Die UKIP und ihr einziger gewonnener Wahlbezirk: Clacton-on-Sea (Essex)

Die Pier von Clacton-on-Sea.    © Copyright Keith Evans and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Es ist schon merkwürdig: Da erhält die UK Independence Party (UKIP) bei den Parlamentswahlen in der vorigen Woche 3,7 Millionen Stimmen und wieviel Abgeordnete schickt sie ins Unterhaus? 1 (in Worten: einen). Der Rest der Stimmen kam in die Tonne. Damit ist UKIP nach den Tories und nach Labour die drittstärkste Partei im Land, vor den LibDems und der Scottish National Party. Das Wahlrecht Großbritanniens ist Schuld daran, wonach lediglich der Kandidat eines Wahlkreises mit den meisten Stimmen ins Parlament zieht. Sogar UKIP-Chef Nigel Farage konnte sich in seinem Wahlkreis South Thanet in Kent nicht durchsetzen und musste sich seinem konservativen Gegner Craig Mackinlay geschlagen geben. Farage = 32,4%, Macinlay = 38,1%. Übrigens kam die UK Independence Party in 125 Wahlkreisen auf den zweiten Platz, mit dem Schwerpunkt im Süden und Südosten des Landes.

Lediglich ein Wahlkreis konnte von einem UKIP-Mann gewonnen werden: Clacton-on-Sea von Douglas Carswell. Der Politiker hatte erst im August vorigen Jahres die Tories verlassen und war Farages UKIP beigetreten. Da er sein Abgeordnetenmandat zurückgeben musste, kam es in Clacton zu Nachwahlen, bei denen das frischgebackene UKIP-Mitglied haushoch gewann und als erster für die euroskeptische Partei ins Parlament einzog. Bei den Unterhauswahlen jetzt am 7. Mai erhielt Carswell 44% aller Stimmen.

Nun fragt man sich natürlich, warum die UKIP ausgerechnet in der 53 000 Einwohner großen Stadt an der Küste von Essex so erfolgreich wie in keinem anderen Ort Großbritanniens war. Das liegt sicher zum Teil an der Bevölkerungsstruktur. Das Durchschnittsalter der Einwohner liegt bei über 50 Jahren, nur ein geringer Teil wurde nicht in Großbritannien geboren und ebenfalls ein geringer Anteil ist nicht von weißer Hautfarbe. Dazu kommt, dass Clacton, wie viele andere Küstenorte auch, in den letzten Jahrzehnten einen Niedergang erlebt hat, weil sich die Tourismusströme in andere Regionen Europas verlagert haben. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Hotels und Pensionen stehen leer. Dies ist das ideale Umfeld für die UKIP, die für eine strikte Einwanderungsbegrenzung ist und Großbritannien aus der EU herausführen möchte. Die Menschen in Clacton, die für Douglas Carswell gestimmt haben, möchten ihre Stadt wieder so sehen wie sie einmal war, als Touristenmagnet, und das ist ihrer Meinung nach nur mit der Partei Nigel Farages möglich.

Nur ein paar Schritte von Clacton-on-Sea entfernt liegt eine weitere UKIP-Hochburg, Jaywick, ein Ort, der zu den heruntergekommendsten des Landes gehört (hier ist eine Fotoserie). Hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, geringe Lebensqualität, leerstehende Häuser sind die Merkmale dieser Bungalow-Siedlung, die vom Staat offensichtlich vergessen worden ist; hier liebt man das politische Programm der UKIP, die vehement für eine Änderung des derzeitigen Wahlrechts kämpft. Wer könnte ihr das verdenken?

 

Published in: on 13. Mai 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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