Ausgestorbene Berufe, die heute keiner mehr ausüben würde

Gestern stellte ich in meinem Blog den Groom of the Stool am königlichen Hofe vor. Ich habe heute einmal einige Beispiele für Tätigkeiten zusammengestellt, die ebenfalls nicht allzu erfreulich waren und die heutzutage glücklicherweise keiner mehr ausüben muss:

– Ein Job, den nur Frühaufsteher verrichten konnten: Der Knocker-Upper. Als es noch keine Wecker gab, mussten die Menschen ja auch auf irgendeine Weise morgens aus den Federn kommen, um rechtzeitig auf der Arbeitsstelle zu erscheinen. Diese Aufgabe des Aufweckens übernahmen bis in die 1920er Jahre die Knocker-Uppers. Unter Zuhilfenahme eines Stockes klopften sie so lange an die Fenster der Leute, die sie beauftragt hatten, bis diese aufgewacht waren; erst dann gingen sie weiter und weckten den nächsten Kunden. Für diese Serviceleistung erhielten die Knocker-Upper dann einen meist geringen Lohn. Manchmal übernahmen Polizisten diese Aufgabe während ihrer Patrouillengänge, um damit ihr Gehalt etwas aufzubessern.

– Die Moon Cursers waren diejenigen, die in den Zeiten, als es nachts noch keine Straßenbeleuchtung gab, Menschen zu ihren Häusern führten. Mit einer Laterne in der Hand lieferten sie die, die ihre Dienste bestellt hatten, direkt vor der Haustür ab und erhielten dafür etwas Geld. Der Name „Moon Curser“ kommt daher, dass diese nächtlich arbeitenden Menschen den Mond verfluchten, wenn er schien, weil dadurch ihre Dienste überflüssig wurden und jeder den Weg nach Hause bei Mondschein selbst fand.

– Sehr unappetitliche Jobs waren die der Tosher, Mudlarks und Gong Farmer. Die Tosher bestritten ihren Lebensunterhalt damit, dass sie die Abwasserkanäle durchsuchten, in der Hoffnung, darin etwas Verwertbares zu finden. Ähnliches machten die Mudlarks am Themseufer; dort suchten sie im Schlamm des Flusses nach angeschwemmten „Schätzen“. (Heutige Mudlarks sind am Themseufer mit Metalldetektoren zu finden). Noch übler war das, was die Gong Farmer tun mussten: Sie entleerten die Latrinen in den Häusern und fuhren die menschlichen Exkremente an den Rand der Städte, wo sich jeder bedienen konnte, um seine Felder zu düngen. In London  gab es am Ufer der Themse Sammelstellen, von wo aus der stinkende Abfall aus der Stadt transportiert wurde. Dieser zwar gut bezahlte Job war so widerwärtig, dass er nur nachts zwischen 21 Uhr und 5 Uhr ausgeübt werden durfte. Viele der Gong Farmer bekamen gesundheitliche Probleme, da sie ständig den Faulgasen ausgesetzt waren.

Dog Whippers waren Männer, die im Auftrag der Kirche dafür zu sorgen hatten, dass die Gotteshäuser hundefrei blieben. Es kam immer wieder vor, dass Hunde ihren Herrchen zur Messe in die Kirche folgten und sich dort unangemessen verhielten, indem sie sich mit anderen Hunden zankten, Gottesdienstbesucher und Priester bissen oder das zum Abendmahl verwendete Brot auffraßen. Mit Peitschen bewaffnete Dog Whippers jagten diese vierbeinigen Ruhestörer aus den heiligen Hallen und wurden dafür entlohnt.

– Am königlichen Hofe im 16. und 17. Jahrhunderts gab es die Whipping Boys, die den jungen Prinzen zugeteilt wurden und Bestrafungen übernehmen mussten, die eigentlich ihren jungen Herren zugedacht waren. Da nur der König seinen Sohn strafen durfte, der aber häufig abwesend war, musste also ein Sündenbock her, der die Hiebe ertragen musste. Da die beiden Jungen aber gemeinsam aufwuchsen und sich oft sehr nahe standen, wirkte die Methode der Strafverschiebung meistens sehr gut und der junge Prinz benahm sich entsprechend. Gut, dass Prinz Harry in seiner Sturm- und Drangzeit keinen Whipping Boy hatte…

In diesem Film werden die Top Ten der unangenehmsten Jobs vorgestellt.

Published in: on 6. März 2015 at 02:00  Comments (1)  

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  1. Ich glaube die Gong Farmer gibt es heute noch in China. Während eines Urlaubs in Beijing sah ich Männer auf Fahrrädern, die aufgeschnittene Oeltonnen durch die Gegend fuhren. Nach Erklärung der Reiseleitung handelte es sich hierbei um Leute die bei Häusern, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind, die ’stillen Örtchen‘ entleeren. Wo sie die Ladung hinfuhren ist mir nicht bekannt, aber es hing immer ein gewisses ‚Lüftchen‘ in der Luft.


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