Die Londoner Tower Bridge und ein unplanmäßiger Aufenthalt für US-Präsident Bill Clinton

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Es war im Mai 1997 als der damalige US-Präsident Bill Clinton Tony Blair in London besuchte. Beide hatten sich in einem Restaurant am südlichen Ufer der Themse zum Essen verabredet, im Le Pont de la Tour, dessen Küche französisch-englisch inspiriert ist und das über separate Speisezimmer verfügt, also ideal für derartige Treffen. Natürlich gab es an diesem Tage auch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen, d.h. Bill Clintons und Tony Blairs Sicherheitsleute und Scotland Yard hielten sich im Bereich des Restaurants auf. Nachdem die beiden Staatsmänner ihr Essen beendet hatten, stiegen sie in ihre jeweiligen Fahrzeuge und die Konvois fuhren los. Nach wenigen Metern bogen sie rechts ab, um die Tower Bridge zu überqueren. Ein Teil der Konvois, inklusive des Sicherheitspersonals von Bill Clinton, erreichten die Nordseite der Brücke, ihr Boss jedoch nicht, denn der saß auf der anderen Seite fest, weil just in dem Moment die Klappbrücke hochgezogen wurde, um ein Schiff hindurchzulassen. Die „Gladys“ hatte sich, wie erforderlich, 24 Stunden vorher für die Durchfahrt angemeldet, und so betätigte der zuständige Brückenwärter die Motoren, die die beiden Klappen hochzogen. Schon nach kurzer Zeit meldete sich Scotland Yard, die die sofortige Absenkung der Klappbrücke forderten und auf das Sicherheitsrisiko des Präsidenten hinwiesen. Doch der Brückenwärter ging darauf nicht ein und und ließ erst „Gladys“ durch und dann Bill Clinton. Er berief sich dabei auf ein Gesetz, das besagt, dass der Schiffsverkehr Vorrang vor dem Straßenverkehr hat, und so musste der mächtigste Mann der Welt in seinem Auto so lange warten, bis das Boot die Tower Bridge passiert hatte und die Klappbrücke wieder für den Verkehr freigegeben war.

Es dauert übrigens etwa fünf Minuten, die „bascules“, wie die beiden Klappbrückenhälften heißen, hochzuziehen, was rund eintausendmal pro Jahr passiert. Ich habe es noch nie erlebt, obwohl ich mehrfach in einem Hotel direkt an der Tower Bridge gewohnt habe.

1952 kam es zu einem Zwischenfall, der ebenfalls mit dem Hochziehen der Brücke zu tun hatte. Der Brückenwärter betätigte den Liftmechanismus in dem Augenblick, als noch ein Doppeldeckerbus darauf war. Der Bus der Linie 78 wurde von Albert Gunton gesteuert und der war so geistesgegenwärtig, dass er sein Gefährt beschleunigte und so über den schon einen Meter breiten Spalt „hinwegsprang“. Für die mutige Tat wurde der Fahrer von seinem Arbeitgeber mit £10 belohnt.

Published in: on 21. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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  1. Wer sich für die künstlerische Darstellung dieser legendären Brücke interessiert, dem sei die derzeit in der Guildhall Art Gallery noch bis zum 26. April laufende Ausstellung „Tower Bridge: A Celebration of 120 Years, 1894-2014“ wärmstens empfohlen. Die Ausstellung zeigt Gemälde, Archivmaterial und Ephemera, die sich seit der Eröffnung dieser Londoner Ikone im Jahre 1894 angesammelt haben. Sie soll übrigens nach dem Parlamentsgebäude das am meisten abgebildete viktorianische Bauwerk sein.


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