Drei Dinge, die mich in England am meisten nerven

Ich bin gerade wieder von einer Reise durch England zurückgekommen und wieder hat mich das Land zum x-ten Mal begeistert. Aber bei aller Liebe gibt es auch einige Dinge, die mir nicht gefallen, ja, die mich besonders nerven. Hier sind meine persönlichen Top 3:

Top 1: Zugewachsene Straßenschilder

In ganz England scheint es niemanden zu geben, der dafür zuständig ist, zugewachsene Straßenschilder freizuschneiden. Auch dieses Mal habe ich es unzählige Male wieder erlebt, dass Hinweisschilder, z.B. vor einem Kreisverkehr, so von Bäumen und ihrem Laubwerk verdeckt waren, dass ich die Ausfahrten nicht erkennen konnte und prompt die falsche genommen habe. Also: umdrehen und wieder zurückfahren, was in England oft gar nicht so leicht ist, es sei denn der nächste Kreisverkehr ist nicht weit. Häufig sind die Straßen dafür zu schmal oder es kommt kein Weg, in den man zum Umdrehen einbiegen kann, und wenn man einen Weg gefunden hat, kommt unter Garantie ein Auto hinter einem her, das unbedingt auch dort einbiegen will und das Wenden erschwert. Hätte man einen freien Blick auf die Hinweisschilder wäre das alles gar nicht nötig.  Im Winter, wenn das Laub von den Bäumen gefallen ist, dürfte sich das Problem bis zum nächsten Frühjahr erledigt haben.

Ein noch sehr moderates Beispiel für ein zugewachsenes Straßenschild. Eigenes Foto.

Ein noch sehr moderates Beispiel für ein zugewachsenes Straßenschild.
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Top 2: Die unzähligen Gullydeckel auf den Straßen

Der Zustand der A- und B-Roads ist überwiegend sehr schlecht. Der Staat hat offensichtlich kein Geld, Straßen neu zu asphaltieren bzw. gibt es lieber für andere Dinge aus. So muss der Autofahrer in England über notdürftig geflickte Straßen fahren, die meist auch noch eine sehr raue Oberfläche haben. Die Seitenkanten sind oft ausgerissen und scharf, was den Reifen nicht gerade gut tut. Am nervigsten empfinde ich aber imer wieder die Gullydeckel, die auf Britanniens Straßen millionenfach zu finden sind. Sie sind nicht schön plan in den Asphalt eingelassen, sondern stehen etwas hoch oder sind mittlerweile durch den Verkehr in den Fahrbahnboden eingesunken. Die Folge: Wenn man nicht permanent Slalom fahren will, ist das Fahren auf den A- und B-Straßen ein einziges Gerumpele. Die Hersteller von Stoßdämpfern müssen sich in England eine goldene Nase verdienen.

Des Autofahreres Freud: Gullydeckel zuhauf. Hier ein Beispiel aus Westerham in Kent. Eigenes Foto.

Des Autofahrers Freud: Gullydeckel zuhauf. Hier ein Beispiel aus Westerham in Kent.
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Top 3: Die Wasserhähne in den Hotelbadezimmern

Selbst in 4*- und 5*-Hotels sind sie noch weit verbreitet, die getrennten Wasserhähne für Warm- und Kaltwasser in den Waschbecken der Badezimmer. Die Errungenschaft der Mischbatterien ist noch nicht so richtig auf der Insel angekommen. Da ich gern in alten Country House Hotels übernachte, findet man es dort vielleicht nostalgisch, diese Badezimmerarmaturen nach wie vor einzubauen. Aus dem einen Wasserhahn kommt immer kochend heißes Wasser, der andere bietet kaltes Wasser, beides muss man dann auf geschickte Weise irgendwie miteinander verbinden. Überhaupt sind Sanitärinstallationen nicht das, wofür die Engländer berühmt geworden sind. Wie oft habe ich schlecht funktionierende Toilettenspülungen erlebt. Gerade letzte Woche erst habe ich mir in einem 4*/5*-Hotel ein anderes Zimmer geben lassen, weil die Spülung nur hin und wieder (vielleicht nach jedem 10. Versuch) korrekt arbeitete. Da ist im britischen Hotelwesen noch einiges verbesserungswürdig.

Auch in unserer Suite im Langshott Manor Hotel in Horley (Surrey) blieben wir nicht vor diesen alten Wasserhähnen verschont. Eigenes Foto.

Auch in unserer Suite im Langshott Manor Hotel in Horley (Surrey) blieben wir nicht vor diesen Wasserhähnen verschont.
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Published in: on 30. September 2014 at 02:00  Comments (10)  

Die Lorry Watch auf der Bradford-on-Avon Bridge in Wiltshire

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Als ich über die Avon-Brücke in Bradford-on-Avon (Wiltshire) fuhr, herrschte darauf ziemlich starker Verkehr; manchmal stauen sich die Autos durch den direkt dahinterliegenden Kreisverkehr auf, auf jeden Fall muss die uralte steinerne Brücke so einiges aushalten. Teile der Town Bridge stammen noch aus dem 13. Jahrhundert; das kleine Häuschen auf der Brücke war einmal eine dem St Nicholas geweihte Mini-Kapelle, die man dann später als temporäres Gefängnis verwendete, in dem die örtlichen Trunkenbolde und Chaoten kurzfristig eingelocht wurden. Heute steckt man diese Leute lieber gleich in ein richtiges Gefängnis, so dass das kleine Steingebäude vor sich hin vegetiert.

Die Brücke ist relativ schmal und nur für Fahrzeuge bis 18 Tonnen zugelassen; da sie aber weit und breit die einzige Überquerung des River Avon darstellt (sie ist Teil der A363) fahren doch immer wieder LKWs mit einem höheren Gewicht über die alte ächzende Steinbrücke, was natürlich zu verheerenden Folgen führen kann. Trucker, die das Schild mit der Gewichtsbegrenzung erst im letzten Augenblick sehen, versuchen, in dem Mini-Kreisverkehr umzudrehen, was bei den langen Lastzügen alles andere als einfach ist und so mancher hat sich da schon festgefahren. Andere Trucker fahren einfach weiter und beachten das Verbotsschild nicht, was die Bürger von Bradford-on-Avon auf den Plan gerufen hat. Sie haben eine sogenannte „Lorry Watch“ ins Leben gerufen, das heißt, von 7 Uhr bis 18 Uhr wird die Brücke von „spottern“ überwacht, die die Autonummern der LKWs aufschreiben, die das Verbotsschild missachten. Diese werden weitergeleitet an den Wiltshire Council, der die Speditionen anschreibt und sie darauf hinweist, dass bei einem zweiten Vergehen Strafgelder bis zu £1000 fällig werden. Schwieriger wird es da bei ausländischen Lastzügen, deren Eigentümer zwar auch angeschrieben werden, was aber die Geldeintreibung angeht, gäbe es da schon Probleme, aber bis jetzt ist noch kein ausländischer Fahrer ein zweites Mal ertappt worden.

In englischen Truckerkreisen hat sich die Lorry Watch natürlich schon herumgesprochen; wer aber meint, die Brücke außerhalb der normalen Überwachungszeiten problemlos passieren zu können, hat sich möglicherweise geirrt, denn einige der „Hardcore spotter“ scheuen auch nicht davor zurück, sich nachts auf die Lauer zu legen. 30 Freiwillige schieben ein oder zwei Stunden pro Tag ihren Dienst auf der Brücke und haben bereits über 1000 Laster gemeldet (ja, die Brücke steht immer noch!). Relativ wenige Fahrer sind zweimal aufgefallen, aber trotzdem sind bis jetzt schon 68 Verfahren durchgeführt und die LKW-Eigentümer zu Geldstrafen verurteilt worden. Lorry Watch listet diese Firmen und die Höhe der Strafe im Internet auf und da kommen manchmal ganz schön hohe Summen zusammen. Sogar Fahrer von Englands „Vorzeige-Spedition“ Eddie Stobart hat man schon beim Überqueren der Town Bridge von Bradford-on-Avon erwischt.

Hier ist ein kleiner Film über den Verkehr auf der Town Bridge.

Möge die alte Brücke dem Verkehr noch lange standhalten.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Möge die alte Brücke dem Verkehr noch lange standhalten.
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Das ehemalige Mini-Gefängnis auf der Brücke.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das ehemalige Mini-Gefängnis auf der Brücke.
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Published in: on 29. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wramplingham in Norfolk – Sein Village Sign und ein berühmter amerikanischer Schriftsteller

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Im Allgemeinen findet man Village Signs am Dorfanger oder am Dorfein- bzw. ausgang. In Wramplingham in der Grafschaft Norfolk ist das anders, da steht das Schild in einem Teich, der einmal zu einer Mühle gehörte, die aber 1945 abgerissen wurde. Das hübsche Dorfschild, das dort in dem Gewässer relativ sicher vor Chaoten und Zerstörern ist, wird von der alten Wassermühle mit ihrem großen Mühlrad geprägt, daneben ist ein stilisierter Baum zu sehen und das ganze Bild wird von einem kunstgeschmiedeten Rahmen umgeben. Im Gegensatz zu vielen anderen Village Signs sucht man hier die Dorfkirche St Peter & St Paul vergeblich. Der Teich mit seinem Dorfschild liegt an der Hauptstraße von Wramplingham, die man (recht fantasielos) The Street genannt hat.

Von The Street geht die Wymondham Road ab, an der St Peter & St Paul liegt, eine hübsche Kirche mit einem runden Turm. Daneben ist eine Zufahrt zur Old Rectory, ein von Bäumen und Büschen gesäumtes Haus, in dem einer der berühmtesten und meiner Ansicht nach besten Reiseschriftsteller wohnt, der Amerikaner Bill Bryson. Hier im ländlichen Norfolk hat er sich niedergelassen und sein altes Haus gab ihm die Inspiration, sein Buch „At Home: A Short History of Private Life“ (dt. „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“) zu schreiben. Bei einem Ausflug auf den Boden seines Hauses findet er eine geheimnisvolle Tür, die auf das Dach führt, von wo aus er einen grandiosen Blick auf die flache Landschaft der Grafschaft hat. Bill Bryson kommt ins Grübeln und bei einem Rundgang durch das frühere Pfarrhaus entwickelt sich die Idee, sich einmal mit den ganz gewöhnlichen Dingen des täglichen Lebens auseinanderzusetzen. Was hat es mit dem Dachboden und dem Treppenhaus auf sich, dem Wohnzimmer und dem Schlafzimmer, der Speisekammer und dem Keller? Er geht den Dingen auf den Grund und es entstand ein 640 Seiten starkes Buch, das, wie bei ihm eine Selbstverständlichkeit, locker und humorvoll geschrieben ist und nie langweilig wird.

Bill Bryson ist zwar US-Amerikaner, aber er hat sich um seine Wahlheimat verdient gemacht, so erhielt er den Orden „Order of the British Empire„, wurde 2013 Fellow of the Royal Society, und die Bibliothek der Universität von Durham, deren Kanzler er von 2005 bis 2011 war, wurde in Bill Bryson Library umbenannt.
Es bleibt zu hoffen, dass der 62jährige Amerikaner in der Ruhe und Abgeschiedenheit der Old Rectory in Wramplingham (die nur hin und wieder von den Glocken der St Peter & St Paul-Kirche unterbrochen wird) noch viel Zeit und Muße finden wird, um noch viele weitere Bücher schreiben zu können. Ich habe sie fast alle mit großer Begeisterung gelesen!

Wramplingham liegt westlich von Norwich und ein paar Kilometer nördlich von Wymondham.

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St Peter and St Paul an der Wymondham Road.    © Copyright Adrian Cable and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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An dieser Straße steht Bill Brysons Old Rectory.    © Copyright Adrian Cable and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 28. September 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Mein Buchtipp – Elizabeth Ashcombe: Behind Castle Walls

Foto meines Exemplares,

Foto meines Exemplares,

Über das Sudeley Castle bei Winchcombe in Gloucestershire und auch über das berühmte Grab der Katherine Parr in der St Mary’s Church gegenüber vom Schloss habe ich schon berichtet. Heute möchte ich ein Buch vorstellen, das Elizabeth Ashcombe, die gegenwärtige Hausherrin  bereits 2009 geschrieben hat, und das „Behind Castle Walls: At Sudeley Past and Present“ heißt. Es handelt sich dabei um die Zusammenfassung der Artikelserie „Castle Connections„, die Lady Ashcombe in den Jahren 2007 bis 2009 für die Monatszeitschrift Cotswold Life“ verfasste. Darin geht es vorrangig um das tägliche Leben hinter den Mauern einer alten Burg, mit all seinen Problemen, aber auch mit all seinen schönen Seiten.

Die gebürtige Amerikanerin heiratete den Schlossherren Mark Dent-Brocklehurst, der 1972 einem Herzanfall erlag. 1979 ging sie die Ehe mit Henry Edward Cubitt, 4th Baron Ashcombe ein, der Ende 2013 starb . Heute managt Lady Ashcombe das Anwesen, zusammen mit ihren Kindern aus der ersten Ehe Molly und Henry Dent-Brocklehurst.

In ihrem Buch geht sie u.a. auf die Spukgeschichten ein, die sich um Sudeley Castle ranken, erinnert sich an Weihnachtsfeiern im Schloss, berichtet im Kapitel „Upstairs Downstairs“ über die Dienerschaft, erzählt von der einstigen resoluten Schlossherrin Emma Dent und von den Filmaufnahmen, die hier stattgefunden haben.

Lady Ashcombe und ihre Kinder haben das Schloss weit für die Allgemeinheit geöffnet; es kann besichtigt werden, es kann hier geheiratet werden (Elizabeth Hurley tat das zum Beíspiel) und es finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt; demnächst u.a. ein Treffen von Aston Martin Besitzern und eine Hochzeitsmesse.

Wer sich für einen Blick hinter die Kulissen einer schönen alten Burg in England interessiert, dem kann ich dieses Buch ans Herz legen.

Elizabeth Ashcombe: Behind Castle Walls – At Sudeley Past and Present. Amberley 2009. 128 Seiten. ISBn 978-1-84868-801-8

Published in: on 27. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Toad in the Hole Teil 2: Ein typisch englisches Gericht mit Bratwürsten (aber ohne Kröten)

Released into the public domain by Robert Gibert.

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In der englischen Küche gibt es einige Gerichte mit witzigen Namen, von denen ich in meinem Blog schon ein paar vorgestellt habe wie Spotted Dick, Bangers and Mash, Bubble and Squeak. Heute ist die Toad in the Hole dran, die „Kröte im Loch“. Seit über 200 Jahren soll es dieses typische englische Essen bereits geben, wobei man nicht so ganz sicher ist, woher der Name kommt. Meistens hört man die Version, dass die Würstchen, wenn sie aus dem Teig hervorlugen, einer Kröte ähneln, die aus einem Loch hervorschaut (nun, mit sehr viel Fantasie mag das zutreffen).

In früheren Zeiten verwendete man für die Toad in the Hole auch häufig Fleischreste, die übrig geblieben waren, oder billiges Fleisch, so dass  das Gericht vor allem bei den ärmeren Bevölkerungsschichten auf dem Speiseplan stand. Aber nach und nach setzten sich die Würstchen als Hauptbestandteil des Essens durch.
Der Teig, in dem die Würstchen angerichtet werden, ähnelt dem, aus dem man den Yorkshirepudding herstellt.

Dass Toad in the Hole keineswegs zu den minderwertigen englischen Gerichten gehört, zeigt die Tatsache, dass sich auch einige Spitzenköche daran versucht haben wie z.B. der ehemalige Großmeister der kulinarischen Szene Großbritanniens Marco Pierre White (hier zu sehen) und Delia Smith (hier ist ihre Version).

Der Music Hall Sänger Ernie Mayne (1871-1937) nahm einmal einen Song auf, der den Titel „There’s no Toad in the Toad in the Hole“ auf, in dem er sich darüber beklagt, dass er in seinem Essen keine „Toad“, sprich kein Fleisch findet. Im Refrain heißt es: „I’ve searched the toad-in-the-‚ole but all I can find is the ‚ole“. Da hat wohl jemand das Rezept nicht genau beachtet.

Und so sieht unsere hausgemachte Toad in the Hole aus. Eigenes Foto.

Und so sieht unsere hausgemachte Toad in the Hole aus.
Eigenes Foto.

Published in: on 26. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Toad in the Hole Teil 1: Ein Pubspiel aus East Sussex

Hier im Lewes Arms kann man Toad in the Hole spielen. This work is released into the public domain.

Hier im Lewes Arms kann man Toad in the Hole spielen.
This work is released into the public domain.

Die Stadt Lewes in East Sussex ist der absolute Hotspot für das Pubspiel Toad in the Hole und da finden sogar einmal im Jahr die internationalen Meisterschaften statt, die der Lewes Lions Club organisiert. Am 16. April diesen Jahres wurde dieser Wettbewerb zum 19. Mal in der Town Hall ausgetragen und die Gewinner der begehrten Trophäe waren die Leeky Boys, die Toad in the Hole-Spezialisten von den Barcombe Nurseries, das ist eine Firma, die in Barcombe, nördlich von Lewes, organisches Gemüse anbaut und offensichtlich treffsicheres Personal beschäftigt.

Worum geht es nun bei diesem Spiel mit dem merkwürdigen Namen „Kröte im Loch“? Die Kröten (toads) sind Münzen, die man in ein Loch (hole) befördern muss und dieses Loch befindet sich auf einem kleinen Tischchen. Aus einer Entfernung von acht Fuß (2,44 m) wirft man die meist aus Messing bestehenden Münzen auf den kleinen Tisch, in der Hoffnung, das Loch zu treffen. Wenn das gelingt, erhält der Werfer zwei Punkte, bleibt die Münze auf dem Tisch liegen, zählt das als ein Punkt, fällt sie herunter, gibt das keinen Punkt. Da man in jeder Runde vier Münzen werfen kann, ist die Maximalpunktzahl also acht. „Simples!“ würde das Erdmännchen Aleksandr Orlov sagen.

In East Sussex gibt es auch eine richtige Toad in the Hole-Liga, in der Mannschaften gegeneinander antreten, die meistens „pub-basiert“ sind. Das Team des Laughing Fish Pubs in Isfield bei Uckfield war in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Der Chalk Pit Inn in der Offham Road in Lewes hat ein eigenes Team, ebenso wie The Gardener’s Arms in Cliffe, einem Stadtteil von Lewes.

Spielen kann man Toad in the Hole u.a. im Lewes Arms (wo auch Dwyle Flunking gespielt wird), mitten in der Stadt am Mount Place, und in The Brewer’s Arms in der High Street.

Dieser Film veranschaulicht sehr schön dieses Pubspiel, präsentiert von Richard Vobes, der sich in seiner Fernsehserie „The Bald Explorer“ („exploring Britain’s great heritage, traditions and legends“) mit den Traditionen seines Landes beschäftigt.

Die Lewes Town Hall, Austragungsort der     © Copyright Roger  Kidd and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Lewes Town Hall, Austragungsort der internationalen Toad in the Hole-Meisterschaften.
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Von Geistern heimgesuchte Straßen in Großbritannien, die man nachts tunlichst meiden sollte.

Britain's most haunted road: M6.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Britain’s most haunted road: M6.
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Vor einigen Jahren hat die englische Baufirma Tarmac einmal eine Untersuchung angestellt, welche der britischen Straßen die unheimlichsten sind und die von Geistern heimgesucht werden. Worauf würde man tippen? Auf abgelegene Straßen in den Yorkshire Moors oder vielleicht im Dartmoor? Ja, das ist nicht ganz falsch, aber Platz 1 der Untersuchung nimmt erstaunlicherweise eine der befahrendsten Autobahnen des Landes ein, die M6. Die Straße führt von Rugby in Warwickshire bis kurz vor die schottische Grenze und ist damit die längste Autobahn in Großbritannien. Und auf dieser sechsspurigen Strecke soll es spuken? Ja, das behaupten zahlreiche Autofahrer, die auf der M6 schon alle möglichen gruseligen Begegnungen gehabt haben. So wurden mehrfach des Nachts in den Midlands römische Soldaten gesichtet, die in voller Montur neben der Autobahn herliefen. Da ist von einem Phantom-Lastwagen die Rede, der Autofahrern auf der falschen Straßenseite entgegenkommt, von Fahrzeugen, in denen keine Fahrer sitzen und von einer weiblichen Anhalterin, die sich in Luft auflöst. Von keiner anderen Straße des Landes wurden so viele mysteriöse Beobachtungen gemeldet.

Hier sind die Plätze 2 bis 10 der „Tarmac“-Untersuchung:

2. Die A9, der Highland Highway, in Schottland. Hier traf einmal eine Familie auf eine unheimliche, von Pferden gezogene Kutsche, auf der Diener mit weißen Perücken zu sehen waren.
3, Der Platt Lane bei Westhoughton (Greater Manchester). Hier kamen bei einem schrecklichen Bergwerksunglück 368 Bergleute ums Leben. Autofahrer berichten, dass sie aus den Büschen an der Straße von Dutzenden von Augen angestarrt werden, die den toten Bergmännern zuzuordnen sind.
4. High Street und Suffield Road in Great Yarmouth (Norfolk). Hier soll ein Phantomhund sein Unwesen treiben.
5. Gloucester Drive in Finsbury Park (London). In dieser Straße gibt es immer wieder Berichte von Kindern, die zu hören, aber nicht zu sehen sind.
6. Die B4293 bei Devauden in Wales. Auf dieser kurvenreichen Straße hörte einmal eine Frau eine körperlose Stimme neben sich, die ihr sagte, sie solle sofort anhalten und die Fahrbahn verlassen. Nachdem sie das getan hatte, kam ein Fahrzeug ohne Licht und mit hoher Geschwindigkeit auf der falschen Straßenseite vorbeigeschossen, das sie mit Sicherheit gerammt hätte.
7. Die B3314 bei Tintagel in Cornwall. Hier wurde eine Frau in viktorianischer Kleidung gesichtet.
8. Die Straße, die am Loch Dornoch in Schottland entlangführt. Ein Autofahrer begegnete auf der Straße einem weißen Pferd mit einem ebenfalls viktorianisch gekleideten Reiter, die sich beide in Luft auflösten.
9. Die B1403 bei Doncaster in South Yorkshire. Ein „ghostly soldier“ wurde hier gesichtet, der in voller Ausrüstung die Straße entlanggeht.
10. Drews Lane in Birmingham. Immer wieder berichtet man von unsichtbaren Autos, die die Straße mit hoher Geschwindigkeit befahren und sich dann schließlich überschlagen.

In der Top Ten-Liste taucht eine Straße nicht auf, von der auch viele unheimliche Begegnungen berichtet werden: Die einsame B3212 im Dartmoor in Devon. Hier passieren ungewöhnlich viele Unfälle; Hunderte von Autofahrer sollen davon erzählt haben, dass sie plötzlich von unsichtbaren Kräften von der Straße gedrängt wurden. Auch römische Soldaten sind hier vielfach gesichtet worden.

Nach einer Umfrage der Firma Castrol wollen 10% aller Briten schon einmal eine geisterhafte Begegnung auf den Straßen des Landes gehabt haben und 38% würden lieber nachts einen Umweg fahren, als eine der „haunted roads“ zu benutzen.

Platz 2: Die A9 in Schottland.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Platz 3: Platt Lane bei Westhoughton (Greater Manchester).    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Platz 3: Platt Lane bei Westhoughton (Greater Manchester).
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Die B3212 im Dartmoor.    © Copyright Alan Hunt and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 24. September 2014 at 02:00  Comments (1)  

Mein Buchtipp – John Osborne: Don’t Need The Sunshine

Foto meines Exemplares.

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Von John Osborne stellte ich vor einiger Zeit in meinem Blog schon sein Buch „Radio Head: Up and Down The Dial of British Radio“ vor, in dem er sich mit der englischen Radiolandschaft befasst. Heute möchte ich auf sein sehr interessantes Buch „Don’t Need The Sunshine“ hinweisen, in dem es um englische Seebäder geht.
Anstoß zum Schreiben des Buches gaben Osborne seine nostalgischen Erinnerungen an seine Ferienerlebnisse als Kind an der See. Es herrschten damals (wie auch heute) natürlich keine Mallorca-Verhältnisse, was das Wetter anbelangt, aber das war man eben so gewöhnt und wenn es regnete, ging man in die Amusement Arcades, an denen damals kein Mangel herrschte.

Osborne beginnt seine Rundreise im Uhrzeigersinn in Scarborough an der Küste Yorkshires, arbeitet sich über Cleethorpes, Great Yarmouth („The East Anglian Las Vegas“), Margate, Beachy Head, Brighton, Falmouth, Blackpool bis nach Morecambe in Lancashire vor, wo seine Reise endet. Er wird (leider) immer wieder mit dem Verfall vieler Seebäder konfrontiert, denen die Gäste wegbleiben, weil die lieber an sonnigeren Gestaden für wenig Geld Urlaub machen.

Osborne befasst sich in seinem Buch auch mit Randerscheinungen der Seebäder; so besucht er das Saucy Postcard Museum in Ryde auf der Isle Of Wight, trifft Darsteller der Punch and Judy Shows in London, lässt sich von dem Chaplaincy Team von Beachy Head über deren aufopferungsvolle Tätigkeit auf der Selbstmörderklippe informieren und berichtet von den UK National Sandcastle Competitions in Woolacombe in North Devon.

Ich kann das Buch sehr empfehlen; es ist locker und flüssig geschrieben und gibt Einblick in die Problematik des Niedergangs vieler Küstenorte, die mehr oder weniger erfolgreich dagegen ankämpfen. Ich berichtete kürzlich darüber in meinem Blog.

John Osborne: Don’t Need The Sunshine. AA Publishing 2013. 288 Seiten. ISBN 978-0-7495-7397-3

Published in: on 23. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Wrotham Park bei Barnet in Hertfordshire – Beliebt und begehrt für Film- und Fernsehproduktionen

With friendly permission of Wrotham Park Estate.

With friendly permission of Wrotham Park Estate.

Simon Cowell, Musikproduzent, X-Factor-Juror und so eine Art Dieter Bohlen der englischen Musik- und Fernsehszene, feierte seinen 50. Geburtstag auf Wrotham Park, der ihm eine Million Pfund Sterling gekostet haben soll, und bei dem alles was Rang und Namen im Showbusiness der Insel hat, anwesend war. Gern wird das imposante Gebäude bei Barnet in Hertfordshire für Festivitäten jeglicher Art genutzt, liegt  es doch direkt vor den Toren Londons und ist in kürzester Zeit vom Zentrum der Metropole aus zu erreichen.

Admiral John Byng (1704-1757) hat es für sich 1754 errichten lassen, kam aber nie in den Genuss, hier längere Zeit zu wohnen, denn er wurde 1757 hingerichtet. Wrotham Park blieb aber in der Familie, bis zum heutigen Tag. 1883 fielen große Teile des palladianischen Gebäudes einem Feuer zum Opfer, glücklicherweise konnte man aber viele Einrichtungsgegenstände retten und man baute das Haus wieder auf.

Wrotham Park steht nicht für Besichtigungen zur Verfügung, aber wer das nötige Geld hat, kann hier seine Hochzeit feiern oder eine Firmenpräsentation durchführen, wenn nicht gerade wieder einmal ein Film hier gedreht wird. Wrotham Park ist außerordentlich beliebt bei Film- und Fernsehproduktionsfirmen, denn erstens sieht das Haus spektakulär aus und zweitens spart die Nähe zu London und zu den Filmstudios Geld.

Hier sind einige Filme, die zum Teil in Wrotham Park gedreht wurden:

– Der BBC-Vierteiler „Lady Chatterley“ (1993) mit Sean Bean und Joely Richardson. Hier wurde aus Wrotham Park der Landsitz Wragby Hall. Schon eine frühere Verfilmung des D.H. Lawrence Romans mit Sylvia Kristel und Nicholas Clay wurde 1981 hier gedreht.
– „Byron„, ein Fernsehfilm der BBC aus dem Jahr 2003, in dem das Haus als Wohnsitz Sir Ralph Milbankes dient.
– Hugh Laurie und Stephen Fry waren als Bertie Wooster und Jeeves in mehreren Episoden (u.a. „Chuffy„, „How Does Gussy Woo Madeline?“, „The Hunger Strike„) von „Jeeves and Wooster“ hier anzutreffen.
– David Suchet ist in zwei Folgen von „Agatha Christie’s Poirot“ in Wrotham Park zu sehen, und zwar in „The Adventure of Johnny Waverly“ (1989) und in „Third Girl“ (2008).

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Eine der wenigen Möglichkeiten, sich das Haus auch von innen anzusehen, besteht, wenn es während des „Open House London“ einmal kurz an einem Tag seine Pforten für Besucher öffnet. Oder man verfügt über ein Simon Cowellsches Vermögen und mietet Wrotham Park komplett.

Das Haus liegt nördlich von Barnet, dicht an der M25; die beiden Zufahrten erfolgen über die Barnet Road (A1000) bzw. über die Dancers Hill Road.

Die Einfahrt an der Dancers Hill Road.    © Copyright David Howard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Einfahrt an der Dancers Hill Road.
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Heute beginnt im ZDF die 14. „Inspector Barnaby“-Staffel mit dem neuen John Barnaby

Mit freundlicher  DCI John Barnaby (Neil Dudgeon), Sarah Barnaby (Fiona Dolman). Genehmigung des ZDF. Copyright: ZDF und Mark Bourdillon.

DCI John Barnaby (Neil Dudgeon), Sarah Barnaby (Fiona Dolman).
Mit freundlicher Genehmigung des ZDF.
Copyright: ZDF und Mark Bourdillon.

 

Sie hat wieder ihren alten Stamm-Sendeplatz am Sonntag um 22 Uhr im ZDF inne, die nunmehr 14. Staffel der „Inspector Barnaby„-Krimiserie. Nachdem wir uns am 26. Januar diesen Jahres in der 81. Folge „Fit For Murder“ (dt. „Gesund, aber tot„) von Tom Barnaby und seiner Familie verabschiedet haben, übernimmt nun Toms Cousin John Barnaby (Neil Dudgeon) das Zepter im Midsomer County und bringt gemeinsam mit Detective Sergeant Ben Jones, den er übernommen hat, die gefährlichen Mörder in dieser blutrünstigen Grafschaft zur Strecke. Ich habe mich inzwischen an die neuen Hauptfiguren gewöhnt und habe alle Folgen bis zur 100. auf DVD. Ich mag den neuen Detective Chief Inspector und seine hübsche Frau und den niedlichen Hund Sykes. Hoffentlich finden die Drei auch in Deutschland viele Freunde.

Fünf neue Folgen wird das ZDF zeigen, umrahmt von jeder Menge Wiederholungen auf ZDFNeo.
Die 14. Staffel beginnt mit der Folge 82 „Death in the Slow Lane“ (dt. „Unter Oldtimern„), über die ich in meinem Blog schon berichtet habe.

Am 28. September geht es weiter mit Folge 83 „Dark Secrets“ (dt. „Mr. Bingham ist nicht zu sprechen„), in der sich ein älteres Ehepaar in ihrem Herrenhaus komplett von der Welt abschottet hat, seitdem ihre Kinder bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. In dieser Folge ist auch erstmals Sarah Barnaby zu sehen, die in der Grundschule von Causton die Leitung übernommen hat. Gespielt wird die Rolle von Fiona Dolman.

Folge 84 „Echoes of the Dead“ („Gesegnet sei die Braut„) wird am 5. Oktober ausgestrahlt. In dieser Episode treibt ein Mörder im Midsomer County sein Unwesen, der seine Opfer, zwei junge Frauen und ein Ehepaar, auf absonderliche Weise herrichtet und „schmückt“.

Am 12. Oktober sendet das ZDF Folge 85 „The Oblong Murders“ (dt. „Ein Funke genügt„), in der George Bullard John Barnaby bei der Suche nach Laura Oliver, der Tochter seiner Freunde, um Hilfe bittet. Leider sehen wir den sympathischen Rechtsmediziner  George Bullard in dieser Folge zum letzten Mal. Barry Jackson, der diese Rolle viele Jahre verkörperte, starb am 5. Dezember 2013 im Alter von 75 Jahren.

„The Sleeper Under the Hill“ (dt. „Die Druiden kommen„) ist der Titel der 86. Episode, in der DCI Barnaby und DS Jones es mit New Age Druiden zu tun haben. In dieser Folge sehen wir erstmals George Bullards Nachfolgerin Dr. Kate Wilding, gespielt von Tamzin Melleson.

Die restlichen drei Folgen der 14. Staffel „The Night of the Stag„, „A Sacred Trust“ und „A Rare Bird“ wird das ZDF ab dem 4. Januar 2015 senden.

DS Ben Jones (Jason Hughes), DCI John Barnaby (Neil Dudgeon), Dr. Bullard (Barry Jackson). Mit freundlicher Genehmigung des ZDF. Copyright: ZDF und Mark Bourdillon.

DS Ben Jones (Jason Hughes), DCI John Barnaby (Neil Dudgeon), Dr. Bullard (Barry Jackson).
Mit freundlicher Genehmigung des ZDF.
Copyright: ZDF und Mark Bourdillon.

 

Published in: on 21. September 2014 at 02:00  Comments (15)  

Die Quiet Lanes Initiative – Gegenpol zu viel befahrenen Landstraßen

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Immer wenn ich von einer Englandreise wieder nach Hause komme, habe ich den Eindruck, dass der Verkehr auf der Insel deutlich stärker ist als in Deutschland. Kolonnen von LKWs besetzen die Fahrspuren der Autobahnen, Parkplätze selbst in Dörfern sind immer schwerer zu finden und in den Kleinstädten herrscht ein Verkehr wie bei uns in Großstädten.
Um diesen ständig zunehmenden Verkehrsproblemen einen Gegenpol gegenüberzusetzen wurde von der Countryside Agency die Quiet Lanes Initiative ins Leben gerufen, um die ländlichen Regionen Englands ruhiger und attraktiver zu gestalten. Ausgewählte kleine Straßen, die entsprechend mit Schildern gekennzeichnet sind, sollen von Fußgängern, Radfahrern, Reitern und Autofahrern gleichberechtigt nebeneinander genutzt werden. In Kent und Norfolk wurden in den Jahren 2000 und 2001 Pilotprojekte gestartet, andere Grafschaften übernahmen anschließend die Initiative.

Wesentliche Elemente der Quiet Lane Initiative sind
– die Einbeziehung der Kommunen, die ein Umdenken der Verkehrsteilnehmer erwirken sollen
– eine entsprechende Beschilderung, die den Durchgangsverkehr auf den Quiet Lanes minimiert, ergänzt durch enge Zufahrten
– klare Beschilderung von Anfang und Ende der Quiet Lanes, so dass Autofahrer wissen, dass sie mit anderen Verkehrsteilnehmern rechnen müssen, die möglicherweise die ganze Straßenbreite einnehmen
– die Bevölkerung zu mehr Körperertüchtigung wie Laufen, Radfahren oder Reiten auf verkehrsarmen Wegen zu ermutigen.

Nach der Analyse der Pilotprojekte in Kent und Norfolk war zwar kein überwältigender Erfolg festzustellen (der Autoverkehr nahm auf den ausgewiesenen Wegen nur leicht ab, die Durchschnittsgeschwindigkeit der Fahrzeuge blieb in etwa gleich, die Nutzung der Straßen durch Fußgänger, Radfahrer usw. hatte sich kaum verändert), doch man blieb am Ball und versuchte, auch andere Grafschaften für die Initiative zu gewinnen.

Wie Suffolk für die Quiet Lanes Werbung macht, ist auf diesem Flyer zu sehen und so sieht ein Quiet Lane z.B. in dieser Grafschaft aus.

Ein Quiet Lane in West Berkshire.    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Quiet Lane in West Berkshire.
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...und ein Quiet Lane bei Hindhead (Surrey).    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und ein Quiet Lane bei Hindhead (Surrey).
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Published in: on 20. September 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Nicholas Breakspear alias Hadrian IV – Der einzige Papst, der aus England stammte

Bedmond in Hertfordshire. Hier wurde Hadrian IV geboren.    © Copyright Nigel Cox and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bedmond in Hertfordshire. Hier wurde Hadrian IV geboren.
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Als Anastasius IV 1154 starb, folgte ihm der erste und einzige englischstämmige Papst, Hadrian IV (im Englischen Adrian IV). Bis heute hat es kein katholisches Kirchenoberhaupt aus England mehr gegeben. Ich möchte hier in meinem Blog nichts über Hadrians Wirken damals im 12. Jahrhundert erzählen, das kann man auch an anderer Stelle nachlesen, sondern mich damit beschäftigen, was in seiner Heimat noch an ihn erinnert.

Geboren wurde der Papst in spe als Nicholas Breakspear etwa um das Jahr 1100 herum in der Nähe von Abbots Langley in Hertfordshire. Eine Tafel an der Südwand der St Lawrence Church erinnert an ihn und gibt als Geburtsort Bedmond an, ein kleines Dorf nördlich von Abbots Langley in „Hörweite“ der Autobahn M25. Hier soll er auf einer Farm das Licht der Welt erblickt haben, die es aber nicht mehr gibt. Eine Plakette markiert die Stelle, an der einst die Breakspear Farm stand.

Der Name Breakspear erinnert den einen oder anderen vielleicht an die Brauerei gleichen Namens, die früher einmal in Henley-on-Thames lag und die heute in Witney (Oxfordshire) produziert. Die Brauerei-Familie soll tatsächlich mit Papst Hadrian IV entfernt verwandt sein.

Dass man sich in Abbots Langley noch immer seines großen Sohnes bewusst ist, zeigen einige Straßennamen; da gibt es z.B.  die Breakspeare Road (mit „e“ geschrieben), die Popes Road und die Adrian Road. Am Gallows Hill Lane findet man die Breakspeare School.

Eine weitere Schule, die sich nach dem Papst benannt hat, ist die Nicholas Breakspear School in Colney Heath bei St Albans (Hertfordshire).

In Ruislip (Greater London) gibt es auch noch eine Breakspear-Zusammenballung: Da führt die Breakspear Road auf der einen Seite zum Breakspear-Krematorium (wo 1997 der Leadsänger der Rockgruppe Sweet, Brian Francis Connolly, eingeäschert wurde und an den dort eine Plakette erinnert) und auf der anderen Seite zum Breakspear Arms, einem Pub auf dessen Schild Hadrian IV den vorbeifahrenden Autofahrern seinen Segen gibt.

Der Papst starb nach nur wenigen Jahren Amtszeit im Jahr 1159; da gibt es einerseits die Vermutung, dass er sich an einer Fliege verschluckte, andererseits, dass er vergiftet wurde. Die erste Version wäre ein Novum…

Die Breakspeare Road in Abbots Langley (Hertfordshire).    © Copyright David Howard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Breakspeare Road in Abbots Langley (Hertfordshire).
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The Breakspear Crematorium in Ruislip (Greater London).    © Copyright Russell Trebor and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Breakspear Crematorium in Ruislip (Greater London).
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The Breakspear Arms bei Ruislip (Greater London). Author: Ewan Munro. Creative Commons 2.0

The Breakspear Arms bei Ruislip (Greater London).
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Published in: on 19. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Musikvideo – The Specials: Ghost Town

Ein Blick auf das heutige Coventry.    © Copyright Robin Stott and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Blick auf das heutige Coventry.
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In den 1980er Jahren erfreute sich die Regierung unter Margaret Thatcher keiner großen Beliebtheit; die „Eiserne Lady“ gehörte zu den unpopulärsten Menschen im ganzen Königreich. Arbeitslosigkeit breitete sich im Land aus, Millionen von Menschen waren von finanzieller Unterstützung durch den Staat abhängig,  und immer häufiger kam es zu Unruhen und Protestaktionen. Mitten in dieser düsteren Stimmung erschien ein Song, der das Lebensgefühl vieler Briten wiederspiegelte: „Ghost Town“ der in Coventry gegründeten Band The Specials. Der Guardian nannte „Ghost Town“ in einem Artikel „the most remarkable number one in British chart history„.
Das Bandmitglied Jerry Dammers schrieb diesen Song 1981 und die Band nahm ihn im April des Jahres auf. Drei Wochen hielt er sich auf Platz Eins und zehn Wochen unter den Top 40 der britischen Charts.

Es wird zwar im Text nicht erwähnt, aber bei der besungenen Geisterstadt handelt es sich um Coventry, wo die Bandmitglieder aufwuchsen. Coventry war einmal eine blühende Industriestadt, aber es ging immer mehr bergab mit ihr. Auf ihren Tourneen sahen die Specials, dass es anderen Metropolen im Lande auch nicht viel besser ging, mit Brettern vernagelte aufgegebene Läden, wohin man auch blickte.

Das Musikvideo nahm die Band in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1981 auf und zwar nicht in Coventry, sondern in London. Hauptsächlich im Londoner East End fanden die Dreharbeiten statt, da sah es auch ziemlich schlimm aus und das passte zu dem düsteren Song. Des Weiteren wurde in den menschenleeren Straßen des Finanzdistrikts der Londoner City gedreht, wo sich am Wochenende überhaupt nichts abspielt und nur Ödnis herrscht.

Hier ist das Video „Ghost Town“ der Specials.

Published in: on 18. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Mary the Virgin in Essendon (Hertfordshire) – Der 3. September 1916 war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Kirche

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Als im Ersten Weltkrieg die riesigen deutschen Luftschiffe über England ihre Bombenfracht abwarfen, muss das für die Menschen unten auf dem Boden ein furchterregender Anblick gewesen sein. In der Nacht vom 2. auf den 3. September im Jahr 1916 waren 16 Luftschiffe über England unterwegs, die London sowie Städte im Norden und im Osten angreifen sollten. Eines davon, die SL-11 unter dem Kommando von Wilhelm Schramm, wurde bei der Aktion im Norden Londons von einem englischen Flugzeug, das Second Lieutenant William Leefe Robinson steuerte, abgeschossen (ich berichtete in meinem Blog darüber). Der Kommandant des Luftschiffes L-16, Kapitänleutnant Wilhelm Sommerfeld, hielt sich ganz in der Nähe auf und musste mit ansehen, wie die SL-11 in Flammen aufging. Er lenkte daraufhin sein Schiff von London weg und warf, damit er schneller werden konnte, seine restlichen Bomben ab; das geschah über dem Ort Essendon in Hertfordshire. Die meisten Bomben fielen auf die umliegenden Felder und richteten keine besonderen Schäden an; einige trafen aber mitten ins Dorf. Dabei wurde die Kirche St Mary the Virgin schwer beschädigt. Eine Bombe fiel auf das Dach über der Sakristei, wobei das Dach, die Orgel und ein Teil der Außenwand des Altarraumes zerstört wurden. Viele Kirchenfenster konnten der Explosion nicht standhalten und zersprangen; eine wertvolle Bibel verbrannte. Da die Kirche aber versichert war, konnten die Schäden schnell wieder repariert werden und exakt ein Jahr später, am 2. September 1917, wurde St Mary the Virgin wieder in Betrieb genommen.

Doch leider forderte der Bombenabwurf von L-16 auch zwei Todesopfer. Die Schwestern Frances und Eleanor Bamford, eine 26 Jahre alt, die andere 12, kamen dabei ums Leben. Die Töchter des Dorfschmieds William Bamford wurden auf dem Kirchhof von St Mary beigesetzt, nachdem eine Trauerfeier in dem unzerstörten Teil der Kirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattgefunden hatte.

Das Luftschiff L-16 fand im Oktober 1917 sein Ende bei einer Notlandung in der Nähe von Brunsbüttel. Dabei wurde es so stark beschädigt, dass es abgewrackt werden musste.

Das Innere von St Mary the Virgin.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Innere von St Mary the Virgin.
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Published in: on 17. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Yalding (Kent)

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Von den letzten schweren Überflutungen zur Jahreswende 2013/2014 war auch Yalding in Kent betroffen, dort wo die Flüsse Teise, Beult und Medway zusammenfließen. Über 200 Häuser wurden von den Wassermassen in Mitleidenschaft gezogen. Keine Problem mit den Fluten hatte das Village Sign des Dorfes, das erst im Juni 2012 eingeweiht worden war. Aus Anlass des „Queen’s Diamond Jubilee“ hatte man ein neues Dorfschild in Auftrag gegeben, das die Spezialfirma Black Forge Village Signs in Wittersham (Kent) gestaltete und herstellte. Die Kirchengemeinde hatte Informationen über den Ort geliefert, aus denen die Firma dann dieses hübsche Schild anfertigte, das Gefallen sowohl bei der Gemeinde als auch beim Women’s Institute fand. Es zeigt Szenen aus dem Leben Yaldings und Dinge, die für das Dorf wichtig sind. Da ist der Schmied, der offensichtlich gerade ein Hufeisen für das neben ihm stehende Pferd formt, da ist die mittelalterliche Twyford Bridge, auf die ein Boot zusteuert. Eine Mutter mit ihren zwei Kindern kommt wohl gerade vom Einkaufen nach Hause, im Hintergrund sieht man die Dorfkirche St Peter’s and St Paul’s und auf beiden Seiten sind Hopfenpflücker auf Stelzen bei der Arbeit. Gekrönt wird das Schild vom Weißen Pferd von Kent, dem Symbol der Grafschaft, und der Inschrift „Invicta“ (Unbesiegt).

Das alte, etwas kümmerlich wirkende Dorfschild von Yalding.    © Copyright David Anstiss and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das alte, etwas kümmerlich wirkende Dorfschild von Yalding.
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Published in: on 16. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hall & Woodhouse in Blandford St Mary (Dorset) – Die Brauerei mit dem Dachs

Hall & Woodhouse in Blandford St Mary (Dorset).    © Copyright Mike Faherty and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hall & Woodhouse in Blandford St Mary (Dorset).
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Fursty Ferret ist der Name eines Bieres, das ich kürzlich trank, ein Bitter mit 4,4% Alkoholgehalt. Auf dem Etikett  machen sich einige Frettchen an einem Bierfass zu schaffen; was sie da genau treiben, erklärt das rückwärtige Etikett: Als das idyllische Landhaus der Miss Rose Gribble in ein Gasthaus umgewandelt wurde, sollen sich die neugierigen Frettchen des Ortes an der Hintertür des Pubs versammelt haben, um das selbstgebraute Bier zu probieren. Das Etikett verrät auch den Geschmack des Fursty Ferret: „A tawny amber ale with a sweet nutty palate and a happy aroma with hints of Seville oranges„. Ich muss zugeben, dass ich die Orangen nicht herausgeschmeckt habe, aber trotzdem hat mir das Bier gefallen. Der besagte Gribble Inn steht übrigens in Oving bei Chichester (West Sussex) und der wurde leider bei einem Feuer am 19. Juli diesen Jahres schwer beschädigt. Man hofft, dass er wieder aufgebaut werden kann (die Frettchen waren an dem Brand unschuldig; sie haben eidesstattlich versichert, dass sie an der Hintertür nicht gezündelt haben!)

Hergestellt wird das Fursty Ferret und zahlreiche andere Biersorten in Blandford St Mary in Dorset, das ist ein kleiner Ort,  den der River Stour vom größeren Blandford Forum trennt. Beide sind durch eine Brücke miteinander verbunden. In der Bournemouth Road findet man die Hall & Woodhouse Badger Brewery, benannt nach dem Firmengründer Charles Hall, der 1777 den Grundstein legte und George Woodhouse, der 1847 eine Partnerschaft mit den Halls einging. Der „badger„, also der Dachs, ist das Firmenlogo.

Man stellt hier in Blandford St Mary auch eine Reihe von Saisonbieren her wie „Leaping Legend“, „Golden Glory“ und „Hopping Hare“. Fast alle Biere von Hall & Woodhouse sind schon einmal mit Preisen ausgezeichnet worden.

Der Brauerei gehören auch zahlreiche Pubs im gesamten Süden Englands. Im Visitor Centre an der Bournemouth Road kann man sich über die Geschichte der Brauerei informieren und an geführten Touren teilnehmen, die in der Regel montags bis samstags um 11 Uhr beginnen, zwei Stunden dauern und £10 kosten.

Hier ist ein Werbespot für das Fursty Ferret-Bier und hier ein Biertasting.

Hall & Woodhouse
The Brewery
Blandford St Mary
Dorset
DT11 9LS
Tel. 01258 486004

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Einer der Hall & Woodhouse-Pubs: Ye Olde George in East Meon (Hampshire).    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Einer der Hall & Woodhouse-Pubs:
Ye Olde George in East Meon (Hampshire).
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Published in: on 15. September 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Wer war eigentlich… Ladbrokes?

Ein Wettbüro von Ladbrokes in Dorchester (Dorset).    © Copyright Basher Eyre and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Wettbüro von Ladbrokes in Dorchester (Dorset).
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Geht man irgendwo in England eine High Street entlang, so findet man dort links und rechts der Straße wohlbekannte Namen von Kettenläden; da sind H. Samuel, der Juwelier, W.H. Smith, wo man Bücher und Papierwaren kaufen kann, Boots, die Drogeriekette, The Body Shop, wo Produkte für die Schönheit angeboten werden usw. usw.
Des weiteren sind auf vielen High Streets die Büros der Fa Ladbrokes angesiedelt. Die weiße Schrift auf rotem Untergrund weist auf diese Kette hin, in der sich Englandbesucher vom Kontinent wohl eher nicht blicken lassen. Bei Ladbrokes handelt es sich um einen Wettanbieter und den weltweit größten Buchmacher.

Wer war denn dieser Mr. Ladbroke, nachdem das Unternehmen benannt ist? Nun, es gibt gar keinen Firmengründer mit diesem Namen. Die Anfänge der Firma gehen auf den Ortsnamen Ladbroke zurück, ein Dorf in Warwickshire (nicht in Worcestershire wie es in der Wikipedia unter „Ladbrokes“ steht!) an der A423 Coventry-Banbury. Von der Church Street geht hier eine kleine Zufahrt ab, die zur Ladbroke Hall führt, ein Country House aus dem 18. Jahrhundert, in dem Ende des 19. Jahrhunderts ein gewisser W.H. Schwind wohnt, der auf dem Gelände Pferde trainiert. Sein Partner, ein Mr. Pennington, schließt auf die Pferde von Ladbroke Hall Wetten ab und macht dabei gute Geschäfte. 1902 stößt Arthur Bendir zu dem Duo und schlägt vor, nicht nur Wetten abzugeben, sondern sie auch anzunehmen. Gesagt, getan, die Wettfirma wird 1902 gegründet, und da Mr. Bendir bei seinem ersten Besuch in Ladbroke Hall einen Wegweiser gesehen hatte, der auf das Herrenhaus hinwies, macht er den Vorschlag, die neue Firma Ladbrokes zu nennen, womit seine beiden Partner einverstanden sind.

Da man das Unternehmen aber nicht vom ländlichen Warwickshire aus führen wollte, geht man nach London, wo man sich in erster Linie um die wohlhabende Klientel der britischen Oberschicht kümmert, die ihre Wetten vornehmlich bei Ladbrokes abschließen.

Heute residiert das Hauptquartier von Ladbrokes im Imperial House in Harrow im Nordwesten Londons in einem großen, nicht sehr schönen Gebäude am Imperial Drive. 13 000 Beschäftigte sorgen dafür, dass die Lust der Briten auf Wetten aller Art befriedigt wird. Der Umsatz im Jahr 2013 betrug immerhin 1,1 Milliarden Pfund Sterling.

Hier ist ein Werbespot der Firma Ladbrokes.

Das Dorf Ladbroke in Warwickshire gab dem Wettunternehmen den Namen.    © Copyright Michael Patterson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorf Ladbroke in Warwickshire gab dem Wettunternehmen den Namen.
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Published in: on 14. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Peter & St Paul in Stoke Lacy (Herefordshire) – Was hat ein klassischer Sportwagen in einem Kirchenfenster zu suchen?

St Peter & St Paul in Stoke Lacy (Herefordshire).    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter & St Paul in Stoke Lacy (Herefordshire).
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St Peter & St Paul in dem kleinen Dorf Stoke Lacy, das an der A465 liegt, die Hereford und Bromyard verbindet, ist eine normannische Kirche, die Mitte des 19. Jahrhunderts komplett umgebaut wurde. Wenn man sie betritt und sich ein wenig umschaut, wird man eine Überraschung erleben. Bei Kirchenfenstern erwartet man im allgemeinen, dass dort Heilige oder andere Figuren mit Bezug zur Religion abgebildet sind, aber was haben denn Sportwagen auf den Fenstern in dieser Kirche zu suchen? Des Rätsels Lösung ist zu finden, wenn man sich einmal die Namen der Pfarrer in den letzten 150 Jahren ansieht. Von 1871 bis 1887 war das Reverend Henry Morgan, der von seinem Sohn gefolgt wurde, der auch Henry Morgan hieß. Bis 1937 sorgte der Prebendary Henry Morgan für das geistige Wohl der Bewohner Stoke Lacys. Auch dieser hatte einen Sohn, den er Henry nannte (sehr einfallsreich war die Familie Morgan nicht, was die Vornamenswahl ihrer Kinder betraf), genauer gesagt Henry Frederick Stanley Morgan. Dieser junge Mann war technisch außerordentlich interessiert und machte eine Ausbildung bei der Eisenbahngesellschaft Great Western Railway. Bald merkte er aber, dass sein Herz nicht so sehr für schienengebundene, sondern für Straßenfahrzeuge schlug.

1905 ließ  sich H.F.S. Morgan in der Stadt Malvern Link in Worcestershire nieder, wo er eine Garage eröffnete und Autos verkaufte. Doch das Verkaufen von Autos befriedigte ihn nicht so richtig und so baute er bald sein erstes eigenes Auto, ein dreirädriges Vehikel mit einem 7 PS-Motor. Der Grundstein der Morgan Motor Company war gelegt. Noch heute ist die kleine aber feine Firma in der Pickersleigh Road in Malvern Link ansässig. Sie baut Sportwagen im klassischen Stil für Liebhaber dieser Fahrzeuge; mehr als 1000 Stück pro Jahr werden meist nicht produziert. Der Inhaber des einzigen noch verbliebenen Autoherstellers in Großbritannien in Familienbesitz ist Charles Morgan. Fahrzeuge der Morgan Motor Company sind nach eigener Aussage umweltfreundlich, technisch auf dem allerneuesten Stand und werden mit viel Liebe (und Fachwissen) gebaut.

Auf dem Gelände der Firma in Malvern Link befindet sich ein Werksmuseum und wer sich die Produktion dieser edlen Fahrzeuge einmal ansehen möchte, kann an einer Führung durch die Fertigungsstätten teilnehmen.

Zurück zu den Kirchenfenstern und St Peter & St Paul. Eines der Fenster ist Peter Morgan gewidmet, der Sohn des H.F.S.; er leitete die Firma bis zu seinem Tod im Jahr 2003. Das dreiteilige Fenster zeigt ein Porträt von ihm, die Werkshallen in Malvern Link und einen Morgan Sportwagen. Das zweite, ebenfalls dreiteilige Fenster ist einem kalifornischen Ehepaar gewidmet, John und Bridget Leavens, enthusiastische Liebhaber dieser Fahrzeuge, und zeigt frühe Morgan-Exemplare.

Das Familiengrab der Morgans ist auf dem Friedhof von St Peter & St Paul in Stoke Lacy zu finden.

Hier ist ein Film über die Morgan Motor Company.

Nach einem Besuch der Firma empfehle ich eine kleine Pause im Pub „The Morgan„, nicht weit weg von hier in der Clarence Road in Great Malvern

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Die Morgan Motor Company in Malvern Link (Worcestershire).    © Copyright Bob Embleton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Morgan Pub in Great Malvern.    © Copyright P L Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Morgan Pub in Great Malvern.
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The Fosser – Eine Metallskulptur der Firma JCB in Rocester (Staffordshire)

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An der B5030 in Rocester in Staffordshire ziehen sich riesige Fabrikgebäude entlang, an denen die Aufschrift prangt „JCB World Headquarters„. Hier werden die Baumaschinen produziert, die man überall im Lande sehen kann, wo gebuddelt wird, die gelben JCB diggers. JCB sind die Initialen des Firmengründers Joseph Cyril Bamford, der 1945 in ganz kleinem Rahmen begann und dessen Firma heute zu den Weltmarktführern bei Baumaschinen gehört.

Als eine Art Kunst am Bau hat der Sohn des Firmengründers und heutiger Boss, Anthony Bamford, 1979 hier eine Statue errichten lassen, die aus Teilen von JCB-Maschinen zusammengebaut wurde. Als Künstler engagierte er den in Polen geborenen Walenty Pytel, der als Meister der Metallskulpturen gilt. Zur damaligen Zeit galt dieses Kunstwerk, das 36 Tonnen wiegt und 15 Meter hoch ist, als das größte seiner Art in Europa. Genannt wird es „The Fosser„, was sich aus dem lateinischen Wort „fossa“ für „Graben“ ableitet. Wenn man sich die Skulpur näher ansieht, wirkt sie wie eine Riesenspinne oder wie ein außerirdisches Wesen aus einem Science Fiction-Film.

Firmenchef Bamford hat auf dem Firmengelände, das von kleinen Seen und großen Rasenflächen beherrscht wird, noch mehrere Kunstwerke aufstellen lassen, The Fosser ist aber bei weitem das eindrucksvollste. Wer sich die Stahlskupltur einmal ansehen möchte: Sie steht gegenüber dem Firmengelände, aber auf der anderen Seite der B5030 auf einer Wiese. Man kann also leicht daran vorbeifahren, wenn man sich von den gewaltigen Dimensionen der Fabrikgebäude faszinieren lässt.

Walenty Pytel schuf übrigens auch die beeindruckende Buzzards Sculpture in den Rosebank Gardens in Malvern (Worcestershire).

Das JCB-Firmengelände bei Rocester (Staffordshire).    © Copyright Colin Park and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das JCB-Firmengelände bei Rocester (Staffordshire).
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Published in: on 12. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Prestbury (Cheshire) – Ein Dorf im Speckgürtel von Manchester, geprägt von Fußballspielern und ihren WAGs

Die Macclesfield Road in Prestbury (Cheshire). The copyright holder of this work releases  it into the public domain

Die Macclesfield Road in Prestbury (Cheshire).
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Prestbury in Cheshire (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort in Gloucestershire) liegt nicht weit vom Old Trafford Stadion in Manchester entfernt, schon gar nicht, wenn man die Strecke in einem Porsche, Ferrari oder Lamborghini zurücklegt. Diese Autos sieht man in Prestbury und in den Nachbarorten Alderley Edge und Wilmslow häufig, denn sie gehören vor allem Fußballspielern der beiden großen Manchester-Clubs, die ihre „Bediensteten“ fürstlich entlohnen und die sich gern im Speckgürtel der Großstadt niederlassen. Einige der superteuren Häuser und Villen werden wohl jetzt erneut auf den Markt kommen, denn der neue Trainer von Manchester United, Louis van Gaal, kehrt gerade mit eisernem Besen den alten Spielerbestand des Vereins aus und verkauft oder verleiht die Spieler, mit denen er nicht zufrieden ist. Aber dafür kommen neue Spieler zum Verein, wie Angel Di Maria von Real Madrid, und die müssen sich ja auch eine Bleibe suchen, in der sie stilgerecht residieren können. Van Gaal selbst soll sich auch in dem Goldenen Dreieck zwischen Wilmslow, Alderley Edge und Hale ein Haus gekauft haben, wobei er in umittelbarer Nähe von Wayne Rooney et. al. wohnen würde.

The village destroyed by WAGs: how millionaire footballers and their shopaholic other halves are pricing out locals and infuriating their neighbors“ titelte vor einigen Jahren Mail Online und meinte damit, dass Prestbury unter dem Zuzug der superreichen jungen Männer und ihrer Ehefrauen und Freundinnen (WAGs) eher leidet als davon profitiert. Denn die finanzkräftigen Fußballer samt Anhang lassen ihr Geld lieber in Manchester und nutzen die Angebote ihres Dorfes selten.

Auch sieht man sie im Dorf nicht oft, weil sie ihre stark abgesicherten Häuser nicht so gern verlassen. Die Withinlee Road in Prestbury ist die teuerste Straße im Norden Englands. Der durchschnittliche Hauspreis in der „Footballer’s Alley“ genannten Straße beträgt etwa 1,6 Millionen Pfund Sterling. An zweiter Stelle liegt die Macclesfield Road in Alderley Edge, den dritten Platz nimmt die Torkington Road in Wilmslow ein.

Wayne Rooney hat sein Anwesen in Prestbury im Collar House Drive am Golfplatz. Der Argentinier Carlos Tevez wohnte, als er noch für Manchester City spielte, in einem Haus, für das er im Monat 12 000 Pfund Miete zahlte. ManU- und Nationalspieler Ashley Young wohnt in dem Dörfchen, ebenso der Ex-Bayern München-Profi Owen Hargreaves in der Zeit, in der er noch für Manchester United bzw. Manchester City spielte.

 

Published in: on 11. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Under the Pier Show in Southwold (Suffolk)

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Kürzlich berichtete ich in meinem Blog über den Niedergang vieler englischer Seebäder, ein Problem, das das Städtchen Southwold an der Küste Suffolks nicht hat. Der Beiname „Chelsea-by-the-Sea“ verrät, welche Klientel gern hierher kommt. So ist es durchaus möglich, hier auf Rowan „Mr. Bean“ Atkinson und seinen McLaren F1 zu stoßen; der Schauspieler soll hier eine Beach Hut besitzen, genauso wie einige andere Berufskollegen auch. Es geht in Southwold alles gepflegt und gesittet zu, man ergeht sich auf der schönen Strandpromenade und stattet der Pier einen Besuch ab. Auf dieser Seebrücke gilt als Hauptattraktion die „Under the Pier Show„, „A mad arcade of home-made machines & simulator rides“, in der Gründer Tim Hunkin seit 2001 seine selbstgebauten Amüsiermaschinen ausstellt.
Am Anfang waren es gerade einmal fünf dieser münzbetriebenen Geräte, die er zur Schau stellte wie The Doctor; da muss man sich ein Stethoskop gegen den Körper halten und der Doktor, der in einer kleinen Butze sitzt, hört aufmerksam auf die Geräusche, kommt dann zu einer Diagnose und stellt ein Rezept aus, das die Maschine ausspuckt. Natürlich kann man dieses Rezept nicht lesen, da es in „Doktorschrift“ geschrieben ist.
Man sieht schon an dieser „amusement machine“, dass man es hier mit ganz speziellen Vergnügungen zu tun hat. Einige weitere Beispiele:

– Der Fly Drive; hier kann man die Welt durch die Augen einer Fliege betrachten und muss aufpassen, dass man nicht von einer Fliegenklatsche ins Jenseits befördert wird.
Instant Weightloss; mit dieser Maschine kann man in kürzester Zeit deutlich an Gewicht verlieren und das in einem Spiegel auch noch beobachten
Rent-A-Dog; auf einem Laufband kann man einen Hund spazierenführen und das auch noch auf einem Bildschirm verfolgen.

Tim Hunkin ist ein Besessener, der sein Leben den Amusement Arcade Machines gewidmet hat und hier auf der Pier von Southwold hat er den richtigen Platz für seine Exponate gefunden. Anders als der Name „Under the Pier Show“ vermuten lässt, befindet sich die Ausstellung auf und nicht unter der Pier.

Hier ist ein Film über die Show.

Das Buch zum Artikel:
Lynn F. Pearson: Amusement Machines. Shire Publications 2010 (Reprint). 32 Seiten. ISBN 978-0747801795.

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Published in: on 10. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Kriegerdenkmal von Leckhampstead in Berkshire – Hergestellt aus Waffen und Munition

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Ein Kriegerdenkmal mit einer integrierten Uhr? So etwas habe ich bisher auch noch nicht gesehen. Das gibt es aber und zwar in Leckhampstead, etwa auf halber Strecke zwischen Newbury und Wantage, ein Stück nördlich der Autobahn M4. Hier waren erfindungsreiche Geister am Werk, denn nicht nur, dass man in das Kriegerdenkmal auf dem Village Green zwei Uhren einbaute (eine ist nach Norden, die andere nach Süden ausgerichtet), die Uhren können mit Besonderheiten aufwarten, die es in dieser Form bestimmt kein zweites Mal gibt. Die Uhrzeiger waren früher einmal im Ersten Weltkrieg  Bajonette, die römischen Zahlen auf dem Zifferblatt formte man aus Gewehrmunition, die Minutenzeichen bestehen aus Maschinengewehrprojektilen.

Der Gedenkstein wird von einer Eisenkette eingeschlossen, die von einem Schiff stammt, das einmal im Ersten Weltkrieg bei der Skagerrakschlacht eingesetzt war. Neunzehn Namen finden wir auf dem obeliskartigen Kriegerdenkmal aus Portlandstein, davon siebzehn aus dem Ersten und zwei aus dem Zweiten Weltkrieg; angegeben sind jeweils Vorname, Nachname und Dienstgrad.

Wer sich nach dem Besuch dieses eigenartigen Kriegerdenkmals etwas erfrischen möchte, kann das in The Stag tun, ein kleiner Pub, der nur ein paar Schritte vom Village Green entfernt ist.

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Der erste Werbespot im britischen Fernsehen wurde am 22. September 1955 ausgestrahlt

Es war 20.12 Uhr am 22. September 1955 als der gerade neu gegründete Sender ITV den ersten Werbespot in der Geschichte des britischen Fernsehens ausstrahlte. Das kleine Filmchen dauerte gerade einmal eine Minute und zwei Sekunden und beworben wurde die Zahnpasta der Marke Gibbs SR.  Der Text des spröden, recht langweiligen Spots wurde von dem Fernsehmann Alex Macintosh gesprochen und heute würde man damit keinen Hund hinter dem Ofen vorlocken. Aber diese Art von Werbung steckte ja noch in den Kinderschuhen. Der Zahnpasta-Spot bewirkte im Lande keinen Kaufrausch, da 1955 nur so etwa 100 000 Menschen im Großraum London einen Fernseher besaßen, der entsprechend umgerüstet sein musste, um damit Werbefernsehen zu empfangen.

Warum war nun gerade die Firma D&W Gibbs der Vorreiter in der britischen Fernsehwerbung? Zufall, denn unter 24 Bewerbern für Spot No.1 wurde gelost und Gibbs gewann; das Nachsehen hatten Firmen wie Guinness und der Margarinehersteller Summer County.
Gibbs SR Zahnpasta war schon seit 1932 auf dem Markt und die Seifenfabrik David Gibbs wurde bereits 1712 gegründet und war bis zum 2. Weltkrieg in der Londoner Wapping High Street ansässig. Die Zahnpasta mit dem Namen Gibbs SR wurde bis in die 1990er Jahre produziert und dann in Mentadent SR (wobei das SR für „Sodium Ricinoleate“ steht) umbenannt.

Die gesamten Werbeeinnahmen an jenem 22. September 1955 beliefen sich auf £24 000. Einige Branchen waren von der Fernsehwerbung übrigens augeschlossen wie die Bestatter und die Geldverleiher.

Die BBC betrachtete den Auftritt des Konkurrenten ITV damals mit gemischten Gefühlen und warnte die Zuschauer vor den ständigen Programmunterbrechungen durch Werbespots. An jenem denkwürdigen Abend des Jahres 1955 versuchte die BBC potentielle ITV-Seher lieber vor den Radioapparat zu locken, denn sie sendete zeitgleich eine besonders spannende Episode der legendären „Archers“. Half aber alles nichts, denn im Laufe der 1950er Jahre überflügelte ITV die BBC und erreichte deutlich höhere Einschaltquoten.

Hier ist der erste britische Werbespot zu sehen.

Published in: on 8. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Barron Knights – Sie fabrizieren Popmusik-Parodien seit über 50 Jahren

In den 1960er Jahren tourten sie mit den Beatles und den Rolling Stones, sie hatten einige Top Ten-Hits in England wie „Call Up the Groups„, „Pop Go the Workers“ oder „A Taste of Aggro“ und es gibt sie immer noch: The Barron Knights, die sich 1960 in Leighton Buzzard in Bedfordshire formierten. Von den „Ur-Knights“ ist nur noch Pete Langford übrig geblieben, der langjährige Leadsänger Duke D’Mond starb vor fünf Jahren und die restlichen Barron Knights Len Crawley, Lloyd Courtenay und Micky Groome sind im Laufe der Jahre nachgerückt.

Die Spezialität der Barron Knights ist die Parodie. Sie lieben es, mehr oder weniger berühmte Popsongs auf ihre Art zu interpretieren, wobei sie den Text manipulieren. Vielleicht ist das der Grund, warum sie z.B. in Deutschland nicht so bekannt sind, denn man muss schon genau hinhören, um den feinsinnigen Humor zu verstehen.

Sehr schön ist ihre Version des Beach Boys-Song „California Girls(hier zu hören) mit dem Schlusssatz „She had fun, fun, fun till her Daddy took her T-Bone away“ (im Original „She had fun, fun, fun till her Daddy took her T-Bird away“ aus dem Song „Fun, Fun, Fun“ der Beach Boys). Besonders faszinierend finde ich immer wieder wie ähnlich die Barron Knights ihren Popkollegen klingen, die sie parodieren. Hier eine Live-Aufnahme aus den 1960er Jahren, bei der sie die Rolling Stones, Freddie and the Dreamers und die Supremes auf die Schippe nehmen.

Lieferbar sind heute noch eine ganze Reihe von „Best of…“-CDs wie „Funny In The Head“. Eine Bandgeschichte, die allerdings nur bis zum Jahr 1993 reicht, schrieb Pete Langford unter dem Titel „Once a Knight: History of the Barron Knights“ (International Music Publications 1993. 224 Seiten. ISBN 978-1859090824), im Online-Handel problemlos zu bekommen.

Published in: on 7. September 2014 at 02:00  Comments (2)  
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The Royal Greenwich Observatory und das Observatory Science Centre auf dem Gelände des Herstmonceaux Castles in East Sussex

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Da hat sich die kanadische Queen’s University aber einen schönen Platz für ihr Bader International Study Centre ausgesucht, nämlich die Tudorburg Herstmonceux Castle in East Sussex. Der kanadische Geschäftsmann und Absolvent der Queen’s University Alfred Bader wollte das 1992 zum Verkauf stehende Gebäude für seine Frau kaufen, die aber dankend ablehnte, mit der Hinweis, dass sie keine Lust hätte, die zahllosen Räume der Burg alle zu putzen. Also bot Bader Herstmonceux seiner ehemaligen Alma Mater an, die freudig zugriff und seit 1994 ihren Studenten diesen Forschungsplatz in England zur Verfügung stellt.

Auf dem Gelände der Burg befand sich eine Zeitlang das Royal Greenwich Observatory, das, wie der Name schon sagt, vorher seinen Standort in Greenwich hatte. Die Astronomen dort hatten zunehmend Probleme mit der Londoner Lichtverschmutzung (=“die Aufhellung des Nachthimmels durch Lichtquellen, deren Licht in den Luftschichten der Erdatmosphäre gestreut wird“, so die Wikipedia), also suchte man sich für die Himmelsbeobachtung einen ländlichen Ort, wo es nachts auch wirklich dunkel war. Das Gelände des Herstmonceux Castles bot sich an und so baute man hier neue Observatorien, die 1957 fertiggestellt wurden. 1967 nahm man eines der stärksten Teleskope der Welt auf dem Burggelände in Betrieb, das Isaac Newton Telescope (hier ein kleiner Film aus dem Jahr 1967). Doch allmählich bekamen die Astronomen auch in East Sussex Probleme mit ihren Himmelsbeobachtungen, teils durch das häufig schlechte Wetter, teils durch den zunehmenden Flugverkehr; folglich zog das Isaac Newton Telescope 1979 nach La Palma, eine der Kanarischen Inseln, um. Das Royal Greenwich Observatory schloss 1990 seine Pforten in Herstmonceux und wurde in Cambridge angesiedelt, wo man es 1998 ganz auflöste. In Greenwich gibt es jetzt noch das Royal Observatory als Teil des National Maritime Museums.

In den 1990 zurückgebliebenen Gebäuden mit den sechs grünen Kuppeln, in denen die Telskope unterbracht waren, der sogenannten Equatorial Group, richtete man nach dem Auszug des Royal Greenwich Observatory nach umfangreichen Umbauarbeiten und unter Zuhilfenahme von Mitteln aus den Töpfen des National Heritage Lottery Funds das Observatory Science Centre („Hands-on science for all the family“) ein. Jeder der sich für Astronomie interessiert dürfte hier voll auf seine Kosten kommen. Man legt wert auf interaktive Ausstellungen, um damit auch Kinder und Jugendliche anzusprechen, einige der historischen Teleskope wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, man veranstaltet die UK National Astronomy Week und ein Astronomy Festival und bietet Vorträge zu allen relevanten Themen rund um die Astronomie an (im November z.B. „Comets and Curry“, also indisches Essen plus Sterngucken).
Man lässt sich Vieles hier einfallen in Herstmonceux!
Geöffnet ist das Observatory Science Centre vom 1. Februar bis zum 30. November, im Dezember und Januar an einigen Wochenenden. Der Eintritt kostet £8.80.

The Observatory Science Centre
Herstmonceux
Hailsham
East Sussex
BN 27 1RN

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Das Herstmonceux Castle.    © Copyright Chris Heaton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Herstmonceux Castle.
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Skegness, Blackpool und Clacton-on-Sea – Über den Niedergang der englischen Seebäder

Der Jolly Fisherman in Skegness erinnert an bessere Zeiten.    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Jolly Fisherman in Skegness erinnert an bessere Zeiten.
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Vielen englischen Seebädern geht es nicht gut. Die Gästezahlen schrumpfen seit Jahren, als Folge haben die Leerstände zugenommen, kleine Läden, Pubs, Pensionen und Hotels sind mit Brettern zugenagelt, was die Attraktivität der Orte nicht gerade erhöht. Die Folge: Es kommen noch weniger Gäste; es ist schwer, diese Abwärtsspirale aufzuhalten. Im letzten Jahr veröffentlichte das Centre for Social Justice eine Studie mit dem Titel „Turning the Tide„, in der man versuchte herauszubekommen, welche Ursachen für den Niedergang der Seebäder verantwortlich sind. Da sind die Billigflieger, die die britischen Urlauber für ein paar Pfund Sterling an die südeuropäischen Strände bringen, wo das Wetter beinahe garantiert besser ist als in Skegness oder in Cleethorpes. Früher brachten die aufkommenden Eisenbahnen einen Boom der „seaside areas“, jetzt ist es ein anderes Transportmittel, die Flugzeuge von Easyjet oder Ryanair, die die Urlauber aus den heimatlichen Seebädern fernhalten. Britische Pubs mit britischem Bier gibt es an den Stränden Mallorcas oder anderswo sowieso in Hülle und Fülle, also warum an die kühle Ost- oder Westküste fahren; das Schwimmen ist hier auch kein besonderes Vergnügen. Also gehen viele auf Nummer sicher und buchen einen Auslandsurlaub. Auch die in England so beliebten Hen- und Stagparties, die vorzugsweise an der See „zelebriert“ wurden, finden jetzt eher in den baltischen Staaten oder in Prag statt, wo man mit attraktiven Angeboten lockt.

Der Immobilienmarkt geht in den betroffenen Regionen natürlich auch den Bach herunter; die leerstehenden Häuser sind kaum mehr an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Dafür ist in in den letzten Jahren eine neue Entwicklung eingetreten: Die ehemaligen Pensionen und kleinen Hotels werden für die Unterbringung von bedürftigen Familien verwendet, die in London oder anderen Großstädten von den Sozialämtern auf Grund der Entwicklung der Grundstückspreise und Mieten nicht mehr versorgt werden können. Man spricht von vielen Seebädern schon als „dumping ground for the poor“ und wo schon einmal arme Menschen wohnen, kommen noch mehr arme Menschen hin. Die Nebenwirkungen sind Alkoholismus, Drogenkonsum und Teenager-Schwangerschaften. In der „Turning the Tide“-Studie fand man heraus, dass z.B. 41% der Bevölkerung von Clacton-on-Sea in Essex keinerlei Ausbildungsabschluss und dass Blackpool die höchste Quote an Heimkindern von ganz England hat.

Das Office for National Statistics hat ein Negativ-Ranking veröffentlicht, in dem die Seebäder aufgelistet sind, denen es am schlechtesten geht. Da steht auf Platz 1 Skegness in Lincolnshire, dessen berühmtes Maskottchen „The Jolly Fisherman“ einst für hohe Gästezahlen sorgte (ich berichtete in meinem Blog darüber).
Auf Platz 2 findet man Blackpool an der Westküste, früher einmal ein Dorado für Urlauber aus den Industriestädten der Midlands, wo man sich in zahllosen Amusement Arcades verlustieren konnte. Diese Vergnügungshallen gibt es noch immer, aber es sind immer weniger Besucher da, die sie auch benutzen.
Der 3. Platz wird von dem schon erwähnten Clacton-on-Sea eingenommen, Platz 4 von Hastings an der Südküste und Platz 5 von Ramsgate in Kent.

Doch es gibt auch Seebäder, die diese Probleme nicht haben, z.B. Brighton, wo immer jede Menge los ist oder Whitby an der Küste Yorkshires, das sehr erfindungsreich ist und wo man u.a. von Dracula, Ghost Walks und Goth Weekends profitiert. Vielleicht müsste man einfach in den Seebädern neue Marketingideen entwickeln, um die Touristen wieder zurückzuholen, denn schöne Strände gibt es hier allemal.

Morrisseys Song und Video Everyday is Like Sunday“ („This is the coastal town that they forgot to close down – Armageddon – come Armageddon!“) gibt die Atmosphäre eines „doomed seaside resorts“ wieder. Gedreht wurde das Musikvideo in Southend-on-Sea (Essex), auch ein Ort, der mit Problemen zu kämpfen hat.

Eselreiten in Blackpool.    © Copyright Gerald England and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Happy "London-by-the-sea": Brighton. Eigenes Foto.

Happy „London-by-the-sea“: Brighton.
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Published in: on 5. September 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Pubschilder – The Drunken Duck in Walsall Wood (West Midlands)

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Es gibt mehrere Pubs in England, die sich den schönen Namen „The Drunken Duck“ zugelegt haben. Einer von ihnen ist der in der High Street in Walsall Wood in den West Midlands. Das Pubschild zeigt die Bescherung mit den betrunkenen Enten, die plötzlich und unerwartet in den Genuss von Bier gekommen sind.
Hier ist die Geschichte, die auf der Webseite des anderen Drunken Duck Inns in Outgate (Cumbria) nachzulesen ist:

Zurzeit Königin Victorias fand eines Tages die Inhaberin eines Pubs alle ihre Enten auf dem Rücken liegend vor und ging davon aus, dass sie aus unerfindlichen Gründen der Tod ereilt hatte. Da sie nichts umkommen lassen wollte, machte sie sich daran, das Federvieh zu rupfen und für das Abendessen zuzubereiten. Die schmerzhafte Prozedur brachte die Enten aber wieder ins Leben zurück, zur großen Verwunderung der Landlady. Sie ging der Sache nach und fand heraus, dass ein Bierfass ein Leck hatte und dass das alkoholische Getränk in den Wassergraben gelangt war, in dem sich die Enten immer ihre flüssige Nahrung holten. Dieses neue Wasser/Biergemisch schien dem Geflügel sehr gut zu schmecken und sie taten sich alle daran gütlich, bis, ja bis sie alle darniederlagen und ihren Rausch ausschliefen.
Die Publady änderte ihren abendlichen Speiseplan wieder um, es gab keine „roasted duck“, sondern irgendetwas anderes. Da die gerupften Enten nun alle sehr nackt aussahen, soll die Dame ihren Lieblingen kleine Jäckchen gestrickt haben, damit sie wieder vorzeigbar waren.

Auf dem Pubschild machen die Enten einen wirklich fröhlichen Eindruck (was für die Qualität des dort ausgeschenkten Bieres spricht).

The Drunken Duck
55 High Street
Walsall Wood WS9 9LR

The Drunken Duck in Walsall Wood (West Midlands).    © Copyright Ian S and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 4. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Eine russische Prinzessin auf Hayling Island (Hampshire)

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Hayling Island ist eine Insel im äußersten Süden der Grafschaft Hampshire, die durch die Langstone Bridge mit dem Festland verbunden ist. Hier wohnte von 1932 bis 1959 Catherine Alexandrovna Yurievskaya (die Schreibweisen des Namens variieren), eine russische Prinzessin und uneheliche Tochter des Zaren Alexander II. Ihre Mutter, erst Mätresse des Zaren, später seine Frau, war Catherine Dolgorukova. Nachdem Alexander II 1881 einem Attentat zum Opfer gefallen war, zog die dreijährige Catherine mit Mutter und Geschwistern nach Frankreich. Dort heiratete sie 1901 den Prinzen Alexander Vladimirovich Baryatinsky, ein zweite Ehe ging sie 1916 mit dem russischen Prinzen Serge Obolensky ein. Aber auch diese Ehe lief nicht gut, der Prinz verließ sie 1922 und im Jahr darauf ließ sich Prinzessin Yurievskaja scheiden.

Sie verdiente von nun an ihren Lebensunterhalt als Sängerin und ließ sich 1932 auf Hayling Island nieder, wo sie zwei Häuser besaß, The Haven und Naini. Da sie an Asthma litt, hatte sich die russische Prinzessin die Insel ausgesucht, weil ihr die klimatischen Verhältnisse dort gut bekamen. Finanziell ging es ihr allmählich nicht mehr so wie sie es von früher gewohnt war und so war sie froh, dass der britische Königshof sie unterstützte. Als aber auch diese regelmäßigen Zahlungen 1953 aufhörten, musste sie so gut wie alles verkaufen, was sie noch besaß. Schließlich zog sie in ein Pflegeheim auf Hayling Island, in dem sie am 22. Dezember 1959 starb. Ihr Grab findet sich auf dem Kirchhof von St Peter’s in North Hayling und der Stein trägt die Aufschrift „Here Rests in God, H.S.H (Her Serene Highness) Princess Catherine Yourievsky, Born 2nd September 1880, Died 22nd December 1959“. Bei ihrer Beerdigung waren lediglich zwei Familienmitglieder anwesend, ihr zweiter Mann Prinz Obolensky und ihr Neffe Prinz Alexander Yurievsky.

St Peter's Church in North Hayling (Hampshire). Hier ruht die russische Prinzessin.    © Copyright John Firth and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter’s Church in North Hayling (Hampshire). Hier ruht die russische Prinzessin.
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Published in: on 3. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Test Valley in Hampshire – Leben hier die glücklichsten Menschen Englands?

Der River Test bei Longstock,    © Copyright Jonathan Billinger and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der River Test bei Longstock,
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Der Test River ist ein 64 Kilometer langer Fluss in der Grafschaft Hampshire, der westlich von Basingstoke entspringt und sich bei Southampton in den Ärmelkanal ergießt. Auf dem Weg dorthin, gewährt er einigen kleineren Flüßchen wie dem River Dun und dem River Blackwater Asyl. Wer den Roman „Watership Down“ (dt. „Unten am Fluss“) von Richard Adams gelesen hat, kann sich vielleicht noch an die Landschaftsschilderungen erinnern, die hier am River Test ihren Ursprung haben.

Nach einer aktuellen Untersuchung der Tageszeitung „Daily Telegraph“ ist das Test Valley in Hampshire die Region Englands, in der es sich am besten leben lässt. 7137 Regionen in England und Wales kamen bei dieser Untersuchung auf den Prüfstand, wobei die Faktoren
Einkommen, wirtschaftliche Aktivität, Hauseigentum, Kriminalität und Gesundheit
ausschlaggebend waren. Dabei erzielte das Test Valley insgesamt die Bestwerte, wobei die Region vor allem beim Haushaltseinkommen (Rang 4), bei der Gesundheit der Bevölkerung (Rang 49) und der niedrigen Kriminalitätsrate (Rang 83) punktete.

Andover, eine Stadt mit 52 000 Einwohnern, ist der Verwaltungssitz des Test Valleys. Hier dominieren Einrichtungen der britischen Armee, und so ist auch das Verteidigungsministerium der größte Arbeitgeber der Stadt. Andover hat sich der Gesundheit verschrieben, indem sie eine Heart Town geworden ist, d.h. man legt hier großen Wert auf gesundes Leben, körperliche Ertüchtigung und sagt dem Rauchen den Kampf an. Das spielt sich alles im Rahmen der sogenannten Andover Vision ab, ein auf 20 Jahre angelegtes Projekt, das den Lebensstandard der Bewohner deutlich anheben, das Gemeinschaftsgefühl steigern und die örtliche Wirtschaft fördern soll.

Die anderen Orte des Test Valleys sind namentlich wohl weniger bekannt wie
Stockbridge (ein Dorado für Fliegenfischer; hier gibt es jede Menge Forellen im River Test)
Romsey (der Ort diente in der TV-Krimiserie „The Ruth Rendell Mysteries“ als Kingsmarkham, wo Inspector Wexford agierte)
Thruxton (Heimat des Thruxton Circuit, einer Rennstrecke für Autos und Motorräder)
Amport (Sitz des Hawk Conservancy Trusts, der sich um die Bestandserhaltung von Greifvögeln kümmert)

Der River Test bietet sich für Wanderer an; ähnlich wie beim Thames Path, kann man auf dem Test Way den ganzen Fluss von Inkpen an der Quelle bis zur Mündung ins Southampton Water entlangwandern.

Bei der Untersuchung des Daily Telegraph folgten auf den Plätzen 2-5:
2. Wokingham (Berkshire)
3. Die Grafschaft Northumberland
4. East Hertfordshire
5. Stockton-on-Tees (County Durham)

Auf dem letzten Platz der Untersuchung landete übrigens, sorry, East Marsh, ein Teil der Stadt Grimsby in Lincolnshire.

Das Stadtzentrum von Andover.    © Copyright Jeremy Bolwell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Stadtzentrum von Andover.
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Die 10 besten Restaurants des Jahres 2014 in Großbritannien – So wie es der Good Food Guide sieht

Sieht nicht nach einem Toprestaurant aus,ist aber eines, das Sat Bains am Rand von Nottingham.    © Copyright Richard Vince and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sieht nicht nach einem Toprestaurant aus, ist aber eines, das „Sat Bains“ am Rand von Nottingham.
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Unter der gleichen Überschrift hatte ich im Herbst des letzten Jahres über die Top Ten der englischen Restaurantszene berichtet, kurz nachdem der „Good Food Guide“ erschienen war. Am 8. September erscheint nun der „Good Food Guide 2015„, aber schon jetzt ist bekannt geworden wie die aktuellen besten 50 Restaurants in Großbritannien heißen.

Unter den ersten Zehn hat sich bis auf eine Position nicht viel getan. Die Höchstbewertung von 10 Punkten erhielten drei Etablissements:
– Simon Rogans „L’Enclume“ im von London weit entfernten Cartmel (Cumbria), zum zweiten Mal.
-Heston Blumenthals „Fat Duck“ in Bray (Berkshire), zum siebten Mal hintereinander
– Das „Restaurant Gordon Ramsay“ in der Royal Hospital Road im Londoner Stadtteil Chelsea mit Clare Smyth als Chefköchin; sie ist die einzige Köchin in Großbritannien mit 10 Punkten und drei Michelinsternen.

Jeweils 9 Punkte erhielten:
– Das „Restaurant Nathan Outlaw“ im Saint Enodoc Hotel in Rock (Cornwall), in dem Nathan Outlaw auch am Herd steht; der „Guide Michelin“ verlieh ihm 2 Sterne.
– Das „Hibiscus“ in der Londoner Maddox Street in Mayfair mit Chefkoch Claude Bosi.
– Das „Pollen Street Social„, ebenfalls in Mayfair in London. Am Herd steht hier Jason Atherton.
– Das „Restaurant Sat Bains“ in Nottingham, das auch zwei Michelinsterne hat, mit Satwant Singh „Sat“ Bains am Herd.

Auf den Plätzen 8 bis 10 liegen:
– „The Square„, natürlich auch wieder in Mayfair. Hier ist Gary Foulkes der Head Chef, ebenfalls mit zwei Michelinsternen ausgezeichnet.
– “ Le Champignon Sauvage“ in Cheltenham (Gloucestershire), neu unter den Top Ten. Chef ist hier David Everitt-Matthias, Inhaber von zwei Michelinsternen. Das Restaurant hat Raymond Blancs „Le Manoir aux Quat’Saisons“ in Great Milton (Oxfordshire) aus der Zehnerliste verdrängt (jetzt Platz 13).
– „The Ledbury“ im Londoner Notting Hill mit Chefkoch Brett Graham.

Einige Restaurants unter den Top 50 möchte ich noch erwähnen:
Platz 16: „The Dining Room“ im Whatley Manor Hotel in Easton Grey bei Malmesbury (Wiltshire), ein sehr schönes Country House Hotel. Martin Burge schwingt hier den Kochlöffel (2 Michelinsterne).
Platz 18: „Andre Garrett at Cliveden“ im großartigen Cliveden Hotel bei Taplow in Berkshire. Andre Garratt arbeitet hier seit 2013. Ich hatte das Vergnügen, bei seinem Vorgänger zu essen.
Platz 28: „Artichoke“ in Old Amersham (Buckinghamshire). Hier heißt der Chefkoch Laurie Gear, der sogar schon einmal im besten Restaurant der Welt, dem „Noma“ in Kopenhagen, gearbeitet hat.
Platz 29: „Fischer’s Baslow Hall„, ein Hotelrestaurant in Baslow im nicht gerade mit Michelinsternen verwöhnten Derbyshire. Head Chef ist hier Rupert Rowley.

Das "Champignon Sauvage" (links) in Cheltenham (Gloucestershire).    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das „Le Champignon Sauvage“ (links) in Cheltenham (Gloucestershire).
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"The Ledbury" im Londoner Stadtteil Notting Hill.    © Copyright Roger Davies and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„The Ledbury“ im Londoner Stadtteil Notting Hill.
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Published in: on 1. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar