Der Watkin’s Tower in Wembley – Die geplante Konkurrenz für den Eiffelturm

So sollte der "Great Tower of London" einmal aussehen. This image is in the public domain because its copyright has expired.

So sollte der „Great Tower of London“ einmal aussehen.
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Was die Franzosen können, das müssten wir doch eigentlich auch bewerkstelligen, dachte sich der Eisenbahnmagnat Sir Edward Watkin (1819-1901) Ende des 19. Jahrhunderts, als zur Weltausstellung in Paris 1889 der Eiffelturm errichtet worden war. Also plante er einen noch höheren Turm, der mit 358 Metern sein französisches Gegenstück deutlich übertreffen sollte.

Erst einmal kaufte Watkin ein Areal bei dem Ort Wembley, der damals vor den Toren von London in der Grafschaft Middlesex lag; dort plante er einen großen Vergnügungspark, zu dem die Besucher mit der Watkinschen Eisenbahn gebracht werden sollten. Der „Great Tower of London“ oder auch „Watkin’s Tower“ war als Hauptattraktion des Parks gedacht. Watkin wollte eigentlich Monsieur Gustave Eiffel für den Bau gewinnen, doch der winkte ab, denn der Architekt fürchtete um seinen Ruf in Frankreich, wenn er für die Engländer einen noch höheren Turm als den Tour Eiffel bauen würde. Folglich schrieb Sir Edward den Bau als Architektenwettbewerb aus. Unter den 68 Vorschlägen war dann das Modell, das das Londoner Büro Stewart, McLaren und Dunn eingereicht hatte, der Sieger. Der achtbeinige Turm sollte ein Hotel, Restaurants, Theater, Ausstellungsräume und zwei Aussichtsplattformen bieten; ganz oben wollten die Planer ein Observatorium einrichten. Mit dieser Vielfalt an Angeboten hätte der Eiffelturm nicht mithalten können.

So begann man mit den Arbeiten im Jahr 1892; allerdings reduzierte man die acht Füße des Turms auf vier, um Kosten zu sparen. Nach drei Jahren Bauzeit hatte der „Great Tower“ gerade einmal eine Höhe von 47 Metern erreicht, als sich gravierende Probleme einstellten. Zum einen traten Schwierigkeiten mit dem Untergrund des Bodens auf, zum anderen geriet die Tower Construction Company, die Watkin extra für das Projekt gegründet hatte, in finanzielle Turbulenzen. Also stellte man die Arbeiten ein, wie sich herausstellte für immer. Der Freizeitpark in Wembley, der gleichzeitig angelegt worden war, florierte dagegen sehr. 1901 starb Sir Edward Watkin; das Turmfragment, das immer wieder an seine kühnen Pläne erinnerte, störte und so entschloss man sich 1907 das unfertige Gebilde abzureissen und zu sprengen. Über dem Areal wurde Jahre später das legendäre Wembley-Stadion erbaut, das man 1923 eröffnete.

Hätte man den Turm, den man auch als „Watkin’s Folly“ und als „London Stump“ bezeichnete, fertiggestellt, so wäre er höher als The Shard geworden, der heute mit 310 Metern das höchste Gebäude in Großbritannien ist.

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