Ein Mark IV-Panzer mitten in Ashford (Kent), der den St George’s Square bewacht.

   © Copyright Peter Trimming and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Trimming and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Nachdem wir den Kanaltunnel durchquert hatten, suchten wir einen Geldautomaten, um uns mit Bargeld zu versorgen. Dazu fuhren wir in das Zentrum von Ashford, einer lebhaften Stadt mit rund 75 000 Einwohnern, die in Kent einen der wichtigsten Wirtschaftsstandorte und Verkehrsknotenpunkte bildet.

Seit fast 100 Jahren bewacht hier mitten in der Stadt ein Panzer den St George’s Square. Unter einem Schutzdach steht der Mark IV-Panzer mit der Registrierungsnummer 245 aus dem Ersten Weltkrieg, einer von rund 1200 Exemplaren, die damals gebaut wurden und der letzte aus der Serie, der öffentlich zur Schau gestellt wird. Am 1. August 1919 wurde der Panzer von Captain Walter Ferrar der Stadt Ashford übergeben, als Dank für die finanzielle Unterstützung der Bevölkerung während der Kriegszeiten. Es handelt sich hier um einen sogenannten „weiblichen“ Panzer, der nur mit Maschinengewehren bestückt war. Die „männlichen“ Gegenstücke waren mit Kanonen, also mit schwererer Bewaffnung versehen. 26 Tonnen wogen die Mark IV-Panzer, in denen acht Soldaten Platz fanden und die sich nur sehr langsam fortbewegen konnten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden mehr als 200 ausgemusterte Panzer in britischen Städten aufgestellt, aber keiner außer dem in Ashford hat überlebt. Viele wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, andere wiederum waren dermaßen durchgerostet, dass sie entfernt werden mussten.

Die Bewohner von Ashford lieben ihren Mark IV, der vor Wind und Wetter von einem Dach geschützt wird und der immer noch wie neu aussieht, nachdem man ihn im Jahr 2005 generalüberholt und neu angestrichen hat. Seit November 2006 gilt der Panzer am St George’s Square offiziell als Kriegsdenkmal. Hier ist ein kurzer Film über ihn.

In Ashford gibt es übrigens noch einen weiteren Panzer und zwar steht der auf dem Kreisverkehr, an dem der Templer Way auf die Chart Road trifft. Dabei handelt es sich um einen AFV 432 aus dem Jahr 1967, der zuerst in Deutschland stationiert war und dann im ersten Golfkrieg und in Bosnien-Herzegowina eingesetzt wurde.

   © Copyright Peter Trimming and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Trimming and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Panzer auf dem "Tank Roundabout" in Ashford. Photo: Angus Willson. Creative Commons 2.0

Der Panzer auf dem „Tank Roundabout“ in Ashford.
Photo: Angus Willson.
Creative Commons 2.0

Published in: on 31. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Samphire Hoe Country Park (Kent) und der Eurotunnel

Foto meines Prospektes.

Foto meines Prospektes.

Die meisten Kontinentaleuropäer, die via Fähre oder Eurotunnel in Dover oder Folkestone ankommen, machen sich gleich auf den Weg zu ihrem Ziel, meist über die Autobahn M20 in Richtung London. Nur die wenigsten legen einen Halt beim Samphire Hoe Country Park ein, der an der A20 zwischen Dover und Folkestone liegt. Seit 1997 gibt es diesen unterhalb der Klippen angelegten Park, dessen Gelände früher Lower Shakespeare Cliff Site hieß. Er enstand als die riesigen Massen an Kalkgestein, die bei den Bohrarbeiten für den Eurotunnel entstanden, irgendwo abgelagert werden mussten und so entschied man sich für diesen Ort, der nicht weit weg vom Tunneleingang ist. Samphire Hoe ist durch eine etwa 1,5 Kilometer lange Wallanlage vor dem Meer geschützt auf der man spazierengehen oder radfahren kann.

1994 schrieben die Betreiber des Eurotunnels und die Zeitung Dover Express einen Wettbewerb aus, bei dem nach einem Namen für das neu entstandene Areal gesucht wurde. Mrs. Gillian Janaway ging als Siegerin aus dem Wettbewerb hervor, denn ihr vorgeschlagener Name „Samphire Hoe“ gefiel den Juroren am besten. Samphire ist der englische Name für die essbare Pflanze „Meerfenchel„, die man hier entlang der Küste findet. Ich habe das schon einmal in einem englischen Restaurant als Beilage gegessen, habe aber keine rechte Erinnerung mehr an den Geschmack. „Hoe“ bedeutet soviel wie „ins Meer ragendes Land“.

Auf das abgelagerte Gestein hat man damals Grassamen und Samen von Wildblumen gestreut, die auch gut angegangen sind; dazu kamen dann noch Pflanzen, die sich auf natürliche Weise ihren Weg hierher gesucht haben. Jetzt ist der Country Park so gut bewachsen, dass sogar Schafe hier grasen können. Vögel, zahlreiche Insektenarten und anderes Getier haben sich auf dem Samphire Hoe eingefunden, so dass ein richtiger Natur- und Erholungspark entstanden ist, der besonders von Anglern, Vogelbeobachtern und Naturliebhabern besucht wird.

Die Zufahrt erfolgt von der A20 durch einen Tunnel, der durch die Kreidefelsen führt. Geöffnet ist der Country Park täglich ab 7 Uhr bis zum Sonnenuntergang. Der Eintritt ist frei, lediglich der Parkplatz wird mit £1 berechnet.

Hier ist ein Film über den Country Park.

Samphire Hoe unterhalb der Klippen von Dover. Author: Alfred Gay. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

Samphire Hoe unterhalb der Klippen von Dover.
Author: Alfred Gay.
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

 

Die Tunnelzufahrt.    © Copyright Oast House Archive and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Tunnelzufahrt zum Country Park.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Oast House Archive and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Samphire Hoe mit den Entlüftungsanlagen für den Eurotunnel vorn.    © Copyright David Anstiss and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Samphire Hoe mit den Entlüftungsanlagen für den Eurotunnel vorn.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Anstiss and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Samphire = Meersfenchel. This work has been released into the public domain.

Samphire = Meeresfenchel.
This work has been released into the public domain.

 

Published in: on 30. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Stonehenge – Ein prähistorisches Monument und seine Repliken

Das richtige Stonehenge in Wiltshire.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das richtige Stonehenge in Wiltshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Jahr für Jahr stehen die prähistorischen Steine von Stonehenge in Wiltshire auf Platz 1 der Liste der beliebtesten Touristenattraktionen Großbritanniens. Keine Busreisegesellschaft britischer oder kontinentaler Reisebüros, die hier nicht haltmacht. Ein neues £27 Millionen teueres Visitor Centre, das im Dezember 2013 seine Pforten erstmals öffnete, heißt mehr als eine Million Besucher jährlich willkommen. Es geht hier also sehr trubelig zu. Ich habe Stonehenge einmal besucht, was mir auch reicht, denn es macht keinen Spaß, sich mit diesen Menschenmassen gemeinsam die Steine anzusehen.

Über Stonehenge ist so viel spekuliert und geschrieben worden, dass ich mich in meinem Blog nicht auch noch darüber äußern will. Ich finde es viel interessanter, was für Stonehenge-Repliken geschaffen worden sind, von denen ich hier einmal einige kurz vorstellen möchte:

– Eine Stonehenge-Hüpfburg schuf der britische Künstler und Turner Prize-Inhaber Jeremy Deller und nannte sie „Sacrilege„. Im Jahr 2012 ging das „bouncy castle“, wie man Hüpfburgen in England nennt, auf Tournee durch Großbritannien und erfreute viele Kinder und auch so manchen Erwachsenen. Anschließend durften sich an dem maßstabgerechten Gebilde auch Kinder in Hongkong und Australien erfreuen. Dieser Film zeigt die Hüfburg in Betrieb.

– Der Graffitikünstler Banksy ging das Thema „Stonehenge-Replika“ ganz anders an. Beim Glastonbury-Festival 2007 setzte er mehr oder weniger geschmackvoll besprayte mobile Toilettenhäuschen aufeinander, die so in etwa dem Original in Wiltshire ähnelten.

– 1987 gestaltete Jim Reinders in der Nähe von Alliance im US-Bundesstaat Nebraska ein Carhenge, bei dem statt der Steine 38 Oldtimer-Autos in der gleichen Form wie in England zusammengesetzt worden sind. Diese Aktion erwies sich als so erfolgreich, dass man sogar ein Besucherzentrum anbaute. Der Film „Carhenge: Genius or Junk“ (hier zu sehen) dokumentiert  den Bau der von Stonehenge inspirierten Touristenattraktion.

– Im Jahr 2004 baute der amerikanische Künstler Mark Cline ein Foamhenge in Natural Bridge im Staat Virginia. „Wozu die Druden 1500 Jahren brauchten, das schaffte ich in zehn Tagen“ meinte Cline, nachdem er die naturgetreue und maßstabsgerechte Replik aus Styropor den staunenden Besuchern zeigte. Hier ist ein Film.

– Auf dem Campus der University of Texas in Odessa findet man seit dem Jahr 2004 einen weiteren Nachbau, der dem echten Stonehenge sehr ähnlich sieht und aus Kalkstein geformt ist.

– Aus 137 Granitsteinen, die jeweils zwischen 28 und 50 Tonnen wiegen, errichtete man in Esperance an der Südküste Australiens ebenfalls ein maßstabsgerechtes Stonehenge, das in diesem Film zu sehen ist.

Das sind nur wenige Beispiele, es gibt noch erheblich mehr Stonehenge-Repliken in der ganzen Welt.

Zum Abschluss des heutigen Blogeintrags habe ich noch einen Videoclip der beiden norwegischen Brüder Ylvis zu bieten, die sich auf ihre Art mit Stonehenge befassen.

Die Stonehenge-Hüpfburg des Künstlers Author: Loz Pycock. Creative Commons 2.0.

Die Stonehenge-Hüpfburg des Künstlers Jeremy Deller.
Author: Loz Pycock.
Creative Commons 2.0.

Banksys Toilettenhäuschen-Stonehenge. This work has been released into the public domain.

Banksys Toilettenhäuschen-Stonehenge.
This work has been released into the public domain.

Carhenge bei Alliance in Nebraska. Author: Jacob Kamholz. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Carhenge bei Alliance in Nebraska.
Author: Jacob Kamholz.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Foamhenge in Natural Bridge in Virginia. Photo: Ben Schumin. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

Foamhenge in Natural Bridge in Virginia.
Photo: Ben Schumin.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

Stonehenge auf dem Campus der University of Texas in Odessa. Author: Billy Hathorn. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Stonehenge auf dem Campus der University of Texas in Odessa.
Attribution: Billy Hathorn at Wikipedia.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

Published in: on 29. Januar 2015 at 02:00  Comments (5)  
Tags:

Village Signs – Finglesham in Kent, außerehelicher Sex und ein Schinkenbrot

   © Copyright Nick Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nick Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Nähe einer Kreidegrube im Osten der Grafschaft Kent fand man einen Friedhof aus angelsächsischer Zeit, der schätzungsweise zwischen 525 und 725 angelegt worden war. Neben den Knochen grub man auch noch einen bronzenen Anhänger und eine vergoldete Gürtelschnalle aus, die die nackte Figur des Gottes Odin zeigt. Dieser sogenannte „Finglesham Man Buckle“ ziert heute das Dorfschild des Ortes Finglesham, der nur 2-3 Kilometer von der Ostküste Kents entfernt liegt. 2002 AD steht darauf, das Datum der Einweihung dieses gelungenen und außergewöhnlichen Village Signs, das man kurz vor dem Dorfzentrum an der Straße namens The Street aufgestellt hat. Dieser Film zeigt die berühmte Gürtelschnalle.

Den Namen Finglesham kennt man in England vielleicht noch durch das Sprichwort „to be married in Finglesham Church„. Erstaunlicherweise verfügt das Dorf über keine Kirche, und so bedeutet das Sprichwort soviel wie, „nicht verheiratet sein, aber trotzdem sexuellen Vergnügungen nachgehen“, was Pärchen gern in der nahegelegenen Kreidegrube taten.

Finglesham kann noch mit einer anderen Kuriosiät aufwarten, einen Wegweiser am westlichen Ortsrand mit der Aufschrift und den Meilenangaben „Ham 1/2Sandwich 3„.

Wenn Finglesham schon keine eigene Kirche hat, so gibt es hier aber wenigstens einen Pub, The Crown Inn, der in einem hübschen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert untergebracht ist.

Das Village Sign heißt die Besucher des kirchenlosen Dorfes willkommen.    © Copyright Elliott Simpson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Sign heißt die Besucher des kirchenlosen Dorfes willkommen.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Elliott Simpson and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der kuriose Wegweiser, der zum "Ham Sandwich" führt.    © Copyright Chris Downer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der kuriose Wegweiser, der zum „Ham Sandwich“ führt.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Downer and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crown in Finglesham.    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crown in Finglesham.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Robin Webster and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 28. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Selling (Kent) – Das Dorf in Kent, das Marlon Brando liebte

Ehemalige Hopfenhäuser am Vicarage Lane in Selling (Kent).    © Copyright Oast House Archive and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ehemalige Hopfenhäuser am Vicarage Lane in Selling (Kent).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Oast House Archive and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wenige Tage bevor der große Hollywood-Schauspieler Marlon Brando am 1. Juli 2004 in Los Angeles starb, soll er angesichts des Todes gesagt haben: „Wenn ich doch nur noch einmal Faversham und die hübschen Landstraßen Englands sehen könnte“. Ja, der Mann hatte seine Vorliebe für das ländliche England entdeckt und ganz besonders für die Grafschaft Kent und das kleine Dorf Selling. Weitab von der stressigen Metropole Los Angeles fand er hier seine Ruhe und liebte es, auf den genannten Landstraßen und -wegen spazieren zu gehen.

1986 kam Brando erstmals nach Selling und ihm gefiel es hier so gut, dass er gleich ein halbes Jahr blieb. Von da ab kam er noch mehrmals hierher, meist mit der Familie und mit Freunden, denen es wiederum auch so gut gefiel, dass sie Selling und das benachbarte Faversham immer wieder aufsuchten wie z.B. Brandos persönliche Assistentin Caroline Bennett.
Besonders gern ging Marlon Brando auf dem langen schmalen Owens Court Lane spazieren, z.B. mit seinem Patenkind, das im Ort wohnte.

Selling liegt mitten in einer sogenannten Area of Outstanding Natural Beauty in den Kent Downs, eine Region, die von Hopfenhäuser und alten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden geprägt wird. In Selling findet man ein gutes Dutzend davon wie The Old Vicarage, The Church House und The White Lion Public House an der Selling Road.

In wenigen Minuten gelangt man mit dem Auto nach Faversham und nach Canterbury und ist schnell auf der Autobahn M2, die nach London führt.

Der unter Denkmalschutz stehende White Lion an der Selling Road.    © Copyright David Anstiss and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der unter Denkmalschutz stehende White Lion an der Selling Road.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Anstiss and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Dorfkirche von Selling, St Mary the Virgin.    © Copyright PAUL FARMER and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Dorfkirche von Selling, St Mary the Virgin.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright PAUL FARMER and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 27. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

St Neot in Cornwall, St Neots in Cambridgeshire, ein zwergenhafter Heiliger als Namensgeber und der Riese James Toller

Die Parish Church von St Neot in Cornwall.    © Copyright Chris Gunns and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Parish Church von St Neot in Cornwall.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Gunns and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Würde es in England nicht zwei Städte mit dem Namen St Neot geben, wäre der Name des Heiligen Neot wohl schon lange in Vergessenheit geraten sein. Der kleine Mann, der nicht größer als 1,20 Meter gewesen sein soll, lebte im 9. Jahrhundert als Mönch in Cornwall; vorher soll er als Küster in der Abtei von Glastonbury gearbeitet haben.
Der heilige Neot gilt als der Schutzpatron der Fische. Vielleicht hängt das mit der Geschichte des Brunnens und der drei Fische zusammen. Ein Engel soll dem kleinen Mönch einmal erschienen sein, der ihm drei Fische in einem Brunnen zeigte und ihm erklärte, dass, wenn er jeden Tag nur einen der Fische zum Essen entnehmen würde, er sein Leben lang eine tägliche Fischmahlzeit hätte, denn wundersamerweise wuchs jeden Tag wieder ein Fisch nach. Als er einmal krank im Bett lag, brachte ihm sein Diener gleich zwei Fische aus dem Brunnen, die er seinem Herrn schön zubereitet vorsetzte. St Neot war entsetzt, betete um Vergebung und rührte die beiden Fische nicht an. Er befahl dem Diener beide wieder zum Brunnen zurückzubringen, was dieser auch sofort tat. Er setzte die Tiere ins Wasser und siehe da: Aus den gebratenen bzw. gekochten Fischen wurden wieder lebendige Wesen, die sich ihrem einsamen dritten Gefährten gleich wieder anschlossen.
Den St Neot’s-Brunnen gibt es noch heute; er ist etwa 250 Meter von der Kirche entfernt.

Nachdem der winzige Heilige gestorben war, wahrte man seine Knochen in der Kirche des Ortes auf, den man später ihm zu Ehren St Neot nannte. Die Parish Church hier in Cornwall ist stolz auf die mittelalterlichen Glasfenster, die auch Szenen aus dem Leben des Heiligen zeigen.

Die Knochen des heiligen St Neot sollten aber nicht in Cornwall bleiben, denn Mönche aus einem Kloster aus dem weit entfernten Eynesbury klauten sie einfach und bewahrten sie ab sofort bei sich auf. Als Heinrich der Achte 1538 bis 1541 die Auflösung der englischen Klöster anordnete, gingen in den Wirren der damaligen Zeit die Knochen verloren. Eynesbury ist heute ein Teil der Stadt St Neot in Cambridgeshire, die natürlich auch nach unserem „Fischschutzpatron“ benannt wurde.

Für die Aufbewahrung der Knochen des kleinen Heiligen brauchte man in Eynesbury nicht viel Platz; sehr viel mehr Platz brauchte man in der Gemeindekirche St Mary the Virgin für einen anderen Bewohner als dieser starb. James Toller war Anfang des 19. Jahrhunderts einer der größten Menschen des Landes; er maß 2,28 Meter und wurde auch The Eynesbury Giant genannt, den man auf Grund seiner Größe am russischen und preußischen Hof vorführte. Man findet den Riesen auch auf dem Town Sign von Eynesbury.

St Neots und Eynesbury in Cambridgeshire liegen an der A1, etwa auf halbem Wege zwischen Bedford und Huntingdon.
St Neot in Cornwall ist wesentlich kleiner und liegt ziemlich einsam nördlich der A38 zwischen Bodmin im Westen und Liskeard im Osten.

Der St Neot's-Brunnen in Cornwall.    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der St Neot’s-Brunnen in Cornwall.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Tony Atkin and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary in Eynesbury, wo James Toller beigesetzt ist.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary in Eynesbury (Cambridgeshire), wo James Toller beigesetzt ist.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright JThomas and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Marktplatz von St Neots in Cambridgeshire.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Marktplatz von St Neots in Cambridgeshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen McKay and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Scary London – Die Hauptstadt und ihre gruseligen Vergnügungsorte

Londons County Hall, in der man den London Dungeon und London's Death Trap findet. This work has been released into the public domain.

Londons County Hall, in der man den London Dungeon und London’s Death Trap findet.
This work has been released into the public domain.

Bei meinem Besuch in einem anfangs recht harmlos aussehenden Wachsfigurenkabinett in York gab es kurz vor dem Ausgang einen verdunkelten Raum, in den man nur mit einem stabilen Nervengerüst gehen sollte. Meine Frau verließ fluchtartig das Etablissement; ich wagte mich zusammen mit einer Gruppe von weiblichen Teenagern hinein. Das Kreischen der Teenies habe ich heute noch in den Ohren, als sie mit allen möglichen Horrorgestalten im Stockdunklen konfrontiert wurden.

Ja, die Engländer haben eine Vorliebe für alles Makabre und Gruselige. Wer diese Art der „Belustigung“ auch mag, der wird in London gleich an mehreren Stellen fündig. Hier ist eine kleine Auswahl:

– Über das Old Operating Theatre in der St Thomas Church im Stadtteil Southwark habe ich in einem früheren Blogeintrag schon einmal geschrieben. Hier kann man sehen wie früher Operationen und Amputationen (natürlich ohne Betäubung) durchgeführt wurden.

London’s Death Trap klingt auch sehr verheißungsvoll. In der County Hall an der Westminster Bridge Road kann man so richtig das Fürchten lernen; auf keinen Fall geeignet für Schwangere, Epileptiker oder Menschen mit Herzproblemen! Auch hier treffen die Besucher in dunklen Räumen auf  Zombies und andere furchterregende Gestalten. Am besten man schaut sich dieses Video an, um sich ein Bild von der Londoner „Todesfalle“ zu machen.
Der Eintritt ist nicht ganz billig. 12 Pfund zahlen Erwachsene für das Spektakel.

London’s Death Trap
County Hall,
Riverside Building,
Westminster Bridge Road,
London
SE1 7PB

– Im selben Gebäude gibt es noch eine weitere Gruselattraktion: The London Dungeon. Bis Anfang 2013 an der Tooley Street untergebracht, zog der Dungeon in die County Hall um. Nachdem man umgerechnet mehr als 30 Euro Eintritt gezahlt hat, kann man sich in vollen Zügen gruseln.
Da trifft man z.B. auf einen leprakranken Fahrstuhlführer, begegnet auf dem Tyrant Boat Ride Heinrich VIII (der war schon immer für blutige Überraschungen gut), macht die Bekanntschaft des Folterers und darf sich auf sympathische Zeitgenossen wie Jack the Ripper und den Pestarzt freuen. Dass Ratten im Dungeon eine nicht unbedeutende Rolle spielen, dürfte niemanden verwundern. In diesem Video wird der neue London Dungeon vorgestellt.

The London Dungeon
County Hall,
Riverside Building,
Westminster Bridge Road,
London
SE1 7PB

– Wer jetzt immer noch nicht genug hat, der mag sich noch The London Bridge Experience ansehen. Dort, wo früher The London Dungeon untergebracht war, an der Tooley Street, kann man eine Reise in die (blutige) Geschichte der berühmten Brücke unternehmen. Klar, dass man auch hier auf Folterer, Henker und den unvermeidlichen Jack the Ripper trifft. Verheißungsvolle Orte wie der Terror Time Tunnel und das Hell’s Portal warten! Hier ein Video.
Doch das war’s noch nicht. Es geht weiter in die London Tombs, wo man Geistern und Ghouls begegnet und wo Spinnen und Schlangen sich zuhause fühlen. Dieses Video gibt einen Einblick in die Tombs.
Der Eintritt kostet 20 Pfund für beide Attraktionen.

London Bridge Experience und London Tombs
2-4 Tooley Street
London Bridge
London SE1 2SY

The London Bridge Experience in der Tooley Street.    © Copyright Gary Fellows and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The London Bridge Experience in der Tooley Street.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gary Fellows and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Famous Graves – Ian Fleming in Sevenhampton (Wiltshire)

Ian Flemings Grabstein auf dem Friedhof von St James in Sevenhampton.    © Copyright Nicholas Mutton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ian Flemings Grabstein auf dem Friedhof von St James in Sevenhampton.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nicholas Mutton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Über das Mini-Dorf Sevenhampton in Wiltshire, nördlich von Swindon, gibt es wenig zu berichten, außer, dass sich hier einmal einer der berühmtesten Schriftsteller Englands niedergelassen hat, dessen Grabmal auf dem Kirchhof von St James zu finden ist. Ian Fleming, Schöpfer des Geheimagenten 007 James Bond, wohnte die letzten Jahre seines Lebens in Warneford Place, einem Herrenhaus in Sichtweite der Dorfkirche. In meinem gestrigen Blogeintrag erwähnte ich das Haus als Ziel eines Einbruchs der Johnson Gang. Fleming kaufte das heruntergekommene Anwesen Warneford Place im Jahr 1959 und baute es neu als Sevenhampton Place auf. Der Schriftsteller wollte eigentlich auf seinem Landsitz etwas kürzer treten und sich in das bescheidene Gemeindeleben von Sevenhampton einbringen, doch sein frühzeitiger Tod machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Am 12. August 2014 jährte sich Flemings Todestag zum fünfzigsten Male. Am 15. August 1964, drei Tage nach seinem Tod in Canterbury (Kent) wurde er auf dem Friedhof von St James beigesetzt. Den Riesenerfolg des Bond-Films „Goldfinger“, der einen Monat nach seinem Tod in die Kinos kam, sollte er nicht mehr miterleben.

Ian Fleming ist unter einem Obelisken begraben, der die lateinische Inschrift „Omnia perfunctus vitae praemia marces“ trägt, was soviel wie „Du rottest hier vor dich hin, nachdem du ein großartiges Leben gehabt hast“ bedeutet. Der Satz stammt von dem römischen Dichter Lukrez.
Das schon leicht verwitterte Grabmal trägt weiterhin Inschriften, die darauf hinweisen, dass auch Flemings Frau Ann Geraldine Mary Fleming und ihr gemeinsamer Sohn Caspar Robert Fleming hier begraben liegen.
Ann starb 1981; ihre Plakette auf dem Obelisken hat die Inschrift „There is none like her, none„, aus einem Gedicht von Alfred, Lord Tennyson entnommen.
Caspar nahm sich 1975 im Alter von 23 Jahren das Leben; seine Plakette trägt neben seinem Namen und seinen Lebensdaten den Zusatz „to cease upon the midnight with no pain„, ein Zitat aus John Keats‘ „Ode to a Nightingale“.  Für Caspar hatte Ian Fleming das Buch „Chitty Chitty Bang Bang“ geschrieben.

Die Beeerdigungsfeier für Ian Fleming fand im engsten Familien- und Freundeskreis in St James in Sevenhampton statt. Ein Memorial Service wurde in der Londoner Kirche St Bartholomew the Great abgehalten.

Die Dorfkirche steht an der rechten Seite vom Ortsausgang, wenn man in nordöstlicher Richtung zur B4000 fährt. Die private, durch ein Tor geschlossene Zufahrt zu Flemings früherem Haus liegt, ebenfalls an der rechten Seite, ca 200 Meter entfernt.

Das Buch zum Artikel:
Andrew Lycett: Ian Fleming. St Martin’s Press 2013. 496 Seiten. ISBN 978-1250037985.

St James in Sevenhampton (Wiltshire).    © Copyright Miss Steel and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St James in Sevenhampton (Wiltshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Miss Steel and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Broomhill Art Hotel, ein Skulpturenpark und der National Sculpture Prize

Im Norden der Grafschaft Devon, nur wenige Kilometer von Barnstaple entfernt, findet man das Broomhill Art Hotel, ein Hotel der besonderen Art, das sich ganz der Kunst gewidmet hat. Es verfügt nur über acht Zimmer und ein mehrfach ausgezeichnetes Restaurant, das Terra Madre.

Die Besonderheit des Hotels ist die Kunstgalerie und der Skulpturenpark, der 1997 von Rinus und Aniet van de Sande angelegt wurde. Überall in dem das Hotel umschließenden Waldgebiet sind Skulpturen installiert. Da finden sich z.B. Stahlgebilde des niederländischen Künstlers Ronald A. Westerhuis, Carol Peace ist mit Werken vertreten und natürlich werden hier auch die Werke der Preisträger des National Sculpture Prize ausgestellt.

Jedes Jahr vergibt die Broomhill Art and Sculpture Foundation zwei Preise für Bildhauer, die in Großbritannien ansässig sind; einmal den Preis der Jury, der mit £3500 dotiert ist, und den Publikumspreis, mit £1500. Da die eingereichten Werke im Freien aufgestellt werden, müssen sie aus Materialien bestehen, die das auch vertragen können.

Im Jahr 2014 erhielt die seit 2002 in England lebende chinesische Künstlerin Tian Zhu den Preis der Jury für ihr Werk „Hiccup„, eine überdimensionale Teetasse, die zu einem Teil im Boden vergraben ist.

Der Publikumspreis 2014 wurde an den Londoner Alex Glass für seine Skulptur „The Gateway“ vergeben.
Besonders eindrucksvoll finde ich Shaun Stamps „While you slept I was alone in my own eternity„, eine Skulptur, die in die Shortlist aufgenommen wurde.

Die Übernachtungspreise im Broomhill Art Hotel sind für englische Verhältnisse sehr niedrig; das Standard-Doppelzimmer kostet nur £75, die Suite £110.

Broomhill Art Hotel
Muddiford Road
Barnstaple
EX31 4EX

 

Tulip Radio 107.5 in Spalding (Lincolnshire)

The Crescent in Spalding (Lincolnshire); von hier aus sendet Tulip Radio.    © Copyright Bob Harvey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crescent in Spalding (Lincolnshire); von hier aus sendet Tulip Radio.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Bob Harvey and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lincolnshire erinnert sehr stark an die Niederlande; die Landschaft ist platt und ein Teil der Grafschaft wird für den Anbau von Blumen benutzt. Die Kleinstadt Spalding liegt denn auch in einem Distrikt, der South Holland heißt, und das Zentrum des Blumen- und Gemüseanbaus ist. Vor allem die Tulpen, die in dieser Region kultiviert werden, haben Spalding bekannt gemacht. Die Spalding Flower Parade mit ihren blumengeschmückten Umzugswagen zog jedes Jahr Besucher aus nah und fern an; leider wurde dieser Umzug 2013 zum letzten Mal durchgeführt, da einerseits in den letzten Jahren deutlich weniger Zuschauer kamen und andererseits sich die Geldgeber zurückgezogen hatten.

Da die Tulpen in Spalding eine so bedeutende Rolle spielen, verwundert es nicht, dass sich der örtliche Radiosender „Tulip Radio“ („Keeping the community in touch“) nennt. 2001 wurde die Sendestation unter dem Namen Tulip FM gegründet, den heutigen Namen bekam sie dann 2006. Gesendet wird auf der Frequenz 107.5 FM mit eigenen Moderatoren, werktags von sieben Uhr morgens bis Mitternacht, am Wochenende ab acht Uhr morgens.

Tulip Radio finanziert sich durch Werbeeinnahmen und durch Sponsoren. Der Sender ist fest im Gemeinschaftsleben der Stadt verankert und engagiert sich z.B. bei der jährlichen Wahl der Tulip Queen und beim Spalding in Bloom Wettbewerb.

Tulip Radio ist in einem unscheinbaren Haus mitten in Spalding in der Straße The Crescent untergebracht (hier zu sehen).

Hier ist Tulip Radio live zu hören.

Wie heißen wohl die Spieler des örtlichen Fußballvereins Spalding United F.C.? Natürich The Tulips.

Tulpen in Spaldings Springfields Festival Gardens.    © Copyright Graham Hogg and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tulpen in Spaldings Springfields Festival Gardens.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Graham Hogg and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 22. Januar 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

Englische Exzentriker – John „Scheming Jack“ Gainsborough

In diesem Haus in Sudbury (Suffolk) wuchsen der berühmte Maler Thomas Gainsborough und sein weniger berühmte Bruder John auf.    © Copyright Roger Cornfoot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In diesem Haus in Sudbury (Suffolk) wuchsen der berühmte Maler Thomas Gainsborough und sein weniger berühmter Bruder John auf.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger Cornfoot and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Thomas Gainsborough gilt als einer der bedeutendsten Maler Großbritanniens des 18. Jahrhunderts. Er und seine zahlreichen Brüder wuchsen in Sudbury auf, einer Kleinstadt in der Grafschaft Suffolk. Einer dieser Brüder, der nach seinem Vater John getauft wurde, versuchte ähnlich erfolgreich zu sein wie sein kleiner Bruder Thomas, allerdings auf einem ganz anderen Gebiet. John verfügte über eine blühende Fantasie und wollte die in seine vielen Erfindungen einfließen lassen, was ihm leider gründlich misslang.

Leider brachte er seine Erfindungen selten zum Abschluss, weil er schon wieder neue Ideen hatte, die ihn mehr faszinierten. Seine „Karriere“ als Erfinder begann mit einer Art Flugmaschine mit metallenen Flügeln. Mit Hilfe dieser Konstruktion sprang er vom Dach eines Hauses und plumpste sofort im „Steilflug“ kerzengerade hinunter, zur Belustigung der Zuschauer, die sich eingefunden hatten, um dem Schauspiel zuzusehen. Von da an nannte man ihn ironisch „The Sudbury Daedalus„.

Als John sah, dass Flugmaschinen nicht so ganz sein Ding waren, machte er sich an die Umsetzung anderer sinnvoller Ideen und entwickelte einen mechanischen singenden Kuckuck. Die Nachfrage nach einer solchen Apparatur war offensichtlich in Sudbury und Umgebung recht gering und so probierte „Scheeming Jack“ etwas anderes aus, eine Wiege, die sich von selbst hin und her bewegte und die genervten Eltern die lästige Arbeit des Kinderschaukelns abnehmen sollte. Auch das erwies sich nicht als der große Durchbruch.

Schon früh entwickelte John Gainsborough eine Affinität zu Uhren und so machte er eine Uhrmacherwerkstatt auf, die ebenfalls unter keinem glücklichen Stern stand, denn er missbrauchte das Vertrauen, das seine Kunden in ihn setzten, indem er deren Uhren weiterverkaufte und ähnliche krumme Dinge tat. Ständig lieh er sich Geld, um seine Erfindungen zu finanzieren und hatte Mühe, diese Anleihen wieder zurückzuzahlen.

Einmal malte er im Auftrag eines Pubbesitzers ein Schild; da dieser ihm dafür aber nur wenig Geld geben wollte, rächte er sich, indem er den gewünschten Bullen in einer Farbe malte, die beim ersten Regen sofort abgewaschen wurde und vom Bullen nichts mehr zu sehen war.

Schon als Jugendlicher war John Gainsborough durch eine abstruse Idee aufgefallen. Er hatte sich die Mühe gemacht, an einem Apfelbaum jeden einzelnen Apfel mit Teig zu umwickeln und diese, wohlgemerkt noch am Ast hängenden Äpfel in einem Topf Wasser, das er mit einem Rechaud erhitzte, zu kochen. Als sein Werk vollbracht war, holte er seinen Nachbarn, Colonel Addison, und zeigte ihm stolz seinen Apfelteigtaschenbaum.

Da sich Gainsborough mit Uhren gut auskannte, hatte er eine Uhr entwickelt, die (angeblich) auch auf hoher See die Zeit präzise anzeigte, ein Thema mit dem sich sein Kollege, der berühmte Uhrmacher John Harrison, beschäftigte. Angeblich wollte Scheeming Jack seine Erfindung auf einer Reise nach Ostindien ausprobieren, aber dazu kam es nicht mehr, da das verkannte Genie aus Sudbury vorher starb.

Das Haus der Familie Gainsborough in Sudbury liegt an der Gainsborough Street (die Nummer 46) und beherbergt ein dem Maler gewidmetes Museum. Scheeming Jack wohnte ein paar Schritte entfernt, von seinem Elternhaus nur durch The Black Horse Inn getrennt.

Published in: on 21. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Johnson Gang und ihre Einbrüche in Landhäuser

Das Waddesdon Manor der Familie Rothschild in Buckinghamshire. Eigenes Foto.

Das Waddesdon Manor der Familie Rothschild in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

In den Jahren 2003 bis 2006 ging die Angst um bei Country House-Besitzern im Süden Englands. Im großen Stil wurde in diesen Häusern eingebrochen und ihre wertvollen Einrichtungsgegenstände geraubt. Zwischen £30 und £80 Millionen schätzte man damals den Schaden, der durch die Raubzüge entstand. Verantwortlich dafür war eine Gruppe von Männern, die Johnson Gang, die aus Vater Ricky, seinen Söhnen Richard und Albi, seinem Neffen Daniel O’Loghlin und Michael Nicholls, dem Freund von Rickys Tochter bestand. Sie und ihre Familien lebten in Wohnwagen in den Cotswolds, von wo aus sie die Häuser ausspähten.

Niemals zuvor und auch nicht danach hat es in Großbritannien Raubzüge gegeben, bei denen so viele wertvolle Gegenstände gestohlen wurden. Die Polizeibehörden schafften es nach langwierigen Ermittlungsarbeiten, die Gang dingfest zu machen, deren Mitglieder beim Prozess im Reading Crown Court zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Der größte Teil der Beute ist bis heute verschwunden. Man vermutet, dass die wertvollen Stücke im Ausland abgesetzt worden sind.

Hier ist ein Überblick über die Häuser, die damals betroffen waren:

Am 10. Juni 2003 wurde in das Waddesdon Manor der Familie Rothschild in Buckinghamshire eingebrochen. Hier erbeutete die Johnson Gang juwelenbesetzte Schnupftabakdosen und andere Kostbarkeiten im Wert von etwa £8 Millionen.

Noch viel größer war die Beute am 1. Februar 2006 im Ramsbury Manor bei Marlborough in Wiltshire, das Haus des Bauunternehmers und  Multimillionärs Harry Hyams. Hier erbeutete die Johnson Gang Gegenstände im Wert von mindestens £23 Millionen. Dies war der größte Raubzug, der jemals in einem englischen Privathaus stattgefunden hat. Antiquitäten, Uhren, Porzellan und andere wertvolle Gegenstände fielen den Johnsons in die Hände; manche schätzen den entstandenen Schaden noch weit höher ein. Etwa ein Drittel der Beute wurde später in einem unterirdischen Bunker sichergestellt.

Am 24. Oktober 2005 war Warneford Place in Sevenhampton bei Swindon in Wiltshire dran. In diesem Haus wohnte einmal James Bond-Autor Ian Fleming. Zum Zeitpunkt des Einbruchs gehörte das Haus dem ehemaligen Formel Eins-Rennfahrer Paddy McNally, der mit einem geschätzten Vermögen von über einer halben Milliarde Pfund Sterling zu den reichsten Männern der Insel gehört. Der wahrscheinliche Schaden: £1 Million.

Am 16. November 2005 schlug die Johnson Gang in The Manor in Stanton Harcourt in Oxfordshire zu, wo sie eine vergleichsweise geringe Beute in Höhe von £50 000 machte. Der Besitzer des Hauses überraschte einen der Einbrecher, der aber durch einen Sprung aus einem Fenster flüchten konnte.

In dieser BBC-Dokumentation aus dem Jahr 2005 wird die Johnson-Familie vorgestellt.

Das Eingangstor des Ramsbury Manors in Wiltshire.    © Copyright Colin Bates and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor des Ramsbury Manors in Wiltshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Colin Bates and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 20. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Das Logo der britischen Automarke Vauxhall – The Griffin

Das aktuelle Vauxhall Logo. Author: Mtaylor848. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das aktuelle Vauxhall Logo.
Author: Mtaylor848.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die britische Autofirma Vauxhall Motors gehört, wie die Adam Opel AG in Deutschland, zum US-Konzern General Motors. Der Firmensitz liegt in Luton in Bedfordshire. Die Fahrzeuge, die in Großbritannien gebaut werden, sind ziemlich identisch mit denen der Firma Opel und heißen auch so, wie Corsa, Insignia oder Astra; wodurch sie sich aber unterscheiden, ist das Logo.

Während die deutschen Fahrzeuge auf dem Kühlergrill von einem Blitz geziert werden, verwendet Vauxhall einen „griffin„, also einen Greif, ein Mischwesen aus Adler und Löwe, der in seinen Fängen eine stilisierte Standarte mit dem Buchstaben „V“ hält. Wie kommt nun der „griffin“ an die Vauxhall-Autos?

Sir Falkes de Breauté war ein hoher Offizier, der im 13. Jahrhundert den Königen John (Johann Ohneland) und Heinrich III. diente; sein Wappentier war der Greif. Der Wohnsitz des Mannes in London hieß Falkes‘ Hall oder auch Fawkes Hall und im Laufe der Jahre änderte sich der Name in Foxhall, Fauxhall und schließlich Vauxhall. Das Manor House stand im Stadtteil Lambeth, südlich der Themse, und dort gründete 1857 an der Wandsworth Road der schottische Ingenieur Alexander Wilson eine Firma, die Pumpen und Maschinen herstellte, die ab 1897 Vauxhall Iron Works genannt wurde und die seit 1903 Kraftfahrzeuge produzierte. Die räumliche Nähe zum Vauxhall Manor, das auch dem Stadtbezirk seinen Namen gab, veranlasste die Firma, das Wappentier der Familie zu übernehmen.

Das Logo hat sich in seiner Form und seiner Darstellung des Greifs mehrfach verändert; seit den 1990er Jahren ist es rund, vorher war es rechteckig.

Ein Vauxhall Vectra. Author: Keith Burley. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Ein Vauxhall Vectra.
Author: Keith Burley.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Published in: on 19. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

„Wetten, dass…“ im November 1810 oder Wie man jemanden in den Wahnsinn treiben kann

In dieser Straße spilete sich 1810 der "Hoax" ab,    © Copyright Robin Sones and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In dieser Straße spielte sich 1810 der „Hoax“ ab,
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Robin Sones and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Theodore Hook war ein Journalist, der von 1788 bis 1841 überwiegend in London lebte und der dafür bekannt war, dass er  anderen Menschen gern Streiche spielte. So wettete er einmal, als er 1810 mit dem Architekten Samuel Beazley durch London spazierte und durch die Berners Street in der City of Westminster kam, dass er ohne weiteres jedes Haus in London im Handumdrehen zur bekanntesten Adresse der Stadt machen könnte. Beazley nahm die Wette an, bei der es um eine Guinee ging.

Hook machte sich gleich ans Werk und suchte sich das Haus mit der Nummer  54 in der Berners Street aus, in der eine gewisse Mrs Tottenham wohnte. Der armen Frau schwante noch nicht, was ihr bald blühen würde. Hook hatte in tagelanger Arbeit Tausende von Briefen an alle möglichen Adressen in London geschrieben und das Resultat dieser Aktion zeigte sich am 27. November. Es ging schon um fünf Uhr morgens los, als ein Schornsteinfeger bei Mrs Tottenham klingelte, um den Kamin zu reinigen. Ihm wurde beschieden, dass niemand einen Schornsteinfeger bestellt hätte und so ging er wieder. Bald klingelte es wieder und der nächste „chimney sweep“ stand vor der Tür und so ging es immer weiter; zwölf Mal erschienen die schwarzen Männer und wurden alle abgewiesen. Doch das war erst der Anfang dieses rabenschwarzen Tages für Mrs Tottenham. Die Klingel an der Berners Street 54 stand nicht mehr still: Es meldeten sich Kohlehändler, die ihre Wagenladungen abliefern wollten, Konditoren mit Hochzeitstorten, Klavierstimmer, Fischhändler, Ärzte, Rechtsanwälte, Priester, die jemandem im Haus den letzten Segen erteilen wollten und sogar Beerdigungsunternehmer mit Särgen. Mehr als ein Dutzend Klaviere standen vor der Tür und sogar eine angeblich bestellte Orgel wollten Männer in das Haus bringen.

Mrs Tottenham war einem Nervenzusammenbruch nahe. Als sich am Nachmittag auch noch Honoratioren wie der Bürgermeister von London, der Direktor der Bank of England und der Herzog von Gloucester einstellten, konnte die arme Frau es einfach nicht mehr fassen. Der Verursacher des ganzen Spektakels, Theodore Hook, beobachtete derweil sein Werk zusammen mit einigen Freunden von einem gegenüberliegenden Haus aus. Es sprach sich in der Berners Street und Umgebung schnell herum, was sich da alles an wundersamen Dingen vor der Nummer 54 ereigneten und so kam es bald zu einem Massenauflauf an Schaulustigen, die sich köstlich amüsierten.

Die Polizei fand das (offiziell) alles gar nicht lustig, aber ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Beamte still vor sich hin kicherte. Es wurde nach dem Schuldigen gesucht, der sich aber aus London verabschiedet hatte und Gras über die Sache wachsen lassen wollte. Erst zwei Jahre später wurde Hook in einem Zeitschriftenartikel als „Täter“ genannt und der gab es dann viele Jahre später schließlich auch zu. Das Ganze ging in die Annalen Londons als Berners Street Hoax ein.

Das Haus mit der Nummer 54 steht schon lange nicht mehr in der Berners Street im Stadtteil Fitzrovia. An der Stelle steht heute ein großer, ziemlich hässlicher Hotelkomplex, in dem das Sanderson Hotel untergebracht ist, benannt nach der Tapetenfirma Arthur Sanderson & Sons, die ab 1865 hier in der Nummer 52/53 untergebracht war. In der Hausnummer 10 findet man ein weiteres Hotel der gehobenen Kategorie, The London Edition. In der Nummer 71 wohnte der Dichter Samuel Taylor Coleridge von 1812 bis 1816 bei seinen Freunden, den Morgans.

Die Straße ist leicht zu finden; sie geht etwa in der Mitte der Oxford Street nach Norden ab und mündet auf die Mortimer Street. 1746 wurde sie angelegt und nach der Familie Berners benannt, der das Areal gehörte.

Das Sanderson Hotel in der Berners Street wurde an der Stelle erbaut, in dem Mrs Tottenham einst wohnte.    © Copyright Stephen Richards and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Sanderson Hotel in der Berners Street wurde an der Stelle erbaut, wo Mrs Tottenham einst wohnte.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen Richards and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 18. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Eleanor Crosses – Liebesbeweise eines englischen Königs

Das Eleanor Cross in Geddington.    © Copyright Mike Faherty and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eleanor Cross in Geddington (Northamptonshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mike Faherty and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Schon im Alter von 15 Jahren wurde Edward I im Jahr 1254 mit der zehnjährigen Spanierin Eleanor of Castile verheiratet. Aus der angeordneten Ehe wurde tatsächlich im Laufe der Jahre eine sehr enge Beziehung, so dass die beiden als unzertrennlich galten. Eleanor gebar ihrem Mann 15 Kinder, von denen es nur sechs bis ins Erwachsenenalter schafften.

Am 28. November 1290 starb Eleanor im Alter von 46 Jahren in Harby in Nottinghamshire. Der König war von dem Tod seiner Frau sehr erschüttert. Er ließ ihren Leichnam nach Lincoln bringen, wo er einbalsamiert wurde; von hier aus sollte er in einem Trauerzug nach London gebracht werden, wo Eleanor ihre letzte Ruhestätte in der Westminster Abbey finden würde.

Edward I hatte schon kurz nach dem Tod seiner Frau angeordnet, dass an allen Orten, an denen der Trauerzug übernachtete, Kreuze zum Andenken an Eleanor errichtet werden sollten, die Eleanor Crosses.

Das erste Kreuz entstand in Lincoln nahe der St Catherine’s Priory, das im Bürgerkrieg zerstört wurde und von dem nur noch ein Bruchstück erhalten geblieben ist. Man ist gerade dabei, mit dem New Eleanor Cross for Lincoln Projekt ein neues Denkmal zu schaffen.

Kreuz Nummer zwei entstand in Grantham (Lincolnshire), dem das gleiche Schicksal wie Kreuz eins beschieden war. Cromwells Truppen rissen es nieder.

Kreuz Nummer drei wurde im nächsten Übernachtungsort in Stamford (Lincolnshire) errichtet, auch hier machten es die Gefolgsleute Cromwells platt.

Das vierte Kreuz baute man in Geddington, einem Ort in der Nähe von Northampton in der gleichnamigen Grafschaft. Der Leichnam wurde hier über Nacht in der Kirche St Mary Magdalene „geparkt“. Das hier erbaute Kreuz überstand die Wirren des Bürgerkriegs und steht noch heute mitten im Ort schräg gegenüber der Kirche. Die Queen Eleanor Road in Geddington erinnert ebenfalls an die Königsgattin.

Das fünfte Kreuz ist heute auch noch zu sehen; es steht in Hardingstone in Northamptonshire, am Rande der Delapré Abbey. Es wurde mehrfach restauriert, befindet sich aber nicht in dem gleichen guten Zustand wie das Kreuz in Geddington.

Vom sechsten Kreuz in Stony Stratford in Buckinghamshire ist überhaupt nichts mehr übrig geblieben, was auch für das Eleanor Cross Nummer sieben in Woburn gilt.

Den nächsten Stop legte der Trauerzug in Dunstable (Bedfordshire) ein. An Kreuz Nummer acht erinnert noch eine Sackgasse, der man den Namen Eleanor’s Cross gab.

Am Marktplatz von St Albans in Hertfordshire stand viele Jahre Kreuz Nummer neun, bis man es Anfang des 18. Jahrhunderts abriss.

Waltham, das heute Waltham Cross heißt und in Hertfordshire liegt, war der nächste Halt. Das im Stadtzentrum zu sehende Kreuz Nummer zehn ist nicht mehr das Original, sondern besteht aus Repliken. Die noch erhaltenen Originalteile befinden sich im Londoner Victoria & Albert Museum.

Kreuz Nummer elf stand an der Cheapside, einer Straße in der City of London. Dieses Kreuz wurde 1643 zerstört.

Das letzte Denkmal für Eleanor, Kreuz Nummer zwölf, wurde schließlich am Londoner Charing Cross erbaut, das wohl aufwändigste und teuerste aller Eleanor Crosses. Auch hier steht das Original nicht mehr. Die 21 Meter hohe Replika wurde 1863 vor dem Bahnhof Charing Cross aufgestellt.

Die lange Reise des Trauerzugs endete in der Westminster Abbey, wo Eleanor of Castile ihre letzte Ruhestätte fand.

Das Eleanor Cross in Hardingstone.    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eleanor Cross in Hardingstone Northamptonshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Croft and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eleanor Cross in Waltham Cross (Hertfordshire).    © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eleanor Cross in Waltham Cross (Hertfordshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Croft and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das letzte Denkmal am Bahnhof von Charing Cross.    © Copyright Steve Daniels and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das letzte Denkmal am Bahnhof von Charing Cross.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Daniels and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

 

Das einzige „Nazi-Grab“ in London, ein treuer Hund und ein deutscher Botschafter

Über die deutsche Botschaft in London habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Doch das Haus am Belgrave Square 23 war nicht immer der Sitz der deutschen Auslandsvertretung. Vorher lag die Botschaft an der Carlton House Terrace in der City of Westminster, in dem Gebäude, in dem heute die Royal Society ansässig ist.

Von 1932 bis 1936 war hier der Diplomat Leopold von Hoesch Repräsentant des Deutschen Reichs, ein Mann, der in den politischen Zirkeln Englands sehr angesehen war und der über gute Beziehungen zum Königshaus verfügte. Hoesch besass einen Schäferhund namens Giro, den er sehr liebte und der gern im Garten der Botschaft spielte. Eines Tages im Februar 1934 starb der arme Kerl, als er an einer elektrischen Leitung knabberte, die unter Strom stand. Es machte Zisch und Giro war nicht mehr. Der todtraurige Botschafter ließ ihn im Garten beerdigen und einen Grabstein mit der Inschrift „Giro“ – Ein treuer Begleiter“ anfertigen und setzte seinen Nachnamen „Hoesch“ darunter.

Giro the Nazi Dog“ nannte man dieses einzige kleine „Nazi-Denkmal“ in England, obwohl weder Giro noch sein Herrchen der Botschafter Nazis waren. Giros Grabstein steht unter einem kleinen Holzdach hinter einem Gitter direkt zwischen der Duke of York-Säule und dem ehemaligen Botschaftsgebäude.

Der Botschafter Leopold von Hoesch starb am 10. April 1936 in London an einem Herzschlag und wurde unter großen Ehren aus der Stadt verabschiedet und nach Deutschland transportiert. Hier ist ein Film von den Londoner Feierlichkeiten.

Kaum jemand, der heute an der Straße Carlton House Terrace entlang geht, weiß, dass noch immer ein kleines Grabmal an einen treuen Hund erinnert, der vor über 80 Jahren hier in der ehemaligen deutschen Botschaft starb.

Die ehemalige deutsche Botschaft an der Carlton House Terrace. Author: Kaihsu Tai. his file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die ehemalige deutsche Botschaft an der Carlton House Terrace.
Author: Kaihsu Tai.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 16. Januar 2015 at 02:44  Comments (1)  
Tags: ,

The Black Bull in Frosterley (County Durham) – Großbritanniens einziger Pub mit eigenen Glocken

 

   © Copyright Peter McDermott and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter McDermott and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Nach Frosterley im County Durham kommt man nicht so ohne weiteres. Das Dorf liegt recht einsam, ca 28 Kilometer westlich der Stadt Durham  an der A689 am River Weare. Nur wenige Schritte von der Brücke entfernt, die den Fluss überquert, und der Weardale Railway-Station, findet man den Pub The Black Bull. Das Pubschild, das einen riesigen schwarzen Bullen zeigt, verkündet einladend:
„Here I stand by the River Weare
With open doors to serve good cheer
Come in and meet your fellow man
And put the world right if you can“

Einer derart freundlichen Einladung kann man doch nicht widerstehen. Im Black Bull fühlt man sich zurückversetzt in vergangene Zeiten. Überall findet man alte Möbel und andere nostalgische Einrichtungsgegenstände, Standuhren, Holzbalken, offene Kamine, so dass eine richtig heimelige Atmosphäre im Pub herrscht.
„We are completely and fiercely independent“, sagen die Betreiber und so können sie auch Biersorten anbieten, die ihnen niemand aufdrängt. Da gibt es Biere aus der Region Durham/Northumberland, die man nicht überall bekommt wie z.B. von der High House Farm Brewery in Matfen, der Allendale Brewery und der Wylam Brewery, alle in Northumberland ansässig.

Die Küche des Hauses bezieht ihre Zutaten ebenfalls aus der Region und so findet man auf der Karte u.a. Taube aus dem Weardale, Käse von der Doddington Farm in Wooler (Northumberland) und Krebse von der Küste von North Shields.

Eine Besonderheit hat The Black Bull zu bieten, die es in keinem anderen Pub in Großbritannien gibt: Hier gibt es unter dem Dach Glocken, die in traditioneller Weise per Hand zum Klingen gebracht werden wie dieser Film zeigt. Bell Ringer aus nah und fern kommen hierher nach Frosterley, um einmal die zwölf Glocken des Black Bulls zu läuten.

Hier ist ein Film, der die Atmosphäre des Pubs sehr gut wiedergibt.

The Black Bull Inn
Frosterley
County Durham DL13 2SL

 

The National Brewery Centre in Burton-upon-Trent (Staffordshire)

Das National Brewery Centre in Burton-upon-Trent.    © Copyright David P Howard and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das National Brewery Centre in Burton-upon-Trent.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David P Howard and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Burton-upon-Trent in Staffordshire ist, ähnlich wie Tadcaster in North Yorkshire, die Bierbrauerstadt schlechthin. Früher existierten in der Stadt am Trent einige Dutzend Brauereien, heute sind es noch acht, denn die größeren haben im Laufe der Jahre die kleineren gefressen. Beherrscht wird Burton von den Großbrauereien Marston’s und der amerikanischen Molson Coors Brewing Company. Der frühere Platzhirsch Bass, 1777 gegründet, existiert in seiner eigenständigen Form nicht mehr, sondern gehört zu Molson und zu Anheuser-Busch InBev, einem belgisch-brasilianischen Großkonzern.

Ich kannte noch das Brauereimuseum auf dem Gelände der Firma Bass, das ich vor längerer Zeit einmal besuchte. Es wurde aufgelöst und durch das Coors Visitor Centre & Museum of Brewing ersetzt, das wiederum im Jahr 2008 geschlossen wurde. Am 1. Mai 2010 erblickte schließlich das National Brewery Centre das Licht der Welt, in dem die Ausstellungsstücke der Vorgängermuseen plus zahlreicher Neuerungen präsentiert werden. Die Eröffnung nahm die Tochter der Queen, Princess Anne, vor.

Im National Brewery Centre erfährt man alles, was man über die Bierherstellung wissen sollte, ein großflächiges Miniaturmodell der Stadt Burton-upon-Trent ist aufgebaut, man wird über die Geschichte der Brauerfamilie Bass informiert, sieht alte Brauereifahrzeuge und wird mit den beiden Shire Horses bekannt gemacht, mit denen man auch Kutschfahrten unternehmen kann.

Der Eintritt in das ganzjährig geöffnete Museum kostet £8.95. Für das leibliche Wohlbefinden sorgt das Restaurant Brewery Tap, das man man auch ohne Eintrittskarte besuchen kann; in der Beer Boutique hat man die Wahl unter einem riesigen Angebot an Flaschenbieren aus ganz Großbritannien.

Hier ist ein Film über einen Besuch im NBC.
Das Museum liegt am Rande des riesigen Molson Coors Firmengeländes. Die Zufahrt erfolgt über die Horninglow Street zu einem eigenen Besucherparkplatz.

The National Brewery Centre
Horninglow Street
Burton-upon-Trent
DE14 1NG

Brauereischilder am National Brewery Centre.    © Copyright M J Richardson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Brauereischilder am National Brewery Centre.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright M J Richardson and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ausstellungsstücke im National Brewing Centre.    © Copyright Roger  Kidd and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ausstellungsstücke im National Brewery Centre.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger Kidd and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 14. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Allan „The Singing Postman“ Smethurst – Der singende Briefträger aus Norfolk

Hier in Grimsby verbrachte The Singing Postman die letzten 20 Jahre seines Lebens. Author: Steve Parrott. Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

Hier im Brighowgate Hostel der Heilsarmee in Grimsby verbrachte The Singing Postman die letzten 20 Jahre seines Lebens.
Author: Steve Parrott.
Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported.

Man mag es kaum glauben, Allan Smethurst, der unscheinbare sympathische Briefträger aus Norfolk, nahm in den 1960er Jahren Schallplatten auf, von denen eine sogar, zwar nur für kurze Zeit, die Beatles in den Hitparaden Englands hinter sich ließ.

Geboren wurde The Singing Postman 1927 in Lancashire, wuchs aber in Sheringham in Norfolk auf. Auf seinen täglichen Runden als Briefträger summte und sang Smethurst gern, und eines Tages fasste er sich ein Herz und schickte eine Demoaufnahme an die BBC nach Norwich. Dort war man an den Sangeskünsten des Mannes mit dem Norfolk-Dialekt  interessiert und produzierte einige seiner von ihm selbst geschriebenen Lieder.
Ralph Tuck, der für die BBC in Norfolk tätig war, nahm Smethurst unter seine Fittiche und brachte eine EP mit vier seiner Songs heraus. EPs waren damals erweiterte Singles mit jeweils zwei Songs pro Schallplattenseite. Erstaunlicherweise fand diese EP reißenden Absatz und lief viel besser als man vermutet hatte; die Karriere des Singing Postman begann. In East Anglia verkaufte sich dieser Smethurst-Erstling zeitweise sogar besser als die Beatles-Platten.

Allan Smethurst beschäftigte sich in seinen Songs oft mit seiner Heimat-Grafschaft Norfolk; da gab es Titel die „A Miss from Diss„, „Wroxham Broad“, „Runton Man“, „Norwich is a fine city“ oder „The old North Walsham Line“ hießen.
Seinen größten Erfolg feierte er aber 1966 mit „Hev yew gotta loight, boy„, was soviel wie „Haste mal Feuer, Junge“ bedeutet. Dieser Song brachte ihm sogar in diesem Jahr den Ivor Novello Novelty Song Award ein. Der singende Briefträger war einige Male in der legendären Hitparadenshow „Top of the Pops“ zu Gast, aber so richtig wohl fühlte er sich dort eigentlich nicht, wenn er neben den Rolling Stones in seiner altmodischen Postuniform auftrat und kam sich eher wie ein Fremdkörper vor. Außerdem litt er sehr an Lampenfieber.

Mit seiner Karriere als Popstar war es denn auch bald wieder vorbei, als er gesundheitliche Problem bekam, dem Alkohol verfiel und seine finanziellen Reserven aufgebraucht waren. 1980 zog er sich in das Brighowgate Hostel der Heilsarmee in Grimsby (Lincolnshire) zurück, wo er am 24. Dezember 2000 an den Folgen eines Sturzes starb.

Seine Schallplatten sind heute im Handel nicht mehr lieferbar, aber hin und wieder bekommt man sie noch gebraucht angeboten wie z.B. seine erste EP „First Delivery„; auf der Plattenhülle sieht man Smethurst in Uniform auf seinem Post-Fahrrad eine Straße in einem idyllischen Dorf in Norfolk hinunterradeln.

Heute ist der Singing Postman den meisten Menschen kein Begriff mehr; in Blakeney an der Nordküste Norfolks wird seiner aber alljährlich im Harbour Room gedacht, wenn es dort zu seinen Ehren eine Tribute Night gibt, zuletzt am 17. November durchgeführt.

Dieser sehenswerte Film des East Anglian Film Archives zeigt Smethurst mit einigen seiner Songs.

Das Buch zum Artikel:
Keith Skipper: Hev Yew Gotta Loight, Boy – The Life and Lyrics Allan Smethurst „The Singing Postman“. Countryside Books 2001. 96 Seiten. ISBN 978-1853067143.

Published in: on 13. Januar 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Netherton (West Midlands) und die Anker der Titanic

Die Washinton Street in Netherton. Hier standen einst die Ankerwerke der Firma Hingley & Sons.    © Copyright Gordon Griffiths and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Washington Street in Netherton. Hier standen einst die Ankerwerke der Firma Hingley & Sons.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Gordon Griffiths and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

spaceout Tief auf dem Grund des Atlantischen Ozeans liegen sie, die Anker des Passagierschiffs Titanic, das am 14. April 1912 mit einem Eisberg kolliderte und unterging. Rund 16 Tonnen wogen die Anker, die von der Firma Hingley & Sons in Netherton hergestellt wurden, ein Ort, der heute zu den West Midlands gehört.

In Netherton hatte man sich auf die Anfertigung von Ankern und Ankerketten spezialisiert und der Auftrag, den Hingley & Sons damals von der Belfaster Werft Harland & Wolff bekam, umfasste die Herstellung der seinerzeit größten und schwersten Anker. Vom Firmengelände in Netherton wurden die schweren Teile mit Hilfe von 20 starken Shire Horses durch die Straßen der Kleinstadt ins benachbarte Dudley transportiert (hier ist ein historisches Foto). Von dort ging es per Eisenbahn nach Fleetwood und von dort mittels Schiff weiter zur Werft.

Hingley & Sons hatten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts volle Auftragsbücher, denn es wurden viele Schiffe gebaut. Die Reedereien Cunard und White Star Lines orderten ihre Anker bei der Firma in Netherton und viele Marineschiffe in aller Welt wurden mit ihren Produkten ausgerüstet. Auch der russische Zar Nikolaus bestellte einen Anker für seine Yacht in Netherton.

1838 gründete Noah Hingley seine Firma an der Washington Street; ab 1848 spezialisierte er sich auf die Fabrikation von Schiffsankern und Schiffsketten. Bis in die 1960er Jahre hinein wurde in Netherton produziert, dann wurden die Werke aufgegeben.

100 Jahre später wurde eine Replika des berühmten Titanicankers von der Firma Sheffield Forgemaster International hergestellt, die auf einer Parade am 15. August 2010 den umgekehrten Weg von Dudley nach Netherton nahm, ebenfalls von Shire Horses gezogen (hier ist ein Film über das Ereignis). Sehen kann man die Replika auf dem Gelände des Black Country Living Museums in Dudley.

Die Nortfield Road in Netherton. auf der die Anker damals nach Dudley gezogen wurden.    © Copyright Brian Clift and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Northfield Road in Netherton. auf der die Anker damals nach Dudley gezogen wurden.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Brian Clift and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 12. Januar 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Potts Line – Die Eisenbahnlinie in Shropshire, die niemand haben wollte

Die Gazelle, oder The Coffee Pot, wie sie einst auf der Potts Line eingesetzt wurde. Photo: Ian Britton of FreeFoto.com. This work is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 License.

Die Gazelle, oder The Coffee Pot, wie sie einst auf der Potts Line eingesetzt wurde.
Photo: Ian Britton of FreeFoto.com.
This work is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 License.

1866 wurde in der Grafschaft Shropshire eine Eisenbahnlinie eröffnet, die von Shrewsbury nach Llanymynech in Wales führte. Da die Züge in Shrewsbury nicht vom Hauptbahnhof abfahren durften, baute man gegenüber der Abteikirche einen neuen Bahnhof, was schon einmal kein guter Start war. Die Potteries, Shrewsbury and North Wales Railway, kurz The Potts Line genannt, fuhr die 28 Kilometer lange Strecke durch eine dünnbesiedelte Landschaft, und die Haltestellen waren mitten im Niemandsland. Bei der Eröffnung der Linie kamen eine ganze Menge Neugierige, um die Strecke nach Wales einmal auszuprobieren, das war es dann aber auch schon; das Interesse ließ rapide nach und die Züge fuhren meist leer zwischen Shrewsbury und Llanymynech hin und her. An ein Problem hatte man beim Bau der Linie ganz offensichtlich nicht gedacht: Der River Severn, der von der Bahn auf einem Viadukt überquert wurde, war bekannt dafür, dass er gern einmal über seine Ufer trat und die Umgebung überflutete.

Doch nicht nur der Personenverkehr auf der Potts Line funktionierte nicht, auch der geplante Güterverkehr zwischen den beiden Stationen kam nicht in die Gänge. So war es kein Wunder, dass die Betreiber der Linie schon zum Ende des Jahres 1866 große finanzielle Problem bekamen und den Verkehr einstellen mussten.

Zwei Jahre später versuchte man es erneut mit einem abgespeckten Service, baute eine Nebenlinie von Kinnerley nach Criggion, um von dort aus Material aus einem Steinbruch  abzutransportieren, reduzierte die Strecke auf ein Gleis, aber es brachte alles nichts. Die Betreiber gingen 1877 in Konkurs.

1890 versuchte es Shropshire Railways erneut, ersetzte die maroden Gleise der alten Linie durch neue und übernahm sich finanziell, so dass kurz nach Eröffnung der Strecke auch diese Gesellschaft Insolvenz anmelden musste. Die Anlagen auf der Strecke verkamen im Laufe der Zeit, die Holzbrücke über den Severn stürzte ein. War das das Ende der Potts Line?

Nein, es ging tatsächlich weiter mit dieser Eisenbahnlinie, mit der keiner fahren wollte. Colonel Holman Fred Stephens, ein Eisenbahnfanatiker, der 16 Linien im Land betrieb, übernahm auch diese unter keinem glücklichen Stern stehende Strecke und gründete die Shropshire and Montgomeryshire Light Railway, die im April 1911 den Betrieb wieder aufnahm. Der Colonel setzte alle möglichen und unmöglichen Lokomotiven und Waggons ein, die er alle aus zweiter Hand erwarb. Besonders kurios war eine Lok namens Gazelle, die allerdings gar nichts gazellenhaftes an sich hatte und auf Grund ihrer Form spöttisch The Coffe Pot genannt wurde. Die Wagen, in denen die wenigen Passagiere Platz nehmen mussten, waren alles andere als bequem; einige waren gar nicht für den Einsatz auf einer Eisenbahnlinie gedacht. So schleppte sich die Potts Line mehr schlecht als recht über die Jahre bis der Betrieb 1933 wieder einmal eingestellt wurde.

Nachdem der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, interessierte sich plötzlich das War Department in London für die vergammelte Eisenbahnlinie im fernen Shropshire und nutzte sie, um bei Kinnerley riesige getarnte Munitionslager anzulegen. Jetzt wurde Geld in die Unterhaltung der Potts Line gesteckt, auf der plötzlich richtiger Verkehr herrschte. Aber auch das Militär musste sich mit den ständigen Überschwemmungen des Severn herumschlagen, die den Betrieb der Linie immer wieder gefährdeten. 1959 brauchten die Militärs die Strecke nicht mehr, da die Munitionslager alle geschlossen worden waren. British Railways übernahm lustlos die Potts Line, die Ende Februar 1960 endgültig geschlossen wurde und der wohl kaum jemand eine Träne nachweinte.

Die Brücke über den Severn, die der Potts Line immer wieder Probleme bescherte.    © Copyright Penny Mayes and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Brücke über den Severn, die der Potts Line immer wieder Probleme bescherte.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Penny Mayes and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die ehemaligen Munitionslager bei Kinnerley.    © Copyright Richard Webb and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die ehemaligen Munitionslager bei Kinnerley.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Webb and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 11. Januar 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Ness Point in Lowestoft (Suffolk) – Der östlichste Punkt Großbritanniens

Das Euroscope am Ness Point.    © Copyright Hamish Griffin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Euroscope am Ness Point.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Hamish Griffin and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lowestoft in der Grafschaft Suffolk ist die östlichste Stadt in Großbritannien und in einem hässlichen Industriegebiet am Meer liegt der östlichste Punkt der Insel, Ness Point genannt. Wenn man sich durch das von Lagerhallen, Gasometern und mit Stacheldraht umgebene Firmengelände gekämpft hat, findet man im Schatten der größten Windkraftanlage Großbritanniens auf einem kleinen Landvorsprung Ness Point. Seit 2005 steht die 126 Meter hohe Ness Point Wind Turbine hier schon, die man auf Grund ihrer Größe kurz Gulliver nennt, und die in der Lage ist, rund 1500 Häuser mit Strom zu versorgen. Direkt daneben ist das moderne OrbisEnergy Renewable Energy Business Centre; es tut sich was in Sachen Alternative Energien in England. Investitionen in Milliardenhöhe sind für die nächsten Jahre an der englischen Ostküste geplant.

Den äußersten östlichen Punkt hat man hier mit dem Euroscope markiert, eine runde Betonplatte, in deren Mittelpunkt eine Metallscheibe eingelassen ist, auf der „Lowestoft – Britain’s Most Easterly Point“ steht. Darumherum hat man Entfernungshinweise auf andere markante Punkte im Lande bzw. auf andere Städte in Europa angebracht. Zum nördlichsten Punkt des britischen Festlandes, Dunnet Head in Schottland, sind es von hier aus z.B. 465 Meilen, zum südlichsten Punkt, Lizard Point in Cornwall, sind es 352 Meilen.

Lowestoft brüstet sich noch mehrerer anderer Punkte, die die östlichsten des Landes sind, so u.a die östlichste Brauerei, die Green Jack Brewery in der Love Road, und die östlichste Kirche, Christ Church an der Whapload Road, nur rund 200 Meter vom Ness Point entfernt.

Gulliver und das OrbisEnergy Renewable Energy Business Centre.    © Copyright Hamish Griffin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Gulliver und das OrbisEnergy Renewable Energy Business Centre.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Hamish Griffin and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Christ Church, Großbritanniens östlichste Kirche.    © Copyright Adrian S Pye and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Christ Church, Großbritanniens östlichste Kirche.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Adrian S Pye and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mein Buchtipp – Christopher Winn: I Never Knew That About Royal Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Aus Christopher Winns mittlerweile zwölfbändigen Serie „I Never Knew That…“ habe ich bisher die Bände über die Themse  und über London vorgestellt. 2012 erschien ein Band, der sicher alle anspricht, die an der englischen royalen Geschichte interessiert sind: „I Never Knew That About Royal Britain„. Auf dem Buchumschlag wird Winn als „freelance writer und trivia collector“ bezeichnet, und eben diese Zusammenstellungen von „trivias“, also wenig bekannten, kuriosen oder interessanten Details, machen den Reiz dieser Buchreihe aus. Auch dieser Band wurde wieder von Winns Ehefrau Mai Osawa illustriert.

Die Kapitelüberschriften des „Royal Britain“-Bandes lauten z.B.
– Royal Villains
– Royal Rogues
– Royal Sticky Ends
– Royal Celebrations & Pageantry

Da erfahren wir u.a.
– dass Georg IV. durch „strong liquors taken too frequently and in too large quantities“ gestorben ist
– dass es in London nur ein Standbild von Heinrich VIII. gibt
– dass Edward VIII. als erster britischer Monarch mit einem Flugzeug flog
– dass „All my possessions for a moment of time“ die letzten Worte waren, die Elizabeth I. sprach.

Wieder ein sehr empfehlenswertes Buch aus der Feder von Christopher Winn.

Christopher Winn: I Never Knew That About Royal Britain. Ebury Press 2012. 209 Seiten. ISBN 978-0-09-194515-2

Published in: on 9. Januar 2015 at 02:00  Comments (5)  

The Queen’s Champion und The Manor of Scrivelsby in Lincolnshire

Scrivelsby Gate House in Lincolnshire.    © Copyright Chris and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Scrivelsby Gate House in Lincolnshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Seit dem Jahr 1066 existiert ein Amt am königlichen Hof, das The Queen’s Champion bzw. The King’s Champion heißt und nicht mit allzuviel Arbeit verbunden ist; zum Tragen kommt dieses Amt eigentlich nur bei Krönungsfeierlichkeiten und da die letzte Krönung nun schon über 60 Jahre zurückliegt, muss sich der gegenwärtige Amtsinhaber tödlich langweilen. Es ist zurzeit Lieutenant-Colonel John Lindley Marmion Dymoke, der im gleichen Jahr wie die Queen, nämlich 1926, geboren wurde. Sollte er tatsächlich einmal gefordert werden, so hätte Mr. Dymoke auf Grund seines Alters schlechte Karten, denn die eigentliche Aufgabe des Queens/King’s Champions ist es, anstelle des Herrschers Duelle auszufechten.

Es begann alles nach der Schlacht von Hastings, als Wilhelm der Eroberer einen gewissen Robert Marmion mit dem neu geschaffenen Amt betraute und der gleichzeitig das Manor of Tamworth und das Manor of Scrivelsby erhielt. Seine Aufgabe bestand darin, bei Krönungsfeierlichkeiten in voller Rüstung von einem Pferd herab einen Handschuh zu werfen und darauf zu achten, ob jemand diesen Handschuh aufnahm und damit Einspruch gegen die Krönung einlegte. Sollte das tatsächlich einmal passieren, so müsste der Champion diese Person zum Duell fordern, denn der König selbst durfte das nicht. So weit bekannt ist, trat dieser Fall niemals ein.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts gab es keine männliche Erben bei den Marmions mehr und so wurde das vererbbare Amt durch die weibliche Linie der Marmions durch Heirat auf Sir John Dymoke übertragen. Die Dymokes sind seitdem die Kings/Queens Champions, der gegenwärtige ist die Nummer 34. Da die Aufgabe als Champion nicht allzu fordernd ist, übertrug man ihm zusätzlich noch das Amt des Standard Bearers of England und in dieser Funktion war John Lindley Marmion Dymoke bei der Krönung Elizabeths II. 1953 anwesend; auf das Handschuhwerfen hatte man damals verzichtet, das geschah zuletzt 1821 bei der Krönung von Georg IV.

Das Manor House von Scrivelsby in Lincolnshire existiert nicht mehr; nur Scrivelsby Court, das ehemalige Gatehouse, steht noch. Die Zufahrt erfolgt durch das Lions’s Gate, dahinter erstreckt sich das weitläufige Parkgelände, das noch immer der Dymoke-Familie gehört. Das Anwesen liegt vier Kilometer südlich von Horncastle an der B1183 und wird heute gern für Hochzeiten benutzt.

The Lion's Gate in Scriverlsby.    © Copyright Chris and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lion’s Gate in Scrivelsby.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Barnaby Sykes Pie Maker – Nicht verwandt und verschwägert mit Detective Chief Inspector John Barnaby und seinem Jack Russell-Terrier Sykes

Immer wenn im ZDF eine Folge der neuen Inspector Barnaby-Serie mit Neil Dudgeon als John Barnaby gesendet wird und dessen Hund Sykes einige Kurzauftritte hat, steigen die Zugriffszahlen auf meinen Blogartikel über den putzigen Jack Russel-Terrier stark an. Bei den deutschen Zuschauern scheint Sykes sehr beliebt zu sein.

Ich finde es ganz witzig, dass es in England tatsächlich eine Firma gibt, die…Barnaby Sykes heißt! Sie hat allerdings mit Detektiven und Hunden nichts zu tun, aber letztendlich doch mit Vierbeinern, denn sie stellt „pies„, also Fleischpasteten her. Barnaby Sykes ist in Minchinhampton am Rande der Cotswolds in Gloucestershire ansässig; die Spezialität der Firma ist aber das Catering bei Festivals. Dort wird eine Holzbude aufgestellt, von der aus Pasteten z.B. mit einer Füllung aus Lamm, Kartoffeln und Minze oder Steak, Meerrettich und Bier verkauft werden. Man findet Barnaby Sykes u.a. auf der Hampton Court Flower Show oder bei der Winter Wonderland Fair im Londoner Hyde Park oder beim Festival No. 6 in Portmeirion in Wales. Die Pasteten finden überall Anklang und verkaufen sich gut.

Woher kommt nun der Name Barnaby Sykes? Barnaby Rufus Sykes wurde Ende des 18. Jahrhunderts geboren und er war so etwas wie ein Robin Hood. Er wilderte auf dem Gelände wohlhabender Landbesitzer, machte aus dem Wild Pasteten und verteilte diese an bedürftige Menschen. Doch auch die Landbesitzer fanden manchmal die Sykes-Pasteten morgens vor ihrer Haustür und so ließen sie den Mann gewähren. Einmal trieb er es jedoch zu weit und erlegte zwei besonders gehegte und gepflegte Hirsche, woaraufhin der Wildhüter Jagd auf ihn machte. Der Wilderer flüchtete und verbrachte die nächsten Jahre auf der Straße, wobei er sich immer wieder seiner Neigung hingab, fremdes Wild zu schießen, es zu Pasteten zu verarbeiten und diese armen Menschen zu schenken. Irgendwann war man Sykes aber zu dicht auf den Fersen, so dass er sich nach Amerika absetzte. Dort führte er sein Leben als Trapper fort, bis sich seine Spuren in den unendlichen Weiten des Kontinents verloren.

Ich könnte mir vorstellen, dass John Barnabys Hund Sykes die Pasteten von Barnaby Sykes sehr zu schätzen wüsste!

 

Published in: on 7. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die „Drillings-Kirchen“ von Reepham in Norfolk

Das Village Sign von Reepham, das die drei Kirchen zeigt.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Sign von Reepham, das die drei Kirchen zeigt.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Evelyn Simak and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Norfolk ist ein Dorado für Kirchenliebhaber. In keiner anderen englischen Grafschaft gibt es so viele mittelalterliche Kirchen wie hier in East Anglia.
In einem Ort ballten sich einmal drei Kirchen auf engstem Raum zusammen, in Reepham in der Mitte der Grafschaft, an der B1145 gelegen. Die Gemeinden von Reepham, Whitwell und Hackford wollten sich nicht eine Kirche teilen, sondern bestanden darauf, jeweils in einer eigenen Gott zu huldigen. Das ist allerdings schon sehr lange her; heute würde bei weitem nicht mehr so viel Geld zur Verfügung stehen, um drei Kirchen nebeneinander zu bauen, die dann wohl auch alle an Sonn- und Feiertagen mehr oder weniger leer stünden. Das Village Sign von Reepham erinnert an die Zeit, als die drei noch friedlich zusammen standen.

Die Kirche All Saints, das Gotteshaus von Hackford, brannte schon sehr früh im Jahr 1543 ab; heute ist nur noch ein Mauerfragment davon zu sehen.
Da waren es nur noch zwei: St Mary’s und St Michael’s, wie siamesische Zwillinge durch die Sakristei miteinander verbunden, und die beiden Kirchen stehen heute noch und werden auch benutzt.

St Mary’s wurde im 19. Jahrhundert in weiten Teilen restauriert, wobei der mittelalterliche Charakter auf der Strecke blieb; im viktorianischen Zeitalter hatte man oft nicht den Nerv, den Originalzustand zu erhalten.

St Michael’s wird seit über 30 Jahren kaum mehr in seiner ursprünglichen Funktion genutzt; dafür dient die Kirche seit dem Umbau im Jahr 2010 als Gemeidezentrum, wo sich z.B. das örtliche Women’s Institute oder die Reepham Society regelmäßig treffen. Wenn man in Reepham die Glocken hört, sind das in der Regel die von St Michael’s, denn dort hängen acht Stück im Turm, während St Mary’s nur über zwei verfügt.

St Mary's im Vordergrund, St Michael's im Hintergrund.    © Copyright Adrian S Pye and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s im Vordergrund, St Michael’s im Hintergrund.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Adrian S Pye and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Überreste von All Saints.    © Copyright Stephen Craven and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Überreste von All Saints.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen Craven and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Innenraum von St Mary's.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Innenraum von St Mary’s.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Evelyn Simak and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Innere von St Michael's nach dem Umbau.    © Copyright Stephen Craven and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Innere von St Michael’s nach dem Umbau.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen Craven and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 6. Januar 2015 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Meine Lieblings-Pubs: The Montague Arms in Shepton Montague (Somerset)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Auf dem Weg von Devon in den Großraum London suchten wir einen Pub, um dort eine Pause einzulegen. Im „AA Pub Guide“ fanden wir einen Eintrag über „The Montague Inn„, der als „Pick of the Pubs“ besonders hervorgehoben war und der ganz in der Nähe lag; also fuhren wir nach Shepton Montague in Somerset, wo wir den Gasthof so vorfanden wie ihn der AA Guide beschrieb „hidden down country lanes…on the edge of sleepy Shepton Montague“.

Das kleine Dorf liegt an der A359, auf halbem Weg zwischen Wincanton und Castle Cary. Viel gibt es über den Ort nicht zu sagen, dessen einzige „Berühmtheit“ der Pfarrer Alfred Edward Eaton (1845-1929) war, der sich vor allem als Entomologe mit dem Spezialgebiete „Fliegen“ hervortat.

Im Montague Inn legt man sehr viel Wert darauf, lokale bzw. regionale Produkte anzubieten. Die Biere kommen z.B. von der Cottage Brewing Company aus dem benachbarten Lovington; man bekommt englische Weine u.a. von den Wraxall Vineyards, die bei Shepton Mallet in Somerset liegen und Cider von der Somerset Cider Brandy Company in Kingsbury Episcopi. Leider hatten wir nicht genügend Zeit, um die Küche von Chefkoch Mike Jones auszuprobieren.

Das Innere des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Pubs fand ich sehr ansprechend. Man ist sehr hundefreundlich im Montague Inn; sehr nett fand ich den Hinweis „dogs please note you receive a biscuit every time you drag your owner into the pub“.
Ein richtig schöner, typisch englischer Country Pub!

The Montague Inn
Shepton Montague
Wincanton
Somerset
BA9 8JW

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Published in: on 5. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Sydenham (Oxfordshire) und „Das Biest muss sterben“

The Crown in Sydenham (Oxfordshire).   © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crown bzw. The Stag Inn in Sydenham (Oxfordshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stefan Czapski and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der „alte“ Inspector Barnaby hatte in Sydenham in Oxfordshire nie gedreht, obwohl er ganz in der Nähe in Chinnor, Bledlow und Thame tätig war. Die Location Manager, die für die Episode 87 „The Night of the Stag“ unterwegs waren, die heute Abend vom ZDF erstmals unter dem Titel „Das Biest muss sterben“ ausgestrahlt wird, wurden hier in diesem Dorf fündig, das alles besitzt, was man nun einmal für eine englische Krimiserie braucht: Einen Pub, eine Dorfkirche und eine Village Hall.

Aus „The Crown“ wurde The Stag Inn, in dem der unsympathische Wirt Samuel Quested residiert. Das Gebäude ist irgendwann im 17. Jahrhundert gebaut worden. Der Gasthof fand bei dem Produktionsteam Anklang, so dass man noch einmal hierher kam, und so wurde The Crown für die Episode 102 „The Ballad of Midsomer“ (dt. „Ein mörderisch guter Song“) noch einmal umbenannt, in The Captain Farrell, wo im Pubgarten ein Volksfest stattfindet, bei dem natürlich wieder ein Mord passiert.

Gegenüber von The Crown steht die Dorfkirche von Midsomer Abbas, wie Sydenham in „The Night of the Stag“ heißt. Auch vor und in St Mary’s wurde ausgiebig gedreht. Direkt neben der Kirche liegt The Old School Room, der heute als Village Hall dient und in der TV-Episode als „Incident Room“ für Barnaby und Jones verwendet wird. In der erwähnten Folge „The Ballad of Midsomer“ wird man das kleine Gebäude ebenfalls zu Gesicht bekommen wie auch einige der hübschen reetgedeckten Cottages an der Hauptstraße.

Der zweite Pub in „The Night of the Stag“ liegt in Crowell, das nur ein paar Kilometer von Sydenham entfernt ist. Aus „The Shepherd’s Crook“ wurde The Apple Tree in Midsomer Herne, in dem Will Green zuhause ist.

In diesem Teil von Oxfordshire und Buckinghamshire wimmelt es nur so von Orten, die man aus der „Inspector Barnaby“-Serie kennt. Mein Tipp: Einfach die B4009 entlangfahren; auf dieser Straße kommt man durch viele Drehorte.

St Mary's in Sydenham.   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Sydenham.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stuart Logan and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Kirche St Mary's, wo Barnaby und Jones die Leiche von Reverend Walker finden.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Kirche St Mary’s, wo Barnaby und Jones die Leiche von Reverend Walker finden.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Basher Eyre and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Sherpherd's Crook in   © Copyright al partington and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Shepherd’s Crook alias The Apple Tree in Crowell (Oxfordshire)
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright al partington and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 4. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Watkin’s Tower in Wembley – Die geplante Konkurrenz für den Eiffelturm

So sollte der "Great Tower of London" einmal aussehen. This image is in the public domain because its copyright has expired.

So sollte der „Great Tower of London“ einmal aussehen.
This image is in the public domain because its copyright has expired.

Was die Franzosen können, das müssten wir doch eigentlich auch bewerkstelligen, dachte sich der Eisenbahnmagnat Sir Edward Watkin (1819-1901) Ende des 19. Jahrhunderts, als zur Weltausstellung in Paris 1889 der Eiffelturm errichtet worden war. Also plante er einen noch höheren Turm, der mit 358 Metern sein französisches Gegenstück deutlich übertreffen sollte.

Erst einmal kaufte Watkin ein Areal bei dem Ort Wembley, der damals vor den Toren von London in der Grafschaft Middlesex lag; dort plante er einen großen Vergnügungspark, zu dem die Besucher mit der Watkinschen Eisenbahn gebracht werden sollten. Der „Great Tower of London“ oder auch „Watkin’s Tower“ war als Hauptattraktion des Parks gedacht. Watkin wollte eigentlich Monsieur Gustave Eiffel für den Bau gewinnen, doch der winkte ab, denn der Architekt fürchtete um seinen Ruf in Frankreich, wenn er für die Engländer einen noch höheren Turm als den Tour Eiffel bauen würde. Folglich schrieb Sir Edward den Bau als Architektenwettbewerb aus. Unter den 68 Vorschlägen war dann das Modell, das das Londoner Büro Stewart, McLaren und Dunn eingereicht hatte, der Sieger. Der achtbeinige Turm sollte ein Hotel, Restaurants, Theater, Ausstellungsräume und zwei Aussichtsplattformen bieten; ganz oben wollten die Planer ein Observatorium einrichten. Mit dieser Vielfalt an Angeboten hätte der Eiffelturm nicht mithalten können.

So begann man mit den Arbeiten im Jahr 1892; allerdings reduzierte man die acht Füße des Turms auf vier, um Kosten zu sparen. Nach drei Jahren Bauzeit hatte der „Great Tower“ gerade einmal eine Höhe von 47 Metern erreicht, als sich gravierende Probleme einstellten. Zum einen traten Schwierigkeiten mit dem Untergrund des Bodens auf, zum anderen geriet die Tower Construction Company, die Watkin extra für das Projekt gegründet hatte, in finanzielle Turbulenzen. Also stellte man die Arbeiten ein, wie sich herausstellte für immer. Der Freizeitpark in Wembley, der gleichzeitig angelegt worden war, florierte dagegen sehr. 1901 starb Sir Edward Watkin; das Turmfragment, das immer wieder an seine kühnen Pläne erinnerte, störte und so entschloss man sich 1907 das unfertige Gebilde abzureissen und zu sprengen. Über dem Areal wurde Jahre später das legendäre Wembley-Stadion erbaut, das man 1923 eröffnete.

Hätte man den Turm, den man auch als „Watkin’s Folly“ und als „London Stump“ bezeichnete, fertiggestellt, so wäre er höher als The Shard geworden, der heute mit 310 Metern das höchste Gebäude in Großbritannien ist.

Die Sharp’s Brewery in Rock (Cornwall) und ihr „Doom Bar“-Ale

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Doom Bar ist der Name einer Sandbank in der Mündung des Camel Rivers an der Nordküste Cornwalls, die schon vielen Schiffen zum Verhängnis geworden ist; daher wohl auch der düstere, unheilschwangere Name.
Trotzdem ist ein außerordentlich beliebtes Bier nach dieser Sandbank benannt worden, das „Doom Bar“-Ale, gebraut von der Sharp’s Brewery in Rock (Cornwall). Der kleine Ort liegt auf der nordöstlichen Seite der Camel-Mündung, gegenüber von Padstow, wo der Koch Rick Stein sein Imperium hat. „Großbritanniens St Tropez“ und das „Kensington von Cornwall“ wird Rock auch genannt, weil hier viel Prominenz Urlaub macht.

Die Sharp’s Brewery hat sich 1994 hier niedergelassen, gegründet von einem gewissen Bill Sharp. Aus der kleinen Privatbrauerei hat sich eine große Firma entwickelt, die 2011 von dem US-amerikanischen und kanadischen Riesenkonzern Molson Coors Brewing Company aufgekauft wurde. Den Amerikanern stach offensichtlich der Erfolg des „Doom Bar“-Bitters ins Auge, von dem sie profitieren wollten.Es ist die Nummer 1 unter den Fassbieren in Großbritannien geworden, mit ständig steigenden Umsatzzahlen. Die Biersorte sorgt denn auch für 90% des Gesamtumsatzes der Brauerei. Das „Doom Bar“-Ale ist mit Auszeichnungen geradezu überschüttet worden; zuletzt bei der Vergabe der diesjährigen Taste of the West-Awards.

Aber hier in Rock werden natürlich noch andere Biersorten gebraut, auch wenn sie alle im Schatten des großen „Doom Bar“ stehen. Da gibt es z.B. noch das Cornish Pilsener, das Cornish Coaster, das Orchard und Sharp’s Own.

Eine Kuriosität am Rande: Chalky’s Bark und Chalky’s Bite gehören seit einiger Zeit in das Programm der Brauerei. Diese beiden Biere entstanden in Zusammenarbeit mit dem Meisterkoch der Meeresfrüchte Rick Stein aus Padstow. Beide sollen mit Meeresgetier besonders gut harmonieren. Benannt hat man die Biere nach Rick Steins Jack Russell Terrier Chalky, der meist bei den TV-Shows seines Herrchens anwesend war und eine eigene Fangemeinde hatte (er starb 2007).

Hier ist ein Doom Bar Beertasting zu sehen und hier eine Tour durch die Brauerei.

Sharp's Brewery in Rock (Cornwall).    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sharp’s Brewery in Rock (Cornwall).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Tony Atkin and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die gefährliche Sandbank Doom Bar in der Mündung des Cames Rivers.    © Copyright Ian Knight and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die gefährliche Sandbank Doom Bar in der Mündung des Camel Rivers.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Ian Knight and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 2. Januar 2015 at 02:00  Comments (2)  
Tags: