Agatha Christie und das Kirchenfenster von St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon)

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).    © Copyright Dave Kelly and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary the Virgin in Churston Ferrers (Devon).
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Am 15. September diesen Jahres feiern wir den 125. Geburstag von Agatha Christie, einer der außergewöhnlichsten Kriminalromanautorinnen der 20. Jahrhunderts. In ihrer Geburtsstadt Torquay in Devon wird vom 11. bis zum 19. September  das International Agatha Christie Festival veranstaltet, zu dem wieder Besucher aus nah und fern erwartet werden, die der Autorin ihre Ehre erweisen wollen.

Ganz in der Nähe von Torquay liegt Agatha Christies Landsitz Greenway, den ich im letzten Herbst besuchte und über den ich in meinem Blog berichtete. Immer wenn sie hier zu Besuch war, suchte sie sonntags die Kirche St Mary the Virgin in Churston Ferrers auf, die sie mit dem Auto in wenigen Minuten erreichen konnte. Mrs. Christie war eine gläubige Frau und nahm Anteil am Gemeindeleben. Sie mochte die Kirche, doch missfiel ihr das Fenster an der Ostseite, das war ihr zu einfach und zu langweilig. So sollte ein neues her, das sie aus eigener Tasche finanzieren wollte. Zu diesem Zweck schrieb sie die Geschichte „The Greenshore Folly“ (mit Hercule Poirot), deren Erlös durch die Abdrucksrechte in Zeitungen der Kirche zur Verfügung gestellt werden sollte (viele ihrer Werke erschienen zuerst als Serie in Zeitungen oder Zeitschriften und erst dann in Buchform). Doch leider klappte das nicht, denn „The Greenshore Folly“ war weder ein richtiger Roman noch eine Kurzgeschichte, und der Umfang der „novella“ eignete sich nicht für eine Veröffentlichung in einer Zeitschrift. Jetzt musste Agatha Christie sich etwas Neues einfallen lassen, was sie auch sofort tat: Eigentlich mochte sie ja „The Greenshore Folly“, und so entschied sie sich, daraus einen richtigen Roman zu gestalten, der dann unter dem Titel „Dead Man’s Folly“ (dt. „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“) erschien. Für ihre Kirchenfensteraktion schrieb sie eine neue Kurzgeschichte, die den sehr ähnlichen Titel „Greenshaw’s Folly“ (dt. „Greenshaws Monstrum“) erhielt, in der statt Hercule Poirot Miss Marple agierte. Die Daily Mail druckte diese Geschichte im Dezember 1956 ab. In Buchform erschien sie 1960 in dem Sammelband „The Adventure of the Christmas Pudding„. Die deutsche Übersetzung findet sich in dem Sammelband „Der Unfall und andere Fälle„, der 1964 im Scherz-Verlag erschien.

St Mary the Virgin erhielt also doch das versprochene Geld für das neue Buntglasfenster, das Agatha Christie mithalf zu gestalten. Als Künstler wurde James Patterson (1916-1986) aus Bideford in Devon engagiert, der Jesus als guten Hirten in den Mittelpunkt des Fensters stellte. Patterson verwendete auf Wunsch von Agatha Christie auch grüne und malvenfarbige Elemente, Farben, die sie besonders mochte.

Die Krimiautorin wollte nicht, dass ihr Name als Spenderin des Fensters in der Kirche auftauchte, doch nach ihrem Tod ließ ihre Tochter Rosalind doch eine Plakette anbringen, auf der steht, dass A.C. Mallowan das Fenster „to the glory of God“ spendete.

Die Novelle „The Greenshore Folly“ erschien übrigens vor kurzem erstmals in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Das Geheimnis von Greenshore Garden: Ein Fall für Hercule Poirot“ in einer liebevoll gestalteten Ausgabe im Atlantik-Verlag.

Church of St Mary the Virgin
Green Lane
Churston Ferrers
Brixham
Devon TQ5 OJG

Greenways in Devon, Agatha Christie Landsitz. Eigenes Foto.

Greenway in Devon, Agatha Christie Landsitz.
Eigenes Foto.

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 30. März 2015 at 02:00  Comments (1)  
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  1. […] regelmäßig den Gottesdienst in der Kirche St Mary the Virgin in Churston (ich berichtete in meinem Blog über ein Kirchenfenster dort). Nur kurz geht Macaskill auf Winterbrook House in Wallingford […]


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