Die Hobbydetektivin Agatha Raisin und das Bilderbuchdorf Biddestone in Wiltshire

Foto einige meiner Agatha Raisin-Bücher.

Foto von einigen meiner Agatha Raisin-Bücher.

Agatha Raisin ist eine Hobbydetektivin, die schon in 25 Mordfällen ihre Fähigkeiten beweisen konnte. Die 1936 in Glasgow geborene Schriftstellerin Marion Chesney, die man besser unter ihrem Pseudonym M.C. Beaton kennt, hat sich diese Figur ausgedacht, die 1992 erstmals in der Welt der Kriminalliteratur auftauchte.
Die PR-Beraterin Agatha Raisin hat ihre Londoner Firma verkauft und sich in den idyllischen Cotswolds ein Cottage  gekauft, in dem die 53-Jährige ein ruhiges Leben führen möchte. Doch wie das in England so ist, die Idylle täuscht (wie wir es aus den Inspector Barnaby-Filmen kennen), und so wird die resolute Dame in dem Bilderbuchdorf Carsley schnell mit der Realität konfrontiert. Kaum ist sie in ihr Cottage eingezogen, gerät sie selbst unter Mordverdacht, als bei einem Backwettbewerb in ihrer eingereichten Quiche Gift gefunden wird und einer der Preisrichter stirbt.

Agatha Raisin and the Quiche of Death“ heißt der erste Band der Serie, der 1992 veröffentlicht wurde und 2013 unter dem Titel „Agatha Raisin und der tote Richter“ in deutscher Übersetzung im Bastei-Lübbe-Verlag erschien. Erst im letzten Jahr kam man auf die Idee, den Stoff zu verfilmen und so strahlte Sky 1 zu Weihnachten 2014 den ersten Agatha Raisin-Film aus; vielleicht wird daraus ja eine Serie?

Die Location Scouts der Produktionsfirma schwärmten aus und wurden in dem „chocolate box“-Dorf Biddestone in Wiltshire fündig, das als Carsley dienen sollte. Im September 2014 fanden hier die Dreharbeiten statt, was für die Bewohner zu Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit führte, die sie aber geduldig hinnahmen. Biddestone eignet sich aber auch ideal als Hintergrund für den Film; zu sehen ist viel von dem Dorf wie das Village Green mit seinen hübschen Cottages, der Ententeich und das Dorfgasthaus The White Horse.
Die Rolle der Agatha Raisin wird von Ashley Jensen gespielt, die vielleicht einige aus der TV-Serie „Alles Betty“ kennen, die von ORF, Sat1 und sixx gesendet wurde. Andy Cummings Brown personifiziert der Schauspieler Robert Bathurst, dessen Gesicht man aus „Downton Abbey“ kennt, wo er Sir Anthony Strallan spielte, den Liebhaber von Lady Edith.

Biddestone ist nicht so bekannt wie das nahe gelegene Castle Combe, das zu den meist fotografierten Dörfern Englands gehört. Dorfladen und Schule haben leider schon seit langem ihre Pforten geschlossen, dafür gibt es aber noch zwei Pubs, die hoffentlich am Leben bleiben werden, das bereits erwähnte White Horse und The Biddestone Arms.

Die DVD „Agatha Raisin and the Quiche of Death“ ist übrigens schon erhältlich. Hier ist der Trailer zum Film und hier werden die Hauptdarsteller vorgestellt.

Für die Bewohner von Biddestone waren die Filmarbeiten nichts Neues, denn ein Jahr zuvor wurde hier „The Christmas Candle“ gedreht, in dem der Ort als Gladbury fungierte und in dem u.a. Samantha Barks, Hans Matheson und Susan Boyle mitspielten; letztere, die in der Casting Show „Britain’s Got Talent“ als Sängerin entdeckt wurde, gab hier ihr Filmdebüt.

Das Village Green von Biddestone.    © Copyright Doug Lee and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Green von Biddestone.
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Der Ententeich am Village Green.    © Copyright Stuart Logan and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Ententeich am Village Green.
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The White Horse.    © Copyright Miss Steel and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The White Horse am The Green.
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Foto meiner DVD.

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Das Perkins Mausoleum in den Priory Gardens in Christchurch (Dorset) oder Die Dame, die Angst hatte, lebendig begraben zu werden

Das Mausoleum in den Priory Gardens von Christchurch. This work is released into the public domain.

Das Mausoleum in den Priory Gardens von Christchurch.
This work is released into the public domain.

Über meinen Besuch in der südenglischen Küstenstadt Christchurch in Dorset habe ich vor einiger Zeit in meinem Blog berichtet. Einen Spaziergang durch die Priory Gardens und auf dem Town Quay dort kann ich sehr empfehlen. Hier trifft man auf ein Gebäude, das sich bei näherem Hinsehen als ein Mausoleum entpuppt, in dem allerdings niemand mehr „wohnt“.

Die einstige Bewohnerin dieses Gebäudes war eine Mrs. Perkins, die am 16. Juni 1783 starb und vor ihrem Tod genaue Anweisungen hinterließ, wie sie bestattet werden wollte. Die Dame hatte furchtbare Angst, einmal lebendig beerdigt zu werden und dann plötzlich in einem verschlossenen Sarg aufzuwachen, aus dem sie nicht mehr herauskommen konnte. Also sollte Folgendes passieren:
1. Ihr Mausoleum wird ganz in der Nähe des Eingangs zu einer Schule errichtet, die sich damals auf dem Gelände der Priory Church befand. Sollte sie tatsächlich in ihrem Sarg aufwachen, würden die Schuljungen ihre Schreie hören und dafür sorgen, dass man sie befreite.
2. Der Sargdeckel wird so gestaltet, dass man ihn von innen hochdrücken kann.
3. Das Mausoleum erhält ein Schloss, das man nur von innen öffnen kann.

Nachdem Mrs. Perkins gestorben war, geschah…nichts. Die Vorsichtsmaßnahmen hätte man sich sparen können, denn sie war „richtig“ tot. Als Mr Perkins, ein ehemaliger General, 1803 ebenfalls das Zeitliche segnete, entschied die Familie, seine Frau aus dem Mausoleum herauszunehmen und in die Familiengruft nach Winkton zu überführen, einige Kilometer nördlich von Christchurch.

Da nun das Mausoleum leer stand, wollte man es an dieser Stelle nicht mehr haben und verpflanzte es in die Priory Gardens, wo es noch heute zu sehen ist.

Plakette am Mausoleum. Author: Ell Brown. Creative Commons 2.0.

Plakette am Mausoleum.
Author: Ell Brown.
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„Lord Leicester aus Manchester“ – Ein deutscher Schlager aus den 1960er Jahren und sein Wahrheitsgehalt

Holkham Hall, der Landsitz des richtigen Lord Leicesters.   © Copyright G Laird and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Holkham Hall, der Landsitz des richtigen Lord Leicesters.
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1967 trällerte eine deutsche Sängerin namens Manuela einen Schlager, der es bis in die Hitparaden schaffte und der „Lord Leicester aus Manchester“ hieß. Es kursieren auch ziemlich abartige Schreibweisen von dem Mann aus Manchester  wie „Lord Lester“ oder sogar „Lord Läster“; da laufen einem schon einmal kalte Schauer den Rücken hinunter. Christian Bruhn und Georg Buschor waren für Melodie und Text verantwortlich. Klopfen wir doch einmal den Text auf den Realitätsgehalt ab. Aber hier ist erst einmal das Video zu dem Schlager.

Also, die Großstadt Manchester ist nicht gerade als Hotspot für Männer aus dem Adel Englands bekannt, und so liegt natürlich die Vermutung nahe, dass man des Reimes wegen auf die Stadt zurückgegriffen hat.
Im Text heißt es dann:
ich stand vor uns’rem Haus in meinem neuen Minikleid“ als der mysteriöse Lord vorbeifuhr (in seinem Rolls Royce oder Bentley? Auf die Automarke ging der Texter des Liedes leider nicht ein) und sie zu sich in den Fond seines Wagens einlud. Das ist schon wesentlich realistischer! Manuela war dafür bekannt, dass sie gern in kurzen Minikleidchen oder in Hotpants auftrat und da sie auch noch hübsch anzusehen war, kann ich mir gut vorstellen, dass der Lord seinen Chauffeur in die Bremse treten ließ, um die junge Dame an Bord zu nehmen (hätte der Lord eher auf junge Männer gestanden, wäre er sicher vorbeigefahren, ohne dem Mädchen oder dem Minrock auch nur einen Blick zuzuwerfen).

Nachdem nun die sexuellen Vorlieben des Lords geklärt sind, und er sich bei näherem Betrachten als „Playboy in den Jahren, dazu mit falschen Haaren“ herausgestellt hat (woraufhin Manuela sofort das Interesse an ihm verliert), fragen wir uns, ob es denn überhaupt jemals einen Lord Leicester (die anderen Schreibweisen haben wir schon längst in die Mültonne geworfen) gegeben hat.
Ja, gab es! Als der Schlager 1967 das Licht der Welt erblickte, gab es einen Edward Douglas Coke, 7th Earl of Leicester; dieser Lord Leicester wurde 1936 geboren, war also damals gerade 31 Jahre alt, was ebenfalls nicht zu dem alternden Schlager-Playboy passt. Das Komponisten-Texter-Gespann hatte damals also nicht richtig recherchiert (wenn überhaupt!).

Der besagte siebte Earl of Leicester ist übrigens vor wenigen Tagen im Alter von 78 Jahren gestorben. Er, wie auch seine Vorgänger, wohnten auf dem Familiensitz Holkham Hall in Norfolk, ein prachtvolles, im palladianischen Stil gebauter Landsitz, der im Sommerhalbjahr (bis zum 31. Oktober) jeweils sonntags, montags und donnerstags von 12 Uhr bis 16 Uhr zu besichtigen ist.

Lord Leicester war eine Zeit lang Präsident der Historic Houses Association und erhielt 2005 den Order of the British Empire für seine Verdienste um die Erhaltung britischer Kulturgüter.

Fazit: Unser Lord von Holkham Hall hat mit dem auf Minikleidchen stehenden Namensvetter aus Manchester absolut nichts zu tun.

Manuela, die eigentlich Doris Inge Wegener hieß, starb bereits im Alter von 57 Jahren am 13. Februar 2001.

Published in: on 28. April 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Melcombe Regis (Dorset) – Von hier aus verbreitete sich 1348 die Pest über ganz England

Erinnerungsplakette am Hafen von Weymouth. Author: Elliott Brown. Creative Commons 2.0

Erinnerungsplakette am Hafen von Weymouth.
Author: Elliott Brown.
Creative Commons 2.0

Es geschah an einem Julitag des Jahres 1348, als der Passagier eines Segelschiffes, das im Hafen von Melcombe Regis an der Küste von Dorset festmachte, die Pest ins Land brachte. Vielleicht war es auch ein Matrose oder ein Soldat, auf jeden Fall wurde die hochansteckende Krankheit vom europäischen Kontinent eingeschleppt. Die Bevölkerung des Hafenstädtchens wurde als erstes von der Pest befallen, die sich schnell über das ganze Land verbreitete und schließlich 30% bis 50%  der Einwohner  Englands dahinraffte.

Melcombe Regis war im 14. Jahrhundert ein betriebsamer Hafen mit einem regen Schiffsverkehr nach Frankreich. Seit 1974 ist der Ort ein Teil von Weymouth geworden. Damals waren sich Weymouth und Melcombe Regis, die sich gegenüber lagen, spinnefeind. 1322 wurde ein Schiff, das den Hafen von Melcombe Regis vollbeladen verlassen hatte, von Männern aus Weymouth sogar gekapert und ausgeraubt. Der Ausbruch der Pest verbesserte die Beziehungen zwischen den beiden Hafenstädten auch nicht gerade, aber als dann die Menschen scharenweise starben, spielte der Zwist bald keine Rolle mehr. Die Bewohner flohen vor der Krankheit ins Inland und verbreiteten dadurch die Pest noch weiter. Die vorgelagerte Isle of Portland war besonders schwer betroffen und mit ihr die Steinbrüche, weil dort niemand mehr den begehrten Portland Stone abbaute.

Heute erinnert nur noch eine Plakette an jenen folgenschweren Tag im Jahr 1348, als die Pest die Insel erreichte. Sie ist am Custom House Quay in Weymouth zu finden, an der Außenwand von Vaughn’s Restaurant.

Hier ist ein Film über The Black Death.

Der Hafen von Weymouth. Die rechte Seite gehörte früher zu Melcombe Regis.    © Copyright Nigel Mykura and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Hafen von Weymouth. Die rechte Seite gehörte früher zu Melcombe Regis.
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Published in: on 27. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ximenes, Kreuzworträtsel und Inspector Morse

Hier am Christ's Hospital in Horsham lehrte 35 Jahre lang. Author: Sergiu.panaite. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Hier am Christ’s Hospital in Horsham lehrte Derrick Somerset Macnutt 35 Jahre lang.
Author: Sergiu.panaite.
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Einer meiner absoluten Lieblings-Krimiautoren ist Colin Dexter, der den unvergesslichen Inspector Morse und seinen „sidekick“ Detective Sergeant Lewis schuf. Morse, der seinen Vornamen Endeavour nie anderen verraten wollte, hatte neben klassischer Musik (vor allem Richard Wagner) und Bier noch eine weitere Leidenschaft: Kreuzworträtsel. Nicht die Wald und Wiesen-Rätsel wie man sie in jeder Zeitung und Illustrierten antrifft, sondern die kryptischen, schwer zu knackenden Exemplare, deren Schöpfer in der Gemeinde der Rater oft einen legendären Ruf besitzen.

Colin Dexter ist selbst ein großer Fan von „crossword puzzles“, und so benannte er seine beiden Krimi-Helden nach besonders cleveren Ratern wie Sir Jeremy Morse, einstiger Direktor der Bank von England und Vorsitzender der Lloyds-Versicherungen, und einer Mrs. B. Lewis, die in Wirklichkeit Dorothy Taylor hieß und für den „Observer“ arbeitete.

Einer der großen Observer-Rätselmacher war ein gewisser Ximenes, der sich bis zu seinem Tod im Jahre 1971 1200 kryptische Kreuzworträtsel ausdachte. Er trat die Nachfolge von Edward Powys Mathers an, der ab 1926 für die Rätsel der Tageszeitung zuständig war und unter dem Namen Torquemada arbeitete. Ximenes hieß im wirklichen Leben Derrick Somerset Macnutt (1902 – 1972). Er studierte am Marlborough College und am Jesus College in Cambridge und lehrte 35 Jahre lang am Christ’s Hospital in Horsham in West Sussex.

Ximenes hatte eine berühmte Anhängerschaft, die z.B. aus dem Schriftsteller P.G. Wodehouse und den Komponisten Leonard Bernstein und Stephen Sondheim bestand. Zu Jubiläums-Kreuzworträtseln wie dem 500. oder dem 1000. kamen Fans aus dem ganzen Königreich zu einem Abendessen zusammen und feierten ihren Meister.

Nach Ximenes‘ Tod übernahm Jonathan Crowther  die Gestaltung der Kreuzworträtsel, der unter dem Namen Azed arbeitet.

Hier ist ein Beispiel für so ein kryptisches Rätsel aus dem Observer.

Das Buch zum Artikel:
Edward Powys Mathers: Ximenes on the Art of the Crossword. Swallowtail Books 2001. 175 Seiten. ISBN 978-1903400043.

 

Published in: on 26. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Kleiderordnung in der Royal Enclosure beim Royal Ascot Pferderennen

Die Pferderennbahn von Ascot ist nicht weit vom Windsor Castle entfernt und so kommen Mitglieder der königlichen Familie wie die Queen oder Prince Charles gern mit einer Pferdekutsche zum Rennen. Das prestigeträchtige Royal Ascot findet in diesem Jahr vom 16. bis zum 20. Juni statt und da sind Preisgelder von über £5,5 Millionen zu gewinnen. Kein Wunder, dass in diesen Tagen wieder die besten Pferde aus aller Welt an den Start gehen.

Die Royals beobachten das Geschehen auf der Rennbahn natürlich von der Royal Enclosure aus, der Tribüne, die nur für ganz ausgewählte Personen zugänglich ist. Um dort hineinzugelangen, muss man beim Royal Enclosure Office einen Antrag stellen und von jemandem empfohlen werden, der mindestens schon viermal offizieller Gast in dieser exklusiven Hochsicherheitszone war. Sollte man diese Hürde, um in der Pferderennsprache zu bleiben, tatsächlich genommen haben, dann muss man als nächstes besonderes Augenmerk auf seine Kleidung legen, um nicht doch noch am Eingang zur Royal Enclosure abgewiesen zu werden.

Miniröcke, Kleider mit Spaghettiträgern oder gar nabelfreie Kleidungsstücke sind absolute Tabus für die Damenwelt; damit kommt man nicht auf die königliche Tribüne. Vorgeschrieben sind stattdessen Kleider und Röcke, die ein kleines Stückchen über dem Knie enden dürfen, aber gern auch länger sein können. Hosenanzüge sind okay, müssen aber farblich und vom Material her aufeinander abgestimmt sein. Hüte sind natürlich unerlässlich; allerdings sind sogenannte „headpieces“ mit einem Mindestdurchmesser von zehn Zentimetern auch akzeptabel.

Nachdem nun die Dame entsprechend ausstaffiert ist und Einlass in die Royal Enclosure findet, was wird jetzt von ihrem männlichen Begleiter erwartet? Auf jeden Fall ein „morning dress“; das ist natürlich kein Bademantel, sondern ein Cutaway, eine Art Gehrock, entweder in Schwarz oder in Grau, zu dem eine Weste, schwarze Schuhe und ein Zylinder getragen wird. Der Zylinder muss „normal“ sein, d.h. man darf ihn nicht mit irgendwelchen Bändchen oder anderen Verzierungen versehen. Absetzen darf man den „top hat“ nur in bestimmten Bereichen wie z.B. in den Restaurants oder in den Privatlogen.

Sollte man sogar seine Kinder mitbringen dürfen, dann gilt auch für den Nachwuchs eine Kleiderordnung. Empfohlen wird für Mädchen ein Sommerkleidchen. Hüte oder „headpieces“ können, müssen aber nicht sein. Die jungen Herren sollten sich nach der Kleidung ihrer Väter richten, haben dafür aber das Glück, keine Hüte tragen zu müssen.

So ausgestattet, kann man sich in das Pferderennvergnügen stürzen oder sich vielleicht lieber an Champagner und erlesenen Speisen ergötzen.

Hier kann man sich die Kleiderordnung noch einmal im Film ansehen.

The Royal Enclosure in Ascot. Author: troxx. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

The Royal Enclosure in Ascot.
Author: troxx.
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Published in: on 25. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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200 Jahre Schlacht von Waterloo und wie England das historische Ereignis feiert

Die Schlacht von Waterllo. Gemälde von William Sadler II. This work is in the public domain.

Die Schlacht von Waterloo. Gemälde von William Sadler II.
This work is in the public domain.

Am 18. Juni ist der 200. Jahrestag der Schlacht von Waterloo, als Napoleon Bonapartes Truppen gegen die geballte Macht der Preußen und Briten unter Feldmarschall Blücher respektive Feldmarschall Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington unterlagen. Der Herzog von Wellington hatte außer seiner militärischen auch eine politische Karriere, die darin gipfelte, dass er von 1828 bis 1830 Premierminister wurde.

Aus Anlass des Jahrestages der Schlacht von Waterloo finden in diesem Jahr überall im Vereinigten Königreich zahllose Veranstaltungen statt, bei denen die Person des siegreichen Herzogs natürlich immer wieder im Mittelpunkt steht.
Ich habe hier einmal einige dieser Veranstaltungen willkürlich herausgegriffen:

– Im Windsor Castle ist unter dem Titel „Waterloo at Windsor: 1815-2015“ ein „trail“ zusammengestellt worden, der durch die State Appartments der Burg führt, wobei Gemälde, Drucke, Archivmaterial und Gegenstände zur Schau gestellt werden, die seinerzeit auf dem Schlachtfeld gefunden worden sind wie Waffen und der rote Mantel, den Napoleon damals getragen hatte. Bis zum Ende des Jahres kann man sich diese Schau ansehen. Eintritt: £18.50.

– Die Londoner City of Westminster Guides Association bietet bis zum 20. Juni einen „Waterloo Commemorative Walk“ an, der an Gebäuden und Monumenten entlangführt, die mit dem Herzog von Wellington in Verbindung stehen. Jeden Samstagmorgen um 11 Uhr startet die Tour am Trafalgar Square. Kosten: £10.

– In der Special Collections Gallery der Universität von Southampton findet derzeit eine Ausstellung statt, die den Titel trägt „Wellington and Waterloo: The tale is in every Englishman’s mouth„. Hier werden Gegenstände des Wellington Archivs der Universität präsentiert. Die Ausstellung ist bis zum 19. Juni und danach wieder vom 13. bis zum 24. Juli geöffnet. Der Eintritt ist frei.

– Vom 26. bis zum 29. Mai findet im Walmer Castle in Kent ein „Wellington Boot Camp“ statt, in dem u.a. ein Kids Battle of Waterloo ausgetragen wird. Eintritt: £9.50.

– Am 5. Juni wird in der Londoner Royal Albert Hall musikalisch an die Schlacht von Waterloo gedacht. Sir Tony Robinson präsentiert Musikstücke wie Beethovens „Wellington’s Victory with live Musket Fire“, Schuberts „March Militaire“ und Suppés „Light Cavalry Overture“, gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Gareth Hancock.

– Auch im Shrewsbury Castle in Shropshire gibt es eine musikalische Veranstaltung zu Ehren der Schlacht von Waterloo: „Concert in the Castle„. Militärbands spielen am 13. Juni auf, darunter die Waterloo Band of 7th Battalion und The Band of Shropshire Air Training Corps. Der Eintritt kostet £15.

– In North Yorkshire begeht man den Jahrestag kulinarisch. Das „Yorkshire Waterloo 200 Dinner“ findet am 6. Juni in Leyburn statt. Erst gibt es einen Champagnerempfang, dann ein dreigängiges Menü, bei dem natürlich Beef Wellington gereicht wird. Eintritt: £75.

Ich könnte die Liste dieser „Waterloo Events“ noch lange weiterführen, aber das sollte eigentlich genügen. Ich wollte damit nur aufzeigen, welchen Stellenwert der Jahrestag im Vereinigten Königreich hat.

Published in: on 24. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Catmando (1995-2002) – Die Katze, die 3 Jahre lang einer Partei vorstand

Alan "Howling Laud" Hope, Besitzer von Catmando und Parteichef.. Author: Acabashi. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Alan „Howling Laud“ Hope, Besitzer von Catmando und Parteichef..
Author: Acabashi.
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Eine Katze an der Spitze einer politischen Partei? Gab es tatsächlich? Wo? Natürlich in England, wo sonst? Catmando hieß sie oder Catmando oder auch Cat Mandu. Sie stand gemeinsam mit ihrem Besitzer (Herrchen sagt man bei Katzen wohl nicht), Alan „Howling Laud“ Hope von 1999 bis 2002 an der Spitze der Official Monster Raving Loony Party, bis sie bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Von da ab stand Alan Hope allein der Partei vor. Auf Grund des tragischen Tods der Katze war eine der Hauptforderungen der Loony Party, an allen verkehrsreichen Straßen des Landes spezielle Zebrastreifen für Katzen anzulegen.

Nachdem der Parteigründer Screaming Lord Sutch 1999 Selbstmord begangen hatte, übernahmen Howling Laud und Catmando die Partei und hatten bei den General Elections, wie schon der „schreiende Lord“, nicht den ganz großen Erfolg. Am besten schnitt die Official Monster Raving Loony Party bisher bei den Wahlen 1992 ab, da erhielt sie 0,1% der Stimmen, gegenüber sonst immer nur bescheidenen 0,0%.

Das erste Partei-Hauptquartier nach der Übernahme von Lord Sutch war The Dog & Partridge, ein Pub in Yateley (Hampshire). Davor war es The Golden Lion in Ashburton (Devon) gewesen, wo Hope einmal eine Zeit lang als Bürgermeister fungierte.

Die Kandidaten für die diesjährigen Parlamentswahlen sind neben Alan „Howling Laud“ Hope u.a. Baron Von Thunderclap, Mad Max Bobetsky, Nick the Flying Brick und Baron Barnes Von Claptrap.

Kommen wir noch einmal zu Catmando zurück. Der Name der Katze erinnert natürlich an die Hauptstadt Nepals, Kathmandu, und dort gelangte die Official Monster Raving Loony Party-Katze einmal auf die Frontseite der Nepali Times, auf Anregung einiger Gurkhas hin, nepalesischer Soldaten, die ganz in der Nähe des Dog & Partridge stationiert waren und den Pub häufig aufsuchten. In diesem Video erzählt Howling Laud wie die Katze zu ihrem Namen kam.

Vielleicht schafft es die Partei mit dem außergewöhnlichen Namen und dem noch außergewöhnlicherem Programm bei den Wahlen am 7. Mai, ihren außergewöhnlichen Erfolg von 1992 noch einmal zu wiederholen. Ich drücke den liebenswerten Exzentrikern jedenfalls die Daumen!!!

The Dog and Partridge in Yateley (Hampshire).    © Copyright Len Williams and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Dog and Partridge in Yateley (Hampshire).
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Aristoteles, ein Wildschwein und ein Kirchenfenster in Horspath (Oxfordshire)

Das Copcot-Kirchenfenster in der KIrche von St Giles on Horspath (Oxfordshire). Author: Motacilla. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Copcot-Kirchenfenster in der KIrche von St Giles on Horspath (Oxfordshire).
Author: Motacilla.
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Wozu Bücher doch alles gut sein können, sagte sich im 15. Jahrhundert ein Student des Oxforder Queen’s College. John Copcot war zur Weihnachtszeit auf dem Weg durch den Wald von Shotover, östlich von Oxford, um die Kirche von St Giles in Horspath aufzusuchen. Um sich dabei die Zeit zu vertreiben, las er in einem Buch von Aristoteles. Doch die friedliche Atmospäre wurde plötzlich getrübt, als sich der hellenophile Student einem angriffslustigen Wildschwein gegenübersah. Das Tier hatte wohl noch ein Hühnchen mit Oxforder Studenten zu rupfen, denn es attackierte den jungen Mann. Dieser hatte als einzige Waffe das Buch des Philosophen bei sich, das glücklicherweise mit Metallecken versehen war, und er rammte dieses tief in den Rachen des wütenden Ebers… der daraufhin verschied. Ob das Buch anschließend noch verwendbar war, ist nicht überliefert, aber Copcot war es erst einmal wichtiger, mit heiler Haut davongekommen zu sein.

Was sollte man nun mit dem toten Wildschwein anfangen? Der Student schnitt dem Tier den Kopf ab (woher hatte er plötzlich einen scharfen Gegenstand, mit dem er sich hätte auch verteidigen können?), spießte ihn auf und trug ihn zur Kirche. Nach der Messe nahm Copcot seine Trophäe mit in sein College, wo der Kopf gebraten und am Weihnachtstag zum Abendessen serviert wurde.

Seit über 600 Jahren ist im Queen’s College die Tradition der Boar’s Head Ceremony erhalten geblieben, bei der am letzten Samstag vor Weihnachten im Speisesaal ein Wildschweinkopf aufgetragen wird, der mit Lorbeer, Rosmarin und Mistelzweigen, sowie Fähnchen und einer Krone hübsch dekoriert ist. Dazu singt man passenderweise „The Boar’s Head Carol„. Eingeladen werden zu dem traditionellen Abendessen ehemalige Studenten des Queen’s Colleges, die sich in einem bestimmten, jeweils wechselnden Jahr dort immatrikuliert haben.

Aber auch die Kirche von St Giles in Horspath vor den Toren der Universitätsstadt hält den mutigen Wildschweintöter in Erinnerung und zwar in Form eines Kirchenfensters, auf dem ein Mann in Apostelgewand zu sehen ist, der einen Spieß in der Hand hält auf dem ein Wildschweinkopf steckt.

Hier interpretiert die Folkrock-Gruppe Steeleye Span „The Boar’s Head Carol“.

 

St Giles in Horspath.    © Copyright Bikeboy and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Giles in Horspath.
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Im Wald von Shotover. Etwa hier wurde der Student von der wütenden Bestie attackiert.    © Copyright Bill Boaden and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Wald von Shotover. Etwa hier wurde der Student von der wütenden Bestie attackiert.
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Das Queen's College in Oxford.    © Copyright DS Pugh and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Village Signs – Melton Constable in Norfolk

   © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Dorfschild von Melton Constable in Norfolk zeigt eine etwas altmodische Lokomotive und erinnert an die Eisenbahnvergangenheit dieses kleinen Dorfes, die das Leben der Menschen hier lange Zeit prägte. Die Midland and Great Northern Joint Railway, kurz M&GN, war hier beheimatet mit Werkstätten und Reparaturhallen, die den Einwohnern ihr Einkommen verschaffte. Noch heute liegen die Reihenhäuser, in denen die Eisenbahner wohnten, an der Briston Road, nicht sehr typisch für diesen Teil East Anglias. „The Crewe of Norfolk“ nannte man den Ort auch gern und verglich ihn mit der wesentlich größeren Eisenbahnstadt in Cheshire. Aber auch in Melton Constable schlug Dr. Beechings unerbittliche Axt zu, der die Linie, die man spöttisch „Muddle & Go Nowhere“ nannte, in der ersten Hälfte der 1960er Jahre schloss. Man kann sich unschwer vorstellen, was das für eine Auswirkung auf das Dorf hatte, das hauptsächlich von der Eisenbahn lebte.
Etwas wehmütig begrüßt nun das „Lokomotiven-Dorfschild“ die Autofahrer an der B1354 gleich am Ortseingang, wenn man sich von Westen her dem Dorf nähert. Der Zusatz „Burgh Parva“ weist daraufhin, dass es einmal einen kleinen Weiler mit diesem Namen gab, der zu Melton Constable gehörte, von dem heute nur noch eine Kirchenruine übriggeblieben ist.

Zu erwähnen ist noch, dass es im Ort ein eindrucksvolles Herrenhaus gibt, Melton Constable Hall,  mit einem von Capability Brown angelegten Park. Das im 17. Jahrhundert gebaute Haus durchlitt in den letzten Jahrzehnten schwierige Zeiten, es stand jahrelang leer, die Besitzer wechselten; aber der gegenwärtige Eigentümer ist dabei, die Hall wieder zum Leben zu erwecken. 1970 entdeckte ein Location Scout einer Filmproduktionsfirma das Haus, das für die Dreharbeiten des Films „The Go-Between“ (nach dem gleichnamigen Roman von Leslie Poles Hartley) verwendet wurde, in dem u.a. Julie Christie und Alan Bates mitspielten. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Der Mittler“ in den Kinos, der Übersetzungstitel des Romans lautete „Ein Sommer in Brandham Hall“ oder auch „The Go-Between“.
Hier ist der Trailer des Films.

   © Copyright Craig Tuck and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Musik aus den 1960er Jahren – Dave Davies: Death of a Clown

Für mich persönlich gehört die Musik der 1960er Jahre noch immer zur besten aller Zeiten. Sowohl das, was in den USA als auch das was in Großbritannien zu hören war, begeistert mich nach wie vor.

Death of a Clown“ war ein Song, den Dave Davies von der Band The Kinks am 7. Juli 1967 veröffentlichte. Er war auf einer Solo-Single zu hören, und er schrieb ihn gemeinsam mit seinem Bruder Ray Davies. In den britischen Charts kam Dave Davies damit bis auf Platz 3, in den deutschen Charts bis auf Platz 4.

Das Kinks-Mitglied schrieb „Death of a Clown“ in einer Situation, in der er mit seinem Leben trotz großer Erfolge nicht so recht zufrieden war und nicht wusste wie es weitergehen sollte. Er stellte den Vergleich mit einem Clown an, der sich nach außen hin ständig lustig gibt, im Inneren aber eher traurig ist. Dave Davies wohnte damals im Londoner Stadtteil Haringey in der Fortis Green Road, im Norden der Stadt, wo er geboren wurde und wo er den Song auch schrieb. Seine Schwägerin Rasa Davies war darauf im Hintergrundchor zu hören (als sie sich 1973 von ihrem Mann Ray Davies trennte, versuchte der sich das Leben zu nehmen, was ihm aber misslang).

Die folgenden Singles von Dave Davies konnten am Erfolg von „Death of a Clown“ leider nicht anknüpfen.

Hier ist der Song von Dave Davies zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Dave Davies: Kink – An Autobiography. Hachette Books 1997. 288 Seiten. ISBN 978-0786861491.

Published in: on 20. April 2015 at 02:00  Comments (1)  
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The Royal Military Canal – Eine Verteidigungsanlage gegen die Truppen Napoleons

Hätte dieses Gewässer Napoleons Truppen Einhalt geboten?    © Copyright Rob Farrow and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hätte dieses Gewässer Napoleons Truppen Einhalt geboten?
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Für die Briten war es immer schon eine Horrorvorstellung, dass ihr Land einmal von einer Invasion fremder Truppen heimgesucht werden könnte. Besonders groß war diese Furcht Anfang des 19. Jahrhunderts, als man sah wie die Truppen Napoleons große Teile Europas eingenommen hatten und begehrliche Blicke auf die Insel warfen. Also was tun, um einer Invasion vorzubeugen? Man baute mehrere Verteidigungslinien auf. Da ein potentieller Angriff wohl an der Südküste bei Kent stattfinden würde, patrollierte die Marine vor diesem Küstenabschnitt. Als zweite Verteidungslinie errichtete man die sogenannten Martello Towers, kleine runde Befestigungsanlagen, die mit 15 bis 25 Soldaten bestückt waren. Um nun ganz auf Nummer Sicher zu gehen, kam jemand auf die Idee, hinter diesen Türmen noch eine weitere Linie einzuziehen, nämlich einen zehn Meter breiten Kanal, der es feindlichen Soldaten unmöglich machen sollte, ins Inland vorzustoßen. Eine Schnapsidee, meinten damals schon viele. Eine Armee, die schon mit ganz anderen Hindernissen in Europa fertig geworden ist, sollte sich von diesem schmalen Gewässer stoppen lassen? Trotzdem, der Royal Military Canal wurde von 1804 bis 1809 mit einem großen personellen und finanziellen Aufwand gebaut. Er beginnt in dem kleinen Küstenort Seabrook in Kent (zwischen Folkestone and Hythe gelegen) an der Seabrook Road/Princes Parade und führt über 45 Kilometer bis nach Pett Level an der Küste von East Sussex, wo der Kanal klein und mickrig an der Pett Level Road endet.

Der Royal Military Canal musste also weder gegen Napoleons Streitmacht noch gegen die Hitlerschen Truppen im Zweiten Weltkrieg seine abschreckende Wirkung beweisen und so dämmerte das Gewässer lange vor sich hin, bis es schließlich friedlicheren Zwecken zugeführt wurde und als Naherholungsgebiet dient. Heute kann man am Kanal spazierengehen, Vögel beobachten, sich an der Flora erfreuen oder sich körperlich betätigen, indem man auf Ruderbooten oder anderen per Muskelkraft betätigten Wasserfahrzeugen das Gewässer befährt. Laute, stinkende, mit Benzin oder Diesel betriebene Boote sind nicht erlaubt; Elektroboote dagegen schon. „Electric Boat Trips“ werden im Sommerhalbjahr auf dem Kanal angeboten (£8 pro Stunde), Ruderboote stehen ebenfalls zur Miete bereit (£10 pro Stunde).

Der heutige friedliche Verwendungszweck des Kanals als Freizeiteinrichtung passt sehr gut zu der ebenso friedlichen Landschaft, und ich bin froh, dass der Royal Military Canal seine ursprünglich geplante Funktion nie ausüben musste.

In diesem Film ist eine Fahrt mit dem Elektroboot auf dem Kanal festgehalten.

Schwäne und ein Elektroboot teilen sich friedlich den Kanal.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Schwäne und ein Elektroboot teilen sich friedlich den Kanal.
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Eine Mietstation für Ruderboote am Kanal.    © Copyright Rob Farrow and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Mietstation für Ruderboote am Kanal.
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Mein Buchtipp – Charlie Carroll: No Fixed Abode – A Journey Through Homelessness From Cornwall To London

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Der arbeitslose Lehrer Charlie Carroll will es einmal wissen, wie es sich anfühlt, obdachlos in England zu sein, und so macht er sich auf den Weg von seinem Wohnort bei Sennen Cove in Cornwall in die Hauptstadt London, zu Fuß natürlich und nur mit dem Nötigsten ausgerüstet. Über Bude, Taunton, Bristol, Reading führt sein Weg und es wird zunehmend schwieriger, Übernachtungsplätze zu finden, denn Carroll hat sich vorgenommen, immer im Freien zu schlafen. Mal findet er ein Plätzchen in der Nähe eines Kanals, mal in einem Waldstück, aber so richtig wohl fühlt er sich dabei nirgends.

Charlie Carroll fürchtet besonders seinen Aufenthalt in London, denn da muss er die Nächte auf den Straßen der Stadt verbringen. Er schließt sich anderen Obdachlosen auf dem Parliament Square an, die zum Teil schon seit vielen Jahren keine Bleibe mehr haben und in Zelten und Schlafsäcken leben. Seine Begegnungen mit Polizisten verlaufen meist positiv, viele zeigen Verständnis für die Nöte der „homeless people“ und lassen sie in Ruhe. Carrolls letzte Station ist vor der St Paul’s Cathedral, wo die Occupy London Bewegung ein Zeltlager aufgebaut hat, dem er sich einfach anschließt.

Nach der Lektüre des Buches wird man eine andere Sichtweise auf die Männer und Frauen haben, deren Schlafsäcke und Habseligkeiten man so oft in Londoner Nischen, Unterständen oder Geschäftseingängen sieht.

Charlie Carroll: No Fixed Abode – A Journey Through Homelessness From Cornwall To London. Summersdale 2013. 283 Seiten. ISBN 978-1-84953-415-4

Parliament Square in London. Hier verbrachte Charlie Carroll einige Nächte.    © Copyright Chris McAuley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Parliament Square in London. Hier verbrachte Charlie Carroll einige Nächte.
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Seine letzten Nächte verbrachte Charlie Carroll vor der St Paul's Cathedral.    © Copyright PAUL FARMER and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Seine letzten Nächte verbrachte Charlie Carroll an der St Paul’s Cathedral.
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Published in: on 18. April 2015 at 02:00  Comments (3)  

The Tiddington-Ickford-Tug-of-War – Das Tauzieh-Duell zwischen Buckinghamshire und Oxfordshire

Der "Grenzfluss" Thame bei Ickford und Tiddington.    © Copyright Rob Farrow and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der „Grenzfluss“ Thame bei Ickford und Tiddington.
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Tiddington ist ein Dorf in Oxfordshire, Ickford ein Dorf in Buckinghamshire; der River Thame (nicht zu verwechseln mit dem River Thames) bildet die Grenze zwischen den beiden Grafschaften und einmal im Jahr messen die Bewohner der beiden Ortschaften ihre Kräfte bei einem Tauziehwettbewerb. Seit den Krönungsfeierlichkeiten für Elizabeth II im Jahr 1953 trifft man sich regelmäßig am ersten Freitag im August an den Ufern des Thame. Jeweils 8 Männer oder Frauen oder Jugendliche auf jeder Seite versuchen die gegnerische Mannschaft bzw. Frauschaft in die kühlen Fluten des Themsenebenflusses zu ziehen. Da das Wasser im Monat August in der Regel nicht ganz so kalt ist, endet das Duell meistens damit, dass sich die beiden Parteien im Fluss wiederfinden.

Um Mitspielen bzw. Mitziehen zu können, müssen die Teilnehmer entweder in ihrem Dorf geboren sein oder dort residieren. Ein paar weitere Regeln gibt es auch noch zu beachten, so darf man nicht in Badekleidung am Tauziehen mitwirken und darf an seinen Schuhen keine Spikes anbringen. Die Siegermannschaft erhält einen Pokal; die Kosten für die Inschrift trägt der Verlierer, der auch noch ein Dutzend Flaschen Bier ausgeben muss.

Beim letzten „tug-of-war“ im August 2014 gewann die Männermannschaft von Tiddington und glich damit die bisherige Bilanz etwas aus. Ickford war bisher 32mal Sieger, Tiddington 29mal. Da es sich um einen freundschaftlichen Wettbewerb zwischen den beiden Dörfern handelt, endet der Abend immer mit einem gemeinschaftlichen Tanz in der Village Hall.

Hier und hier sind einige Bilder vom Tiddington-Ickford-Tauziehwettbewerb zu sehen. Die Regeln für die Wettbewerbe im ganzen Land legt übrigens die Tug of War Federation of Great Britain fest.

Die beiden Dörfern liegen mitten in Inspector Barnabys Midsomer County; ganz in der Nähe findet man die Drehorte Thame, Long Crendon, Haddenham und viele andere mehr. Aber weder Tom noch John Barnaby suchten bisher Tiddington und Ickford auf.

Die Hauptstraße von Tiddington (Oxfordshire).    © Copyright Nigel Mykura and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Hauptstraße von Tiddington (Oxfordshire).
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Die Sheldon Road in Ickford (Buckinghamshire).    © Copyright Bill Boaden and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Sheldon Road in Ickford (Buckinghamshire).
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CAMRA National Pub of the Year 2014 – The Salutation Inn in Ham (Gloucestershire)

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Anfang diesen Jahres gab die Campaign For Real Ale (CAMRA) den Namen des Gewinners des National Pub of the Year Awards für 2014 bekannt und es war eine kleine Sensation: Sieger war der Salutation Inn in dem Dörfchen Ham in Gloucestershire, ganz in der Nähe des Berkeley Castles gelegen. Eine Sensation weil der Gastwirt Peter Tiley gar nicht aus der Gastronomiebranche stammt und den Pub erst vor gar nicht langer Zeit übernommen hat. Tiley hatte einen gut bezahlten Job im Londoner Finanzdistrikt, den er aufgab, um sich seinen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, einen eigenen Pub zu besitzen. So übernahm er das brauereiunabhängige Haus in dem Winzlingsdorf Ham und führt das in kurzer Zeit in einen Höhenflug, von dem andere Publicans nur träumen können. Zuerst heimste er regionale Awards ein wie den Gloucestershire CAMRA Pub of the Year und den South West Region CAMRA Pub of the Year, bis er dann gegen zehntausende anderer Pubs den National Pub of the Year Award einstreichen konnte.

Die CAMRA bewertet nicht nur die Qualität der angebotenen Biere, sondern auch die Atmosphäre des Hauses, den Service, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Rolle, die der Gasthof in der Dorfgemeinschaft spielt. Peter Tiley konnte die Juroren in allen Punkten überzeugen.

Da der Salutation Inn an keine Brauerei gebunden ist, gibt es hier immer wieder wechselnde Bierangebote, zu den zur Zeit Produkte aus der Butcombe Brewery, der Bristol Beer Factory und der Plain Ales Brewery gehören. Da der Inn in Ham liegt, findet man natürlich auch „ham“ auf der Speisekarte und zwar Schinken von Schweinen, die extra im Dorf  für den Pub gezüchtet werden. Die Schweinchen der Gloucestershire Old Spots-Rasse leben nur ein paar Schritte entfernt in einem umzäunten Garten, wo sie glücklich vor sich hin leben (bis es ihnen an den Kragen geht).

Der erfolgreiche Publican Peter Tiley wird demnächst auch selbstgebrautes Bier anbieten, das er in einem Anbau herstellen will. Der Name steht schon fest wie auf seiner Webseite zu lesen ist: Tiley’s soll es heißen.

Kürzlich schaute das ZDF im Salutation Inn vorbei, als Patricia Schäfer vom Studio London für die Sendung „Heute in Europa“ einen kleinen Film über The Sally, wie der Salutation Inn kurz genannt wird, drehte.

In diesem Film stellt Peter Tiley seinen Gasthof selbst vor. Auch die BBC berichtete.

The Salutation Inn
Ham
Berkeley
Gloucestershire
GL13 9QH

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John Creasey (1908-1973) – Einer der produktivsten Krimiautoren aller Zeiten

Eigenes Foto.

Foto meiner beiden Creasey-Exemplare.

Ich kenne keinen Kriminalromanschriftsteller, der mehr Bücher geschrieben hat als der Engländer John Creasey. Die Schätzungen der von ihm veröffentlichten Bücher bewegen sich so um die 600 herum. Das Standardwerk „Twentieth Century Crime & Mystery Writers“ (St James Press 1991) benötigt 8 eng bedruckte DIN-A4-Seiten, um seine Werke aufzuzählen (darunter fallen allerdings auch einige Liebes- und Westernromane). Seine Jahresproduktion betrug im Schnitt 12 bis 15 Romane; sein Rekord lag bei 36 Büchern in einem besonders kreativen Jahr.

Creasey, den in Deutschland wohl nur noch wenige kennen und dessen zahlreiche Übersetzungen alle vergriffen sind, hatte anfangs Probleme überhaupt einen Verleger zu finden. Einige hundert Male wurden seine eingesandten Manuskripte wieder zurückgeschickt, bis schließlich sein „Seven Times Seven“ 1932 veröffentlicht wurde und dann kannte er kein Halten mehr und schrieb und schrieb…nicht nur unter seinem richtigen Namen, sondern auch noch unter 28 Pseudonymen. So nannte er sich u.a. auch noch Gordon Ashe, Margaret Cooke, Colin Hughes, Patrick Gill usw. usw.

Bekannt wurde John Creasey vor allem durch seine Krimiserie um den Honourable Richard Rollison, kurz The Toff, ein reicher Junggeselle aus dem noblen Londoner Mayfair, der an die 60 Kriminalfälle löste.

Wie er überhaupt noch den Überblick über seine zahllosen Figuren in seinen vielen Serien behalten konnte, ist mir schleierhaft. 1962 bekam er die höchste Auszeichnung, die ein Krimiautor in den USA bekommen kann, den Edgar Award der Mystery Writers of America für seinen Roman „Gideon’s Fire“, den er unter dem Pseudonym J.J. Marric schrieb. 1953 hatte er schon das britische Gegenstück gegründet, die Crime Writers‘ Association, die später einen nach ihm benannten Preis vergab, den John Creasey Memorial Award, der dann in New Blood Dagger umgetauft wurde, vergeben an das Erstlingswerk eines Krimiautoren.

John Creasey wurde 1908 in Southfields geboren, das heute zu Greater London gehört, und in dem seit 1926 die erste Moschee der Hauptststadt steht. Er verbrachte eine große Zeitspanne seines Lebens, bis zu seinem Tod, in einem großen Haus in Wiltshire. New Hall hieß es, in Bodenham bei Salisbury gelegen, wo er auch starb. In seinem Haus, in dem er so viele Romane schrieb, findet man heute das New Hall Hospital, wo man eine Station nach ihm benannte.

Mit der John Creasey Collection of Contemporary Art hat man dem Meister des Kriminalromans in der Salisbury Library and Galleries eine Gedenkstätte errichtet, in der seine Bücher, Manuskripte und andere Gegenstände aus seinem Leben ausgestellt sind.

Creaseys Grab ist auf dem Kirchhof von St Andrew in Nunton zu finden, nur ein paar Gehminuten von New Hall entfernt.

 

St Andrew in Nunton (Wiltshire). Hier liegt John Creasey begraben.

St Andrew in Nunton (Wiltshire). Hier liegt John Creasey begraben.

Published in: on 15. April 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Britische Premierminister und ihre Oxford Colleges

Christ Church College.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Christ Church College.
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Wer in Großbritannien Ambitionen hat, einmal Premierminister zu werden, der sollte unbedingt in Oxford studieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, diese politische Spitzenposition zu bekommen, als bei einem Studium in irgendeiner anderen Universitätsstadt. 25 Männer und eine Frau, die ein Studium in Oxford absolviert haben, schafften es, zumindest für ein paar Jahre in die Downing Street 10 einzuziehen.

Das Christ Church College kann sich stolz als Rekordinhaber bezeichnen, denn exakt die Hälfte aller P.M.s hat an dieser 1524 von Thomas Wolsey gegründeten Anstalt studiert. Aber in den letzten Jahrzehnten scheint das College in dieser Hinsicht etwas zu schwächeln, denn der letzte Premierminister, der hier seinen Abschluss gemacht hat, war Sir Alec Douglas-Home und der „regierte“ vom Oktober 1963 bis zum Oktober 1964. Weitere Christ Church-Absolventen waren u.a. Sir Anthony Eden, Premierminister von 1955-1957, der Marquess of Salisbury, der diese Position von 1885 bis 1902 dreimal bekleidete und William Ewart Gladstone, der im Zeitraum von 1868 bis 1894 gleich viermal P.M. war.

Die anderen Colleges wollten Christ Church natürlich nicht nachstehen und produzierten ebenfalls Spitzenpolitiker. Der gegenwärtige Premierminister David Cameron studierte am Brasenose College Philosophie, Politikwissenschaft und Ökonomie und zählte auf Grund seiner Fähigkeiten zu den Ausnahmestudenten dieser Ausbildungsstätte.

Camerons Vorgänger Tony Blair, der die Schicksale Großbritanniens von 1997 bis 2007 lenkte, hatte sein Studium im St John’s College absolviert. Die 1555 gegründete Universität an der St Giles Road zählt zu den wohlhabendsten der Stadt, an der auch schon bedeutende Schriftsteller wie Kingsley Amis, Robert Graves und Philip Larkin ihre Ausbildung absolvierten.

Die Eiserne Lady Margaret Thatcher (Premierministerin von 1979 bis 1990) studierte am Somerville College, das erst 1879 gegründet wurde und an dem ursprünglich nur Frauen zugelassen waren; erst seit 1994 dürfen hier auch Männer hinein. Das nach einer schottischen Mathematikerin und Astronomin benannte College ist an der Woodstock Road angesiedelt.

Der zweimalige Premierminister Harold Wilson (1964-1970 und 1974-1976) genoss seine Ausbildung im Jesus College an der Turl Street, 1571 von Elizabeth I. gegründet. Wilson studierte erst Neuere Geschichte, bis er dann, wie auch David Cameron, auf Philosophie, Politikwissenschaft und Ökonomie umschwenkte. Er bestand sämtliche Prüfungen mit Auszeichnung und soll einer der besten Studenten an St. John’s gewesen sein.

Wer wird nach David Cameron in Downing Street 10 einziehen? Der Oppositionsführer Ed Miliband? Der studierte übrigens auch in Oxford, am Corpus Christi College in der Merton Street, 1517 gegründet.

David Camerons Brasenose College.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Tony Blairs St John's College.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tony Blairs St John’s College.
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Margaret Thatchers Somerville College. Author: Philip Allfrey. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Author: Philip Allfrey.
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Harold Wilsons Jesus College. Author: John Ward. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Harold Wilsons Jesus College.
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Ed Milibands Corpus Christi College.    © Copyright Marathon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 14. April 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Famous Graves – John Walker, der Erfinder des Streichholzes in St Mary the Virgin in Stockton-on-Tees (County Durham)

John Walkers Grab auf dem Friedhof von St Mary the Virgin. Copyright: Chris. Creative Commons 2.0 Generic.

John Walkers Grab auf dem Friedhof von St Mary the Virgin.
Copyright: Chris.
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Der Ballungsraum von Middlesbrough, zu dem auch die Stadt Stockton-on-Tees im County Durham zählt, gehört sicher nicht zu den Orten Englands, wo die großen Touristenscharen anzutreffen sind. Stockton hat ca 85 000 Einwohner und liegt am River Tees, dessen langer Mündungstrichter hier beginnt.
Im Ortsteil Norton liegt die Gemeindekirche St Mary the Virgin, auf deren Friedhof man das Grab eines Mannes findet, der einen Gegenstand erfunden hat, der weltweit täglich wohl milliardenfach verwendet wird: Das Streichholz. John Walker heißt er und er lebte von 1781 bis 1859. Er wurde in Stockton-on-Tees geboren, er arbeitete hier und er starb hier. Von Beruf war John Walker Apotheker und Drogist; sein Laden, den er 1819 eröffnete, war in der High Street Nummer 59. Hier erfand er eines Tages durch eine Reihe von Experimenten das Streichholz, das er seinerzeit „Congreve“ nannte, nach den Congreveschen Raketen, deren Treibsatz aus einer schwarzpulverähnlichen Masse bestand.

Der erste Käufer dieser neuen Erfindung war ein örtlicher Rechtsanwalt und der Kauf wurde am 7. April 1827 getätigt.  Aus irgendeinem Grund ließ sich John Walker seine Erfindung nicht patentieren, er experimentierte lieber mit anderen Dingen weiter, sonst hätte er wohl ein reicher Mann werden können. Der Apotheker heiratete nie, sondern lebte mit seiner Nichte zusammen. Ein bisschen exzentrisch war er schon, was sich auch durch seine ungewöhnliche Kleidung manifestierte, die oft aus einem hohen Filzhut, Kniebundhosen und einem Frack bestand.

Da John Walker den größten Teil seines Lebens in Stockton-on-Tees verbracht hatte, war es sehr in seinem Sinne, dass er hier auch seine letzte Ruhestätte fand. Auf seinem Grabstein, dessen Inschrift schon recht verwittert ist, steht „highly respected by all who knew him„. Vielleicht sollten wir, wenn wir demnächst ein Streichholz benutzen, einen kleinen Moment an den Apotheker aus Stockton-on-Tees denken.

Walkers Laden in der High Street 59 steht schon lange nicht mehr, aber eine Plakette erinnert an den Standort; das gilt auch für sein Geburtshaus in der High Street 104. Dort, wo das Haus einmal stand und wo sich jetzt das Castlegate Shopping Centre befindet, hat die Stadt Stockton-on-Tees eine Bronzebüste aufgestellt und eine Stahltafel angebracht.

John Walker (1781-1859). This image is in the public domain because its copyright has expired.

John Walker (1781-1859).
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Published in: on 13. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Agatha Christie, ihr mysteriöses Verschwinden im Dezember 1926 und die Schauplätze heute

Die Charters Road in Sunningdale (Berkshire). Hier wohnte Agatha Christie in ihrem Haus "Styles".    © Copyright Andrew Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Charters Road in Sunningdale (Berkshire). Hier wohnte Agatha Christie in ihrem Haus „Styles“.
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Anlässlich des Agatha Christie-Jahres (ihr Geburtstag war am 15. September 1890) werde ich mich in meinem Blog wohl noch mehrere Male mit der großen Dame des englischen Kriminalromans beschäftigen.
Heute geht es um ihr mysteriöses Verschwinden im Dezember des Jahres 1926, das damals ganz England in Atem hielt und über das viel geschrieben und spekuliert worden ist. Ich möchte einmal die drei wichtigsten Schauplätze vorstellen, so wie sie heute aussehen.

Es begann alles am Abend des 3. Dezember, einem Freitag, als die 36jährige und bereits erfolgreiche Agatha Christie ihr Haus in Sunningdale in Berkshire verließ. Sie wohnte mit Mann und Tochter in diesem ansehnlichen Anwesen, das sie nach einem ihrer Roman „Styles“ getauft hatte („The Mysterious Affair at Styles“, 1921 in Großbritannien erschienen, die deutsche Übersetzung lautet „Das fehlende Glied in der Kette“). „Styles“ lag und liegt noch heute in der Charters Road, einer ruhigen baumbestandenen Straße in Sunningdale, an der sich noch andere sehenswerte Villen befinden. Der Ort gilt als sehr wohlhabend, liegt er doch im Speckgürtel von London, nicht weit vom Windsor Great Park und Ascot entfernt. Viele Prominente aus dem Showbusiness haben sich hier niedergelassen; man ist relativ schnell über die M3 und die M25 in London.

Agatha Christie fuhr an jenem Abend, nach einer heftigen Auseinandersetzung mit ihrem Mann Archie, in ihrem Morris Cowley in Richtung Süden nach Guildford und von dort ein Stückchen weiter nach Osten, wo sie ihr Auto in Newlands Corner abstellte, einem Höhenzug der North Downs. Ganz in der Nähe befindet sich ein kleiner See, The Silent Pool. Von dort verloren sich die Spuren der Kriminalromanautorin. Als ihr Auto verlassen aufgefunden wurde, schossen die Spekulationen ins Kraut; man munkelte, ihr Mann hätte sie ermordet oder sie hätte sich im Silent Pool ertränkt, der abgepumpt wurde. Über 15000 freiwillige Helfer suchten erfolglos das Gelände ab.

Während man im Bereich Newlands Corner nach ihr suchte (auch ihre Berufskollegen Sir Arthur Conan Doyle und Dorothy L. Sayers waren dabei involviert), befand sich Agatha Christie weit weg: Sie hatte sich im Norden des Landes, in Harrogate in Yorkshire in einem Hotel unter dem Namen Mrs. Neele (so hieß die Geliebte ihres Mannes) einquartiert und verbrachte hier elf Tage, die sie offensichtlich sehr  genoss. The Swan Hydro hieß das Hotel, das noch heute existiert, allerdings unter dem Namen The Old Swan. Das Haus liegt an der Swan Road, die von der Ripon Road, der A61, abgeht; es gehört heute zu der Hotelgruppe Classic Lodges.
Bob Tappin, ein Banjospieler im Hotel, erkannte die Frau, nach der ganz England suchte und informierte die Polizei, die wiederum Mr. Christie informierte, der sich sofort auf den Weg nach Harrogate machte, um seine Frau wieder einzusammeln.

1979 drehte Warner Bros. einen Film über das Verschwinden der A.C. unter dem Titel „Agatha„, mit Vanessa Redgrave,  Dustin Hoffman und Timothy Dalton in den Hauptrollen. Gedreht wurde an den Originalschauplätzen, so auch im Old Swan in Harrogate.

Hier ist ein Film über das Verschwinden Agatha Christies, präsentiert von David „Hercule Poirot“ Suchet.

Das Newlands Corner Visitor Centre bei Guildford.    © Copyright Alan Hunt and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Newlands Corner Visitor Centre bei Guildford.
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The Silent Pool, in dem man die leiche von Agatha Christie vermutete. This work is released  into the public domain.

The Silent Pool, in dem man die Leiche von Agatha Christie vermutete.
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The Old Swan in Harrogate.    © Copyright Keith Edkins and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Swan in Harrogate.
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Published in: on 12. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das St Mary’s Hospital im Londoner Stadtteil Paddington – Hier erblickten viele Royals das Licht der Welt

Alle Verehrer des britischen Königshauses und die gesamte Boulevardpresse der Welt blicken zurzeit nach London, wo die Herzogin von Cambridge und ihr Mann Prinz William ihr zweites Kind erwarten. Heerscharen von Reportern werden wie schon bei der Geburt ihres ersten Kindes, Prince George Alexander Louis of Cambridge, das St Mary’s Hospital in der Praed Street im Londoner Stadtteil Paddington belagern, um die Nachricht von der Geburt in alle Erdteile weiterzuleiten und vielleicht sogar ein Bild der/des Neugeborenen zu erhaschen. Dieser Film zeigt den damaligen medialen Belagerungszustand.

Das imposante Krankenhausgebäude, in dem schon der Schauspieler Kiefer Sutherland und der Sänger Elvis Costello geboren wurden, in dem der berühmte Gerichtsmediziner Sir Bernard Spilsbury arbeitete und in dem Sir Alexander Fleming das Penicillin entdeckte, suchen die Royals gern auf, wenn es darum geht, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Die beiden Prinzen William und Harry erblickten hier das Licht der Welt. Die beiden Kinder ihrer Tante, Anne, Princess Royal, Peter Phillips und Zara Phillips wurden 1977 respektive 1981 in St Mary’s geboren, und auch Prince und Princess Michael of Kent hatten zu den Krankenhausärzten Vertrauen und so kamen ihre beiden Kinder Lord Frederick Windsor und Lady Gabriella Windsor hier zur Welt.

Das 495-Betten-Haus wurde 1845 gegründet und steht nur ein paar Schritte vom Bahnhof Paddington Station entfernt.

Da Prinz William trotz der bevorstehenden Geburt nicht ständig in unmittelbarer Nähe seiner schwangeren Frau sein kann und er gerade ein Pilotentraining für Notfalleinsätze in Norwich (Norfolk) und Staverton (Gloucestershire) absolviert, wird er, wenn es soweit ist, auf dem schnellsten Wege nach London eskortiert werden. Sollte sich Catherine, Duchess of Cambridge, jedoch kurz vor der Geburt entscheiden, ihre Eltern in deren Wohnort Bucklebury in Berkshire zu besuchen oder sich zu ihrem Landsitz Anmer Hall in Norfolk zu begeben, so stehen zwei Krankenhäuser „Gewehr bei Fuß“, um die Geburt dort einzuleiten: Das Royal Berkshire Hospital in Reading und das Queen Elizabeth Hospital in King’s Lynn.

Das Royal Berkshire Hospital in Reading.    © Copyright Bill Nicholls and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Royal Berkshire Hospital in Reading.
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Das Queen Elizabeth Hospitaln King's Lynn (Norfolk).    © Copyright Andy Parrett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Queen Elizabeth Hospital in King’s Lynn (Norfolk).
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Die Autobahn M4 – Einige Anmerkungen

Die M4 bei Hungerford.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die M4 bei Hungerford.
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Wenn ich in England unterwegs bin, versuche ich die (gut ausgebauten!) Autobahnen möglichst zu vermeiden, da sie doch ziemlich langweilig sind. Man fährt an vielen reizvollen Landschaften und Städten vorbei, ohne davon etwas mitzubekommen. Besser sind da die manchmal parallel verlaufenden A-Straßen wie z.B. die A 25, die südlich der M25 in Kent und Surrey entlang führt und die A4, die früher die Hauptlast des Verkehrs trug, bevor die M4 gebaut wurde, die  London mit Süd-Wales verbindet. Nach der Fertigstellung der Autobahn nahm der Verkehr auf der A4 natürlich deutlich ab, zur Freude der Anwohner in den Städten Maidenhead, Reading, Newbury und Hungerford, aber zum Leid der dortigen Geschäftsleute.

Die Pläne für den Bau der M4 entstanden bereits in den 1950er Jahren, die Arbeiten daran zogen sich die ganzen 1960er Jahre hin, bis schließlich das letzte Teilstück zwischen Maidenhead und Swindon am 22. Dezember 1971 eröffnet und für den Verkehr frei gegeben wurde. Der Bischof von Oxford segnete in einer Zeremonie die Straße, von der Politik war Michael Heseltine anwesend, damals Staatssekretär im Verkehrsministerium. Eigentlich sollte Mr. Heseltine die frisch eröffnete Strecke mit seinem Dienst-Jaguar zurücklegen, aber das Auto sprang nicht an und so musste er zwangsweise auf einen Bus umsteigen, der die Gäste der Zeremonie beförderte.

Ein Problem bestand in der ersten Zeit: Es gab keine Rast- und Tankanlagen an der M4, was dazu führte, dass so mancher Autofahrer mit leerem Tank liegenblieb. Heute gibt es eine Fülle von „service stations“, die von den Firmen Moto, Welcome Break und Roadchef unterhalten werden.

Das Segnen der Autobahn durch den Bischof aus Oxford hat leider schwere Unfälle nicht vermeiden können, die sich seit Bestehen der Strecke ereignet haben:

– Bei Maidenhead starben im Juni 1986 13 Menschen, als ein Transporter, in dem Rock-Fans saßen, die vom Glastonbury Festival nach Hause fuhren, in den Gegenverkehr schleuderte und dort mit drei Fahrzeugen kollidierte.

– Am 13. März 1991 kam es bei Hungerford in dichtem Nebel zu einem weiteren schweren Verkehrsunfall, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen und bei dem 51 Fahrzeuge ineinanderfuhren.

– Vier Jahre später, am 23. Mai 1995, verunglückte ein Bus in der Nähe der Severn Bridge, in dem Kriegsveteranen der Royal British Legion saßen; auch hierbei verloren zehn Menschen das Leben.

– Der berühmte Schlagzeuger Cozy Powell starb am 5. April 1998 auf der Autobahn in der Nähe von Bristol, als er bei schlechten Sichtverhältnissen, überhöhter Geschwindigkeit, Alkohol im Blut und telefonierend die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.

– Ähnliches wiederfuhr am 21. Juli 2002 einem anderen Mann aus der Musikbranche, Gus Dudgeon, der maßgeblich an der Karriere von Elton John beteiligt war. Auch er war betrunken und viel zu schnell auf der M4 zwischen Reading und Maidenhead unterwegs, als er von der Fahrbahn abkam und sich mit seinem Jaguar überschlug. Dudgeon und seine Ehefrau Sheila waren sofort tot.

Warnung vor Nebel auf der M4 in South Gloucestershire.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Warnung vor Nebel auf der M4 in South Gloucestershire.
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Published in: on 10. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Ornamental Hermits – Die „Ziereremiten“ in den Parks englischer Landhäuser

Painshill Park in Surrey.    © Copyright Ian Capper and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Es gab einmal eine Zeit, vorwiegend im 18. Jahrhundert, als sich die Besitzer großer Landhäuser in England fragten: Ich habe einen so wunderschönen Park, aber irgendetwas fehlt darin. Schließlich kamen sie darauf, was offenbar fehlte – ein gewisses „menschliches Element“. Die Lösung für dieses Problem war ein Eremit, der das ganze über Jahr in Sack und Asche in den weitläufigen Anlagen leben sollte: The Ornamental Hermit. Die Idee war nicht neu, denn schon bei den Römern gab es so etwas, aber jetzt war es sozusagen der letzte Schrei. Es war nicht ganz leicht, Männer zu finden, die diese Rolle spielen wollten. Sie mussten eine Art Dienstkleidung tragen, ihre Haare wachsen lassen, sich nicht waschen und ständig eine melancholische Stimmung ausstrahlen. Das mag für den einen oder anderen ein Traumberuf gewesen sein, doch könnte ich mir vorstellen, dass bald eine gewisse Langeweile auftrat, denn was sollten die langhaarigen Männer den ganzen Tag machen außer meditieren?

Die Verträge mit den ornamental hermits beinhalteten einen meist mehrjährigen Aufenthalt im Park, den viele der Berufseinsiedler nicht durchhielten. Einer dieser Männer war ein gewisser Mr. Remington, der im Park von Painshill in Surrey diese Rolle spielen sollte. Seine Vertragslaufzeit ging über sieben Jahre; er schaffte es  gerade einmal drei Wochen, dann wurde er im örtlichen Pub bei einigen Pints erwischt (er musste seine erzwungene Melancholie offenbar auf diese Weise hinwegspülen) und aus war es mit dem Painshill Hermit.

Father Francis war der Ziereremit in Hawkstone Park in Shropshire, einer großen Parkanlage mit mehreren Follies, Höhlen, Felsen und Klippen, also dem idealen Arbeitsumfeld eines Einsiedlers. Der weißhaarige Herr soll um die 90 Jahre alt gewesen sein und man munkelt, dass er zeitweise durch einen Automaten ersetzt wurde, der die Arbeit des „Melancholischsein“ übernahm.

Ende des 18. Jahrhunderts verloren die Besitzer der Landhäuser offenbar das Interesse an den Eremiten und der Beruf starb aus (bis auf wenige Einzelfälle). Die später auftauchenden Gartenzwerge waren vielleicht die entfernten Verwandten der Einsiedler. Sie sind natürlich erheblich pflegeleichter; noch kein Gartenzwerg wurde je abseits seiner Arbeitsstelle in einem Pub erwischt und die Vertragslaufzeit ist für sie überhaupt kein Problem.

Professor Gordon Campbell ist in seinem Buch „The Hermit in the Garden: From Imperial Rome to Ornamental Gnome“ diesen eigenartigen Parkbewohnern einmal nachgegangen (Oxford University Press 2014. 272 Seiten. ISBN 978-0198700869). Hier ist ein Film mit Professor Campbell.

Der Sänger und Songwriter William Derek Drake hat einmal ein Lied mit dem Titel „Ornamental Hermit“ geschrieben.

Hawkstone Park in Shropshire, Arbeitsstätte von Father Francis.    © Copyright Chris Gunns and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hawkstone Park in Shropshire, Arbeitsstätte von Father Francis.
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Published in: on 9. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Hawkhurst Gang und ihre Versammlungsorte in Kent und Sussex

The Oak and Ivy in Hawkhurst (Kent).    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Oak and Ivy in Hawkhurst (Kent).
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Sie trieb ihr Unwesen in der Zeit zwischen 1735 und 1749 in Kent und East Sussex: Die Hawkhurst Gang, eine üble Truppe von Schmugglern und Halsabschneidern, die ihren „Heimathafen“ in der Ortschaft Hawkhurst in Kent hatte und aus etwa 500 Mitgliedern bestand. Stellte sich ihnen jemand entgegen, so wurde er entweder umgebracht oder nach Frankreich „exportiert“ und dort dem damaligen Kriegsgegner zum Fraß vorgeworfen.

Die Hawkhurst Gang hatte einige Versammlungsorte, meist in Gasthöfen, in denen die Schmuggler ihre finsteren Pläne ausheckten. Einer davon war der Oak and Ivy Inn, ihre Basisstation in Hawkhurst (Kent), der noch heute an der A268, der Rye Road, liegt. Ein uriger, gemütlicher Pub aus dem 15. Jahrhundert, hier im Film zu sehen.

Im nahegelegenen Goudhurst terrorisierte die Gang die Dorfbevölkerung; im Dorfteich versteckte sie ihre geschmuggelten Rumfässer (der Teich existiert immer noch, direkt an der Hauptdurchfahrtsstraße der West Road) und ihr Lieblingsaufenthaltsort war The Star & Eagle Inn neben der Kirche, heute ein sehr schönes Hotel. Die Bewohner von Goudhurst hatten die Nase voll von den Halunken, und sie organisierten eine Art Bürgerwehr, die Goudhurst Militia, um der Gang Einhalt zu gebieten. Ein gewisser George Sturt übernahm das Kommando, und er ließ aus Teilen des Kirchendaches Bleikugeln gießen und Verteidigungsgräben anlegen. Tatsächlich gelang es ihnen, die Schmuggler in die Flucht zu schlagen und läuteten damit das Ende der Hawkhurst Gang ein. Die Anführer Thomas Kingsmill und Arthur Gray wurden vor Gericht gestellt und zum Tode durch den Strick verurteilt.
Einen Besuch in Goudhurst in Kent kann ich sehr empfehlen, auch wenn es manchmal schwierig ist, hier einen Parkplatz zu finden. Eine Übernachtung im Star & Eagle Inn steht bei meinem nächsten Englandbesuch ganz oben auf meiner Prioritätenliste.

Über einen anderen Versammlungsort der Hawkhurst Gang, dem Mermaid Inn in Rye (East Sussex), habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet. Ich übernachtete dreimal in diesem romantischen Hotel, auch in einigen der „Spukzimmer“. Die Schmuggler pflegten in dem alten Gasthaus zu trinken und wenn sie einmal plötzlich fliehen mussten, nutzten sie einen Tunnel, der zu einem anderen Gasthof führte, Ye Olde Bell Inn, den es heute auch noch gibt. Zimmer 19 im Mermaid Inn heißt The Hawkhurst Suite und möglicherweise nutzten die Schmuggler auch den Geheimgang in unserem Zimmer, Dr. Syn’s Room, der verborgen hinter einem Bücherschrank lag und zur Bar führte. Was dieses alte Fachwerkhaus alles erlebt haben mag? Die Hawkhurst Gang und ich können einen Aufenthalt hier sehr empfehlen!

The Star and Eagle in Goudhurst (Kent). Eigenes Foto.

The Star and Eagle in Goudhurst (Kent).
Eigenes Foto.

The Mermaid in Rye (East Sussex). Eigenes Foto.

The Mermaid in Rye (East Sussex).
Eigenes Foto.

The Old Bell in Rye (East Sussex). Eigenes Foto.

Ye  Olde Bell Inn in Rye (East Sussex).
Eigenes Foto.

 

The Skimmington Ride

Das Village Green von Brill auf dem der Skimmington Ride stattfand. Eigenes Foto.

Das Village Green von Brill, auf dem der Skimmington Ride stattfand.
Eigenes Foto.

Ich wurde mit dem Skimmington Ride erstmals in der TV-Serie Midsomer Murders/Inspector Barnaby in Episode 48 „Four Funerals and a Wedding“ (dt. „Erst morden, dann heiraten“) konfrontiert, in der diese Tradition eine Rolle in der Handlung spielt. In dem Film wird der Reverend Anthony Gant, rückwärts auf einem Pferd sitzend mit einer Kapuze über dem Kopf, erschossen. Nun, das Erschießen gehört selbstverständlich nicht zu einem üblichen Skimmington Ride wie er hier in dem Dorf namens Broughton durchgeführt wird.  

Der Name „Skimmington Ride“ kommt wahrscheinlich von dem Wort „skimming ladle“, was soviel wie Schöpflöffel heißt. In einigen Teilen Englands wurde der Skimmington Ride vollzogen, wenn die Dorfbevölkerung ihren Protest gegen das unmoralische Verhalten einer ihrer Bewohner zum Ausdruck bringen wollte. Das konnte z.B. eine Frau sein, die ihren Mann betrogen hatte oder ein Mann, der es klaglos hinnahm, zum Hahnrei gemacht worden zu sein oder ein Mann, der seine Frau schlug. Gründe gab es genug. Um die jeweilige Person zu bestrafen bzw. sich über sie lustig zu machen, wurden Ebenbilder von ihr (zum Beispiel verkleidete Nachbarn) auf einem Wagen oder auf dem Rücken eines Esels durch den Ort geführt, wobei Frauen mit Schöpflöffeln (!), Töpfen, Pfannen usw. hinterherliefen und damit einen höölischen Lärm vollführten.

Thomas Hardy hat in seinem Roman „The Mayor of Casterbridge“ (dt. „Der Bürgermeister von Casterbridge: Leben und Tod eines Mannes von Charakter“) einen Skimmington Ride beschrieben, bei dem Ebenbilder des Bürgermeisters von Casterbridge und seiner früheren Geliebten durch die Stadt paradiert werden, nachdem deren Affäre bekannt wurde.

Um noch einmal auf die Midsomer Murders-Folge zurückzukommen: Ich besuchte vor einiger Zeit den Drehort. In Brill, am äußersten Nordrand von Buckinghamshire, wurden die Szenen mit dem Skimmington Ride auf dem dortigen weitläufigen Village Green aufgenommen, das sich dafür besonders gut eignete. Auch die Kirche und einer der örtlichen Pubs The Red Lion, der im Film „The John Knox“ heißt, wurden in die Handlung mit einbezogen (aus dem Red Lion wurde übrigens inzwischen The Pointer). Einen Besuch in Brill kann ich sehr empfehlen; ich habe in meinem Blog schon einmal darüber geschrieben.

Pubschilder – The Bucket of Blood in Phillack (Cornwall)

With friendly permission of Tim Jenkinson.

With friendly permission of Tim Jenkinson.

Das Dorf Phillack liegt an der Nordküste von Cornwall, nur ein paar Kilometer von St Ives entfernt, und kann sich rühmen einen Pub mit einem in England einzigartigen Namen zu haben: The Bucket of Blood. An der Churchtown Road liegt das weißgetünchte Gebäude, in Sichtweite der Parish Church, die den Heiligen St Felicitas & St Piala gewidmet ist, ebenfalls eine selten anzuteffende Kombination.

Das blutrünstige Pubschild mag den potentiellen durstigen Gast vielleicht abschrecken, denn es zeigt einen früheren Gastwirt, der aus seinem Trinkbrunnen einen Holzeimer hervorzieht, aus dem Blut schwappt. Was war da geschehen?

Die Geschichte zum Pubschild geht so: Küstennahe kornische Gasthäuser waren früher häufig Treffpunkte von Schmugglern, Piraten und anderen zwielichtigen Charakteren und da machte auch dieses Haus in Phillack keine Ausnahme. Eines Morgens ging der Gastwirt des damals noch The New Inn genannten Pubs zu seinem Brunnen, aus dem er das für den Tag benötigte Trinkwasser holen wollte. Doch als er den Eimer hochzog, sah er zu seinem Entsetzen, dass das Wasser von Blut rot gefärbt war. Als man der Sache auf den Grund ging, sah man, dass die schrecklich zugerichtete Leiche eines Mannes auf dem Boden des Brunnens lag; es soll sich dabei um den örtlichen Steuereintreiber gehandelt haben…

Es gibt sogar ein kleines Theaterstück mit dem Titel „Last Orders at the Bucket of Blood“ von Peter Delauney, in dem es um mysteriöse Vorfälle in dem Gasthaus geht und das vom Escape Theatre aufgeführt wird.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: In dem Gasthaus, das der St Austell Brewery gehört, spukt es natürlich auch!

The Bucket of Blood
14 Churchtown Road
Phillack
TR27 5AE

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Published in: on 6. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Bob Sharpe: They Also Serve – The Real Life Story Of My Lifetime In Service As A Butler

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Durch die außerordentlich erfolgreiche Fernsehserie „Downton Abbey“ ist das Interesse an der Thematik „Upstairs Downstairs“ wieder gestiegen. Das Spannungsfeld zwischen „Denen da oben und denen da unten“ wird in Julian Fellowes‘ Filmen deutlich gemacht, was wiederum einige Verlage bewogen hat, Bücher darüber zu veröffentlichen. Den einen oder anderen Titel stellte ich in meinem Blog schon vor wie z.B. Rosina Harrisons „The Lady’s Maid„.

2013 erschienen die Memoiren eines Mannes, der von der Pike auf den Beruf des Butlers gelernt hat: „They Also Serve: The Real Life Story Of My Lifetime In Service As A Butler“ von Bob Sharpe (1902-1985). Er begann seine Laufbahn im Dienstleistungsgewerbe als Hall Boy in einem  „ugly , inconvenient Victorian house“ in Hertfordshire, also auf der alleruntersten Stufe, von seinen Dienerkollegen kaum wahrgenommen. Jahrelang bestand seine Haupttätigkeit darin, Schuhe zu putzen, Nachttöpfe zu entleeren und Feuerholz ins Haus zu bringen. Nach langer Zeit wurde er zum Footman befördert und musste unter einem strengen Butler arbeiten, der eine Vorliebe für Gin hatte.

Bob Sharpe verließ 1930 das Herrenhaus und suchte sich eine Stelle in London, wo seine Dienstherrin eine alte exzentrische Dame war und von allen The Dowager genannt wurde. Hier wurde er erstmals mit Sex unter den Dienstboten konfrontiert. Der Senior Footman George nahm sich nach und nach alle Dienstmädchen vor, die ihm gern zu Willen waren, denn da sie keine männlichen Freunde haben durften, mussten sie mit ihren sexuellen Wünschen ja irgendwo abbleiben.

Bobs nächste Stelle war im Süden Londons bei einem weiteren Exzentriker, Mr. Hall, wo er erstmals die Aufgaben eines Butlers wahrnahm. Den jungen Mann irritierte die Gewohnheit seines Arbeitgebers, nackt im Garten zu sitzen und sich fünfmal am Tag komplett umzuziehen.

Die nächste Anstellung war wieder auf dem Land, wieder in Hertfordshire, bei einem Mann, der mit Vorliebe mit seinem Auto über Landstraßen fuhr und dabei Fasane und Rotwild erlegte, indem er die Tiere einfach überfuhr.

In den 1950er Jahren ging er nach London zurück und stand in den Diensten eines reichen Amerikaners, der ihn sehr gut bezahlte und wie einen Freund behandelte, was Bob Sharpe immer wieder irritierte, denn er war Zeit seines Lebens daran gewöhnt, dass zwischen Dienerschaft und Herrschaft eine riesige Kluft bestand.

1985 starb der Mann, der ein manchmal interessantes, phasenweise langweiliges Leben geführt hat, in dem er miterlebte, wie sich die Zeiten des Upstairs Downstairs gravierend veränderten.

Bob Sharpe: They Also Serve: The Real Life Story Of My Lifetime In Service As A Butler. Coronet Books 2013. 246 Seiten. ISBN 978-1-444-73592-5

Published in: on 5. April 2015 at 02:00  Comments (1)  

Eric Clapton und seine enge Beziehung zu Ripley in Surrey

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Eric Clapton, einer der ganz Großen in der Musikszene des 20. und 21. Jahrhunderts feierte vor wenigen Tagen, am 30. März, seinen 70. Geburtstag. Sein Leben begann am vorletzten Märztag im Jahr 1945 in Ripley in der Grafschaft Surrey, einem Dorf in der Nähe der Städte Guildford und Woking. 1 The Green lautete die Adresse des Hauses seiner Großeltern, in dem Eric geboren wurde. Zeit seines Lebens blieb der weltberühmte Gitarrist mit seinem Heimatort eng verbunden.

Hier auf dem Kirchhof von St Mary Magdalene beerdigte er seinen Sohn Conor, der im Alter von vier Jahren aus dem 53. Stock eines New Yorker Hochhauses stürzte. Eric Clapton war von dem Tod seines Kindes schwer erschüttert und schrieb daraufhin das Lied „Tears in Heaven„, in dem er versuchte, seinen Schmerz zu verarbeiten. „Conor Clapton 1986-1991 Beloved Son Sweet child of infinite beauty you will live in our hearts forever“ steht auf dem Grabstein geschrieben.

Am Neujahrstag des Jahres 2002 heiratete Eric Clapton in der Kirche St Mary Magdalene Melia McEnery, mit der er eine sechs Monate alte Tochter, Julie Rose, hatte. Vor der Zeremonie ließ er noch das Baby und seine 16 Jahre alte Tochter Ruth, die er aus einer anderen Beziehung hatte, vom Vikar Christopher Elson taufen, der schon seinen Sohn beerdigt hatte. Die Kirche an der High Street von Ripley, zu der Eric Clapton eine enge Beziehung hat, ist nur wenige Gehminuten von seinem Geburtshaus entfernt.
Ob wohl Eric Clapton in dem Laden Ripley Guitars, ebenfalls an der High Street gelegen, einige seiner Gitarren gekauft hat?

Eric Clapton wohnt nicht allzu weit von Ripley entfernt, in Ewhurst, wo er 1969 Hurtwood Edge kaufte, ein in italienischem Stil gebautes Haus aus dem Jahre 1910. Hier leben auch Claptons Musikerkollegen Mike Rutherford von Genesis, Gary Brooker von Procul Harum und Kenny Jones von The Who. Ewhurst liegt an der B2127 mitten im ländlichen Surrey.

St Mary Magdalen in Ripley (Surrey).    © Copyright Richard Rogerson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Ripley Guitars an der High Street in Ripley.    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 4. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das REME Museum of Technology, (noch) in der Arborfield Garrison in Berkshire zu finden

Ein Bergungsfahrzeug der britischen Armee im REME Museum of Technology. Author: Gaius Cornelius. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Ein Bergungsfahrzeug der britischen Armee im REME Museum of Technology.
Author: Gaius Cornelius.
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Wer sich für Militärtechnik interessiert, dem bietet das REME Museum of Technology in der Arborfield Garrison (Berkshire) jede Menge Anschauungsmaterial. REME steht für Corps of Royal Electrical and Mechanical Engineers und ist eine Abteilung der britischen Armee, die sich um die technische Instandhaltung der Ausrüstungsgegenstände kümmert. Die Wartung und Reparatur z.B. von Panzern, Hubschraubern und Raketensystemen fällt in den Zuständigkeitsbereich der REME, also sehr wichtige Aufgaben. Das Hauptquartier befindet sich in der bereits genannten Garnison von Arborfield, südlich von Reading und der Autobahn M4.

Damit sich Zivilisten ein Bild von der Arbeit der REME machen können, hat man auf dem Garnisonsgelände ein Museum eingerichtet. Hier wird in einer Halle über das Thema Militär und Elektronik informiert, in der Prince Philip Vehicle Hall sieht man Bergungs- und Reparaturfahrzeuge (benannt nach Prince Philip, Duke of Edinburgh, der der Colonel-in-Chief, also eine Art Ehrenkommandant, des Corps ist) und in der Armour’s Hall werden historische und moderne Waffen ausgestellt.

All das ist aber nicht mehr lange in der Arborfield Garrison zu sehen, denn noch im April wird die Garnison aufgelöst. Das Museum wird zusammen mit anderen Truppenteilen nach Wiltshire verlegt und zwar zur ehemaligen Royal Air Force Station Lyneham, die im Jahr 2012 geschlossen wurde und die nun anderen Aufgaben dienen soll. Auf dem Gelände werden zurzeit die Räumlichkeiten, die früher zur Offiziersmesse gehörten, umgebaut und sollen den Ausstellungsstücken aus Arborfield eine neue Heimat geben. Mit einem großen Fest wird das alte REME Museum of Technology am 25. April geschlossen. Wann die Neueröffnung in Wiltshire erfolgen soll, ist noch nicht bekannt.

Die ehemalige Luftwaffenbasis Lyneham (Wiltshire).    © Copyright Roger Cornfoot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 3. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Yvonne Pegler und der Sitz 26B in der Londoner Royal Festival Hall

Die Royal Festival Hall am Südufer der Themse in London.    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Royal Festival Hall am Südufer der Themse in London.
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50 Jahre lang saß in der Londoner Royal Festival Hall auf Platz 26B eine Dame, die sich so gut wie keine Vorstellung und kein Konzert entgehen ließ. Am 3. Mai 1951 wurde das Gebäude auf der südlichen Seite der Themse eröffnet und von da ab saß Yvonne Pegler Abend für Abend auf diesem für sie reservierten Platz, über 50 Jahre lang und nur selten ließ sie eine Vorstellung ausfallen.

Es begann alles damit, dass Yvonne Peglers Vater vor der Eröffnung der Royal Festival Hall dort arbeitete und seine Tochter einmal mitnahm. Auf einer Führung konnte sie sich ein Bild von dem neuen Konzertgebäude machen und das muss für das junge Mädchen (sie war damals 13 Jahre alt) so eindrucksvoll gewesen sein, dass sie vom ersten Tag an zum Dauergast wurde. Natürlich war es nicht ganz billig, fast jeden Tag ein Konzert zu besuchen, aber Yvonne Pegler ging nach dem Motto „Man gönnt sich ja sonst nichts“ vor und verzichtete dafür auf andere Annehmlichkeiten des Lebens wie teuere Urlaube oder ein Auto. Die Royal Festival Hall-Besuche wurden zur Obsession und so brachte sie es in 50 Jahren auf über 14 000 Konzerte, bei denen sie Stars sowohl der klassischen als auch der Unterhaltungsmusik zuhören konnte. Maria Callas und Frank Sinatra, um nur zwei zu nennen, traten in dem Konzertgebäude auf und Yvonne Pegler spendete ihnen allen Beifall.

Leider konnte ich nach dem Jahr 2001 keine Spur mehr von ihr finden; hatte sie ihre abendlichen Besuche aufgegeben, war sie krank geworden? Ich weiß es nicht.

Die Royal Festival Hall ist ein Teil des Southbank Centres und es kostet nichts, sich die Foyer-Räume einmal anzusehen. Man kann je nach Lust und Laune edel im Skylon-Restaurant lunchen und dinieren oder einfacher im Riverside Terrace Café etwas zu sich nehmen. Von beiden Etablissements aus hat man einen großartigen Blick auf die Themse.

Das Londoner Symphony Orchestra spielt in der Royal Festival Hall.    © Copyright Anthony O'Neil and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Londoner Symphony Orchestra spielt in der Royal Festival Hall.
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Published in: on 2. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein 2000. Blogeintrag – Ein paar Worte in eigener Sache

Am 17. Oktober 2009 begann ich, meinen England-Blog zu schreiben und hätte mir damals nicht gedacht, dass er so lange bestehen würde. Heute ist ein Jubiläum, der 2000. Blogpost. Das ist übrigens kein Aprilscherz! Dazu einige Anmerkungen in eigener Sache:

– Am 5. August 2011 lag mein bisheriger Rekord in Bezug auf die Zugriffszahlen; da wurde mein Beitrag zum Thema „Die Mayor Weighing Zeremonie in High Wycombe“ 1502 mal an einem Tag aufgerufen. Den Grund fand ich schnell heraus: In der Comedysendung „Genial daneben“ auf Sat1 wurde eine Frage gestellt, die sich genau darauf bezog. Bei der Wiederholung der Sendung einige Tage später kam es erneut zu hohen Zugriffszahlen.

– Immer wenn Folgen der Inspector Barnaby-Serie vom ZDF bzw. von ZDFNeo ausgestrahlt werden, wird meine Kategorie „Midsomer Murders“ besonders häufig aufgerufen. Spitzenreiter in der Artikelserie ist der Eintrag über John Barnabys Hund Sykes.

– Natürlich wird mein Blog am häufigsten in Deutschland gelesen, aber schon an zweiter Stelle stehen die USA, gefolgt von der Schweiz, Österreich und Großbritannien. Es gibt kaum ein Land auf der Welt (Ausnahmen sind einige zentralafrikanische Länder und der Iran) von dem aus mein Blog noch nicht aufgerufen wurde; wobei sich da aller Wahrscheinlichkeit nach viele zufällig zu mir verirrt haben.

Mir macht die tägliche Beschäftigung mit meinem Lieblingsland sehr viel Spaß, es kostet allerdings auch Zeit. Ich freue mich immer wieder über Kommentare und natürlich auch über die „Gefällt mir“-Klicks. Herzlichen Dank an alle, wo auch immer in der Welt, die meinen Blog mehr oder weniger regelmäßig verfolgen!!!

 

 

Published in: on 1. April 2015 at 02:00  Comments (28)