George Orwell und Wallington in Hertfordshire

 

2, Kits Lane in Wallington (Hertfordshire), in dem George Orwell einige Jahre seines Lebens verbrachte.    © Copyright Julian Osley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

2, Kit’s Lane in Wallington (Hertfordshire), in dem George Orwell einige Jahre seines Lebens verbrachte.
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Von 1936 bis 1940 wohnte der Schriftsteller George Orwell in einem winzigen Dorf in Hertfordshire namens Wallington (nicht zu verwechseln mit Watlington in Oxfordshire, über das ich einmal in meinem Blog berichtete). Der Ort liegt einige wenige Kilometer östlich von Letchworth Garden City und besteht eigentlich nur aus zwei Straßen: The Street und Kit’s Lane. In letzterer, in der Nummer 2,  steht noch immer das kleine Cottage, in dem Eric Blair alias George Orwell zusammen mit seiner Frau Eileen mehr schlecht als recht lebte. Hier gab es damals keinen Strom, kein heißes Wasser und die Toilette befand sich außerhalb des Hauses, das sich The Stores nannte. Orwell hatte im Erdgeschoss einen kleinen Laden eingerichtet, in dem die Bewohner von Wallington sich mit dem Nötigsten versorgen konnten. In der Ruhe und Abgeschiedenheit des Dorfes schrieb Orwell sein berühmtes Buch „Animal Farm“ (dt. „Farm der Tiere“) und holte sich dafür die eine oder andere Anregung von den umliegenden Bauernhöfen. Weitere Bücher, die hier in Wallington entstanden, sind „Homage to Catalonia“ (dt. „Mein Katalonien“), in dem er über seine Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg schrieb und „The Road to Wigan Pier“ (dt. „Der Weg nach Wigan Pier“), eine Reportage aus der nordenglischen Bergarbeiterstadt Wigan.

Obwohl Orwell und seine Frau nur über ein geringes Einkommen verfügten, genossen die beiden das Landleben, hielten sich ein paar Hühner und Ziegen und besuchten hin und wieder den Dorfpub „The Plough“, der heute nicht mehr existiert; es gibt überhaupt keinen Gasthof mehr in Wallington. Dafür gab/gibt es eine hübsche Kirche, St Mary’s, in der George Orwell und Eileen O’Shaughnessy am 9. Juni 1936 geheiratet haben.

Orwells Mietvertrag mit The Stores lief bis 1947, aber er suchte das Haus nach 1940 nur noch gelegentlich auf. 1989 wurde an der rechten Seite der Hauswand eine Plakette angebracht, die auf den berühmten früheren Bewohner aufmerksam macht.

Zweimal fanden im benachbarten Letchworth Garden City George Orwell Festivals statt, 2011 und 2012, mit einer Reihe von Vorträgen über den Schriftsteller, der schon sehr früh im Alter von 46 Jahren starb.

St Mary's in Wallington. Hier heiratete der Schriftsteller Eileen O'Shaughnessy.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Wallington. Hier heiratete der Schriftsteller Eileen O’Shaughnessy.
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Agatha Christie und das Kirchenfenster von St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon)

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).    © Copyright Dave Kelly and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).
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Am 15. September diesen Jahres feiern wir den 125. Geburstag von Agatha Christie, einer der außergewöhnlichsten Kriminalromanautorinnen der 20. Jahrhunderts. In ihrer Geburtsstadt Torquay in Devon wird vom 11. bis zum 19. September  das International Agatha Christie Festival veranstaltet, zu dem wieder Besucher aus nah und fern erwartet werden, die der Autorin ihre Ehre erweisen wollen.

Ganz in der Nähe von Torquay liegt Agatha Christies Landsitz Greenway, den ich im letzten Herbst besuchte und über den ich in meinem Blog berichtete. Immer wenn sie hier zu Besuch war, suchte sie sonntags die Kirche St Mary the Virgin in Churston Ferrers auf, die sie mit dem Auto in wenigen Minuten erreichen konnte. Mrs. Christie war eine gläubige Frau und nahm Anteil am Gemeindeleben. Sie mochte die Kirche, doch missfiel ihr das Fenster an der Ostseite, das war ihr zu einfach und zu langweilig. So sollte ein neues her, das sie aus eigener Tasche finanzieren wollte. Zu diesem Zweck schrieb sie die Geschichte „The Greenshore Folly“ (mit Hercule Poirot), deren Erlös durch die Abdrucksrechte in Zeitungen der Kirche zur Verfügung gestellt werden sollte (viele ihrer Werke erschienen zuerst als Serie in Zeitungen oder Zeitschriften und erst dann in Buchform). Doch leider klappte das nicht, denn „The Greenshore Folly“ war weder ein richtiger Roman noch eine Kurzgeschichte, und der Umfang der „novella“ eignete sich nicht für eine Veröffentlichung in einer Zeitschrift. Jetzt musste Agatha Christie sich etwas Neues einfallen lassen, was sie auch sofort tat: Eigentlich mochte sie ja „The Greenshore Folly“, und so entschied sie sich, daraus einen richtigen Roman zu gestalten, der dann unter dem Titel „Dead Man’s Folly“ (dt. „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“) erschien. Für ihre Kirchenfensteraktion schrieb sie eine neue Kurzgeschichte, die den sehr ähnlichen Titel „Greenshaw’s Folly“ (dt. „Greenshaws Monstrum“) erhielt, in der statt Hercule Poirot Miss Marple agierte. Die Daily Mail druckte diese Geschichte im Dezember 1956 ab. In Buchform erschien sie 1960 in dem Sammelband „The Adventure of the Christmas Pudding„. Die deutsche Übersetzung findet sich in dem Sammelband „Der Unfall und andere Fälle„, der 1964 im Scherz-Verlag erschien.

St Mary the Virgin erhielt also doch das versprochene Geld für das neue Buntglasfenster, das Agatha Christie mithalf zu gestalten. Als Künstler wurde James Patterson (1916-1986) aus Bideford in Devon engagiert, der Jesus als guten Hirten in den Mittelpunkt des Fensters stellte. Patterson verwendete auf Wunsch von Agatha Christie auch grüne und malvenfarbige Elemente, Farben, die sie besonders mochte.

Die Krimiautorin wollte nicht, dass ihr Name als Spenderin des Fensters in der Kirche auftauchte, doch nach ihrem Tod ließ ihre Tochter Rosalind doch eine Plakette anbringen, auf der steht, dass A.C. Mallowan das Fenster „to the glory of God“ spendete.

Die Novelle „The Greenshore Folly“ erschien übrigens vor kurzem erstmals in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Das Geheimnis von Greenshore Garden: Ein Fall für Hercule Poirot“ in einer liebevoll gestalteten Ausgabe im Atlantik-Verlag.

Church of St Mary the Virgin
Green Lane
Churston Ferrers
Brixham
Devon TQ5 OJG

Greenways in Devon, Agatha Christie Landsitz. Eigenes Foto.

Greenway in Devon, Agatha Christie Landsitz.
Eigenes Foto.

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 30. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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UK Pun Championships 2015

Die Stadt Leicester stand in der letzten Zeit häufig im Mittelpunkt des Interesses in England, weil dort die Überreste König Richards III. gefunden worden sind, die am 26. März mit einer großen Feier in der Kathedrale der Stadt beigesetzt wurden.

Vielleicht nicht ganz soviel Aufmerksamkeit wie Richard III. erhielten die 2. UK Pun Championships, die während des Leicester Comedy Festivals im Februar in der Hansom Hall ausgetragen wurden, das der TV-Sender Dave jährlich veranstaltet. Bei diesem Wettbewerb wird der Meister des Wortspiels (pun) ermittelt, und da muss muss man ganz schön konzentriert sein und einen ausgeprägten Sinn für Humor haben.
Die acht Finalisten treten jeweils zu zweit auf, wobei sie sich schnell fünf „puns“ zu Themen ausdenken müssen, die ihnen erst auf der Bühne gesagt werden. Wer am meisten Beifall vom Publikum erhält, kommt eine Runde weiter. Der Champion des Jahres 2015 wurde der in London lebende Schotte Leo Kearse, der schon in der ersten Runde den Vorjahressieger Darren Walsh aus dem Rennen warf und im Finale gegen Rob Thomas gewann. Die Spielregeln mit den fünf Themen gerieten in diesem Jahr etwas aus den Fugen, da sowohl Kearse als auch Thomas in Hochform gerieten und sich einen „pun“ nach dem anderen um die Ohren schlugen, zur Begeisterung der Zuschauer.

Einige Beispiele für die „puns“ von Leo Kearse, die in diesem Jahr Lachsalven des Publikums hervorriefen:
– „I was at hospital last week. I asked the nurse if I could do my own stitches, she said ’suture self‘.“
– „Growing up on a farm, my dad was always telling me to use the indoor toilet. But I preferred to go against the grain.“
– „Marvin Gaye kept a sheep in my vineyard. He’d herd it through the grapevine.“

Typisch englischer/schottischer Humor, der für deutsche Ohren vielleicht nicht gleich auf Anhieb verständlich ist.

Hier ist ein Mitschnitt von den diesjährigen UK Pun Championships…und wer nicht genug von den Wortspielen haben kann, hier sind noch mehr vom Champion Leo Kearse.

Published in: on 29. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Jackie Trent (1940 – 2015) – Sängerin und Songschreiberin mit einem einzigen Nummer-Eins-Hit

Das Britannia Stadium in Stoke-on-Trent; hier erschallen noch immer die Fangesänge nach Jackie Trents Song "I'll Be With You".    © Copyright Anthony Parkes and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Britannia Stadium in Stoke-on-Trent; hier erschallen noch immer die Fangesänge nach Jackie Trents Song „We’ll Be With You“.
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Am 21. März diesen Jahres starb auf der Baleareninsel Menorca die englische Sängerin Jackie Trent im Alter von 74 Jahren. Bekannt war sie allerdings nicht so sehr für die Songs, die sie selbst aufnahm, sondern für die Hunderte von Liedern, die sie für andere schrieb, z.B. für Frank Sinatra, Dean Martin, Shirley Bassey und Petula Clark. Dies tat sie in den meisten Fällen in Kooperation mit ihrem Ehemann Tony Hatch, von dem sie sich 1995 trennte.

Ihre erste Single veröffentlichte Jackie Trent 1962 mit dem Titel „Pick Up the Pieces„. Drei Jahre später gelang ihr mit „Where Are You Now (My Love)„, gemeinsam mit Tony Hatch komponiert, ihr erster und einziger Nummer-Eins-Hit in Großbritannien. In der Woche vom 28.04.1965 konnte sie damit die Beatles und deren „Ticket to Ride“ von der Spitzenposition verdrängen. Geschrieben wurde der Song für die heute vergessene Krimiserie „It’s Dark Outside“, in der Mitte der 1960er Jahre William Mervyn in 15 Episoden den Chief Inspector Rose spielte.

Das Team Trent/Hatch („Mr. und Mrs. Music“) hatte wohl seinen größten und langlebigsten Erfolg mit der von Barry Crocker gesungenen Titelmelodie für die australische Soap „Neighbours„, eine Fernsehserie, durch die einige der Darsteller wie Kylie Minogue, Russell Crowe, Delta Goodrem und Peter André später berühmt wurden.

1972 komponierten Jackie Trent und Tony Hatch den Song „We’ll Be With You„, der für den Fußballverein für Stoke City zur Stadionhymne wurde, die noch heute bei Heimspielen im Britannia Stadium von den Fans gesungen wird. Jackie Trent wurde in Stokes Nachbarstadt Newcastle-under-Lyme geboren.

Im Jahr 2005 hatte sie nach der Trennung von Tony Hatch noch einmal geheiratet und lebte auf Menorca, wo sie nach längerer Krankheit im Krankenhaus von Ciutadella starb.

Im kommenden Mai plant das Stoke-on-Trent Repertory Theatre die Uraufführung des Musicals „Jackie – The Jackie Trent Story„, das auf der Autobiografie der Sängerin basiert, die zeitgleich veröffentlicht werden soll.

Hier in Ciutadella auf Menorca verbrachte Jackie Trent die letzten Jahre ihres Lebens. This work is released   into the public domain.

Hier in Ciutadella auf Menorca verbrachte Jackie Trent die letzten Jahre ihres Lebens.
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Published in: on 28. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Tim Jepson & Larry Porges: London Book of Lists

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Tim Jepson ist ein Londoner Reisejournalist, dessen Artikel sowohl in Tageszeitungen als auch in Reisezeitschriften erschienen sind, Larry Porges ist US-Amerikaner, der einige Jahre in London verbrachte und u.a. einen Reiseführer für die Stadt verfasst hat. Die beiden London-Kenner haben sich für das Buch „London Book of Lists“ zusammengetan und 139 Listen erstellt über „The city’s best, worst, oldest, greatest & quirkiest„. Auf dem Buchumschlag findet sich dann noch die Ergänzung „Fascinating facts, little-known oddities & unique places to visit„.

Das Buch ist vielleicht nicht unbedingt für den erstmaligen Besucher der Stadt an der Themse zu empfehlen, wer sich aber in London schon etwas besser auskennt, der erhält hier eine Fülle von Anregungen und Informationen, die ihn auch in Regionen der Stadt führen, die nicht so überlaufen und weniger bekannt sind.

Ich habe einmal einige Beispiele herausgegriffen, die zeigen, was man in dem Buch der Listen so alles findet:

Ghost Tube Stations: U-Bahnstationen, die geschlossen sind und an denen die Züge nicht mehr halten wie Aldwych, Down Street Station und North End.

Unusual Small Museums: The London Fire Brigade Museum, The Fan Museum in Greenwich (darüber habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet) und The Clockmakers‘ Museum.

Statues of Americans in London: In London findet man Statuen u.a. von Abraham Lincoln (Parliament Square), Dwight D. Eisenhower (Grosvenor Square) und Ronald Reagan (ebenfalls im Grosvenor Square).

The Lost Rivers of London: Flüsse, die nur noch unterirdisch durch die Stadt fließen und kaum mehr zu sehen sind wie The Fleet, The Walbrook und The Tyburn.

London’s Oldest Clubs: Die traditionellen, meist Herren vorbehaltenen Clubs in der Region Pall Mall und St James’s Street wie White’s, Boodle’s und The Travellers Club.

Das Buch ist eine wahre Fundgrube für jeden London-Fan und sehr zu empfehlen.

Tim Jepson & Larry Porges: London Book of Lists – The city’s best, worst, oldest, greatest & quirkiest. Natioal Geographic Society 2014. 255 Seiten. ISBN 978-1-4262-1382-3

 

Published in: on 27. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Fish & Chips-Läden und ihre fantasievollen Namen

The Fish Plaice in Swanage.    © Copyright Scriniary and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Fish Plaice in Swanage.
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Mir fällt immer wieder auf, dass das Friseurgewerbe, egal in welchem Land, außerordentlich fantasievoll in der Benennung seiner  Geschäfte ist. Auch die englischen Friseure machen da keine Ausnahme. Meine Lieblingsnamen sind zwei Londoner Haarschneider; der eine heißt „Curl-Up & Dye“ in den Cadogan Gardens, der andere „Ryan Hair“ in der Buckingham Palace Road.

Aber auch die Zunft der Fish & Chips-Brater entwickelt Fantasie, wenn es darum geht, ihren Läden einen einprägsamen Namen zu geben. Ich habe hier einmal einige zusammengestellt, die mir besonders aufgefallen sind.

– Ein Wortspiel mit „plaice“, der Scholle, und „place“ bietet sich eigentlich an und so gibt es im ganzen Land viele Fish & Chips-Shops, die sich das zu eigen gemacht haben wie u.a. The Fish Plaice in Swanage (Dorset), der gleich noch einen drauf gesetzt hat mit dem Zusatz „Making Fish and Chips Batter“ (!). Der Laden liegt nur ein paar Schritte vom Meer und der High Street entfernt.

– Sehr schön finde ich, was sich der Besitzer eines F&C-Shops in Market Bosworth in Leicestershire ausgedacht hat. Da sich die berühmte Schlacht von Bosworth, The Battle of Bosworth, ganz in der Nähe abgespielt hat, nennt er seinen Laden „The Batter of Bosworth“ (zur Erinnerung: „Batter“ ist der Teig, in dem die Fische gewälzt werden, bevor sie in die Friteuse kommen). Hier ist ein kleiner Film über den preisgekrönten Laden in der Station Road.

– Auch nicht schlecht ist „The Village Friar“ in Tetney (Lincolnshire); der Chip Shop liegt passenderweise an der Chapel Road; ob wohl der örtliche Kirchenvertreter da Einwände gehabt hat?

Fryday’s Traditional Fish and Chips heißt ein Laden in Bream in Gloucestershire, zu finden in der Highbeech Road. Hier bekommt man seine Lieblingsspeise natürlich nicht nur am Freitag serviert.

– Astrologiegläubige in Yate (South Gloucestershire) holen sich ihre Portion Fish and Chips sicher gern in dem Pisces genannten Laden in der Station Road (Pisces ist das Sternzeichen „Fische“). Ich bin x-fach an Yate entlanggefahren und fand den Ort immer ziemlich steril und langweilig; vielleicht hat er ja auch seine schönen Seiten.

– In der High Street in Thornbury (South Gloucestershire) fand ich einen Chippy namens The Frying Machine und in Edenfield in der Grafschaft Lancashire deutet der Name des dortigen F&C-Ladens auf starken Andrang hin: The Bizzy Plaice Fish & Chips in der Market Street.

– Zum Abschluss noch mein Lieblingsname, der zu einem Lokal gehört, das zwar nicht in meinem Berichtsbereich liegt, nämlich Wales, den ich aber hier nicht unerwähnt lassen möchte: O‘ My Cod in Pencoed bei Bridgend in der Coychurch Road („Cod“ ist der Dorsch, der gern für Fish and Chips verwendet wird).

The Batter of Bosworth in Market Bosworth.    © Copyright Betty Longbottom and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Batter of Bosworth in Market Bosworth.
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The Village Friar in Tetney.    © Copyright David Wright and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Village Friar in Tetney.
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Frydays's Traditional Fish and Chips in Bream.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Pisces in Yate.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pisces in Yate.
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The Frying Machine in Thornbury.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Frying Machine in Thornbury.
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The Bizzy Plaice in Edenfield.    © Copyright robert wade and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Bizzy Plaice Fish and Chips in Edenfield.
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O' My Cod in Pencoed.    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

O‘ My Cod in Pencoed.
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The White Cubicle Toilet Gallery in London – Die kleinste Kunstgalerie der Welt?

Der George & Dragon in der Street.    © Copyright Dr Neil Clifton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der George & Dragon in der Hackney Road.
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Sie ist gerade einmal 1,40 Meter x 1,40 Meter groß, die wahrscheinlich kleinste Kunstgalerie der Welt, die White Cubicle Toilet Gallery, und man findet sie in der Damentoilette des George & Dragon Pubs in der Hackney Road im Londoner Shoreditch-Bezirk. Seit dem Jahr 2005 können Künstler hier ihre Werke ausstellen; die Idee dazu stammte von Pablo Leon de la Barra, einem in Mexiko geborenen und in London ansässigen Kurator, der zurzeit im New Yorker Solomon R. Guggenheim Museum arbeitet. In dem kleinen Toilettenverschlag können junge Talente, aber auch renommierte Künstler wie z.B. die Designerin Julie Verhoeven ihre Installationen ausstellen. Sie verwendete dabei, passender geht es nicht, auch Rollen von Toilettenpapier. Was in der Pubtoilette da alles herumhängt und an die Wände geklebt ist, bleibt so lange dort, bis es entweder herunterfällt oder gestohlen wird…eben Kunst zum Anfassen. Die jeweilige Ausstellung ist immer geöffnet, es sei denn, jemand benutzt die Galerie gerade für andere Zwecke.

Zum zehnjährigen Bestehen sind in diesem Jahr zehn Ausstellungen geplant, aktuell ist der brasilianische Künstler Luiz Roque aus Sao Paulo an der Reihe. Man betrachtet die  White Cubicle Toilet Gallery als Gegenstück zu der stark kommerzialisierten Kunstszene der Hauptstadt und sie hat sich in den zehn Jahren ihres Bestehens schon einen gewissen Ruf erarbeitet.

Published in: on 25. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Linienbusse von Brighton and Hove, die an namhafte Persönlichkeiten der Region erinnern

Dieser Bus erinnert an einen früheren Bürgermeister von Brighton. Author: Les Chatfield. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Dieser Bus erinnert an einen früheren Bürgermeister von Brighton.
Author: Les Chatfield.
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Bis zum Jahr 1999 fuhren die Brighton & Hove-Linienbusse namenlos durch die beiden Städte an der englischen Südküste, bis sich die Betreiberfirma fragte, ob man den Fahrzeugen nicht Namen geben sollte und zwar Namen von Menschen, die in irgendeiner Form mit Brighton und Hove verbunden waren oder noch sind und sich um die Städte verdient gemacht haben. Man begann allerdings erst mit nicht-menschlichen Namen wie Brighton Rock oder Brighton Pier, bis dann aus der Bevölkerung Vorschläge kamen, die man umsetzte und heute tragen Dutzende der Busse Namen von bekannten lokalen Persönlichkeiten. Hier haben ich einmal einige Beispiele zusammengestellt:

– Der Bus mit der Nummer 618 heißt Danny Sheldon, in Erinnerung an einen Mann, der 1974 zum Bürgermeister von Brighton gewählt wurde und der sich immer mit Herz und Seele für seine Stadt eingesetzt hatte (er starb 1982).

Pete McCarthy ist der Name von Bus Nummer 913. Das ist ein Schriftsteller, der mit seine Büchern „McCarthy’s Bar“ (dt. „McCarthys Bar“) im Jahr 1998 und „The Road to McCarthy“ (wurde nicht ins Deutsche übersetzt) im Jahr 2002 Bestseller schrieb. McCarthy lebte in Brighton und starb auch dort 2004 im Alter von nur 51 Jahren.

– Auch der Name der Drag Queen Phil Starr fand sich einige Jahre lang an einem Bus mit der Nummer 401, dann wurde er in Nummer 919 umgetauft und trägt jetzt als Open Top-Bus den Namen nicht mehr. Phil Starr trat im ganzen Land als Sänger und Comedian auf, verbrachte aber viele Jahre in Brightons Bars und Hotels. Er starb 2005 im Alter von 72 Jahren.

– Bus 655 erinnert an die Schauspielerin Elizabeth Allan ( „A Tale of Two Cities“), die über 30 Jahre lang im Filmgeschäft tätig war und die letzten Jahre ihres Lebens (sie starb 1990) in Hove verbrachte.

Weitere Busnamen, die an verstorbene Persönlichkeiten der Region erinnern: Sir Charles Barry, der Architekt, der  einige Gebäude in Brighton entwarf; Aubrey Beardsley, der Illustrator und Graphiker, der in Brighton geboren wurde, und Dame Clara Butt, die berühmte Sängerin, die in Southwick, einem Vorort von Brighton and Hove, das Licht der Welt erblickte.

Ich finde diese Idee, Fahrzeugen einen Namen zu geben (wie es das Transportunternehmen Eddie Stobart mit seinen Trucks macht) gut. Es klingt doch irgendwie persönlicher, wenn man sagt, „Ich fahre mit Clara Butt zum Churchill Square“ als „Ich fahre mit der Linie 12 zum Churchill Square“.

Das Buch zum Artikel:
Mike Cheesman & Adam Trimingham: Brighton & Hove Bus Names. Pomegranate Press 2004. 144 Seiten. ISBN 978-0954258788. Vergriffen, aber über Online-Antiquariate zu bekommen.

 

Dieser Bus ist nache dem Schriftsteller Pete McCarthy benannt. This work is released into the public domain.

Dieser Bus ist nach dem Schriftsteller Pete McCarthy benannt.
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Hier stehen Phil Starr und Elizabeth Allan friedlich nebeneinander. Author: Les Chatfield. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Hier stehen Phil Starr und Elizabeth Allan friedlich nebeneinander.
Author: Les Chatfield.
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Published in: on 24. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Verhexte Fußballstadien – Auch das gibt es in England

Das Kassam Stadium in Oxford.    © Copyright Dave Price and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kassam Stadium in Oxford.
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Dass es in England Schlösser, Kirchen und Pubs gibt, die verhext oder „haunted“ sind, habe ich in meinem Blog schon vielfach erwähnt, aber Fußballstadien, auf denen ein Fluch liegt? Ja, die gibt es tatsächlich, das meinen jedenfalls Fans und Vereinsangehörige. Beispiel: Das Kassam Stadium an der Grenoble Road in Oxford, Heimat des örtlichen Fußballvereins Oxford United, der zurzeit in der vierthöchsten Spielklasse Englands zu finden ist.

Das nach dem früheren Vereinsboss Firoz Kassam benannte Stadion wurde im Jahr 2001 eröffnet. So ein tolles neues Stadion müsste die Mannschaft von Oxford United doch eigentlich anspornen, hervorragende Leistungen zu erbringen, meinte man, aber das Gegenteil war der Fall, von 17 Heimspielen verloren die Gelb-Blauen 13mal. Was war da los? Ein Fluch soll auf dem Kassam Stadion liegen, behaupteten viel Fans, denn auf dem Grund und Boden auf dem der Platz erbaut worden war, lebten Zigeuner, die für das Bauvorhaben vertrieben werden mussten. Die Vertriebenen sollen einen Fluch ausgesprochen haben…mit verheererenden Folgen für den Tabellenstand des Clubs. Also musste jemand her, der diesen Fluch aufheben konnte und dafür bot sich der Bischof von Oxford, Richard Harries, an. Der Kirchenmann kam also ins Kassam Stadion und segnete den Platz (er vermied ausdrücklich das Wort „exorzieren“) und gleich das nächste Spiel, gegen York City, ging nicht verloren, sondern endete unentschieden. Oxford United fing sich wieder und konnte die letzten Tabellenplätze verlassen. Es gab auch kritische Stimmen in Fankreisen, die der Meinung waren, dass nicht der Fluch die Ursache für das schlechte Abschneiden des Vereins war, sondern die mangelhafte Leistung der Mannschaft.

Etwas Ähnliches hat sich auch in Southamptons St Mary’s Stadium abgespielt, das auf einem ehemaligen Friedhof aus dem 4. bis 6. Jahrhundert erbaut wurde. Die Saints genannten Spieler des FC Southampton hatten ebenfalls Probleme, in ihrem schönen neuen Stadion zu gewinnen. So holte man Cerridwen Dragonoak Connelly nach Southampton, eine Druidin, die auf dem Platz ein Ritual zelebrierte, um die aufgeschreckten Seelen, die hier einmal begraben worden waren, wieder zu besänftigen. Der Zauber wirkte und die Saints gewannen ihr nächstes Spiel.

Nicht nur in Oxford und Southampton hatte man mit dieser Art von Problemem zu tun, auch in Middlesborough soll einst ein Zigeunerfluch auf deren Ayresome Park Stadion gelegen haben. Die bösen Zigeuner hatten in Derby ebenfalls ihre Hände im Spiel, als sie wie in Oxford ihren Lagerplatz verlassen mussten und verfluchten den örtlichen Verein Derby County und ihr damaliges Stadion The Baseball Ground.

Da können sich doch die deutschen Bundesligavereine freuen, dass sie sich mit diesen, wohl mehr englandspezifischen Problemen nicht herumärgern müssen.

St Mary's Stadium in Southampton.    © Copyright Peter Facey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s Stadium in Southampton.
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Ayresome Park, das ehemalige Stadion des Middlesborough Football Clubs.    © Copyright Stephen McCulloch and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ayresome Park, das ehemalige Stadion des Middlesborough Football Clubs.
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An dieser Stelle stand früher das verfluchte Baseball Stadium vom Derby County Football Club.    © Copyright Graham Hogg and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

An dieser Stelle stand früher das verfluchte The Baseball Ground Stadium vom Derby County Football Club.
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Published in: on 23. März 2015 at 02:00  Comments (1)  

Die Schneeprofis aus Ebley in Gloucestershire

The Snow Mill in Ebley (Gloucestershire).    © Copyright Jaggery and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Snow Mill in Ebley (Gloucestershire).
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Was machen Filmproduktionsfirmen, die für ihre Dreharbeiten Schnee benötigen, der aber leider in dem Moment in der Natur nicht verfügbar ist? Ganz einfach, sie rufen in einem kleinen Ort in Gloucestershire an und bestellen ihn, egal in welchen Mengen, egal an welchem Platz in der Welt. In Ebley bei Stroud befindet sich nämlich in der Bridge Road die Firma Snow Business, die sich auf die Herstellung von Schnee spezialisiert hat. In 30 Jahren hat es die Firma weltweit auf Platz 1 in dieser Branche gebracht.

Gegründet wurde Snow Business 1983; man erfand ein Produkt, das alle anderen bis dahin verwendeten künstlichen Schneeformen in den Schatten stellte, weil es biologisch abbaubar war und viel realistischer aussah. Das sprach sich sehr schnell herum, denn gerade in Filmen, im Fernsehen und in der Werbung braucht man häufig künstlichen Schnee. Die Firma expandierte, das Hauptquartier ist in einer alten Wassermühle aus dem 17. Jahrhundert am River Frome.

In welchen Film- und Fernsehproduktionen kann man denn nun Schnee made in Ebley sehen? In unzähligen! Hier sind einige Beispiele:

In Fernsehfilmen und -serien wie Midsomer Murders, Poirot, Top Gear, Heart Beat, EastEnders, Coronation Street, Holby City, Lark Rise to Candleford usw. usw.

In Spielfilmen wie Chronicles of Narnia, Harry Potter & the Chamber of Secrets (und weiteren H.P. Filmen), Notting Hill, Phantom of the Opera, Sleepy Hollow, Tomb Raider 1 und 2 und in einigen James Bond-Filmen.

Über 200 verschiedene Schneearten werden in Ebley produziert, darüber hinaus aber auch alles, was im weitesten Sinne mit Schnee und Eis zu tun hat.

Ich bin häufig in diesem Teil von Gloucestershire unterwegs gewesen und kann einen Besuch dieser Region sehr empfehlen.

Dieser Film zeigt die Snow Business-Spezialisten bei der Arbeit. Auf den Webseiten der Firma kann man sich unter Movie Showreel 2014 Filmszenen ansehen, bei denen Schnee aus Ebley zum Einsatz kam.

Zum Abschluss ist hier noch ein kleiner Film mit dem Titel „Snow Business„, der mit der Firma zwar nichts zu tun hat, der aber die erste Begegnung von Simon’s Cat mit der weißen Pracht zeigt. Viel Vergnügen!

 

 

Published in: on 22. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Londoner Tower Bridge und ein unplanmäßiger Aufenthalt für US-Präsident Bill Clinton

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Es war im Mai 1997 als der damalige US-Präsident Bill Clinton Tony Blair in London besuchte. Beide hatten sich in einem Restaurant am südlichen Ufer der Themse zum Essen verabredet, im Le Pont de la Tour, dessen Küche französisch-englisch inspiriert ist und das über separate Speisezimmer verfügt, also ideal für derartige Treffen. Natürlich gab es an diesem Tage auch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen, d.h. Bill Clintons und Tony Blairs Sicherheitsleute und Scotland Yard hielten sich im Bereich des Restaurants auf. Nachdem die beiden Staatsmänner ihr Essen beendet hatten, stiegen sie in ihre jeweiligen Fahrzeuge und die Konvois fuhren los. Nach wenigen Metern bogen sie rechts ab, um die Tower Bridge zu überqueren. Ein Teil der Konvois, inklusive des Sicherheitspersonals von Bill Clinton, erreichten die Nordseite der Brücke, ihr Boss jedoch nicht, denn der saß auf der anderen Seite fest, weil just in dem Moment die Klappbrücke hochgezogen wurde, um ein Schiff hindurchzulassen. Die „Gladys“ hatte sich, wie erforderlich, 24 Stunden vorher für die Durchfahrt angemeldet, und so betätigte der zuständige Brückenwärter die Motoren, die die beiden Klappen hochzogen. Schon nach kurzer Zeit meldete sich Scotland Yard, die die sofortige Absenkung der Klappbrücke forderten und auf das Sicherheitsrisiko des Präsidenten hinwiesen. Doch der Brückenwärter ging darauf nicht ein und und ließ erst „Gladys“ durch und dann Bill Clinton. Er berief sich dabei auf ein Gesetz, das besagt, dass der Schiffsverkehr Vorrang vor dem Straßenverkehr hat, und so musste der mächtigste Mann der Welt in seinem Auto so lange warten, bis das Boot die Tower Bridge passiert hatte und die Klappbrücke wieder für den Verkehr freigegeben war.

Es dauert übrigens etwa fünf Minuten, die „bascules“, wie die beiden Klappbrückenhälften heißen, hochzuziehen, was rund eintausendmal pro Jahr passiert. Ich habe es noch nie erlebt, obwohl ich mehrfach in einem Hotel direkt an der Tower Bridge gewohnt habe.

1952 kam es zu einem Zwischenfall, der ebenfalls mit dem Hochziehen der Brücke zu tun hatte. Der Brückenwärter betätigte den Liftmechanismus in dem Augenblick, als noch ein Doppeldeckerbus darauf war. Der Bus der Linie 78 wurde von Albert Gunton gesteuert und der war so geistesgegenwärtig, dass er sein Gefährt beschleunigte und so über den schon einen Meter breiten Spalt „hinwegsprang“. Für die mutige Tat wurde der Fahrer von seinem Arbeitgeber mit £10 belohnt.

Published in: on 21. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Agatha Christies „The Mousetrap“ im Londoner St Martin’s Theatre

Das St Martin's Theatre in Londons West Street.    © Copyright Julian Osley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das St Martin’s Theatre in Londons West Street.
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Am 18. November 2012 feierte man im Londoner St Martin’s Theatre die 25 000. Aufführung von Agathas Christies Theaterstück „The Mousetrap“ (dt. „Die Mausefalle“), ein Rekord, der vielleicht nie wieder irgendwo auf der Welt überboten werden kann. Am 25. November 1952 war die Londoner Uraufführung (einige Wochen zuvor war das Stück schon in Nottingham aufgeführt worden) im New Ambassadors Theatre in der West Street im Covent Garden Bezirk Londons. Im März 1974 zog man um in das direkt nebenan gelegene St Martin’s Theatre, das über mehr Sitzplätze verfügte. Und es wird noch heute gespielt. Im Foyer ist eine Anzeigetafel, auf der man ablesen kann, die wievielte Aufführung an diesem Tag stattfindet.

Nur zweimal wechselte man bisher die Requisiten und die Kostüme aus, 1965 und 1999. Man möchte möglichst alles so belassen und keine Experimente durchführen, damit die Zuschauermassen nach wie vor tagein, tagaus in das Theater strömen.

Hier sind einige hervorzuhebende Besonderheiten rund um „The Mousetrap“:

– Bei der 25 000. Jubiläumsaufführung wirkten u.a. Hugh Bonneville (der den Robert Crawley in „Downton Abbey“ spielt), Patrick Stewart (den man aus den „Star Trek“-Filmen kennt) und Julie Walters mit.

– Die Lizenzeinnahmen aus dem Theaterstück erhält Agatha Christies Enkel Matthew Pritchard. Sie hatte ihm die Rechte daran zu seinem Geburtstag geschenkt.

– Seit der Uraufführung haben schon über 400 Schauspieler in den Produktionen mitgewirkt.

– Beim 50jährigen Bühnenjubiläum am 25. November 2002 waren Königin Elizabeth II und ihr Mann, der Herzog von Edinburgh zu Gast im St Martin’s Theatre.

Anthony Hicks, Agatha Christies Schwiegersohn, hatte vorgeschlagen, das Theaterstück „The Mousetrap“ zu nennen.

– Die Eintrittspreise beginnen bei £17.50 (Upper Circle) und enden bei £65 (Stalls Premium).

– Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass man die Auflösung des Kriminalfalles für sich behalten soll. Es geht immer wieder das Gerücht um, dass die Taxifahrer, die die Theatergäste vor dem St Martin’s Theatre absetzen, die Lösung schon vorab verraten, wenn sie kein vernünftiges Trinkgeld bekommen.

– Das New Ambassadors Theatre, in dem alles begann, und das jetzt nur noch Ambassadors Theatre heißt, steht nach wie vor neben dem St Martin’s Theatre in der West Street. Hier tritt seit dem Jahr 2007 täglich die Performance Group Stomp auf, die mit allen möglichen und unmmöglichen Haushaltsgegenständen Geräusche bzw. Musik erzeugt.

In der West Street findet man zwei außergewöhnliche Restaurants: Direkt gegenüber von den beiden Theatern steht The Ivy und das schon seit fast 100 Jahren, eine Londoner Institution, in der sich viel Prominenz zum Abendessen verabredet. Zurzeit wird das Haus komplett renoviert, die Wiedereröffnung ist für den Mai geplant.
Die West Street etwas weiter hinunter hat sich der französische Superkoch Joel Robuchon angesiedelt. L’Atelier de Joel Robuchon zählt zu den besten Restaurants der Stadt. Die Webseiten sind sehenswert!

Die West Street bietet also sehr viel, sowohl für das Auge, das Ohr und für den Magen.

Hier ist ein Film über „The Mousetrap“.

This work is released into the public domain.

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Vorn The Ambassador, dahinter St Martin's Theatre.    © Copyright Martin Addison and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Vorn The Ambassador, dahinter St Martin’s Theatre.
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The Ivy, gegenüber vom St Martin's Theatre.    © Copyright Mike Quinn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Ivy, gegenüber vom St Martin’s Theatre.
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Published in: on 20. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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The Crown Steward and Bailiff of the three Chiltern Hundreds of Stoke, Desborough and Burnham

Die Chilterns bei Turville.    © Copyright Edmund Shaw and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Chilterns bei Turville.
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Was für eine klangvolle Bezeichnung für einen Titel in England: The Crown Steward and Bailiff of the three Chiltern Hundreds of Stoke, Desborough and Burnham. So einem Titelträger muss man sicher voller Hochachtung und Demut gegenübertreten, oder? Nun, muss man nicht, denn dahinter verbirgt sich niemand anderes als ein Mitglied des britischen Unterhauses, das unbedingt aus dem Parlament aussteigen will. Es ist sozusagen ein Notausgang aus dem House of Commons.

Man kann als gewähltes Mitglied des Unterhauses nicht so ohne weiteres aus demselben austreten und den Job hinschmeißen. Wenn das irgendjemand, aus welchem Grund auch immer, machen möchte, dann muss er beim Schatzkanzler, das wäre zurzeit George Osborne, einen Antrag stellen, Crown Steward zu werden. Wenn der dem Antrag zustimmt, dann ist alles in Ordnung, dann kann der parlamentsüberdrüssige M.P. seine Sachen packen und dem Palace of Westminster den Rücken kehren, denn: Der Crown Steward untersteht, wie der Titel schon sagt, der Krone und er bekommt dafür ein nicht sehr üppiges Gehalt. Wer aber Gehaltsempfänger der Krone ist, darf sein Amt als Member of Parliament nicht mehr ausüben. Clever ausgedacht, oder? Übrigens sind mit dem schwülstigen Titel keine Aufgaben verbunden!

Noch ein paar Bemerkungen zu dem langen Titel: Die Chilterns sind ein Höhenzug, der sich über Buckinghamshire und Teile von Oxfordshire und Bedfordshire erstreckt. Hundreds ist eine alte Bezeichnung für einen Abschnitt einer Grafschaft, der 100 kampfbereite Männer für die Krone auf die Beine stellen konnte. Die drei Chiltern Hundreds waren Stoke, Desborough und Burnham (wir befinden uns hier mitten in Inspector Barnabys fiktivem Midsomer County!). Stoke umfasst u.a. die Orte Denham, Colnbrook und Stoke Poges, zu Desborough gehören die Dörfer Turville, Hambleden und Little Marlow und Burnham schließlich umfasst z.B. Amersham, Beaconsfield und Chesham. Alle diese genannten Dörfer und Städte habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.

Einige ehemalige M.P.s, die den Titel des Crown Stewards schon innehatten:

– Im Herbst letzten Jahres stellte Mark Reckless den Antrag auf den Titel, der den Wahlbezirk Rochester und Strood vertrat. Der ehemals zu der Conservative Party gehörende Politiker schwenkte zu der UK Independence Party (UKIP) um, wurde bei Nachwahlen für die neue Partei wiedergewählt und zog erneut ins Unterhaus ein.

Tony Blair wurde 2007 Crown Steward, weil er Sondergesandter des sogenannten Nahost-Quartetts werden wollte, was sich nicht mit seinem Amt als M.P. für den Wahlbezirk Sedgefield (County Durham) vertrug.

– Auch der Labour-Abgeordnete Neil Kinnock wurde 1995 Chef der drei „Hundreds“, nachdem er das Unterhaus verließ, um Transport Commissioner bei der EU zu werden.

Es gibt übrigens noch einen vergleichbaren Titel, den Crown Steward and Bailiff of the Manor of Northstead, der die gleiche Funktion erfüllt. Das Manor of Northstead existiert schon lange nicht mehr; es lag einmal dort, wo sich jetzt die Küstenstadt Scarborough in North Yorkshire breit gemacht hat. Der letzte Amtsinhaber war Douglas Carswell, der den Wahlbezirk Clacton (Essex) vertrat und, wie Mark Reckless, von den Konservativen zur UKIP übertrat. Über die Zwischenstation des Crown Stewards of Northstead erzwang er Neuwahlen in Clacton und wurde für seine neue Partei wiedergewählt.

Stoke Poges (Buckinghamshire) im Stoke Hundred.    © Copyright Nigel Cox and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Turville im Desborough Hundred. Eigenes Foto.

Turville (Buckinghamshire) im Desborough Hundred.
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Beaconsfield (Buckinghamshire) im Burnham Hundred. Eigenes Foto.

Beaconsfield (Buckinghamshire) im Burnham Hundred.
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Elham in Kent – Hier verbrachte Audrey Hepburn einen Teil ihrer Kindheit

Elham in Kent.    © Copyright pam fray and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Elham in Kent.
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Rund zehn Minuten Fahrzeit mit dem Auto sind es vom Ausgang des Channel Tunnels bis zu dem kleinen idyllischen Dorf Elham in Kent. Da ich meistens in der Mittagszeit durch den Tunnel fahre, suche ich immer in der näheren Umgebung einen netten Pub auf, um dort einen Lunch zu mir zu nehmen. In Elham bietet sich dafür The Abbot’s Fireside Hotel in der High Street an, ein wunderschönes Haus aus dem 15. Jahrhundert, in dem sich schon Charles II vor den Cromwellschen Truppen in einem Kamin versteckt hat.

Wenn man schon einmal in Elham ist, dann könnte man auch gleich nach dem Lunch einen Verdauungsspaziergang durch das hübsche Dorf machen. Mein Vorschlag: Vom Hotel über die St Mary’s Road und The Square zur Duck Street. Dort findet man direkt gegenüber von der Parish Church ein weißes Haus, in dem eine weltberühmte Schauspielerin einen Teil ihrer Kindheit verbrachte: Audrey Hepburn. Früher hieß das Haus Orchard Cottage, dann wurde daraus ein Pub namens The Five Bells, heute ist es wieder ein Privathaus. Die kleine Audrey, deren Nachname damals Ruston lautete, wohnte von 1935 bis 1940 im Orchard Cottage in der Obhut von Mr. und Mrs. Butcher. Das schüchterne Mädchen besuchte erst die Schule der Rigden Schwestern am Square, also gleich um die Ecke, und anschließend die im Haus namens West Bank, ganz in der Nähe des Elham Manors.

In dem kleinen Dorf in Kent kam „Little Audrey“ erstmals mit der Schauspielerei in Berührung, als sie bei einem Dorffest 1936 in einer Aufführung der örtlichen Pfadfindergruppe, der Brownies, in dem Stück „Humpty Dumpty“ als Soldat auftrat. Vielleicht hatte das kleine Mädchen da „Blut geleckt“ und ihr Interesse für ihren späteren Beruf entdeckt. Audreys Aufenthalt in Kent endete, als sie 1940  in die Niederlande gebracht wurde. In Elham wird man sich aber immer an das hübsche Mädchen mit den großen Augen erinnern.

In dem Dorf lebten noch weitere Berühmtheiten wie die Schauspielerin Katie Johnson (1878-1957), die später in West Bank wohnte, der ehemaligen Schule Audrey Hepburns. Katie Johnson wurde für ihre Darstellung der Mrs. Wilberforce in dem Film „Ladykillers“ (hier ein kurzer Ausschnitt mit Alec Guinness und ihr) 1956 mit dem British Film Academy Award ausgezeichnet.

Sir Anthony Eden, Premierminister von 1955 bis 1957, lebte im Park Gate House in Elham, einem schönen Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert, das heute als B&B geführt wird.

Im Elham Manor House wohnte eine Zeit lang der berühmte Historiker und Soziologe Cyril Northcote Parkinson (1909-1993), der durch die sogenannten Parkinsonschen Gesetze („Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht“) berühmt wurde.

Eine ganz schöne Ansammlung an Prominenz für so ein kleines Dorf!

Elham Manor House.    © Copyright John Baker and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Elham Village Sign.    © Copyright David Anstiss and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 18. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lucy Worsley und ihre interessanten TV-Dokumentationen

Ich schätze Dr. Lucy Worsleys Fernsehdokumentationen sehr; durch ihre lockere Präsentationsweise bringt sie die behandelten Themen so interessant auf den Zuschauer über, dass man sich auch nach längerer Zeit noch gut an die Details erinnern kann.

Lucy Worsley wurde 1973 in Reading in Berkshire geboren, studierte Geschichte am New College in Oxford und schrieb ihre Doktorarbeit an der University of Sussex über das Thema „The Architectural Patronage of William Cavendish, first Duke of Newcastle, 1593–1676“. Nach ihrem Studium arbeitete Lucy Worsley als Inspektorin für historische Gebäude im Auftrag des English Heritage und wurde anschließend leitende Kuratorin der gemeinnützigen Organisation Historic Royal Palaces, die die unbewohnten Paläste des Königshauses verwaltet.

Im Jahr 2009 erschien Lucy Worsley erstmals im Fernsehen und zwar mit dem Film „Inside the Body of Henry VIII„, der sich mit dem Körper des englischen Königs beschäftigt.

Im Jahr 2011 schrieb und moderierte sie die vierteilige BBC4-Reihe „If Walls Could Talk: The History of the Home„. Darin befasst sie sich mit den einzelnen Zimmern eines Hauses und geht den Dingen des täglichen Lebens nach, die sich in einem Haus finden wie Bestecke, Reinigungsmittel, Tapeten und stellt all das in einen historischen Kontext. Hier ist der erste Teil der TV-Serie zu sehen. Das Begleitbuch erschien unter dem gleichen Titel bei Faber&Faber.

Der Dreiteiler „Harlots, Housewives and Heroines: A 17th Century History for Girls“ wurde 2012 von BBC4 gesendet. Darin beschäftigt sich Lucy Worsley mit der Rolle der Frau im 17. Jahrhundert.

Einen weiteren Dreiteiler sendete BBC4 ein Jahr später: „A Very British Murder„, in dem es um historische Mordfälle und berühmte Krimiautoren geht. Besonders schätze ich an dieser Serie, dass Lucy Worsley bei ihren Recherchen, z.B. über den legendären Fall Dr. Crippen, immer an die Originalschauplätze geht und zeigt wie es dort heute aussieht. Hier ist die dritte Episode zu sehen. Ein Begleitbuch zu der Miniserie erschien 2014 bei BBC Books unter dem gleichen Titel.

Lucy Worsley war danach noch mehrfach im britischen Fernsehen zu sehen, u.a. mit dem Dreiteiler „The First Georgians: The German Kings Who Made Britain„, und mit Dokumentationen wie „Dancing Cheek To Cheek: An Intimate History Of Dance“ und gerade eben erst im Februar mit „Britain’s Tudor Treasure: A Night at Hampton Court“.

 

Published in: on 17. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Mark Mason: The Importance Of Being Trivial

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

„Trivia … sind Bezeichnungen für belanglose Informationen oder Wissen, das nur in weiterem Sinne mit einer konkreten Thematik zu tun hat“, das schreibt die Wikipedia zum Begriff „Trivia“ und darum geht es in dem Buch „The Importance Of Being Trivial: In Search Of The Perfect Fact“ von Mark Mason, ein Buch, das ich gerade gelesen habe und das mich sehr angesprochen hat. Für meinen Blog versuche ich ebenfalls, diese sogenannten Trivias mit einzubauen; Dinge, die man nicht wissen muss, die eher kurios sind und manchmal so etwas wie das Salz in der Suppe darstellen.

Mark Mason ist für sein Buch durch ganz England gereist und hat erstaunlich viele Menschen getroffen, die sich für das Thema „Trivia“ interessieren. Er trifft auf leidenschaftliche Teilnehmer der in England so beliebten Pub Quizzes, bei denen häufig Fragen nach trivialen Dingen gestellt werden und interviewt Professoren, die über das menschliche Gedächtnis bzw. Autismus forschen.

Immer wieder sind Trivia in den Text eingestreut, von denen ich einige als Beispiel hier wiedergeben möchte:

– Der Rolling Stones Gitarrist Keith Richard sang als neunjähriger Chorknabe bei den Krönungsfeierlichkeiten für Königin Elizabeth II

– Mit der Geschwindigkeit mit der Ketchup der Marke Heinz aus der Flasche fließt, könnte er 0,7 Meilen am Tag zurücklegen.

– Die einzige Straße in Großbritannien auf der Rechtsverkehr vorgeschrieben ist, ist der Abschnitt zwischen The Strand und dem Savoy Hotel in London

Ringo Starr hat noch nie eine Pizza gegessen, während der ehemalige australische Cricketspieler Shane Warne so oft es nur geht Pizzen verspeist

Raf Ravenscroft war der Mann, der in Gerry Raffertys „Baker Street“ das Saxofon-Solo spielte

Das Buch hat mir viel Vergnügen bereitet und ich kann es allen empfehlen, die einen Nerv für Trivia haben.

In meinem Blog habe ich schon zwei andere Bücher von Mark Mason vorgestellt, nämlich „Move Along, Please: Lands End To John O’Groats By Local Bus“ und „Walk The Lines: The London Underground Overground„.

Published in: on 16. März 2015 at 02:00  Comments (3)  

The Pepperpot in Brighton

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Niemand Geringeres als der Stararchitekt Sir Charles Barry entwarf und baute 1830 den Pepperpot in Brighton, der schon vorher in dem Seebad die St Peter’s Church und das Royal Sussex County Hospital gebaut hatte. Berühmt wurde Barry aber durch den Neubau der Londoner Parlamentsgebäude.

Auftraggeber für den Bau war der reiche Anwalt Thomas Attree, der sich den Queen’s Park in Brighton gekauft und auf dem riesigen Gelände eine prachtvolle Villa errichtet hatte. Damit sein Haus und seine Gärten mit Wasser versorgt werden konnten, ließ er den Turm, den man später Pepperpot nannte, erbauen, in dem eine Wasserpumpe untergebracht war, die eine unterirdische Quelle anzapfte. Doch schon nach wenigen Jahren konnte Attrees Villa an die Wasserversorgung der Stadt Brighton angeschlossen werden, so dass der Turm nicht mehr benötigt wurde. 1972 riss man die Villa ab, aber der Pepperpot blieb als Erinnerung an Herrn Attree stehen.

Was macht man nun mit so einem gut aussehenden, aber eigentlich überflüssigen Turm? Nun, er kam zu einem vielfältigen, wenn auch meist nur kurzfristigen Einsatz. Die Zeitung Brighton Daily Mail wurde darin einmal gedruckt, im Zweiten Weltkrieg benutzte ihn das Militär als Beobachtungsposten (obwohl man in einer Höhe von 18 Metern nun nicht so besonders weit in die Ferne gucken konnte), die Pfadfinder zogen hier eine Zeit lang ein und, welche Schande für den armen Pepperpot, er musste sogar als öffentliche Toilette herhalten.

Der Brighton and Hove City Council ist der Eigentümer des Turmes, der ihn im Jahr 2011 für £50,000 restaurieren ließ und man machte sich natürlich immer wieder Gedanken, was man mit dem Pepperpot anfangen könnte. Zuletzt war der Landmark Trust im Gespräch, der historische Gebäude als Ferienwohnungen umbaut. Im Augenblick nutzt man Charles Barrys Turm, um dort Vorräte an Streusalz unterzubringen, falls es in Brighton mal glatt auf den umliegenden Straßen werden sollte.

Um das Wohlergehen des Turms kümmern sich die 2010 gegründeten Friends of the Pepperpot.
Hier ist, wie ich finde, ein großartiger Film, der ihn in einer Sound and Light Show zeigt.

Wer sich den Pepperpot in Brighton einmal ansehen möchte: Er steht in der Tower Road, nördlich vom Queen’s Park, einer Sackstraße, an deren Ende es einige Parkplätze gibt.

Imber in Wiltshire – Die Geisterstadt auf den Salisbury Plains

Ein ehemaliges Farmgebäude in Imber.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein ehemaliges Farmgebäude in Imber.
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Vor einigen Monaten fuhr ich wieder einmal quer durch die Salisbury Plains in Wiltshire, jene vom britischen Verteidigungsministerium beherrschte Region im Süden Englands. Es gibt nur wenige Straßen, die öffentlich zugänglich sind, überall trifft man auf Schilder, die vor Panzern warnen, man sieht Absperrzäune und startende und landende Flugzeuge.

Mitten in diesem riesigen militärischen Übungsgebiet liegt die Geisterstadt Imber, deren frühere Bewohner Ende 1943 ganz plötzlich ihre Häuser verlassen mussten. Am 1. November des Jahres erhielten sie die Aufforderung und bekamen 47 Tage Zeit, ihre Koffer zu packen und Imber zu räumen, mit dem vagen Versprechen, nach Kriegsende wieder zurückkehren zu können. Der Grund für diese Aktion: Das Militär brauchte das Gelände, um hier für die geplante Invasion der Normandie am D-Day zu üben. Schon vorher hatte das Ministry of Defence das Land um den kleinen verschlafenen Ort aufgekauft, der schon im 11. Jahrhundert im Domesday Book erfasst wurde.
Ohne groß zu murren, zogen die Dorfbewohner aus ihren Häusern aus, man war ja schließlich Patriot und wollte dem Militär nicht im Wege stehen. Doch mit der Rückkehr wurde es nichts; Imber blieb in der Hand des Verteidigungsministeriums bis zum heutigen Tag.

Von den ehemaligen Wohnhäusern, dem Pub und dem Manor House stehen nur noch die Fassaden, die Armee übte in dem Dorf Häuserkämpfe, was natürlich nicht ohne Folgen blieb. Nur die unter Denkmalschutz stehende St Giles Parish Church wacht noch einsam über die kleine Geisterstadt, die immer wieder von Detonationen erschüttert wird. An einigen wenigen Tagen im Jahr, meist über Weihnachten und Ostern darf man Imber besuchen und dann kommen ganze Heerscharen von Menschen, die sich dieses merkwürdige Dorf ansehen wollen. St Giles wurde im Jahr 2008 sogar für £50 000 renoviert und erhielt einen Satz neue Glocken; die alten wurden in den 1950er Jahren entfernt, weil es Überlegungen gab, die Kirche abzureißen. Hin und wieder werden sogar Andachten in der Kirche abgehalten. In diesem Jahr ist der Zutritt zu Imber vom Verteidigungsministerium über Ostern freigegeben worden, von Karfreitag bis Ostermontag. Am Ostersonntag findet für Kinder hier eine große Easter Egg Hunt statt und die Kirche ist zur Besichtigung freigegeben.

Um Geld für den weiteren Unterhalt von St Giles zu sammeln, hat die Folkband The Yirdbards in der Kirche eine CD aufgenommen, die den Titel „The Ghosts of Old Imber“ trägt. Übrigens gehört St Giles als einiges Gebäude in Imber nicht dem Militär, sondern untersteht der Diözese von Salisbury. Im Dezember 2002 kam es hier sogar zu einer Trauung, der ersten seit 60 Jahren. Zuletzt gab sich in der Kirche im November 1943 ein Paar das Ja-Wort. Ein wenig ziviles Leben findet in Imber also doch noch statt, aber den größten Teil des Jahres bestimmen Soldaten und Panzer das Geschehen in und um das verlassene kleine Dorf auf den Salisbury Plains.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Imber.

St Giles.    © Copyright Maurice Pullin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Giles.
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Der ehemalige Pub The Bell.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der ehemalige Pub The Bell.
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Ein abgewrackter Panzer bei Imber.    © Copyright Hugh Chevallier and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein abgewrackter Panzer bei Imber.
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Published in: on 14. März 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Die Schriftstellerin Beryl Bainbridge und ein Song, den ihr Mark Knopfler gewidmet hat

Beryl“ heißt ein Song auf Mark Knopflers aktuellem Album „Tracker„, das heute veröffentlicht wird. Er ist der Schriftstellerin Beryl Bainbridge gewidmet, die am 2. Juli 2010 in einem Londoner Krankenhaus an Krebs starb. Knopflers Song beginnt mit dem Textzeilen
Beryl,
Was on another level
When she got her Booker medal
She was dead in her grave
After all she gave

Im Klartext: Zu Lebzeiten hat die in Liverpool geborene Autorin nie den begehrten Booker Prize bekommen, obwohl sie fünfmal nominiert war und daher schon als „Booker Bridesmaid“ bezeichnet wurde. Knopfler bedauert, dass ihre literarischen Qualitäten immer wieder übersehen worden waren, bis die für die Preisvergabe Verantwortlichen wohl doch ein schlechtes Gewissen bekamen und ihr posthum einen eigens geschaffenen The Man Booker Best of Beryl Prize verliehen. In einer Umfrage im Jahr 2011 wurde der Roman ermittelt, der nach Meinung der Öffentlichkeit ihr bester von den fünf nominierten war und das war dann „Master Georgie“ (dt. „Master Georgie“) aus dem Jahr 1998.

Doch Mark Knopfler findet, dass diese Aktion Beryl Bainbridge nicht gerecht wird; er singt „It’s too late you dabbled, it is all too late“ und meint damit, dass die Booker Prize Foundation da ziemlich dilettantisch und zu spät gehandelt hat, jetzt liegt die Schriftstellerin in ihrem Grab und hat nichts mehr davon.

Ich glaube, dass sich Beryl Bainbridge, sollte sie den Song hören, wo immer sie jetzt gerade ist, sehr darüber freuen würde.

Hier ist Mark Knopfler mit seiner Hommage an die verkannte Schriftstellerin. Ein wunderschöner Song!

Das Buch zum Artikel:
Psiche Hughes: Beryl Bainbridge – Artist, Writer, Friend. Thames&Hudson 2012. 208 Seiten. ISBN 978-0500516515.

Published in: on 13. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Dents of Warminster – Hersteller von edlen Handschuhen

Das ehemalige Firmengebäude von Dents in Warminster,.    © Copyright Alan Cooper and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das ehemalige Firmengebäude von Dents in der Fairfield Road in Warminster, das im Jahr 2011 abgerissen wurde.
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Königin Elizabeth II trug sie 1953 während der Krönungsfeierlichkeiten, Daniel Craig hatte sie als James Bond in dem Film „Skyfall“ an und Jack Nicolson schlüpfte als Joker in „Batman“ in sie hinein: Die Rede ist von Handschuhen der Marke Dents, „The World’s Finest Leather Gloves“, die schon seit 1777 hergestellt werden. John Dent gründete die Firma in diesem Jahr in Worcester und seitdem produziert sie nicht nur Handschuhe, sondern auch andere Lederwaren wie Handtaschen, Gürtel und Geldbörsen. Aber die edlen Handschuhe sind nach wie vor das Markenzeichen der Firma, die seit 1937 in Warminster in der Grafschaft Wiltshire ansässig ist. Bis 2011 produzierte man in der Fairfield Road, dann zog man aus Platzgründen in den Warminster Business Park am Furnax Lane.

Die Handschuhe werden noch heute mit alten Maschinen von Hand hergestellt und die Arbeiterinnen und Arbeiter fühlen sich mit der Firma Dents sehr verbunden und bleiben oft über Jahrzehnte dort. Im letzten Monat wurden 25 Firmenangehörige von der Herzogin von Cornwall für ihre langjährige Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet; davon waren neun schon über 50 Jahre im Dienst der Firma Dents.

Mitglieder des britischen Königshauses schätzen die Produkte der Firma schon seit langem wie Königin Victoria und König Georg VI; auch Admiral Horation Nelson mochte auf seine „Dent gloves“ nicht verzichten. Ein Paar der von James Bond-Darsteller Daniel Craig getragenen Handschuhe, die „James Bond Skyfall Leather Gloves“, kosten übrigens £65.

Wer sich in der Nähe von Warminster aufhält und daran interessiert ist, Produkte der Firma Dent zu reduzierten Preisen zu kaufen, der kann das dort im Business Park tun. Der Factory Shop bietet Waren mit leichten Mängeln bzw. aus ausgelaufenen Serien stark herabgesetzt an. Geöffnet ist der Laden montags bis samstags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr.
In einem kleinen Museum kann man sich zusätzlich über die Geschichte der Handschuhherstellung informieren.

Hier ist ein Film über die Firma Dents.

Dents
Furnax Lane
Warminster
Wiltshire
BA12 8PE

Published in: on 12. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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East Horsley (Surrey) – Großbritanniens wohlhabendstes Dorf

The Gate House.    © Copyright Alan Hunt and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Gate House.
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Erst vor wenigen Monaten  kam ich wieder einmal durch East Horsley in Surrey, das Dorf, das als das wohlhabendste in ganz Großbritannien gilt, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es sich hier gut leben lässt. Die Verbindung nach London ist durch einen Bahnhof gegeben und bis zur M25 sind es mit dem Auto nur wenige Minuten. Zum Einkaufen kann man über die A246 nach Guildford fahren, aber es gibt in East Horsley selbst auch einige Läden.

An der Epsom Road (der A246) steht ein sehr hübscher Pub, The Duke of Wellington, der vom Earl of Lovelace erweitert wurde. Der Earl hatte sich in Horsley Park niedergelassen und war eine bedeutende Persönlichkeit in der Entwicklungsgeschichte des Dorfes im 19. Jahrhundert. Er war der Ehemann der Tochter Lord Byrons, Ada Byron, die 1852 starb. Der Earl heiratete ein zweites Mal, Jane Crawford Jenkins, und ist gemeinsam mit ihr auf dem Kirchhof von St Martin’s in einem Mausoleum begraben, das er schon 20 Jahre vor seinem Tode entworfen hatte. Horsley Park ist heute ein Hotel und Tagungszentrum, das zur de Vere-Gruppe gehört.

Gegenüber des Duke of Wellington steht das sehr schön anzusehende Gatehouse, das früher der Haupteingang zum Horsley Park war. Wenn man genau hinschaut, erinnert das Gebäude an das Lübecker Holstentor und genau das soll den Earl of Lovelace auch inspiriert haben. Überall in East Horsley findet man den italienischen Baustil, den er bevorzugte und der dem Dorf seine besondere Note gibt; so wird das Dorf auch gern „Lovelace Village“ genannt.

Der durchschnittliche Hauspreis in East Horsley hat mittlerweile die £1 Millionen-Marke überschritten, so teuer ist es in keinem anderen Dorf in Großbritannien. Die bevorzugte Wohnlage ist in dem Bereich Lynx Hill und Pennymead Drive, nördlich von Horsley Park.
Ein Spaziergang durch diesen außergewöhnlich hübschen Ort lohnt sich!

Übrigens: Auf Platz 2 und 3 der Liste der reichsten Dörfer Großbritanniens stehen Chorleywood in Hertfordshire und Knotty Green in Buckinghamshire.

The Duke of Wellington.    © Copyright P L Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Duke of Wellington.
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Der Eingang zum Horsley Park.    © Copyright Andrew Longton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Eingang zum Horsley Park.
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Das Lovelace Mausoleum.    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Lovelace Mausoleum.
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Lynx Hill in East Horsley.    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lynx Hill in East Horsley.
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Published in: on 11. März 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Famous Graves – Coco the Clown in Woodnewton (Northamptonshire)

Cocos Grab in Woodnewton.    © Copyright Kokai and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Cocos Grab in Woodnewton.
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Auf dem Kirchhof von St Mary’s in Woodnewton in Northamptonshire steht ein Grab, in dem einer der berühmtesten Clowns des 20. Jahrhunderts beerdigt ist: Nikolai Poliakoff alias Coco the Clown. Am 25. September 1974 starb der Mann, der unzähligen Kindern und Erwachsenen Freude bereitet hat, im Krankenhaus von Peterborough (Cambridgeshire). Ein Jahr zuvor hatte er sich im Alter von 73 Jahren nach Woodnewton zurückgezogen, ein Dorf im Osten der Grafschaft Northamptonshire, ganz in der Nähe des Rockingham Castles. Seine Frau Valentina, die er 1919 geheiratet hatte und die 1983 starb, liegt neben ihm.

Nicolai Poliakoff (es gibt auch andere Schreibweisen) stammt aus dem heutigen Litauen und entdeckte seine Liebe zum Zirkus schon im Alter von acht Jahren, als er sich einem Wanderzirkus anschloss und unter der Ägide des damals berühmten Rudolfo Truzzi das Handwerk des Artisten von der Pike auf lernte. Stationen seines Lebens auf der Wanderschaft waren der Russische Staatszirkus, Circus Busch und der Bertram Mills Circus in Großbritannien, für den Poliakoff viele Jahre arbeitete. Er und seine Frau fühlten sich in England sehr wohl und erhielten 1949 die britische Staatsbürgerschaft.

Poliakoff war damals im ganzen Land als Coco the Clown bekannt, seine Markenzeichen: Übergroße Schuhe und  seine Haare, die er mit einem Trick aufstellen konnte. Der Zirkusmann machte aber noch durch andere Aktionen von sich reden, denn erkümmerte sich um das Thema „Verkehrssicherheit für Kinder“, das im sehr am Herzen lag. Für dieses Engagement wurde Poliakoff 1963 mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet.

Nicolai und Valentina hatten sechs Kinder, von denen mehrere auch den Clownsberuf ausübten; am bekanntesten wurde Michael, der älteste Sohn. Er war es, der für die US-Burgerkette McDonalds die Figur des Ronald McDonald neu gestaltete, in der Form wie wir sie noch heute kennen. Michael starb 2009 im Alter von 86 Jahren in den USA.

Coco the Clown wurde 1991, 17 Jahre nach seinem Tod, in die International Clown Hall of Fame aufgenommen, die ihren Sitz in Baraboo im US-Bundesstaat Wisconsin hat.

Hier ist ein kurzer Film über Nikolai Poliakoff zu sehen, der ihn beim Schminken zeigt..

St Mary's Church in Woodnewton.    © Copyright JThomas and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s Church in Woodnewton.
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Published in: on 10. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Scary Ely – Die Kathedralenstadt und ihre Geister

Oliver Cromwell's House in Ely.    © Copyright Chris Gunns and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Oliver Cromwell’s House in Ely.
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Ely in Cambridgeshire liegt mitten auf dem platten Land und ist schon von weitem durch die alles beherrschende Kathedrale zu sehen. Bei meinem letzten Besuch dort herrschte in der Stadt ein außerordentlich starker Autoverkehr; zeitweise ging in den innerstädtischen Straßen gar nichts mehr. Erster Anlaufpunkt für viele Besucher Elys, wenn sie denn endlich einen Parkplatz gefunden haben, ist das Tourist Information Centre in der St Mary’s Street, das in einem sehr schönen alten Haus untergebracht ist; hier kann man sich sehr gut mit Informationen über die Stadt eindecken.

Diejenigen, die sich für die dunklen Seiten Elys interessieren, können gleich in diesem auch Oliver Cromwell’s House genannten Gebäude bleiben, denn hier soll es in Sachen Geister richtig zur Sache gehen. Zehn Jahre lang wohnte Oliver Cromwell, der Lord Protector of England, in diesen Räumen, die man so hergerichtet hat, dass man sich ein Bild von den Lebensumständen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts machen kann. Es heißt, dass selbst das Personal in Oliver Cromwell’s House, sowohl bei Tag, erst recht aber nachts, sich davor fürchtet, allein durch die Räume zu gehen. Auch der einstige Bewohner soll hier manchmal umgehen… Die Cambridge Paranormal Research Society hat sich das alte Haus schon einmal vorgenommen und eingehend untersucht. Hier kann man die Ergebnisse nachlesen.

Oliver Cromwell’s House
29, St Mary’s Street
Ely, Cambridgeshire CB7 4HF

Geht man die St Mary’s Street ein paar Schritte weiter stadteinwärts, trifft man auf zwei weitere „haunted houses“: The Lamb Hotel und gleich gegenüber das ehemalige Gefängnis, in dem sich jetzt das Ely Museum befindet.
Im Lamb Hotel, das früher einmal The Slaughtered Lamb hieß, sollen nachts unerklärliche Geräusche und Lichter zu hören bzw. zu sehen sein, Stühle setzen sich plötzlich von selbst in Bewegung; Unerschrockene sollten sich also in dieser ehemaligen Kutschenstation aus dem 15. Jahrhundert im Schatten der Kathedrale von Ely einmieten, um sich selbst ein Bild von den gruseligen Vorgängen machen zu können (die Zimmerpreise beginnen bei etwa £85).

The Lamb Hotel
2, Lynn Road
Ely, Cambridgeshire CB7 4EJ

Schräg gegenüber vom Lamb Hotel finden wir den Eingang zum Ely Museum. The Old Gaol wurde 1997 in ein Museum umfunktioniert, das über die Stadt Ely und das Umland informiert. Man kann sich auch noch einige Überreste des ehemaligen Gefängnisses ansehen, von dem es heißt, dass hier nachts die Schreie von früheren Insassen zu hören sind… Ob sich auch der römische Soldat, dessen Gebeine in einem steinernen offenen Sarg gleich im Eingangsbereich des Museums liegen, an dem nächtlichen Treiben beteiligt?

Ely Museum
The Old Gaol
Market Street
Ely Cambridgeshire CB7 4LS

Zu empfehlen für Interessierte sind die Ghost Tours in Ely, die am Tourist Information Centre beginnen und an allen gruseligen Stätten Elys vorbeiführen. Man kann das aber auch alles in einem Buch nachlesen, das 1996 unter dem Titel „Haunted Ely“ erschien und von Vivienne Doughty und Margaret Haynes geschrieben wurde ( Blue Hand Press, ISBN 9780954588601).

Hier ist ein Film über eine Ghost Hunt im Oliver Cromwell’s House.

The Lamb Hotel.    © Copyright Alexander P Kapp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lamb Hotel.
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Das Ely Museum.    © Copyright Paul Shreeve and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Ely Museum.
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Published in: on 9. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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The Bingley Arms in Bardsey (West Yorkshire) – Eines der ältesten Gasthäuser Englands

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„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der älteste Pub in diesem Land?“ Auf diese Frage käme der arme Spiegel in arge Bedrängnis, denn darauf wüsste er keine Antwort oder besser gesagt, er hätte darauf mehrere Antworten. Eine Handvoll Pubs im Lande erheben nämlich den Anspruch, der älteste zu sein wie z.B. Ye Olde Fighting Cocks in St. Albans (Hertfordshire) oder Ye Olde Trip to Jerusalem in Nottingham.

Ein weiterer Anwärter auf den Titel ist The Bingley Arms in Bardsey, nordöstlich von Leeds in West Yorkshire. Wie alt das Gasthaus ist, wissen auch die heutigen Besitzer nicht so ganz genau; man schätzt, dass es zwischen 905 und 953 gegründet wurde, das soll erst einmal einer unterbieten! Als The Priests Inn diente der Gasthof ursprünglich Mönchen, die zwischen der Kirkstall Abbey und der Abbey of St Mary in York unterwegs waren, um dort eine Rast einzulegen. Als im 16. Jahrhundert Heinrich VIII zahllose Kirchen und Klöster platt machte, versteckten sich katholische Priester auf der Flucht im Gasthaus in den beiden „priest holes“, die hinter einem großen Kamin angelegt worden waren.
1780 wurde The Priests Inn in The Bingley Arms umbenannt, nach Lord Bingley, dessen Wappen das Pubschild ziert.

Ein gewisser Samuel Ellis soll schon 953 an dieser Stelle Bier gebraut haben, heute bekommt man im Pub Biere der Brauereien Timothy Taylor, Black Sheep und Tetley’s. Das Restaurant heißt The Trencherman’s Bowl, in dem Küchenchef Carl Shewan vorwiegend Produkte aus der Region verwendet wie Hühnchen aus dem Nidderdale, Lammfleisch aus Bardsey und Schellfisch aus Whitby.

Verwundert es, wenn es in The Bingley Arms spukt? Nein, bestimmt nicht, in so einem alten Pub muss es einfach spuken. Mehrere Gestalten treiben hier ihr Unwesen, denen einmal die GCUK-Geisterjäger auf die Spur kommen wollten wie dieser Film zeigt.

Es gibt übrigens einen riesigen Parkplatz vor dem Gasthaus, so dass hier keine Parkprobleme entstehen.

The Bingley Arms
Church Lane
Bardsey
Leeds LS17 9DR

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Die Reigate Heath Windmill in Surrey – Die einzige Windmühlen-Kirche Englands

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Ich liebe die A 25 und wenn immer es möglich ist, ziehe ich diese Straße der parallel verlaufenden Autobahn M25 vor. Die A25 führt durch viele hübsche Orte wie Dorking, Westerham, Godstone und Oxted. Wenn man aus Reigate in Richtung Westen auf dieser A-Straße hinausfährt, weist bald ein kleines unscheinbares, braunes Schild mit dem Symbol für einen Golfplatz nach links auf eine Abzweigung; das ist die Flanchford Road, die zum Reigate Heath Golfplatz (hier ein Video) führt, der mitten in der Heidelandschaft Surreys liegt. Der Golfclub hat eine Windmühle als Clubabzeichen und direkt neben dem Clubhaus steht sie auch, diese Windmühle. Ich kenne keinen anderen Golfplatz in England mit einer eigenen Windmühle; d.h. die Reigate Heath Windmill gehört gar nicht den Golfspielern, sondern dem Reigate Borough Council, der sich um den Unterhalt der Mühle kümmert.

Das Besondere an der Reigate Heath Windmill ist, dass sie als Kirche benutzt wird, was es sonst im ganzen Königreich kein zweites Mal gibt. Die Mill Church gehört zur Kirchengemeinde St Mary’s in Reigate, die hier von Mai bis Oktober an jedem dritten Sonntag im Monat Andachten durchführt. Die 1765 erbaute Windmühle erfüllte bis 1862 ihre ihr eigentlich zugedachte Aufgabe, bis sie 1880 als Kapelle umgebaut wurde. Der Golfclub übernahm sie im Jahr 1906 und steckte im Laufe der Jahrzehnte viel Geld in die Restaurierung und den Unterhalt, bis es ihm zuviel wurde und der Reigate Borough Council einsprang und die Mühle übernahm.

Clubhaus und Mühle bilden ein sehr ansprechendes Ensemble; ob die Golfer die Andachten auch aufsuchen, ist mir leider nicht bekannt.

Der Innenraum der Windmühlen-Kirche.    © Copyright Richard Rogerson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Innenraum der Windmühlen-Kirche.
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Das Clubhaus mit der Windmühle im Hintergrund.    © Copyright Peter Trimming and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Clubhaus mit der Windmühle im Hintergrund.
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Die Windmühle inmitten der Heidelandschaft bei Reigate.    © Copyright Ian Capper and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Windmühle inmitten der Heidelandschaft bei Reigate.
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Ausgestorbene Berufe, die heute keiner mehr ausüben würde

Gestern stellte ich in meinem Blog den Groom of the Stool am königlichen Hofe vor. Ich habe heute einmal einige Beispiele für Tätigkeiten zusammengestellt, die ebenfalls nicht allzu erfreulich waren und die heutzutage glücklicherweise keiner mehr ausüben muss:

– Ein Job, den nur Frühaufsteher verrichten konnten: Der Knocker-Upper. Als es noch keine Wecker gab, mussten die Menschen ja auch auf irgendeine Weise morgens aus den Federn kommen, um rechtzeitig auf der Arbeitsstelle zu erscheinen. Diese Aufgabe des Aufweckens übernahmen bis in die 1920er Jahre die Knocker-Uppers. Unter Zuhilfenahme eines Stockes klopften sie so lange an die Fenster der Leute, die sie beauftragt hatten, bis diese aufgewacht waren; erst dann gingen sie weiter und weckten den nächsten Kunden. Für diese Serviceleistung erhielten die Knocker-Upper dann einen meist geringen Lohn. Manchmal übernahmen Polizisten diese Aufgabe während ihrer Patrouillengänge, um damit ihr Gehalt etwas aufzubessern.

– Die Moon Cursers waren diejenigen, die in den Zeiten, als es nachts noch keine Straßenbeleuchtung gab, Menschen zu ihren Häusern führten. Mit einer Laterne in der Hand lieferten sie die, die ihre Dienste bestellt hatten, direkt vor der Haustür ab und erhielten dafür etwas Geld. Der Name „Moon Curser“ kommt daher, dass diese nächtlich arbeitenden Menschen den Mond verfluchten, wenn er schien, weil dadurch ihre Dienste überflüssig wurden und jeder den Weg nach Hause bei Mondschein selbst fand.

– Sehr unappetitliche Jobs waren die der Tosher, Mudlarks und Gong Farmer. Die Tosher bestritten ihren Lebensunterhalt damit, dass sie die Abwasserkanäle durchsuchten, in der Hoffnung, darin etwas Verwertbares zu finden. Ähnliches machten die Mudlarks am Themseufer; dort suchten sie im Schlamm des Flusses nach angeschwemmten „Schätzen“. (Heutige Mudlarks sind am Themseufer mit Metalldetektoren zu finden). Noch übler war das, was die Gong Farmer tun mussten: Sie entleerten die Latrinen in den Häusern und fuhren die menschlichen Exkremente an den Rand der Städte, wo sich jeder bedienen konnte, um seine Felder zu düngen. In London  gab es am Ufer der Themse Sammelstellen, von wo aus der stinkende Abfall aus der Stadt transportiert wurde. Dieser zwar gut bezahlte Job war so widerwärtig, dass er nur nachts zwischen 21 Uhr und 5 Uhr ausgeübt werden durfte. Viele der Gong Farmer bekamen gesundheitliche Probleme, da sie ständig den Faulgasen ausgesetzt waren.

Dog Whippers waren Männer, die im Auftrag der Kirche dafür zu sorgen hatten, dass die Gotteshäuser hundefrei blieben. Es kam immer wieder vor, dass Hunde ihren Herrchen zur Messe in die Kirche folgten und sich dort unangemessen verhielten, indem sie sich mit anderen Hunden zankten, Gottesdienstbesucher und Priester bissen oder das zum Abendmahl verwendete Brot auffraßen. Mit Peitschen bewaffnete Dog Whippers jagten diese vierbeinigen Ruhestörer aus den heiligen Hallen und wurden dafür entlohnt.

– Am königlichen Hofe im 16. und 17. Jahrhunderts gab es die Whipping Boys, die den jungen Prinzen zugeteilt wurden und Bestrafungen übernehmen mussten, die eigentlich ihren jungen Herren zugedacht waren. Da nur der König seinen Sohn strafen durfte, der aber häufig abwesend war, musste also ein Sündenbock her, der die Hiebe ertragen musste. Da die beiden Jungen aber gemeinsam aufwuchsen und sich oft sehr nahe standen, wirkte die Methode der Strafverschiebung meistens sehr gut und der junge Prinz benahm sich entsprechend. Gut, dass Prinz Harry in seiner Sturm- und Drangzeit keinen Whipping Boy hatte…

In diesem Film werden die Top Ten der unangenehmsten Jobs vorgestellt.

Published in: on 6. März 2015 at 02:00  Comments (1)  

Groom of the Stool – Ein Sch…job am königlichen Hofe

Eine royale Toilette aus dem Hampton Court Palace, mit der sich der Groom of the Stool täglich beschäftigen musste. This work has been released into the public domain.

Eine royale Toilette aus dem Hampton Court Palace, mit der sich der Groom of the Stool täglich beschäftigen musste.
This work has been released into the public domain.

Wenn früher ein König das stille Örtchen aufsuchte, dann tat der das, im Gegensatz zu allen anderen Bewohnern des Landes, nicht allein, sondern in Begleitung seines sogenannten Grooms of the Stool. Dieser Mann kümmerte sich um alles, was mit der „royalen Hygiene“ zu tun hatte, ein wahrer Sch…job also, der aber sehr begehrt war, denn die Grooms of the Stool standen den Herrschern im wahrsten Sinne des Wortes immer sehr nah und genossen stets ihr Vertrauen. Man fragt sich unwillkürlich, ob denn die Könige sich nicht selbst den Allerwertesten abwischen konnten. Intellektuell waren sie dazu doch sicher in der Lage, aber sie fanden es wohl bequemer, sich auch in dieser Beziehung helfen zu lassen. Während des königlichen Geschäfts plauderte der Herrscher mit seinem Groom gern über streng vertrauliche Angelegenheiten und als Mitwisser von Staatsgeheimnissen genoss der Mann am Hofe großes Ansehen. Der Job wurde gut bezahlt und der Amtsinhaber hatte das Recht, in allen königlichen Palästen zu wohnen; darüber hinaus durfte er die abgelegten Kleider des Souveräns haben. Nach und nach wurde der Aufgabenbereich des Grooms aber erweitert, denn so ganz füllten ihn die Toilettengänge seines Herrschers denn doch nicht aus.

Sir William Compton nahm die Position des Grooms of the Stool unter Heinrich VIII 17 Jahre lang ein. Er war ein enger Vertrauter des Monarchen, der auch noch viele andere (angenehmere) Aufgaben hatte, so war Compton u.a. Constable der Schlösser von Warwick, Gloucester und Sudeley. Sein Nachfolger war Sir Henry Norris, der die Funktion zehn Jahre lang ausübte, dann aber in Ungnade fiel und auf dem Tower Hill exekutiert wurde. Sir Thomas Heneage und Sir Anthony Denny dienten ebenfalls in dieser Position unter Heinrich VIII.

25 Jahre lang war Sir John Granville, der spätere erste Earl of Bath, unter Charles II Groom of the Stool. George III hatte in seiner Regentschaft neun offizielle „Toilettenangestellte“, die alle Earls, Dukes und Viscounts waren.

James Hamilton, der zweite Duke of Abercorn, war der letzte Groom of the Stool, von 1883 bis 1901 unter Albert Edward, dem Prince of Wales, der als Edward VII einen Schlussstrich zog und die Funktion abschaffte.

Die englische Band Scaramanga Six aus Huddersfield in West Yorkshire schrieben einmal einen Song, der den Titel „Groom of the Stool“ trägt, enthalten auf ihrem Album „Songs of Prey“.

James Hamilton, 2nd Duke of Abercorn, der letzte Groom of the Stool. This work is in the public domain.

James Hamilton, 2nd Duke of Abercorn, der letzte Groom of the Stool von 1883 bis 1901.
This work is in the public domain.

Published in: on 5. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Haunted Gallery im Hampton Court Palace

Die gruselige Galerie im Hampton Court Palace. With freindly permission of Natalie Grueninger.

Die gruselige Galerie im Hampton Court Palace.
With friendly permission of Natalie Grueninger.

„Most Haunted“ ist ein Begriff, der in England gern in Zusammenhang mit Kirchen, Pubs, Hotels, Burgen und Schlössern verwendet wird. In die Kategorie „Most haunted castles“ gehört auf jeden Fall Hampton Court Palace an der Peripherie Londons. Hier soll eine Grey Lady (Sybil Penn, die sich um die Kinder Heinrichs VIII gekümmert hatte) ihr Unwesen treiben, eine schemenhafte Gestalt, der man den Namen Skeletor gegeben hat und natürlich Catherine Howard, die fünfte Frau Heinrichs VIII. Sie ist vor allem mit der sogenannten Haunted Gallery im Schloss verbunden, in der immer wieder von merkwürdigen Erscheinungen und Geräuschen berichtet wird.

Nachdem Catherine Howard bei ihrem Mann wegen angeblichen Ehebruchs in Ungnade gefallen war, verbannte er sie in ihre Gemächer in Hampton Court. Ihr schwante schon sehr bald, was auf sie zukommen würde, und so entkam sie eines Tages ihren Bewachern, lief die Galerie entlang und hämmerte an die Tür, die zur Privatkapelle des Königs führte, in der er gerade einer Messe beiwohnte. Sie schrie und flehte um Gnade, doch ihre Häscher waren gleich zur Stelle und zerrten die Frau in ihre Gemächer zurück. Diese Szene soll sich viele Male in der Haunted Gallery wiederholt haben. Sowohl das Personal von Hampton Court als auch Besucher berichten immer wieder von geisterhaften Schreien, die in der Galerie widerhallen; manche fühlen sich in dem langen Gang unwohl, einige erleben einen Temperatursturz. An einem Abend im Jahr 1999 fielen zwei Besucherinnen in kurzem Abstand nacheinander in der Haunted Gallery in Ohnmacht, ohne dass man das erklären konnte. Kurze Zeit darauf versuchten Psychologen der Universität von Hertfordshire dem Spuk in der Galerie auf die Spur zu kommen, doch ohne nennenswerten Erfolg.

Zu bestimmten Zeiten werden abendliche Rundgänge durch das Schloss angeboten, bei denen man auf den Spuren der Palastgeister wandern kann und die ca zwei Stunden dauern. Ich kenne die Haunted Gallery (leider) nur bei Tage und da macht sie, wenn man im Besucherstrom mitschwimmt, keinen so geisterhaften Eindruck; das dürfte aber im Dunklen, wenn die Tore des Palastes geschlossen sind, ganz anders sein…

Dieser Film gibt einen Eindruck von der nächtlichen Atmosphäre des Hampton Court Palaces.

Hampton Court Palace.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 4. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Mapledurham in Oxfordshire

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Mapledurham Water Mill.
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Mapledurham im Süden Oxfordshires bietet alles, was das Herz eines Location Managers höher schlagen lässt: Eine idyllische Lage direkt an der Themse, ein Herrenhaus, eine hübsche Kirche und auch noch eine Wassermühle, und das alles Tür an Tür. Kein Wunder, dass hier schon mehrere Filme gedreht worden sind.

Zweimal war das Produktionteam von „Midsomer Murders“ in Mapledurham zu Gast. Im Jahr 2004 wurden hier mehrere Szenen für Episode 31 „The Fisher King“ (dt. „Grab des Grauens“) gedreht. In dieser etwas verwirrenden Geschichte wohnen Nathan Green (gespielt von Jim Carter, dem Butler aus „Downton Abbey“) und sein Sohn Harry in der Wassermühle. Der Oxford-Professor Dr. James Lavery wird hier ermordet und in einen durch die Mühle gefluteten Kanal geworfen.

Dann vergingen sechs Jahre bis die nächste Folge in Mapledurham gedreht wurde: Episode 83 „Dark Secrets“ (dt. „Mr. Bingham ist nicht zu sprechen“), in der DI John Barnabys Frau Sarah erstmals auftritt. Drei Tage lang war man in dem idyllischen Dorf zu Gast und drehte auch vor Mapledurham House, dem elisabethanischen Herrenhaus, das hier als Bingham House fungiert, in dem sich das ältere Ehepaar William und Mary Bingham regelrecht eingemauert hat.

Berühmtheit erlangte Mapledurham aber schon wesentlich früher durch den Film „The Eagle Has Landed“ (dt. „Der Adler ist gelandet“) aus dem Jahr 1976, in der Regie von John Sturges, in dem zahlreiche Stars mitwirkten wie Donald Sutherland, Michael Caine, Larry Hagman und Jenny Agutter. Über die damaligen Dreharbeiten wurde 2007  eine Dokumentation erstellt „The Eagle Has Landed Revisited: Invading Mapledurham„, in der die Auswirkungen der Filmarbeiten auf das Dorf und seine Bewohner gezeigt werden. So mussten alle Fernsehantennen von den Hausdächern verschwinden; dafür erhielten die Bewohner von Mapledurham Kabelanschluss. Auf dem Parkplatz vor der Kirche wurden Läden aufgebaut und ein Pub bei der Mühle errichtet. Das Geld, dass man von der Produktionsfirma erhielt, wurde in die Restaurierung der Wassermühle gesteckt, der einzigen aktiven an der Themse. Noch heute kommen Menschen aus aller Welt, die den Film gesehen haben, nach Mapledurham, die sonst nie hierher gefunden hätten. Hier ist der Trailer zu „The Eagle Has landed“.

Vor einigen Jahren, genauer gesagt 2010, war Miss Marple zu Gast in Mapledurham, in Person von Julia McKenzie als Hobbydetektivin in der Folge „The Blue Geranium„. Sowohl das Manor House als auch die Wassermühle sind in dieser Episode (hier) zu sehen.

Vielleicht kann sich noch jemand an das erste Album der Rockgruppe Black Sabbath erinnern, das am 13. Februar 1970 veröffentlicht wurde. Die Plattenhülle zeigt das leicht verfremdete Bild der Mapledurham Water Mill.

Mapledurham House.    © Copyright Pam Brophy and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mapledurham House.
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Mapledurham House un der Kirchhof von St Margaret.    © Copyright Stuart Logan and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mapledurham House und der Kirchhof von St Margaret.
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The Olympic Suite im White Swan Hotel in Alnwick (Northumberland) – Speisen wie an Bord eines Luxusliners

The White Swan Hotel in Alnwick (Northumberland).    © Copyright Graham Horn and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The White Swan Hotel in Alnwick (Northumberland).
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Wer gern einmal so speisen möchte wie man es auf den großen Luxuslinern Anfang des 20. Jahrhunderts tat, der sollte sich nach Alnwick in Northumberland begeben. Auf halbem Weg zwischen Newcastle-upon-Tyne und der schottischen Grenze liegt die Kleinstadt an der A1, die vor allem durch das Alnwick Castle (ich berichtete in meinem Blog darüber) bekannt ist. Mitten im Stadtzentrum liegt die 300 Jahre alte Kutschenstation The White Swan Hotel. Der berühmte Architekt Anthony Salvin, der Mitte des 19. Jahrhunderts gerade im Auftrag des Dukes of Northumberland Alnwick Castle umbaute, machte sich auch gleich an einen Umbau des White Swans, der sich noch heute über die sehr schöne Fassade aus dieser Zeit freuen kann.

Eine Besonderheit des Hotels ist sein eindrucksvolles Restaurant, das sich Olympic Suite nennt, benannt nach dem Schwesterschiff der Titanic, der RMS Olympic. 1911 startete das Schiff zu seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York, unter dem Kommando von Kapitän Edward John Smith, der im Jahr darauf an Bord der Titanic untergehen sollte. Nach einer vierjährigen Unterbrechung, während der die Olympic als Truppentransportschiff im Ersten Weltkrieg  diente, wurde das Schiff der White Star Line wieder im Transatlantikverkehr eingesetzt. Am 12. April 1935 beendete die Olympic im Hafen von Southampton ihre letzte und 257. Überquerung des Meeres und die Reederei stellte das Schiff  außer Dienst. Große Teile der Inneneinrichtung wurden auf Auktionen versteigert, und da kommt der damalige Besitzer des White Swan Hotels, Algernon Smart, ins Spiel, der am Interieur des Erste-Klasse-Salons interessiert war und die Holzvertäfelung, Teile der Freitreppe, Spiegel, Glasfenster und den Kamin ersteigerte. Smart war selbst mehrere Male an Bord des Schiffes gewesen und hatte den Luxus des Schiffes kennen und lieben gelernt. Da die Lounge in der Ersten Klasse identisch war mit der der Titanic gab das noch einen Extra-Kick. Die Drehtür, die einst zum Restaurant der First Class führte, wurde damals in den 1930er Jahren im Hoteleingang eingebaut und ist dort immer noch zu finden.

120 Gäste fasst die Olympic Suite des White Swans Hotels und wenn man hier diniert, fühlt man sich in die Tage der frühen Luxusliner zurückversetzt, ohne fürchten zu müssen, mit einem Eisberg zu kollidieren und unterzugehen.

Dieser Film zeigt weitere Details aus der Olympic Suite.

The White Swan Hotel
Bondgate
Alnwick
Northumberland NE66 1TD

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Die Olympic Suite. User: Soerfm. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International licence.

Die Olympic Suite.
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Published in: on 2. März 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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