Der Digswell Viaduct in Hertfordshire – Eine furchtsame Queen Victoria und ein furchtloser Hochseilakrobat

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Der Crystal Palace im Londoner Hyde Park gehörte zu seinen aufsehenerregendsten Projekten, aber auch der Eisenbahnviadukt zwischen Welwyn Garden City und Digswell in Hertfordshire konnte sich sehen lassen; ich spreche von William Cubitt, der diesen Bau entwarf. Der Viadukt überquert den River Mimram, der bei Hertford sich mit dem River Lea vereint. Der Digswell Viaduct (auch Welwyn Viaduct genannt) ist 475 Meter lang und 30 Meter hoch und wird von der East Coast Main Line befahren, auf der Strecke von London nach Edinburgh. Nach einer zweijährigen Bauzeit wurde der Viadukt am 6. August 1850 von Queen Victoria eingeweiht. Britanniens Königin war aber ein ängstlicher Mensch, denn sie weigerte sich, mit dem Zug über die Brücke zu fahren, sie war ihr einfach zu hoch und zu unheimlich. Also stoppte der königliche Zug, Madame stieg in eine Kutsche um, die sie sicher auf konventionellem Weg über die Straße zum anderen Ende der Brücke transportierte, wo sie wieder (erleichtert) in ihren Waggon kletterte.

Gar nicht ängstlich war ein anderer Zeitgenosse, der es sich nicht nehmen ließ, den River Mimram nicht einfach per Zug zu überqueren, sondern dies auf einem Hochseil tat: Der Franzose Charles Blondin (1824-1897). Der in St Omer, Pas-de-Calais, geborene Artist (in St Omer gibt es übrigens ein hervorragendes Hotel, das ich sehr empfehlen kann, das Chateau Tilques, doch das nur am Rande) übte hier in Hertfordshire für seine spektakulären Überquerungen der Niagara-Fälle im Jahre 1859. Blondin war es viel zu langweilig, die kanadischen Wasserfälle einfach nur so auf einem Hochseil zu überqueren. Mal ging er mit verbundenen Augen darüber, mal briet er sich auf halber Strecke ein Omelett, das er dort in luftiger Höhe verspeiste. Charles Blondin starb nebenbei gesagt eines natürlichen Todes, was bei seinem gefährlichen Beruf schon erstaunlich ist.

Ich finde, der Viadukt ist auch heute noch, nach fast 175 Jahren beeindruckend und er fügt sich gut in die Landschaft Hertfordshires ein. Hier ist ein kurzer Schwenk über den Viadukt zu sehen.

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Published in: on 31. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charmouth (Dorset) – Die Dorfkirche, ein zweckentfremdeter Esstisch und ein Marineleutnant, der bei einem Duell starb

St Andrew in Charmouth (Devon).    © Copyright John Myers and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Andrew in Charmouth (Devon).
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Die Kirche St Andrew in Charmouth (Dorset) beherbergt zwei Gräber, die etwas aus der Reihe fallen. In dem einen Grab liegt der Reverend Edward Bragge, der der Kirche im 18. Jahrhundert diente und 1747 starb. Neben seinen geistlichen Tätigkeiten war der Reverend auch sehr an weltlichen Dingen interessiert, d.h. er war ein leidenschaftlicher Gourmet. Essen und Trinken waren ihm (fast?) so wichtig wie seine kirchlichen Aufgaben. Als er merkte, dass es mit ihm zu Ende ging, bat er seine Freunde, ihn auf/ in seinem heißgeliebten Esstisch zu beerdigen. Die Freunde folgten seinem letzten Wunsch, nahmen den Esstisch auseinander und zimmerten daraus einen Sarg, in dem Reverend Bragge seinen ewigen Schlaf antrat und darin möglicherweise von seinen kulinarischen Exzessen träumte. An seiner Seite ruht seine Frau Martha, die über 20 Jahre später starb; ob auch sie dem guten Essen und Trinken zusprach, ist nicht überliefert. Eine Marmortafel in St Andrew erinnert an die beiden.

Auf dem Friedhof der Kirche findet man ein Grab, in dem James Warden (1736-1792) seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Warden war Leutnant in der Marine und kämpfte sowohl im Siebenjährigen Krieg als auch im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. 19 Schlachten soll er unversehrt überstanden haben und dann ausgerechnet in dem kleinen Charmouth im ländlichen Dorset bei einem Duell ums Leben gekommen sein. Warden traf eines Tages seinen Nachbarn Norman Bond und geriet mit ihm in Streit. Ausgangspunkt des Streits war ein Rebhuhn und Warden geriet dermaßen außer sich, dass er Bond drohte, seine Hunde zu erschießen. Da sich Warden weigerte, sich für seine Ausfälle zu entschuldigen, forderte ihn Bond zu einem Duell heraus, das am 28. April 1792 stattfand. In Anwesenheit von Wardens Frau Elizabeth, die die Pistolen besorgte und offenbar keine Probleme mit dem Duell ihres Mannes hatte, schossen die beiden Streithähne aufeinander. Wardens Schuss traf nur Bonds Hut, während Bond einen Volltreffer landete und mitten in das Herz des Ex-Marineleutnants traf. Bond flüchtete aus England und Warden bekam ein hübsches Grab auf dem Friedhof von St Andrew.

Zur Orientierung: Charmouth liegt direkt an der Küste von Dorset und St Andrew an der Hauptstraße The Street.

Das Memorial für den ess- und trinkfreudigen Reverend.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Memorial für den ess- und trinkfreudigen Reverend.
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Hier ruht James Warden. Author: Michael Day. Creative Commons 2.0

Hier ruht James Warden.
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Published in: on 30. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Stafford Hildred & Tim Ewbank: John Thaw – The Biography

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Der englische Schauspieler John Thaw (1943-2002) ist leider in Deutschland nicht so bekannt wie er es eigentlich verdient hätte.  Er gehört zu meinen absoluten Favoriten und seine Darstellung des Inspector Morse in der gleichnamigen TV-Krimiserie war einfach großartig!!! Warum das deutsche Fernsehen diese Serie, die zu den besten aller Zeiten gehört, ignoriert hat, bleibt mir unverständlich. Lediglich das damalige DDR-Fernsehen hat einige synchronisierte Folgen gezeigt.

Bereits 1998 erschien das Buch „John Thaw: The Biography“ der beiden Autoren Stafford Hildred und Tim Ewbank, in dem sie das Leben des in Manchester geborenen Schauspielers Revue passieren lassen. Die Kindheit John Thaws war nicht leicht; sein Vater, ein Fernfahrer, war häufig nicht zuhause, seine Mutter verließ die Familie als John sieben Jahre alt war. Mit 16 Jahren besuchte er die berühmte Schauspielschule RADA (Royal Academy of Dramatic Art) in London, nach deren Abschluss er einige Bühnenrollen bekam. 1963/64 machte er die erste Bekanntschaft mit dem Fernsehen, indem er in der damals sehr beliebten Polizeiserie „Z Cars„, über die ich schon einmal in meinem Blog berichtete, einen Detective Constable spielte. 1974 bis 1978 hatte er die Hauptrolle des Detectives Jack Regan in der Serie „The Sweeney„.

Dann kam John Thaws Zeit als Inspector Morse, eine Serie, die von 1987 bis 1993 lief und durch fünf Specials in den Jahren 1995 bis 2000 fortgesetzt wurde. Weiterhin war er als Rechtsanwalt James Kavanagh in der TV-Serie „Kavanagh QC“ zu sehen.

John Thaw war in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Sheila Hancock verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Sally Alexander hatte er eine Tochter Abigail, mit Sheila hatte er eine gemeinsame Tochter Joanna und später adoptierte er Melanie Jane, die aus Sheila erster Ehe stammte. Alle drei Töchter sind Schauspielerinnen geworden. Abigail war einmal bei Inspector Barnaby zu Gast, in Episode 71 „Small Mercies“ (dt. „Böse kleine Welt“), in der sie die Rolle der Annabel Johnson spielte. Joanna Thaw sah ich einmal in der TV-Krimiserie „Inspector Lynley“, in der allerersten Folge „The Great Deliverance“ (dt. „Gott schütze dieses Haus“), da spielte sie eine Polizeibeamtin. Melanie Thaw hatte einmal eine Gastrolle in John Nettles‘ „Inspector Bergerac ermittelt“, in der Episode „There for the Picking“ (wurde nicht in Deutschland gezeigt).

Das Buch von Hildred und Ewbank ist für alle, die etwas mehr über den großartigen Schauspieler wissen möchten, sehr zu empfehlen. 2004 erschien Sheila Hancocks Buch über ihren Mann „The Two of Us: My Life with John Thaw„.

Thaw starb am 21. Februar 2002 im Alter von 60 Jahren in seinem Cottage in Luckington in Wiltshire. Dorthin, in die Church Road, hatte er sich zurückgezogen.

Stafford Hildred & Tim Ewbank: John Thaw – The Biography“. André Deutsch 1998. 236 Seiten. ISBN 0-233-99482-3 (Das Buch ist in der 2. Auflage von 2002 noch lieferbar)

Hier ist eine Dokumentation über das Leben John Thaws.

Church Lane in Luckington (Wiltshire). Hier wohnte und starb John Thaw.    © Copyright David Purchase and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Church Lane in Luckington (Wiltshire). In dieser Straße wohnte und starb John Thaw.
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Published in: on 29. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The British Fireworks Championships 2014 am 12. und 13. August in Plymouth (Devon)

Die British Fireworks Championships 2012. Der Sturm machte den Feuerwerkern schwer zu schaffen.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die British Fireworks Championships 2012. Der Sturm machte den Feuerwerkern schwer zu schaffen.
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Am 12. und 13. August ist es wieder soweit, dann werden sich zehntausende von Menschen nach Plymouth in Devon begeben, um sich dort ein einzigartiges Schauspiel anzusehen, wenn sich die besten professionellen Feuerwerker des Landes miteinander messen. Die British Fireworks Championships  werden seit 1997 hier ausgetragen und auch in diesem Jahr kann man sich das Spektakel am besten von der Plymouth Hoe ansehen, jener großen Freifläche mit Blick auf das Meer und den gegenüberliegenden Mount Batten, von wo das Feuerwerk abgeschossen wird.

Jedes Jahr treten sechs Profi-Firmen gegeneinander an, jeweils drei an den beiden Abenden. Alle sechs Jahre wird dann der Champion of Champions ermittelt, wenn die Sieger der letzten sechs Jahre ihre Kräfte messen. Nachdem es 2012 wegen eines starken Sturms keinen Gewinner gab, wurde dafür im letzten Jahr die Firma Star Fireworks aus Bracknell in Berkshire zum Champion of Champions ausgerufen.

In diesem Jahr treten gegeneinander an:
Am 12. August um 21.30 Uhr:
Shellscape Pyrotechnics aus White Waltham (Berkshire) – Sieger in den Jahren 2001 und 2002
Blitz Fireworks aus Crewe (Cheshire)
Northern Lights Fireworks aus Trowbridge (Wiltshire) – Sieger von 1998

Am 13. August folgen zur gleichen Zeit:
PYRO1 aus Hatfield (Hertfordshire) – Sieger im Jahr 2000
Reaction Fireworks aus Stanley (County Durham)
MLE Pyrotechnics aus Daventry (Northamptonshire) – Sieger der Jahre 2005 und 2011

Ich habe einmal eine Zeit lang in Plymouth zugebracht und habe den Blick von The Hoe aus immer sehr genossen. Leider habe ich die British Fireworks Championships noch nicht selbst miterleben können.
Dieser Film zeigt die Wettkämpfe der besten britischen Pyrotechniker aus dem Jahr 2015.

Zum Thema siehe auch meinen Blogeintrag über die Kimbolton Fireworks in Kimbolton (Cambridgeshire).

Der Sturm im Jahr 2012 verursachte sehr eigenwillige Feuerwerksgebilde,   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Sturm im Jahr 2012 verursachte sehr eigenwillige Feuerwerksgebilde.
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Tooley’s Boatyard in Banbury (Oxfordshire) – Englands ältestes Trockendock für Narrowboats

Über meine persönlichen Eindrücke über die Stadt Banbury in Oxfordshire habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet. Als ich im nahegelegenen Shutford wohnte, fuhr ich häufig dorthin. Für Narrowboat-Besitzer spielt Banbury eine wichtige Rolle, denn in der historischen Werft Tooley’s Boatyard kann man sein Hausboot reparieren lassen.

1778 wurde der Oxford Canal eröffnet, der auch Banbury berührte. Auf den schmalen hölzernen von Pferden gezogenen Booten wurden Waren transportiert und da diese Boote auch hin und wieder mal repariert werden mussten, benötigte man einen möglichst zentral gelegenen Ort für ein Trockendock und so entstand 1790 Tooley’s Boatyard, wo man die Narrowboats auch herstellte. Über einen längeren Zeitraum profitierte Banbury von dem Warenverkehr, doch dann kam die Eisenbahn und machte nach und nach den wirtschaftlich genutzten Narrowboats den Garaus. Die Bedeutung der Kanäle nahm entsprechend ab, viele verfielen und wurden nicht mehr gepflegt, bis dann im 20. Jahrhundert die Engländer ihre Vorliebe für Narrowboats als Freizeitvergnügen entdeckten. Neue Hausboote wurden benötigt, mussten gewartet und repariert werden und so konnte Tooley’s Boatyard überleben. Die Schmiede aus dem Jahr 1790 ist heute noch in Betrieb und wer möchte, kann dort unter fachkundiger Anleitung Schmiedekurse belegen. Tooley’s besitzt ein eigenes Narrowboat, die „Dancing Duck„, auf der Kanalfahrten angeboten werden und die man auch für mehrere Tage mieten kann.

1944 erschien ein Buch, das unter Kanalbootfahrern als der Klassiker schlechthin gilt: „Narrow Boat“ von Lionel Thomas Caswall Rolt, der meist nur L.T.C. Rolt genannt wurde. In dem noch immer lieferbaren Buch beschreibt er eine viermonatige Reise auf den englischen Kanälen und dieses Buch weckte das Interesse vieler Engländer und führte zur Gründung der Inland Waterways Association, die sich die Erhaltung und Pflege der Kanäle zum Ziel machte. Rolt schreibt in seinem Buch wie sein Narrowboat „Cressy“ in Tooley’s Boatyard so umgebaut wurde, dass man darauf auch über einen längeren Zeitraum hinweg wohnen konnte, wodurch die Firma in Banbury auch wieder im ganzen Land bekannt wurde. Man dankte ihm dafür, indem zur Wiederkehr seines 100. Geburtstages eine blaue Plakette in Tooley’s Boatyard enthüllt wurde.

Wer sich für Narrowboats und das Trockendock in Banbury interessiert, kann sich Tooley’s auf einer geführten Tour ansehen, die jeden Samstag um 15 Uhr durchgeführt wird.

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Published in: on 27. Juli 2014 at 02:00  Comments (6)  
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C. B. Fry (1872-1956) – Einer der größten „Allrounder“, die es je in England gegeben hat

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Charles Burgess Fry, der allgemein C.B. Fry genannt wurde, war ein ganz erstaunlicher Mensch, der so viele Talente besaß, dass man das kaum für möglich hält. Er konnte einfach alles: Er war Sportler, Politiker, Schriftsteller und einmal sollte er sogar König von Albanien werden.

Geboren wurde C.B. am 25. April 1872 in Croydon (Greater London). Er besuchte die berühmte Repton School, ein Internat in Derbyshire, zu deren Schülern u.a. Roald Dahl, Christopher Isherwood, Basil Rathbone und Jeremy Clarkson gehörten. Schnell stellte sich heraus, dass er ein ausgezeichneter Sportler war, der in mehreren Sportarten hervorragende Leistungen erbrachte. Fry galt als einer der besten Cricketspieler seiner Zeit, der für Sussex und Hampshire spielte, aber auch im Nationalteam mitwirkte. Er muss diese Begabung an seinen Sohn Stephen und seinen Enkel Charles vererbt haben, denn auch diese beiden waren erstklassige Cricketspieler.

Auch im Fußball war C.B. Fry großartig. Schon in der Repton School war er Kapitän der Schulmannschaft; später wurde er Profi bei den Saints vom Southampton F.C. und spielte sogar einmal in der englischen Nationalmannschaft.
Doch das war noch nicht alles. Neben seinen Fähigkeiten als Rugbyspieler war C.B. Fry auch ein  exzellenter Leichtathlet, der 1892 einen neuen englischen Rekord im Weitsprung aufstellte und ein Jahr später sogar den Weltrekord mit 7,17 m einstellte, den er sich mit dem Amerikaner Charles Reber teilte. Sehr gut war er auch im Hochsprung, als Sprinter und als Hürdenläufer.

Doch nicht nur als Sportler tat sich Fry hervor. Weitere Stationen in seinem Leben waren: Eine kurze Zeit als Lehrer an der Charterhouse School in Godalming in Surrey, Journalist, Captain in der Royal Navy Reserve, Arbeit beim Völkerbund in Genf.

In der Politik engagierte sich C.B. Fry für die Liberal Party und trat in den Jahren 1922 bis 1924 bei den Wahlen in Brighton, Banbury und Oxford für diese Partei an, ohne jedoch dort gewinnen zu können (man kann eben nicht alles haben).

Ab 1936 arbeitete er bei der BBC als Radiokommentator und irgendwie schaffte er es auch noch, nebenbei mehrere Bücher zu schreiben, vor allem über Cricket wie „Great Batsmen: Their Methods at a Glance“ und „Great Bowlers and Fielders: Their Methods at a Glance„. Seine Autobiografie „Life Worth Living: Some Phases Of An Englishman“ veröffentlichte er 1939 und darin waren Sympathien für Hitlers Nazi-Deutschland zu erkennen. Vielleicht war das auf seine psychischen Probleme zurückzuführen, denn dieser einzigartige Mann litt seit den 1920er Jahren tragischerweise zunehmend unter einer paranoiden Persönlichkeitsstörung.

Fry starb am 7. September 1956 im Londoner Stadtteil Hampstead und seine Asche wurde dort beigesetzt, wo seine Ausbildung begann, ganz in der Nähe der Repton School, auf dem Kirchhof der St. Wystan’s Church in Repton (Derbyshire).

Hier sind einige historische Filmaufnahmen aus dem Jahr 1950 über C.B. Fry zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Iain Wilton: C.B. Fry – An English Hero. Richard Cohen 1999. 498 Seiten. ISBN 978-1860661709. (Vergriffen, aber antiquarisch leicht zu bekommen)

Hier begann C.B. Frys Ausbildung, in der Reton School. i   © Copyright Paul Buckingham and   lcensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier begann C.B. Frys Ausbildung, in der Repton School.
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Hier wurde C.B. Frys Asche beigesetzt, in der St  in Repton (Derbyshire).    © Copyright Tim Heaton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier wurde C.B. Frys Asche beigesetzt, in der St Wystan’s Church in Repton (Derbyshire).
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Frys Grabstein. Author: Diego Sideburns. Creative Commons 2.0

Frys Grabstein.
Author: Diego Sideburns.
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Published in: on 26. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Elizabeth I und ihr Picknick unter einer uralten Eiche in Northiam (East Sussex)

Die königliche Eiche, die allerdings im 16. Jahrhundert deutlich mehr Schatten spenden konnte.    © Copyright Philip Talmage and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die königliche Eiche, die allerdings im 16. Jahrhundert deutlich mehr Schatten spenden konnte.
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Queen Elizabeth I muss eine sehr reisefreudige Dame gewesen sein. Zahllose Pubs und Herrenhäuser brüsten sich damit, dass die Königin bei ihnen schon einmal übernachtet hat, so dass mancher Gastwirt der Meinung  ist, wenn er ein Schild an  seinen Pub anbringt mit der Aufschrift „Queen Elizabeth I did not sleep here“, er mehr Aufmerksamkeit erregen würde.

Am 11. August 1573 war die Königin wieder einmal unterwegs und da sie zur Mittagszeit Appetit bekam und noch keine McDonald’s und Burger Kings an den Straßen Englands zu finden waren, machte sie es sich in einem Dorf namens Northiam in East Sussex unter einer uralten Eiche bequem. Für das Picknick sorgten George Bishop und seine Familie, die in einem der Eiche gegenüberliegenden Haus wohnten und für die es sicher eine Ehre war, die Queen bedienen zu dürfen. Dieses Haus ist das heutige Hayes Hotel. Nachdem sie sich im Schatten der Eiche gestärkt hatte, ließ sie ihre grünen damastseidenen Schuhe (die sechs cm hohe Absätze hatten, also die idealen Reiseschuhe) zurück, als Erinnerung für die Dorfbewohner an den hohen Besuch. Diese royalen Schuhe sollen sich heute im örtlichen Frewen College befinden, dem ehemaligen Brickwall House, und hin und wieder zur Schau gestellt werden.

Zum 400. Jahrestag des königlichen Picknicks ließ das Hayes Hotel 1973 an der Eiche am Village Green eine Plakette anbringen, auf der das für das Dorf Northiam denkwürdige Ereignis noch einmal kurz in Erinnerung gerufen wird. Die Eichen in Sussex, so steht es auf der Plakette, leben tausend Jahre und sterben tausend Jahre und dieses Prachtstück ist schätzungsweise schon über tausend Jahre alt. Wäre es nicht einmal eine gute Idee für Queen Elizabeth II hier in Northiam ein Re-Enactment jenes denkwürdigen Picknicks ihrer Namensvetterin durchzuführen? Ich bin sicher, dass das Hayes Hotel gern für Speis und Trank sorgen würde. Der Stamm der Eiche ist auch groß genug, dass sämtliche königlichen Corgies gleichzeitig ihre Beine daran heben könnten.

Northiam liegt wenige Kilometer nordwestlich von Rye an der A28; die Eiche findet man auf dem Village Green zwischen Main Street und Church Lane.

Das Hayes Hotel am Village Green.    © Copyright Philip Talmage and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Hayes Hotel am Village Green (haunted!!).
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Pubschilder Teil 2 – The Bladebone Inn in Chapel Row (Berkshire)

With friendly permission of Normann.

With friendly permission of Normann.

Der Name dieses Pubs in Chapel Row bei Bucklebury in Berkshire ist so ungewöhnlich wie sein Pubschild. Wie kann man einen Pub „Schulterblatt-Gasthof“ nennen? Nun, die Antwort ist einfach: Es handelt sich hier um das Schulterblatt eines Mammuts, das man im 17. Jahrhundert in den Ablagerungen des Flusses Kennet (ein Nebenfluss der Themse) gefunden hat. Man fragte sich damals, wohin damit, bis jemand auf die Idee kam, dieses Skelettteil in Kupfer zu hüllen und als Pubschild zu verwenden. So viel ich weiß, ist das einmalig in ganz Großbritannien. Der Erhaltungszustand des Mammutschulterblatts soll dank der Kupferummantelung nach wie vor sehr gut sein.

The Bladebone Inn gehörte früher einmal der Whitbread Brewery, ist jetzt aber ein brauereiunabhängiges Free House.
Der englische Komponist Robert Still (1910-1971) schrieb sogar einmal ein Musikstück mit dem Titel „The Ballad of the Bladebone Inn„, das 1957 in der Londoner Royal Festival Hall uraufgeführt wurde. Still wohnte in Bucklebury, also ganz in der Nähe, und war wohl ein „regular“ des Pubs.

In dem hübschen Gasthof aus dem 17. Jahrhundert wird eine anspruchsvolle Küche geboten; hier bekommt man mehr als den Standard „pub grub“.

Wer The Bladebone Inn einmal aufsuchen möchte: Chapel Row liegt östlich von Newbury und südöstlich von Bucklebury.

The Bladebone Inn
Chapel Row
Bucklebury
Berkshire
RG7 6PD
Tel. 0118 971 2326

With friendly permission of Normann.

With friendly permission of Normann.

Published in: on 24. Juli 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Pubschilder Teil 1 – The Quiet Woman in Earl Sterndale (Derbyshire)

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Hier ist wieder ein typisches Beispiel für die Vorliebe der Engländer für schwarzen Humor. Das Pubschild des Gasthofs „The Quiet Woman“ in Earl Sterndale im Peak District von Derbyshire zeigt eine Frau ohne Kopf, die gerade ein Servierbrett vor sich trägt, auf dem sich wohl das Abendessen(?) eines Gastes befindet. Die Geschichte hinter dem Schild:
Die Frau eines ehemaliges Pubbesitzers, die man „Chattering Charteris“ nannte, weil sie unentwegt redete und sogar noch im Schlaf vor sich hingequasselt haben soll, nervte ihren Mann derart, dass er es schließlich nicht mehr ertragen konnte und ihr den Kopf abschnitt. Gut, eine ziemlich drastische Methode, aber von da ab war Ruhe im Karton. Die Dorfbewohner konnten die Tat offensichtlich nachvollziehen, denn sie unterstützten den Gastwirt, indem sie für den Grabstein seiner redseligen Frau sammelten.
Über der kopflosen Dame auf dem Pubschild steht der Satz „Soft Words Turneth Away Wrath„, in Anspielung auf Kapitel 15 der „Sprüche Salomos“ in der Bibel, in dem es heißt „Eine linde Antwort stillt den Zorn, aber ein hartes Wort erregt Grimm“.

Earl Sterndale liegt zwölf Kilometer westlich von Bakewell und kann sich damit „brüsten“, die einzige Kirche in ganz Derbyshire zu besitzen, die im Zweiten Weltkrieg von einer deutschen Fliegerbombe getroffen wurde. Gezielt bombardiert wurde St Michael sicher nicht, es hat sich wohl eher um einen Fehler des deutschen Bomberpiloten gehandelt, mit tragischen Ausgang, denn die Kirche wurde sehr stark in Mitleidenschaft gezogen.

In Leek in Staffordshire gibt es noch einen weiteren Pub mit dem Namen „Quiet Woman“, dessen Schild ebenfalls eine Dame ohne Kopf zeigt.

Hier ist ein Film über einen Auftritt der Chapel-en-le-Frith Morris Men vor The Quiet Woman.

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Published in: on 23. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Dorothy L. Sayers Society und Witham in Essex

Die Witham Library mit dem Dorothy L. Sayers Centre. Copyright: Carol. Creative Commons 2.0

Die Witham Library mit dem Dorothy L. Sayers Centre.
Copyright: Carol.
Creative Commons 2.0

Sie starb am 17. Dezember 1957 in Witham, einer kleinen Stadt in Essex an der A12 zwischen Chelmsford und Colchester, und gilt neben Agatha Christie und P.D. James als eine der besten Krimischriftstellerinnen Englands: Dorothy Leigh Sayers, die mit ihrem Serienheld Lord Peter Wimsey in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Ihre Romane sind in den 1920er und 1930er Jahren entstanden, lassen sich aber auch heute noch gut lesen. Weniger bekannt ist, dass Dorothy Sayers Dantes „Göttliche Komödie“ ins Englische übersetzt und eine ganze Reihe von religiösen Werken geschrieben hat.

Das Ziel der Dorothy L. Sayers Society, die 1976 gegründet wurde, ist „to promote the study of the life, works and thoughts of this great scholar and writer, to encourage the performance of her plays and the publication of books by and about her, to preserve original material for posterity and to provide assistance for researchers“. So steht es auf der Webseite der Gesellschaft, die nicht müde wird, das Andenken an die Crime Lady am Leben zu halten und die sehr viel Material über die Schriftstellerin besitzt.

Die Society hat sich dafür eingesetzt, dass das Wohnhaus von Dorothy L. Sayers in der Newland Street in Witham, in dem sie die letzten 30 Jahre ihres Lebens verbrachte, nicht abgerissen wurde, sondern als Privathaus erhalten geblieben ist. Nur ein paar Schritte von dem Haus entfernt, hat man in der Witham Library das Dorothy L. Sayers Centre eingerichtet, in dem über 400 Werke von und über sie aufbewahrt werden und das für Forschungszwecke zur Verfügung steht (ein großer Teil der Originalmanuskripte besitzt das Marion E. Wade Center am Wheaton College in Illinois).

Die Gesellschaft hatte sich auch maßgeblich dafür eingesetzt, dass man für Mrs Sayers in ihrem Wohnort eine Statue errichtet. Gegenüber der Bibliothek findet man sie nun, zusammen mit ihrer Katze Blitz, geschaffen von dem Bildhauer John Doubleday, der auch anderen Berühmtheiten wie Horatio Nelson, Sherlock Holmes und Charlie Chaplin mit seinen Arbeiten ein Denkmal gesetzt hat.

Aus Anlass von Lord Peter Wimseys 100. Geburtstag und zum 70. Jahrestag des Erscheinens des Romans „The Nine Tailors“ (dt. „Die neun Schneider) hatte die Society die Glocken der St Clement’s Church in Terrington St Clements (Norfolk) erklingen lassen; diese Kirche gilt als Vorbild für die Kirche von Fenchurch St Paul in Sayers‘ Roman, in dem die Glocken eine wesentliche Rolle spielen.
Eine weitere Ehrung erhielt der berühmte Detektiv, indem eine Suite in dem Londoner Park Lane Hotel nach ihm benannt wurde (auf Initiative der Gesellschaft).

Die Mitglieder Dorothy L. Sayers Society werden sechsmal jährlich in einem Bulletin über Neuigkeiten und Veranstaltungen rund um ihre Lieblingsschriftstellerin informiert. Schirmherrin der Gesellschaft ist übrigens die oben erwähnte andere Grand Old Lady der englischen Kriminalliteratur P.D. James, Baroness James of Holland Park, die im August diesen Jahres 94 Jahre alt wird.

Dorothy L. Sayers' Bronzestatue gegenüber der Bibliothek. Copyright: Carol. Creative Commons 2.0

Dorothy L. Sayers‘ Bronzestatue gegenüber der Bibliothek.
Copyright: Carol.
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St Clement's in Terrington St Clement (Norfolk).    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Clement’s in Terrington St Clement (Norfolk).
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Ein lesenswerter Kriminalroman mit viel Atmosphäre. Foto meines Exemplars.

Ein lesenswerter Kriminalroman mit viel Atmosphäre.
Foto meines Exemplars.

 

Published in: on 22. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Memories of Pimperne (Dorset)

Unser einsames Cottage bei Pimperne (Dorset). Eigenes Foto.

Unser einsames Cottage bei Pimperne (Dorset).
Eigenes Foto.

Der Ortsname Pimperne dürfte den meisten eher nicht bekannt sein. Das Dorf liegt in Dorset an der A354 kurz hinter Blandford Forum in Richtung Salisbury. Wir mieteten hier einmal ein Cottage, eines der einsamst gelegenen, die wir je hatten. Aus Pimperne heraus führte ein ca zwei Kilometer langer Feldweg zu unserem Haus, das ganz allein zwischen Wiesen und Weiden stand. Das lauteste Geräusch, das wir hörten, war das gelegentliche Muhen der Kühe. Schön ruhig, manchmal zu ruhig; vor allem nachts, da wurde es schon ein bisschen unheimlich. Als wir eines Abends im Radio hörten, dass in einem nahegelegenen Gefängnis ein gefährlicher Verbrecher ausgebrochen war, vor dem ausdrücklich gewarnt wurde, fühlten wir uns noch ein klein wenig unwohler. Jedes Knacken vor dem Haus ließ uns nachts aufschrecken. Aber der geflohene Strafgefangene muss wohl einen Bogen um Pimperne geschlagen haben, denn er bereitete uns keine Probleme.

Da wir im Urlaub eher selten zuhause kochen, mussten wir abends immer mit dem Auto eine ganze Strecke fahren, um ein Restaurant aufzusuchen. Blandford Forum erwies sich in kulinarischer Hinsicht als unergiebig, also fuhren wir meist nach Dorchester und Salisbury zum Abendessen.

Pimperne, ein Ort mit rund 1000 Bewohnern, verfügt über zwei Pubs. Der Anvil Inn ist mehr Hotel als Pub und residiert in einem hübschen reetgedeckten Gebäude aus dem 16. Jahrhundert.  Er und The Farquharsons Arms liegen direkt an der vielbefahrenen A354.
Die St Peter’s Church findet man mitten im Ort; sie wurde in den 1870er Jahren komplett umgebaut, verfügt aber noch über einige Gebäudeteile aus früherer Zeit und ein normannisches Taufbecken als besondere Sehenswürdigkeit.

Pimperne hat eine gute Lage, um von hier aus Dorset und Hampshire zu erkunden. Die Küste mit Bournemouth und der Isle of Purbeck sind nicht weit, der New Forest und die Kathedralenstadt Salisbury sind leicht zu erreichen.

 

Die St Peter's Church.    © Copyright Miss Steel and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Peter’s Church.
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The Anvil Inn.    © Copyright Mike Faherty and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Anvil Inn.
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Published in: on 21. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Songs about London – Die Kilburn High Road

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Kilburn ist ein Stadtgebiet im Nordwesten von London, das zu den drei Bezirken Camden, Brent und Westminster gehört und das man mit der U-Bahn am besten über die Bakerloo Line erreicht (Station Kilburn Park). Das multikulturelle Viertel wird besonders stark durch die hier wohnenden Iren geprägt; in keinem anderen Stadtteil Londons gibt es mehr Menschen irischer Abstammung als in Kilburn, so dass man schon vom „County Kilburn“ spricht wie auch eine britische Filmkomödie aus dem Jahr 2000 heißt.

Die Haupttrasse des Viertels ist die Kilburn High Road, Teil der A5, die in nordwestlicher Richtung aus London hinausführt und in Holyhead in Wales endet. Die Kilburn High Road wird von Geschäften dominiert, aber auch einige besonders ins Auge fallende Gebäude sind hier zu finden wie das Gaumont State Cinema, ein Art Déco-Gebäude, in dem in den 1950er bis in die 1970er Jahre viele Stars auftraten wie Buddy Holly, die Beatles, die Rolling Stones und David Bowie. Mehr als 4000 Menschen passten in den riesigen Saal, der zu den größten Europas zählte. Später wurde das Gaumont State Cinema als Bingohalle genutzt; heute hat die Glaubensgemeinschaft Ruach City Church hier ihr Hauptquartier.

Das Tricycle Theatre ist ein Treffpunkt an der Kilburn High Road, in dem Theaterstücke aufgeführt werden, die den multikulturellen Hintergrund des Stadtviertels widerspiegeln.

Dieses Musikvideo zeigt ein realistisches Bild der heutigen Kilburn High Road. Die Band Flogging Molly stellt die Straße musikalisch so dar und hier ist ein weiterer sehr stimmungsvoller Film über die High Road.

Das frühere Gaumont State cinema.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das frühere Gaumont State Cinema.
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Das Tricycle Theatre.    © Copyright PAUL FARMER and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Tricycle Theatre.
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Published in: on 20. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Catherine Parr und ihr Grabmal im Sudeley Castle (Gloucestershire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Über meinen Besuch im Sudeley Castle bei Winchcombe in Gloucestershire berichtete ich in meinem Blog schon vor einigen Jahren. Es ist ein sehr sehenswertes Schloss mit großartigen Parkanlagen, Gärten und romantischen Ruinen. Die Kirche St Mary’s steht dem Schloss gegenüber und sie beherbergt das Grabmal von Catherine Parr, der letzten Frau Heinrichs VIII, die ihren Mann um ein Jahr überlebte (eine tolle Leistung, wenn man an das Schicksal ihrer Vorgängerinnen denkt).

Am 5. September 1548 starb Catherine Parr im Alter von 36 Jahren auf Sudeley Castle, nachdem sie wenige Tage zuvor  ihre Tochter Mary Seymour geboren hatte. Man beerdigte sie in der St Mary’s Chapel, ohne dass ihr Mann, Thomas Seymour, anwesend war, denn der hatte sich schon auf den Weg nach London gemacht, um dort der damaligen Prinzessin Elizabeth den Hof zu machen (was ihm aber nicht gelang; er wurde ein Jahr später wegen Hochverrats hingerichtet).

Im Laufe der Jahre vergaß man Catherine Parrs Grab in St Mary’s; das Sudeley Castle wurde in den Wirren des Bürgerkriegs von den parlamentarischen Truppen in Teilen zerstört, auch die Kirche wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Erst 1782 entdeckte eine Gruppe von Frauen, die sich das Innere der Kirche ansahen, den Sarg der ehemaligen Königsgattin. Eine Inschrift ließ keinen Zweifel daran, wer darin lag. Als man den Sarg öffnete, fand man Catherine Parr fast genauso vor wie vor 230 Jahren: Ihr Körper war noch sehr gut erhalten. Das sollte sich aber in den folgenden Jahren ändern, als der Sarg immer mal wieder geöffnet wurde; am Ende blieb nur noch ein kleiner Haufen Staub übrig. 1861 verbrachte man den Sarg in die neu restaurierte Kirche, dort, wo er auch heute noch zu sehen ist. Der berühmte Sir George Gilbert Scott entwarf die liegende Statue von Catherine Parr, die dann von dem Bildhauer John Birnie Philip angefertigt wurde.

Im Sudeley Castle bewahrt man Memorabilia von Catherine Parr auf wie ihre Liebesbriefe an Thomas Seymour oder Bücher, die sie damals geschrieben hatte. Sehen kann man das alles in einer der vielen Ausstellungen im Schloss.

Verwundert es, dass Catherine Parr noch heute im Sudeley Castle als Geist umgehen soll (wie dieser Film zeigt)? Nein, wir sind ja schließlich in England…

Das Buch zum Artikel:
Lady Ashcombe: Behind Castle Walls At Sudeley Past and Present. Amberley Publishing 2009. 128 Seiten. ISBN 978-1848688018.

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St Mary’s.
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Sudeley Castle. Eigenes Foto.

Sudeley Castle.
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Published in: on 19. Juli 2014 at 02:00  Comments (4)  
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Wo gibt es die besten Fish and Chips in ganz Großbritannien? Im „Quayside“ in Whitby (North Yorkshire)

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Noch immer gelten Fish and Chips als das Nationalgericht der britischen Inseln, obwohl in der Beliebtheitsskala Burger, Pizza und vor allem Chicken tikka masala stark aufgeholt bzw. den fritierten Fisch überholt haben. Wie „Country Life“ in der vorigen Woche berichtete, soll es tatsächlich einmal 35 000 Fish and Chips-Läden gegeben haben, während es heute nur noch etwas über 10 000 Chippies sind. Abgesehen davon, dass die Fischbestände allmählich zurückgehen und die Preise für die Meeresbewohner gestiegen sind, haben sich die Geschmacksknospen vieler Briten eben auch auf exotischere Speisen eingestellt.

Wo man in Großbritannien die besten Fish and Chips essen kann, das verraten uns die jährlich vergebenen Fish and Chips Awards.  Auf nationaler Ebene steht im Jahr 2014 ein Lokal in Whitby (North Yorkshire) ganz oben, das „Quayside“ an der Pier Road. Frischer kann man seinen Fisch wohl nicht bekommen, denn direkt gegenüber vom Quayside stehen die Gebäude des Whitby Fish Markets. In dem historischen Haus im Hafenviertel, das in den 1820er Jahren erbaut wurde, waren im 19. Jahrhundert einmal ein Museum und eine Bibliothek untergebracht, in der Bram Stoker Recherchen für seinen Roman „Dracula“ vorgenommen haben soll. In diesen Räumen kann man heute in der „Bar 7“ einen Drink zu sich nehmen und den Blick auf die gegenüberliegenden Abteiruinen genießen.

Stuart Fusco ist der Eigentümer des Quayside, das er 1999 übernahm; die Fusco-Familie betreibt darüber hinaus noch zwei weitere Lokale in Whitby, die „Fish Box“ in der Langbone Road und die „Royal Fisheries“ in Baxtergate.

Im Quayside kann man seine Fish and Chips mit Kabeljau, Schellfisch oder Scholle bekommen; dann gibt es hier noch Scampis, Fishcake und die Quayside Fish Pie.  Wer absolut keinen Fisch mag, der hat in dieser Gegend von Whitby schlechte Karten, denn die Restaurants sind hier hauptsächlich auf Fischesser eingestellt.

Quayside
7 Pier Road
Whitby
North Yorkshire
YO21 3PU

 

Published in: on 18. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Sarah Henshaw: The Bookshop That Floated Away

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

So ganz glücklich war Sarah Henshaw in ihrem Beruf als Bankmanagerin offenbar nicht, sonst hätte sie wohl nicht ihren Beruf an den Nagel gehängt und sich lieber ein Hausboot für £30 000 gekauft, das sie als schwimmende Buchhandlung einrichtete und damit auf Kanälen quer durch England fuhr. Das Geld für das Boot hatte sie nicht und musste es erst einmal im Verwandtenkreis leihen und viel verdienen konnte sie durch den Buchverkauf auch nicht. In den größeren Städten, die sie anfuhr, lief es einigermaßen, in den kleineren Orten nicht besonders gut. 2011 machte sie sich auf den Weg und legte in sechs Monaten rund 1700 Kilometer zurück, musste dabei 707 Schleusen passieren und verkaufte auf der Strecke 1172 Bücher. Eine Toilette gab es auf dem Narrowboat nicht, was natürlich zu vorhersehbaren Komplikationen führte.

In ihrem Buch „The Bookshop That Floated Away„, das im April diesen Jahres erschien, schildert sie die Zeit, die sie mit „Joseph“, wie sie ihr Boot nannte, allein unterwegs war. Sie lernte auf der Tour nette Menschen kennen (meistens, manchmal wurde sie auch mit weniger netten Zeitgenossen konfrontiert), schlug sich mit den unendlich vielen ungeliebten Schleusen herum (es ist nicht leicht, ein Narrowboat allein durch Schleusen zu bugsieren) und erlebte alles in allem eine schöne Zeit.

Das Buch ist nett zu lesen, auch wenn Sarah Henshaw hin und wieder dazu neigt, etwas abzuschweifen. Nach Absolvierung der Tour nahm sie sich als Nächstes vor, mit ihrer schwimmenden Buchhandlung nach Paris zu fahren und dort am Canal St Martin anzulegen, um weiter Bücher zu verkaufen.

Die Initialzündung dafür, dass Sarah in das Buchhandelsgeschäft einstieg, war nach ihren Worten der Amerikaner George Whitman, der viele Jahre lang am Südufer der Seine die legendäre Buchhandlung Shakespeare & Company betrieb (Whitman starb im Dezember 2011). 1951 eröffnete Whitman die Buchhandlung in der rue de la Bûcherie, schräg gegenüber von Notre Dame, die er mehrere Jahrzehnte führte. Ich habe ihn noch selber kennengelernt wie er bei meinem Besuch in Shakespeare & Company zwischen seinen wilden Bücherhaufen, die überall im Laden verstreut waren, sich sein (sehr fettiges!) Mittagessen in einer Pfanne zubereitete, unberührt von den Kunden, die im Laden herumstöberten.
Sarah Henshaw schreibt in ihrem Buch wie sie die Beerdigungsfeier für George Whitman auf dem Friedhof Père Lachaise miterlebt.  Bis dato hat sie ihren Plan, mit dem Narrowboat nach Paris zu fahren, nicht verwirklicht.

In London gibt es noch eine weitere schwimmende Buchhandlung, die sich Word On The Water nennt, und die von Paddy Screech, John Privett und einem Franzosen namens  The Captain, betrieben wird. Bisher fuhr diese „book barge“ auf den Londoner Kanälen herumfuhr, bis sie jetzt in der Nähe von Paddington Station einen festen Anlegeplatz gefunden hat.

Hier ist ein kleiner Film über Sarah Henshaws Book Barge.

Sarah Henshaw: The Bookshop That Floated Away. Constable and Robinson 2014. 260 Seiten. ISBN 978-1-4721-0805-0

Published in: on 17. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das außergewöhnliche Hobby einer jungen Dame namens Isobel

Hier legte Isobel den Grundstock für ihre Sammlung britischer Nationaldenkmäler.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier legte Isobel den Grundstock für ihre Sammlung britischer Nationaldenkmäler…
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Isobel hat ein Hobby, das recht außergewöhnlich ist; davon erzählt Jake Thackray jedenfalls in seinem Lied „Isobel Makes Love Upon National Monuments„. Sie sammelt… keine Briefmarken, keine Bierdeckel, nein, sie sammelt britische Nationaldenkmäler, auf bzw. in denen sie schon einmal Sex hatte. Die Sexpartner spielen dabei keine Rolle, sie werden in dem Lied nur am Rande erwähnt. Wo war sie nicht überall schon: Stonehenge und das britische Parlament sind abgehakt, ebenso die Forth Bridge, Balmoral und das British Museum. Besonderes Vergnügen bereitete ihr der Sex in der Westminster Abbey; unter den Augen zahlloser Steinstatuen trieb sie es mit einem Erzdiakon auf einer kühlen Grabsteinplatte.
ABER: In ihrer Sammlung fehlt immer noch die Royal Albert Hall. Hier will es einfach nicht klappen, trotz all ihrer Versuche und Verführungskünste. Bis eines Abends bei der Last Night of the Proms Isobel dem Dirigenten zuwinkt, der auf ihr Angebot eingeht und da, unter den Augen der frenetisch klatschenden Zuschauer, erreicht die junge Dame mit einem lauten „Rule Britannia!“ auf den Lippen den Höhepunkt ihrer Sammlung.  Kein Herumklettern mehr in der Kuppel von St Paul’s oder auf Hadrian’s Wall, es ist geschafft: Isabel makes love at the Royal Albert Hall.

Im Stil französischer Chansonniers trägt Jake Thackray (1938-2002), der Mann aus Yorkshire, dieses frivole Lied vor und widerlegt damit den altbekannten Spruch „No sex please, we’re British“.

Hier ist das Lied zu hören, ergänzt mit einigen Bildern von den Originalschauplätzen aus Isobels Sammlung.

...und hier, in der Royal Albert Hall in London, vollendete sie ihre Sammlung mit einem furiosen Höhepunkt.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier, in der Royal Albert Hall in London, vollendete sie ihre Sammlung mit einem furiosen Höhepunkt.
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Published in: on 16. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine Lieblings-Pubs – The Pelican Inn bei Froxfield (Wiltshire)

Eigenes Foto.

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Wenn immer möglich, fahre ich, von London kommend, in den Westen des Landes lieber auf der A4 als auf der M4 (London-Bristol). Ich mag die Straße, auf der man u.a. durch Newbury, Hungerford und Marlborough kommt. Sucht man dort einen Gasthof für eine kurze Rast, so kann ich den Pelican Inn empfehlen, der direkt an der A4, der Bath Road, etwas östlich von Froxfield in Wiltshire liegt. Erbaut wurde er Ende des 18. Jahrhunderts als Coaching Inn, also als Station der Kutschenlinie London – Bath. In dem Maße wie sich die Eisenbahn in der Beförderung von Menschen und Waren immer mehr durchsetzte, in dem Maße ging es den Pferdekutschen-Überlandlinien immer mehr an den Kragen, bis diese dann ganz zum erliegen kamen. Die Kutschenstationen wurden natürlich kaum noch gebraucht und viele Gasthöfe mussten schließen. Der Pelican Inn in Froxfield überlebte diese schwierige Phase, im Gegensatz zu den anderen Coaching Inns im Dorf.

The Pelican Inn fungierte einmal eine Zeit lang als Nachtclub, umgestaltet von Johnny Morris (1916-1999), einem Fernsehmoderator der BBC, der sich vor allem durch seine Tiersendungen für Kinder wie „Animal Magic“ einen Namen machte.
Das Restaurant bietet eine gehobene Pub-Küche mit lokalen Produkten wie die Traditional Wiltshire Platter board mit Schinken aus Wiltshire, Käse aus Brinkworth und Äpfeln aus Froxfield, Cream of wild Wiltshire mushrooms oder die Wiltshire cheese board. Da der Pub ein Free House ist, gibt es hier immer wieder wechselnde Biere, vor allem von Brauereien aus der Region.

Übernachten kann man auch im Pelican Inn; sehr nett finde ich, dass bei mitreisenden (well-behaved!) Hunden das Frühstück für die Vierbeiner im Zimmerpreis (£90) inbegriffen ist.
Mein Zwischenstopp im Pelican Inn war sehr angenehm, und ich kann ihn allen A4-Reisenden sehr empfehlen!

The Pelican Inn
Bath Rd
Froxfield
Marlborough
Wiltshire, SN8 3JY
Tel. 01488 682479

Published in: on 15. Juli 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Ditchingham (Norfolk) Teil 2 – Sir Henry Rider Haggard

 This image is in the public domain because its copyright has expired.

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Viele seiner Romane sind im englischen Buchhandel noch zu haben, während in Deutschland nur noch „Sie“ im regulären Buchhandel zu bekommen ist; die Rede ist von Sir Henry Rider Haggard, der von 1856 bis 1925 lebte. Bekannt wurde er in erster Linie durch seine in Afrika spielenden Abenteuerromane mit dem Jäger Allan Quatermain wie „King Solomon’s Mines“ (dt. „König Salomos Schatzkammer“), von denen einige auch verfilmt wurden. Mitte der 1980er Jahre kamen „Quatermain – Auf der Suche nach dem Schatz der Könige“ und „Quatermain II – Auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt“ mit Richard Chamberlain und Sharon Stone in die Kinos.

Doch an dieser Stelle möchte ich nicht näher auf Haggards Bücher und deren Verfilmungen eingehen, sondern auf seine langjährige Beziehung zu seiner Heimat-Grafschaft Norfolk.
Geboren wurde er in Bradenham, das rund 30 Kilometer westlich von Norfolk liegt. Hier wohnte die Haggard-Familie schon seit geraumer Zeit und der Familiensitz Bradenham Hall mit Gärten und Arboretum ist an ganz wenigen Tagen des Jahres innerhalb des National Gardens Scheme geöffnet. Auf dem Kirchhof von St Mary’s sind Henry Rider Haggards Eltern beigesetzt. Das Dorf Bradenham ehrt seinen „Schriftsteller-Sohn“, indem es ihn auf dem Village Sign verewigt hat.

Doch den größten Teil seines Lebens verbrachte Haggard in Ditchingham an der Grenze zu Suffolk im Ditchingham House, wo er die meisten seiner Romane zu Papier brachte. Das Dorfschild hier offenbart dem flüchtigen Betrachter keine Verbindung zu Haggard; aber es gibt sie. Die dreieckige Form des Schildes soll die Pyramiden des alten Ägypten repräsentieren, die den Schriftsteller immer sehr faszinierten, aber darauf muss man erst einmal kommen.
Ditchingham House ist in Wohnungen umgewandelt worden und nicht zu besichtigen.

Sir Henrys letzte Ruhestätte ist in der Kirche St Mary’s zu finden; unter einer großen schwarzen Grabplatte liegt seine Asche. Er hatte hier jahrelang als Kirchenvorsteher gearbeitet. Seine Tochter Lilias, die ebenfalls Schriftstellerin war, veranlasste, dass ein Kirchenfenster zu Ehren ihres Vaters eingebaut wurde, das drei Bilder zeigt: Die Pyramiden am Nil, einen Blick auf die Nachbarstadt Bungay und die Hilldrop-Farm, die Haggard in Südafrika besaß.

Dass der Name Sir Henry Rider Haggard nicht in Vergessenheit gerät, darum kümmert sich die 1987 gegründete Rider Haggard Society, die Mitglieder aus allen Teilen der Welt hat.

So ehrt Bradenham seinen großen Sohn.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

So ehrt Bradenham seinen großen Sohn.
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Ditchingham House.    © Copyright Glen Denny and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ditchingham House.
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Rider Haggards Grabplatte in der Kirche St Mary's in Ditchingham. Copyright: Literary Norfolk.

Rider Haggards Grabplatte in der Kirche St Mary’s in Ditchingham.
Copyright: Literary Norfolk.

Published in: on 14. Juli 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Ditchingham (Norfolk) Teil 1 – Der Chicken Roundabout

Einst ein Paradies für Hühner, der Chicken Roundabout in Ditchingham.    © Copyright Adrian Cable and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Einst ein Paradies für Hühner, der Chicken Roundabout in Ditchingham.
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Dass ich eine besondere Vorliebe für die englischen Kreisverkehre (Roundabouts) habe, erwähnte ich in meinem Blog schon einige Male. Bei der Anlage hat man sich oft viel Mühe gegeben; neben bunt bepflanzten Anlagen finden sich künstlerisch gestaltete Roundabouts wie z.B. der von Pixham End bei Dorking (Surrey), den ich in der Nähe der Zufahrt zu Denbies Vinyards fand.

Ein in England einzigartiger Kreisverkehr war der Chicken Roundabout in Ditchingham (Norfolk), dort wo die A143 auf die B1332 stößt. Als die Umgehungsstraße 1983 fertiggestellt wurde, siedelten sich hier plötzlich Hühnerscharen an, deren Ursprung wahrscheinlich die Schrebergärten der näheren Umgebung waren. Das Federvieh fühlte sich auf der verkehrsumtosten Rasenfläche offensichtlich wohl. Noch wohler fühlten sich die Hühner als sich der Chicken Man um sie kümmerte. Gordon Knowles fütterte die Kreisverkehr-Besatzung über zwei Jahrzehnte lang, indem er fast jeden Tag und bei jedem Wetter mit einer Schubkarre voller Hühnerfutter zu ihnen kam. Das hatte sich in der Hühnerwelt offensichtlich herumgesprochen, denn zeitweise hatten sich über 300 Tiere hier mitten auf dem Kreisverkehr eingefunden.

Ditchinghams Bevölkerung fand den Chicken Roundabout überwiegend gut, die Behörden aber nicht, denn sie wollten die Population an dieser Stelle auflösen, was zu massiven Protesten der Ditchinghamer führte. Doch das „Problem“ löste sich auf andere Weise: Zum einen wurden immer mehr Hühner gestohlen und sogar vergiftet, zum anderen konnte der Chicken Man aus Altersgründen die Versorgung nicht mehr aufrechterhalten. Also wurde das verbliebene Federvieh umgesiedelt und der Chicken Roundabout wurde „chickenless“.

Tom Honeywood hat ein Buch mit dem Titel „Chicken Roundabout“ geschrieben, indem er die Geschichte des Kreisverkehrs aus Sicht der Hühner darstellt und der Musiker Andy Barber komponierte ein Lied, den „Bungay Chicken Protest Song“ (Bungay grenzt direkt an Ditchingham an).

Die Bevölkerung von Ditchingham hätte auf dem Chicken Roundabout gern eine Statue zur Erinnerung an die Hühner errichtet, aber der Ditchingham Council war dagegen und meinte, ein Denkmal würde ein Sicherheitsproblem darstellen, indem es die Autofahrer ablenkte (???). Proteste waren die Folge wie dieser Film zeigt.

Chicken of the Chicken Roundabout.    © Copyright Ashley Dace and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 13. Juli 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Sir Goldsworthy Gurney und seine „Kirchenbeheizungsapparate“

Ein Gurney Stove in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire).    © Copyright Mick Lobb and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Gurney Stove in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire).
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Wie bekommt man nur die großen Kirchen und Kathedralen im Winter wenigstens einigermaßen warm? Das fragten sich im 19. Jahrhundert nicht nur die Pfarrer der Kirchengemeinden, sondern auch ein gewisser Mr. Gurney, der den schönen Vornamen Goldsworthy hatte (ob ihn seine Freunde wohl Goldie nannten?). Der 1793 in Cornwall geborene Gurney war ein kreativer Mensch, der eine ganze Reihe von Erfindungen machte, und er zermarterte sich den Kopf wie er den frierenden Gottesdienstbesuchern und Pfarrern in den Kirchen das Leben etwas leichter machen könnte. Das Ergebnis dieser Überlegungen war der nach ihm benannte „Gurney Stove„, den er 1856 patentieren ließ. Dieser mannshohe Warmluftofen wurde von der London Warming and Ventilating Company hergestellt und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in 22 Kathedralen und 10 000 anderen großen Gebäuden installiert wie Kirchen, Schulen usw. Ein anderer Hersteller der Öfen war die Londoner Firma John Grundy.

Zu den Abnehmern des Gurney Stoves gehörten z.B. die Kathedralen von Chester, Exeter, Gloucester, Lincoln, Salisbury and St Paul’s. Meinen ersten Goldsworthy-Ofen bekam ich in der Tewkesbury Abbey zu Gesicht, von denen dort zwei noch im Einsatz sind. 1875 wurden sie im Zuge einer umfassenden Renovierung des Gebäudes durch George Gilbert Scott installiert und 1987 auf Gasbetrieb umgestellt.
Anzutreffen sind diese Öfen z.B. noch in den Kathedralen von Ely, Hereford, Peterborough und Chester.

Goldsworthy Gurney erfand im Laufe seines Lebens noch viele andere praktische Dinge; dazu zählten u.a. die „steam carriage„, eine dampfgetriebene Kutsche und das „Bude Light„, eine sehr helle Öllampe, mit denen im 19. Jahrhundert mehr als 50 Jahre lang das Londoner House of Commons beleuchtet wurde.

1863 wurde Gurney von Königin Victoria zum Ritter geschlagen. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er in der Umgebung von Bude in Cornwall; er starb am 28. Februar 1875 in seinem Haus „Reeds“ bei Poughill (Cornwall). Sein Grab findet man auf dem Friedhof von St Swithin’s in Launcells (Cornwall).

Ganze Heerscharen von Kirchenbesuchern sind Sir Goldsworthy Gurney sicher sehr dankbar dafür gewesen, dass sie den Predigten ihrer Pfarrer nicht frierend zuhören mussten.

Hier ist ein Film über Gurneys Erfindungen, in dem auch die Funktionsweise des Ofens gezeigt wird.

Das Buch zum Artikel:
Dale H. Porter: The Life and Times of Sir Goldsworthy Gurney, Gentleman Scientist and Inventor: 1793-1875. Lehigh University Press 1998. 285 Seiten. ISBN 978-0934223508.

Ein Gurney Stove in St Mary's in Yazor (Herefordshire).    © Copyright Philip Pankhurst and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Gurney Stove in St Mary’s in Yazor (Herefordshire).
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St Swithin's in Launcells (Cornwall); hier fand Sir Goldsworthy Gurney seine letzte Ruhestätte.    © Copyright Philip Pankhurst and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Swithin’s in Launcells (Cornwall); hier fand Sir Goldsworthy Gurney seine letzte Ruhestätte.
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Published in: on 12. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Prestbury (Gloucestershire) – Englands Spukdorf Nummer Eins?

The Plough und der Kirchhof von St Mary's.    © Copyright Pauline E and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Plough und der Kirchhof von St Mary’s.
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Mit Englands Spukdörfern ist es so ähnlich wie mit den ältesten Pubs des Landes. Mehrere Pubs behaupten von sich, der älteste zu sein, was aber schwer beweisbar ist. Bei den Spukdörfern konkurrieren Pluckley in Kent (ich berichtete darüber) und Prestbury  in Gloucestershire um den  Titel des „most haunted village“.

Prestbury liegt in den Außenbezirken von Cheltenham, dort wo der berühmte Cheltenham Racecourse zu finden ist, auf dem Pferderennen ausgetragen werden. Pferde spielen denn auch bei den Spukerscheinungen eine große Rolle hier in Prestbury. So soll es hier einen „headless horseman“ geben, einen königlichen Boten, der im Bürgerkrieg in einen Hinterhalt von Cromwells Männern geriet. Sie hatten quer über den Weg auf dem der Bote auf seinem Pferd herangallopiert kam, einen dünnen Draht gespannt, der dem armen Mann den Kopf komplett abtrennte. Noch heute will man hier vor dem Pub The Plough nächtens das Hufgeklapper des Pferdes hören, auf dem der kopflose Reiter durch den Ort geistert. The Plough selbst hat auch sein gerüttelt Maß an Geistererscheinungen.

Ähnliches spielt sich in der Straße The Burgage ab; auch dort hört man nachts das Geklapper von Hufen. The Cavalier, ebenfalls ein königlicher Bote, der hier von gegnerischen Soldaten abgefangen und getötet wurde, ist dann auf seinem Pferd unterwegs.
Ein Haus in der Tatchley Lane wird hin und wieder von Old Moses aufgesucht, dem Geist eines ehemaligen Stallburschen.
Nur dreimal im Jahr hat man die Chance auf den Black Abbot zu treffen, der sich lediglich zu Weihnachten, zu Ostern und zu Allerseelen blicken lässt. Um dieses rare Auftreten erleben zu können, sollte man sich am besten auf dem Kirchhof von St Mary’s auf die Lauer legen. Die Kirche selbst hat man dem schwarzen Abt vermiest, indem man sie hat exorzieren lassen.

In einem Haus namens Cleeve Corner, in der Nähe der Kirche, soll einmal eine Braut in ihrer Hochzeitsnacht erwürgt worden sein. Einige Besucher, die hier übernachtet haben, berichten davon, dass sie nachts aufgewacht sind und das Gefühl hatten, als ob sich unsichtbare Hände um den Hals legten.

Diese und noch mehrere andere unheimliche Geschichten erzählt man sich in Prestbury am Rande der Cotswolds. Kann Pluckley da mithalten? Ich mag es nicht beurteilen, da ich mich in beiden Orten jeweils nur tagsüber aufgehalten habe. Vielleicht sollte ich doch einmal eine Übernachtung in „Englands most haunted villages“ einlegen.

Hier ist ein Film über einige der Geistererscheinungen in Prestbury.

The Burgage, hier spukt es besonders oft.    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Burgage, hier spukt es besonders oft.
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Das Sundial Cottage in The Burgage, heimgesucht von dem Geist eines spinettspielenden Mädchens.    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Sundial Cottage in The Burgage, heimgesucht von dem Geist eines spinettspielenden Mädchens.
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Die High Street von Prestbury.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Prestbury.
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Published in: on 11. Juli 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – The Maltings in Amersham (Buckinghamshire)

The Maltings in Amersham. Eigenes Foto.

The Maltings in Amersham.
Eigenes Foto.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Folge 42 der „Inspector Barnaby“-Reihe, die den Originaltitel „Sauce For the Goose“ trägt und in Deutschland unter dem Titel „Die Leiche ist heiß“ ausgestrahlt wurde. Dort wird in einer Konservenfabrik das berühmte Plummer’s Relish hergestellt und Dexter Lockwood kommt auf ziemlich bestialische Art dort zu Tode. Häufig ist in dieser Episode die Einfahrt zur Fabrik und der Innenhof zu sehen auf dem die Autos der Familie Plummer parken. Diese Szenen wurden in Amersham in Buckinghamshire gedreht und zwar in The Maltings, das am Ende der Sackgasse Pondwicks zu finden ist, erreichbar über die School Lane und nur ein paar Schritte von der High Street entfernt. Eine ideale Lage für Dreharbeiten, da hier kein Durchgangsverkehr herrscht.

The Maltings ist eine ehemalige Mälzerei, die 1829 gebaut wurde und in der man aus Getreide Malz herstellte. Mehrere Generationen der Familie Weller gingen hier ihrer Arbeit nach bis die Fabrik schloss und die Gebäude in einen Freizeitclub mit Schwimmbad und Tanzfläche umgebaut wurden. Im Zweiten Weltkrieg nutzte man The Maltings, um auf dem Gelände Beobachtungs- und Sperrballons herzustellen; an die 7000 Exemplare sollen es gewesen sein. Heute sind in den Häusern kleine Läden untergebracht wie u.a. die Hawker Gallery, eine Kunstgalerie und die Firma Amersham Blinds, die Gardinen und Jalousien verkauft.

Noch einmal tauchte das Produktionsteam von Midsomer Murders in The Maltings in Amersham auf und zwar für Episode 100 „The Killings at Copenhagen“ (dt. „Barnaby muss reisen“). John Barnaby und sein neuer Sergeant Charlie Nelson müssen in dieser Folge einen Fall aufklären, der stark an „Die Leiche ist heiß“ erinnert. Aus Plummers Konservenfabrik ist die Calder’s Biscuit Company geworden und um ein Haar endet ein Firmenmitarbeiter auf  ähnliche Weise wie Dexter Lockwood. Auch in dieser Folge wurde wieder ausgiebig vom Innenhof der Maltings Gebrauch gemacht. Die Dreharbeiten im Inneren der Fabrik in den beiden Episoden wurden übrigens an anderer Stelle vorgenommen.

Wer Amersham einmal einen Besuch abstatten möchte: Die Stadt liegt mitten im „Midsomer County“ an der A413, die von Uxbridge nach Aylesbury führt.

Eigenes Foto.

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Published in: on 10. Juli 2014 at 02:00  Comments (4)  
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Joe „Ten Goal“ Payne – Eine englische Fußball-Legende

Plakette am The Miner's Arms in Brimington (Derbyshire).    © Copyright Jonathan Clitheroe and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Joe Payne (1914 – 1975) ist eine Fußball-Legende in England, dessen Laufbahn in Derbyshire begann, als Mittelstürmer bei den Bergarbeiter-Kickern Bolsover Colliery. Ein Talentscout des Fußballvereins Luton Town entdeckte den jungen Mann und holte ihn nach Bedfordshire, wo er auf der Position eines Außenläufers eingesetzt wurde. Heute werden diese Begriffe ja nicht mehr verwendet. Joe Paynes großer Tag kam am 13. April 1936, als Luton Town gegen die Bristol Rovers spielte. Joes Mannschaft hatte an diesem Tag mehrere Ausfälle zu beklagen; der etatmäßige Mittelstürmer und seine beiden Vertreter waren erkrankt, also was tun? Das Spiel war sehr wichtig, denn ein Sieg würde Luton Town an die Tabellenspitze der Liga bringen. Da entsann man sich, dass Payne früher einmal bei dem Bolzklub von Bolsover die Position des Mittelstürmers gespielt hatte und so setzte man ihn gegen die Rovers genau da ein. Ein Geniestreich, denn Joe Payne wuchs an diesem Ostermontag über sich hinaus und erzielte sagenhafte zehn Tore, ein Rekord, der noch heute besteht. Niemand nach ihm hat jemals bei einem Ligaspiel mehr Tore geschossen. Die Bristol Rovers hatten aber auch einen rabenschwarzen Tag erwischt, denn sie verloren 12:0. Am Torwart hat es nicht gelegen; ohne ihn hätten die Rovers wohl 20:0 verloren, hieß es damals in der örtlichen Presse. Auch im nächsten Spiel, auswärts gegen Newport, erzielte „Ten-goal Payne“ die beiden Tore. Dann allerdings wurde es ruhiger um Luton Town und Joe Payne, obwohl der Spieler zu einem Länderspieleinsatz gegen Finnland kam und dabei zwei Tore schoss.

Von 1938 bis 1945 spielte Payne für Chelsea, dann noch einmal eine Saison für West Ham United und anschließend zog er sich aus der Welt des Fußballs zurück. Was hätte Englands Nationaltrainer Roy Hodgson nicht dafür gegeben, jetzt bei der WM in Brasilien so einen Mann wie Joe Payne im Team zu haben? Dann wären die Three Lions nicht schon so früh wieder in die Heimat zurückgeflogen.

Joe Payne starb am 22. April 1975 im Alter von 61 Jahren. Man hat ihn nicht vergessen, denn 31 Jahre später brachte man in seinem Geburtsort Brimington Common (Derbyshire) am Pub The Miner’s Arms eine Plakette zu seinen Ehren an, die vom damaligen Vorsitzenden der Football Association, Geoffrey Thompson, enthüllt wurde.

Wird der Rekord von zehn Toren in einem Spiel wohl jemals gebrochen werden? Joe Paynes ehemaliger Verein Luton Town spielt in der Saison 2014/2015 in der englischen League Two.

The Miner's Arms in Brimington Common.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Fußballstadion von Luton Town.    © Copyright Barry Ephgrave and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 9. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Adlestrop (Gloucestershire) – Das Cotswolds-Dörfchen und seine literarischen Beziehungen

Das Wartehäuschen der Bushaltestelle mit Plakette und Gedicht von Edward Thomas.    © Copyright John Brightley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Wartehäuschen der Bushaltestelle mit Plakette und Gedicht von Edward Thomas.
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Fünf Kilometer östlich von Stow-on-the-Wold in den Cotswolds findet man ein Dörfchen, an dessen Main Street hübsche Häuser aus den honigfarbenen Steinen stehen, die für diese Region so charakteristisch sind: Adlestrop. So klein der Ort ist, so kann er sich doch rühmen, mit zwei Figuren aus der englischen Literaturgeschichte verflochten zu sein.

Da ist erst einmal Jane Austen, die hier häufig bei Reverend Theophilus Leigh zu Besuch war. Leigh war der Cousin von Janes Mutter Cassandra und Pfarrer an der Kirche St Mary Magdalene. Er wohnte im Pfarrhaus, das direkt gegenüber der Kirche lag, das heutige Adlestrop House. Jane Austen fühlte sich hier in den Cotswolds sehr wohl und Adlestrop und Umgebung sollen ihr Inspirationen für ihren Roman „Mansfield Park“ gegeben haben. Die Kirche und Adlestrop House findet man ganz am Ende der Main Street. Das ist „rural England“ in höchster Vollendung!

Edward Thomas war ein Dichter, der schon 1917 im Alter von 39 Jahren im Ersten Weltkrieg in der Nähe von Arras ums Leben kam. Seine Werke sind in Deutschland recht unbekannt. So weit ich feststellen konnte, ist nur sein Roman „The Happy-Go-Lucky Morgans“ unter dem Titel „Die Unbekümmerten“ übersetzt worden. Seine Gedichtsammlungen sind noch im Buchhandel erhältlich. Seine Verbindung zu dem Dorf in Gloucestershire besteht in dem Gedicht „Adlestrop„, das in Thomas‘ Todesjahr veröffentlicht wurde. Darin beschreibt Thomas auf sehr eindrucksvolle Weise einen ungeplanten kurzen Aufenthalt auf dem Bahnhof von Adlestrop während einer Bahnreise von Oxford nach Worcester und die Stimmung, die dort in diesem Moment anzutreffen war. Hier ist der Text:

Yes. I remember Adlestrop
The name, because one afternoon
Of heat, the express-train drew up there
Unwontedly. It was late June.

The steam hissed. Someone cleared his throat.
No one left and no one came
On the bare platform. What I saw
Was Adlestrop—only the name

And willows, willow-herb, and grass,
And meadowsweet, and haycocks dry,
No whit less still and lonely fair
Than the high cloudlets in the sky.

And for that minute a blackbird sang
Close by, and round him, mistier,
Farther and farther, all the birds
Of Oxfordshire and Gloucestershire

In Adlestrop hat man den Dichter und sein Gedicht nicht vergessen. In dem Unterstellhäuschen der Bushaltestelle an der Main Street, in dem man das ehemalige Bahnhofsschild und eine Bank vom Bahnsteig untergebracht hat, kann man auf einer Plakette an der Bank das Gedicht nachlesen. Den Bahnhof gibt es schon lange nicht mehr.

Hier ist ein toll gemachter kleiner Film über den Bahnhof von Adlestrop und das Gedicht von Edward Thomas und hier eine gesungene Version des Gedichts.

Das Buch zum Artikel:
Andrew Motion: The Poetry of Edward Thomas. Hogarth 2010. 193 Seiten. ISBN 978-0701185602.

St Mary Magdalene in Adlestrop.    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary Magdalene in Adlestrop.
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Adlestrop House, das ehemalige Pfarrhaus, gegenüber von St Mary Magdalene.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Adlestrop House, das ehemalige Pfarrhaus, gegenüber von St Mary Magdalene.
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Der Four Shire Stone in den Cotswolds

   © Copyright Michael Dibb and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Wenn ich durch die Cotswolds fahre, weiß ich oft nie in welcher Grafschaft ich gerade bin. Bewege ich mich jetzt gerade in Oxfordshire oder Worcestershire, bin ich jetzt in Gloucestershire oder in Warwickshire? Die Grenzen zwischen den Counties gehen hier ziemlich wild durcheinander. Eine Stelle, an der diese vier genannten Grafschaften zusammenstießen, ist der Four Shire Stone, der eigentlich seit 1931 Three Shire Stone hätte umbenannt werden müssen, da der Teil der bis dahin zu Worcestershire gehörte, der Grafschaft Gloucestershire zugeschlagen wurde. Egal, das Monument heißt nach wie vor Four Shire Stone und liegt direkt an der A44, die von  Oxford nach Evesham führt, ein Stückchen außerhalb von Moreton-in-Marsh, dort, wo eine Straße nach Great Wolford abbiegt. Bei meiner Suche nach dem Stein bin ich erst einmal vorbeigefahren und musste noch einmal umkehren; es ist nicht ganz einfach, hier zu parken, da die Straße nach Great Wolford eng mit Büschen bestanden ist. Aber so ist es häufig in England; dort, wo man sein Auto gern einen Augenblick abstellen möchte, geht es nicht, da Hecken und Büsche so dicht an die Straßen heranreichen, dass ein Parken unmöglich ist.

Das etwa drei Meter hohe Monument ist aus dem berühmten Cotswolds-Stein errichtet worden, mutmaßlich im 18. Jahrhundert, aber da gehen die Meinungen auseinander. Auf jeder Seite des Steins ist der Name einer der vier Grafschaften eingemeißelt. Der Four Shire Stone sieht etwas mitgenommen aus und ist ziemlich von der Vegetation zugewuchert. Ein kleines Eisengitter zieht sich um den Stein herum, wohl um ihn zu schützen (wovor?). Früher sollen sich hier zwielichtige Gesellen getroffen haben, die illegalen Freizeitbeschäftigungen nachgegangen sind; mit wenigen Schritten konnten sie die Grafschaft wechseln, falls ihnen die Polizisten eines Counties zu dicht auf den Pelz rückten und waren vor der Verfolgung sicher.

Ein kleiner Tipp für einen Pubbesuch: In Great Wolford, drei Kilometer von dem Stein entfernt, findet man den sehenswerten historischen Gasthof The Fox and Hounds Inn. Ideal für ein Pint Hook Nortons Best Bitter.

Published in: on 7. Juli 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Sir Henry Throckmorton, ein Abendanzug und zwei bedauernswerte Schafe

Coughton Court in Warwickshire. Hier kann man sich das Dinnerjackett Sir Henry Throckmortons ansehen.    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Coughton Court in Warwickshire. Hier kann man sich das Dinnerjackett Sir Henry Throckmortons ansehen.
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Hätte es im Jahr 1811 schon ein Guinness Buch der Rekorde gegeben, wäre George Coxeter aus Newbury in Berkshire ein sicherer Kandidat für einen Eintrag gewesen. Coxeter war Tuchmacher und eines Tages wurde eine Wette an ihn herangetragen. „Wetten dass…Sie es nicht schaffen, innerhalb von 16 Stunden ein Jackett für mich herzustellen, wobei die Wolle dafür morgens noch auf dem Rücken zweier Schafe sein muss, und ich das Kleidungsstück zum Dinner abends anziehen will„, sagte Herausforderer Sir Henry Throckmorton, ebenfalls aus Newbury; sein Wetteinsatz: 1000 Guineas. George Coxeter überlegte einen Moment und nahm die Wette an. Er besaß die Tuchfabrik Greenham Mills und am 25. Juni 1811 machte er sich ans Werk. Um 5 Uhr in der Frühe brachte ein Schäfer zwei (unausgeschlafene) Schafe in die Fabrik, die sofort geschoren wurden. Dann nahm ein Schneider Maß an Sir John, der sich das ganze Spektakel mit ansah. Die Wolle wurde jetzt nach allen Regeln der (damaligen) Kunst behandelt, gefärbt und schließlich auf einen Webstuhl gebracht, der von dem sehr begabten Sohn George Coxeters bedient wurde. Nach 13 Stunden und 20 Minuten war das Dinnerjackett für Sir John Throckmorton fertig, der es zum Abendessen um 20 Uhr tragen konnte. Rekord! Wette verloren!

Halb Newbury hatte die Wette verfolgt und zum Abschluss sollten die Zuschauer auch auf ihre Kosten kommen, denn es gab ein großes Festmahl, bei dem die armen, am Morgen geschorenenen Schafe geschlachtet und gebraten wurden, dazu spendierte der Wettgewinner ein paar hundert Liter Starkbier.

Das in Rekordzeit hergestellte Dinnerjackett wurde in einer Glasvitrine in Sir Johns Buckland House aufbewahrt und zu besonderen Anlässen auch gezeigt. Heute kann man sich den Newbury Coat in Coughton Court in Warwickshire ansehen,  dem Hauptwohnsitz der Throckmortons seit dem 15. Jahrhundert.

Noch zweimal wurde diese Aktion wiederholt: Am 21. September 1991, während der Newbury Agricultural Show, stellte man das exakt gleiche Kleidungsstück her und schaffte das noch schneller als im Jahr 1811, und zwar in 12 Stunden und 36 Minuten, und im Juni 2011, ebenfalls in Newbury, wofür man allerdings zwei Stunden länger brauchte als beim Rekord von 1991 (hier ist ein Film darüber).

Hier ist ein Bild vom Original-Jackett Sir Henry Throckmortons. Leider habe ich es bei meinem Besuch in Coughton Court übersehen.

Published in: on 6. Juli 2014 at 02:00  Comments (3)  

The Wise Men of Gotham – Die Schildbürger von Nottinghamshire

Blick auf Gotham (Nottinghamshire).    © Copyright Andy Jamieson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick auf Gotham (Nottinghamshire).
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Was Schilda und die Schildbürger in Deutschland sind, sind die Wise Men of Gotham für England. Die Legende erzählt folgende Geschichte: Als King John (1166 – 1216) in dieser Gegend von Nottinghamshire war, wollte er auch durch Gotham reisen; da dafür aber eine Straße angelegt werden musste, ein Royal Highway, den die Bürger des Ortes nicht haben wollten, da sie ihn in Zukunft auch instand halten mussten, heckten sie einen Plan aus. Als die königlichen Gesandten Gotham vorab inspizierten, trafen sie auf Bewohner, die alle irre zu sein schienen und mit verrückten Dingen beschäftigt waren. Da versuchten einige Männer einen Aal zu ertränken, weil er angeblich ihre Fische auffraß, andere wiederum rollten Käselaiber einen Hügel herunter; ein Mann trug einen Sack mit Getreide auf seinen Schultern während er auf seinem Pferd saß, um dem Tier ein Stück der Last abzunehmen. Die Geschichte, die sich am längsten erhalten hat, ist die vom Kuckuck. Die Männer von Gotham glaubten, dass der Kuckuck ein Frühlings- und Sommerbote sei, was gutes Wetter versprach, und so bauten sie dort, wo sich ein Kuckuck niedergelassen hatte, eine Hecke um ihn herum, damit er für immer da bliebe und für schönes Wetter sorgte; doch kaum war die Hecke fertig, flog der Vogel davon. Da war die Hecke wohl nicht hoch genug, war die einhellige Meinung.

Als die Gesandten des Königs dieses närrische Treiben sahen, kamen sie schnell zu der Meinung, dass man dem König eine Durchreise durch Gotham nicht zumuten konnte, denn damals galt Wahnsinn als ansteckend, und so wurde der Royal Highway eben um das Dorf herumgeführt. Der Zweck der Unternehmung war erreicht; kein Royal Highway führte durch den Ort, die Aale konnten wieder durchatmen, da ihnen keine Gefahr mehr drohte und der Kuckuck scherte sich auch weiterhin nicht um irgendwelche Hecken, die ihn in seiner Bewegungsfreiheit einengen sollten. Aber der Ruf der Bürger Gothams, etwas wunderlich zu sein, der blieb erhalten.

Heute erinnert einer der Dorfpubs, The Cuckoo Bush, mit Namen und Pubschild an die Kuckucks-Geschichte.

Wem der Name „Gotham“ irgendwie bekannt vorkommt: Der amerikanische Schriftsteller Washington Irving nannte New York „Gotham“ in seiner satirischen Zeitschrift „Salmagundi“, weil er der Meinung war, dass die Stadt überwiegend von Narren bewohnt war. Gotham City kennt man ja auch als Handlungsort der Comicfigur Batman.

Wer Gotham einmal aufsuchen möchte: Der Ort liegt einige Kilometer südlich von Nottingham, östlich der A453.

The Cuckoo Bush in Gotham.    © Copyright Andy Jamieson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Cuckoo Bush in Gotham.
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The Cuckoo Bush Mound, an dieser Stelle soll sich die Geschichte mit dem Kuckuck zugetragen haben. Attr.: John Beniston. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license..

The Cuckoo Bush Mound, an dieser Stelle soll sich die Geschichte mit dem Kuckuck zugetragen haben.
Attr.: John Beniston.
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Published in: on 5. Juli 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ungewöhnliche Grabinschriften auf englischen Friedhöfen

Spike Milligans Grab in Winchelsea (East Sussex) mit der gälischen Inschrift "I told you I was ill".    © Copyright Paul Russon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Spike Milligans Grab in Winchelsea (East Sussex) mit der gälischen Inschrift „I told you I was ill“.
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Dass Engländer eine besondere Vorliebe für (schwarzen) Humor haben, ist ja hinreichend bekannt. Manchmal erstreckt sich dieser Humor sogar bis ins Jenseits bzw. die Angehörigen des /der Verstorbenen wollen sich nicht mit den Standardsätzen auf Grabsteinen zufrieden geben, sondern selbst darauf noch ein Quentchen Humor hinzufügen. Hier sind einige Beispiele, die mir besonders gefallen haben:

John Pennys Grabinschrift in Wimborne (Dorset) lautet:
Reader –if cash thou art in want of any,
Dig four feet deep and find a Penny„.

Sehr schön sind auch diese letzten Worte für Anna Wallace auf einem Friedhof in Ribbesford (Worcestershire):
The children of Israel wanted bread,
And the Lord sent them manna.
Old clerk Wallace wanted a wife,
And the Devil sent him Anna„.

Spike Milligan, Komiker und Schriftsteller, wünschte sich eine zu seinem Beruf passende Grabinschrift. Nachdem er im Februar 2002 gestorben war, ließen seine Angehörigen den Satz „I told you I was ill“ auf den Grabstein auf dem Kirchhof der Thomas’s Church in Winchelsea (East Sussex) eingravieren, allerdings in Gälisch, sonst hätte die Diözese in Chichester nicht zugestimmt.

George Routleigh war Uhrmacher und sein Grabstein-Spruch auf dem St Petrocks Friedhof in Lydford (Devon) endet:
He departed his life Nov 14 1802 Aged 57
Wound up in hopes of being taken in hand
by his maker
and of being thoroughly cleaned, repaired and set-going
in the world to come„.

Thomas Scaife und Joseph Rutherford, zwei Lokomotivführer, die bei einem Zugunglück starben, liegen nebeneinander auf einem Friedhof in Bromsgrove (Worcestershire). Auf dem Grab von Thomas Scaife steht:
My engine now is cold and still
No water does my boiler fill
My coke affords its flames no more
My days of usefulness are o’er
My wheels deny their noted speed
No more my guiding hands they heed
My whistle too has lost its tone
Its shrill and thrilling sounds are gone
My valves are now thrown open wide
My flanges all refuse to guide
My clacks also, through once so strong
Refuse to aide the busy throng
No more I feel each urging breath
My steam is now condens’d in death
Life’s railway’s oe’r each station’s past
In death I’m stopp’d and rest at last
Farewell dear friends and cease to weep
In Christ I’m safe in Him I sleep„.

Ziemlich böse ist, was man einer Bauerntochter namens Laetitia angetan hat, die auf dem Friedhof von Stowlangtoft (Suffolk) beerdigt wurde:
Grim death, to please his liquorish palate
has taken my Lettice to put in his sallat„.

Kurz und knapp äußerte man sich auf einem Grabstein in Durham:
Poems and epitaphs are but stuff: Here lies Robert Burrows, that’s enough„.

Auf einem Friedhof in Battersea in London findet sich folgende Inschrift für einen gewissen Owen Moore, die Aufschluss über dessen finanzielle Verhältnisse gibt:
„Owen Moore is gone away, Owin‘ more than he could pay„.

 

 

 

Published in: on 4. Juli 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Memories of Bidford-on-Avon (Warwickshire)

Die High Street von Bidford-on-Avon.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Bidford-on-Avon.
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Ich habe sehr angenehme Erinnerungen an die kleine Stadt Bidford-on-Avon in Warwickshire. Wir legten an einem Samstagnachmittag mit unserem Narrowboat am Ufer gegenüber der Stadt an, nachdem wir den kompletten vorherigen Tag wegen Hochwassers des Avon vor der Schleuse von Luddington verbringen mussten, deren Ampel permanent auf Rot stand. Luddington ist zwar ein winziger hübscher Ort, verfügt aber über keinen Pub…

Die Brücke von Bidford-on-Avon wäre auch nicht passierbar gewesen, aber so schnell wie das Hochwasser plötzlich da war, so schnell sank es auch wieder, und wir konnten problemlos unter der Brücke hindurchfahren. In der Hauptsaison sind die Anlegeplätze hier schnell belegt, aber als wir in Bidford waren, lagen nur wenige Hausboote neben uns. Ein freundliches Ehepaar aus Frampton-on-Severn hatte sein Narrowboat direkt neben uns vertäut und wir verbrachten den Abend miteinander.

Hinter dem Anlegeplatz erstreckt sich das große Areal der Big Meadow, eines Naherholungsgebietes, und direkt hinter uns parkten viele Autos und es wurde gepicknickt. Von hier aus ist man in wenigen Minuten in „Downtown Bidford“ mit seiner recht überschaubaren High Street. Ein paar hübsche Fachwerkhäuser gibt es hier zu sehen, einige Pubs wie z.B. The Frog und die sehr schön am Avon gelegene The Bridge Riverside Eaterie mit einer großen Terrasse. Sehenswert ist die 70 Meter lange steinerne „packhorse bridge“, die mit acht Bögen den Avon überspannt.

Zum Abendessen suchten wir uns das gleich am Anfang der High Street gelegene Restaurant Balti Hut aus, das sich auf  Bangladeshi und indische Gerichte spezialisiert hat. Wenn wir eine längere Zeit in Restaurants mit englischer Küche gegessen haben, verspüren wir hin und wieder das Bedürfnis, indisch zu essen.

Als wir am Sonntagvormittag die Stadt auf unserem Boot verließen, läuteten uns zu Ehren die acht Glocken der Kirche St Laurence, was sich wirklich sehr schön anhörte und was mir fest in Erinnerung geblieben ist.

Bidford-on-Avon wurde zweimal vom dreiköpfigen Team der erfolgreichen BBC-Sendereihe Top Gear „heimgesucht“. Einmal sorgte es für großes Aufsehen, als Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May mit ihrem „Hovervan“, einem zu einem Luftkissenfahrzeug umgebauten Ford Transit-Transporter, den Avon vor der Stadt auf und ab fuhren und dabei die Gäste der The Bridge Riverside Eaterie nass spritzten. Wie sich später herausstellte, waren die Szenen mit den wütenden klatschnassen Essern auf der Terrasse des Restaurants gestellt; man hatte dafür Schauspieler angeheuert. Hier ist ein kleiner Film über das Spektakel.

Ein anderes Mal waren die drei Chaoten von Top Gear in Bidford, um in 24 Stunden eine 1,7 Kilometer lange Straße in 24 Stunden neu zu asphaltieren. Sie hatten gehört, dass eine Baufirma dafür eine Woche veranschlagt hatte und meinten, das könnten sie schneller bewerkstelligen. Und tatsächlich, in 24 Stunden war der Grafton Lane, der aus der Stadt in nördlicher Richtung hinausführt, fertig, trotz schlechten Wetters und auftretender Nachschubprobleme. So sah das aus.

Die Packhorse Bridge über den River Avon. Eigenes Foto.

Die Packhorse Bridge über den River Avon.
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Hier, an der Schleuse in Luddington, mussten wir wegen Hochwassers eine Zwangspause einlegen.    © Copyright Dave Bushell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier, an der Schleuse in Luddington, mussten wir wegen Hochwassers eine Zwangspause einlegen.
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Unser Narrowboat. Eigenes Foto.

Unser Narrowboat.
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St Laurence, deren 8 Glocken uns am Sonntagvormittag verabschiedeten.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Laurence, deren 8 Glocken uns am Sonntagvormittag verabschiedeten.
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Published in: on 3. Juli 2014 at 02:00  Comments (5)  
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Kettle Chips – Die beliebten Kartoffelchips aus Norfolk

Eigenes Foto.

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Kartoffelchips (oder „crisps“ wie sie in England heißen) sind auf der Insel mindestens so beliebt wie in Deutschland. Eine der führenden Firmen, die diese Produkte in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen herstellen, ist Kettle Foods, beheimatet in Bowthorpe, einem westlichen Vorort von Norwich in der Grafschaft Norfolk (hier ein Blick auf das Firmengelände).

1978 wurde die Firma in Salem im US-Bundesstaat Oregon gegründet. Firmengründer Cameron Healey sah auf einer Motorradrundreise durch Europa, dass die Briten Chips genauso liebten wie die Amerikaner und gründete in England eine Niederlassung. Als Standort wählte er Norfolk, weil es dort und in den umliegenden Grafschaften jede Menge Kartoffelanbau gab, die Lieferwege zu seiner Fabrik also kurz waren. Der Erfolg blieb nicht aus; nach einem kurzen Stillstand auf Grund eines Feuers, der die Produktion eine Zeit lang stilllegte, ging es weiter bergauf. 2008 gelangte Kettle Foods in die Liste der Top 100 Grocery Brands Großbritanniens. Im Jahr 2010 wurde Kettle Foods für £402 Millionen an die US-amerikanische Firma Diamond Foods verkauft.

Rund 400 Menschen arbeiten in Bowthorpe und sie stellen eine breite Palette an Chips-Varianten her. Da gibt es z. B. die Vegetable Chips wie „Golden Parsnip, Sweet Potato & Beetroot“, die Tortilla-Chips wie „Cool Sour Cream“ und die Meersalz-Chips wie „Sea Salt with Crushed Black Peppercorns“. Ich habe gestern eine Tüte mit „Sweet Chilli & Sour Cream“ verspeist und (leider) musste ich auch die Erfahrung machen: Wenn man einmal eine Tüte geöffnet hat, ruht man nicht eher, bis sie aufgegessen ist. Ein gewisser Suchtfaktor steckt in diesen Tüten.

Kaufen kann man die Chips u.a. bei Tesco, Waitrose und Sainsbury’s, aber auch in Deutschland sind sie zu bekommen; so habe ich sie bei REWE und EDEKA gesehen.

Kettle Foods
Barnard Road
Bowthorpe
Norwich, Norfolk NR5 9JP

Eigenes Foto.

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Published in: on 2. Juli 2014 at 02:00  Comments (1)  
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