist?

In dem Lied „From Hull, Hell and Halifax“ (hier zu hören) geht es u.a. auch um The Halifax Gibbet.

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Published in: on 15. Mai 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Das Eisenbahnunglück in Soham (Cambridgeshire) am 2. Juni 1944 und die Helden, die noch Schlimmeres verhinderten

Erinnerungstafel in der Kirche St Andrew's in Soham (Cambridgeshire).    © Copyright Tiger and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Erinnerungstafel in der Kirche St Andrew’s in Soham (Cambridgeshire).
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Es war mitten in der Nacht am 2. Juni 1944, als ein Frachtzug durch den kleinen Ort Soham in Cambridgeshire, südöstlich von Ely, fuhr. Die 51 Eisenbahnwaggons waren bis zum Rand mit Bomben beladen, die nach Ipswich in Suffolk gebracht werden sollten. Der Lokführer Benjamin Gimbert bemerkte plötzlich, dass aus dem ersten Waggon Flammen schlugen und stoppte den Zug. Der mit im Zug fahrende Feuerwehrmann James Nightall koppelte den Waggon vom Rest des Zuges ab, und Gimbert versuchte, den brennenden Wagen aus dem Bahnhof so weit wie möglich herauszuziehen, was ihm aber nur auf einer Strecke von etwas über hundert Metern gelang, ehe die Bomben explodierten. Nightall wurde dabei sofort getötet, der Bahnwärter Frank Bridges, der auf dem Bahnsteig stand, erlag seinen schweren Verletzungen am nächsten Tag. Der Zugbegleiter Herbert Clarke, der ebenfalls mit an Bord war, erlitt Verletzungen und einen Schock und wie durch ein Wunder überlebte auch der Lokführer, obwohl auch er sehr schwere Verletzungen hatte. Ohne den mutigen Einsatz dieser Männer hätte es mit Sicherheit in Soham zahllose Tote gegeben. Insgesamt zogen sich weitere 27 Menschen mehr oder minder schwere Blessuren zu und im Ort wurden über 700 Häuser beschädigt; die Bahnhofsgebäude wurden komplett zerstört. Wäre der gesamte Zug explodiert, wäre von Soham nichts mehr übriggeblieben.

Benjamin Gimbert und (posthum) James Nightall erhielten für ihren Einsatz das Georgs-Kreuz, die höchste zivile Auszeichnung für Tapferkeit in Großbritannien. Die Bürger von Soham waren den Männern sehr dankbar und so gibt es heute Straßen im Ort, die nach ihnen benannt sind, die Gimbert und die Nightall Road und der Frank Bridges Close. In Herbert Clarkes Heimatstadt Ipswich nannte man eine öffentliche Gartenanlage nach ihm.

Am 2. Juni 2007 wurde in Soham auf dem Red Lion Square, neben dem Kriegerdenkmal, ein Gedenkstein in Erinnerung an die Helden jener Nacht im Jahr 1944 enthüllt, in Anwesenheit des Dukes of Gloucester.

Dieser Film fasst die Geschehnisse des Soham Rail Disasters noch einmal zusammen.

Im August 2002 geriet Soham noch einmal in die nationalen Schlagzeilen, als die beiden 10jährigen Schulmädchen Holly Wells und Jessica Chapman verschwanden und zwei Wochen später bei der Royal Air Force Station Lakenheath in Suffolk ermordet aufgefunden wurden. Der Mörder war der Hausmeister vom Soham Village College. Ich kann mich noch an den Fall erinnern, der in England damals große Betroffenheit auslöste.

Erinnerungsstein am Red Lion Square in Soham.  This work is released  into the public domain.

Erinnerungsstein auf dem Red Lion Square in Soham.
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Der Red Lion Square in Soham.    © Copyright Rob Noble and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Red Lion Square in Soham (ganz rechts das Memorial).
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Published in: on 14. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Englische Exzentriker – Lord Berners und die bunt gefärbten Tauben von Faringdon House

Faringdon (Oxfordshire); im Hintergrund der Faringdon Tower.    © Copyright Brian Robert Marshall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Faringdon (Oxfordshire); im Hintergrund der Faringdon Tower.
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In meinem Buchtipp „Eccentric Oxford“ von Benedict Le Vay erwähnte ich schon einmal den englischen Exzentriker Lord Berners (1883-1950), der mit vollem Namen Gerald Hugh Tyrwhitt-Wilson hieß, und der u.a. dadurch von sich reden machte, dass er den Spaniel seiner Mutter aus dem Fenster eines oberen Stockwerks warf und meinte, der Hund würde nun instinktiv fliegen lernen, nach dem Motto, “wenn man einen Hundewelpen ins Wasser wirft, lernt der instinktiv schwimmen”. Nun, der arme Hund lernte dabei das Fliegen leider nicht. Auf seinem Anwesen Faringdon House in Oxfordshire stellte Lord Berners Schilder auf mit den Aufschrift „Dogs will be shot; cats will be whipped„, was er aber natürlich nicht tat, denn er mochte eigentlich Hunde, zumindest Windhunde, die er mit diamantbesetzten Halsbändern herumlaufen ließ. Ob das die Tiere zu würdigen wussten?

1935 ließ er einen knapp 50 m hohen Turm nach seinen Vorstellungen bauen, den Faringdon Tower, der nach seinen eigenen Angaben „entirely useless“ war. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, vom Turm zu springen, um Selbstmord zu begehen, sorgte er vor und brachte ein Schild am Eingang an: „Members of the public committing suicide from this tower do so at their own risk„. Der exzentrische Lord liebte es, überall auf seinem Anwesen Schilder aufzustellen. So fanden sich in regelmäßigen Abständen an den das Grundstück umgebenden Mauern Hinweise mit dem Text „Anyone throwing stones at this notice will be prosecuted„.

Im Kofferraum seines Rolls Royce führte Gerald Tyrwhitt-Wilson stets ein kleines Klavier mit sich; man kann ja schließlich nie wissen, wozu das mal gut sein könnte. Apropos Klavier: Salvador Dali, der ebenfalls für seine Exzentrik bekannt war, stellte bei einem Besuch in Faringdon einmal einen Flügel in einem flachen Teich auf, platzierte auf alle schwarzen Tasten ein Schokoladenéclair und bat dann Lord Berners, etwas zu spielen.

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Besonders faszinierend finde ich seine Idee, in Faringdon House buntgefärbte Tauben herumfliegen zu lassen. Für das Färben benutzte er Lebensmittelfarbe, damit es dem Gefieder der Tiere nicht schadete. Noch heute wird der Bernersche Brauch hier aufrechterhalten, indem man Regenbogenfarben-Tauben flattern lässt. Nachdem Lord Berners 1950 gestorben war, zog ein weiterer Exzentriker in das Haus in Oxfordshire ein, Robert „Mad Boy“ Heber-Percy. Der erließ kurz vor seinem Tode am 29. Oktober 1987 noch Anweisungen, dass die Tauben von Faringdon bei seiner Beerdigungsfeier schwarz und purpur eingefäbt sein sollten, was man dann auch tat.

Eine schöne Geschichte erzählt man sich auch von dem exzentrischen Lord, als er einmal Margaret Taylor, Gattin des Historikers A.J.P.Taylor, zu Besuch hatte. Als sie bereits gegangen war, fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, ihr das Ornament eines goldenen Hahnes zu zeigen; so rannte er hinter ihr her und rief „“Maggie, Maggie! Wait a moment! I do so want to show you my cock”…

 

Auf der Inschrift von Lord Berners Grabstein ist sein Leben kurz zusammengefasst:
Here lies Lord Berners
One of life’s learners
Thanks be to the Lord
He never was bored

Der Ort Faringdon liegt an der A420, die von Swindon nach Oxford führt; Faringdon House, das sich in Privatbesitz befindet und nicht besichtigt werden kann, an der A4095, der Radcot Road.

Das Buch zum Artikel:
Mark Amory: Lord Berners – The Last Eccentric. Faber&Faber 2008. 304 Seiten. ISBN 978-0571247653.

Der Faringdon Tower.    © Copyright Des Blenkinsopp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Faringdon Tower.
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Foto meines Exemplares.

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Published in: on 13. Mai 2014 at 02:00  Comments (2)  
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The Birdcage – Ein uralter Gasthof mitten in Thame (Oxfordshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Über die quirlige Stadt Thame in Oxfordshire habe ich in Zusammenhang mit Dreharbeiten der „Inspector Barnaby„-TV-Serie und mit Robin Gibb von den Bee Gees schon mehrfach berichtet. Mitten im Ort, am Cornmarket, steht der mit Abstand älteste Gasthof der Stadt, The Birdcage, ein sehenswertes Gebäude, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1300 (so etwa) zurückreichen. Man vermutet, dass das Haus erstmals im 15. Jahrhundert als Gasthof genutzt wurde. Um das Jahr 1600 herum wurde er von einem Philip Bird bewirtschaftet; möglicherweise ist der Name The Birdcage auf ihn zurückzuführen. Während der napoleonischen Kriege diente er als Unterkunft für französische Kriegsgefangene, in den oberen Stockwerken wurden eine Zeit lang auch Kleinkriminelle und früher sogar Leprakranke untergebracht. Der Hausgeist des Pubs, The Restless Soul, soll ein Leprakranker gewesen sein, der auf dem Gelände des Bird Cage Inns von den Bewohnern der Stadt Thame gesteinigt wurde. Möglicherweise ist es aber auch ein französischer Soldat, der in den Kellergewölben gefangengehalten wurde. (Übrigens soll es in dem Haus, in dem Robin Gibb wohnte, The Prebendal neben der Kirche St Mary’s, auch gewaltig gespukt haben).

The Birdcage gehört heute der Two Kiwis Pub Company, die noch zwei weitere Pubs in High Wycombe (Buckinghamshire) betreibt, The Bootlegger und The Sausage Tree.
Über 100 Biersorten aus aller Welt gibt es hier zu probieren, aber natürlich auch viele englische Biere, darunter Real Ales aus der Rebellion Brewery in Marlow (Buckinghamshire), über die ich schon einmal berichtete. Wer hier einmal zum Lunch oder Dinner einkehren möchte, der hat eine große Auswahl an Steaks und Burgern.

The Birdcage
4 Cornmarket
Thame
Oxfordshire
OX9 3DX

Cornmarket in Thame (Oxfordshire).    © Copyright John Lord and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 12. Mai 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Carol White (1943 – 1991) – The Battersea Bardot

Heute kennt sie kaum noch jemand, die Schauspielerin Carol White, die in den 1960er Jahren eine kurze vielversprechende Karriere begann, die dann aber bald im Sand versickerte. Gestern schrieb ich in meinem Blog über einen Song, in dem der Battersea Park im Mittelpunkt steht, heute über eine junge Frau, die als „Battersea Bardot“ bezeichnet wurde. Gewisse Ähnlichkeiten mit Brigitte Bardot waren durchaus vorhanden, aber Carol White hatte nie die großen Erfolge ihrer französischen Kollegin erlebt.

Die gebürtige Londonerin hatte ihre ersten Filmauftritte 1954 in „The Belles of St Trinian“ und 1959 in einer der „Carry On“-Komödien („Carry On Teacher). Richtig bekannt wurde sie dann in ihrem Heimatland durch den BBC-Film „Cathy Come Home„, der 1966 gezeigt wurde. Ich habe mir den Film gerade noch einmal angesehen; er ist beeindruckend und erschütternd. Es geht darin um ein junges Paar mit drei Kindern, die in die Obachlosigkeit abrutschen und keine Perspektive mehr in ihrem Leben sehen.

Auch in der BBC-Fernsehproduktion „Up the Junction„, die Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichtensammlung von Nell Dunn, in der es um das Leben in den Slums der Londoner Stadtteile Battersea und Clapham Junction geht, machte Carol White eine gute Figur. Die Weichen für eine Karriere waren damals also durchaus gestellt, doch dann begab sich die 25-jährige nach Hollywood, was sich im nachhinein als Fehler erwies. Sie geriet in einen Strudel von Alkohol und Drogen, hatte Affären mit Hollywoodstars wie Richard Burton, Warren Beatty und Frank Sinatra und bekam ihre weitere Karriere nicht mehr in den Griff.

1981 schrieb Carol White ihre Autobiografie, die sie in Anlehnung an ihren Film „Cathy Come Home“ „Carol Comes Home“ nannte. Die Sunday Times schrieb über das Buch: „An impressively frank and articulate account…Thurlow had to fill in the gaps in her memory caused by her drug-taking“ (Mit Thurlow ist der Journalist und Ghostwriter Clifford Thurlow gemeint). Am 16. September starb die Schauspielerin in Florida; einige sagen an einer Überdosis Drogen, andere wiederum sprechen von einer Leberkrankheit. Ihr Grab liegt auf dem Mortlake Cemetery im Westen Londons, in Richmond-upon-Thames.

Die Punk-Band Cock Sparrer widmete Carol White einen Song, den sie passenderweise auch „Battersea Bardot“ nannte. Hier ist er zu hören.

Published in: on 11. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Songs about London – Der Battersea Park

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Was fällt einem spontan ein, wenn man den Namen „Battersea“ hört? Wahrscheinlich zuerst die Battersea Power Station, das berühmte Kraftwerk am Südufer der Themse, das durch das Plattencover des Albums „Animals“ (1977) der britischen Formation Pink Floyd, noch bekannter geworden ist; dann vielleicht noch die Battersea Bridge und das Battersea Cats & Dogs Home, das Tierheim, über das ich schon einmal berichtete. Battersea war bis 1965 ein eigenes Metropolitan Borough, wurde dann aber im Zuge der Gebietsreform mit dem Metropolitan Borough of Wandsworth zusammengelegt, verlor seinen Namen und gehört jetzt zum London Borough of Wandsworth.

Dieser Teil Londons liegt am Südufer der Themse, gegenüber vom Chelsea Embankment, und wird geprägt vom Battersea Park. Früher duellierten sich hier gern Adelige, heute geht es in den Parkanlagen aber friedlicher zu. Das Erholungsgebiet mitten in London verfügt u.a. über einen Kinderzoo, über kleine Seen, die Battersea Evolution, ein Ort, an dem glamouröse Veranstaltungen stattfinden, und die Millennium Arena mit ihren Sportanlagen.

In erster Linie aber kann man im Battersea Park spazierengehen und sich vom Stress, den die britische Hauptstadt so mit sich bringt, erholen. Petula Clark widmete dem Park bereits 1954 ein, wie ich finde, sehr hübsches Lied, das den Titel „Meet Me in Battersea Park“ trägt. „There’s music and dancing, place for romancing so meet me in Battersea Park“ heißt es darin. Allerdings ist der Song in der zweiten Hälfte nicht mehr aktuell, denn Petula Clark singt da von den Attraktionen des früheren Vergnügungsparks, der 1977 sein Pforten schließen musste. Einer der Autoren des Liedes war übrigens Leslie Clark, Petula Vater.

Hier ist Petula Clarks „Meet Me in Battersea Park“ zu hören.

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Published in: on 10. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der älteste Tudor-Garten Englands ist auf dem Gelände des Thornbury Castle Hotels zu finden

Eigenes Foto.

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Ich habe in meinem Blog schon mehrfach über das wunderschöne romantische Thornbury Castle Hotel nördlich von Bristol in Gloucestershire geschrieben und geschwärmt (z.B. hier). Es ist für mich der schönste Platz auf der Welt! Man kann sich in dem alten Gemäuer tief in die Vergangenheit zurückversetzen und sich von der einzigartigen Atmosphäre vereinnahmen lassen. Ich war mittlerweile schon achtmal hier zu Gast, und ich genieße es vor allem, wenn wenig Menschen im Hause sind. Einmal wurde die wundervolle Stimmung in der Lounge durch eine Gruppe lauter Amerikaner zerstört, die offensichtlich keinen Nerv für die Atmosphäre hatten und sich stattdessen wortgewaltig darüber unterhielten, aus welchen Teilen der USA sie alle kamen. Ein wenig deprimiert zogen wir in das Restaurant weiter, in der Hoffnung, dass die Gruppe nicht auch dahin kam (was sie glücklicherweise nicht tat).

Einer meiner ersten Wege nach der Ankunft im Hotel führt mich immer in den ältesten Tudor-Garten Englands, der auf der Rückseite des Castles, von über vier Metern hohen Mauern eingefasst, liegt. Am schönsten ist die Atmosphäre hier im Herbst und im Winter (andere mögen da ganz anderer Meinung sein), wenn in dem Garten keine Menschenseele anzutreffen ist. Wenn dann auch noch von der gegenüberliegenden Kirche St Mary’s die Glocken läuten, ist die Stimmung perfekt.

Schon im frühen 16. Jahrhundert wurde der Schlossgarten angelegt, später immer wieder umgewandelt. Kieswege führen hindurch, hohe Hecken schirmen die einzelnen Teile des Gartens voneinander ab. An einer Außenwand steht eine Bank, die fast ganz von einer Eibenhecke umrahmt ist. Der westliche Teil, der sogenannte „privy garden“,  der direkt an die Rückseite des Castles grenzt, besteht aus einer Rasenfläche, auf der bei schönem Wetter der Nachmittagstee serviert wird, aus Kräuterbeeten und aus üppig wuchernden Kletterpflanzen, die das alte Burggemäuer großflächig beherrschen.
Der östliche Teil des Gartens, der „goodly garden“, setzt sich aus Rosenbeeten zusammen, die von hohen zinnenartig beschnittenen Eibenhecken eingefasst sind.

An der Einfahrt zum Thornbury Castle Hotel und an der Grenze zur Kirche stehen wunderbare Zedern, die sicher schon uralt sind. Das Hotel verfügt auch über einen Weingarten aus dessen Reben Wein gekeltert wird, den man im Restaurant bestellen kann. Es handelt sich um Müller-Thurgau-Trauben, die einen halbtrockenen Weißwein ergeben. Ich habe ihn noch nicht probiert, da ich eigentlich nur trockenen Wein mag.

Ein Abendessen im Tower Dining Room gehört zu einem Aufenthalt im Thornbury Castle Hotel auf jeden Fall mit dazu, auch wenn es nicht ganz billig ist. Es gibt nur ein dreigängiges Menü zum Festpreis von (zurzeit) £50 pro Person. Dafür hat man aber auch das Erlebnis eines wunderschönen Abends (wenn man nicht das Pech hat und von lärmigen Mitgästen umgeben ist). Vielleicht wird man ja von Pepe bedient, dem liebenswerten spanischen Kellner, der seit vielen Jahren zum Inventar des Hotels gehört.

Hier habe ich einmal versucht, die Stimmung im Tudor-Garten an einem späten Winternachmittag im Film einzufangen:

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Meine Lieblingszypresse vor dem Hotel. Dahinter die Kirche St Mary's. Eigenes Foto.

Meine Lieblings-Zeder vor dem Hotel. Dahinter die Kirche St Mary’s.
Eigenes Foto.

Published in: on 9. Mai 2014 at 02:00  Comments (5)  
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Mein Buchtipp – John Timpson: Timpson’s Country Churches

Foto meines Exemplares.

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Wer sich intensiv mit englischen Kirchen befassen möchte, kommt sicher an Simon Jenkins‚ Standardwerk „England’s Thousand Best Churches“ (Allen Lane 2012) nicht vorbei, das erstmals 1999 erschien und mehrere Nachauflagen erlebt hat. Jenkins beschreibt hier die seiner Meinung nach interessantesten Kirchen des Landes, geordnet nach Grafschaften.

Kein Standardwerk, aber eine sehr kurzweilige Lektüre ist John TimpsonsTimpsons Country Churches„, in dem mein Lieblings-Reiseschriftsteller einige Handvoll englischer Dorfkirchen in einem großformatigen Text-Bild-Band zusammengestellt hat, die in irgendeiner Form aus dem Rahmen fallen bzw. Kuriositäten zu bieten haben. John Timpson (1928-2005), den ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt habe, präsentiert diese Dorfkirchen in gewohnt humorvoller Art, so dass auch ein Nicht-Kirchen-Enthusiast daran seine Freude haben könnte. Die qualitativ sehr guten und meist großformatigen Fotos steuerte Christopher Dalton bei, der schon als Jugendlicher für „Country Life“ und später für den Churches Conservation Trust arbeitete.

Einige wenige Beispiele aus dem wunderschönen Buch:
St Michael and All Angels in Boulge (Suffolk) – Der einstige Pfarrer der Kirche, John Fitzgerald, war berühmt-berüchtigt für seine Predigten, die manchmals mehrere Stunden dauerten. Bevor er in die Kanzel stieg, zog er Schuhe und Strümpfe aus, damit er es während der Predigt bequem hatte.

St Lawrence in Eyam – Außerhalb der Kirche des „Pestdorfes“ in Derbyshire findet sich eine Sonnenuhr, die nicht nur die Zeit von Eyam, sondern z.B. auch die von Mexiko und von Mecca anzeigt.

Holy Trinity in Rothwell (Northamptonshire) – In der Krypta der Kirche werden in Regalen über 2000 Schädel aufbewahrt. Pestopfer? In der Schlacht von Naseby getötete Soldaten?

„Timpson’s Country Churches“ erschien 1998, ist aber absolut nicht veraltet! Es ist zwar vergriffen, doch man kann es problemlos antiquarisch für wenige Euros bekommen. Allen „Dorfkirchen-Fans Englands“ sehr ans Herz gelegt!!

John Timpson: Timpson’s Country Churches. Weidenfeld&Nicolson 1998. 224 Seiten. ISBN 978-0297823889.

St Michael and All Angels in Boulge (Suffolk).     © Copyright Adrian S Pye and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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St Lawrence in Eyam (Derbyshire).    © Copyright Graham Hogg and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Holy Trinity in Rothwell (Northampstonshire).    © Copyright Paul and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 8. Mai 2014 at 00:00  Comments (1)  

Coningsby (Lincolnshire) – St Michael’s und die größte Uhr der Welt, die nur einen Zeiger hat

St Michael's in Coningsby (Lincolnshire).    © Copyright J.Hannan-Briggs and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Michael’s in Coningsby (Lincolnshire).
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Was mag wohl die Verantwortlichen damals im 17. Jahrhundert bewogen haben, die Kirchturmuhr von St Michael’s in Coningsby in Lincolnshire mit nur einem Zeiger auszustatten? War kein Geld mehr für den Minutenzeiger übrig? Sah das Ziffernblatt auf diese Weise hübscher aus? Es gibt heute nur noch wenige „one-handed clocks“  im Königreich, diese in Coningsby rühmt sich, die größte der Welt zu sein. Das direkt auf den Turm gemalte Ziffernblatt hat einen Durchmesser von fünf Metern und der einsame Stundenzeiger ist 2,75m lang. Die Bewohner des Ortes haben sich natürlich daran gewöhnt, die Zeit mit nur einem Blick auf die kuriose Uhr abzulesen, auch wenn sie nicht minutengenau angezeigt wird.

Die ganze Mechanik, die die Uhr am Laufen hält und die hinter den Turmmauern verborgen ist, wird von der Spezialfirma Edmund Czajkowski & Son gewartet, die in Woodhall Spa in Lincolnshire ansässig ist.

Die Turmuhr, die jeweils zur vollen Stunde schlägt, muss täglich aufgezogen werden. Wie auf der Webseite des Coningsby Town Council zu lesen ist, sind die offiziellen Uhraufzieher der Gemeinde, erst der Vater und dann der Sohn, die jeder diese Aufgabe zwanzig Jahre lang übernommen haben, in dieser Zeit über eine halbe Million mal die 35 Stufen zum Aufziehmechanismus hinaufgestiegen.

Coningsby liegt südlich von Lincoln an der A153, die von Sleaford nach Horncastle führt. St Michael’s steht im Ort direkt an der A153, die hier die High Street bildet. Ich finde, es ist ein sehr schöner Kirchenbau.

Weitere Kirchen, die über ein Ziffernblatt mit nur einem Zeiger verfügen, stehen z.B. in Holt in Norfolk, St Andrew the Apostle, und in North Stoneham (Hampshire), St Nicolas.

Das bübsche, aufgemalte Ziffernblatt von St Michael's. Quelle und Copyright: http://www.englishviews.com/

Das bübsche, aufgemalte Ziffernblatt von St Michael’s.
Quelle und Copyright: EnglishViews

Die Kirchturmuhr von St Andrew the Apostle in Holt (Norfolk). Picture by www.TourNorfolk.co.uk

Die Kirchturmuhr von St Andrew the Apostle in Holt (Norfolk).
Picture by www.TourNorfolk.co.uk

Die "one-handed clock" von St Nicolas.    © Copyright Peter Facey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die „one-handed clock“ von St Nicolas in North Stoneham (Hampshire).
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Published in: on 7. Mai 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Captain James Cook und seine Lebensstationen in Nord-England im Bild

This work of art is in the public domain.

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James Cook (1728 – 1779) war einer der bedeutendsten Seefahrer und Entdecker Großbritanniens. Sein Leben fand am 14. Februar 1779 ein Ende, als er auf Hawaii erstochen und sein Leichnam zerstückelt wurde. In Nord-England, dort wo er das Licht der Welt erblickte, wird er noch heute verehrt, was sich in Denkmälern und Museen manifestiert. Hier ist eine Auswahl an James Cook-Gedenkstätten.

Geboren wurde er am 27. Oktober 1728 in Marton, einem Dorf in North Yorkshire, heute ein Vorort der Stadt Middlesbrough. Dort, wo sein Geburtshaus einmal stand, befindet sich heute die James Cook Birthplace Memorial Urn:

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Gleich daneben findet man das Captain Cook Birthplace Museum, das anlässlich seines 250. Geburtstages 1978 eröffnet wurde. Hier werden u.a. persönliche Gegenstände aus seinem Besitz und Erinnerungsstücke, die er von seinen Weltreisen mitbrachte, ausgestellt:

Author: John Yeadon. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Auf dem Village Green von Marton steht ein Gedenkstein, der aus Point Hicks in Australien stammt. Diese Landzunge war das erste, was James Cook vom fünften Kontinent auf seiner Entdeckungsreise 1770 sehen konnte:

Der Gedenkstein aus Australien ist ganz rechts im Bild zu sehen.    © Copyright Stephen McCulloch and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Gedenkstein aus Australien ist ganz rechts im Bild zu sehen.
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Von Marton zogen Cooks Eltern nach Great Ayton (North Yorkshire) auf die Aireyholme Farm, etwas weiter südlich von Middlesbrough:

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In Great Ayton besuchte James die örtliche Schule, in der heute das Captain Cook Schoolroom Museum untergebracht ist:

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Auf einem der beiden Village Greens in Great Ayton, dem High Green, wurde 1997 eine Skulptur eingeweiht, die James Cook als Jungen zeigt, geschaffen von Nicholas Dimbleby (Bruder von Jonathon und David Dimbleby):

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Sehr viel früher, nämlich 1827, stellte der Bankier Robert Campion aus Whitby auf dem Easby Moor oberhalb von Great Ayton das Captain Cooks Monument auf:

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Mit 16 Jahren ging James nach Staithes an die Ostküste von Yorkshire, wo er in dem kleinen Fischerort im Dorfladen arbeitete und wo er wohl auch erstmals Gefallen am Meer fand. Der Laden wurde 1812 abgerissen, das Captain Cook & Staithes Heritage Centre zeigt Erinnerungsstücke aus dem Leben des Seefahrers:

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Die nächste Station im Leben des James Cook war die Küstenstadt Whitby, wo er einst von 1746 bis 1749 in der Grape Lane wohnte. Hier hat man jetzt das Captain Cook Memorial Museum eingerichtet:

Das Museum ist das rote Haus links.    © Copyright Gordon Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Museum ist das rote Haus links.
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Schließlich errichtete man 1912 am West Cliff von Whitby noch das Captain Cook Monument, das den Seefahrer zeigt wie er aufs Meer hinausblickt. John Tweed war der Bildhauer, der diese überlebensgroße Statue schuf:

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Published in: on 6. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Clemency Burton-Hill – Ein Multitalent, das wir aus einer Inspector Barnaby-Folge kennen

Ich sah Clemency Burton-Hill erstmals in der Inspector Barnaby-Reihe in Episode 37 „Dead in the Water“ (dt. „Nass und tot“), die 2004 überwiegend in Henley-on-Thames gedreht wurde. Hier spielte sie die Hettie Trent, Tochter des Ruderregatta-Veranstalters Phillip Trent; eine attraktive junge Dame!

Clemency Burton-Hill hat zweifellos einige Fähigkeiten von ihrem Vater Humphrey Burton geerbt,  Fernsehmoderator, Spezialist für klassische Musik und Yehudi-Menuhin-Biograf. Die 1981 in London geborene Clemency hat in Cambridge am Magdalen College studiert und besuchte das Royal College of Music, wo sie an der Geige brillierte und den Hugh Bean Violin Prize in Empfang nehmen konnte. Später nahm sie an einer Tournee mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra teil.

Ihre Liebe für die klassische Musik verbindet die junge Dame mit ihrer Arbeit im britischen Fernsehen, wo sie für die BBC zahlreiche Sendungen moderierte wie die Wettbewerbe BBC Young Musician of the Year und Leeds International Piano Competition. Gerade erst im März hat sie einen Jungen zur Welt gebracht, wie es heißt zu den Klängen von Johann Sebastian Bachs Wohltemperierten Klavier.

Weiterhin ist Clemency Burton-Hill auch Journalistin und hat für viele namhafte Tageszeitungen geschrieben (Sunday Times, The Guardian, The Observer usw.). Ihr erster Roman „The Other Side of the Stars“ erschien 2009. Darin geht es um die Schauspielerin Lara Latner, die erfolgreich im Londoner Westend arbeitet und eines Tages das Angebot bekommt, einen Film in Hollywood zu drehen, das Remake eines französischen Klassikers, in dem einst ihre Mutter Eve Lacloche zum Star wurde.
Ihr zweiter Roman „All the Things You Are“ erschien 2013 und wurde durch ihre Musikprojekte inspiriert, die sie in den vergangenen 10 Jahren nach Israel und Palästina führten.

Clemencys erste richtige Filmrolle erhielt sie im Alter von 12 Jahren in „The Higher Mortals„, in dem sie neben der gleichalterigen Jemima Rooper agierte, die in der Inspector Barnaby-Episode 34 „The Straw Woman“ (dt. „Brennen sollst du““) die Jo Clifford spielte. Ihr letzter Filmauftritt war 2012 in „Candle to Water„.

Hier sind einige TV-Auftritte von Clemency Burton-Hill zu sehen.

Published in: on 5. Mai 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Narborough (Norfolk) und sein Village Sign

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Es gibt zwei Narboroughs in England. Eines davon liegt in Leicestershire, über das ich in Zusammenhang mit einem Mordfall schon einmal berichtete. Das andere liegt in Norfolk an der A47, die von King’s Lynn nach Norwich führt. An der Ecke Main Road/Pentney Road, gegenüber vom Ship Inn (in dem sich jetzt ein chinesisches Restaurant etabliert hat), steht das Village Sign von Narborough, das ich sehr interessant finde, spiegelt es doch bildlich die Historie dieses kleinen Ortes wider.

Ein ehemaliges Mühlrad bildet den Rahmen; es stammt aus einer örtlichen Knochenmühle, in der Knochen zu Dünger verarbeitet wurden. Die Knochen kamen aus Schlachthäusern aus King’s Lynn und, man höre und staune, von Hamburger Friedhöfen! Die Mühle wurde 1815 gebaut und schloss 1884 ihre Pforten. Sie war ein Stück weit vom Dorf entfernt, denn der Gestank war sicher nichts für Leute mit einem ausgeprägten Geruchssinn.
In den sechs von den Speichen gebildeten Segmenten des Rades finden sich weitere Hinweise auf Narboroughs Vergangenheit. In einem ist Narborough Hall zu sehen; dort wohnte früher die Familie Spelman. Einer davon war Sir John Spelman, der das Todesurteil gegen Anne Boleyn unterschrieb und der, zusammen mit anderen Familienmitgliedern, in All Saints beerdigt ist. Die Kirche ist ebenfalls in einem der Segmente des Mühlrads verewigt.
Ein weiterer Teil des Village Signs zeigt einen Zug, der eine Brücke überquert; die Bahnlinie wurde 1968 geschlossen. Dann sehen wir ein Flugzeug, das einen Hangar überfliegt: Hinweis auf RAF Narborough, ein Flugplatz, der im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielte und von dem so gut wie nichts mehr übriggeblieben ist.
Die anderen Segmente zeigen dann noch die Cornmill und Narborough Maltings, die Mälzerei des Ortes.

Ich finde die englischen Village Signs immer wieder sehenswert und es lohnt sich, nicht nur daran vorbeizufahren, sondern aus dem Auto auszusteigen und sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Es steckt meist sehr viel Liebe in der Gestaltung.

Published in: on 4. Mai 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Fingest in Buckinghamshire – George Clooney und Inspector Barnaby waren schon hier

Fingest in Buckinghamshire.    © Copyright Mark Percy and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Im letzten Jahr gab es in Goslar am Harz einige Tage lang nur ein Thema: George Clooney kommt und dreht in der Straßen der mittelaterlichen Stadt Szenen für seinen Film „The Monuments Men“ (dt. „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“). Tausende von Menschen standen stundenlang Schlange, um eine Statistenrolle zu erhaschen. Dann wurde gedreht und mit einem riesigen Aufwand seitens der Produktionsfirma die Breite Straße in Goslar in eine Straße in Belgien während des Zweiten Weltkriegs verwandelt. Dann kam der Film in die Kinos und…von Goslar war so gut wie nichts zu sehen, man hatte die ganzen Szenen mit den 2000 Komparsen einfach herausgeschnitten. Die Enttäuschung in Goslar war groß!

Die gleiche Filmcrew suchte auch das kleine Dorf Fingest in Buckinghamshire auf, das Nachbardorf von Turville, über das ich schon mehrfach berichtete. George Clooney und sein Tross versetzten die Bewohner ebenfalls für kurze Zeit in helle Aufregung, denn dass Hollywoodgrößen hier in das ländliche Buckinghamshire hereinfallen, kommt auch nicht alle Tage vor. Neben George Clooney waren auch Matt Damon und Hugh Bonneville (der Earl of Grantham in „Downton Abbey“) an den Dreharbeiten beteiligt. Fingest fungierte in dem Film als französisches Dorf. Während der Filmarbeiten musste der Autoverkehr im Ort zeitweise umgeleitet werden, aber das nahmen die Bewohner gern in Kauf. Die Szene, in der Matt Damon und Jean Dujardin mit einem Pferdewagen durchs Dorf fahren, wurde in der Chequers Lane gedreht, dort, wo die Kirche St Bartholomew’s steht, deren Reverend schon einige Monate vorher gebeten wurde, den Rasen um die Kirche nicht zu mähen, damit sie einen mittelalterlichen Anstrich bekommt.

Die Chequers Lane in Fingest war auch schon zweimal in Inspector Barnaby-Folgen zu sehen. Ein Haus dient in Episode 77 „The Silent Land“ (dt. „Geisterwanderung“) als das Haus von Ian und Faith Kent (Ian entdeckt den ermordeten Gerald Ebbs auf dem Friedhof von March Magna, Faith hat ein Verhältnis mit dem „Geistertourenführer“ Jeff Bowmaker); in Folge 49 „Country Matters“ (dt. „Pikante Geheimnisse“) wohnen hier Rose Southerley und ihre Tochter Dora (Rose hat ein Verhältnis mit dem später ermordeten Frank Hopkirk, dessen Leiche Dora und ihr Spielkamerad Otis in einer Scheune finden). Den örtlichen Pub „The Chequers“ wandelte man für diese Episode in einen Antiquitätenladen um.

St Bartholomew's in Fingest.    © Copyright Sarah Charlesworth and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Chequers Lane.    © Copyright nick macneill and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Chequers Pub.    © Copyright Peter Jemmett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die Mayflower Barn in Jordans (Buckinghamshire) – Die Scheune, die aus Teilen der „Mayflower“ gebaut sein soll

Die Mayflower Barn in Jordans (Buckinghamshire).    © Copyright Nigel Cox and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Mayflower Barn in Jordans (Buckinghamshire).
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Den Namen des Schiffes „Mayflower“ kennt wohl jedes Kind, speziell in den USA und in Großbritannien. Es brachte die Pilgrim Fathers im Jahr 1620 von Plymouth aus in die Neue Welt. 1621 kehrte das Schiff wieder nach England zurück. Schon 1624 lag die „Mayflower“ seeuntüchtig in Rotherhithe herum und die Besitzer verkauften das Holz, um wenigstens ein bisschen Geld herauszuschlagen. Was nun mit diesem Holz genau passierte, darüber ist man sich nicht so ganz einig. Der Historiker J. Rendel Harris schrieb 1920 ein Buch mit dem Titel „The Finding of the Mayflower„, in dem er behauptet, dass das Holz in einer Scheune in Buckinghamshire verbaut worden ist. Diese Mayflower Barn steht noch heute in Jordans, einem Dorf 3 km östlich von Beaconsfield. Dort findet man die Scheune südlich des Ortes am Jordan’s Lane. Ein gewisser Thomas Russell, Bauer aus Jordans, baute diese Scheune 1624 und soll dafür Eichenbalken von einem Verschrotter in Rotherhithe angekauft haben. Harris führte in seinem Buch einige Beweise für seine Behauptung an; so sollen u.a. am Ende eines der Holzbalken die Buchstaben „ER HAR“ eingeprägt sein, was auf „Mayflower Harwich“ hinweist, denn in Harwich wurde das Schiff registriert. Ein anderer Balken in der Scheune hat einen großen Riss im Holz, den auch die Mayflower hatte und den sie sich während eines Sturms auf ihrer Jungfernfahrt zugezogen haben soll.

Ob das alles so stimmt, ist zweifelhaft. Zur damaligen Zeit soll es viele Schiffe mit dem Namen „Mayflower“ gegeben haben. Stammte das Bauholz vielleicht von einem anderen Schiff mit dem gleichen Namen? Wie auch immer, viele Besucher aus aller Welt sind schon nach Jordans gekommen, um einen Blick auf die Mayflower Barn zu werfen. Vielleicht stimmt die Geschichte von J. Rendel Harris ja doch…

Die Scheune steht auf dem Gelände des Old Jordans Guest House & Conference Centre.

Einen Nachbau der „Mayflower“, die „Mayflower II„, sah ich vor einigen Jahren in der Plimouth Plantation in Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts. Das Schiff wurde im Upham Shipyard in Brixham (Devon) gebaut und 1957 auf der Originalroute über den Atlantik in die USA gebracht.

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