Der dramatische Stapellauf der HMS Albion am 21. Juni 1898 in London

This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

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Eigentlich hätte es ein schöner Tag werden sollen, der 21. Juni 1898, als das Kriegsschiff HMS Albion in London vom Stapel lief. Gebaut wurde es von den Thames Ironworks, die neben den Victoria Docks im Osten der Stadt lagen. Das Schiff wog etwa 13 000 Tonnen und war 131 Meter lang. Zur Taufe war die Duchess of York angereist, die, wie bei Schiffstaufen üblich, eine Flasche Champagner gegen den Bug des Schiffes warf. Und da, so werden Abergläubische sagen, begann die Tragödie, denn die Flasche zerbarst nicht. Auch zwei weitere Versuche scheiterten, der Champagner weigerte sich einfach, die Taufe vorzunehmen.
Als nächstes schnitt die Duchess of York das Seil durch, das man vor dem Schiff gespannt hatte, und das war das Zeichen für die Werftarbeiter, die HMS Albion zu Wasser zu lassen. Langsam glitt das Schiff hinein und verursachte durch die Wasserverdrängung eine sehr hohe Welle, die gegen eine Plattform prallte, auf der sich mehrere hundert Zuschauer eingefunden hatten, um dem Spektakel beizuwohnen. Trotz Warnungen der Polizei, dass ein Aufenthalt darauf nicht sicher war, wollten viele die Schiffstaufe möglichst nahe miterleben, was diesen Menschen zum Verhängnis wurde. Die Welle zerstörte die Plattform und riss die Zuschauer ins Wasser. Während auf der einen Seite des Schiffes die Menschen jubelten, kämpften auf der anderen Seite Hunderte um ihr Leben.

Trotz sofort eingeleiteter Hilfsmaßnahmen kamen 38 ums Leben, meistens Frauen und Kinder, Angehörige der Werftarbeiter, die stolz das Werk ihrer Männer und Väter betrachten wollten. Viele konnten durch den Einsatz mutiger Zuschauer und Werftarbeiter gerettet werden, die in das vier Meter tiefe Wasser sprangen und die Unglücklichen, die meist nicht schwimmen konnten, herauszogen.

Arnold Hills, der Eigentümer der Thames Ironworks, war von der Tragödie erschüttert und bot sofort an, die Kosten für die Beerdigungen zu übernehmen und einen Hilfsfond einzurichten, denn die Ertrunkenen gehörten zu der armen Bevölkerungsschicht Londons.

Zufällig wurde der Vorgang damals im Jahr 1898 von zwei Leuten gefilmt. Hier ist E.P. Prestwichs Film und hier der von Robert W. Paul.

Der schottische Dichter William Topaz McGonagall, der in der Welt der Literatur nicht gerade den besten Ruf genießt, hat über die Katastrophe ein Gedicht geschrieben, das er „The Albion Battleship Calamity“ nannte.

Die HMS Albion, deren Leben so tragisch begann, sollte nicht lange im Einsatz bleiben, denn schon 1919 wurde sie verschrottet.

Dort, wo sich früher die Thames Ironworks befanden, liegt heute das Royal Victoria Dock, Teil der völlig umgestalteten Londoner Docklands.

Etwa hier, wo sich heute das Royal Victoria Dock befindet, ereignete sich die Katastrophe. Author: Romazur. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Etwa hier, wo sich heute das Royal Victoria Dock befindet, ereignete sich die Katastrophe.
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Published in: on 26. Juli 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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