Ornamental Hermits – Die „Ziereremiten“ in den Parks englischer Landhäuser

Painshill Park in Surrey.    © Copyright Ian Capper and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Es gab einmal eine Zeit, vorwiegend im 18. Jahrhundert, als sich die Besitzer großer Landhäuser in England fragten: Ich habe einen so wunderschönen Park, aber irgendetwas fehlt darin. Schließlich kamen sie darauf, was offenbar fehlte – ein gewisses „menschliches Element“. Die Lösung für dieses Problem war ein Eremit, der das ganze über Jahr in Sack und Asche in den weitläufigen Anlagen leben sollte: The Ornamental Hermit. Die Idee war nicht neu, denn schon bei den Römern gab es so etwas, aber jetzt war es sozusagen der letzte Schrei. Es war nicht ganz leicht, Männer zu finden, die diese Rolle spielen wollten. Sie mussten eine Art Dienstkleidung tragen, ihre Haare wachsen lassen, sich nicht waschen und ständig eine melancholische Stimmung ausstrahlen. Das mag für den einen oder anderen ein Traumberuf gewesen sein, doch könnte ich mir vorstellen, dass bald eine gewisse Langeweile auftrat, denn was sollten die langhaarigen Männer den ganzen Tag machen außer meditieren?

Die Verträge mit den ornamental hermits beinhalteten einen meist mehrjährigen Aufenthalt im Park, den viele der Berufseinsiedler nicht durchhielten. Einer dieser Männer war ein gewisser Mr. Remington, der im Park von Painshill in Surrey diese Rolle spielen sollte. Seine Vertragslaufzeit ging über sieben Jahre; er schaffte es  gerade einmal drei Wochen, dann wurde er im örtlichen Pub bei einigen Pints erwischt (er musste seine erzwungene Melancholie offenbar auf diese Weise hinwegspülen) und aus war es mit dem Painshill Hermit.

Father Francis war der Ziereremit in Hawkstone Park in Shropshire, einer großen Parkanlage mit mehreren Follies, Höhlen, Felsen und Klippen, also dem idealen Arbeitsumfeld eines Einsiedlers. Der weißhaarige Herr soll um die 90 Jahre alt gewesen sein und man munkelt, dass er zeitweise durch einen Automaten ersetzt wurde, der die Arbeit des „Melancholischsein“ übernahm.

Ende des 18. Jahrhunderts verloren die Besitzer der Landhäuser offenbar das Interesse an den Eremiten und der Beruf starb aus (bis auf wenige Einzelfälle). Die später auftauchenden Gartenzwerge waren vielleicht die entfernten Verwandten der Einsiedler. Sie sind natürlich erheblich pflegeleichter; noch kein Gartenzwerg wurde je abseits seiner Arbeitsstelle in einem Pub erwischt und die Vertragslaufzeit ist für sie überhaupt kein Problem.

Professor Gordon Campbell ist in seinem Buch „The Hermit in the Garden: From Imperial Rome to Ornamental Gnome“ diesen eigenartigen Parkbewohnern einmal nachgegangen (Oxford University Press 2014. 272 Seiten. ISBN 978-0198700869). Hier ist ein Film mit Professor Campbell.

Der Sänger und Songwriter William Derek Drake hat einmal ein Lied mit dem Titel „Ornamental Hermit“ geschrieben.

Hawkstone Park in Shropshire, Arbeitsstätte von Father Francis.    © Copyright Chris Gunns and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 9. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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