„The Roast Beef of Old England“ – Ein Loblied auf das einstige Nationalgericht der Engländer und ein Klagelied über den Verfall des Imperiums

Wiiliam Hogarts "The Gate of Calais". The work of art depicted in this image and the reproduction thereof are in the public domain worldwide.

Wiiliam Hogarths „The Gate of Calais“.
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Wenn die Passagiere der Ersten Klasse auf dem zum Untergang verdammten Schiff Titanic zum Abendessen gerufen wurden, dann geschah das auf besondere Weise. Der Hornist Percy William Fletcher (der bei der Katastrophe ums Leben kam) spielte die Melodie „The Roast Beef of Old England“ (auch wenn es an dem Abend kein Roastbeef gab).
Henry Fielding (1707-1754), den man in Deutschland vor allem wegen seines Romans „Tom Jones“ kennt,  schrieb diese Ballade, die ein Bestandteil seines Schauspiels „The Grub-Street Opera“ ist, im Jahr 1731. In dem Lied beklagt Fielding den Verfall des Imperiums; früher aßen die Engländer große Portionen Roastbeef, was dazu beitrug das Gehirn zu veredeln und das Blut zu bereichern, die Soldaten waren tapfer und die Hofbeamten anständig. Aber seit sie von den Franzosen gelernt haben, deren Ragouts zu essen und sogar zu tanzen, gibt es nur noch eitle Willfährigkeit und es steckt kein Mumm mehr in ihren Knochen. „Oh the Roast Beef of Old England And old English Roast Beef“ lautet der Refrain, in dem den guten alten Zeiten nachgetrauert wird.

Als der Komponist Richard Leveridge (1670-1758) dem Lied eine neue Fassung verpasste, startete es durch und gewann an Popularität, so dass es zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten gesungen wurde. Noch heute wird „The Roast Beef of Old England“ gespielt, wenn sich Offiziere der Königlichen Marine zum Abendessen in die Messe begeben.

Einige Jahre nachdem Fielding sein patriotisches Lied geschrieben hatte, fühlte sich der Maler William Hogarth dazu animiert, ein Bild zu dem Thema anzufertigen, das er „The Gate of Calais“ nannte und ihm den zweiten Titel  O, the Roast Beef of Old England“ gab. Darin ist zu sehen wie ein großes Stück Roastbeef im Hafen von Calais in eine englische Taverne gebracht wird, während hungrige Einheimische und ein Mönch, dem offensichtlich das Wasser im Mund zusammenläuft, dabei zusehen.

Hier ist eine Version des Liedes zu hören.

Westerham (Kent) und der General, der die Franzosen bei Quebec besiegte

General Wolfe auf dem Village Gren von Westerham. Eigenes Foto.

General Wolfe auf dem Village Green von Westerham.
Eigenes Foto.

X-mal bin ich in Westerham (Kent) auf der A25 schon an dem Hinweisschild „Quebec House“ des National Trusts vorbeigefahren und habe es bisher leider noch nicht geschafft, das Haus einmal zu besichtigen. Hier wuchs James Wolfe (1727-1759) auf, der später in Kanada als General beim Battle of the Plains of Abraham vor den Toren der Stadt Quebec eine Wende im Krieg zwischen den Briten und Franzosen herbeiführte. Die Schlacht fand am 13. September 1759 statt, wobei der Oberbefehlshaber der britischen Armee tödlich verletzt wurde. General James Wolfe ging durch die siegreiche Schlacht in die Annalen der britischen Geschichte ein und besonders stolz auf ihn ist man noch immer in seinem Geburtsort Westerham.

Im Quebec House, in dem Wolfe die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte, sind Erinnerungsstücke an den General ausgestellt und man kann sich hier über die Schlacht in Kanada informieren. Das National Trust-Haus ist während der Saison in der Regel außer montags und dienstags täglich geöffnet.

1911 errichtete man ihm zu Ehren auf dem Village Green ein Denkmal, das von dem Bildhauer Francis Derwent Wood entworfen wurde. Nur wenige Meter entfernt steht das Monument eines noch berühmteren Mannes auf dem Green: Sir Winston Churchill, der seit 1922 im nahegelegenen Chartwell House wohnte und eine enge Beziehung zu Westerham hatte.
Die Kirche St Mary’s besitzt noch das Taufbecken, in dem James Wolfe 1727 getauft wurde und ein Erinnerungsfenster, das der Präraffaelit Edward Burne-Jones entwarf.
An der High Street erinnert ein Pub namens „General Wolfe“ an den großen Sohn Westerhams.

Vor fünf Jahren stand der ganze Ort im Zeichen des Generals, als man dort den 250. Jahrestag der Schlacht von Quebec feierte und dazu gehört natürlich auch ein „reenactment“ des Battle of The Plains of Abraham.

Eine weitere Statue Wolfes findet man auch noch nahe des Old Greenwich Royal Observatorys in Greenwich, wo der General eine Zeit lang wohnte und wo er in der St Alfege’s Church beigesetzt ist. Hier hängt auch das Gemälde „The Death of Wolfe“ von Edward Peary.

In den Gärten von Stowe in Buckinghamshire erinnert „Wolfe’s Obelisk“ daran, dass der General die letzte Nacht seines Lebens auf englischem Boden hier im Stowe House verbracht hat.

Man sieht, so  schnell vergessen die Briten ihre militärischen Heroen nicht.

Nachtrag: Am 27. September 2014 habe ich nun doch endlich das Québec House besichtigt.

Das Québec House in Westerham. Eigenes Foto.

Das Québec House in Westerham.
Eigenes Foto.

The general Wolfe in Westerham.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The General Wolfe in Westerham.
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Das Taufbecken in der Kirche St Mary's in Westerham. Eigenes Foto.

Das Taufbecken in der Kirche St Mary’s in Westerham.
Eigenes Foto.

General Wolfes Denkmal in Greenwich.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

General Wolfes Denkmal in Greenwich.
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Wolfe's Obelisk in Stowe (Buckinghamshire).    © Copyright Trevor Rickard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wolfe’s Obelisk in Stowe (Buckinghamshire).
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The Highgate Vampire – Unheimliches auf dem Londoner Highgate Cemetery

Der Eingang zum Highgate Cemetery.    © Copyright Marathon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Eingang zum Highgate Cemetery.
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Friedhöfe können, besonders nachts, ganz schön gruselig sein. Auf dem riesigen Pariser Père Lachaise-Friedhof sollen sich nachts merkwürdige Dinge abspielen. Friedhofswärter wagen sich bei ihren Rundgängen in bestimmte Bezirke nicht mehr vor, an bestimmten Gräbern werden bizarre Rituale zelebriert, obwohl ein Betreten des Friedhofs nach der Schließung nicht mehr gestattet ist.
Das Londoner Pendant zum Père Lachaise ist der Highgate Cemetery; auch dieser Friedhof besteht aus den unterschiedlichsten Gräbern, mal sind es richtig große Mausoleen, mal kleine verfallene Grabstätten. Ich berichtete in meinem Blog schon einmal darüber.

Ende 1969 geriet der Highgate Cemetery erstmals in die Schlagzeilen der Boulevardpresse, als mehrere unabhängige Zeugen von nächtlichen Begegnungen mit einer großen unheimlichen Gestalt mit rotglühenden Augen berichteten. Schnell machten Vermutungen die Runde, dass ein Vampir sein Unwesen auf dem Londoner Friedhof treibt, was natürlich auch Geisterjäger auf den Plan rief. Einer von ihnen war David Farrant, der sich auf die Spuren des Phantoms heftete und der sich bis heute mit dem Highgate Vampire beschäftigt. Farrant war, wie eine ganze Reihe anderer Gleichgesinnter, nachts auf dem Friedhof unterwegs, „bewaffnet“ mit einem Kruzifix, Knoblauchzehen und einem angespitzten Pfahl, um dem Monster ein Ende zu bereiten. Die Polizei fand diese Aktivitäten gar nicht witzig und nahm Farrant kurzerhand fest.

Ein Konkurrent David Farrants war der Vampirjäger Seán Manchester, der zeitgleich mit Knoblauch und Pfahl den Highgate Cemetery aufsuchte und einmal kurz davor war, in einem geöffneten Sarg die darinliegende Leiche zu durchbohren, weil er sie für den Vampir hielt. Es war also eine Menge los auf dem Londoner Friedhof Anfang der 1970er Jahre. Die Situation wurde aber immer bizarrer als David Farrant den Polizisten, die sich mit dem Vampirfall befassten, Voodoo-Puppen und Drohungen schickte. Auch stand er im Verdacht, eine kopflose Leiche in das Auto eines Friedhof-Anwohners gesetzt zu haben, die er aus einem der Gräber geholt haben soll. Ein Richter verurteilte den Vampirjäger zu vier Jahren Gefängnis.

1997 gründete Farrant die Highgate Vampire Society, die sich aber im Jahr 2001 wieder auflöste. Heute ist er Präsident der British Psychic and Occult Society, die sich mit okkulten Themen befasst und Bücher herausgibt wie Farrants „In the Shadow of the Highgate Vampire“ und „Dark Secrets“. Auf den Webseiten David Farrants findet sich jede Menge Material über den Highgate Vampire, er betreibt auch einen eigenen Youtube-Kanal.

Das Buch zum Artikel:
Paul Adams: Written in Blood: A Cultural History of the British Vampire. The History Press 2014. 224 Seiten. ISBN 978-0752497150.

Die Schlafstätte des Vampirs?    © Copyright Oxyman and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Schlafstätte des Vampirs?
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Published in: on 29. August 2014 at 02:00  Comments (1)  
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The Cement Menagerie in Branxton (Northumberland)

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Im äußersten Norden Englands, dort, wo man schon fast schottische Luft schnuppern kann, in Branxton in Northumberland, befindet sich das Fountain House, benannt nach dem Memorial-Brunnen direkt an der Straße vor dem Haus. Das Hinweisschild „Cement Menagerie“ macht auf eine kuriose Sammlung von Figuren im Garten aufmerksam.

John Fairnington war der Dorfschreiner, der einen behinderten Sohn namens Edwin hatte, und ihm zuliebe kam er auf die Idee, in seinem Garten eine Menagerie aus Zementfiguren zu erschaffen. Geholfen hatte ihm bei der Realisierung der steinernen Geschöpfe James Beveridge, ein früherer Angestellter in der Schreinerfirma. Das alles spielte sich schon in den 1960er Jahren ab, aber alle Figuren stehen noch heute in dem Garten am Fountain House.

Der Ideenreichtum des John Fairnington war unerschöpflich: Da stehen Kühe neben Alligatoren, Delphine neben Meerjungfrauen, Nashörner  neben Giraffen. Aber auch einige menschliche Figuren tummeln sich in der Cement Menagerie wie z.B. Winston Churchill, Lawrence von Arabien auf einem Kamel, ein berittener Soldat, ein Schäfer, ein Bauer.

Die Basis jeder Figur ist ein Drahtgeflecht, das man mit Altpapier gefüllt hat, darauf kamen dann Schichten von Zement und zum Abschluss erhielt das Kunstwerk einen Farbanstrich. So an die 200 tierische und menschliche Wesen füllen den Garten, und da hatte Edwin damals sicher jede Menge zu gucken, wenn er sich hier erging.

John Fairington starb 1981 im Alter von 98 Jahren, Edwin war schon 1971 mit nur 36 Jahren gestorben. Heute wird die Cement Menagerie von der Tochter von Johns Neffen am Leben gehalten. Der Garten ist an den meisten Tagen für Besucher geöffnet; der Eintritt ist frei, aber die Besitzer freuen sich natürlich über eine Spende für den Unterhalt der Menagerie.

Branxton erreicht man am besten über die A697, südlich von Coldstream. Dort, am Blue Bell Inn, geht es nach Branxton. Ein Schild weist auf die Zufahrt hin, das auch auf den Weg zum Schlachtfeld von Flodden aufmerksam macht; die Schlacht zwischen den englischen und den schottischen Armeen wurde am 9. September 1513 bei Branxton ausgetragen.

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Published in: on 28. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Goons und ihr „Ying Tong Song“

Die „Goon Show“ war eine sehr beliebte Comedyshow, die in den 1950er Jahren von der BBC im Radio gesendet wurde. Im Mittelpunkt der jeweils 30minütigen Sendungen standen Spike Milligan, Harry Secombe und Peter Sellers, die leider schon gestorben sind. In der Show nahm man alle Aspekte des täglichen Lebens aufs Korn und das auf  skurrile und bizarre Weise. In den zehn Jahren, die die Sendung lief, wurden 250 Episoden ausgestrahlt. Monty Python führte eine Dekade später diesen schrägen Homor in ihren Auftritten und Filmen weiter.

1956 fand man The Goons sogar auf Platz 3 in den britischen Charts und zwar mit ihrem „Ying Tong Song„, den Spike Milligan damals geschrieben hatte. Es ist ein reines Nonsens-Lied, dessen Text absolut keinen Sinn ergibt. Hauptsächlich singen die drei Goons:
Ying tong ying tong
Ying tong ying tong
Ying tong iddle I po
Ying tong ying tong
Ying tong iddle I po
Iddle I po!

Hin und wieder wirft jemand einen Satz ein wie „Get out the rifle, sir.“ oder „What a lovely lovely boy!„, eine Bombenexplosion ist zu hören und eine Sopranstimme singt „Take me back to Vienna“, aber was das alles bedeuten mag??

1973 kam der Song noch einmal in die britischen Charts und erreichte dieses Mal Platz 9.

Die Muppets nahmen sich des albernen Liedchens in einer ihrer Shows an und das hört sich dann so an. Auch Jon Anderson, ehemaliger Leadsänger der Rockgruppe Yes, versuchte sich an dem „Ying Tong Song“, der bei ihm so klingt.

Im Jahr 2005 wurde ein Theaterstück in London uraufgeführt, das noch einmal an die legendäre „Goon Show“ erinnert und den Titel “ Ying Tong – A Walk With The Goons“ trägt.

Hier kann man sich noch einmal genüsslich das Original mit den Goons anhören.

Published in: on 27. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Luke Over: Villages Around Maidenhead

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Ich habe besonders schöne Erinnerungen an Maidenhead in Berkshire, als ich an einem verschneiten Winterabend das funkelnde Lichtermeer der Stadt vom Restaurant des Cliveden Hotels unter mir liegen sah. Auch das Wohngebiet an der A4094, der Ray Mead Road, die sich die Themse entlang nach Norden zieht, hat mir sehr gut gefallen. An den Geräuschpegel der startenden und landenden Flugzeuge vom nahen Flughafen Heathrow hatte ich mich schnell gewöhnt. Maidenhead ist mit rund 80 000 Einwohnern eine recht große Stadt; sie liegt an der A4, die von London aus in das West Country führt.

Das Buch „Villages Around Maidenhead“ von Luke Over beschäftigt sich mit den Dörfern, die im Dunstkreis der Stadt liegen, und da ich in der Region schön häufig unterwegs war, habe ich es mir gekauft und eben gerade beendet. Over ist lokaler Historiker und hat schon mehrere Bücher über Maidenhead verfasst wie „Images of Maidenhead“, „Maidenhead: A Pictorial History“ und „Story of Maidenhead“. Zu den Dörfern, die er in diesem Buch beschreibt, gehören u.a.Bray, Cookham, Taplow, Hurley und Water Oakley. Viele von ihnen habe ich in meinem Blog schon einmal erwähnt.

Da ist Bray, die kulinarische Haupstadt Großbritanniens, mit mehreren mit Michelinsternen gekrönten Restaurants und einer wunderschönen idyllischen Lage an der Themse.
Water Oakley ist winzig, kann sich dafür aber mit den Bray Studios und dem hervorragenden Oakley Court Hotel brüsten.
Die drei Cookhams (Cookham Village, Cookham Dean und Cookham Rise) liegen nördlich von Maidenhead. Hier wirkte der Maler Sir Stanley Spencer, dessen Werke man in der örtlichen Stanley Spencer Gallery bewundern kann.
Das hübsche Littlewick Green, westlich von Maidenhead, war einmal der Wohnort des Schauspielers und Komponisten Ivor Novello. Am Village Green findet man in Novellos ehemaligem Haus die Redroofs Theatre School, an der u.a. Kate Winslet und Joanne Froggatt ihr Handwerk erlernten.

Luke Over geht auch näher auf das White Waltham Airfeld ein, das erst kürzlich als Schauplatz der „Inspector Barnaby„-Episode 99 „The Flying Club“ (dt. „Flieg, Mörder, flieg“) war, das heute dem West London Aeroclub als Basis dient.

Wer sich für diese sehr sehenswerte Region westlich von London interessiert und auch in die Vergangenheit der Dörfer tief abtauchen möchte, der wird mit Luke Overs Buch gut bedient sein.

Luke Over: Villages Around Maidenhead. The History Press 2009. 127 Seiten. ISBN 978-0-7524-5289-0.

Das Waterside Hotel in Bray. Eigenes Foto.

Der Steg des Waterside Inns in Bray.
Eigenes Foto.

Die Redroofs Theatre School in Littlewick Green. Eigenes Foto.

Die Redroofs Theatre School in Littlewick Green.
Eigenes Foto.

Das Oakley Court Hotel in Water Oakley. Eigenes Foto.

Das Oakley Court Hotel in Water Oakley.
Eigenes Foto.

Published in: on 26. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Aldworth (Berkshire) – Die Aldworth Giants in der Kirche St Mary’s

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Es gibt keine Kirche in England, in der so viele mittelalterliche Statuen nur einer einzigen Familie „herumliegen“ wie in St Mary’s in Aldworth in der Grafschaft Berkshire. Die kleine Kirche in dem kleinen Ort beherbergt die sogenannten Aldworth Giants, das sind neun lebensgroße/überlebensgroße Steinfiguren der  De la Beche-Familie, die unter den Königen Edward II und Edward III eine wichtige Rolle gespielt hat. Die reichen Großgrundbesitzer lebten im 14. Jahrhundert auf ihrer Burg in Aldworth, und die Steinskulpturen repräsentieren Familienmitglieder aus fünf Generationen. Sogar Königin Elisabeth I hörte von den Aldworth Giants und besuchte St Mary’s, um sich selbst ein Bild von den Steinriesen zu machen. Ob die De la Beches wirklich alle so hochgewachsen waren, ist zweifelhaft. Sir Philips Figur misst z.B. stolze 2,13 Meter. Sein Großvater, Sir Robert, ist die älteste Skulptur, Sir Nicholas die jüngste.

Einigen der großen Figuren hat man Namen gegeben wie John Long, John Strong und John Never Afraid und John Ever Afraid. Zu den Füßen einiger Skulpturen liegen „Beigaben“ wie ein Zwerg, ein Löwe und ein Hund.  Leider befinden sich die Aldworth Giants in einem beklagenswerten Zustand, was weniger am Zahn der Zeit, sondern mehr an den Mannen Oliver Cromwells liegt, die sich in den Zeiten des Bürgerkriegs über die wehrlosen De la Beches hermachten und ihnen Nasen, Beine und Arme abschlugen. Sie betrachteten die Familie als dem früheren Königshaus zu nahestehend und nahmen auf diese Weise verspätete Rache an ihnen.

Die Figur des John Ever Afraid sucht man in der Kirche vergebens, denn sie ist in einer Wand eingemauert. Der Grund: Der Mann soll dem Teufel seine Seele verkauft und dafür Reichtümer erhalten haben. Der Deal war, der Teufel durfte sich nach Johns Tod seiner Seele bemächtigen, egal, ob er innerhalb oder außerhalb der Kirche beigesetzt wurde. So ließ sich das gewitzte De la Beche-Familienmitglied eben innerhalb der Mauern beisetzen, worüber der Teufel mächtig sauer gewesen sein soll, ist er doch über den Tisch gezogen wurden. Die anderen De la Beches haben sich auf solch riskante Deals mit zwielichtigen Personen gar nicht erst eingelassen.

Aldworth liegt an der B4009, einer meiner Lieblingsstraßen, die auf 75 Kilometern von Newbury bis nach Tring in Hertfordshire führt und für jeden „Midsomer Murders“- bzw. „Inspector Barnaby“-Fan interessant ist, denn viele Drehorte befinden sich an oder in unmittelbarer Nähe der Straße.

Sir Nicholas de la Beche.    © Copyright Bill Nicholls and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Hier ruht der eingemauerte John Ever Afraid.    © Copyright Bill Nicholls and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 25. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Chesterton Windmill – Das weithin sichtbare Wahrzeichen der Grafschaft Warwickshire

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Sir Edward Peyto, ein wohlhabender Grundbesitzer, ließ 1632 eine Turmwindmühle erbauen, die er auf einen Hügel oberhalb des Dorfes Chesterton platzierte, von wo aus man einen wunderschönen Blick auf die grüne Landschaft Südost-Warwickshires hat. Bis heute ist diese Windmühle eines der Wahrzeichen der Grafschaft. Bis zum Jahr 1910 war sie in Betrieb, wurde zwar bis dahin mehrfach restauriert, aber dann ergaben sich doch größere Schäden, die den Dauerbetrieb nicht mehr möglich machten. Immer mal wieder mussten danach Reparaturarbeiten durchgeführt werden, denn man wollte das schöne Bauwerk auf jeden Fall erhalten. Geöffnet wird die Chesterton Windmill immer nur an einem Wochenende im Jahr, aber ich glaube, dass das äußere Erscheinungsbild doch interessanter ist als ein Blick in das Innere. An einem dieser Öffnungstage kam es 2006 zu einem Unfall, als einer der Flügel sich selbständig machte und herunterstürzte, wobei eine Besucherin leicht verletzt wurde.

In diesem Jahr ist die Windmühle am 13. und 14. September für die Allgemeinheit zugänglich. Wie lange der schöne Blick auf die unberührte Landschaft allerdings noch erhalten bleibt, ist zurzeit unklar, denn es gibt Pläne, wonach hier eine Siedlung angelegt werden soll, die aus rund 3000 Häusern bestehen könnte. Wenn diese Pläne realisiert werden, ist es vorbei mit dem Blick auf die „rolling countryside“. Widerstand in der Bevölkerung hat sich schon formiert in der FORSE , der „Friends of a Rural and Sustainable Environment“, die das Projekt mit allen Mitteln verhindern will.

Die Chesterton Windmill ist nicht weit von der Autobahn M40 entfernt; am besten kann man sie vom Windmill Hill Lane aus sehen. Ein kleiner Feldweg führt kurz vor der Einmündung des Windmill Hill Lanes in die Chesterton Road hinauf zur Mühle. Parkmöglichkeiten für einige Autos sind links und rechts des Lanes vorhanden.

Wer sich die Windmühle aus Warwickshire in Form eines Modells in den Garten stellen möchte, der kann sie bei Whitnash Windmills in Leamington Spa für £35 ordern, die größere Version kostet £50.

Hier ist ein sehr gut gemachter Film, der die Chesterton Windmill aus allen Perspektiven zeigt.

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„Station Jim“ – Der Hund im Glaskasten auf Bahnsteig 5 des Bahnhofs von Slough (Berkshire)

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Der Bahnhof der Stadt Slough, östlich von Maidenhead in der Grafschaft Berkshire, hat eine Besonderheit aufzuweisen, die es meines Wissens in ganz England nicht ein zweites Mal gibt: Dort ist auf Bahnsteig 5 in einem Glaskasten ein ausgestopfter Hund ausgestellt, der Ende des 19. Jahrhunderts einmal eine wichtige Rolle gespielt hat. Hier ist die Geschichte:

Station Jim, wie er liebevoll von allen, die ihn kannten, genannt wurde, kam als drei Monate alter Welpe auf das Bahnhofsgelände, wo er schnell zum Liebling der Angestellten und der Reisenden avancierte. Er bekam auch schnell eine verantwortungsvolle Aufgabe zugewiesen; Station Jim wurde Canine Collector des Widows and Orphan Funds der Great Western Railway, also so etwas wie der „Sammelhund für den Hilfsfonds für Witwen und Waisen der Eisenbahngesellschaft Great Western Railway“. In dieser Funktion war Station Jim tagein, tagaus auf den Bahnsteigen unterwegs, wobei er als Arbeitskleidung ein Geschirr trug, an dem Sammelboxen angebracht waren. Jedesmal, wenn jemand eine Münze in eine Box warf, bellte er, sozusagen als Dankeschön. Er schaffte es, obwohl der arme Kerl recht krank war, die stolze Summe von £40 zu sammeln, was einem heutigen Gegenwert von  £2500 entspricht. Da konnten die Witwen und Waisen von Slough wirklich nicht meckern!  

Im Laufe seines leider recht kurzen Lebens lernte Station Jim einige weitere Kunststücke wie auf den Hinterpfoten gehen und Leitern hinaufklettern. Manchmal machte er auch mehr oder weniger unfreiwillige Ausflüge mit dem Zug. Da wurde er mal in London und einmal sogar in dem weit entfernten Royal Leamington Spa in Warwickshire gesehen; aber immer setzte man ihn wieder in den Gegenzug, so dass er sicher in Slough ankam; erkennen konnte man ihn ja leicht an seinen umgeschnalllten Sammelbüchsen. Als er einmal in Windsor landete, ging er einfach zu Fuß zu seinem Arbeitsort zurück.

Am 19. November 1896 ereilte ihn während seiner Sammeltätigkeit auf den Bahnsteigen von Slough der Tod; er kippte einfach um und war nicht mehr. Die Bestürzung in der Bevölkerung war groß und man überlegte wie man ihm ein Denkmal setzen konnte. Man drehte den Spieß um und sammelte dieses Mal für ihn. Mit dem Erlös wurde Station Jim ausgestopft und auf Bahnsteig 5 in einen Glaskasten gestellt, so dass er auch in seinem Tod in seinem geliebten Wirkungsfeld sein konnte.

Im Jahr 2001 drehte die BBC einen Fernsehfilm, der den Titel „Station Jim“ trägt und der lose auf den wahren Begebenheiten Ende des 19. Jahrhunderts beruht. Produziert wurde der Film aber nicht im Bahnhof von Slough, sondern auf dem Gelände der Bluebell Railway, einer Museumsbahn, die zwischen dem Sheffield Park und East Grinstead in East und West Sussex verkehrt. Es spielen viele bekannte Darsteller mit wie Prunella Scales als Königin Victoria, Charlie Creed-Miles (der erst kürzlich in dem Fünf-Teiler „Injustice-Unrecht“ als DI Mark Wenborn auf ARTE zu sehen war) und Celia Imrie (bekannt aus „Inspector Barnaby“, „Kingdom“ und „Cranford“).

Die Bahnsteige 4 und 5 im Bahnhof von Slough, das frühere Arbeitsfeld von Station Jim.   © Copyright Peter Whatley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bahnsteige 4 und 5 im Bahnhof von Slough, dem früheren Arbeitsfeld von Station Jim.
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Alfriston (East Sussex) – Das „£10-Haus“ des National Trusts und eine besonders interessante Buchhandlung

The Alfriston Clergy House.    © Copyright PAUL FARMER and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Alfriston Clergy House.
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Alfriston in East Sussex ist eine hübsche Kleinstadt, südlich der A27, die von Polegate nach Lewes führt. Es gibt hier einiges zu entdecken, wenn man durch die Straßen schlendert, z.B. in der High Street die beiden uralten Hotels The Star (im 13. Jahrhundert erbaut) und The George (aus dem 14. Jahrhundert). Ein Stückchen die High Street hinunter, neben der Church of St Andrew, finden wir ein weiteres altes Haus, das im gleichen Jahrhundert wie The George erbaut worden ist: The Alfriston Clergy House, das aber nicht für den örtlichen Klerus gedacht war, wie der Name vermuten lässt. Es wurde ursprünglich von einem wohlhabenden Bauern errichtet, der es 1395 an die Kirche verkaufte, die das Haus wiederum vermietete, um damit Einnahmen zu erzielen. Ende des 19. Jahrhunderts war das Gebäude ziemlich heruntergekommen und die Kirche hatte kein Interesse mehr daran und wollte es abreißen lassen, was glücklicherweise der engagierte Reverend Beynon verhinderte. Die Kirche verkaufte das Haus 1896 an den ein Jahr zuvor gegründeten National Trust, das damit das allererste Gebäude war, das der NT ankaufte. Der Preis für das Clergy House betrug £10, was heute einer erheblich größeren Summme entsprechen würde.
Das Haus neben der Kirche ist von einem Cottagegarten umgeben, von dem man einen Blick auf den River Cuckmere hat, der hier vorbeifließt.
Das Clergy House ist zu besichtigen, in der Regel täglich, außer donnerstags und freitags, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt £5.30.

In der West Street, gleich neben Ye Olde Smugglers Inne, befindet sich eine sehr interessante Buchhandlung, die von The Guardian „One of the best independent shops in UK“ bezeichnet wurde: Much Ado Books. Nachdem der Laden in die West Street umgezogen war, wurde er neu eröffnet und zwar in Anwesenheit von Deborah Devonshire, Dowager Duchess of Devonshire. Gäste waren u.a. die Schriftstellerinnen Juliet Nicolson und Lynne Trusse, sowie zahlreiche Verleger aus dem In- und Ausland; ein Zeichen, was für ein hohes Ansehen diese Buchhandlung in Alfriston genießt. Einen besonderen Schwerpunkt legen die Inhaber auf Literatur von der und über die Bloomsbury Group (Virginia Woolf, John Maynard Keynes usw.), deren Treffpunkt, das Charleston Farmhouse, ganz in der Nähe von Alfriston liegt. Es ist schon erstaunlich, dass es eine Buchhandlung in einer kleinen, recht abgelegenen Kleinstadt schafft, über die Runden zu kommen, trotz immer stärker werdender Online-Konkurrenz.

Hier ist ein Film über die kleine Stadt in East Sussex.

Eine der besten Buchhandlungen in ganz England. Attr.: Ian Usher. -NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic

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Eigenes Foto.

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Published in: on 22. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wie eine echte venezianische Gondel nach Stratford-on-Avon kam

With friendly permission of Avon Boating.

With friendly permission of Avon Boating.

Die Bootsverleihfirma Avon Boating, seit 1898 in Stratford-on-Avon ansässig, bietet u.a. Gondelfahrten auf dem River Avon an, mit einem Gondoliere an Bord, der die Passagiere auf dem romantischen Fluss am Royal Shakespeare Theatre und an der Holy Trinity Church vorbei stakt. Diese original venezianische Gondel wurde 1904 von Giuseppe Casal in Venedig gebaut. Wie gelangte dieses Boot von den Kanälen der Lagunenstadt auf einen Fluss in Warwickshire?

Die Firma London Exhibitions Ltd beauftragte 1904 den venezianischen Gondelbauer mit dem Bau des Bootes, das man für eine italienische Messe in London haben wollte. Also transportierte man die Gondel von Venedig nach London, wo sie nach Beendigung des Messe versteigert wurde. Käuferin war eine damals außerordentlich populäre Schiftstellerin namens Marie Corelli (1855-1924), deren Romane sehr hohe Auflagen erzielten, die aber heute so gut wie vergessen ist. Einige ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt („Barabbas, Barabbas!“ ist noch lieferbar), viele ihrer Bücher sind in England noch im Buchhandel zu bekommen, als Kindle-Edition bei Amazon sogar kostenlos.
Diese Dame, die sich 1899 in Stratford-on-Avon niedergelassen hatte und in Mason Croft wohnte, in dem heute das Shakespeare Institute der Universität von Birmingham untergebracht ist, ließ sich auf dem River Avon gern mit ihrer venezianischen Gondel, die sie „The Dream“ nannte, herumschippern, wozu sie einen echten Gondoliere namens Giovanni engagierte. Selbstverständlich wurde Marie Corelli mit ihrer neuen Errungenschaft zum Stadtgespräch.
Der arme Giovanni hatte aber bald Heimweh nach seiner Lagunenstadt; er langweilte sich auch ein wenig, und eines Tages geriet er in einen Streit mit seinen Trinkkumpanen vom örtlichen Ruderclub. Sein Temperament ging mit ihm durch, er zog ein Messer und bedrohte damit seinen Widersacher. Als Giovannis Arbeitgeberin davon hörte, entließ sie ihn auf der Stelle. Sein Nachfolger wurde einer von Marie Corellis Gärtnern, Ernest Chandler, der sich die Kunst des Gondelfahrens aneignete und die Schriftstellerin mitsamt ihrer Freundin Bertha Vyver häufig durch die Shakespeare-Stadt fuhr.

Als der englische Gondoliere in den Krieg ziehen musste (und dabei getötet wurde), verlor Corelli die Lust am Gondelfahren; sie verstaute das Boot in einer Garage neben ihrem Wohnhaus, wo es bis zum Jahr 1943 verblieb. Auf einer Auktion wurde die Gondel wieder einmal versteigert und ging von Stratford-on-Avon wieder nach London zurück, wo der Käufer wohnte. 1958 wechselte die Gondel erneut den Besitzer, der sie jetzt auf den See des Anwesens Ragley Hall bei Alcester in Warwickshire transportierte, wo sie vor sich hin dümpelte. 1962 kaufte sie eine Filmproduktionsfirma aus Kingston-upon-Thames, die sie für einige Filme einsetzte. In deren Besitz blieb das Boot; sie ließ es 2007 komplett restaurieren und verkaufte es anschließend, wieder auf einer Auktion, und zwar an die Firma Avon Boating aus Stratford-on-Avon, die zwar bereits eine venezianische Gondel besaß, aber unbedingt auch Marie Corellis ehemalige haben wollte. Die noch nicht ganz abgeschlossenen Restaurationsarbeiten wurden in Stratford zu Ende geführt und nun steht die Gondel wieder auf dem Avon für Rundfahrten, Hochzeiten und andere Unternehmungen zur Verfügung. Mittlerweile hat „The Dream“ das stolze Alter von 110 Jahren erreicht.

Wer einmal auf Marie Corellis Gondel fahren möchte: Die Firma Avon Boating liegt in der Swan’s Nest Lane, direkt neben dem Thai Boathouse Restaurant, das ich übrigens sehr empfehlen kann, sowohl wegen der Lage als auch wegen des sehr guten Essens.

Hier ist ein Interview mit einem der Gondelbesitzer.

Marie Corelli. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Marie Corelli.
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Mason Croft in Straford-on-Avon-    © Copyright Stephen Richards and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mason Croft in Stratford-on-Avon.
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Hook End Manor bei Checkenden (Oxfordshire) – Eines der besten Aufnahmestudios in England in einem wunderschönen Gebäude

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Am letzten Montag, dem 18. August, zeigte ZDFNeo eine Folge aus der englischen Krimiserie „Lewis„, die letzte Episode der dritten Staffel, mit dem Titel „Ein letzter Blues“ (Originaltitel: „Counter Culture Blues“), in der es um alternde Rockmusiker ging, die ein Comeback versuchen. Erinnerungen wurden bei mir wach an die „Inspector Barnaby“-Episode 55 „The Axeman Cometh“ (dt. „Mord mit Groove“), in der es um ein ähnliches Thema ging und die im Long Crendon Manor in Long Crendon (Buckinghamshire) gedreht wurde (ich berichtete darüber in meinem Blog).
Große Teile von „Ein letzter Blues“ drehte man im Hook End Manor im südlichen Zipfel von Oxfordshire und man hätte keinen besseren Ort wählen können. Denn dort, wo Richie Maguire im Film sein Anwesen und sein Aufnahmestudio hat, residieren schon seit Jahrzehnten Rockmusiker und produzieren hier ihre Songs.

Hook End Manor ist ein außergewöhnlich schönes weitläufiges Gebäude, das 1580  in der elisabethanischen Zeit errichtet wurde. Der Rockmusiker Alvin Lee (1944-2013) von der Band Ten Years After kaufte das Haus 1972 dem Multimillionär Sir Charles Clore ab und baute ein komplettes Aufnahmestudio ein. Aber so richtig wohl fühlte sich der Musiker hier nicht; das riesige Haus war im Winter nur schwer warm zu bekommen und es war so unübersichtlich, dass er einmal auf einen Freund stieß, von dem er gar nicht wusste, dass der auch auf seinem Anwesen wohnte. Gäste berichteten immer wieder von unheimlichen Begegnungen mit Geistern wie u.a. Morrissey von der Band The Smiths.

1979 verkaufte Alvin Lee Hook End Manor an eine andere Rockgröße, an David Gilmour von Pink Floyd, der das Aufnahmestudio für die Produktionen seiner Band nutzte. Ein Markenzeichen der Rockgruppe waren die Pink Floyd Pigs, riesige aufblasbare rosa Schweinchen, die oft bei ihren Konzerten über der Bühne schwebten. Ein besonders große Exemplar war in einer der Scheunen im Hook End Manor untergebracht.

Auch David Gilmour verkaufte Haus und Studio (angeblich, weil seine Frau die Geister nicht länger ertragen konnte) und zwar an Trevor Horn, einen Musiker und Produzenten, der 1979 als Mitglied der Buggles einen Nummer-Eins-Hit mit „Video Killed the Radio Star“ hatte und später „Frankie Goes To Hollywood“ produzierte. Während Trevor Horn mit seiner Familie hier wohnte, ereignete sich ein tragischer Unfall.  Im Juni 2006 machte sein 23-jähriger Sohn Aaron Schießübungen auf dem Gelände und traf dabei versehentlich seine Mutter Jill Sinclair, die dabei so schwer verletzt wurde, dass sie in ein jahrelanges Koma fiel, aus dem sie zwar wieder erwachte, aber schwer gehirngeschädigt blieb. Sie starb im März diesen Jahres.

Trevor Horn mochte nach diesem Unfall nicht länger im Hook End Manor wohnen und verkaufte es an den Sänger Mark White von der Gruppe The Dark Sinatras, die dort ihre Plattenaufnahmen machen.

Hook End Manor ist in Privatbesitz und natürlich nicht zu besichtigen. Es befindet sich unweit der A4074 (Reading-Wallingford) und ist nur wenige Fahrminuten von Stoke Row entfernt (über das ich schon einmal berichtete).

 

 

Das Deva Stadium in Chester (Cheshire) – Das einzige Fußballstadion, das in zwei Ländern liegt

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Ja, das gibt es tatsächlich: das Deva Stadium liegt genau auf der Grenze von England und Wales. Die einen sagen, dass sich der Parkplatz auf englischer und das Stadion auf walisischer Seite befinden, die anderen, dass die Zuschauer das Spiel von England aus betrachten, das aber in Wales stattfindet. Wie auch immer, kurios ist das schon. Wie kam es aber dazu?

Als 1990 der örtliche Fußballverein Chester City F.C. von neuen Besitzern übernommen wurde, wollten diese das Gelände an der Sealand Road an Unternehmer verkaufen, die an dieser Stelle einen großen Supermarkt planten. Nicht weit davon befand sich ein großes ungenutztes Feld (das eben sowohl in England als auch in Wales lag), das sich für einen Stadionneubau anbot und so errichtete man 1992 in einer Rekordzeit von nur sieben Monaten das neue Deva Stadium, so genannt nach dem römischen Fort, aus dem sich später die Stadt Chester entwickeln sollte. Am 24. August war es dann soweit, das Stadion wurde feierlich eröffnet und am Tag darauf das erste Spiel ausgetragen, das die Heimmannschaft Chester City F.C. gleich gegen Stockport County verlor. Ein böses Omen? Dem Fußballclub ging es nicht gut, sowohl sportlich als auch finanziell. Der 1885 gegründete Verein, der immer in den unteren Ligen gespielt hatte, wurde 2010 aufgelöst.
Goodbye Chester City F.C., hello Chester F.C., denn so hieß der kurz darauf neu gegründete Club, dessen Spieler weiterhin The Blues und The Seals genannt wurden. Sie spielen zurzeit in der Conference Premier, was in der Rangfolge der englischen Ligen, die 5. Liga ist.

Das Deva Stadium, das seit Bestehen mehrfach den Namen wechselte, hat ein Fassungsvermögen für ca 5300 Fans. Da das Eröffnungsspiel des neu formierten Chester F.C. im Deva Stadium gegen den walisischen Club Aberystwyth Town gewonnen wurde, ist das hoffentlich ein gutes Zeichen für die Zukunft des Clubs und des Stadions.
Zu Beginn der neuen Saison steht der Club leider nach zwei verlorenen Spielen auf dem letzten Platz 😦

In diesem Film sind Aufnahmen von der Eröffnung des Deva Stadiums zu sehen.

Auf diesem Foto steht noch der alte Name des Clubs "Chester City F.C." an der Stadionwand.    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf diesem Foto steht noch der alte Name des Clubs „Chester City F.C.“ an der Stadionwand.
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Published in: on 19. August 2014 at 02:00  Comments (2)  
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The Independent State of Cuckfield in West Sussex

Die High Street von Cuckfield (West Sussex).    © Copyright nick macneill and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Cuckfield (West Sussex).
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15 Jahre lang war das Eselsrennen in Cuckfield (West Sussex) eine sprudelnde Einnahmequelle, denn Tausende machten sich jedes Jahr auf den Weg, um sich das Spektakel anzusehen. Das Donkey Grand National wurde jeweils am Bank Holiday im August ausgetragen. 1951 fiel der erste Startschuss, 1966 war alles vorbei, denn die Wiesen bei der Mill Hill Farm, wo sich die Esel (mehr oder wenig widerwillig) Rennen lieferten, waren vom Urban Council aufgekauft worden und der verweigerte die weitere Ausführung der Donkey Races. Schade, denn die Einnahmen verwendete man immer für wohltätige Zwecke, die den Bürgern Cuckfields zugute kamen.

Doch da hatte man eine Idee: Man rief einfach den Independent State of Cuckfield aus, erklärte seine Unabhängigkeit vom Urban Council, der ihnen in die Suppe gespuckt hatte, und wählte einen eigenen Bürgermeister. Der neu entstandene Staat gab seinen Bürgern eigene Pässe, es wurden Briefmarken gedruckt und eine eigene Währung, die „Cuckoos“, in Umlauf gebracht, mit denen man in den örtlichen Geschäften und Pubs bezahlen konnte. 5 Cuckoos entsprachen damals einem Shilling.

Bei den Bürgermeisterwahlen musste man sich eine Stimme kaufen, die seinerzeit Sixpence kostete, und auf diese Weise kam eine ganze Menge Geld zusammen. Heute kostet jede Wählerstimme einen Penny und man kann so viele Stimmen kaufen wie man möchte. Mit allen Einnahmen, die der Independent State of Cuckfield zusammentragen kann, werden z.B. die örtlichen Schulen, das Krankenhaus und alte bedürftige Menschen unterstützt.

Natürlich haben weder der jährlich neu gewählte Bürgermeister noch der „Staat“ selber eine offizielle Funktion, aber immerhin ist eine gewisse lokale Macht enstanden, die sich gegen unpopuläre Entscheidungen „von oben“ zur Wehr setzen kann, beispielsweise als eine Mülldeponie ganz in der Nähe des Ortes angelegt werden sollte. Die „Staatsbürger“ wehrten sich dagegen und… hatten Erfolg. Es wurde keine Deponie gebaut.

 

 

 

Published in: on 18. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Großbritanniens beste Biere des Jahres 2014

Das Olympia in der Hammersmith Road - Hier fand das Great British Beer Festival 2014 statt.    © Copyright Martin Addison and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Olympia in der Londoner Hammersmith Road – Hier fand das Great British Beer Festival 2014 statt.
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„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der beste Brauer im ganzen Land?“. So oder ähnlich stellt sich die Frage alljährlich beim Great British Beer Festival, das in diesem Jahr vom 12. bis zum 16. August im Londoner Olympia in der Hammersmith Road stattfand. 55 000 Bierfans konnten sich in zwei Ausstellungshallen Hunderte von Bieren schmecken lassen, die von den Brauereien des Landes zum Probieren angeboten wurden. Auch einige ausländische Biere, u.a. aus Deutschland, waren bei Großbritanniens größtem Festival seiner Art vertreten.
Der Höhepunkt der Veranstaltung ist jedes Jahr die Verkündung der Beer Champions in den einzelnen Kategorien. Hier ist ein Überblick:

Als bestes Bier Großbritanniens des Jahres 2014, über alle Kategorien hinweg, wurde ein Produkt einer Brauerei aus der grauen Stadt im Moor, Keighley in West Yorkshire, ausgezeichnet: „Boltmaker“ („A well-balanced, genuine Yorkshire Bitter, with a full measure of maltiness and hoppy aroma“) aus dem Hause Timothy Taylor. Das Bitter Beer aus dem Norden Englands, benannt nach dem Pub „Boltmakers Arms“ in Keighley, der der Brauerei gehört, konnte die Jury überzeugen und wurde zum Champion Beer of Britain 2014 ernannt. Seit 1858 besteht Timothy Taylor schon, deren mehrfach preisgekrönte Biere nicht nur in Yorkshires Pubs zu finden sind, sondern im ganzen Land. Die Webseiten der Brauerei bieten einen Pubfinder an, der alle Gasthöfe verzeichnet, die TTs Bier auschenken. Übrigens kam auch im vergangenen Jahr der Champion aus West Yorkshire; da war es das 1872 Porter der Elland Brewery in Elland (zwischen Huddersfield und Halifax gelegen).

Auf Platz 2 landete ein Bier namens Citra der Brauerei Oakham Ales, die ihren Sitz in Peterborough in Cambridgeshire hat.  Die Charakterisierung laut Brauerei:  „A light refreshing beer with pungent grapefruit, lychee and gooseberry aromas leading to a dry, bitter finish“.

Auf Platz 3 schließlich kam ein Bier mit dem Namen Darwin’s Origin („Crisp, tart, fruity and refreshing but also with a juicy malt background“) der Salopian Brewery aus Shrewsbury (Shropshire). Es wird zu Ehren Charles Darwins gebraut, der 1809 in Shrewsbury geboren wurde. Selbstverständlich ziert auch ein Konterfei des großen Naturwissenschaftlers das Etikett der Bierflaschen.

In der Kategorie „Specialty Beers“ siegte das Triple Chocoholic („Chocolate malts, cocoa, chocolate essence combines to provide a strong chocolate bouquet and a rich chocolate flavour“) der Saltaire Brewery in Shipley (West Yorkshire). Ich habe einmal das Schokoladenbier „Youngs Luxury Double Chocolate“ probiert, muss aber sagen, dass das nicht so ganz mein Fall war.
Den zweiten Platz dieser Kategorie nahm das Way Out Wheat („Hefeweizen style wheat beer, a slightly sweeter edge with coriander and sweet orange peel“) der Offbeat Brewery in Crewe (Cheshire) ein, die u.a. auch ein Bier mit Blaubeergeschmack herstellt.
Die Brauerei Peak Ales, die auf dem Gelände des Chatsworth Estates in Derbyshire liegt, gelangte mit ihrem Bier Chatsworth Gold („Chatsworth Gold is a golden beer made with honey from the Chatsworth Estate. The delicate sweetness is well balanced with bitterness from Goldings and Fuggles hops“) auf den dritten Platz.

Wer sich die ausgezeichneten Biere in allen Kategorien ansehen möchte, der kann das hier tun.

Published in: on 17. August 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Englische Exzentriker – John Ward, der Schöpfer des elektrischen BH-Wärmers

Bisher habe ich in meiner Reihe über englische Exzentriker nur bereits verstorbene Vertreter dieser „Zunft“ vorgestellt (bis auf eine Ausnahme), darum möchte ich heute einmal einen noch sehr lebendigen und kreativen Kopf präsentieren, der nicht nur exzentrisch, sondern auch noch sehr erfinderisch ist: John Ward aus Moulton Seas End in Lincolnshire. Allein schon der Name seines Wohnortes, ein kleines Dorf nordöstlich von Spalding, ist außergewöhnlich und eines Exzentrikers würdig.

John Ward hat schon so viele Erfindungen gemacht, dass man sie kaum noch zählen kann; allerdings sind davon noch keine groß herausgekommen und von der Industrie übernommen worden, vielleicht weil sie zu ungewöhnlich und nicht vermarktbar sind. Aber für den Mann aus Lincolnshire ist das offenbar auch nicht wichtig; ihm macht es einfach Spaß, ständig neue Dinge zu erfinden. Hier sind einige Beispiele:

– In der kalten Jahreszeit muss es für Damen doch eigentlich recht ungemütlich sein, morgens einen ausgekühlten BH anzulegen, dachte sich John Ward, und schaffte daher Abhilfe mit seinem elektrischen BH-Wärmer. Er zweckentfremdete einen Föhn und leitete die Warmluft in zwei faustgroße Plastikbälle, über die dann der BH gelegt wurde. Schon war das Problem des kalten BHs behoben.

– Aus einer defekten Waschmaschine baute Ward ein Elektroauto, das er mit einer 12-Volt-Autobatterie versah und hinten einen Einkaufswagen ankoppelte, womit man umweltschonend den nächsten Supermarkt ansteuern konnte.

– Aus einem der dreirädrigen Reliant Robins (ich berichtete schon einmal über diese Vehikel) bastelte der Mann ein winziges Feuerwehrauto mit Ausziehleiter, einem Wasservorrat von 50 Litern und einem Schlauch. Der Bau von „Freddie the Fire Engine“ zog sich über sechs Monate hin.

– Geradezu genial finde ich John Wards Erfindung „Adapta-Shoes„, das sind Schuhe, an deren Spitzen eine Vorrichtung angebracht ist, an der man z.B. eine Taschenlampe befestigen kann, wenn man im Dunklen unterwegs ist, oder einen Miniatur-Schneepflug im Winter oder eine sich drehende Bürste, die notfalls schon mal einen Staubsauger ersetzen kann.

– Mit dem mobilen Taufbecken wollte Ward Priestern das Leben leichter machen. Ein Thermostat sorgte für eine für das Baby angenehme Wassertemperatur und ein eingebauter Handtuchspender hielt jederzeit Trocknungsmöglichkeiten für Täufling und Priesterhände bereit.

– Für die Queen Mum entwickelte das Erfindergenie einmal einen Sitz aus rotem Samt, dessen Rückenlehne in Form einer Burg gestaltet war, von der aus man 21 Salutschüsse abfeuern konnte. Der Clou: Aus dem seitlich angebrachten Löwenkopf ließ sich per Knopfdruck Gin in ein Glas laufen.

Diese Liste könnte man noch lange fortsetzen. Ich finde John Ward in seinen Fernsehauftritten einfach sympathisch und nett. Exzentriker sind eben das Salz in der Suppe des täglichen Lebens!

In den 1980er Jahren unternahm er einmal einen Ausflug in die Politik (wie ich in „Lincolnshire Life“ lesen konnte), als er in Screaming Lord Sutchs Monster Raving Loony Party zum Minister für Erfindungen ernannt wurde. Damals schuf er den Manifesto Muncher, der Parteiprogramme anderer Parteien in Klopapierrollen verwandelte.

Hier ist eine kleine Auswahl an John Wards Erfindungen im Film zu sehen und hier ist einer seiner Fernsehauftritte.

Published in: on 16. August 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Simon Sudbury – Erzbischof von Canterbury, Lordkanzler und einer der meistgehassten Männer des 14. Jahrhunderts

Simon Sudburys Schädel in der Sakristei von St Gregory's in Sudbury (Suffolk).    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Simon Sudburys Schädel in der Sakristei von St Gregory’s in Sudbury (Suffolk).
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Aus welcher Stadt Simon Sudbury stammt, ist leicht seinem Namen zu entnehmen, aus Sudbury in Suffolk. Man kennt ihn auch als Simon Theobald of Sudbury oder als Simon Tybald. Der Mann lebte von 1316 bis 1381, und er kletterte im Lauf seines Lebens die Karriereleiter sowohl im religiösen als auch im weltlichen Bereich schnell hinauf.

Nachdem er unter Papst Innozenz VI gedient hatte, ging er nach England zurück, bekam ein Kanzleramt in Salisbury, wurde dann Bischof von London und 1375 schließlich Erzbischof von Canterbury. Unter König Richard II übernahm Simon Sudbury auch noch das Amt des Lordkanzlers. Da hatte er sich eine Menge Arbeit aufgehalst.
Der Anfang von seinem Ende war die Einführung der „poll tax„, der Kopfsteuer, die er sich ausgedacht hatte, um Richards Krieg gegen Frankreich zu finanzieren. Keine gute Idee, denn diese ungerechte Steuer, bei der jeder den gleichen Steuerbetrag zahlen musste, egal wie reich oder arm er war, kam in weiten Teilen der Bevölkerung des Landes gar nicht gut an und führte 1381 zum Bauernaufstand. Simon Sudbury stand im Fokus des auflodernden Hasses und man machte Jagd auf ihn. Zuerst nahmen die Bauern seine Besitztümer in Canterbury und London auseinander, dann machte man sich auf den Weg zum Tower, wo man den Erzbischof/Lordkanzler ergriff und ihn am 14. Juni 1381 einen Kopf kürzer machte.
Während man seinen Körper in der Kathedrale von Canterbury beisetzte (mit eine Kanonenkugel an Stelle des Kopfes), wurde besagter Kopf in Simons Geburtsort Sudbury überführt und dort in der Kirche St Gregory’s zur Schau gestellt. Dort, in der Sakristei, befindet sich der Schädel des gehassten Erzbischofs noch immer. Vor einigen Jahren rekonstruierte eine Spezialistin an der Universität von Dundee mit Hilfe neuer Techniken die Gesichtszüge Simon Sudburys, und man fertigte Abgüsse des Kopfes an, die dann nach über 600 Jahren in der Kirche ausgestellt wurden.

Zurzeit werden in der St Gregory’s Church umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen, bei denen auch das Wohnzimmer Simon Sudburys, die Sakristei, wieder auf Vordermann gebracht werden soll.

St Gregory's in Sudbury (Suffolk).    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Gregory’s in Sudbury (Suffolk).
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Whitby Jet – Der schwarze Schmuck aus der Küstenstadt Yorkshires

Author: Geni This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.

Author: Geni
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Bei meinen Spaziergängen in der hübschen Hafenstadt Whitby an der Küste Yorkshires fielen mir immer wieder die vielen Läden auf, die Schmuck aus Jet verkauften. Dieser Schmuckstein besteht aus unter hohem Druck zusammengepressten Holz der Chilenischen Araukarie (englisch: Monkey Puzzle Tree), ein Baum der vor schätzungsweise 180 Millionen Jahr hier wuchs. Auf einem Küstenabschnitt von rund 10 Kilometern in der Region um Whitby herum wird der Jet gefunden, der ab 1808 in der Stadt verarbeitet wurde, als man hier die erste Werkstatt eröffnete. Im viktorianischen Zeitalter erlangte der schwarze Schmuckstein den Höhepunkt seiner Beliebtheit; damals waren 1500 Menschen mit der Schmuckherstellung in Whitby beschäftigt und 500 Bergleute sorgten für ständigen Nachschub des Rohmaterials.

Die Farbe Schwarz spielte in der Zeit Königin Victorias eine große Rolle, trauerte die Queen doch sehr lange um ihren früh verstorbenen Ehemann Albert und trug nach seinem Tod nur noch Witwentracht. Aber auch sonst passt Jet gut nach Whitby, der Stadt Draculas und heute beliebter Wallfahrtsort der vorzugsweise Schwarz tragenden  Goths-Szene.

Im Whitby Museum findet man eine der größten Sammlungen von aus Jet hergestellten Gegenständen wie z.B. Schachspieltische und ein Modell der Abtei von Whitby. In der Church Street steht das Whitby Jet Heritage Centre, wo Schmuckstücke hergestellt werden und wo es noch eine Original-Werkstatt aus der viktorianischen Zeit zu bestaunen gibt. Wem Schmuck in der Art des 19. Jahrhunderts gefällt, der hat hier im Heritage Centre eine reiche Auswahl an Ohrringen, Halsketten und Broschen.

Direkt gegenüber in der Church Street ist der hier seit 1860 ansässige Laden W Hamond, „The Original Whitby Jet Shop“, zu finden, der Platzhirsch unter den Jet-Schmuckherstellern, mit Filialen in Leeds (im Victoria Quarter) und York (in The Shambles). Hier gibt es auch für den Herren z.B. Krawattennadeln, Manschettenknöpfe und Armbänder zu kaufen, die durchaus schon einmal im vierstelligen Bereich liegen können.

In der Grape Lane, die von der Church Street abgeht, liegt ein weiteres Geschäft, in dem man Jetschmuck kaufen kann: Simpson’s Jet of Whitby, mit eigener Werkstatt. Das gilt auch für Youngs Jewellers, die ihren schmalen kleinen Laden in der Skinner Street haben, auf der anderen Seite des River Esk, gleich neben der West Cliff Congregational Street.

Dieser kleine Animationsfilm zeigt die Entstehung des Jets.

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Published in: on 14. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – The Jolly Woodman in Littleworth Common (Buckinghamshire)

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Mitten in dem Straßengewirr des Midsomer Countys (sprich: Buckinghamshire)  zwischen der M40 und Cookham an der Themse liegt das kleine Dorf Littleworth Common, dessen Bewohner sich gleich zweier hübscher Pubs erfreuen können: The Blackwood Arms am Common Lane und The Jolly Woodman neben der Kirche St Anne’s. Letzterer war zweimal Schauplatz von „Inspector Barnaby„-Episoden. In Folge 61 „Shot At Dawn“ (dt. „Wenn der Morgen graut“) sehen wir den Gasthof sehr schön beleuchtet von außen und drinnen werden wir Zeuge eines kuriosen Duells, bei dem die beiden Kriegsveteranen Lionel Hicks und Henry Hammond in ihren Rollstühlen aufeinander losgehen, jeder mit einem Baguette bewaffnet. Tom und Joyce Barnaby, die beide in dem Pub ein gemütliches Abendessen zu sich nehmen wollen, fühlen sich von dem Lärm, den das Duell verursacht, belästigt, so dass Tom dazwischen geht, die Streithähne trennt und für Ruhe sorgt.

In Episode 76 „Blood on the Saddle“ (dt. „Blut am Sattel“) sehen wir The Jolly Woodman als The Florey Arms wieder, allerdings nur von innen, denn für die Außenaufnahmen fungierte The Eight Bells Pub in der High Street von Long Crendon (Buckinghamshire). Ich fand bei meinem Besuch dort vor allem das danebenliegende strohgedeckte Haus sehr schön.
Auch in dieser Barnaby-Folge kommt es in The Jolly Woodman wieder zu einer Rauferei (das scheint dort häufiger vorzukommen); in mehreren Szenen ist das Interieur des Gasthofs zu sehen, der 1832 seine Ausschanklizenz erhielt.

Im Jahr 2007 geriet The Jolly Woodman in die Schlagzeilen der Boulevardpresse, als Tony Blairs Stellvertreter John Prescott und einige seiner Freunde zum Lunch einfielen und dort eine Zeche von £425 zu Lasten des Steuerzahlers machten. Das kam nicht gut an, weder bei den Lesern der Zeitungen noch bei den Gästen des Pubs in Littleworth Common.

The Jolly Woodman war nicht nur bei den Produzenten der Barnaby-Serie als Drehort beliebt; es wurden hier auch einige Spielfilme gedreht wie 1974 die Komödie „Carry On Dick“ (aus der „Carry On“-Serie; dt. „Mach weiter, Dick“) als aus dem Pub frivolerweise The Cock Inn wurde. 1953 drehte man hier auch Szenen für eine andere Komödie mit dem Titel „Genevieve“ (dt. „Die feurige Isabella“) mit Dinah Sheridan und Kenneth More. 2008 war der Pub gefragt für Aufnahmen des Films „Made of Honor“ (dt. „Verliebt in die Braut“) mit Patrick Dempsey und Michelle Monaghan.

The Jolly Woodman
Littleworth Road
Littleworth Common, Bucks SL1 8PF
Tel. 01753 644350

The Centre for Fortean Zoology in Woolfardisworthy in North Devon

Das Hauptquartier des CFZ in Woolfardisworthy (North Devon). This work has been released into the public domain.

Das Hauptquartier des CFZ in Woolfardisworthy (North Devon).
This work has been released into the public domain.

Der Amerikaner Charles Fort (1874-1932) widmete einen großen Teil seines Lebens der Erforschung unerklärlicher Phänomene. Ob es sich nun um unbekannte Flugobjekte, Geistererscheinungen oder mysteriöse Tiere handelte, Fort beschäftigte sich damit und schrieb Bücher darüber. Seit 1973 wird in Großbritannien die Zeitschrift „Fortean Times“ herausgegeben, die das Werk von Charles Fort weiterführt und über Mysteriöses aus aller Welt berichtet.

Das Centre for Fortean Zoology widmet sich der Kryptozoologie, also dem Phänomen unbekannter Tierarten, von denen es auch in England, so wird jedenfalls immer wieder berichtet, einige geben soll. Großkatzen verbergen sich in den Wäldern im Süden des Landes, die nur hin und wieder schemenhaft von den Menschen wahrgenommen werden und die des Nachts Schafe reißen (z.B. The Beast of Bodmin Moor, The Surrey Puma). Da gibt es Geschichten von einem yetiartigen Wesen in Cannock Chase in Staffordshire, das allein im Jahr 2005 fünfmal gesichtet worden sein soll. Im Norden des Landes, am Bolam Lake in Northumberland, erzählt man sich von einem ähnlichen Tier/Mensch, dem Beast of Bolam. Die Frage stellt sich mir nur wie kann es sein, dass in einem so dicht besiedelten Land wie England sich über Jahrzehnte Großtiere aufhalten können, ohne dass sie jemals aufgespürt werden?

The Centre for Fortean Zoology (CFZ) wurde 1992 von Jonathan Downes gegründet, einem Schriftsteller, Filmemacher, Musiker und Aktivisten, der in einem Cottage in Woolfardisworthy, westlich von Bideford in Devon wohnt und das gleichzeitig auch das Hauptquartier der Gesellschaft ist. Downes ist Direktor des Centres, Präsident ist der Entdeckungsreisende und ehemalige Armeeoberst John Nicholas Blashford-Snell.

Am kommenden Wochenende, vom 15. bis zum 17. August, veranstaltet das CFZ wieder The Weird Weekend, wo sich jedes Jahr Kryptozoologen aus aller Welt treffen, um Erfahrungen auszutauschen und Vorträgen zuzuhören. Themen der diesjährigen Vorträge sind u.a.  „The Mystery Animals of Cheshire“, „Tales of the CFZ Laboratory“ und „Urban Legends of Liverpool“. Tagungsort ist die Small School in Hartland (Devon), die nur einige Kilometer von Woolfardisworthy  entfernt liegt.

Das Centre hat zahlreiche Bücher herausgegeben, darunter auch die „Mystery Animals of Britain„-Reihe, von der bisher Bände über Kent, Northumberland and Tyneside und The Western Isles erschienen sind.  Das CFZ gibt auch seit 1994 die Zeitschrift „Animals & Men: The Journal of the Centre of Fortean Zoology“ heraus.

Hier ist ein Film über das CFZ und seinen Direktor Jonathan Downes.

Das Bodmin Moor, Heimat des Beasts of Bodmin.    © Copyright Lewis Clarke and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in Cornwall soll das Beast of Bodmin Moor sein Unwesen treiben
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Hier am Bolam Lake in Northumberland soll The Beast of Bolam leben.    © Copyright Phil Thirkell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Bolam Lake in Northumberland soll The Beast of Bolam leben.
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Published in: on 12. August 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Die Vale Street in Bristol – Die steilste Straße Englands innerhalb eines Wohngebiets

Die Vale Street, von der Park Street aus gesehen.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons

Die Vale Street, von der Park Street aus gesehen.
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Bristol ist eine erstaunliche Stadt, die viel zu bieten hat. Sie gilt als „Britain’s most sustainable city“, legt also sehr viel Wert auf Umweltschutz, Recycling, Energieeinsparung und Lebensqualität.

Im Süden von Bristol liegt der Stadtteil Totterdown, der sich vom Ufer des River Avon aus ziemlich steil in die Hügel zieht, auf denen man im 19. Jahrhundert Häuser gebaut hat, die vorzugsweise von Eisenbahnern bewohnt wurden. Mich erinnert der Stadtteil etwas an San Francisco, das ja auch für seine steilen Straßen bekannt ist. Bei meinen Aufenthalten in der kalifornischen Stadt mußte ich beim Parken immer die Räder meines Autos schräg stellen, so dass sie gegen den Bordstein gerichtet waren; das taten alle dort, aus Sicherheitsgründen, damit die Autos sich nicht selbständig machten die Hügel hinunterrollten.

In Totterdown befindet sich dann auch die steilste Straße in ganz England innerhalb eines Wohngebiets, die Vale Street, die an ihrer steilsten Stelle ein Gefälle bzw. eine Steigung von 35% aufweist. Die terrassenförmig angebrachten Häuser flankieren die Straße, die nur 180 Meter lang ist, und auch hier muss man beim Parken seines Autos darauf achten, dass es sicher abgestellt ist. Die meisten parken schräg zum Bordstein hin, wodurch die Durchfahrbreite der Straße natürlich eingeschränkt wird. Ein Befahren der Vale Street bergaufwärts mit PS-schwachen Autos kann leicht zum Problem werden und bergabwärts ist es ratsam, über gut funktionierende Bremsen zu verfügen. Man mag es sich gar nicht vorstellen wie es hier bei Glatteis zugeht. Wahrscheinlich läuft dann in der Vale Street gar nichts mehr.
Aber nicht nur Autos, auch ältere Menschen kommen hier sehr schnell außer Atem. Kein Wunder, dass sich im Stadtteil Totterdown immer mehr die jüngere Generation niedergelassen hat.

An jedem Ostersonntag wird das Gefälle der Vale Street dazu genutzt, um hartgekochte Eier die Straße hinunterzurollen, die dabei ganz schön an Fahrt aufnehmen können und, wenn sie unten nicht aufgefangen werden, an die Häuser der Park Street klatschen, die im rechten Winkel an der Vale Street entlangführt (und auch ziemlich steil ist). Diese Häuser haben aber alle eine kleine Mauer als Vorbau, so dass sie durch die Ostereier nicht in ihren Grundfesten erschüttert werden.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck von der steilsten Straße Englands.

Die Park Street; links geht es zur Vale Street hinauf.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons

Die Park Street; links geht es zur Vale Street hinauf.
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Famous Graves – St Mary’s Church in Denham (Buckinghamshire) und Sir James Martin, der Erfinder des Schleudersitzes

St Mary's in Denham (Buckinghamshire). Eigenes Foto.

St Mary’s in Denham (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Von meinem Besuch in Denham (Buckinghamshire) berichtete ich bereits mehfach in meinem Blog. Die Gemeindekirche St Mary’s war schon einige Male in der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ zu sehen; so heiratete Cully ihren Simon in dieser Kirche in Episode 60 „Blood Wedding“ (dt. „Ganz in Rot“) und in der zuletzt im britischen Fernsehen gesendeten Episode 100 „The Killings of Copenhagen“ (dt. „Barnaby muss reisen“) sind Szenen von der Kirche und dem umliegenden Kirchhof zu sehen. Der ehemalige Produzent der Fernsehserie Brian True-May heiratete hier 1969 seine Frau Maureen. Der Schauspieler Sir John Mills, der jahrelang gleich neben der Kirche wohnte, liegt auf dem Friedhof begraben und ebenfalls Sir James Martin, der in die Geschichte der Militärluftfahrt einging als Erfinder des Schleudersitzes und der dadurch zahlreichen Jetpiloten das Leben rettete. Man spricht von über 7000!

In Loving Memory of Sir James Martin CBE Knight Bachelor Engineer and Inventor who devoted his life to Aviation“ steht auf seinem Grabstein zu lesen und eingraviert sind ein Miltärjet und ein Schleudersitz.

Sir James Martin (1893-1981) gründete zusammen mit Captain Valentine Baker in den 1930er Jahren die Firma „Martin-Baker Aircraft Company Ltd„, die ursprünglich Flugzeuge baute. James Martin dachte immer wieder darüber nach wie Piloten in einem Notfall aus einem Flugzeug gerettet werden könnten, bis er schließlich auf die Idee mit dem Schleudersitz kam, der am 24. Juli 1946 erstmals über dem Chalgrove Airfield in Oxfordshire in einer Maschine des Typs Gloster Meteor in einer Höhe von 2400 Metern getestet wurde. Dieser Flugplatz wird noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke genutzt. Der weltgrößte Hersteller von Schleudersitzen hat schon über 70 000 dieser Lebensretter gebaut und in 93 Länder exportiert. Hier ist ein historischer Film aus dem Jahr 1955 vom Chalgrove Airfield, auf dem auch Sir James zu sehen ist.

Sir James Martin gründete 1957 den exklusiven Ejection Tie Club, in den nur Piloten aufgenommen werden, die mit Hilfe eines Martin-Baker Schleudersitzes in einem Notfall aus ihren Flugzeugen katapultiert worden sind. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit über 5800.

Der Firmensitz von Martin-Baker liegt dort, wo ihr Gründer seine letzte Ruhestätte gefunden hat, in Denham, genauer gesagt am Ende der Lower Road in Higher Denham. Hier ist ein Firmenvideo.

Das Chalgrove Airfield in Oxfordshire, das noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke benutzt wird.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Chalgrove Airfield in Oxfordshire, das noch heute von der Firma Martin-Baker für Testzwecke benutzt wird.
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Village Signs – High Kelling in Norfolk

This work has been released into the public domain.

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High Kelling liegt in Norfolk an der A148, die von Cromer an der Küste nach King’s Lynn führt. Lange gibt es diesen Ort noch nicht, denn er entwickelte sich erst, nachdem man hier ein Sanatorium für Tuberkulose-Kranke errichtet hatte, das Bramblewood Sanatorium. Die Luft in dieser Region schien besonders gut und heilsam zu sein (die Nordsee ist nicht weit entfernt), denn man eröffnete noch zwei weitere Krankenhäuser, die sich auf TB-Kranke spezialisierten. Für das Personal der Kliniken wurde Wohnraum gebraucht, daher baute man Häuser und so entstand allmählich das Dorf mit dem Namen High Kelling, das erst 1987 zu einer eigenständigen Gemeinde wurde.

Im Jahr 2000 bekam High Kelling, wie es sich für ein Dorf in Norfolk gehört, ein Village Sign und ich finde, ein sehr gelungenes. Den Hinweis auf die ländliche Lage liefern das Kaninchen, das Eichhörnchen und die vielen Bäume im Hintergrund. In der Mitte ist ein kirchliches Gebäude zu sehen; das war einmal die Kapelle des Bramblewood Sanatoriums, das nach Aufgabe des Krankenhauses im Jahr 1955 von der Kirchengemeinde für £500 übernommen wurde und jetzt die All Saints Church ist. Die kleine Kirche besitzt auch eine Glocke, die man übrigens bei Ebay ersteigerte, was wohl äußerst selten vorkommt. Auf dem Pfosten des Village Signs ist der Hermesstab mit zwei ineinander verschlungenen Schlangen zu sehen.

Das schönste Haus im ganzen Ort ist sicherlich Voewood House, das Anfang des 20. Jahrhunderts im Arts & Crafts-Stil erbaut wurde und heute dem Buchhändler Simon Finch (Simon Finch Rare Books) gehört.

Wer sich das Dorfschild einmal ansehen möchte, es befindet sich an der Einmündung der Selbrigg Road in die Cromer Road.

All Saints Church in High Kelling (Norfolk).    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints Church in High Kelling (Norfolk).
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Voewood House an der Cromer Road in High Kelling. Author: Gavin.collins. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Voewood House an der Cromer Road in High Kelling.
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Published in: on 9. August 2014 at 02:00  Comments (1)  
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West Witton (North Yorkshire) und The Burning of Bartle

Entlang der Main Street von West Witton zieht sich die Prozession mit dem strohgefüllten Bartle.    © Copyright Peter Wood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Entlang der Main Street von West Witton zieht sich die Prozession mit dem strohgefüllten Bartle.
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Der St Bartholomew’s Day ist der 24. August und an dem Samstag, der diesem Tag am nächsten liegt, findet abends  in dem kleinen Ort West Witton im Wensleydale in North Yorkshire eine alte Zeremonie statt, an der ein großer Teil der Dorfbewohner teilnimmt: The Burning of Bartle. Woher diese Tradition stammt, weiß keiner so richtig, aber es liegt nahe, dass sie mit St Bartholomew zusammenhängt, denn zum einen ist Bartle ein häufig verwendeter Name für Bartholomew, zum anderen ist die Dorfkirche dem heiligen Bartholomäus gewidmet. Aber es gibt auch mehrere andere Theorien, z.B. dass Bartle ein Viehdieb war, der durch das Tal gejagt und am Grassgill End getötet wurde.

Bei der Prozession wird Bartle, eine strohgefüllte lebensgroße Figur mit beleuchteten Augen, durch den Ort getragen, die Hauptstraße entlang, wobei man an Häusern und vor allem den Pubs Station macht und dabei der „Zeremonienmeister“ immer wieder den Vers aufsagt:

On Penhill Crags he tore his rags
Hunters Thorn he blew his horn
Cappelbank Stee happened a misfortune and brak‘ his knee
Grassgill Beck he brak‘ his neck
Wadhams End he couldn’t fend
Grassgill End we’ll mak‘ his end
Shout, lads, shout!

Auf das folgende „Hip Hip“ antwortet dann die Menge „Hooray“.
Das Ende der Prozession findet am Grassgill Lane statt, wo auf Bartle der Flammentod wartet, natürlich immer wieder begleitet von „On Penhill Crags…“ Ich vermute, dass sich nach dem Ende der Zeremonie die Menge auf die Pubs von West Witton verteilt, um dort das eine oder andere Pint zu trinken. Dafür bieten sich The Wensleydale Heifer und The Fox & Hounds an der Main Street (der A684) an.

Wer sich in diesem Jahr am 23. August in der Nähe des Wensleydales aufhält, sollte sich The Burning of Bartle nicht entgehen lassen. Beginn: 21 Uhr.

Dieser Film gibt einen sehr schönen Eindruck vom Ablauf der Zeremonie.

Die im Vers erwähnten Penhill Crags.    © Copyright Karl and Ali and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 8. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Manor at Weston-on-the-Green – Ein Hotel in Oxfordshire

Foto meines Hotelprospektes.

Foto meines Hotelprospektes.

Für eine Übernachtung in Oxford kann ich das in meinem Blog schon einmal vorgestellte Randolph Hotel empfehlen, das sehr zentral gelegen ist und dem Ashmolean Museum direkt gegenüber liegt. Wer es aber lieber etwas ruhiger haben möchte, kann sich in die nähere Umgebung der Universitätsstadt zurückziehen, da gibt es einige angenehme Hotels, z.B. das Manor at Weston-on-the-Green, südwestlich von Bicester, das früher einmal Weston Manor Hotel hieß.

„Weston Manor has been the showpiece of the lovely village of Weston-on-the-Green, near Oxford, since the 11th Century“ heißt es im Hotelprospekt. Einst war das Haus der Familiensitz der Earls of Abingdon and Berkshire und gehörte eine Zeit lang Heinrich VIII. Der gab das Weston Manor weiter an John Williams, 1st Baron Williams of Thame, dessen Nachkommen hier bis zum Jahr 1918 wohnten.

Eine Besonderheit des Hotels sind seine schönen Gartenanlagen mit den kunstvoll geschnittenen Hecken und dem Hochzeitsgarten. Dass der Rasen stets makellos ist, ist für ein Country House Hotel eine Selbstverständlichkeit. Ein beheiztes Außenschwimmbecken steht den Hotelgästen zur Verfügung.

Die Mahlzeiten werden in der Baron’s Hall eingenommen, einem stimmungsvollen, eichengetäfelten Raum, in dem man die Kreationen des Chefkochs Larry Jayasekara ausprobieren kann. Seit 2013 steht der Mann aus Sri Lanka hier am Herd, nachdem er in Spitzenrestaurants gearbeitet hatte wie in Michel Roux‘ The Waterside Inn in Bray,  in Raymond Blanc’s Le Manoir aux Quat’Saisons in Great Milton in Oxfordshire und bei Marcus Wareing im Londoner Berkeley. Jayasekara ist auch für die Küche des örtlichen Pubs The Black Sheep zuständig (der frühere „Ben Jonson“), der vom Manor at Weston-on-the-Green übernommen wurde.

Die Zimmerpreise beginnen bei etwa 240 Euro und enden bei der Manor Suite für ca 540 Euro.

Das Hotel hat schon seit langem den Ruf, dass hier Geister umgehen, z.B. „Mad Maud„, eine Nonne, die vor einigen Jahrhunderten, als hier noch eine Abtei stand, einen Mönch verführt haben soll. Die verführerische Dame endete auf dem Scheiterhaufen, der Mönch kam mit einer Ermahnung davon (das nennt man Gerechtigkeit!). Hotelgäste sollen mehrfach davon berichtet haben, Mad Maud in einem der Zimmer gesehen zu haben. Des weiteren wird die Geschichte von dem Geist eines Hausmädchens erzählt, das nach dem Sturz vom Dach des Hauses gestorben ist und von einer geisterhaften Kutsche, die auf der Rückseite des Hotels gesichtet worden sein soll.

Wen diese Spukgeschichten nicht stören, der wird sich im Manor at Weston-on-the-Green sicher sehr wohlfühlen.

Hier sind einige Bilder vom Hotel zu sehen.

The Manor at Weston-on-the-Green
Weston-on-the-Green
Oxfordshire
OX25 3QL
Tel. 01869 350621

 

Die Auffahrt zum Hotel.    © Copyright Shaun Ferguson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Auffahrt zum Hotel.
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Die Irrfahrten des William Bush zu Land, zu Wasser und in der Luft im Jahr 1607

Der Kirchturm von St Michael's in Lambourn (Berkshire). Hier begann William Bushs Luftreise.    © Copyright nick macneill and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Kirchturm von St Michael’s in Lambourn (Berkshire). Hier begann William Bushs Luftreise.
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William Bush war ein kreativer Kopf mit handwerklichen Fähigkeiten, der im Jahr 1607 in Lambourn (Berkshire) ein Vehikel baute wie man es bis dahin noch nie gesehen hatte. Es war ein schiffsähnliches Gebilde mit dem Mr. Bush zu Land, zu Wasser und in der Luft von Lambourn nach London reisen wollte. „The tricky bit“ war sicher die Sache mit der Luft und da hatte er sich etwas Besonderes ausgedacht. Bush transportierte erst einmal sein „Schiff“ zur Kirche von Lambourn und hievte es mit einer Art Flaschenzug zum Kirchturm hinauf. Dort wurde es mit Seilen befestigt, die zu zwei Bäumen im Kirchhof hinunterführten, wo die gegenüberliegende Befestigung vorgenommen wurde. Dann glitt das über und über mit Fahnen und Wappen geschmückte Gefährt langsam vom Turm zum Boden hinunter, ohne William Bush an Bord, was die zahlreichen Zuschauer maßlos ärgerte und die daraufhin von ihm forderten, die ganze Prozedur zu wiederholen, aber dieses Mal mit ihm an Bord. Nun, was blieb Bush anderes übrig, als dem „Wunsch“ der Massen Folge zu leisten und das Luftfahrtunternehmen noch einmal von vorn zu beginnen. Dabei wäre es beinahe noch zu einer Katastrophe gekommen, denn bei der Aktion brachen zwei Fialen, also Turmspitzen, ab, die hinunterstürzten, aber wie durch ein Wunder niemanden verletzten.

Nachem William Bush den „Luftteil“ seiner Reise erfolgreich abgeschlossen hatte, baute er Räder unter sein Schiff und die „Landpartie“ begann, die sich als recht ereignisarm herausstellte. Das Ziel der zweiten Etappe war Streatley an der Themse, von wo aus es zu Wasser nach London gehen sollte. Aber da bekam Bush erneut Probleme und zwar mit den Themseschiffern, die weder Bush noch sein Vehikel leiden konnten und ihm ernsthaft an den Kragen wollten. Der Luft-Land-Wasser-Abenteurer musste fliehen und sein Schiff zurücklassen, das die bösartigen Themseschiffer ziemlich auseinandernahmen. Der arme William Bush benötigte einen Monat, um sein Gefährt wieder zu reparieren, dann aber trat er den letzten Teil seiner mit Hindernissen gespickten Reise an und traf wohlbehalten und von bösen Mensch nicht länger belästigt in London am Custom House an. Dort wurde er freundlich von den anwesenden Beamten in Empfang genommen, die ihm gern ein Zertifikat über die beendete Reise ausstellten und ihn dann zu einem üppigen Essen einluden.
William Bush hatte es tatsächlich geschafft, die Strecke von Lambourn bis zur City of London zu Luft, Land und Wasser zurückzulegen.

Nachlesen kann man die Geschichte in Cecilia Millsons Buch „Tales of Old Berkshire“, dessen Umschlag William Bushs Amphibien-Luftfahrzeug zeigt.

Hier in Streatley (Berkshire) bekam William Bush Ärger mit Themseschiffern.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in Streatley (Berkshire) bekam William Bush Ärger mit Themseschiffern.
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Hier am Custom House in der City of London endete William Bushs Reise. Es ist allerdings nicht mehr das gleiche wie im Jahr 1607.    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Custom House in der City of London endete William Bushs Reise. Es ist allerdings nicht mehr das gleiche wie im Jahr 1607.
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Published in: on 6. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Memories of Bolton Percy (North Yorkshire)

Unser Riverside Cottage auf dem Bolton Grange Estate Eigenes Foto.

Unser Riverside Cottage auf dem Bolton Grange Estate
Eigenes Foto.

Bolton Percy in North Yorkshire ist ein Dorf mit einigen wenigen hundert Einwohnern, durch das man nicht zufällig kommt, da es weitab der nächsten Durchgangsstraßen liegt, und daher geht es hier sehr ruhig zu. Ich habe einmal drei Wochen in Bolton Percy gewohnt und zwar im Riverside Cottage auf dem Bolton Grange Estate, das man über die Oak Avenue erreicht. Das Wort „Avenue“ ist etwas übertrieben, denn es handelt sich hierbei um eine recht schmale Straße, die aus dem Ort in östlicher Richtung  über eine Bahnlinie hinausführt. Das Riverside Cottage lag zwischen landwirtschaftlich genutzten Feldern und man hatte von dort einen Blick auf den River Wharfe, der durch die Landschaft mäandriert.

Mein erster Eindruck von Bolton Percy, das man über eine Straße von der Bierstadt Tadcaster aus erreicht, war sehr positiv und typisch englisch, denn an dem Tag wurde gerade ein Cricketspiel ausgetragen, an dem der BPCC beteiligt war, der Bolton Percy Cricket Club, der sein Spielfeld gleich neben der All Saints Church hat. Die Kirche trägt den stolzen inoffiziellen Titel „The Cathedral of Ainsty“ (Ainsty war einmal der Name eines Distrikts von Yorkshire, der sich in der Nähe der Stadt York ausbreitete) und wurde im 15. Jahrhundert erbaut.

Wie es sich für ein richtiges englisches Dorf gehört, steht der örtliche Gasthof gleich daneben; The Crown Inn liegt sozusagen im Schatten der Kathedrale von Bolton Percy. Er gehört zur Samuel Smith Brewery, die nur ein paar Kilometer entfernt in Tadcaster liegt und Yorkshires älteste Brauerei ist (sie wurde 1758 gegründet). Ein wirklich idyllisch gelegener Pub!
Eine weitere „Attraktion“ im Ort ist D’Oyly’s Tearoom, deren Inhaber auch Bed & Breakfast anbieten. Wer gern in einem historischen Gebäude wohnen möchte, kann das im Bolton Percy Gatehouse tun, das gleich neben The Crown liegt, und aus dem 14. Jahrhundert stammt.

Besonders gern mochte ich den Nachbarort Appleton Roebuck mit seinen hübschen Häusern und seinem sehr empfehlenswerten Pub The Shoulder of Mutton, in dem wir mindestens ein halbes Dutzend Mal zu Abend aßen. Den Ort habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt habe.

Wer es nicht weit nach York und Leeds haben möchte (die A64 verbindet beide Städte), auf Ruhe Wert legt und in einem typisch  englischen Dorf wohnen möchte, der ist in Bolton Percy sehr gut aufgehoben. Das Riverside Cottage, in dem ich wohnte, steht nicht mehr zur Vermietung.

Die Oak Avenue, die zu unserem Cottage führte.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Oak Avenue, die zu unserem Cottage führte.
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Die All Saints Church. Eigenes Foto.

Die All Saints Church.
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The Crown Inn.    © Copyright Ian S and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Gatehouse, das man beim Vivat Trust mieten kann.    © Copyright Ian S and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Gatehouse, das man beim Vivat Trust mieten kann.
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D'Oyly's Tearoom.    © Copyright DS Pugh and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

D’Oyly’s Tearoom.
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Lady Godiva – Die nackte Dame auf dem Pferd in Kunst und Musik

Lady Godivas Statue auf dem Broadgate in Coventry.    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lady Godivas Statue auf dem Broadgate in Coventry.
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Der Name Lady Godiva ist sicher allgemein bekannt. Zur Erinnerung füge ich noch einmal die Kurzbeschreibung in der Wikipedia ein:

„Godiva ist Gegenstand einer Legende, die seit dem 13. Jahrhundert belegt ist: Das Volk litt unter der Steuerlast, für die ihr Ehemann verantwortlich war. Lady Godiva ertrug es nicht, die Menschen leiden zu sehen. Sie bemühte sich, ihren Mann dazu zu überreden, die Steuerlast zu senken. Er erwiderte, er würde die Steuern erst senken, wenn sie nackt durch die Stadt reitet. Denn Leofric rechnete nicht damit, dass seine Frau tatsächlich den Mut aufbringen würde, ohne Bekleidung durch die Stadt zu reiten, damit es dem Volk besser geht. Leofric, vom Mut seiner Frau beeindruckt, habe daraufhin alle Steuern erlassen, außer jene auf Pferde“.

Der berühmte Ritt soll im 11. Jahrhundert in Coventry stattgefunden haben, wo man ab dem 17. Jahrhundert zur Erinnerung Godiva-Prozessionen durchführte. Eng verbunden mit Lady Godiva ist die Geschichte vom Peeping Tom, der trotz der Anordnung, dass alle Bürger während des Rittes zu Hause bleiben und nicht aus dem Fenster sehen sollten, einen Blick auf die nackte Dame warf und daraufhin prompt erblindete. Aber wie das bei Legenden so ist, es gibt davon mehrere unterschiedliche Versionen.

Coventry fühlt sich Lady Godiva immer noch eng verbunden. 1949 stellte man ihr zu Ehren eine Statue auf dem Broadgate auf, die von dem schottischen Bildhauer William Reid-Dick gestaltet wurde. Ebenfalls auf dem Broadgate kann man die Lady Godiva Clock sehen. Zur vollen Stunde öffnet sich an einem Gebäude eine Tür und die nackte Schöne samt Pferd erscheint; gleichzeitig öffnet sich ein anderes Türchen darüber und Peeping Tom wirft von dort aus lüsterne Blicke auf Lady Godiva.

Eine weitere Statue der Dame (ohne Pferd) findet man in Coventry in der St Mary’s Guildhall, die wiederum ein Schotte geschaffen hat, William Calder Marshall, etwa um 1850 herum.
Jedes Jahr wird in Coventry im War Memorial Park das Godiva Festival durchgeführt, ein dreitägiges Musikfestival, zuletzt in diesem Jahr vom 4. bis zum 6. Juli.

Der spektakuläre Ritt im 11 Jahrhundert findet sich auch in der Musik wieder. So gibt es einige Songs, die direkt oder indirekt mit Lady Godiva zu tun haben. Mein Favorit: Simply Red mit seinem „Lady Godiva’s Room„, zu dem es ein sehr schönes Musikvideo gibt (inklusive Peeping Tom), hier zu sehen.

1966 hatte das Popduo Peter and Gordon einen Hit mit dem Titel „Lady Godiva“ (hier zu hören). Der Bürgermeister von Coventry soll an dem Lied Anstoß genommen und das Abspielen in seiner Stadt unterdrückt haben. Vielleicht hatte er Probleme mit den (harmlosen) Zeilen:
„Her long blonde hair
Hangin‘ down around her knees
All the cats who dig striptease
Prayin‘ for a little breeze“

Den gleichen Song nahm 2012 Alex Day auf und modernisierte ihn etwas. Hier ist das dazugehörende Musikvideo.
1987 veröffentlichte Cristina Hansen einen Discosong, der ebenfalls „Lady Godiva“ hieß.

Im Jahr 2010 verkörperte eine junge Dame mit langem blonden Haar in Stanton-by-Dale in Derbyshire noch einmal die Lady Godiva, in ähnlicher Mission wie damals im 11. Jahrhundert. Sie und die Bürger des Ortes protestierten auf diese Weise gegen ein Großprojekt, bei dem 4000 neue Häuser auf einer ehemaligen industriell genutzten Fläche gebaut werden sollten. Hier ist ein Film darüber.

...und noch einmal Lady Godiva in der St Mary's Guildhall in Coventry.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und noch einmal Lady Godiva in der St Mary’s Guildhall in Coventry.
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Die Godiva Clock inklisive Peeping Tom am Broadate in Coventry.    © Copyright David Stowell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Godiva Clock inklusive Peeping Tom auf dem Broadgate in Coventry.
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Boy Bishops – Eine wieder aufgelebte Tradition, die Heinrich VIII einst verbot

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Nikolaus von Myra, der heilige Nikolaus, dessen Gedenktag der 6. Dezember ist, wurde schon als junger Mann zum Bischof geweiht. Daraus entwickelte sich in mehreren Ländern, so auch in England, die Tradition der Nicholas Bishops oder Boy Bishops. Vom Nikolaustag, also dem 6. Dezember bis zum Holy Innocents Day, dem 28. Dezember, wurde im Mittelalter aus den Reihen der Chorknaben einer Kirchengemeinde ein Junge auserkoren, der in diesem Zeitraum die Aufgaben eines „richtigen“ Bischofs übernahm. Der Boy Bishop trug eine Robe und machte mit den anderen Chorknaben, die als Priester gewandet waren, eine Runde durch die Stadt, segnete die Menschen und verteilte Süßigkeiten und kleine Geschenke. Am letzten Tag seiner Amtszeit durfte der Boy Bishop dann, sozusagen als Höhepunkt, eine Predigt halten. Für den Chorknaben war diese Zeit natürlich etwas ganz Besonderes, und er war sicher sehr stolz darauf, einmal die Rolle des Bischofs zu spielen.

Manchmal geriet diese Tradition aber auch außer Kontrolle; die Knaben, mitsamt ihrem Bischof, schlugen über die Stränge, so dass das eigentlich vorgesehene würdevolle Verhalten des Kirchennachwuchses in Zügellosigkeit und rüpelhaftes Benehmen umschlug. Heinrich VIII hatte irgendwann einmal die Nase voll und verbot den ganzen Spuk.

Heute ist diese alte Tradition in einigen Kirchengemeinden in England wieder belebt worden, so z.B. in den Kathedralen von Salisbury und Hereford, wo die Boy Bishops ihre Predigten selbst schreiben dürfen, und in der Westminster Cathedral und der Kathedrale von Newcastle.

Boy Bishops gibt es auch in kleineren Kirchengemeinden Englands, vor allem in denen, die dem heiligen Nikolaus gewidmet sind wie z.B. in St Nicholas in Alcester (Warwickshire), St Nicholas in North Walsham (Norfolk) oder in St Nicholas in Tuxford (Nottinghamshire). In letzterer Gemeinde, als auch in St John the Evangelist in Forton (Hampshire), gab es auch einmal Girl Bishops. In St John’s war es ein neunjähriges Schulmädchen.

In zwei Kirchen kann man auch Gräber von Boy Bishops finden: In der Kathedrale von Salisbury und in St Peter and St Paul in West Wittering (West Sussex).

Hier ist ein alter Film der British Paté über die Inthronisierung eines Boy Bishops.

St John the Evangelist in Forton (Hampshire) - Hier gab es auch einmal einen Girl Bishop.    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St John the Evangelist in Forton (Hampshire) – Hier gab es auch einmal einen Girl Bishop.
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Published in: on 3. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Freston Tower bei Ipswich in Suffolk – Englands ältester Folly, mietbar über den Landmark Trust

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Den Landmark Trust habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt. Über den Trust hat man die Möglickeit, in historischen oder anderweitig interessanten Gebäuden zu wohnen. In der Regel kauft der Trust vernachlässigte, nicht mehr gebrauchte alte Gebäude auf, renoviert sie von Grund auf und vermietet sie an Urlauber.

Der Freston Tower bei Ipswich in Suffolk ist eines jener Landmark Trust-Objekte, das 1999 in seinen Besitz kam. Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Turm gebaut, warum und wofür ist nie so ganz klar geworden. Möglicherweise sollte er als Ausguck dienen, um herannahende Piratenschiffe frühzeitig zu sichten, vielleicht war er auch nur ein Folly; wenn, dann ist er der älteste Folly im ganzen Land.

Es existiert  eine schöne Geschichte über den Turm, die 1850 in dem Roman „Freston Tower“ erschien, geschrieben von Reverend Richard Cobbold:

Lord Freston, einstiger Besitzer des sechsstöckigen Turmes, hatte eine bildhübsche Tochter namens Ellen. Für sie baute er den Freston Tower als Schule um und zwar so, dass jedes Stockwerk für einen bestimmten Unterrichtsstoff diente. Montags begann die Unterrichtswoche im Erdgeschoss mit dem Thema Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Dienstags stand im ersten Stock Weben auf dem Plan.Der Mittwoch war im zweiten Stock ganz der Musik gewidmet. Donnerstags durfte Ellen im dritten Stock Malen. Klassische und englische Literatur  wurde am Freitag im vierten Stock gelehrt und schließlich musste sich die junge Dame am Samstag im fünften Stock mit Astronomie auseinandersetzen; die dazu erforderlichen Geräte standen ganz oben auf dem Turm. Eine wirklich schöne Geschichte.

Wer heute im Freston Tower wohnen möchte, der kann sich an den Landmark Trust wenden. In jedem Stockwerk gibt es ein Zimmer; geeignet ist der Turm für maximal vier Personen (die möglichst nicht gehbehindert sein sollten, denn einen Fahrstuhl gibt es nicht, dafür aber eine steile Wendeltreppe). Ganz oben auf dem Turm gibt es dann eine grandiose Aussicht auf den River Orwell (nach dem sich der Schriftsteller Eric Blair in George Orwell umbenannte) und die Landschaft von Suffolk.  Vier Übernachtungen kosten z.B. im Oktober £677.

Dieser Film zeigt den Freston Tower und seine nähere Umgebung.

Ganz oben auf dem Freston Tower.    © Copyright Bob Jones and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ganz oben auf dem Freston Tower.
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Published in: on 2. August 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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