Das Eton Wall Game – „Bone-cracking“ aber nicht „Nerve-wrecking“

Der Kampf an der Mauer. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

Der Kampf an der Mauer.
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Das Eton Wall Game, das im elitären Eton College gespielt wird, dürfte einerseits zu den härtesten, aber auch zu den langweiligsten Spielen gehören, die man sich vorstellen kann. Das eigentliche Ziel des Wall Games ist es, Tore zu erzielen, aber seit dem 30. November 1909 (!) hat das niemand mehr geschafft. Da hilft nur eins: Geduld, Geduld, Geduld.

Am St Andrew’s Day, eben dem 30. November, treffen die Collegers (die Stipendiaten) auf die Oppidans (das sind die anderen Schüler, die die vollen Studiengebühren zahlen müssen). Schauplatz des Eton Wall Games ist eine etwa 110 Meter lange Ziegelmauer auf dem Gelände des Colleges, auf dem die mehr oder weniger begeisterten Zuschauer sitzen und ihr jeweiliges Team anfeuern (oder auch vor lauter Langeweile gähnen). Das Spielfeld ist gerade einmal fünf Meter breit, auf dem sich die gegnerischen Mannschaften einen manchmal ziemlich brutalen Kampf um einen Ball liefern, der ans gegnerische Ende, das sogenannte „calx„, getrieben werden muss. Es gibt zwar bestimmte Regeln, was man bei dem Wall Game alles darf und was nicht, aber man gewinnt den Eindruck, dass diese Regeln entweder nicht beachtet oder auch gar nicht verstanden werden. Der Ball ist kaum einmal zu sehen, weil er in einem unentwirrbaren Spielerknäuel steckt.

2-mal dreißig Minuten dauert das Spiel, das häufig 0:0 ausgeht und wobei der Ball oft nicht nennenswert weit vom Startpunkt weg kommt. Das rugbyartige Wall Game wurde erstmals im frühen 18. Jahrhundert gespielt, nachdem die Backsteinmauer errichtet worden war. Einige prominente Etonians haben in der Vergangenheit an dem Spiel teilgenommen wie z.B. die beiden Prinzen William und Harry. Vor allem Harry, der ein Faible für harte Männersportarten hat, kann man sich gut bei dem Wall Game vorstellen. Der ehemalige Premierminister Harold McMillan, der Schriftsteller George Orwell und Londons Bürgermeister Boris Johnson waren ebenfalls Teammitglieder, die sich an der Mauer eine blutige Nase holten. Der bullige Johnson war sogar Mannschaftsführer während seiner Studienzeit in Eton.

Hier ist ein Film der British Paté aus dem Jahre 1956, der ein Eton Wall Game zeigt.

Der Eingang zum Eton College.    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Eingang zum Eton College.
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Published in: on 2. Februar 2015 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Davon hatte ich noch nie was gehört. Der Artikel ist jedenfalls sehr amüsant – und offensichtlich spannender als das Spiel selbst.😉

  2. Davon hab ich auch noch nie gehört, ist ja witzig🙂


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