T.S. Eliots und William Dampiers letzte Ruhestätten in St Michael & All Angels in East Coker (Somerset)

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„In my beginning is my end, in my end is my beginning“, so heißt es in dem Gedicht „East Coker„, das T.S. Eliot 1940 als Teil der „Four Quartets“ veröffentlichte. Unter dem Titel „Vier Quartette“ erschien die Gedichtsammlung 1948 auch in deutscher Sprache. Der 1888 in St Louis in Missouri geborene Lyriker und Nobelpreisträger, der 1927 britischer Staatsbürger wurde, hielt sich 1937 in Somerset auf und besuchte dort East Coker, ein 1700-Seelen-Dorf südlich von Yeovil, und die Kirche St Michael & All Angels. Hier hatte im 17. Jahrhundert einer von Eliots Vorfahren gearbeitet, Reverend Andrew Elyot, der 1669 in die Neue Welt auswanderte. Dessen Wirkungsstätte wollte T.S. sehen und ihm gefiel die Kirche so gut, dass er den Wunsch äußerte, hier einmal beigesetzt zu werden. Eliot starb 1965 in seinem Haus in den Kensington Court Gardens in London, wurde im Golders Green Crematorium eingeäschert und seine Asche brachte man wunschgemäß nach East Coker. Eine Plakette an der Wand von St Michael & All Angels erinnert an den großen Lyriker.

Nur ein paar Meter von Eliots Plakette entfernt, findet man eine andere, die einen Mann ehrt, der 1651 in East Coker geboren wurde: William Dampier umrundete dreimal den Globus und unternahm dabei Forschungsarbeiten. Er hatte auch eine dunkle Seite, denn er unternahm zahlreiche Kaperfahrten als Freibeuter, bei denen er es auf spanische und französische Schiffe abgesehen hatte. Bei seiner dritten Erdumrundung nahm er den Seemann Alexander Selkirk an Bord, der über vier Jahre ganz allein auf einer der Juan Fernandez-Inseln westlich von Chile gelebt hatte und der später als Robinson Crusoe in die Weltliteratur Eingang fand. Dampier starb 1715 in London und er wurde auf dem Kirchhof von St Michael & All Angels in einem heute unbekannten Grab beigesetzt. Sein Buch „Voyage Around the World“ erschien 2012 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Neue Reise um die Welt: Ein Pirat erforscht die Erde“ im Berliner Verlag der Pioniere, ein gewaltiges Werk von über 1000 Seiten.

Die Bewohner von East Coker sträuben sich nach wie vor gegen Pläne, direkt vor der Haustür eine riesige Neubausiedlung anzulegen, die den Charakter des Dorfes ihrer Meinung nach stark in Mitleidenschaft ziehen würde. Hier ist ein Film über das (bis jetzt) idyllische Dorf; dieser Film zeigt den Widerstand der Bevölkerung gegen das Projekt.

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Benny Hills Lied vom tödlichen Kampf zwischen einem Milchmann und einem Backwarenauslieferer

Benny Hills Wachsfigur. Author: Ricardo Liberato. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Benny Hills Wachsfigur.
Author: Ricardo Liberato.
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Benny Hill (1924-1992) gehört zu den Legenden der britischen Comedians. Seine populäre Benny Hill Show lief von 1955 bis 1989 und wurde in weit über 100 Länder verkauft, darunter auch nach Deutschland, wo das ZDF die Sendung in den 1970er Jahren ausstrahlte (hier ein Beispiel). Aber eigentlich muss man Benny Hill im Original hören!

Bevor Benny Hill Comedian wurde, arbeitete er u.a. als Milchmann für die Molkerei Hanns Dairy in Eastleigh (Hampshire). Mit einem Pferdewagen lieferte er in der Stadt die Milch aus, und genau diese Tätigkeit inspirierte ihn zu seinem Lied „Ernie (The Fastest Milkman in the West)„, das es zu Weihnachten 1971 auf Platz 1 der britischen Charts schaffte. Benny Hill, der eigentlich Alfred Hawthorne Hill hieß, schrieb den Song selbst und darin geht es um Folgendes:

Ernie ist Milchmann in Eastleigh, wobei der Name der Stadt nicht erwähnt wird, dafür aber die Market Street, die es wirklich in Eastleigh gibt. Er hat sich unsterblich in eine Witwe namens Sue verliebt, der er dreimal pro Woche Kakao ins Haus liefert. Sie würde gern einmal in Milch baden, beichtet sie ihm und prompt bringt ihr Ernie eine ganze Wagenladung davon. Es reicht, wenn die Milch in der Badewanne bis zu meinen Brüsten reicht, meint Sue frivol. So weit so gut, wenn da nicht ein Erzrivale wäre: Two Ton Ted aus Teddington, der im gleichen Ort Backwaren ausliefert. Ted versucht die schöne Witwe mit wohlschmeckenden Fleischpasteten, köstlichen Makronen und wunderbarem Teekuchen herumzukriegen. Eines Tages kommt es zum Showdown, als Ted den Wagen von Ernie vor Sues Haus geparkt vorfindet. Die beiden liebeskranken Streithähne geraten aneinander und bewerfen sich mit den Produkten, die sie eigentlich ausliefern sollen. Ted greift zu seinen Brötchen und Ernie zu seinem Erdbeerjoghurt. Sue versucht noch die beiden zu trennen, doch dann wird der arme Ernie erst von einem steinharten Früchtekuchen getroffen und dann bohrt sich auch noch eine altbackene Schweinefleischpastete in sein Auge. Das war’s dann für Ernie, er überlebt Teds Attacke nicht. Das Ende der Geschichte: Ted heiratet Sue und in ihrer Hochzeitsnacht hören die beiden merkwürdige Geräusche. Ist das Ernie, der sich da als Geist bemerkbar macht? Der arme Dahingeraffte fährt jetzt seine Milchrunden im Himmel, wo die Engel zu seinen Kunden gehören und wo das Leben eines Milchmanns voller Freude und Glück ist. Das ist die Geschichte vom schnellsten Milchmann in Englands Westen.

In Eastleigh hat man eine Straße nach Benny Hill benannt, allerdings nur eine kleine Sackgasse, den Benny Hill Close. Wer nicht weiß, wo Eastleigh liegt: Die Stadt findet man nördlich von Southampton an der Autobahn M3.

Hier ist das Lied und das Video zu „Ernie (The Fastest Milkman in the West)“ zu hören.

Die Market Street in Eastleigh.    © Copyright Peter Facey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Market Street in Eastleigh (Hampshire)
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Der Benny Hill Close in Eastleigh.    © Copyright Peter Facey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Benny Hill Close in Eastleigh.
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Published in: on 29. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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I love… Tudor chimneys

Die Dachlandschaft von Hampton Court.    © Copyright Christine Matthews and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Dachlandschaft von Hampton Court.
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Hampton Court in Surrey ist in England mit Abstand das Haus mit den meisten Schornsteinen auf dem Dach; ich habe sie zwar nicht selbst gezählt, es sollen aber 241 Exemplare sein. Mir gefallen diese dekorativen Tudor-Ziegelschornsteine sehr, und sie sind ein wesentlicher Bestandteil dieses 1000-Zimmer-Hauses. In der Zeit der Tudors gewann Kohle als Heizmaterial zunehmend an Bedeutung. Während früher für die Holzbefeuerung meistens ein Loch in der Decke genügte, damit der Rauch abzog, musste man jetzt mit der Kohle andere Wege einschlagen, damit die Bewohner nicht an Rauchvergiftung zu Grunde gingen. So machte man aus der Not eine Tugend und setzte Schornsteine, meist mehrere zusammengefasst, in dekorativer Form auf die Dächer. Einige Architekten verwendeten verschiedenfarbige Backsteine, andere wiederum gaben den Schornsteinen eine verdrillte Form; auf jeden Fall waren sie bzw. sind sie immer noch Schmuckstücke auf den Dächern herrschaftlicher Häuser. Da die Rauchabzüge Wind und Wetter besonders stark ausgesetzt sind, müssen sie natürlich auch häufig repariert werden. Auf Hampton Court hat wohl kaum einer der Original-Schornsteine überlebt, fast alle wurden im Laufe der Zeit ersetzt, wobei man versuchte, so viel Ziegel wie möglich wiederzuverwenden.

Ich habe hier einmal einige Beispiele für Schornsteine aus der Tudorzeit zusammengestellt:

Thornbury Castle in Gloucestershire.    © Copyright Neil Owen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Ightham Mote in Kent.    © Copyright Oast House Archive and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Layer Marney Tower in Essex.    © Copyright Derek Voller and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Holkham in Norfolk.    © Copyright Derek Voller and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 28. November 2014 at 02:00  Comments (4)  

Charles Dickens, Little Nell und ein Grab in Tong (Shropshire)

Author: Oosoom. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

St. Bartholomew’s in Tong.     Author: Oosoom.
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1841 veröffentlichte Charles Dickens seinen Roman „The Old Curiosity Shop“ (dt. „Der Raritätenladen“), in dem er das Leben der Nell Trent beschreibt, die bei ihrem Großvater in London wohnt, der einen Krimskramsladen namens The Old Curiosity Shop betreibt. Großvater möchte seiner Enkelin gern bei seinem Ableben ein finanzielles Polster hinterlassen und versucht das mit nächtlichen Kartenspielen zu erreichen, was aber gründlich in die Hose geht. Er verspielt das bisschen Geld, das er besitzt und gerät auch noch in die Fänge eines üblen Geldverleihers. Letztendlich müssen der Großvater und Nell den Laden verlassen, sie ziehen in die Midlands, wo sie versuchen, ihren Lebensunterhalt durch Betteln zu bestreiten.  Die ständigen Ortswechsel und das karge Leben werden für die kleine Nell zu viel, so dass sie schon sehr früh stirbt. Der geistig verwirrte Großvater sitzt jeden Tag an ihrem Grab und wartet darauf, dass seine Enkelin zurückkommt. Bald darauf stirbt auch er.Eine tieftraurige Geschichte, die die Leser damals zu Tränen rührte. Besonders in den Vereinigten Staaten fand der Roman reißenden Absatz und Amerikaner auf Besuch in England wollten unbedingt das Grab von Little Nell sehen.

Charles Dickens hatte den Sterbeort des kleinen Mädchens in seinem Roman dem Dorf Tong in Shropshire nachempfunden, wo seine Großmutter als Haushälterin im Tong Castle arbeitete. Er hatte sie dort mehrfach besucht und kannte Tong und die Dorfkirche St Bartholomew’s sehr gut. Also kamen die amerikanischen Besucher auch zum Kirchhof von Tong, um Nells letzte Ruhestätte aufzusuchen, die natürlich nicht existierte. Da hatte im Jahr 1910 der pfiffige Küster George Bowden eine zündende Idee. Er fälschte die Kirchenbücher des Ortes, indem er den Tod des Mädchens (den er irrigerweise als Nell Gwynn angab) dort einfügte, dann hob er ein Grab aus und brachte daran eine Plakette mit den Inschrift „The reputed grave of  Little Nell“ an. Um daraus auch noch einen gewissen Profit zu schlagen, mussten die Besucher einen Shilling bezahlen, um das falsche Grab zu sehen.

Noch heute sollen US-Touristen zum Friedhof von St Bartholomew’s kommen, um das unscheinbare Grab zu besichtigen, allerdings ohne dafür bezahlen zu müssen, und die gefälschte Geschichte hat man auch nicht mehr aufrecht erhalten.

Tong liegt an der A41, die von Newport nach Wolverhampton führt, dicht an der Ausfahrt 3 der Autobahn M54.

Dieser Film zeigt die Kirche St Bartholomew’s und das Grab von Little Nell und hier gibt es Informationen über den „Old Curiosities Shop“ in London.

Published in: on 27. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Clandon Park (Surrey) und das Maori Meeting House

Das Maori Meeting House in Clandon Park. This photo is in the public domain.

Das Maori Meeting House in Clandon Park.
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In London gibt es am Haymarket das New Zealand House, in dem u.a. auch der Ngata Ranana Maori Club untergebracht ist, der sich das Ziel gesetzt hat „to provide New Zealanders residing in the United Kingdom and others interested in Māori culture an environment to teach, learn and participate in Māori culture“, so steht es auf der Webseite des Clubs. Über 8000 Maoris sollen in England ansässig sein.

Nicht allzu weit von London entfernt, auf dem Gelände des palladianischen Herrenhauses Clandon Park bei Guildford in Surrey, liegt ein Gebäude, das gern von den in England lebenden Maoris aufgesucht wird: Das Maori Meeting House oder Hinemihi. Das Haus stand ursprünglich in Neuseeland am Lake Tarawera auf der Nordinsel, im Schatten des gleichnamigen Vulkans, der am 10. Juni 1886 ausbrach. Über 150 Menschen kamen dabei ums Leben; einige Bewohner des Maori-Dorfes Te Wairoa suchten in einem Haus Schutz, das fast unter der Last der Asche und der vom Mount Tarawera ausgespuckten Steine zusammenbrach. Doch es hielt stand und rettete dadurch vielen Menschen das Leben. Der damalige Gouverneur von Neuseeland, Lord Onslow, kaufte das Haus für £50 und veranlasste, dass es auseinandergebaut und mit einem Schiff nach England transportiert wurde. Dort baute man es in Clandon Park wieder auf, ein Anwesen, das den Onslows gehörte. Während des 1. Weltkriegs diente Clandon Park als Militärhospital, in dem auch Soldaten des Maori-Battalions untergebracht waren. Diese Männer kümmerten sich um das Meeting House, reinigten es und setzten es wieder instand.

Seit 1956 gehörte Clandon Park und Hinemihi dem National Trust; beide sind zu zu bestimmten Zeiten zu besichtigen. Im und am Maori Meeting House finden Veranstaltungen statt, bei denen die Kultur der Maoris im Mittelpunkt steht.

Hier ist ein Film über das Meeting House des neuseeländischen Fernsehsenders Marae.

Nachtrag vom 01.05.2015: Clandon Park ist am 29. April 2015 von einer furchtbaren Feuerkatastrophe heimgesucht worden, die große Teile des Hauses mit vielen seiner Kostbarkeiten zerstört hat. Das Maori Meeting House ist vom Feuer nicht betroffen.

Aufführung des rituellen Haka-Tanzes vor dem Meeting House.    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aufführung des rituellen Haka-Tanzes vor dem Meeting House.
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Clandon Park House in Surrey.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Clandon Park House in Surrey.
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Meine Lieblings-Pubs – The Church House Inn in Stokenham (Devon)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Auf dem Weg von Torquay nach Burgh Island in Devon machten wir mittags Rast in Stokenham an der A379, im dortigen Church House Inn, der, wie der Name schon vermuten lässt, direkt neben der Kirche steht. St Michael & All Angels heißt die schöne Kirche aus dem 15. Jahrhundert, die zu den größten der Grafschaft zählt.

Wenn es auf dem pubeigenen Parkplatz zu voll ist, kann man gegenüber auf dem Parkplatz der Kirche sein Auto abstellen. Bei schönem Wetter kann man sein Pint oder seinen Lunch in dem großen Biergarten einnehmen oder in dem angebauten gläsernen Wintergarten. Im Church House Inn werden Biere der Otter Brewery ausgeschenkt, die in der Nähe von Honiton in Devon angesiedelt ist. Ich entschied mich für ein Otter Bitter.

Vor dem Haus stehen einige Palmen, so dass bei Sonnenschein ein beinahe mediterranes Feeling aufkommt.
Über die Geschichte des Church House Inns habe ich nur wenig in Erfahrung bringen können. Im Zweiten Weltkrieg diente die Küstenregion von Süd-Devon als Trainingsplatz für die alliierten Truppen, die die Landung in der Normandie vorbereiteten. Bei diesen Übungen gingen einige Häuser zu Bruch, und so erlitt auch der Church House Inn schwere Schäden durch eine Granate, die in seinem Dach einschlug. Die gegenüberliegende Kirche kam dabei glimpflich davon.

Meine Empfehlung für einen Zwischenstopp im Süden Devons!
Church House Inn
Stokenham
Devon TQ7 2SZ

St Michael & All Angels neben dem Church House Inn in Stokenham (Devon). Eigenes Foto.

St Michael & All Angels neben dem Church House Inn in Stokenham (Devon).
Eigenes Foto.

Published in: on 25. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Ringmer (East Sussex)

With friendly permission of Louise and Colin.

With friendly permission of Louise and Colin.

Hübsche und aussagekräftige Village Signs gibt es natürlich nicht nur in East Anglia, sondern auch in anderen Regionen Englands. Ein gutes Beispiel ist das Dorfschild von Ringmer in East Sussex, an der B2192 nordöstlich von Lewes gelegen. Dominiert wird das Schild von einer Schildkröte mit der Inschrift „Gilbert White 1720-1793 His Tortoise“. Was hat es damit auf sich?
Gilbert White war ein Pfarrer und Naturforscher, der durch sein Buch „The Natural History and Antiquities of Selborne“ bekannt wurde, das 1789 erschien und noch heute lieferbar ist. Selborne ist der Ort in der Grafschaft Hampshire, in der White geboren wurde, lange lebte und dort auch starb. Gilbert Whites Tante Rebecca Snooke lebte in Ringmer am Village Green im Delves House, und sie wurde häufig von ihrem Neffen besucht. Mrs. Snooke besaß eine Schildkröte namens Timothy, von der White fasziniert war und über die er auch schrieb. Nach dem Tod seiner Tante nahm er Timothy mit nach Selborne. Ihr Panzer wurde nach ihrem Ableben in das British Museum nach London gebracht, wo er noch heute zu besichtigen ist.

Das Dorfschild führt aber noch weitere Namen, die für Ringmer von Bedeutung sind/waren. Der Theologe John Harvard (1607-1638), nach dem die berühmte Harvard Universität in Cambridge (Massachusetts) benannt wurde, suchte sich 1636 eine der Dorfschönen von Ringmer zur Frau aus: Ann Sadler, Tochter des Pfarrers und Schwester eines seiner Studienkollegen. Beide emigrierten 1637 nach Amerika, wo John Harvard schon ein Jahr später an Tuberkulose starb. Ann Sadler überlebte ihren Mann um 17 Jahre.

Auf der rechten Seite des Dorfschilds wird an William Penn (1644-1718) erinnert, der sich ebenfalls eine Dame aus Ringmer zur Ehefrau suchte. 1672 heiratete er Gulielma Springett und ging mit ihr nach Amerika, wo er die Kolonie Pennsylvania gründete. Gulielma starb 1694 nach langer Krankheit und wurde in Jordans in Buckinghamshire (ich berichtete in meinem Blog einmal über den Ort) beigesetzt.

In Ringmer sind einige Straßen nach den vier Personen benannt worden, die wir auf dem Village Sign finden; da gibt es eine Springett Avenue, eine Harvard Road, ein Sadlers Way und ein Penn Crescent.

Das Village Green in Ringmer.    © Copyright Simon Carey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Green in Ringmer.
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Die Springett Avenie in Ringmer.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Springett Avenue in Ringmer.
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Die Harvard Road in Ringmer.    © Copyright Simon Carey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Harvard Road in Ringmer.
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Published in: on 24. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die britische Beerdigungskultur – Einige Anmerkungen

Im September diesen Jahres fand in Bournville, südlich von Birmingham, die Ideal Death Show statt, ein Treffen von Leuten, die im britischen Bestattungsgewerbe tätig sind und wo man sich z.B. über aktuelle Entwicklungen im Sargbau informieren konnte. Anlässlich dieser Show wurden einige Auszeichnungen und Preise, die Good Funeral Awards,  vergeben, von denen ich einige hier vorstellen möchte.

Etwas makaber fand ich die Funeral Cake Competition, bei der es darum ging, die schönste Modetorte mit entsprechenden Motiven zu gestalten. Siegerin in dieser Kategorie war Natalie Buckingham von der Firma Buckingham Cake Palace aus Birmingham mit diesem Exemplar.

Funeral Director of the Year 2014 wurde Sarah Clarke von der in Brighton ansässigen Bestattungsfirma ARKA Original Funerals, ein reines Damenunternehmen.

In der Kategorie „Most Promising Funeral Director of the Year 2014“ wurden wieder zwei Damen ausgezeichnet, nämlich Lesley Wallace und Sarah Stuart von Wallace Stuart Independent Lady Funeral Directors aus North Petherton bei Bridgwater in Somerset.

Den Preis für „Best Alternative Hearse“ erhielt eine Firma aus Hartshill im Norden Warwickshires namens Volkswagen Funerals, die als Leichenwagen umgebaute alte VW Camper-Vans für Beerdigungen zur Verfügung stellt.

Gravedigger of the Year“ wurde in diesem Jahr Johnny Yaxley vom Henley Woodland Burial Ground in Henley-on-Thames in Oxfordshire.

Der beste Sarghersteller wird jedes Jahr in der Kategorie „Eternal Slumber Coffin Supplier of the Year“ ermittelt. 2014 erhielt Roger Fowle diese Auszeichnung, der sich in Fowlmere in Hertfordshire auf die Herstellung von umweltfreundlichen Weidensärgen spezialisiert hat.

Alle möglichen und unmöglichen Dinge mit Blumen stellt die Firma Stems UK aus London an, die für ihre „funeral arrangements“ mit dem „Blossom d’Amour Award for Funeral Floristry“ ausgezeichnet wurde.

Der empfehlenswerteste Friedhof des Jahres 2014 schließlich ist Clandon Wood Natural Burial Reserve in West Clandon in Surrey (hier ist ein kurzer Film).

Die Gewinner der Preise erhielten in diesem Jahr eine Statue des ägyptischen Gottes Anubis, dem Gott der Totenriten. Während der Dauer der Ideal Death Show öffneten Death Cafés ihre Pforten mit „opportunities to discuss the grim reaper over tea and cake“.

So wie es in Großbritannien Good Pub Guides gibt, so gibt es auch einen Good Funeral Guide, in dem man über alles informiert wird, was man über Beerdigungen wissen muss.

Bei der Deathshow in Bournville ging es beileibe nicht traurig zu, der britische schwarze Humor war auch hier überall vertreten wie der Film „Putting Fun into the Funeral“ zeigt“ (ein nettes Wortspiel). Was ich ganz erstaunlich finde, ist, dass so viele Frauen in England im Bestattungsgewerbe tätig sind.

Published in: on 23. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Crimewatch – Das britische Gegenstück zu Deutschlands „Aktenzeichen XY…ungelöst“

Eduard Zimmermanns ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ stand Pate als am 7. Juni 1984 das britische Gegenstück mit dem Titel „Crimewatch UK“ bei BBC One vom Stapel lief. Nick Ross und Sue Cook waren die ersten Moderatoren. Ross blieb 23 Jahre dabei, Sue Cook brachte es auf 12 Jahre. Anfangs stand man der Sendung sehr kritisch gegenüber (wie das auch in Deutschland der Fall war); die Polizeibehörden wollten gar nichts damit zu tun haben und lehnten das Verbrecherfangen mit Hilfe der Fernsehzuschauer komplett ab. Schließlich gelang es der BBC doch, einige wenige Polizeichefs von der Idee zu überzeugen und so ging man dann 1984 auf Sendung. In der ersten Folge stand der Mord an der 16jährigen Friseuse Colette Aram aus Nottinghamshire im Mittelpunkt, der zwar nicht mit Hilfe der Zuschauer gelöst werden konnte, aber es gingen immerhin Hunderte von Anrufen ein und das Eis schien gebrochen. Die Polizeidienststellen sahen, dass „Crimwatch“ ihnen bei der Lösung komplizierter Fälle weiterhelfen konnte und so wurde die Sendung fortgesetzt und erreicht auch heute noch hohe Einschaltquoten. Allein 57 Mörder sollen seit Beginn dingfest gemacht worden sein.

Das Format von „Crimewatch“ ist ähnlich wie „Aktenzeichen XY…ungelöst“. Neben dem Hauptmoderator, zurzeit ist es eine Moderatorin namens Kirsty Young, gibt es noch, anders als bei der ZDF-Sendung, zwei Nebenmoderatoren. Martin Bayfield ist seit 2012 zuständig für die Abteilungen „CCTV“, in der Verbrechen gezeigt werden, die von den in Großbritannien allgegenwärtigen Überwachungskameras aufgenommen worden sind und „Wanted Faces“, während sein Kollege Matthew Amroliwala die Ergebnisse früherer Sendungen vorstellt und in „How they were caught“ einen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit wirft.

Ein besonders tragischer Fall ereignete sich 1999, als die damalige Moderatorin der Sendung, Jill Dando, vor ihrer Haustür in London erschossen wurde. War das ein Racheakt von einem der in „Crimewatch“ gesuchten Verbrecher? Vielleicht wird man das nie herausfinden, denn der Fall wurde nicht gelöst. Auch eine Darstellung des Mordfalls in „Crimewatch“ führte zu keinem Ergebnis. Es wurde zwar ein Mann für den Mord verurteilt, aber einige Jahre später bei einer Revision des Falles freigesprochen.

„Crimewatch“ wird von der BBC etwa alle zwei Monate ausgestrahlt. Die nächste wird am 4. Dezember um 21 Uhr gesendet. Ich habe mir einige Folgen angesehen und ich finde „Crimewatch“ sehr gut gemacht.

Hier ist die Sendung vom Oktober 2014.

Published in: on 22. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Greys Court in Rotherfield Greys (Oxfordshire)

Nur ein paar Autominuten von Henley-on-Thames entfernt, steht Greys Court, ein Tudorhaus, dessen Anfänge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Ein früher Bewohner des Hauses war Sir Francis Knollys, der unter Elizabeth I. die Finanzen des königlichen Haushalts verwaltete. Knollys wurde um 1514 hier in Rotherfield Greys geboren und da starb er auch 1596. Greys Court drohte Anfang des 20. Jahrhunderts zu verfallen, bis der Politiker und Geschäfsmann Sir Felix Brunner das Anwesen 1937 kaufte und es wieder in einen vorzeigbaren Zustand verwandelte. 1969 gingen das Haus und die Gärten in den Besitz des National Trusts über.

Aufmerksame Zuschauer der Inspector Barnaby-Serie werden Greys Court in drei Episoden wiedererkennen. Bereits in Folge 8 „Dead Man’s Eleven“ (dt. „Sport ist Mord“) wurde hier gedreht, ebenfalls in Folge 38 „Orchis Fatalis“ (dt. „Die Blumen des Bösen“). Da dient das Haus als Kloster, vor dem Barnaby und Scott einen Mönch um Hilfe bei einer lateinischen Übersetzung bitten; im Hintergrund der Szene ist der mittelalterliche Turm zu erkennen. Schließlich wird in Episode 88 „A Sacred Trust“ (dt. „Vier Bräute für Christus“) aus Greys Court die Midsomer Priory, in der DCI John Barnaby und DS Ben Jones ermitteln.
Über den hübschen Nachbarort Rotherfield Peppard berichtete ich in meinem Blog schon einmal hinsichtlich der Barnaby-Dreharbeiten.

Downton Abbey-Fans haben in Folge 3 der dritten Staffel auch schon einmal Bekanntschaft mit dem Manor House in Rotherfield Greys gemacht; da diente es als Downton Place, in das die Granthams beinahe gezogen wären, nachdem Lord Grantham sich verspekuliert hatte und vor dem finanziellen Ruin stand. Eine Picknickszene wurde vor Greys Court gedreht.

Ein Jahr später wählte das Produktionsteam von „Poirot“ mit David Suchet in der Hauptrolle das Haus für die Dreharbeiten der ersten Episode der 13. und letzten Staffel „Elephants Can Remember„.

Das Haus und die Gärten von Greys Court sind zu besichtigen (hier sind die Öffnungszeiten); der Eintritt kostet £10.80.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch die Gärten.

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Der mittelalterliche Turm von Greys Court.   © Copyright Paul Gillett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der mittelalterliche Turm von Greys Court.
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Tales of the Old Gaol House in King’s Lynn (Norfolk)

The Old Gaol House (rechts).    © Copyright pam fray and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Town Hall und The Old Gaol House (rechts).
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Die Engländer haben den Bogen wirklich raus, „Gruselmuseen“ zu errichten, in denen es so richtig zur Sache geht: Da werden die schaurigsten Folterinstrumente zur Schau gestellt, im Hintergrund sind Schmerzensschreie zu hören, in schummriger Beleuchtung sieht man zum Tode verurteilte Gefangene und minutiös wird die Funktionsweise der Falltür eines Galgens erläutert. „Children will have fun“ liest man dann manchmal auch noch auf den jeweiligen Webseiten. Erlebt habe ich so etwas u.a. im York Dungeon und im Bodmin Jail.

Die Stadt King’s Lynn in Norfolk hat etwas Ähnliches im Programm: Tales of the Old Gaol House am Saturday Market Place. Ich war nur einmal in der alten Hansestadt und fand die beiden Marktplätze, den erwähnten Saturday Market und den Tuesday Market, besonders eindrucksvoll. Tales of the Old Gaol House ist in einem Gebäude zu finden, in dem bis zum Jahr 1954 die Polizeistation untergebracht war und das direkt an die Town Hall angebaut ist. In den Gefängniszellen aus dem 18. Jahrhundert fanden sich oft Schmuggler wieder, die per Schiff ihre illegale Ware ins Land schaffen wollten und dabei erwischt wurden. In den Nachbarzellen vegetierten Räuber, Mörder und angebliche Hexen vor sich hin. Man hat versucht, diese Atmosphäre, die hier einst herrschte, so authentisch wie möglich wiederzugeben, inklusive Geräuschkulisse. Hier erfährt man u.a. auf welch grausame Weise Bestrafungen vorgenommen wurden und wie man mit „Hexen“ umging. Früher galten Hinrichtungen und öffentliche Bestrafungen als Volksbelustigungen, die von einer grölenden Menge beobachtet wurden.

Wer möchte, kann sich am Eingang einen Kopfhörer geben lassen, über den man genauestens über alle Exponate informiert wird. Am Ende des Rundgangs gelangt man in die Regalia Rooms, in denen Schätze und Kostbarkeiten ausgestellt sind, von denen sicher der King John Cup aus dem 14. Jahrhundert als besonders sehenswert gilt, eine Art Pokal aus Gold, Silber und Edelsteinen, benannt nach dem König Johann Ohneland (1167-1216).

Die Öffnungszeiten des Old Gaol House sind in der Regel von April bis Ende Oktober mittwochs bis samstags von 10 Uhr bis 16 Uhr. Die Regalia Rooms sind darüberhinaus ganzjährig donnerstags von 10 Uhr bis 16 Uhr zu besichtigen. Der Eintrittspreis beträgt £3.30.

Old Gaol House
Saturday Market Place
King’s Lynn
Norfolk PE30 5DQ

 

The National Memorial Arboretum bei Alrewas in Staffordshire

Das Armed Forces Memorial.    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Armed Forces Memorial.
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„Ein Arboretum (lat. arbor „Baum“) ist eine Sammlung (nicht in Pflanzgefäßen wachsender) verschiedenartiger, oft auch exotischer Gehölze“; so die Definition der Wikipedia. Ein solches Arboretum findet sich auf einem weitläufigen Gelände bei der Ortschaft Alrewas in Staffordshire. Über 50 000 Bäume sind hier seit 1997 gepflanzt worden, aber die Bäume sind nicht die Hauptsache in diesem National Memorial Arboretum; es sind die über 200 Gedenkstätten für Menschen, die im Dienste ihres Landes gestorben sind. Früher befanden sich hier einmal Kiesgruben, dann wurde dieses zentrale National Memorial angelegt, das am 16. Mai 2001 offiziell eröffnet wurde. Die Idee dafür stammte von Commander David Childs, einem ehemaligen Marineoffizier.

Im Mittelpunkt des Areals steht das Armed Forces Memorial, mit dem an die 16 000 Männer und Frauen gedacht wird, die seit dem Zweiten Weltkrieg während ihrer Dienstzeit in der Armee ums Leben gekommen sind. In einer Wand des Memorials ist eine Öffnung angebracht, durch die jedes Jahr am 11. November, dem Remembrance Day, exakt um 11 Uhr die Sonnenstrahlen auf einen Kranz fallen, der in der Mitte der Gedenkstätte liegt.

Werfen wir noch einen Blick auf einige der anderen Memorials. Da finden wir unter vielen anderen z.B.:

The British Berlin Airlift Monument und den British German Friendship Garden. Das Airlift Monument wird von einem Adler gekrönt und erinnert an die 39 Männer, die während der Operation ums Leben gekommen sind.

– Das Shot At Dawn Memorial, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete, und das die 306 Soldaten würdigt, die im Ersten Weltkrieg durch Militärgerichte wegen Feigheit vor dem Feind oder Desertierung zum Tod durch Erschießen verurteilt wurden.

– Mit dem British Nuclear Test Veterans Memorial wird der Menschen gedacht, die durch Atombombenversuche bzw. deren Nachwirkungen gestorben sind.

The Army Dog Unit Northern Ireland Memorial hält die Erinnerung wach an die Männer und Hunde, die in dieser Spezialeinheit zwischen 1973 und 2007 ihr Leben verloren.

The Polar Bear Memorial gedenkt an die 49. Infanteriedivision, die im Zweiten Weltkrieg in Island stationiert war und die einen Eisbären als Maskottchen hatte. Der 2,5 Tonnen schwere, 3 Meter lange und 1,5 Meter hohe hölzerne Bär steht auf einem Podest und war das erste hier im Arboretum errichtete Memorial.

The Beat ist eine Gedenkstätte für im Dienst ums Leben gekommene Polizisten.

– Sogar an eine Katze wird im National Memorial Arboretum erinnert: Für die Schiffskatze Simon, die an Bord des Schiffes HMS Amethyst beim sogenannten Yangtze Incident 1949 dafür sorgte, dass die Rattenplage beendet wurde, hat man im Yangtze Incident Grove einen Busch gepflanzt.

Um sich alle Gedenkstätten in dem Arboretum anzusehen, brauchte man wahrscheinlich mehrere Tage. Der Eintritt für das täglich geöffnete Arboretum ist frei.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch die Gedenkstätten.

National Memorial Arboretum
Croxall Road
Alrewas, Staffordshire, DE13 7AR

Das Berlin Airlift Memorial. Author: NMAguide. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.

Das British Berlin Airlift Memorial.
Author: NMAguide.
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Das Shot At Dawn memorial.    © Copyright Mike Searle and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Shot At Dawn Memorial.
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Das Polar Bear Memorial.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Polar Bear Memorial.
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Die Miss Marple-Verfilmungen und ihre Titelmelodien

Hier in Denham wurden viele Szenen für die Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford gedreht. Eigenes Foto.

Hier in Denham in Buckinghamshire wurden viele Szenen für die Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford gedreht.
Eigenes Foto.

Margaret Rutherford (1892-1972) prägte in den 1960er Jahren mit ihrer Miss Marple-Darstellung unsere Vorstellung von der Agatha Christie-Hobbydetektivin. Mit dem Dorf-Bibliothekar Mr. Stringer im Schlepptau stampfte die füllige Dame durch die Gegend und löste eine Handvoll Kriminalfälle. Einen Mr. Stringer gibt es in den Büchern Agatha Christies nicht; Mrs. Rutherford wollte aber gern ihren Ehemann Stringer Davis in den Filmen unterbringen und so wurde die Figur des Dorf-Bibliothekars hinzuerfunden. Die Schöpferin Miss Marples soll von der Rutherfordschen Darstellung auch nicht so ganz begeistert gewesen sein.
Die Titelmelodie zu der Mini-Serie schrieb damals Ron Goodwin (1925-2003), der „Miss Marple’s Theme“ 1961 auch mit seinem Orchester einspielte, erstmals für den Film „Murder She Said“ (dt. „16.50 Uhr ab Paddington“). Ron Goodwin war ein äußerst produktiver Komponist, der die Musik für Dutzende von Filmen schrieb, u.a. „Those Magnificent Men in their Flying Machines“ (dt. „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“), „Where Eagles Dare“ (dt. „Agenten sterben einsam“) und  Alfred Hitchcocks „Frenzy“ (dt. „Frenzy“). Ron Goodwin starb am 8. Januar 2003 in seinem Haus in Brimpton Common in Berkshire. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem St Paul’s Churchyard in Ashford Hill (Hampshire). Die Miss Marple-Melodie wird wohl für alle Zeiten in Erinnerung bleiben; hier ist sie noch einmal zu hören.

Joan Hickson (1906-1998) war die nächste, die Miss Marple verkörperte (und so stellte ich mir die Hobby-Spürnase auch etwa vor), eine fragile ältere Dame mit einem gewissen Charme. Von 1984 bis 1992 spielte sie diese Rolle; die Drehbücher hielten sich recht eng an die Romanvorlagen und diese Miss Marple wirkte wesentlich überzeugender als ihre Vorgängerin. Ich finde den Vorspann zu den Filmen sehr gelungen, mit den gezeichneten, verdächtig aussehenden Figuren aus der Dorfszene von St Mary Mead und der eingängigen Titelmusik, die von dem Komponistengespann Ken Howard und Alan Blaikley geschrieben wurde. Die beiden haben unzählige Songs geschrieben u.a. „Heart of Rome“ für Elvis Presley, „Bend It“ für Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich oder „Have I the Right“ von den Honeycombs. Ken Howard wurde 1939 geboren, Alan Blaikley 1940, beide stammen aus dem Londoner Stadtteil Hampstead. Hier ist die großartige (!) Titelmelodie der Miss Marple-Serie zu hören.

Geraldine McEwan (1932 geboren) war die nächste, die von 2004 bis 2009 die Rolle der Miss Marple in einer TV-Serie spielte, abgelöst von Julia McKenzie (geboren 1941), die ab der vierten Staffel übernahm und bis Ende 2013 dabei war. Die Serie war umstritten, da man sich in einigen Fällen weiter von den Romanvorlagen entfernte als das die Fangemeinde wollte. Die Titelmelodie wurde dieses Mal von Dominik Scherrer geschrieben, einem in der Schweiz geborenen, in England lebenden Komponisten, der auch weitere Filmmusiken geschrieben hat wie für die TV-Serien „Ripper Street“ und „The Missing“. Hier ist die „Miss Marple“-Titelmelodie von Dominik Scherrer zu hören, die ich auch sehr gelungen finde.

Nether Wallop in Hampshire diente als St Mary Mead in den Miss Marple-Verfilmungen mit Janes Hickson.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Nether Wallop in Hampshire diente als St Mary Mead in den Miss Marple-Verfilmungen mit Joan Hickson.
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Auch Hambleden diente einmal als St Mary Mead für die TV-Serie mit Gerladine McEwen. Eigenes Foto.

Auch Hambleden in Buckinghamshire diente einmal als St Mary Mead für die TV-Serie mit Geraldine McEwan.
Eigenes Foto.

Published in: on 18. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Prescott Speed Hill Climb in Gloucestershire – Eine der kürzesten Autorennstrecken Englands

Die Haarnadelkurve des Prescott Hill Climb in Gloucestershire.     © Copyright Mike Dodman and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Haarnadelkurve des Prescott Hill Climb in Gloucestershire.
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Nicht weit von dem Hügel entfernt, auf dem jährlich das berühmt-berüchtigte „Cheese Rolling“ stattfindet (ich berichtete in meinem Blog darüber), liegt am Prescott Hill in Gloucestershire eine der kürzesten Autorennstrecken Englands. Etwas über einen Kilometer ist die Strecke lang, aber sie hat es in sich. Auf 70 Metern Höhenunterschied wechseln sich kurze Geradeausstrecken mit Kurven ab; Höhepunkt des Parcours ist eine Haarnadelkurve, bei der die Fahrer das Tempo deutlich reduzieren müssen. Der bisherige Rekord des Prescott Hill Climb liegt bei 36,35 Sekunden, den der aus Ludlow in Shropshire stammende Rennfahrer Scott Moran am 2. September 2007 aufgestellt hat.

Das Gelände in diesem dünnbesiedelten Gebiet von Gloucestershire gehört dem Bugatti Owners‘ Club, der bereits 1929 gegründet wurde. Acht Jahre später kaufte der Club den Teil des Prescott Hills und wandelte ihn in eine Rennstrecke um, die dann 1938 eingeweiht wurde. Heute hat der Club weltweit über 1700 Mitglieder; um Mitglied zu werden ist der Besitz eines Bugattis nicht Voraussetzung. Hier in den Bredon Hills in den Cotswolds werden nicht nur Rennen ausgetragen, der Club veranstaltet auch Treffen von klassischen Automobilen und Motorrädern. Neben vielen „Vintage Bugattis“ hat man hier in Gloucestershire hin und wieder auch die Gelegenheit einen Bugatti Veyron* zu sehen, der mit über 1000 PS zu den schnellsten Autos der Welt gehört und dessen 16-Zylindermotor übrigens in meinem Wohnort Salzgitter im Volkswagenwerk produziert wird. Dieser Film zeigt einen Bugatti Veyron bei der Bewältigung des Prescott Hill Climb.

Wer sich für Bugatti-Autos interessiert, dem sei das Bugatti Trust Museum hier am Prescott Hill empfohlen, das über die Geschichte der italienischen Firma informiert und in dem auch seltene Exemplare der Marke zu sehen sind.

Im benachbarten Ort Gretton wurde 1972 ein Pub nach der Autofirma benannt, The Bugatti Inn, der jetzt unter dem Namen Bombay Bugatti firmiert, weil hier indisches Essen serviert wird.

* Besitzer eines dieser Veyrons sind z.B. Real Madrids Cristiano Ronaldo, der Musikproduzent Simon Cowell und die Rapper Jay-Z, Lil’Wayne und Flo Rida.

Bugatti Owner’s Club and Prescott Hill Climb
Prescott Hill
Gotherington
Cheltenham
Gloucestershire GL52 9RD

Die Einfahrt zum Clubgelände.    © Copyright Bob Embleton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Einfahrt zum Clubgelände.
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Der Bugatti Inn in Gretton (Gloucestershire).    © Copyright Philip Halling and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Bugatti Inn in Gretton (Gloucestershire).
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Published in: on 17. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Goddards Brewery bei Ryde auf der Isle of Wight

Eigenes Foto.

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Bis auf wenige Ausnahmen bekommt man die Biere aus der Goddards Brewery fast nur in Pubs im Süden Englands und da vor allem auf der Isle of Wight, denn das ist auch der Standort der Brauerei. 1993 gründete Anthony Goddard seine Firma auf dem Gelände der Barnsley Farm in der Nähe der Stadt Ryde. Nachdem er durch den Versicherungskonzern Lloyd’s sehr viel Geld verloren hatte und beinahe ruiniert war, musste sich Goddard, der vorher einen gutgehenden Weinbaubetrieb leitete, wieder von vorn anfangen und entschied sich dafür, eine Brauerei aufzubauen, was ihm auch hier auf der Isle of Wight gelang. Seit Mitte des vorigen Jahres hat sein Schwiegersohn Patrick Birley die Leitung der Firma übernommen.

Die Biere der Goddards Brewery haben witzige Namen; ich habe vier Sorten probiert:
Ale of Wight; ein nettes Wortspiel. „Originally brewed with summer evenings in mind“, so umschreibt die Brauerei ihr Bier, das 4% Alkoholgehalt in der Flaschenabfüllung hat, das Fassbier hat nur 3,7%.

Scrumdiggity hat ebenfalls 4%. Der Name beschreibt das Gefühl der Erleichterung, wenn man über eine längere Zeit mit voller Blase auf der Suche nach einer Toilette durch die Gegend gelaufen ist und besagte Blase nun endlich entleert hat.

Duck’s Folly ist mit 5,2% etwas stärker. Der Name ist ein Anagramm; mit der entsprechenden Buchstabenumstellung bekommt man schnell heraus, was Anthony Goddard von der Firma Lloyd’s hält.

Fuggle-Dee-Dum ist ein Bier mit 4,8% Alkoholgehalt, dessen Name auf die englische Hopfensorte Fuggles anspielt.

Auf den Etiketten der Biere aus dem Hause Goddards ist ein Mann mit einem Krug Ale in der Hand abgebildet, der offensichtlich gerade eine Siesta hält. Bei dem „Snoozing Man“ handelt es sich um einen Schäfer, der die Verbundenheit mit dem Land symbolisieren soll.

Die Produkte der Goddards Brewery kann man in dem Laden „Made on the Isle of Wight“ kaufen, der, wie auch die Brauerei, an der Bullen Road liegt.

Hier ist ein Film über die Brauerei und in diesem Film wird Fuggle-Dee-Dum probiert.

Goddards Brewery
Barnsley Farm
Bullen Road
Ryde, Isle of Wight
PO33 1QF

Eigenes Foto.

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Published in: on 16. November 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Die St Leonard’s Parish Church bei Hastings (East Sussex), ihre Bootskanzel und ihr Kompasspult

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Am 29. Juli 1944 entging St Leonards-on-Sea, ein Ort am westlichen Stadtrand von Hastings in East Sussex, nur knapp einer Katastrophe. Eine herannahende deutsche V1-Rakete wurde von der englischen Flugabwehr getroffen, trotzdem setzte sie unkontrolliert ihren Weg fort, verfehlte ein Gebäude, in dem gerade eine Feier mit vielen Soldaten stattfand und explodierte vor der Parish Church des Ortes, die nur wenige Meter von der Küste entfernt stand. Der Kirchturm stürzte ein und das Gotteshaus wurde vollständig zerstört. Zu Schaden kam wie durch ein Wunder niemand.

Die beiden Architekten Sir Giles Gilbert Scott und Adrian Gilbert Scott bekamen den Auftrag, an der gleichen Stelle eine neue Kirche zu bauen, die 1955 wieder in Dienst genommen wurde; lediglich der Turm fehlte noch, der kam erst 1961 dazu. Die Kirche hat eine einzigartige Lage; sie ist in die Klippen hineingebaut und von ihr aus hat man einen wunderbaren Blick aufs Meer.

Zwei Gegenstände im Inneren finden sofort die Aufmerksamkeit der Besucher, nämlich die Kanzel, die sich im Bug eines Bootes befindet und der „Binnacle Lectern„, ein Pult, der aus einem ehemaligen Kompassstand angefertigt wurde, wie man ihn früher auf Schiffen fand. Hier ist die Geschichte wie die beiden Gegenstände nach St Leonards-on-Sea kamen:

Kurz nach der Zerstörung der Kirche hatte der damalige Pfarrer Cuthbert Griffiths einen Traum, der ihn nicht mehr losließ. Er träumte davon, dass Jesus auf einem See von einem Boot aus eine Predigt hielt und die Zuhörer am Ufer waren die Mitglieder der Gemeinde des Pfarrers. Ihn packte die Idee, nach Galiläa zu fahren und dort ein Boot zu beschaffen, dass er nach Hause nach East Sussex bringen wollte. Cuthbert Griffiths fuhr zum See Genezareth und fand in dem kleinen Fischerort Ein Gev einen Mann, der ihm das gewünschte Boot baute. Dieses wurde wiederum auf ein großes Schiff verladen und nach England transportiert. Da das Schiff seine letzte Reise absolvierte, schenkte die Reederei dessen nicht mehr benötigten „binnacle“ der Kirche von St Leonard’s, woraus man einen Pult anfertigte. Den Holzbug des Genezareth-Bootes integrierte man in die Kirchenmauer und so besitzt die Parish Church des Küstenortes eine in England wohl einzigartige Kanzel, von der aus der gegenwärtige Pfarrer Pete Mead seine Predigten hält.

Die St Leonard’s Parish Church ist nicht zu verwechseln mit der St Leonard’s Church in Hythe (Kent), über die ich in meinem Blog schon einmal berichtete.

Die Bootskanzel der Kirche.    © Copyright Julian P Guffogg and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bootskanzel der Kirche.
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The Binnacle Lectern    © Copyright Julian P Guffogg and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Binnacle Lectern
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Published in: on 15. November 2014 at 02:00  Comments (1)  
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The Ashton Memorial in Lancaster (Lancashire) – Ein Folly aus dem frühen 20. Jahrhundert

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James Williamson, 1st Baron Ashton (1842-1930), war ein wohlhabender Mann, der sein beträchtliches Vermögen durch die Produktion von Linoleum und Wachstuch erwarb. Der „Oil Cloth King of Lancaster„, dort war Williamson ansässig, legte, gemeinsam mit seinem Vater, den riesigen Williamson Park an, der noch heute für die Bewohner der Stadt in Lancashire ein Naherholungsgebiet ist. Nach dem Tod seiner zweiten Frau, Jessie Ashton, ließ Williamson zu ihrer Erinnerung von dem Architekten John Belcher hoch auf einem Hügel über Lancaster ein Memorial bauen, das zu einer Art Wahrzeichen für die Stadt im Nordwesten Englands geworden ist. „England’s grandest folly“ wird das Ashton Memorial auch genannt, denn das pompöse Gebäude diente keinem besonderen Zweck, es war einfach nur schön anzusehen mit seiner kupfernen Kuppel und der verschnörkelten Fassade. Geschmückt wird es von Skulpturen, die Handel, Wissenschaft, Gewerbe und Kunst darstellen. 1909 war es nach dreijähriger Bauzeit fertig geworden.

Vom Ashton Memorial hat man einen grandiosen Blick auf Lancashire; bei besonders klarem Wetter soll man sogar den Blackpool Tower sehen können. Heute steht das Memorial, das dem Lancaster City Council gehört, für Ausstellungen und Konzerte zur Verfügung und kann man es z.B. für Hochzeitsfeiern mieten.

Auch Geisterjäger haben das Ashton Memorial entdeckt, denn hier soll es so richtig spuken; kein Wunder liegt es doch direkt neben dem Gallows Hill, wo bis zum Jahr 1800 Dutzende von Menschen am Galgen zu Tode kamen. Die berüchtigten Hanging Judges of Lancaster kannten keine Gnade und verurteilten reihenweise Angeklagte zum Tod. Auch zehn der sogenannten Pendle Witches wurden hier oben auf dem Gallows Hill am 20. August 1612 hingerichtet. Im Oktober 2009 besuchte das Team der Geisterjäger-Sendung „Most Haunted“ mit Yvette Fielding das Ashton Memorial und den Gallows Hill und sie verbrachten hier zwei unruhige Nächte.

Hier ist ein Film über das Ashton Memorial, von einem Quadrocopter aufgenommen.

Das Innere des Ashton Memorials.    © Copyright Graham Robson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Innere des Ashton Memorials.
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Blick auf die Stadt Lancaster vom Ashton Memorial aus.    © Copyright Rob Farrow and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick auf die Stadt Lancaster vom Ashton Memorial aus.
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The Apostrophe Protection Society – Die Gesellschaft macht sich stark für die richtige Verwendung eines malträtierten Satzzeichens

Irgendwie tut mir das Apostroph leid; erst wurde es massenhaft da eingesetzt, wo es überhaupt nicht hingehört und jetzt gibt es sogar schon Bestrebungen es abzuschaffen. Sowohl in Deutschland als auch in England findet es haarsträubende Verwendungen, so fand ich Zeitungsannoncen, in denen „Bikini’s“ angeboten wurden und auf einem Hinweisschild las ich, dass es hier zu einem „Bauer’n-Hof“ ging. Vom gleichen Kaliber ist das Beispiel mit den „Taxi’s“ in Leeds wie auf dem Bild oben zu sehen. In einigen Teilen Englands sollte es dem Apostroph wiederum an den Kragen gehen, nicht etwa, dass man dem Wildwuchs ein Ende bereiten wollte, nein, man wollte es komplett verbannen, zumindest von den Straßenschildern. In Mid-Devon, Birmingham und sogar in der Universitätsstadt Cambridge (hier ein Film) war das der Fall.

Auftritt: John Richards. Dieser Mann aus Boston in Lincolnshire hat das Apostroph in sein Herz geschlossen und kämpft sowohl für seinen Erhalt als auch gegen die falsche Verwendung; ein Kampf gegen Windmühlenflügel wie ich meine. Richards hat im Jahr 2001 die Apostrophe Protection Society gegründet mit dem Ziel „preserving the correct use of this currently much abused punctuation mark in all forms of text written in the English language„.
Der Journalist hat jahrelange Erfahrung mit Rechtschreibung und Grammatik, denn seine Aufgabe war es bis zu seiner Pensionierung, die Artikel seiner Kollegen gegenzulesen und zu korrigieren; und da war er allerhand gewohnt.

Bei der Gründung seiner Gesellschaft hoffte er auf eine Handvoll Mitglieder und Mitstreiter, dann war er aber doch überrascht, dass es so viele Gleichgesinnte in der ganzen Welt gab, die sich ihm anschlossen. Nach dem Motto „Das kleine Apostroph verdient unseren Schutz. Es ist vom Aussterben bedroht“ steht John Richards überall in England auf der Matte, wo das Satzzeichen vernichtet werden soll oder wo es zu sehr ins Kraut geschossen ist.

Wer sich ihm anschließen möchte, hier ist seine Adresse:
The Chairman
The Apostrophe Protection Society
23 Vauxhall Road
Boston, Lincolnshire PE21 OJB

Ein T-Shirt mit einem großen Apostroph und dem Namen der Gesellschaft gibt es z.B. bei Amazon zu kaufen. Auch ein Lied mit dem Titel „The Apostrophe Song“ wurde schon geschrieben (hier zu hören).

Published in: on 13. November 2014 at 02:00  Comments (7)  
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Meine Lieblings-Pubs – The Three Tuns Country Inn in Bransgore (Dorset)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Hier ist ein Pub, den ich sehr empfehlen kann: The Three Tuns Country Inn am Rande des New Forests in Bransgore (Dorset), ein Bilderbuch-Pub mit reetgedecktem Dach, der im 17. Jahrhundert gebaut wurde. Bransgore ist ein Dorf, durch das man nicht zufällig kommt, man muss da schon die A35, die von Christchurch nach Southampton führt, bei Hinton Admiral verlassen und in nördlicher Richtung auf die Ringwood Road fahren, die direkt am Pub vorbeiführt.

Der Three Tuns Country Inn hat alles das, was man von einem urgemütlichen Pub erwartet: Niedrige Decken, Eichenholzbalken,  Kamine, gemütliche Sitzecken und für die warmen Tage eine sehr schöne Außenanlage, wo man sein Bier in Ruhe genießen kann. Wir tranken ein Forty-Niner Rich and Golden Craft Ale von der Ringwood Brewery, die nur einige wenige Kilometer vom Pub entfernt ist.
Neben der Lounge Bar und der Snug Bar gibt es noch einen Restaurantraum, in dem Chefkoch Colin Nash seine preisgekrönten Speisen serviert, die wir leider nicht probiert haben, da uns im Hotel noch ein Abendessen erwartete. Nashs Küche ist schon mehrere Male mit zwei AA-Rosetten ausgezeichnet worden.

Der Gasthof gibt seine Adresse mit „Dorset“ an, obwohl mein AA Pub Guide ihn unter „Hampshire“ führt, die Grafschaftsgrenze verläuft also hier in unmittelbarer Nähe.

 

The Three Tuns Country Inn
Ringwood Road
Bransgore
Christchurch
Dorset
BH23 8JH
Tel. 01425 672232

Eigenes Foto.

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Published in: on 12. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der River Windrush – Ein idyllischer Nebenfluss der Themse, der sich durch die Cotswolds schlängelt

Der idyllische Windrush bei Swinbrook (Oxfordshire).    © Copyright ROGELIO MONFERRAN and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der idyllische Windrush bei Swinbrook (Oxfordshire).
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Auf ihrem 346 Kilometer langen Weg von Gloucestershire in die Nordsee wird die Themse von vielen Nebenflüssen gespeist, von denen einige sehr kurz und deren Namen kaum bekannt sind; ich denke da z.B. an The Ember und The Rythe in Surrey. Einer dieser Nebenflüsse hat den schönen Namen Windrush, er ist 65 Kilometer lang und mäandriert durch einen großen Teil der Cotswolds. Ja, dieser Fluss ist nicht in der Lage, mal einige Kilometer geradeaus zu fliessen, er windet und schlängelt sich durch die Landschaft, und ich finde, er ist ein besonders schönes Exemplar der Themsezuflüsse mit einigen sehr idyllischen Passagen. Der River Windrush entspringt wie seine große Schwester in Gloucestershire. Nördlich des Dorfes Guiting Power liegt seine Quelle und von dort macht er sich auf den Weg durch eine der landschaftlich schönsten Gegenden Englands. Am bekanntesten dürfte der Windrush in dem Touristenort Bourton-on-the Water sein, der in den Ferienmonaten ziemlich überlaufen ist. Hier hat man den Fluss allerdings in ein Korsett gepresst, sozusagen eingemauert; auf mehreren steinernen Fußgängerbrücken kann man ihn überqueren. Doch sobald der Windrush  Bourton durchflossen hat, scheint er einmal tief aufzuatmen und dann nimmt er fröhlich seine mäandrierende Fortbewegungsweise wieder auf. Er bewegt sich jetzt durch Oxfordshire und stattet den Orten Burford und Witney einen Besuch ab, dann geht es auf die Zielgerade und südlich von Standlake direkt an der Newbridge, einer alten Steinbrücke aus dem 14. Jahrhundert, wird er mit offenen Armen von der Themse aufgenommen.

Angler lieben den Windrush, denn hier können sie Forellen, Barsche und Rotaugen fangen (hier ein kleiner Film). In Bourton-on-the Water wird der Fluss einmal im Jahr missbraucht, wenn in ihm ein Wasserfußballspiel ausgetragen wird, bei dem es, auch für die am Rand stehenden Zuschauer, ziemlich feucht zugeht wie dieser Film zeigt.

Was gibt es schöneres, als in einem Fluss-Pub ein Pint zu sich zu nehmen? Am Windrush haben sich einige sehr hübsche Gasthöfe niedergelassen; da ist z.B. The Fox Inn in Great Barrington (Oxfordshire), ein paar Kilometer westlich von Burford gelegen, ein altes Haus aus Cotswoldsteinen erbaut. Oder The Swan Inn in Swinbrook, ebenfalls in Oxfordshire. Dieser Gasthof gehörte der kürzlich verstorbenen Dowager Duchess of Devonshire, einer der Mitford-Schwestern, deren Vater sich hier in Swinbrook niedergelassen hatte und wo seine Töchter aufgewachsen sind. Am Ende seiner Reise wird der River Windrush von zwei Pubs verabschiedet, die jeweils auf einer Seite der Newbridge am Zusammenfluss mit der Themse stehen. Da ist einmal The Rose Revived (was für ein schöner Name für einen Pub) auf der Nordseite der Themse und The Maybush auf der Südseite, der so weit ich weiß, zurzeit geschlossen ist.

Dass der gemächliche Windrush auch anders kann, zeigte er im Jahr 2007, als er Teile der Innenstadt von Witney überschwemmte, aber ich habe den Eindruck, dass ihm das ziemlich peinlich war; irgendwohin musste er ja schließlich mit dem vielen Wasser und da traf es eben Witney… Hier der Windrush außer Rand und Band.

Der Windrush in Bourton-on-the-Water.    © Copyright E Gammie and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Windrush in Bourton-on-the-Water.
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Die Newbridge; hier fließen die Themse und der Windrush zusammen. Author: Bencherlite. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die Newbridge; hier fließen die Themse und der Windrush zusammen.
Author: Bencherlite.
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Published in: on 11. November 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Harry Carter – Norfolks Vater der Village Signs

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham. © Cameron Self. http://www.literarynorfolk.co.uk/

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham.
© Cameron Self of Literary Norfolk.

Die Stadt Swaffham in Norfolk kennt der eine oder andere vielleicht als Schauplatz der ITV-Serie „Kingdom“ (2007-2009), in der Stephen Fry den Rechtsanwalt Peter Kingdom spielt. Der berühmte Archäologe und Ägyptologe Howard Carter, der 1922 das Grab Tutanchamuns entdeckte, verbrachte seine Kindheit in Swaffham, und er war ein Verwandter eines anderen Carters, nämlich Harry Carter, der in die Geschichte Norfolks als der Vater der Village Signs eingegangen ist.

Harry Carter wurde 1907 in London geboren und besuchte dort das Slade College of Art; später ging er nach Swaffham und arbeitete als Kunstlehrer an der Hamonds Grammar School. Seine besondere Vorliebe galt der Holzschnitzerei und so hatte er eines Tages die Idee, für  Swaffham ein Town Sign zu gestalten, das die im Ort berühmte Figur des Pedlars of Swaffham zeigte. Dieser fliegende Händler namens John Chapman hatte im 15. Jahrhundert mehrere Nächte hintereinander einen Traum, dass er nach London gehen würde und dort auf der London Bridge einen Fremden treffen würde. Chapman ging nach London und traf dort tatsächlich einen Fremden auf der Brücke, der ihm auch von einem Traum berichtete, dass im Garten eines Hauses in Swaffham in Norfolk ein Schatz vergraben läge. Chapman eilte in seine Heimatstadt zurück, buddelte in besagtem Garten…und fand den Schatz. Einen Teil des Schatzgeldes gab er der Kirche St. Peter and St. Paul’s, damit Renovierungsarbeiten durchgeführt werden konnten.

Bis zum Jahr 2012 stand Harry Carters Schild auf dem Marktplatz in Swaffham, dann wurde es höchste Zeit für eine gründliche Restaurierung, denn der Zahn der Zeit hatte an dem Holzschild sehr stark genagt. Der Restaurator war Colin Yorke, der, wie Carter, viele Jahre lang an der Hamonds School gearbeitet hat.

Harry Carter fand Gefallen an den Dorfschildern und gestaltete bis zu seinem Tod im Jahr 1983 über 150 weitere allein in Norfolk. In den angrenzenden Grafschaften sollen es über 70 gewesen sein. Carter arbeitete sehr sorgfältig, so dass die Fertigstellung eines Schildes manchmal mehrere Monate dauern konnte. Er bevorzugte für seine Arbeiten Holz, speziell Eiche, hin und wieder verwendete er auch Mahagoni und Walnussholz. Aber das Wetter Norfolks setzte den Dorfschildern im Laufe der Jahre sehr zu und deshalb sind heute viele Carter-Schilder verschwunden, ersetzt oder restauriert worden. Statt Holz benutzten die späteren Dorfschild-Gestalter auch gern Metall und Kunststoff; beides kann den Naturgewalten besser Widerstand leisten.

Ich finde es immer wieder schön, in englischen Dörfern und Kleinstädten diesen oftmals sehr fantasievoll gestalteten Schildern zu begegnen. Man sollte nicht achtlos daran vorbeifahren, sondern sich ein paar Minuten Zeit für sie nehmen, geben sie doch bildlich Aufschluss über die Geschichte ihres jeweiligen Ortes.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harrx Carter.    © Copyright Christine Matthews and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harry Carter.
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Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.
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Published in: on 10. November 2014 at 02:00  Comments (4)  
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Jonathan Swift und Willoughby in Warwickshire oder Warum aus dem The Three Crosses Pub The Four Crosses wurde

Das ehemalige Gasthaus The Four Crosses in Willoughby.    © Copyright Andy F and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das ehemalige Gasthaus The Four Crosses in Willoughby.
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Jonathan Swift, der von 1667 bis 1745 lebte, ist auch heute noch ein in der ganzen Welt bekannter Schriftsteller, vor allem durch seinen Roman „Travels into Several Remote Nations of the World. In Four Parts. By Lemuel Gulliver, First a Surgeon, and then a Captain of Several Ships“, besser bekannt als „Gulliver’s Travels“, der erstmals 1726 erschien und in Deutschland als „Gullivers Reisen“ später vor allem in der gekürzten Version als Kinderbuch in fast jedem Kinderzimmer zu finden war, obwohl es sich eigentlich im Original um einen satirischen Roman handelt.

Jonathan Swift pendelte häufig zwischen England und seinem Geburtsland Irland hin und her und auf dem Weg von London zum walisischen Holyhead, wo er übersetzte, machte er hin und wieder in Willoughby in Warwickshire Station und da im Gasthof The Three Crosses. Es hieß, Swift konnte manchmal ein wahrer Stinkstiefel sein, arrogant und aufbrausend, und bei einem seiner Besuche in Willoughby war er mal wieder nicht so gut drauf. In diesem Falle traf er aber auf eine ebenbürtige Partnerin, denn die Wirtin des Three Crosses hatte Haare auf den Zähnen, wie man so schön sagt, und ließ sich nichts von Jonathan Swift gefallen. Aussagen wie „Der Kunde ist König“ oder wie hier „Der Gast ist König“ standen damals noch nicht so hoch im Kurs wie heute. Swift fühlte sich von der Gastwirtin durch ihr Verhalten jedenfalls derart genervt, dass er sich dazu hinreißen ließ, mit seinem Diamantring eine Botschaft für den Herrn des Hauses in eine Fensterscheibe einzuritzen. Darin stand zu lesen:

You have three crosses
On your door
Hang up your wife
And she’ll make four.

Deutlicher und drastischer kann man seinen Unmut wohl kaum äußern. Soweit bekannt ist, setzte der Wirt des Three Crosses den Vorschlag Swifts nicht in die Tat um, aber: Der Gasthof wurde umbenannt, man fügte im Namen ein weiteres Kreuz hinzu und fortan hieß er The Four Crosses. Noch heute kann man an der Fassade des Hauses in Willoughby die vier Kreuze sehen, allerdings hat man aus dem Pub ein Wohnhaus gemacht. Das Gebäude des ehemaligen Gasthofes steht an der Ecke Main Street/London Road, der A45.

Wenn man heute in Willoughby ein Bier trinken möchte, hat man nur einen Pub zur Auswahl, nämlich The Rose Inn in der Main Street, alle anderen Gasthöfe des Dorfes sind nach und nach eingegangen.

Willoughbys Village Sign, im Hintergrund der letzte verbliebene Pub des Dorfes, The Rose Inn, an der Main Street.    © Copyright Row17 and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Willoughbys Village Sign, im Hintergrund der letzte verbliebene Pub des Dorfes, The Rose Inn, an der Main Street.
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Mein Buchtipp – J.P. Sperati & Sabine Schreiner: Downton Abbey on Location

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Allmählich geht die Ausstrahlung der dritten Staffel von „Downton Abbey“ im ZDF dem Ende entgegen. Seit Mitte 2014 liegt auch schon die vierte Staffel auf DVD in deutscher Synchronisation vor und am 17. November erscheint in England die fünfte Staffel auf DVD. Die erste Episode von Serie 5 habe ich mir in England angesehen, die letzte Episode wird am 9. November gesendet, wie immer zur besten Sendezeit, sonntags um 21 Uhr (während das ZDF die sehr ungünstige Zeit am Samstagmittag gewählt hat).

Für alle Freunde dieser weltweit erfolgreichen Serie, die gern wissen wollen, wo überall die Dreharbeiten stattgefunden haben, kann ich J.P. Speratis und Sabine Schreiners Buch „Downton Abbey on Location: An Unofficial Review & Guide to the Locations Used“ empfehlen. Erschienen ist das Buch im Verlag Irregular Special Press in Sawston (Cambridgeshire), der auch die ähnlich gestalteten Bücher „Midsomer Murdes on Location“ (dt. „Inspector Barnaby: Die Drehorte der beliebten ZDF-Serie“) von Sabine Schreiner und Joan Street und Antony J. Richards‘ „Inspector Morse on Location“ publiziert hat (sowie noch mehrere andere Location Guides).

Neben dem Hauptschauplatz Highclere Castle in Hampshire, wo die „Upstairs“-Szenen gedreht werden, stellt das Autorengespann auch die Londoner Ealing Studios vor, wo die „Downstairs“-Szenen aufgenommen werden. Darüberhinaus erfährt man, wo Isobel Crawley wohnt und wo Lady Edith vor dem Altar von Sir Anthony Strallen sitzengelassen worden ist, nämlich in Bampton in Oxfordshire (ich berichtete in meinem Blog darüber), wo Bates in Gefängnis saß (im Lincoln Castle), wo in Episode 9 der dritten Staffel die Jahrmarktsszenen mit dem Tauziehwettbewerb gedreht wurden (auf dem Gelände des berühmten Eton Colleges in Berkshire) und wo in der gleichen Episode in einer schottischen Burg ein großes Familientreffen stattfindet (Inverary Castle). Jeder Schauplatz wird detailliert beschrieben, mit vielen historischen Angaben. Schwarzweiß-Fotos und einige Karten runden diesen sehr empfehlenswerten Band ab, der bisher noch nichts ins Deutsche übersetzt worden ist.

J.P. Sperati & Sabine Schreiner: Downton Abbey on Location: An Unofficial Review & Guide to the Locations Used. Irregular Special Press 2013. 127 Seiten. ISBN 978-1-901091-61-8

Highclere Castle.    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Highclere Castle.
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Die Ealing Studios.    © Copyright Rod Allday and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ealing Studios in London.
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St Mary's in Bampton (Oxfordshire), wo Lady Ediths Hochzeit abgeblasen werden musste.    © Copyright Colin Bates and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Bampton (Oxfordshire), wo Lady Ediths Hochzeit abgeblasen werden musste.
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Das schottische Inverary Castle, Schauplatz von Episode 9 der dritten Staffel.    © Copyright Kenneth Mallard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das schottische Inverary Castle, Schauplatz von Episode 9 der dritten Staffel.
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The Countryman – Ein Magazin, das 1927 von J.W. Robertson Scott gegründet wurde

Die August-Ausgabe des Countryman. With friendly permission of Mark Whitley, editor.

Die August-Ausgabe des Countryman.
With friendly permission of Mark Whitley, editor.

„Erfolgreiche Land-Magazine: Hilfe, die Heuballen-Hefte kommen“, so lautete der Titel eines SPIEGEL-Artikels, in dem es um den Boom von deutschen Zeitschriften geht, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema „Landleben“ beschäftigen. Landlust, LandIdee, Mein schönes Land, Landspiegel usw. lauten die Titel der Magazine mit ungewöhnlich hohen Auflagen.

Auch in England gibt es eine Fülle ähnlich gestalteter Magazine, von denen das bekannteste wohl „Country Life“ ist, eine Zeitschrift, die zu einem großen Teil aus Immobilienanzeigen besteht.

Im April 1927 erschien erstmals das Magazin „The Countryman„, das von dem Journalisten John William Robertson Scott (1866-1962) gegründet wurde. Scott hatte sich 1923 in das kleine Dorf Idbury in Oxfordshire zurückgezogen. Dort wohnte er zusammen mit seiner Frau Elspet, die auch journalistisch tätig war. Sein Wohnhaus Idbury Manor baute Scott um, so dass im ersten Stock Büroräume entstanden, in denen die Redaktionsräume des The Countryman untergebracht waren. Anfangs bestand das Redaktionsteam nur aus ihm und seiner Frau, später kamen weitere Mitarbeiter dazu. 9000 Exemplare wurden vom ersten Heft gedruckt, viele verschenkte Scott, um auf sein neues Produkt aufmerksam zu machen. Viermal pro Jahr erschien damals The Countryman, und die Idee, die hinter der Zeitschrift stand, war, dass Scott das damalige englische Landleben in realistischer Form darstellen wollte, mit all seinen Problemen und Härten und damit gegen die Romantisierung des „country living“ vorgehen wollte, die vor allem in den Städten verbreitet war. Für Beiträge in seiner Publikation konnte Scott namhafte Schriftsteller wie George Bernard Shaw und Gilbert Keitch Chesterton gewinnen.
Scott gelang es, seine Zeitschrift mit ständig steigender Auflage am Markt zu etablieren. Der Auflagenrekord lag bei 82 000, heute werden von jedem Heft über 20 000 Exemplare pro Monat verkauft.

Robertson Scott hielt die Fäden des Countryman bis 1947 in der Hand, dann verabschiedete er sich in den Ruhestand. Er starb erst im Alter von 96 Jahren im Jahr 1962.
Sein Nachfolger wurde John Cripps, der die Redaktion vom Idbury Manor einige Kilometer weiter südöstlich nach Burford verlegte. Dort, in der Sheep Street Nummer 23, wurden von nun an die Ausgaben des Countryman hergestellt und das bis zum Jahre 2003. Eine blaue Plakette am Haus erinnert daran, die die Inschrift trägt:
The Countryman
was published here
1949-2003
The magazine was the creation of
J.W. ROBERTSON SCOTT
Champion of rural causes
and editor
1927-1947

2003 wurde die Redaktion des Countryman in den Norden Englands verlegt, nach Broughton Hall bei Skipton in North Yorkshire. Im Laufe der Jahrzehnte hatte sich der Fokus der Zeitschrift immer wieder verändert. Heute beschreibt der Verlag das Profil des Countryman so:
The Countryman focuses on the rural issues of today, and tomorrow, as well as including features on the people, places, history and wildlife that make the British countryside so special„. Robertson Scotts aktueller Nachfolger als Herausgeber des Countryman ist Mark Whitley.

Themen der aktuellen Novemberausgabe sind u.a.: Die Stadt Winchelsea in East Sussex, ein Porträt des Greifvogels Kornweihe, Erlebnisse mit einem Waldkauz, Seehunde in Lincolnshire. Das Abonnement der Zeitschrift kostet in Großbritannien für 12 Ausgaben £37, außerhalb Großbritanniens £53. Online-Bestellungen sind hier möglich.

Idbury in Oxfordshire; hier lebte J.W. Robertson Scott.    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Idbury in Oxfordshire; hier lebte J.W. Robertson Scott bis zu seinem Tod.
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Die Sheep Street in Burford; hier war die Redaktion des Countryman von 1947 bis 2003.    © Copyright Martin Bodman and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Sheep Street in Burford; hier war die Redaktion des Countryman von 1947 bis 2003.
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Huddersfield Railway Station in West Yorkshire – Englands schönster Bahnhof und sein vierbeiniger Bewohner

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Über 160 000 Einwohner hat Huddersfield in West Yorkshire und ist damit eine der größeren Städte im Norden Englands. Huddersfield würde ich nicht gerade zu den Top Ten der schönsten Städte Englands zählen, aber hier steht einer der  beeindruckendsten Bahnhöfe des ganzen Landes. Wer das im neoklassischen Stil erbaute Gebäude am St George’s Square sieht, wird es wohl eher für eine Bank oder ein Museum halten; die Säulen vor dem Eingang weisen nicht unbedingt darauf hin, dass sich dahinter ein Bahnhof verbirgt.

Der Architekt James Pigot Pritchett war für den Bau der Huddersfield Railway Station verantwortlich, der sich von 1846 bis 1850 hinzog. Schon einige Jahre vorher hatte er die St Peter’s Church in Huddersfield komplett umgebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts ging es der Stadt finanziell gut, dank der florierenden Textilindustrie. Und so war man stolz (und ist es wohl auch heute noch) auf das pompöse neue Bahnhofsgebäude. Hoch gelobt wurde es vom Architekturkritiker Sir Nikolaus Pevsner, und auch Sir John Betjeman, der die viktorianische Architektur sehr schätzte, hielt die Säulenfassade für eine der schönsten Englands.

In den beiden Flügeln des Bahnhofs sind zwei Pubs untergebracht, optimal nach einer langen Eisenbahnfahrt. Da ist einmal The King’s Head, die frühere Station Tavern, in dem man zehn verschiedene Biere vom Fass bekommt, darunter auch Erzeugnisse der Timothy Taylor Brewery in Keighley, die nur wenige Kilometer entfernt ist.
Im anderen Bahnhofsflügel kann man sein Pint im The Head of Steam trinken, ein Pub mit vier unterschiedlich gestalteten Räumen, in denen u.a. auch Krombacher Pilsener ausgeschenkt wird.

Eine kleine Kuriosität am Rande: Die Huddersfield Railway Station ist offizieller Wohnsitz von Felix the Cat. Im Jahr 2011 wurde die herrenlose Katze auf dem Bahnhofsgelände aufgefunden und kurzerhand vom Bahnpersonal adoptiert, das das Tier liebevoll umsorgt. Felix revanchiert sich, indem er versucht den Bahnhof mäusefrei zu halten. Kürzlich gab es ein Problem für die Katze, als sie nach Umbauarbeiten nicht mehr so ohne weiteres die Bahnsteige erreichen konnte. Das Problem wurde schnellstens behoben, indem die Eisenbahngesellschaft First TransPennine Express eine spezielle Katzenklappe (mit dem Konterfei einer Katze darauf) einbauen ließ, wodurch der Zugang für Felix wieder gewährleistet war. Dieser kleine Film zeigt Felix bei einer seiner täglichen Runden im Bahnhof.
Über eine ähnliche Geschichte im Bahnhof von Slough berichtete ich in meinem Blog schon einmal; da ging es um einen Bahnhofshund.

Hier kann man sich die Huddersfield Railway Station einmal im Film ansehen. Der Herr auf dem Sockel auf dem Bahnhofsvorplatz ist übrigens der ehemalige Premierminister Harold Wilson, der 1916  in Huddersfield geboren wurde.

The King's Head in einem der Bahnhofsflügel.    © Copyright Mike Faherty and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The King’s Head in einem der Bahnhofsflügel.
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Ein Kind der Stadt: Harold Wilson auf dem Georges's Square vor dem Bahnhof.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Kind der Stadt: Harold Wilson auf dem St Georges’s Square vor dem Bahnhof.
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Firing the Fenny Poppers in Fenny Stratford (Buckinghamshire) – Eine alte Martinstag-Tradition aus dem 18. Jahrhundert

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Am 11. November ist der Martinstag und genau an diesem Tag geht es in Fenny Stratford in Buckinghamshire jeweils um 12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr ziemlich laut zu. Dann werden nämlich die Fenny Poppers gezündet, die mit einem lauten Knall abgeschossen werden. Fenny Poppers sind kleine krugförmige Kanonen, die mit Pyrodex gefüllt sind, einem Schwarzpulverersatz. Mit Hilfe eines langen Stockes, dessen Spitze erhitzt wird, entzündet man das Pulver und das Ergebnis ist ein Donnerschlag. Sechs Fenny Poppers gibt es und alle dürfen einmal im Jahr am Martinstag ihre Ladung abschießen.

Der Brauch geht bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück, als Browne Willis hier in Fenny Stratford die St Martin’s Church errichten ließ, in Erinnerung an seinen Großvater Dr. Thomas Willis, ein Arzt mit sehr gutem Ruf, der in London in der St Martin’s Lane in der Kirchengemeinde St Martin-in-the-Fields wohnte und der ausgerechnet auch noch am Martinstag, am 11. November 1675 starb. Nach einem üppigen Mahl, das Browne Willis nach Beendigung des Kirchenbaus gab, ließ er die Fenny Poppers erstmals abfeuern und diese Tradition hat sich bis zum heutigen Tag gehalten. Schauplatz ist der Leon Recreation Ground am Queensway.

Es gab einige wenige „Sonderzündungen“ aus wichtigen Anlässen:
1901 wurden 81 Salven abgeschossen zu Ehren von Königin Victoria, die in diesem Jahr starb (für jedes Lebensjahr eine Salve)
– Am 1. Januar 2000, um das neue Millennium zu begrüßen
– Am 4. August 2000, um den 100. Geburtstag von Queen Mum zu feiern
– Am 5. Juni 2012 aus Anlass des Diamantenen Thronjubiläums von Königin Elizabeth II.

Am kommenden Dienstag, dem 11.11. ist es also wieder soweit, dass Fenny Stratford von kleinen Explosionen erschüttert wird.

Fenny Stratford liegt südlich von Milton Keynes und ist der Nachbarort von Bletchley, wo man sich im Zweiten Weltkrieg mit der Dechiffrierung des deutschen Nachrichtenverkehrs beschäftigte (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Dieser Film zeigt wie die Fenny Poppers gezündet werden.

Die St Martin's Church in Fenny Stratford.    © Copyright Nigel Cox and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Martin’s Church in Fenny Stratford.
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Published in: on 5. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Beaconsfield in Buckinghamshire

St Mary and all Saints. Eigenes Foto.

St Mary and all Saints.
Eigenes Foto.

Ich glaube, es gibt in der TV-Serie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ keinen Ort, der so oft zu sehen war wie die Kleinstadt Beaconsfield in Buckinghamshire; wenn ich richtig gezählt habe, wurden hier über 20 Episoden gedreht. Im September diesen Jahres besuchte ich die Stadt an einem Sonntagvormittag und war sehr von ihr angetan. Wie in der Nachbarstadt Amersham (ich berichtete in meinem Blog darüber) ist auch Beaconsfield in eine Old Town und eine New Town aufgeteilt, wobei die Old Town natürlich die sehenswertere ist.

Das Zentrum der Old Town bildet der große Kreisverkehr, von dem vier Straßen in alle Himmelsrichtungen abgehen. Wir parkten direkt an dem Roundabout vor dem Reading Room, der in der Episode 69  „Secrets and Spies“ (deutsch: „Sportler und Spione“) als das Causton Museum herhalten musste, in dem DS Ben Jones mit der jungen Dame aus dem Museum flirtete (oder besser: Sie mit ihm). Da man schon mal in Beaconsfield war, drehte man hier auch gleich in dieser Episode die Szenen, in denen der exzentrische Malcolm Frazer seine Beerdigung probt und hinter dem Leichenwagen mit seinem Sarg her fährt.
Windsor End heißt die Straße, an der in einem sehr schönen Fachwerkhaus The Old Tea House zu finden ist, Schauplatz einer Szene in Episode 11 „Blue Herings“ (dt. „Drei tote alte Damen“), in der Inspector Barnaby Hilary Richards trifft.

Gegenüber vom Old Tea House steht die Kirche St Mary’s & All Saints, Schauplatz zweier Folgen. Zu sehen ist die Kirche in Folge 48 „Four Funerals and a Wedding“ (dt. „Erst morden, dann heiraten“) und der Kirchhof in Episode 35 „Ghosts of Christmas Past“ (dt. „Haus voller Hass“).

In der Straße London End, die auch von dem oben genannten Kreisverkehr abgeht, stehen viele Geschäfte, die in zahlreichen Episoden zu sehen sind, z.B. der Lingerie-Laden „Femme Fatale“ in der Nummer 16, Schauplatz einer Szene in einer meiner Lieblingsfolgen, der Epiosde 37, „Dead in the Water“ (dt. „Nass und tot“), in der Hettie Trent, gespielt von Clemency Burton-Hill (ich berichtete über sie), arbeitet.
Ebenfalls in London End, zwischen einem Friseur und einer Pizzeria, in der Nummer 52,  findet man den Juwelier Bradley’s of Beaconsfield, in den Inspector Barnaby in Folge 46 „Vixen’s Run“ (dt. „Der Krieg der Witwen“) geht.

Die Straße Aylesbury End, die am Kreisverkehr mitten im Ort beginnt, diente als Schauplatz für die Santa Parade in Folge 98 „The Christmas Haunting“ (dt. „Wer mit Geistern spielt“) mit dem „neuen“ Inspector John Barnaby und seinem neuen Detective Sergeant Charlie Nelson.

Übrigens war auch das Produktionsteam von „Downton Abbey“ einige Male in Beaconsfield zu Gast; gedreht wurde in Hall Place in Wycombe End, das als das Haus von Isobel Crawley fungiert. Die Innenszenen drehte man hier, die Außenszenen in Bampton in Oxfordshire.

Die New Town von Beaconsfield ist der Standort des Bekonscot Model Villages, über das ich bereits in meinem Blog in Zusammenhang mit „Inspector Barnabys „Episode 71 „Small Mercies“ (dt. „Böse kleine Welt“) berichtete.

Beaconsfield wurde auch einmal in einem Lied verewigt: „On the Road to Beaconsfield“ von der Band The Hit Parade.

The Old Tea House in Windsor End. Eigenes Foto.

The Old Tea House in Windsor End.
Eigenes Foto.

Windsor End. Eigenes Foto.

Windsor End.
Eigenes Foto.

Ein schönes altes Fachwerkhaus im Zentrum. Eigenes Foto.

Ein schönes altes Fachwerkhaus im Zentrum.
Eigenes Foto.

Der Juwelier Bradley's of Beaconsfield.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Juwelier Bradley’s of Beaconsfield.
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Published in: on 4. November 2014 at 02:00  Comments (2)  
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The Great Bedwyn Post Office – Ein außergewöhnliches Postamt in Wiltshire

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Vor einiger Zeit berichtete ich von meinem Aufenthalt im Pelican Inn an der A4 bei Froxfield; nur einige Kilometer südlich von dort, in dem Ort Great Bedwyn in Wiltshire, findet man eines der außergewöhnlichsten Postämter des Landes. Das Angebot erstreckt sich nicht nur auf die Dinge, die man in einem Postamt erwartet, sondern hier kann man auch Lebensmittel, Gartenpflanzen, Zeitungen und Geschenkartikel kaufen. Aber das meine ich mit „außergewöhnlich“ nicht; das Gebäude selbst fällt sofort ins Auge, wenn man dort auf der Church Street daran vorbeifährt. Die Fassade ist nämlich mit Grabplatten verziert, die früher einmal auf dem Friedhof von Great Bedwyn zu finden waren.
Das ehemalige Postamt des Dorfes wurde in den 1980er Jahren geschlossen und da sprang der Steinmetz des Dorfes ein und bot der Post sein Gebäude an der Church Street als neue Bleibe an. Lloyd’s Stonemason’s Yard, ein 200 Jahre altes Familienunternehmen, war direkt daneben; die Firma fertigte aber nicht nur Grabsteine an, sondern war maßgeblich beim Bau des Kennet und Avon Kanals beteiligt, der durch das Dorf führt. Leider musste Lloyd’s 2009 schließen, aber die Kunstfertigkeit der Steinmetze lässt sich eben noch immer an der Außenwand des Postamtes bewundern.

Da ist der Grabstein für einen gewissen James Culley, der 1817 gestorben ist, mit der Inschrift
„My Breath was short, my Labour hard,
While on the Earth I did remain
But now the Lord hath taken me
From all earthly Labour, Grief and Pain“.

An John Higgs erinnern die schönen Worte:
„Here Lies John Higgs
A Famous Man For Killing Pigs
For Killing Pigs Was His Delight
Both Morning Afternoon And Night
Both Heats And Colds He Did Endure
Which No Physician Could Ere Cure
His Knife Is Laid His Work Is Done
I Hope To Heaven His Soul Is Gone“

Da werden die Schweine von Great Bedwyn beim Tod von John Higgs wohl einmal tief durchgeatmet und wohlig gegrunzt haben!

Post Office
90, Church Street
Great Bedwyn
Marlborough
Wiltshire
SN8 3PF

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Eine steineren Riesen-Ananas zeugt von der einstigen Kunstfertigkeit der Steinmetze von Lloyd's Stonemason's Yard.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Riesen-Ananas zeugt von der einstigen Kunstfertigkeit der Steinmetze von Lloyd’s Stonemason’s Yard.
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Grace Darling und ihr Museum in Bamburgh (Northumberland)

Das Museum in Bamburgh (Northumberland).    © Copyright Andrew Curtis and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Museum in Bamburgh (Northumberland).
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Das Bamburgh Castle gehört zu den sehenswertesten Orten im rauen Northumberland hoch oben im Norden Englands. Vielleicht nicht ganz so bekannt wie die Burg ist ein Museum in Bamburgh, das einer jungen Frau gewidmet ist, die im Jahr 1838 zu einer Heldin geworden ist. Die Rede ist von Grace Darling (1815-1842), Tochter des Leuchtturmwärters von Longstone. Vater William, Mutter Thomasina und Grace lebten auf den der Küste Northumberlands vorgelagerten Farne Islands; die Leuchttürme auf der Inselgruppe wiesen dem Schiffsverkehr den Weg.

Am 7. September 1838 geriet bei einem schweren Sturm das Schiff SS Forfarshire, das eine Ladung Fracht von Dundee in Schottland nach Hull bringen sollte, in Seenot und krachte gegen Felsen, die etwa eine Meile vom Leuchtturm entfernt aus dem Meer ragten. Die junge Frau bekam die Tragödie mit, weckte ihren Vater und beide entschieden, den Seeleuten in ihrem Ruderboot zu Hilfe zu kommen. Die Seenotrettung auf dem Festland war viel zu weit entfernt und so setzten die beiden ihr Leben aufs Spiel, indem sie durch die aufgewühlte See zu dem gestrandeten Schiff fuhren. Vater und Tochter retteten fünf Personen, die sich auf die Felsen geflüchtet hatten, fuhren zum Leuchtturm zurück und holten dann auch noch die restlichen vier Überlebenden der Forfarshire an Land. Eine sehr mutige Tat, bei der die beiden auch hätten ums Leben kommen können. Die Presse des Landes würdigte die beiden Helden, die aber gar nicht gern im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen wollten.

Grace Darling war damals gerade einmal 22 Jahre alt, vier Jahre später starb sie an Tuberkulose. Die britische Öffentlichkeit hatte sie nicht vergessen, denn zu ihrer Beerdigung Ende 1842 kamen zahlreiche Menschen nach Bamburgh, wo sie auf dem Friedhof der Kirche St Aidan’s beigesetzt wurde. Selbst Königin Victoria schickte einen Beileidsbrief nach Northumberland.

Man errichtete ihr zu Ehren ein Monument auf dem Kirchhof, sie liegt aber gemeinsam mit ihren Eltern in einem schmucklosen Grab. In der Kirche St Aidan’s findet man eine liegende Steinskulptur von Grace Darling. Hundert Jahre nach ihrer Heldentat, im Jahr 1938, eröffnete man in Bamburgh ein kleines Museum, in dem Erinnerungsstücke wie Kleidung und Briefe von ihr zur Schau gestellt werden; auch das Originalruderboot von damals ist hier zu sehen. 2013 erhielt das Grace Darling Museum die Certificate of Excellence der Touristikwebsite TripAdvisor.

Der Sänger und Songwriter Dave Cousins hat 1974 in seinem Lied „Grace Darling“ der jungen Frau noch einmal Tribut gezollt. Es gibt eine eigene Grace Darling gewidmete Website und viele Bücher sind über sie geschrieben worden, z.B. Hugh Cunninghams „Grace Darling: Victorian Heroine“ (Bloomsbury 2007. 203 Seiten. ISBN 978-1852855482).

In diesem Film sind einige Bilder aus dem Museum zu sehen und dieser Film zeigt einige Aufnahmen aus der Kirche St Aidan’s.

Die St Aidan's Church in Bamburgh un das Grace Darling Memorial.    © Copyright Karl and Ali and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Aidan’s Church in Bamburgh und das Grace Darling Memorial.
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Die Grace Darling-Skulptur in St Aidan's.    © Copyright Karl and Ali and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Grace Darling-Skulptur in St Aidan’s.
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Das Langstone Lighthouse auf den Farne Islands.    © Copyright Jim Barton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Longstone Lighthouse auf den Farne Islands.
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Published in: on 2. November 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Meine Lieblings-Pubs – The Shears Inn in Collingbourne Ducis in Wiltshire

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Ich staune immer wieder, dass Pubs, die weitab von Dörfern und Städten liegen und schwer zu finden sind, überleben können und mittags und abends sogar ein volles Haus haben. Auf der Suche nach einem Pub in der Region Ludgershall in Wiltshire, nordöstlich von Salisbury, schlug mir mein AA Pub Guide The Shears Inn vor, der in dem Dorf mit dem schönen Namen Collingbourne Ducis liegt. Der Gasthof mit dem eher ungewöhnlichen Namen liegt aber nicht in Collingbourne Ducis, sondern ein ganzes Stück weit östlich vom Ort, an der Cadley Road.

Bevor aus dem Haus aus dem 18. Jahrhundert ein Pub wurde, diente es als Schafscherstation, woraus sich der Name The Shears Inn ableitet und dessen vom Wiltshire-Wetter schon arg mitgenommene Wirtshausschild eine Schafschere zeigt. Der alte Teil des Gebäudekomplexes ist reetgedeckt, der neuere Teil ist im rechten Winkel angebaut worden. Der hübsche gepflegte Biergarten war gut besucht, wir nahmen unseren Lunch aber in der Gaststube zu uns, wo wir von einer netten, freundlichen Dame bedient wurden; einen separaten Restaurantteil gibt es zusätzlich noch. Wir entschieden uns für ein halbes Pint Brakspear Bitter, das wir zu unserem üppigen Ploughman’s Lunch auch brauchten.

The Shears Inn bietet Übernachtungsmöglichkeiten an; 6 Zimmer stehen Gästen zur Verfügung, und ich kann mir vorstellen, dass man hier draußen sehr ruhig und ungestört schlafen kann. Hier sind einige Fotos vom Hoteltrakt.

Fazit: Ein hübscher, empfehlenswerter Pub, den man aber gezielt suchen muss, denn zufällig kommt man dort nicht vorbei.

The Shears Inn
Cadley Road
Collingbourne Ducis
Marlborough SN8 3ED
Tel. 01264 850304

Eigenes Foto.

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Published in: on 1. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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