Sir Goldsworthy Gurney und seine „Kirchenbeheizungsapparate“

Ein Gurney Stove in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire).    © Copyright Mick Lobb and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Gurney Stove in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire).
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Wie bekommt man nur die großen Kirchen und Kathedralen im Winter wenigstens einigermaßen warm? Das fragten sich im 19. Jahrhundert nicht nur die Pfarrer der Kirchengemeinden, sondern auch ein gewisser Mr. Gurney, der den schönen Vornamen Goldsworthy hatte (ob ihn seine Freunde wohl Goldie nannten?). Der 1793 in Cornwall geborene Gurney war ein kreativer Mensch, der eine ganze Reihe von Erfindungen machte, und er zermarterte sich den Kopf wie er den frierenden Gottesdienstbesuchern und Pfarrern in den Kirchen das Leben etwas leichter machen könnte. Das Ergebnis dieser Überlegungen war der nach ihm benannte „Gurney Stove„, den er 1856 patentieren ließ. Dieser mannshohe Warmluftofen wurde von der London Warming and Ventilating Company hergestellt und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in 22 Kathedralen und 10 000 anderen großen Gebäuden installiert wie Kirchen, Schulen usw. Ein anderer Hersteller der Öfen war die Londoner Firma John Grundy.

Zu den Abnehmern des Gurney Stoves gehörten z.B. die Kathedralen von Chester, Exeter, Gloucester, Lincoln, Salisbury and St Paul’s. Meinen ersten Goldsworthy-Ofen bekam ich in der Tewkesbury Abbey zu Gesicht, von denen dort zwei noch im Einsatz sind. 1875 wurden sie im Zuge einer umfassenden Renovierung des Gebäudes durch George Gilbert Scott installiert und 1987 auf Gasbetrieb umgestellt.
Anzutreffen sind diese Öfen z.B. noch in den Kathedralen von Ely, Hereford, Peterborough und Chester.

Goldsworthy Gurney erfand im Laufe seines Lebens noch viele andere praktische Dinge; dazu zählten u.a. die „steam carriage„, eine dampfgetriebene Kutsche und das „Bude Light„, eine sehr helle Öllampe, mit denen im 19. Jahrhundert mehr als 50 Jahre lang das Londoner House of Commons beleuchtet wurde.

1863 wurde Gurney von Königin Victoria zum Ritter geschlagen. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er in der Umgebung von Bude in Cornwall; er starb am 28. Februar 1875 in seinem Haus „Reeds“ bei Poughill (Cornwall). Sein Grab findet man auf dem Friedhof von St Swithin’s in Launcells (Cornwall).

Ganze Heerscharen von Kirchenbesuchern sind Sir Goldsworthy Gurney sicher sehr dankbar dafür gewesen, dass sie den Predigten ihrer Pfarrer nicht frierend zuhören mussten.

Hier ist ein Film über Gurneys Erfindungen, in dem auch die Funktionsweise des Ofens gezeigt wird.

Das Buch zum Artikel:
Dale H. Porter: The Life and Times of Sir Goldsworthy Gurney, Gentleman Scientist and Inventor: 1793-1875. Lehigh University Press 1998. 285 Seiten. ISBN 978-0934223508.

Ein Gurney Stove in St Mary's in Yazor (Herefordshire).    © Copyright Philip Pankhurst and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Gurney Stove in St Mary’s in Yazor (Herefordshire).
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St Swithin's in Launcells (Cornwall); hier fand Sir Goldsworthy Gurney seine letzte Ruhestätte.    © Copyright Philip Pankhurst and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Swithin’s in Launcells (Cornwall); hier fand Sir Goldsworthy Gurney seine letzte Ruhestätte.
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Published in: on 12. Juli 2014 at 02:00  Kommentar verfassen  
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