Harry Carter – Norfolks Vater der Village Signs

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham. © Cameron Self. http://www.literarynorfolk.co.uk/

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham.
© Cameron Self of Literary Norfolk.

Die Stadt Swaffham in Norfolk kennt der eine oder andere vielleicht als Schauplatz der ITV-Serie „Kingdom“ (2007-2009), in der Stephen Fry den Rechtsanwalt Peter Kingdom spielt. Der berühmte Archäologe und Ägyptologe Howard Carter, der 1922 das Grab Tutanchamuns entdeckte, verbrachte seine Kindheit in Swaffham, und er war ein Verwandter eines anderen Carters, nämlich Harry Carter, der in die Geschichte Norfolks als der Vater der Village Signs eingegangen ist.

Harry Carter wurde 1907 in London geboren und besuchte dort das Slade College of Art; später ging er nach Swaffham und arbeitete als Kunstlehrer an der Hamonds Grammar School. Seine besondere Vorliebe galt der Holzschnitzerei und so hatte er eines Tages die Idee, für  Swaffham ein Town Sign zu gestalten, das die im Ort berühmte Figur des Pedlars of Swaffham zeigte. Dieser fliegende Händler namens John Chapman hatte im 15. Jahrhundert mehrere Nächte hintereinander einen Traum, dass er nach London gehen würde und dort auf der London Bridge einen Fremden treffen würde. Chapman ging nach London und traf dort tatsächlich einen Fremden auf der Brücke, der ihm auch von einem Traum berichtete, dass im Garten eines Hauses in Swaffham in Norfolk ein Schatz vergraben läge. Chapman eilte in seine Heimatstadt zurück, buddelte in besagtem Garten…und fand den Schatz. Einen Teil des Schatzgeldes gab er der Kirche St. Peter and St. Paul’s, damit Renovierungsarbeiten durchgeführt werden konnten.

Bis zum Jahr 2012 stand Harry Carters Schild auf dem Marktplatz in Swaffham, dann wurde es höchste Zeit für eine gründliche Restaurierung, denn der Zahn der Zeit hatte an dem Holzschild sehr stark genagt. Der Restaurator war Colin Yorke, der, wie Carter, viele Jahre lang an der Hamonds School gearbeitet hat.

Harry Carter fand Gefallen an den Dorfschildern und gestaltete bis zu seinem Tod im Jahr 1983 über 150 weitere allein in Norfolk. In den angrenzenden Grafschaften sollen es über 70 gewesen sein. Carter arbeitete sehr sorgfältig, so dass die Fertigstellung eines Schildes manchmal mehrere Monate dauern konnte. Er bevorzugte für seine Arbeiten Holz, speziell Eiche, hin und wieder verwendete er auch Mahagoni und Walnussholz. Aber das Wetter Norfolks setzte den Dorfschildern im Laufe der Jahre sehr zu und deshalb sind heute viele Carter-Schilder verschwunden, ersetzt oder restauriert worden. Statt Holz benutzten die späteren Dorfschild-Gestalter auch gern Metall und Kunststoff; beides kann den Naturgewalten besser Widerstand leisten.

Ich finde es immer wieder schön, in englischen Dörfern und Kleinstädten diesen oftmals sehr fantasievoll gestalteten Schildern zu begegnen. Man sollte nicht achtlos daran vorbeifahren, sondern sich ein paar Minuten Zeit für sie nehmen, geben sie doch bildlich Aufschluss über die Geschichte ihres jeweiligen Ortes.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harrx Carter.    © Copyright Christine Matthews and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harry Carter.
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Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Evelyn Simak and
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Published in: on 10. November 2014 at 02:00  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Wie so oft, beschreiben Sie in diesem und im gestrigen Beitrag die örtlichen und sinnlich wahrnehmbaren Kleinode der englischen Landschaft derart präzise und zu Herzen gehend, dass man am liebsten wieder ins nächste Flugzeug steigen und hinreisen möchte! Wir haben auf unserer Reise unzählige Begegnungen mit hübschen „village signs“ gehabt, aber in den oftmals kleinteiligen Verkehrsverhältnissen der englischen Dörfer nicht immer den notwendigen Platz (aber auch die Zeit), das Auto zu parken und uns mit der Geschichte des jeweiligen Ortes auseinanderzusetzen! Der Ursprung dieser „village signs“ muss aber in Norfolk (auch Suffolk?) liegen – nähert man sich diesem County, werden sie dichter, entfernt man sich von East Anglia, werden sie seltener.

    • Herzlichen Dank für den Kommentar!!!
      Ja, das ist richtig, dass man leider oft die Zeit nicht hat, sich mit einem Dorf näher zu beschäftigen und mir ging es auch so, dass man einfach keinen Parkplatz findet, um sich eines der Dorfschilder genauer anzusehen. In Norfolk liegt der Ursprung der Village Signs, aber auch in Suffolk sind sehr viele zu finden. Die Beobachtung ist richtig, dass die Village Sign-Dichte hier in East Anglia am größten ist.
      Viele Grüße!

  2. […] in der Branche der Dorfschildmacher herausragende Harry Carter aus Swaffham (Norfolk), über den ich in meinem Blog schon einmal geschrieben […]

  3. […] wieder gezeigt, was für ein großartiger und ideenreicher Künstler er war. Ich habe ihn in meinem Blog schon einmal […]


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