Mein Buchtipp – John Timpson: Requiem For a Red Box

Foto meines Exemplares.

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1989 ist das Buch „Requiem For a Red Box“ von John Timpson schon erschienen und lange im Buchhandel vergriffen, aber über Online-Antiquariate leicht zu bekommen. Über meinen absoluten Lieblingsschriftsteller John Timpson und seine Bücher habe ich in meinem Blog bereits mehrfach berichtet (z.B. hier). Er hat einfach einen unvergleichlichen feinen Humor und es ist ein Genuss, seine Bücher zu lesen. Leider ist er schon 2005 gestorben.

In dem heute von mir vorgestellten „Requiem For a Red Box“ beschäftigt sich John Timpson mit den englischen Telefonzellen und zwar den klassischen roten, die noch immer zu den Wahrzeichen Englands zählen, obwohl die British Telecom ihnen den Garaus gemacht hat und sie immer seltener zu finden sind.

Es begann alles im Jahr 1921, als das Post Office standardisierte Telefonzellen aufstellte und sie kurzerhand K1 nannte. Aber irgendwie konnte sich niemand so recht für diese Zellen begeistern, und so beauftragte man den berühmten Architekten Sir Giles Gilbert Scott, einen neuen Typus zu entwerfen. Scott, der sich im Laufe seiner Karriere vor allem mit dem Bau von Kirchen beschäftigt hatte, kreierte die K2 genannte Telefonzelle, die sofort „einschlug“ und zur Mutter aller folgenden „red boxes“ werden sollte. Die K3 entwarf auch noch Scott, dann nahm das Post Office die Gestaltung seiner Zellen selbst in die Hand und entwickelte die K4 und K5, mit nur geringem Erfolg, so dass man die K6 wieder in Scotts Hände legte, der damit den sogenannten Jubilee Kiosk schuf, der ab 1936 in den Straßen Englands zu sehen war. Als Scott 1960 starb, standen rund 60 000 Red Boxes in ganz Großbritannien. Es folgten noch die K7 und K8 in den 1960er Jahren, als dann aber 1984 die British Telecom entstand, war das das Ende der roten Telefonzellen. In wenigen Jahren ließ die BT 30 000 abreißen und durch die neuen KX100 ersetzen, die bei weitem nicht die „Aura“ der Vorgänger besaßen.

Von den 60 000 mittlerweile unter Schutz gestellten „jubilee kiosks“ stehen heute noch etwas über 2000 Exemplare in Großbritannien. Alle anderen K1 bis K8 wurden.bis auf wenige Ausnahmen, entweder verschrottet oder an Liebhaber verkauft, die daraus alles Mögliche gemacht haben wie Hausbars, Duschen, Bibliotheken oder ein Mini-Pub.

Timpson hat sein Buch mit vielen Fotos von Neil McAllister und Val Corbett illustriert. Da sind u.a. Bilder von total überwucherten oder einsam gelegenen Telefonzellen zu sehen, von abgewrackten und von Vandalen verwüsteten Red Boxes. Wer sich für diese „Ikone“ Englands interessiert, dem kann ich dieses Buch sehr ans Herz legen.

John Timpson: Requiem For a Red Box. Pyramid Books 1989. 128 Seiten. ISBN 1-855-10008-8

Eine K6 in Limington (Somerset).    © Copyright Rossographer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Tourist Information Centre in einer ausgedienten Telefonzelle in Wakeham (Dorset).    © Copyright Chris Downer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 12. Juni 2014 at 02:00  Comments (1)  
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