Mein Buchtipp – Sarah Henshaw: The Bookshop That Floated Away

Foto meines Exemplares.

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So ganz glücklich war Sarah Henshaw in ihrem Beruf als Bankmanagerin offenbar nicht, sonst hätte sie wohl nicht ihren Beruf an den Nagel gehängt und sich lieber ein Hausboot für £30 000 gekauft, das sie als schwimmende Buchhandlung einrichtete und damit auf Kanälen quer durch England fuhr. Das Geld für das Boot hatte sie nicht und musste es erst einmal im Verwandtenkreis leihen und viel verdienen konnte sie durch den Buchverkauf auch nicht. In den größeren Städten, die sie anfuhr, lief es einigermaßen, in den kleineren Orten nicht besonders gut. 2011 machte sie sich auf den Weg und legte in sechs Monaten rund 1700 Kilometer zurück, musste dabei 707 Schleusen passieren und verkaufte auf der Strecke 1172 Bücher. Eine Toilette gab es auf dem Narrowboat nicht, was natürlich zu vorhersehbaren Komplikationen führte.

In ihrem Buch „The Bookshop That Floated Away„, das im April diesen Jahres erschien, schildert sie die Zeit, die sie mit „Joseph“, wie sie ihr Boot nannte, allein unterwegs war. Sie lernte auf der Tour nette Menschen kennen (meistens, manchmal wurde sie auch mit weniger netten Zeitgenossen konfrontiert), schlug sich mit den unendlich vielen ungeliebten Schleusen herum (es ist nicht leicht, ein Narrowboat allein durch Schleusen zu bugsieren) und erlebte alles in allem eine schöne Zeit.

Das Buch ist nett zu lesen, auch wenn Sarah Henshaw hin und wieder dazu neigt, etwas abzuschweifen. Nach Absolvierung der Tour nahm sie sich als Nächstes vor, mit ihrer schwimmenden Buchhandlung nach Paris zu fahren und dort am Canal St Martin anzulegen, um weiter Bücher zu verkaufen.

Die Initialzündung dafür, dass Sarah in das Buchhandelsgeschäft einstieg, war nach ihren Worten der Amerikaner George Whitman, der viele Jahre lang am Südufer der Seine die legendäre Buchhandlung Shakespeare & Company betrieb (Whitman starb im Dezember 2011). 1951 eröffnete Whitman die Buchhandlung in der rue de la Bûcherie, schräg gegenüber von Notre Dame, die er mehrere Jahrzehnte führte. Ich habe ihn noch selber kennengelernt wie er bei meinem Besuch in Shakespeare & Company zwischen seinen wilden Bücherhaufen, die überall im Laden verstreut waren, sich sein (sehr fettiges!) Mittagessen in einer Pfanne zubereitete, unberührt von den Kunden, die im Laden herumstöberten.
Sarah Henshaw schreibt in ihrem Buch wie sie die Beerdigungsfeier für George Whitman auf dem Friedhof Père Lachaise miterlebt.  Bis dato hat sie ihren Plan, mit dem Narrowboat nach Paris zu fahren, nicht verwirklicht.

In London gibt es noch eine weitere schwimmende Buchhandlung, die sich Word On The Water nennt, und die von Paddy Screech, John Privett und einem Franzosen namens  The Captain, betrieben wird. Bisher fuhr diese „book barge“ auf den Londoner Kanälen herumfuhr, bis sie jetzt in der Nähe von Paddington Station einen festen Anlegeplatz gefunden hat.

Hier ist ein kleiner Film über Sarah Henshaws Book Barge.

Sarah Henshaw: The Bookshop That Floated Away. Constable and Robinson 2014. 260 Seiten. ISBN 978-1-4721-0805-0

Published in: on 17. Juli 2014 at 02:00  Kommentar verfassen