Oubliettes – Die grausamen Kerker in englischen Burgen

Der Caesar's Tower des Warwick Castles.    © Copyright David Stowell and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Caesar’s Tower des Warwick Castles.
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Man war auch schon im Mittelalter sehr erfindungsreich, wie man Menschen quälen konnte. In vielen Burgen hatte man Kerker eingerichtet, mit gruseligen Folterinstrumenten, deren Anwendung man sich lieber nicht vorstellen möchte.

Eine besonders brutale Einrichtung waren die Oubliettes. Der Name klingt zwar schön, aber darin steckt das Wort „oublier“, französisch für „vergessen“, und das lässt Böses ahnen. Dabei handelt es sich um einen schmalen tiefen Schacht, der oben mit einem Gitter verschlossen war.
Jetzt gab es zwei Methoden wie diese Oubliettes benutzt wurden: Die „humane“ und die inhumane. Bei der „humanen“ Methode wurde der Gefangene an einem Seil in das Gefängnis hinuntergelassen, bei der inhumanen wurde er einfach hinuntergestoßen, was in den meisten Fällen schwere Knochenbrüche nach sich zog.
Wenn der Gefangene Glück hatte, war die Oubliette so ausgestattet, dass er ein wenig Platz hatte und sich zum Schlafen ausstrecken konnte; geriet er besonders bösen Menschen in die Hände, dann war der Schacht so schmal, dass er darin weder sitzen noch liegen konnte. Bei den ein wenig freundlicher gestimmten Gefangenenwärtern erhielt er hin und wieder etwas zu essen und zu trinken; die brutalen Zeitgenossen hielten sich eng an die Bedeutung des Wortes „Oubliette“ und vergaßen ihn einfach, bis er irgendwann verhungert und verdurstet war.

In einigen alten Burgen sind diese grausamen Verliese noch erhalten geblieben. Zum Beispiel im Caesar’s Tower im Warwick Castle.
Wenn es um Grausamkeiten ging, waren die früheren Besitzer des Chillingham Castles in Northumberland immer ganz vorn dabei. Die griffen zu der inhumanen Methode und warfen ihre Gefangenen in die Oubliette und gaben ihnen nichts zu essen. Es heißt, dass einige der verzweifelten Menschen Kannibalismus an den Tag legten und Teile ihrer Mithäftlinge verspeisten, um ihr eigenes Leben etwas zu verlängern. Dass es in den Kerkern des Chillingham Castles spukt, versteht sich von selbst.

In den Galleries of Justice in Nottingham, gibt es auch eine Oubliette zu besichtigen, die hier in einem Film gezeigt wird. Das Gebäude diente früher einmal als Gericht und Gefängnis und wird heute von den „Fright Nights“-Geisterjägern als „the most haunted building in the UK“ bezeichnet.

Chillingham Castle in Northumberland.    © Copyright Derek Voller and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die Galleries of Justice in Nottingham.    © Copyright Roger Templeman and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 28. Mai 2015 at 02:00  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Wir wollten das Warwick Castle einmal waehrend einer Englandreise besuchen, aber uns ging die Zeit aus. Ist es denn einen Besuch wert oder ist es zu ‚touristy‘?

    • Sorry, dass ich erst jetzt antworte. Ich war acht Tage im Urlaub.
      Schön anzusehen ist das Warwick Castle schon, aber der Name des Eigentümers, Merlin Entertainments, sagt schon alles. Dieser Firma gehört u.a. Madame Tussauds und Legoland. Das heißt, hier ist alles auf „Fun, Fun, Fun“ getrimmt, es ist extrem touristy und es hat keine richtige Atmosphäre mehr. Schade! Aber viele scheinen das zu mögen.
      Viele Grüße!
      Ingo


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