Englische Exzentriker – Lord Berners und die bunt gefärbten Tauben von Faringdon House

Faringdon (Oxfordshire); im Hintergrund der Faringdon Tower.    © Copyright Brian Robert Marshall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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In meinem Buchtipp „Eccentric Oxford“ von Benedict Le Vay erwähnte ich schon einmal den englischen Exzentriker Lord Berners (1883-1950), der mit vollem Namen Gerald Hugh Tyrwhitt-Wilson hieß, und der u.a. dadurch von sich reden machte, dass er den Spaniel seiner Mutter aus dem Fenster eines oberen Stockwerks warf und meinte, der Hund würde nun instinktiv fliegen lernen, nach dem Motto, “wenn man einen Hundewelpen ins Wasser wirft, lernt der instinktiv schwimmen”. Nun, der arme Hund lernte dabei das Fliegen leider nicht. Auf seinem Anwesen Faringdon House in Oxfordshire stellte Lord Berners Schilder auf mit den Aufschrift „Dogs will be shot; cats will be whipped„, was er aber natürlich nicht tat, denn er mochte eigentlich Hunde, zumindest Windhunde, die er mit diamantbesetzten Halsbändern herumlaufen ließ. Ob das die Tiere zu würdigen wussten?

1935 ließ er einen knapp 50 m hohen Turm nach seinen Vorstellungen bauen, den Faringdon Tower, der nach seinen eigenen Angaben „entirely useless“ war. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, vom Turm zu springen, um Selbstmord zu begehen, sorgte er vor und brachte ein Schild am Eingang an: „Members of the public committing suicide from this tower do so at their own risk„. Der exzentrische Lord liebte es, überall auf seinem Anwesen Schilder aufzustellen. So fanden sich in regelmäßigen Abständen an den das Grundstück umgebenden Mauern Hinweise mit dem Text „Anyone throwing stones at this notice will be prosecuted„.

Im Kofferraum seines Rolls Royce führte Gerald Tyrwhitt-Wilson stets ein kleines Klavier mit sich; man kann ja schließlich nie wissen, wozu das mal gut sein könnte. Apropos Klavier: Salvador Dali, der ebenfalls für seine Exzentrik bekannt war, stellte bei einem Besuch in Faringdon einmal einen Flügel in einem flachen Teich auf, platzierte auf alle schwarzen Tasten ein Schokoladenéclair und bat dann Lord Berners, etwas zu spielen.

This work has been released into the public domain

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Besonders faszinierend finde ich seine Idee, in Faringdon House buntgefärbte Tauben herumfliegen zu lassen. Für das Färben benutzte er Lebensmittelfarbe, damit es dem Gefieder der Tiere nicht schadete. Noch heute wird der Bernersche Brauch hier aufrechterhalten, indem man Regenbogenfarben-Tauben flattern lässt. Nachdem Lord Berners 1950 gestorben war, zog ein weiterer Exzentriker in das Haus in Oxfordshire ein, Robert „Mad Boy“ Heber-Percy. Der erließ kurz vor seinem Tode am 29. Oktober 1987 noch Anweisungen, dass die Tauben von Faringdon bei seiner Beerdigungsfeier schwarz und purpur eingefäbt sein sollten, was man dann auch tat.

Eine schöne Geschichte erzählt man sich auch von dem exzentrischen Lord, als er einmal Margaret Taylor, Gattin des Historikers A.J.P.Taylor, zu Besuch hatte. Als sie bereits gegangen war, fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, ihr das Ornament eines goldenen Hahnes zu zeigen; so rannte er hinter ihr her und rief „“Maggie, Maggie! Wait a moment! I do so want to show you my cock”…

 

Auf der Inschrift von Lord Berners Grabstein ist sein Leben kurz zusammengefasst:
Here lies Lord Berners
One of life’s learners
Thanks be to the Lord
He never was bored

Der Ort Faringdon liegt an der A420, die von Swindon nach Oxford führt; Faringdon House, das sich in Privatbesitz befindet und nicht besichtigt werden kann, an der A4095, der Radcot Road.

Das Buch zum Artikel:
Mark Amory: Lord Berners – The Last Eccentric. Faber&Faber 2008. 304 Seiten. ISBN 978-0571247653.

Der Faringdon Tower.    © Copyright Des Blenkinsopp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Foto meines Exemplares.

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Published in: on 13. Mai 2014 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Ingo,
    „englische Exzentriker“ ist doch eigentlich eine Tautologie, oder??!! 😉
    Liebe Gruesze aus dem suedlichen Texas,
    Pit

    • Hallo Pit,
      darüber habe ich noch nicht nachgedacht, aber eigentlich hast Du Recht. Viele Engländer neigen nun mal zur Exzentrik, vielleicht ein Grund, warum ich eine Vorliebe für das Land und seine Bewohner habe.
      Viele Grüße!
      Ingo


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