Nether Lypiatt Manor in Gloucestershire – Royals, Exzentriker und Geister

   © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Halling and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Anfahrt zum Nether Lypiatt Manor in der Nähe von Thrupp in der Grafschaft Gloucestershire erfolgt über schmale Wege. Mitten in der Wildnis kommt man dann an dem schönen Haus vorbei, das in Privatbesitz ist und nicht besichtigt werden kann. Wir befinden uns hier in Royal Gloucestershire wie man so schön sagt, weil einige Royals in dieser Grafschaft ihre (Zweit-)häuser haben. Prince Charles wohnt in Highgrove bei Tetbury, Princess Anne auf Gatcombe Park bei Minchinhampton und der Vetter der Königin, Prince Michael of Kent, residierte mit seiner Frau bis 2005 in besagtem Nether Lypiatt Manor. 1981 kaufte es Prince Michael für einen relativ geringen Preis. Nur £300,000 blätterte er für das Haus hin, das eigentlich sehr viel mehr hätte einbringen müssen, aber potentielle Käufer schreckten vor dem Ruf Nether Lypiatt Manors zurück: Es hieß, dass darin mehrere Geister umgehen. Den Prinzen schreckte das nicht ab und so kam er zu einem günstigen Preis an ein tolles Haus.
Der Nachbesitzer, seit 2006, ist Lord Drayson, ein Geschäftsmann, Politiker und Rennfahrer, dem das Manor House £5.75 Millionen wert war.

Eine frühere Besitzerin war Violet Gordon-Woodhouse (1872-1948), eine Dame, die für ihre Cembalo-Künste berühmt (hier eine Kostprobe ihres Könnens) und für ihr exzentrisches Privatleben berüchtigt war. Verheiratet war sie mit einem Gordon Woodhouse, lebte aber zeitweise mit mehreren Männern gleichzeitig unter einem Dach. Als sie Nether Lypiatt Manor übernahm, hatte sie „nur“ eine Ménage à Trois, nämlich Ehemann Gordon und Liebhaber William Barrington. Offensichtlich lief dieses Dreiecksverhältnis aber gut. Violet entwickelte in ihren späteren Jahren eine Vorliebe für das „Gedankengut“ Adolf Hitlers, den sie sehr verehrte.

Gebaut wurde Nether Lypiatt Manor Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Richter namens John Coxe, der dafür berüchtigt war, häufig Todesurteile auszusprechen. Durch den Strick starben aber nicht nur die von ihm Verurteilten, sondern auch sein Sohn, der sich in einem der Zimmer des Manor Houses erhängte. Sein Geist soll Nether Lypiatt bis zum heutigen Tag heimsuchen wie übrigens auch der eines Pferdes. Judge Coxe besaß einen Hengst namens Wag, ein intelligentes Tier, das er regelmäßig allein zum Einkaufen in das drei Kilometer entfernte Stroud schickte. In den aufgeschnallten Tragekörben befanden sich die Einkaufszettel, und so trabte Wag von Laden zu Laden, bis die Körbe gefüllt waren, dann trat er seinen Heimweg wieder an. Für seine Verdienste wurde ihm ein Obelisk errichtet auf dem die Worte eingraviert sind:
My name is Wag, that rolled the green
The oldest horse that ever was seen
My years they numbererd forty-two
I seved my master just and true

Ein weiterer Geist von Nether Lypiatt Manor ist der des Schmiedes, den Judge Coxe seinerzeit beauftragte, das Gittertor anzufertigen. Noch bevor der seine Arbeit erledigt hatte, wurde er wegen Schafdiebstahls vor Gericht gestellt und dabei natürlich mit dem gestrengen Judge Coxe konfrontiert. Der verschob aus nachvollziehbaren Gründen das Todesurteil und ließ ihn erst noch sein Gittertor fertigstellen.  Der Schmied baute aus Rache einige kleine Fehler darin ein, die man aber nicht auf den ersten Blick sehen konnte. Außerdem soll er noch einen Fluch über das Haus ausgesprochen haben: Nether Lypiatt sollte niemals vom Vater auf den Sohn vererbt werden. In der über 300jährigen Geschichte des Hauses ist das tatsächlich auch nie geschehen!

Published in: on 22. Mai 2014 at 02:00  Kommentar verfassen