Bertie Wooster und Jeeves sind wieder auferstanden, in dem neuen Roman „Jeeves and the Wedding Bells“ von Sebastian Faulks

Jeeves

Ich habe die humorvollen Romane des P.G. Wodehouse immer gern gelesen. Sicher, manchmal waren sie ein wenig albern, wenn es z.B. darum ging, ein verschwundenes  silbernes Milchkännchen wieder aufzufinden oder wenn Bertie Wooster, mit tatkräftiger Unterstützung seines Butlers Jeeves, einer ungewollten Verlobung mit einer jungen Dame vom Lande zu entgehen versuchte. Aber trotzdem, die Romane von Sir Pelham Grenville Wodehouse, der 1975 in Southampton im US-Bundesstaat New York starb, waren für mich immer wieder eine kurzweilige Lektüre. Die Verfilmung der „Jeeves and Wooster“-Serie mit Stephen Fry und Hugh Laurie (23 Episoden auf 8 DVDs als Boxset erhältlich), die von 1990 bis 1993 vom britischen Sender ITV ausgestrahlt wurde und zwei BAFTA-TV-Awards gewann, war den Büchern ebenbürtig. Hier eine kleine Kostprobe.

Wenn ich richtig gezählt habe, erschienen 18 Bücher mit dem witzigen Duo, das bereits 1917 in der Kurzgeschichtensammlung „The Man With Two Left Feet“ (wurde nicht ins Deutsche übersetzt) eingeführt wurde und 1974 in „Aunts Aren’t Gentlemen“ (dt. “ Fünf vor zwölf, Jeeves“) die Bühne wieder verließ.

Der englische Romanautor Sebastian Faulks, der 2008 schon einmal einen James Bond-Nachfolgeroman mit dem Titel „Devil May Care“ (dt. „Der Tod ist nur der Anfang“) geschrieben hat („Sebastian Faulks writing as Ian Fleming“), nahm sich im vergangenen Jahr der beiden Wodehouse-Figuren an und schrieb das Buch „Jeeves and the Wedding Bells“ (noch nicht ins Deutsche übersetzt), „A Tribute to P.G. Wodehouse“. Wenn Bertie Wooster das Wort „Hochzeitsglocken“ hört, dann schrillen bei ihm immer die Alarmglocken. Wird es auch dieses Mal so sein oder kommt Bertie letztendlich doch unter die Haube? Herr und Diener vertauschen in Faulks‘ Pastiche die Rollen, d.h. in Sir Henry Hackwoods Landsitz Melbury Hall, wo sich die beiden aufhalten, ist Jeeves Upstairs und Bertie Downstairs zu finden. Chaos ist also vorprogrammiert.

Sebastian Faulks wollte sich weder zu eng an den Wodehouseschen Stil halten, noch wollte er eine Parodie schreiben (wie es im Vorwort des Buches steht). Aber ich glaube, es ist ihm sehr gut gelungen, die Country House-Atmosphäre wieder lebendig werden zu lassen, in der schrullige Landmänner, furchterregende Tanten und heiratslüsterne junge Damen die Szene beherrschen.

Sebastian Faulks: Jeeves and the Wedding Bells. Hutchinson 2013. 272 Seiten. ISBN 978-0091954048.

Hier in der Londoner Dunraven Street 17, in Westminster, lebte P.G. Wodehouse viele Jahre. Photo: Gwynhafyr in Open Plaques. Creative Commons 2.0

Hier in der Londoner Dunraven Street 17, in Westminster, lebte P.G. Wodehouse von 1924 bis 1934.
Photo: Gwynhafyr in Open Plaques.
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