Die Belvoir Fruit Farms in Leicestershire und ihre Limonaden und Sirupe

Holunderblüten aus denen Elderflower-Sirup und -limonaden hergestellt werden. Author: Spitfire. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

Holunderblüten aus denen Elderflower-Sirup und -limonaden hergestellt werden.
Author: Spitfire.
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.

Der kleine Lord, Little Lord Fauntleroy, hätte die Limonaden der Belvoir Fruit Farms in Leicestershire sicher geliebt. Die Burg Belvoir Castle, wo der Film „Der kleine Lord“ einst gedreht wurde, befindet sich ganz in der Nähe des Farmgeländes, das mittlerweile weltweit für seine Produkte bekannt geworden ist.

Es fing alles ganz klein an, als im Jahr 1984 Lord John Manners, ein pensionierter Offizier, und seine Frau Lady Mary ihr Unternehmen im fruchtbaren Vale of Belvoir gründeten. Gerade einmal tausend Flaschen Limonaden und Sirups wurden damals hergestellt, hauptsächlich aus Holunderblüten (die auch Bestandteil des seit einigen Jahren in Deutschland beliebten „Hugo“ sind). Abnehmer waren lokale Geschäfte. Im Laufe der Jahre nahm die Firma neue Geschmacksrichtungen in ihr Programm auf wie Himbeer-, Erdbeer- und Johannisbeersirup. Die Qualität der Produkte von den Belvoir Fruit Farms sprach sich im ganzen Land herum und so stieg die Nachfrage stetig an. Im Jahr 2000 wurden schon über eine Million Flaschen verkauft, fünf Jahre später waren es fünf Millionen, 2012 über sechzehn Millionen. Der Erfolg der Getränke blieb nicht auf nationaler Ebene beschränkt; heute gehen die Limonaden und Sirups in die ganze Welt, bis nach Australien und Neuseeland. Auch in Deutschland kann man sie kaufen, z.B. bei der Firma Torquato in Geesthacht, die einen wunderschönen Laden mit einer tollen Auswahl im Hamburger Hanseviertel in den Großen Bleichen betreibt (auch in Berlin und Düsseldorf gibt es Ladengeschäfte). Hier macht das Stöbern richtig Spaß.
Im Angebot der Firma Torquato sind z.B. Organic Lemonade, Raspberry Lemonade, Organic Ginger Beer und natürlich Elderflower Pressé, die Holunderlimonade mit der alles begann.

Die Produkte aus dem Vale of Belvoir schmecken wahrscheinlich so gut, weil sie ohne Farbstoffe, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker hergestellt werden. Die meisten Früchte werden auf der Farm selbst angebaut.
Nach wie vor hat die Manners-Familie die Zügel in der Hand, zurzeit ist Pev Manners der Managing Director.

Man findet die Farm unterhalb des Belvoir Castles an der Woolsthorpe Road. Ob man sich auf dem Farmgelände nun in Leicestershire oder in Lincolnshire befindet, scheinen die Besitzer auch nicht zu wissen, denn auf den Webseiten wird mal die eine, mal die andere Grafschaft genannt. Auch Nottinghamshire habe ich als Anschrift für die Farm schon gefunden. Auf der Firmenwebseite steht als Adresse Barkestone Lane, obwohl das Gelände an der Woolsthorpe Road liegt. Alles sehr verwirrend (aber einfach zu finden).

Dieser von der Firma selbst hergestellte Film gibt einen Einblick in die Produktion der Getränke.

 

 

Published in: on 30. September 2015 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

The Mascot Grand National – Das Rennen der Maskottchen auf dem Kempton Park Racecourse in Sunbury-on-Thames (Surrey)

Der Kempton Park Racecourse in Sunbury-on-Thames (Surrey).   © Copyright James Emmans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Kempton Park Racecourse in Sunbury-on-Thames (Surrey).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright James Emmans and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Einmal im Jahr versammeln sich auf dem Kempton Park Racecourse in Sunbury-on-Thames (Surrey), dort, wo sonst edle Rennpferde ihre Kräfte messen, kuriose Gestalten zum sogenannten Mascot Grand National. Maskottchen von Firmen und Sportvereinen kommen hier zusammen, um eine Strecke von ca 200 Metern zurückzulegen, die mit einigen 40 cm hohen Hürden gespickt ist. Es ist gar nicht so einfach, diese Strecke in voller Montur  zu bewältigen und so sind Stürze an der Tagesordnung.

1999 wurde das Rennen erstmals ausgetragen und zwar auf dem Huntingdon Racecourse in Cambridgeshire; erst 2012 wechselte man zum Kempton Park Racecourse über. Bis zu 100 Teilnehmer fanden sich manchmal hier ein, aber jetzt scheint das ganze Unternehmen ins Stocken geraten zu sein, denn 2014 fiel es aus und auch in diesem Jahr habe ich keine Ankündigung mehr gefunden.

Es gab bei dem Rennen immer schon kleine Skandale, denn unter der Verkleidung der putzigen Maskottchen steckte hin und wieder ein Profi wie im Jahr 2001 als Freddie the Fox gewann. In der Gestalt des listigen Fuchses steckte ein Olympiateilnehmer in der Disziplin 400 Meter Hürden. Als das herauskam wurde Freddie natürlich sofort disqualifiziert. Ähnliches geschah im Jahr 2003 als sich herausstellte, dass unter Sedge the Field Mouse ein Sprinter der Commonwealth Games steckte. Bei dem gleichen Rennen geriet auch einiges durcheinander als plötzlich ein Streaker auf der Bahn erschien, eine nackte Frau, die die vorwiegend männlichen Maskottchen irritierte und aus der Konzentration riss (hier kann man sich das einmal ansehen).
Mehrfachgewinner waren bisher Chaddy the Owl (Maskottchen des Oldham Athletic Association Football Clubs), Wacky Macky Bear vom Saffron Walden Town Football Club und Mr. Bumble vom Barnet Football Club. Der letzte Sieger im Jahr 2013 war Barry Barratt von der Immobilienfirma Barratt Developments, der sich klar gegen Mr. Bumble durchsetzten konnte wie dieser Film zeigt.

Bleibt zu hoffen, dass dieses lustige Rennen, dessen Einnahmen immer wohltätigen Zwecken zukamen, wieder aufgenommen wird.

Der ursprüngliche Austragungsort, der Huntingson Racecourse in Cambridgeshire.   © Copyright Richard Humphrey and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der ursprüngliche Austragungsort, der Huntington Racecourse in Cambridgeshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Humphrey and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 29. September 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Joan „Miss Marple“ Hickson und ihr früherer Wohnort Wivenhoe in Essex

Blick von der Kirche St Mary's auf Joan Hicksons Haus an der Rose Lane in Wivenhoe. Author: Keith Beckett. Creative Commons 3.0 Unported.

Blick von der Kirche St Mary’s auf Joan Hicksons Haus an der Rose Lane in Wivenhoe.
Author: Keith Beckett.
Creative Commons 3.0 Unported.

In meinen Augen hatte es nie eine bessere Verkörperung von Agatha Christies Miss Marple gegeben als Joan Hickson in ihrer TV-Serie „Miss Marple“, die von 1984 bis 1992 in England produziert wurde. Es gibt eine schöne DVD-Box mit allen Folgen auch in deutscher Synchronisation. Hier ein kurzer Ausschnitt.

Joan Hickson wurde am 5. August 1906 in Kingsthorpe, einem Vorort von Northampton geboren. 1927 hatte sie ihren ersten Bühnenauftritt. 1946 trat sie in Agatha Christies „Appointment With Death“ (dt. „Der Tod wartet“) in London auf, und die große Dame des Kriminalromans war von Joan Hickson so angetan, dass sie ihr schrieb, sie wünschte sich, dass sie eines Tages einmal ihre Miss Marple spielen würde. Vierzig Jahre später war es dann tatsächlich so weit, dass sich Agatha Christies Wunsch erfüllte.

1958 hatte sich die Schauspielerin in ein beschauliches Dorf in Essex zurückgezogen, in dem sie sich bis ans Ende ihres Lebens außerordentlich wohlfühlte, nach Wivenhoe am River Colne, im Dunstkreis der Universitätsstadt Colchester. Der Campus der  University of Essex grenzt im Norden an das hübsche Dorf, und so wohnen etliche Studenten und Lehrkräfte hier in Wivenhoe.

Joan Hickson hatte sich ein Haus in einer kleinen Straße namens Rose Lane ausgesucht. Was für ein netter Name für eine Straße, die man sich auch in Miss Marples St Mary Mead vorstellen könnte. Ihr Haus am oberen Ende von Rose Lane blickte direkt auf die Kirche St Mary’s, am unteren Ende liegt ein Pub mit dem Namen Rose & Crown direkt am Flussufer. Miss Marple selbst hätte sich hier bestimmt auch wohlgefühlt. Mrs Hickson war Kundin in den Läden von Wivenhoe, sehr beliebt und sicher war man im Ort auch stolz, dass sie sich hier niedergelassen hatte.
Wenn sie in London auf der Bühne stand, versuchte sie so schnell wie möglich anschließend wieder nach Hause zurückzukommen („I love getting back to Wivenhoe. I get out of my wig, bustle and costume in three minutes flat at the end of the play before jumping into a taxi outside the theatre and catching the train home“).

Joan Hickson war mit dem Arzt Eric Norman Butler verheiratet, der 1967 starb. Sie hatten eine Tochter und einen Sohn. Letzerer, Nicholas Butler, interessierte sich sehr für seinen Heimatort und schrieb das 400 Seiten starke Buch „The Story of Wivenhoe„, das 1989 bei der Quentin Press erschien und auf dessen Umschlagfoto die Rose Lane zu sehen ist.

Joan Hickson starb am 17. Oktober 1998 im Colchester General Hospital an den Folgen eines Schlaganfalls (hier die BBC-Meldung über ihren Tod). An ihrem ehemaligen Haus am Rose Lane ist eine blaue Plakette angebracht. Interessanterweise findet man am letzten Haus am unteren Ende der Straße, am Quay House, eine weitere blaue Plakette, die an einen anderen Schauspieler erinnert. Hier verbrachte John Martin-Harvey (1863-1944), Sohn eines lokalen Werftbesitzers, einen Teil seiner Kindheit. Er wollte nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, sondern lieber eine Karriere auf der Bühne suchen. William Schwenck Gilbert half ihm dabei, der zusammen mit Arthur Sullivan als Gilbert and Sullivan weltberühmt wurde. Die blaue Plakette enthüllte übrigens Joan Hickson, und ihr Sohn Nicholas Butler verfasste eine Biografie des Schauspielers „John Martin-Harvey: Biography of an Actor-Manager„, die im Jahr 2002 erschien.

Beerdigt wurde Joan Hickson nicht in Wivenhoe, sondern in dem weit entfernt gelegenen Friedhof von Sidbury in Devon. Der Grabstein trägt die Inschrift „Joan Bogle Butler“ (Ihre Mutter hatte den Mädchennamen Edith Mary Bogle).

Hier ist ein kurzer Film über Wivenhoe heute.

The Rose & Crown am River Colne am Beginn der Straße Rose Lane.   © Copyright Dr Neil Clifton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Rose & Crown am River Colne am Beginn der Straße Rose Lane.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Dr Neil Clifton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die World Pooh Sticks Championships – Erinnerungen an Pu der Bär

Die Brücke in Hartfield (East Sussex).   © Copyright Malc McDonald and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Brücke in Hartfield (East Sussex), wo Winnie das Stöckchenspiel mit seinen Freunden gespielt hat.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Malc McDonald and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pu der Bär (Winnie-the-Pooh), eine Kinderbuchfigur, geschaffen von Alan Alexander Milne, ist in der ganzen Welt bekannt. In einer der Geschichten um den kleinen Bären (The House at Pooh Corner, 1928 erschienen) spielt Pu mit seinen Freunden ein Stöckchenspiel: Sie stehen auf der einen Seite einer Brücke, werfen Stöckchen in den Fluss, rennen zur anderen Seite der Brücke und sehen dann, wessen Stöckchen als erstes durch die Brücke geschwommen ist. Diese Brücke liegt in Hartfield, einem sehr hübschen Ort in East Sussex.

Dieses Spiel stand Pate bei den World Pooh Sticks Championships, die seit 1983 jährlich an der Day’s Lock, einer Schleuse bei Little Wittenham bei Dorchester-on-Thames auf der Themse ausgetragen werden. Lynn David, ein Schleusenwärter hat sich das ausgedacht, um Spenden für die RNLI, die Royal National Lifeboat Institution, zu sammeln.
In diesem Jahr hat man den Austragungsort verlegt; ab sofort finden die Weltmeisterschaften in Langel Common bei Witney in Oxfordshire statt und zwar an einer Brücke über den River Windrush bei der Cogges Manor Farm (das ist übrigens die „Yew Tree Farm“, die wir in der TV-Serie „Downton Abbey“ gesehen haben).

Teilnehmer an den World Pooh Sticks Championships kommen aus der ganzen Welt; so war der Gewinner im Jahr 2013 ein Australier und in diesem Jahr nahm eine Dame aus den USA, Deb Hoffman, teil, die die weltgrößte Sammlung an Winnie the Pooh Memorabilia besitzt und dadurch im Guinness Book of Records steht.

Gesponsert wird das ganze Unternehmen vom Rotary Club of Oxford Spires; die Einnahmen werden wohltätigen Zwecken zugeführt. Im nahegelegenen Oxford gibt es sogar eine Magdalen College Pooh Sticks Society und auch Oxfords Konkurrenzstadt Cambridge kann sich einer Pembroke College Winnie the Puh Society rühmen.

Dieser Film zeigt die diesjährigen Weltmeisterschaften bei Witney.

Das Haus des Schleusenwärters und die Brücke, wo bis zum Jahr 2014 die Championships ausgetragen wurden.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Haus des Schleusenwärters und die Brücke, wo bis zum Jahr 2014 die Championships ausgetragen wurden.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Graham Hogg and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

 

 

Published in: on 27. September 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

R. J. Balson & Son in Bridport (Dorset) – Großbritanniens ältestes Familienunternehmen

Das Schlachtergeschäft in der Straße West Allington in Bridport (Dorset).   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Schlachtergeschäft in der Straße West Allington in Bridport (Dorset).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright N Chadwick and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wenn ich an englischen Schlachter/Metzgerläden vorbeigehe, über denen der Hinweis „Family Butcher“ steht, muss ich unwillkürlich schmunzeln, erweckt der Begriff doch irgendwie die Vorstellung eines „familiendahninmetzelnden“ Schlachters. Dabei sind die Leute, die hinter dem Tresen stehen und Fleisch und Wurstwaren verkaufen, friedliche und freundliche Menschen mit kleidsamen Schürzen, Käppis oder Hüten.

Einer dieser Schlachter, die Firma R.J. Balson & Son in Bridport (Dorset) feierte in diesem Monat sein 500jähriges Bestehen (in der Bridport Town Hall fand eine  große Party statt) und ist damit das älteste kontinuierlich geöffnete Familienunternehmen in ganz Großbritannien. Robert Balson eröffnete zur Zeit Heinrichs VIII. im Jahre 1515 einen Marktstand in der Straße The Shambles; das kleine Unternehmen wurde über 25 Generationen immer wieder weitervererbt, 1880 zog man in einen kleinen Laden in der Straße West Allington, wo man das Geschäft noch heute findet.

Die beiden Master Butcher sind zurzeit Richard Balson und sein Schwager Rudi Boulay, die sich erstaunlicherweise, und Gottseidank, gegen die Übermacht der Supermarktketten behaupten können, was sicher nicht ganz leicht ist, aber offensichtlich gibt es in Bridport viele Stammkunden, die ihren „Family Butcher“ nicht im Stich lassen wollen.

In dem Laden kann man neben Spezialitäten aus Dorset auch Exotisches kaufen wie Känguru- und Krokodilfleisch; aber die meisten Kunden greifen doch lieber zu „Faggots“ und „Pork Sausages„. Das sind eine Art Frikadellen aus Innereien bzw. Würstchen aus Schweinefleisch. Über das Familienunternehmen hat Richard Balson ein Buch geschrieben, das er „500 Years Behind The Block“ genannt hat und das über die Webseiten der Firma zu bestellen ist.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck von der Firma R.J. Balson.

Auf den Plätzen 2 und 3 der ältesten Familienunternehmen Großbritanniens liegen R. Durtnell & Sons, eine Baufirma, die 1591 in Brasted bei Sevenoaks gegründet wurde, und C. Hoare & Co, eine Londoner Privatbank aus dem Jahr 1672.

Über Bridport, die Stadt der Seile und Netze, habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet.

 

Published in: on 26. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Warwick Deeping – Ein heute fast vergessener Schriftsteller aus Southend-on-Sea (Essex)

This image (or other media file) is in the public domain because its copyright has expired.

This image is in the public domain because its copyright has expired.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass im Bücherschrank meiner Eltern ein Exemplar von Warwick Deepings Roman „Hauptmann Sorrell und sein Sohn“ stand, eine Ausgabe des Bertelsmann Leserings in der damals typischen Aufmachung der Buchgemeinschaften. Gelesen habe ich das Buch nie, aber der ungewöhnliche Name Warwick Deeping ist bei mir hängengeblieben.

Die Bücher des englischen Romanciers, der von 1877 bis 1950 lebte, sind vom deutschen Buchmarkt komplett verschwunden. Laut Katalog der Deutschen Nationabibliothek erschien als letzter Roman von Deeping „Licht im Dunkel“ (der Originaltitel lautet „Blind Man’s Year) im Jahr 1979, wieder als Buchgemeinschaftsausgabe. Auch auf dem englischen Buchmarkt sind nur noch eine Handvoll seiner Werke erhältlich.

Wer war nun dieser Mann mit dem Vornamen einer englischen Stadt?
Geboren wurde er am 28. Mai 1877 im Prospect House in der High Street von Southend-on-Sea (Essex), gegenüber vom Royal Hotel (das heute leer steht). Der Sohn eines Arztes wurde selber Arzt, der aber später merkte, dass ihm das Schreiben von Romanen mehr lag als das Diagnostizieren und Behandeln von Krankheiten. Im Alter von 26 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman „Uther and Igraine“ (ein historischer Roman um König Arthur), ihm folgten im Jahrestakt bis zu seinem Tod weitere Romane und Kurzgeschichtensammlungen. Deeping konnte sich hoher Auflagen erfreuen und in den 1920er und 1930er Jahren gehörte er zu den meistgelesesenen Schriftstellern Großbritanniens. Das oben erwähnte „Sorrell and Son“ erschien 1925 und sollte der Roman bleiben, der ihn auch über die Grenzen seines Heimatlandes bekannt machte. 1927 und 1934 wurde das Buch verfilmt und 1984 produzierte Yorkshire Television eine sechsteilige Fernsehserie (hier ist die erste Folge zu sehen).

Warwick Deeping ließ sich 1919 in Weybridge in Surrey nieder, wo er bis zu seinem Tod wohnte. „Eastlands“ hieß sein Anwesen in der Brooklands Road in dem Prominenten-Wohnort, in dem später zahlreiche Fußballer und Leute aus der Unterhaltungsbranche lebten (Cliff Richard, Ringo Starr, John Lennon, Tom Jones). Die Schauspielerin und Schriftstellerin Fanny Kemble verbrachte einen Teil ihre Kindheit von 1825 bis 1827 in Eastlands.
Deeping fühlte sich in Weybridge, südwestlich von London, sehr wohl und wollte hier auch nie weg. Er starb dort am 20. April 1950; seine Asche wurde auf den Remembrance Gardens des Woking Crematoriums verstreut.

Nach Warwick Deeping wurde übrigens ein Trawler benannt; das Schiff sank 1940 vor der Küste der Isle of Wight und liegt dort immer noch in 35 Meter Tiefe und ist bei Wracktauchern sehr beliebt.

Das Buch zum Artikel:
Mary Grover: The Ordeal of Warwick Deeping. Fairleigh Dickinson University Press 2009. 232 Seiten. ISBN 978-0838641880.

Published in: on 25. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The Grey Lady in Rufford Old Hall (Lancashire)

The Great Hall von Rufford Old Hall.   © Copyright Jeff Buck and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Great Hall von Rufford Old Hall.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jeff Buck and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zahl der Burgen, Schlösser, Herrenhäuser in England, die keinen Hausgeist zu ihren Bewohnern zählen, ist wahrscheinlich deutlich höher als die der gespensterfreien Stately Homes. Bei meinen Besuchen in diesen historischen Stätten kam ich immer wieder ins Gespräch mit den freundlichen Damen und Herren (meistens waren es ältere Damen), die in den einzelnen Räumen der Häuser Aufsicht führten und Fragen beantworteten. Einige von ihnen gaben bereitwillig Auskunft über die Hausgeister, und ich kann mich an ein Haus erinnern, da erzählte mir eine der Damen, dass das Personal in der dunklen Jahreszeit nach der Schließung um 17 Uhr sich nur noch ungern darin aufhielt und dass sie ihre abschließenden Rundgänge nie allein machten.

Auch Rufford Old Hall, am nördlichen Rand des Dorfes Rufford (Lancashire) an der A59 gelegen, kann sich über einen Mangel an Hausgeistern nicht beklagen. Die Familie Hesketh war seit dem 15. Jahrhundert Eigentümerin des Gebäudes, bis es 1936 in den Besitz des National Trusts überging. Die sehenswerte Great Hall ist der älteste, noch erhalten gebliebene Teil des Komplexes, in dem einmal William Shakespeare mit einer Theatertruppe aufgetreten sein soll, was allerdings fraglich ist.

Zu den Geistern von Rufford Old Hall zählt Königin Elizabeth I, die mehrmals im Esszimer gesichtet worden sein soll, ein Herr in elisabethanischer Kleidung und die Grey Lady. Bei letzterer handelt es sich um Elizabeth Hesketh, die zur Zeit des Bürgerkrieges in dem Haus lebte und über die eine tragische Geschichte kursiert:

Am Tage ihrer Hochzeit in der Old Hall wurde ihr Mann, ein Soldat, vom üppigen Mahl wegberufen, um gegen die Schotten in den Kampf zu ziehen, die die Grenze nach England überschritten hatten und sich auf dem Weg nach Süden befanden. So hatte sich die arme Elizabeth ihre Hochzeit nicht vorgestellt, und so wartete sie auf die Rückkehr ihres Mannes. Die Tage vergingen, die Botschaft über den Sieg gegen die Schotten erreichte Rufford Old Hall, aber ihr Mann kam nicht zurück. Monatelang ließ Elizabeth Hesketh die Auffahrt zur Hall nicht aus den Augen, aber ihr Warten war vergebens: Sie sollte ihren Mann nie wiedersehen. Die junge Frau war nur noch ein Schatten ihrer selbst, sie aß und trank nicht mehr und siechte dahin und kurz bevor sie starb, gab sie den Schwur ab, dass sie Rufford Old Hall niemals verlassen würde, bis ihr Ehemann zurückkehrt. Und so zieht Elizabeth Heskell in Form eines Geistes noch immer durch die Räumlichkeiten des alten Hauses; auch auf der Zufahrt und an der A59 will man sie schon gesehen haben.

Wer sich selbst einmal auf die Suche nach Elizabeth Haskell machen möchte, Rufford Old Hall ist zu besichtigen; hier sind die Öffnungszeiten. Wer sich dagegen die Geisterjagd lieber von zuhause aus auf dem Bildschirm ansehen will: Die TV-Crew von „Most Haunted“ des Senders Living TV war hier in Lancashire zu Gast und drehte einen Film darüber; Teil 1 ist hier zu sehen.

Dieser Film zeigt Außen- und Innenaufnahmen der Old Hall.

Die Great Hall von innen.   © Copyright Jeff Buck and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Great Hall von innen.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jeff Buck and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier an der A59 geht es zur Old Hall ab; manche Autofahrer behaupten den Geist von Elizabeth Heskell an dieser Stelle gesehen zu haben.   © Copyright Colin Pyle and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier an der A59 geht es zur Old Hall ab; manche Autofahrer behaupten, den Geist von Elizabeth Heskell an dieser Stelle gesehen zu haben.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Colin Pyle and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

„Nearer, My God, To Thee“ – Ein Choral, den Sarah Flower Adams 1841 in Loughton (Essex) schrieb

Sarah Flower Adams. his image is in the public domain because its copyright has expired.

Sarah Flower Adams.
This image is in the public domain because its copyright has expired.

In der Liedersammlung „Hymns and Anthems„, die William Johnson Fox 1841 zusammenstellte, befand sich ein Choral, dessen Text Sarah Flower Adams (1805-1848) geschrieben und den ihre Schwester Eliza Flower vertont hatte: „Nearer, My God, To Thee„. Noch heute wird dieses Lied gern auf Beerdigungen und Trauerfeiern gespielt. Sarah Flower Adams schrieb den Text an einem Nachmittag im Jahr 1841 in ihrem Haus Sunnybank in Loughton in Essex. Das Haus wurde 1888 abgerissen, heute steht die Nummer 9 Woodbury Hill an dieser Stelle. Eine blaue Plakette erinnert an sie und ihren Mann mit der Inschrift:
On this site lived William Bridges Adams (1797-1872) Inventor and polemicist, and his wife Sarah Flower (1805-1848) Hymnodist and poet„.

Gäbe es nicht „Nearer, My God, To Thee“ wäre Mrs Adams wahrscheinlich schon längst in der Vergessenheit versunken. Es gab später mehrere Nachvertonungen, sowohl in den USA, als auch in Großbritannien.

Wer einen der „Titanic“-Spielfilme gesehen hat, der kann sich sicher an die bewegende Szene erinnern, als kurz vor dem Untergang des Schiffes die kleine Bordkapelle dieses Lied spielt und da blieben nicht viele Augen trocken. Hier ist die Szene aus dem Film „A Night To Remember“ (dt.“Die letzte Nacht der Titanic“) aus dem Jahr 1958 zu sehen und hier einige Ausschnitte aus dem Film „Titanic“ aus dem Jahr 1997, unterlegt mit der Sarah Flower Adams-Hymne.

Als der amerikanische Präsident William McKinley acht Tage nach einem Attentat am 14. September 1901 in Buffalo, New York, seinen schweren Verletzungen erlag, soll er in seinen letzten Momenten noch einige Zeilen aus dem Choral leise zitiert haben.

Eine weitere Geschichte rankt sich um das Lied: Als der „Gold Rush“ in Alaska Tausende von Männern zum Yukon trieb und dort blanke Anarchie herrschte, ging Evangeline Booth und ein halbes Dutzend weitere Angehörige der Heilsarmee in die einsame, wilde Region und was sie hier vorfanden, erschütterte sie sehr. Am Abend ihres Ankunftstages zog das kleine Häuflein der Heilsarmee zum Ufer des Yukon Rivers und sang „Nearer, My God, To Thee“. Erst kamen einige Hundert der Goldsucher, dann Tausende (am Ende sollen es 25 000 gewesen sein) und alle sangen sie die Hymne mit. Das gemeinsame Singen wiederholte sich an den nächsten Tagen und das Lied muss einen beruhigenden Einfluss auf die wilde Horde ausgeübt haben, denn die Schießereien und Prügeleien gingen zurück.

Eine weitere blaue Plakette an einer Hauswand erinnert an Sarah Flower Adams, in ihrem Geburtsort Old Harlow, ebenfalls in Essex gelegen. In der Fore Street Nummer 2, einer Fußgängerzone, hängt diese Plakette neben der Eingangstür mit der Inschrift „Sarah Flower Adams 1805 – 1848 authoress of the hymn „Nearer my god to thee“ was born here„.

1848 starb Mrs Adams in London, wurde aber auf dem Foster Street Burial Ground bei Harlow beigesetzt.

Das Geburtshaus in Harlow (Essex) mit Erinnerungsplakette. Author: Sludge G. Attr.: Creative Commons 2.0

Das Geburtshaus in Harlow (Essex) mit Erinnerungsplakette.
Author: Sludge G.
Attr.: Creative Commons 2.0

Sarah Flower Adams' Grabmahl.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sarah Flower Adams‘ Grabmahl.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Marathon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

 

 

Published in: on 23. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – Die „Little Book of…“-Reihe des Verlages The History Press

Foto meiner Exemplare.

Foto meiner Exemplare.

Meinen englischen Lieblingsverlag The History Press, ansässig in Stroud in Gloucestershire, habe ich in meinem Blog schon vorgestellt. Er hat ein riesiges Angebot an Büchern über alle möglichen Themen, die sich mit Großbritannien befassen. Da gibt es u.a. das Imprint „The Mystery Press“, in dem historische Kriminalromane veröffentlicht werden, National Trust Guide Books und mehrere Hundert Biografien und Memoiren.

Die Kategorie, die mich am meisten interessiert, ist „Local history“ mit mehr als 1600 Veröffentlichungen. Ob „The Lichfield Book of Days“, „The Story of Southampton“ oder „Haunted Isle of Sheppey“, es gibt kaum eine Stadt oder Region, über die nichts im Angebot von The Histoy Press zu finden ist.

Eine Buchreihe, die besonders gut gelungen ist: „The Little Book of…„, die zurzeit aus 50 Bänden besteht. Ein großer Teil der Grafschaften, aber auch Städte und Themen  („The Little Book of Crime and Punishment“, „The Little Book of Aviation“ u.v.a.m.) werden darin vorgestellt bzw. verarbeitet. Die Grafschafts-Bände besitze ich mittlerweile vollständig.
A series of fun, fact-packed compendiums of the sort of frivolous, fantastic or simply strange information no one will want to be without„, so beschreibt The History Press die Buchreihe.

Zwei Beispiele: „The Little Book of Berkshire“ von Stuart Hylton. Darin gibt es u.a. ein Kapitel „Berkshire People“, in dem viele historische und gegenwärtige Personen aufgeführt sind, die in irgendeiner Form eine Beziehung zu Berkshire haben. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Burgen, Abteien und Herrenhäusern in der Grafschaft, mit „Ghosts and Ghouls“ und dem „Battlefield Berkshire“.

In „The Little Book of Suffolk“ befasst sich Neil R. Storey mit den Themen „Essen und Trinken“, „Verkehrswesen“ und „Welche Filme und Fernsehserien wurden wo in Suffolk gedreht?“.

In der Buchreihe steht Wichtiges neben Kuriosem, Exzentrisches neben Amüsantem. Ich kann die „Little Books of…“ jedem empfehlen, der sich mit einer der Grafschaften näher beschäftigen möchte.

Published in: on 22. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Michelin Guide Great Britain & Ireland 2016 – Einige Anmerkungen

The Waterside Inn in Bray (Berkshire) - Seit 30 Jahren mit drei Michelin-steren ausgezeichnet. Eigenes Foto.

The Waterside Inn in Bray (Berkshire) – Seit 30 Jahren mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet.
Eigenes Foto.

Im Herbst jeden Jahres erscheinen die Hotel-, Restaurant- und Pubführer jeweils neu auf dem Markt und die Spannung ist immer groß, wer denn nun mit Sternen, Kochlöffeln und anderen Symbolen ausgezeichnet wird. Über die besten Pubs des Jahres habe ich kürzlich berichtet, heute möchte ich einige Anmerkungen zu den besten Restaurants Englands machen, die vom gerade erschienenen Michelin Guide Great Britain & Ireland 2016 ernannt worden sind.

Drei Drei-Sterne-Restaurants gibt es in diesem Jahr und es sind alles alte Bekannte:

„Alain Ducasse at the Dorchester“ ist wieder dabei, das Restaurant im Londoner Dorchester Hotel an der Park Lane. Der Franzose hat international so viele Sterne gesammelt wie sonst wohl keiner außer ihm.

Das „Restaurant Gordon Ramsay“ in der Londoner Royal Hospital Road gehört nach wie vor zum Besten der Besten; hier steht Chefköchin Clare Smyth am Herd, die einzige weibliche Köchin Großbritanniens mit drei Sternen.

Seit unglaublichen 30 Jahren kann sich der „Waterside Inn“ in Bray (Berkshire) nun schon dreier Sterne rühmen! Das wunderschön gelegene Hotelrestaurant an der Ferry Road direkt an der Themse steht heute unter der Leitung von Alain Roux. Hier ist ein Film über den Waterside Inn.

Was ist denn mit Heston Blumenthals „Fat Duck“ in Bray, wird sich mancher fragen, die noch im letzten Jahr drei Sterne erhalten hat? Sie wurde in dem aktuellen Michelin-Führer nicht bewertet, da das unscheinbare Haus an der Hauptstraße des Gourmet-Dorfes Bray für neun Monate wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Blumenthal ging für die Schließungszeit mit seiner Fetten Ente nach Melbourne in Australien. Ende September wird das Haus in Bray mit einer neuen außergewöhnlichen Karte (ich habe die Menüfolge schon gesehen) wiedereröffnet.

21 Restaurants in Großbritannien wurden mit zwei Sternen versehen, davon 11 in London. Die beiden einzigen Neuzugänge (beides japanische Restaurants):
Das „Umu“ am Bruton Place in Mayfair. Das achtgängige Kaiseki Menu ist für £115 zu haben.

Das „Araki“ in der New Burlington Street, ebenfalls in Mayfair, wurde erst in diesem Jahr eröffnet. In der Küche steht der Sushi-Meister Mitsuhiro Araki, der sein Tokioter Drei-Sterne-Restaurant verlassen und sich in London angesiedelt hat. Hier gibt es nur ein Festpreis-Menü für £300, das ausschließlich aus Sushis besteht.

Ein-Sterne-Restaurants gibt es viele im Land, allein 52 in London, davon vier Neuzugänge. Im restlichen England kann man in 62 Etablissements mit einem Michelin-Stern speisen. Sechs Neuzugänge gibt es in diesem Jahr.

Besonders freue ich mich, dass das Restaurant des Gravetye Manor Hotels jetzt mit dazugehört, in dem ich mich sehr wohl gefühlt habe und über das ich in meinem Blog berichtete. George Blogg ist der Chefkoch dort, dessen Speisen in dem holzgetäfelten Restaurant des Hotels serviert werden.

Carters of Moseley“ kann sich über einen neuen Stern freuen. Das Haus findet man im Dunstkreis von Birmingham in der Wake Green Road in Moseley. Im Good Food Guide war es in diesem Jahr schon „Restaurant of the Year“. Chefkoch und Eigentümer ist Brad Carter.

The Man Behind The Curtain“ ist der eigenartige Name von Michael O’Hares Restaurants in Leeds, das mittags Menüs serviert, die ebenso eigenartig klingen wie „Marc Bolan Wasn’t A Welder“ und „The Insecurity Of Postmen In Oakley Sunglasses“. Es ist in der oberen Etage des Textilwarengeschäfts Flannels im Vicar Lane untergebracht.

Ein weiterer Michelinstern-Neuzugang ist „John’s House“ in der Loughborough Street in Montsorrel in Leicestershire. John Duffin ist hier der Meister am Herd, der unter vielen Sterneköchen in London gearbeitet hat.

The Woodspeen“ liegt in dem gleichnamigen Ort bei Newbury (Berkshire) in der Lambourn Road. Das erst im Oktober 2014 eröffnete Haus mit angeschlossener Kochschule  wird von John Campbell „bekocht“.

The House of Tides“ schließlich ist ein Restaurant im hohen Norden, in Newcastle-upon-Tyne, in dem Kenny Atkinson den Kochlöffel schwingt. Das Haus liegt direkt am River Tyne.

Gravetye Manor bei West Hoathley (West Sussey).   © Copyright Nigel Freeman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Gravetye Manor bei West Hoathly (West Sussex).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nigel Freeman and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 21. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Der Bolsterstone Male Voice Choir – Ein international angesehener Männerchor aus South Yorkshire

   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Graham Hogg and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Man bezeichnet ihn  auch als „England’s largest village choir“, den Bolsterstone Male Voice Choir (BMVC), der sein Hauptquartier in dem kleinen Ort Bolsterstone in South Yorkshire hat. Schon 1934 wurde der Männerchor gegründet und der erste Chorleiter war William Evans, der dieses Amt 30 Jahre ausübte. Es begann damals alles auf kleiner Flamme; die Mitglieder des Chores kamen aus Bolsterstone und dem größeren Nachbarort Stocksbridge, und die Auftritte fanden auf regionaler Ebene statt.
Im Juli 1947 kam es zu einem tragischen Unfall, bei dem 9 Menschen getötet wurden. Der Chor war auf dem Weg nach Holmfirth in West Yorkshire (dort, wo später die Erfolgs-TV-Serie „Last of the summer wine“ gedreht wurde), wo er an einem Wettbewerb teilnehmen wollte, als sein Bus verunglückte. 50 Jahre später ehrte man die Opfer des Unfalls durch ein Glasfenster in der Kirche St Mary’s in Bolsterstone. Das Fenster zeigt die Kirche in der oberen linken Ecke, in der Mitte ist der Bolsterstone Male Voice Choir zu sehen und ganz unten die Opfer des Busunglücks.

Der Männerchor aus dem kleinen Yorkshire-Dorf wurde im Laufe der nächsten Jahrzehnte über die Grenzen der Region hinaus bekannt, national, sogar international. Die erste Schallplatte „Hail Bolsterstone“ wurde 1971 aufgenommen, es folgten in den 1980er Jahre Fernsehauftritte und Tourneen durch Großbritannien und andere Länder Europas.

Am häufigsten ist der BMVC aber in der Region tätig, zuletzt beim Besuch des Erzbischofs von York in Stocksbridge am letzten Sonntag. Man kann ihn für Hochzeiten buchen und in der Weihnachtszeit ist der Männerchor besonders gefragt. In diesem Jahr sind im Dezember Auftritte in Wortley (West Yorkshire), Sheffield, Stocksbridge und natürlich in der St Mary’s Church in Bolsterstone geplant.

Der Chor, der über 70 Mitglieder zählt, probt regelmäßig in der Bolsterstone Village Hall, nur ein paar Schritte von der Kirche und dem örtlichen Pub, The Castle Inn, entfernt. Zum 80jährigen Bestehen hat der Chor ein Buch herausgegeben mit dem Titel „The Village Choir That Conquered the World„, das direkt beim BMVC zu beziehen ist.

Hier ist der Chor zu hören und hier sind Bilder aus Bolsterstone zu sehen, untermalt von einem Lied des BMVC.

Die Bolsterstone Village Hall, hier finden die Proben des Chors statt.   © Copyright SMJ and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bolsterstone Village Hall, hier finden die Proben des Chors statt.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright SMJ and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kirchenfenster in St Mary's in Bolsterstone, das an die neun Unfallopfer erinnert. Author: Mick Knapton. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Kirchenfenster in St Mary’s in Bolsterstone, das an die neun Unfallopfer erinnert.
Author: Mick Knapton.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

Published in: on 20. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

The World Gurning Championships in Egremont (Cumbria)

Egremont in Cumbria.   © Copyright John Lord and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Egremont in Cumbria.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Lord and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Seit gestern ist es wieder soweit: In Egremont in der Grafschaft Cumbria, in der Nähe von Whitehaven, findet die Crab Fair statt, zu der Besucher aus aller Welt anreisen, nicht zuletzt um auch Zeugen der jährlich stattfindenden World Gurning Championships zu werden, den Weltmeisterschaften im Grimassenschneiden.

Schon seit 1267 findet in Egremont (Cumbria) diese Crab Fair statt, die übrigens nichts mit crabs wie Krabben, sondern mit crab apples = Holzäpfeln zu tun hat, die seinerzeit der Lord of the Barony of Egremont an die Festbesucher verteilte. Noch heute werden beim Fest auf der Hauptstraße von Egremont Äpfel von einem Wagen in die Menge geworfen, allerdings keine sauren Holzäpfel mehr, sondern eine süße Variante.

Ein wesentlicher Part der Crab Fair sind also die World Gurning Championships. Dazu müssen die Köpfe der Teilnehmer durch ein Pferdehalfter gesteckt werden, um mit dem Fratzenschneiden vor einer Jury zu beginnen. Vorteilhaft ist es, möglichst wenige Zähne sein eigen zu nennen, denn dann ist es einfacher bzw. eindrucksvoller. Ganz eifrige haben sich sogar extra wegen der Meisterschaften Zähne ziehen lassen. Ein nahezu unbezwingbarer Kandidat im Grimassenschneiden ist Tommy Mattinson, der seit 1999, bis auf zwei Ausnahmen, alle Siege davongetragen hat. Peter Jackman war im Jahr 2000 und Gordon Blacklock im Jahr 2009 Weltmeister. Tommy kommt aus einem Ort mit dem schönen Namen Aspatria, der nördlich von Egremont auch in der Grafschaft Cumbria liegt. Er ist im Guinness Book of Records verzeichnet und durfte sogar schon einmal vor der Queen seine Künste zeigen.

Bei den Frauen war die Weltmeisterin im „Gurning“ eine Dame aus Egremont selbst, die einen Rekord aufstellte, der kaum zu überbieten ist: Anne Woods gewann den Titel des weiblichen Champions 28mal. Leider ist sie im März diesen Jahres verstorben, so dass es an diesem Wochenende eine neue „Championesse“ geben wird.

Dieser Film zeigt wie es bei den Championships zugeht, mit dem Star-Grimassenschneider Tommy Mattinson.

 

 

 

 

Published in: on 19. September 2015 at 02:00  Comments (2)  
Tags: ,

Pubschilder – The Dog and Duck in Plucks Gutter (Kent)

   © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Oast House Archive and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was für ein netter Dorfname – Plucks Gutter. Da denkt man unwillkürlich an reetgedeckte, rosenumrankte Häuser, urige Pubs und idyllische Ententeiche. Nun, so ganz trifft das auf diesen Mini-Ort am River Stour, auf halbem Wege zwischen Canterbury und Margate in Kent, nicht zu. Wenn man mit dem Auto hindurchfährt und nicht so ganz bei der Sache ist, hat man Plucks Gutter gar nicht mitbekommen, so klein ist das Dorf. Es gibt hier zwar keinen Ententeich, aber eine Ente ziert das Pubschild des The Dog and Duck Inns. Das Federvieh und ein Hund sehen sich beide geradezu verliebt auf dem Schild an, das den Passanten zu einem Pint einlädt. Hier geht es, abseits vielbefahrener Straßen sehr ruhig zu, am Fluss ankern kleinere Boote und neben dem Gasthof liegt ein dazu gehörender Caravan Park, in dem man sich von Februar bis November einmieten kann. Das war’s auch schon, was man über Pluck’s Gutter sagen kann.

Das heißt, es gibt da noch einen Roman, der „The House at Plucks Gutter“ heißt, und 1963 von dem Autorenpaar Adelaide Frances Oke Manning und Cyril Henry Coles geschrieben wurde, die gemeinsam unter dem Pseudonym Manning Coles ihre Spionageromane verfassten, in denen ihr Protagonist Tommy Hambledon agiert.

Es gibt noch weitere Dog and Duck Pubs im Lande wie z.B. in Old Clipstone bei Mansfield in Nottinghamshire oder in Linton in Cambridgeshire. Der Name geht auf eine (Un)Sitte König Charles II zurück, als man Enten mit zusammengebundenen Flügeln in einen Teich warf und Spaniels auf sie ansetzte, um sie dort wieder (tot oder lebendig) herauszuholen. Manche Gasthöfe nennen sich aber auch Dog and Duck, weil in ihrer Nähe „normale“ Entenjäger mit ihren Hunden Jagd auf das Federvieh machten. Es ist doch schön zu sehen, dass der Hund und die Ente auf dem Pubschild in Plucks Gutter ein sehr freundliches Miteinander pflegen.

In dem abgelegenen Pub mitten in den Obstgärten Kents herrscht aber nicht nur ländliche Ruhe, denn hin und wieder gibt es hier auch einiges zu sehen und zu hören; so meldete die Canterbury Times im Juli vergangenen Jahres „Romeo and Juliet Comes to Plucks Gutter“ und meinte damit eine Aufführung des Changeling Theatres und zur Unterhaltung der Gäste stehen auch Musikdarbeitungen auf dem Programm wie auf diesem Videoclip zu sehen.

The Dog and Duck Inn and Leisure Parks
Plucks Gutter
Canterbury
Kent
CT3 1JB

   © Copyright Nick Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nick Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 18. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Bold Street in Liverpool – Gibt es in dieser Straße eine Zeitverwerfung?

Die Bold Street.   © Copyright Mike Pennington and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bold Street.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mike Pennington and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bold Street im Zentrum der Stadt Liverpool wurde früher einmal die „Bond Street des Nordens“ genannt, in Anspielung auf die edlen Läden in der Straße in London. Heute finden wir hier überwiegend die gleichen Kettenläden wie in jeder anderen Stadt Englands. Das hervorstechendste Gebäude ist The Lyceum, eine ehemalige Bibliothek, in dem später ein Gentlemen’s Club untergebracht war.

Doch die Straße hat offensichtlich auch etwas Mysteriöses und Geheimnisvolles an sich, denn immer wieder erzählten Menschen davon, dass sie von einer Sekunde auf die andere in eine andere Zeitepoche versetzt worden sind. Klingt verrückt, doch diese Berichte kommen nicht von Männern und Frauen, die in einem Pub einige Pints zuviel getrunken haben, sondern von bodenständigen Menschen, die eher nicht zu Fantastereien neigen. Die Berichte dieser „Zeitreisenden“ klingen alle ähnlich; sie wurden nicht Jahrhunderte zurückversetzt, sondern in die 1950er und 1960er Jahre. Gibt es hier in der Einkaufsstraße Bold Street in der Beatles-Stadt Liverpool tatsächlich eine Zeitschleife, die hin und wieder Shopper plötzlich in frühere Zeiten versetzt?

Im Jahre 1996 ging ein Ehepaar in der Bold Street einkaufen. Die Ehefrau ging schon einmal in die Buchhandlung Dillons (heute Waterstones), während der Ehemann ein anderes Geschäft aufsuchte. Als er dort herauskam und auch in die Buchhandlung gehen wollte, sah er statt Dillons einen Laden über dessen Eingang die Worte Cripps standen, in dem Damenbekleidung, Handtaschen und Schuhe verkauft wurden. Ein altertümlicher Lieferwagen fuhr hupend an ihm vorbei, auf dessen Seite die Worte Cardin’s geschrieben waren; auch die anderen Autos auf der Straße schienen aus den 1950er und 1960er Jahren zu stammen. Die Passanten trugen Kleidung wie wir sie heute kaum noch kennen. Der Mann traf vor dem Cripps genannten Geschäft auf eine andere, modern gekleidete Frau, die ebenfalls verwirrt in das Schaufenster starrte und ihm gegenüber äußerte „Ich dachte, hier werden Bücher verkauft“. Der Mann betrat den Laden und fand sich plötzlich wieder in der Gegenwart; er traf seine Frau, die in den Büchern von Dillons stöberte – die kurze Zeitreise war vorbei.
Übrigens: Cripps war ein Laden, der damals an der exakt gleichen Stelle Damenbekleidung und Accessoires verkaufte; Cardins’s war eine Firma in Liverpool, die Lieferwagen mit der entsprechenden Aufschrift besaß. Der Mann, der diese erstaunliche Erfahrung gemacht hatte, war ein ehemaliger Polizist.

Geschichten dieser Art aus der Bold Street gibt es mehrere; einige haben sich, wie in der eben geschilderten, in der Nähe der jetzigen Buchhandlung Waterstones ereignet, am Ende der Straße, gegenüber vom Lyceum.

Dieser Film erzählt die Geschichte noch einmal nach.

Der Sänger Eugene McGuinness hat der Bold Street einen Song gewidmet, der hier im Rahmen der Black Cab Sessions zu hören ist.

Published in: on 17. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Dark Peak – Das Bermudadreieck im Norden Englands

Wrackteile eines abgestürzten Flugzeugs im Peak District.   © Copyright anthony buckley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wrackteile eines abgestürzten Flugzeugs im Peak District.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright anthony buckley and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Schon im Namen Dark Peak, einer Region des Peak Districts, die sich vorwiegend über Derbyshire und South Yorkshire erstreckt, schwingt etwas Bedrohendes und Unheilverkündendes mit. Die Moore Kinder Scout und Bleaklow sind zwei der markantesten Gebiete innerhalb des Dark Peaks. Um diese menschenleere abgeschiedene Gegend ranken sich mysteriöse Geschichten von Geistern und Hexen, und sie hat auch die Bezeichnung Bermudadreieck erhalten, nachdem Dutzende von Flugzeugen, speziell in den 1930er bis in die 1950er Jahre hier aus unerfindlichen Gründen abgestürzt sind. Über 150 Besatzungsmitglieder dieser Flugzeuge kamen im Dark Peak ums Leben. Noch heute finden sich Überreste von zertrümmerten Wellington-, Lancaster- und B-29-Bombern in dem Moorgebiet; es war einfach zu aufwendig, alle Flugzeugwracks zu bergen.

Wie konnte es zu dieser Häufung von Abstürzen kommen? Waren übernatürliche Kräfte im Spiel? Erklärungsversuche gibt es viele, die an die Schiffs- und Flugzeugunglücke im Bermudadreieck in der Karibik erinnern. Da gibt es Spekulationen über Aliens, die ihre Finger im Spiel gehabt haben sollen und über magnetische Anomalien über dem Peak District, die auf die Bordinstrumente Einfluss hatten. Es gibt aber auch ganz rationale Erklärungen: Mangelhafte Fähigkeiten der Piloten, die im Zweiten Weltkrieg schnell rekrutiert worden waren und nicht über genügend Erfahrung im Umgang mit den Bombern verfügten. Das Wetter im Peak District ist häufig schlecht, mit niedrigen Wolken, so dass die Sichtverhältnisse für die Piloten alles andere als gut waren. Einige der Abstürze sollen darauf zurückzuführen sein, dass junge, unerfahrene Piloten mit ihren Maschinen ihren Freunden imponieren wollten und im Tiefflug über ihre Heimatorte flogen und dabei die Kontrolle verloren.

Die Webseite www.peakdistrictaircrashes.co.uk listet minutiös alle Abstürze auf, die sich hier oben im Norden Englands ereignet haben.

Ein Horrorfilm mit dem Titel „Dark Peak“ wurde in der Region gedreht, der allerdings noch nicht in die Kinos gekommen ist. Eine Gruppe von Wanderern wird darin mit mysteriösen Vorkommnissen konfrontiert, bei denen Flugzeugwracks und „ghost planes“ eine Rolle spielen. Hier ist schon einmal der Trailer zu sehen.

Wer sich auf die Spurensuche nach den Wracks im Peak District begeben möchte, für den steht ein „Reiseführer“ bereit, der von Nick Wotherspoon, Alan Clark und Mark Sheldon geschrieben wurde: „Aircraft Wrecks: A Walker’s Guide – Historic Crash Sites on the Moors and Mountains of the British Isles„. (Pen & Sword Aviation 2013. 352 Seiten. ISBN 978-1781594735). Das Kapitel 3 des Buches widmet sich dem Peak District.

Was von einem Liberator-Bomber im Dark Peak übrigblieb.   © Copyright Jonathan Clitheroe and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was von einem Liberator-Bomber im Dark Peak übrigblieb.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jonathan Clitheroe and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 16. September 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Mein Buchtipp anlässlich des 125. Geburtstages von Agatha Christie – Hilary Macaskill: Agatha Christie At Home

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Am 15. September 1890, heute vor 125 Jahren, wurde die Schriftstellerin Agatha Christie in Torquay (Devon) geboren. Einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie im elterlichen Ashfield House in der Barton Road, ein Haus, das sie liebte und erst 1938 verkaufte. In den 1960er Jahren wurde Ashfield abgerissen, um Platz für einen neuen Wohnblock zu schaffen. Nur eine Plakette erinnert noch an den Ort, der Agatha Christie so wichtig war. Die Schriftstellerin war Zeit ihres Lebens besonders stark mit der Grafschaft Devon verbunden und auf diese enge Verbindung geht Hilary Macaskill in ihrem Buch „Agatha Christie At Home“ ein. Im Mittelpunkt des sehr ansprechend aufgemachten Buches steht vor allem Greenway, Christies Landsitz bei Galmpton am Ufer des River Dart. Über meinen Besuch dort habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Der reich illustrierte Band zeigt Fotos aus Greenway, das im Jahr 2000 von den Nachkommen der Krimiautorin an den National Trust übergeben wurde, der mit großem finanziellen Aufwand das schöne Gebäude restaurierte.
Ein Kapitel des Buches ist Torquay gewidmet, wo alljährlich das International Agatha Christie Festival stattfindet. Auch in diesem Jahr werden vom 11. bis zum 20. September jede Menge Veranstaltungen angeboten; natürlich besonders viele am heutigen Tag, u.a. in der Torre Abbey und im Torquay Museum.

Ein weiteres Kapitel widmet Hilary Macaskill den beiden Dörfern Galmpton und Churston, die in ummittelbarer Nähe von Greenway liegen. Agatha Christie war im Schulbeirat der Galmpton Primary School und besuchte regelmäßig den Gottesdienst in der Kirche St Mary the Virgin in Churston (ich berichtete in meinem Blog über ein Kirchenfenster dort).
Nur kurz geht Macaskill auf Winterbrook House in Wallingford (Oxfordshire) ein, wo Agatha Christie am 12. Januar 1976 starb. Das Haus ist heute in Privatbesitz; neben der Eingangstür ist eine blaue Plakette angebracht. Ihr Grab findet man ganz in der Nähe von Winterbrook House, auf dem Kirchhof von St Mary’s im Nachbarort Cholsey. Ich berichtete früher schon einmal über den Dame Agatha Christie Trail in Wallingford.

Hilary Macaskill hat zwei weitere Bücher in der gleichen Aufmachung geschrieben: „Daphne Du Maurier At Home“ (2013) und „Charles Dickens At Home“ (2011).

Hilary Macaskill: Agatha Christie At Home“. Frances Lincoln 2009. 144 Seiten. ISBN 978-0-7112-3029-3

Greenway, Agatha Christies Landsitz in Devon. Eigenes Foto.

Greenway, Agatha Christies Landsitz in Devon.
Eigenes Foto.

Winterbrook House in Wallingford.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Winterbrook House in Wallingford.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Bill Nicholls and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 15. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Penn Street (Buckinghamshire)

Holy Trinity Church in Penn Street (Buckinghamshire).   © Copyright David Purchase and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Holy Trinity Church in Penn Street (Buckinghamshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Purchase and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf einer meiner Fahrten durch das fiktive Midsomer County auf den Spuren von Inspector Barnaby fuhr ich von Beaconsfield nach Amersham, allerdings nicht auf direktem Weg über die A355, sondern auf kleinen Straßen über Forty Green und Penn, alles Drehorte der TV-Krimiserie. Etwas verwirrend ist es mit Penn an der B474 und Penn Street, ein Ort, der etwas weiter nördlich an der Penn Street liegt, die von Winchmore Hill über Penn Street Village zur A404 führt. Um es noch verwirrender zu machen: Sowohl Penn als auch Penn Street haben Kirchen, die beide Holy Trinity heißen.

Über den Ort Penn habe ich in meinem Blog schon geschrieben, über Penn Street noch nicht, was ich hiermit nachholen möchte. Neben dem Pub The Six Bells in Warborough, der hier The Luck in the World heißt, spielt die Kirche Holy Trinity in Penn Street eine wesentliche Rolle in der Episode 40 der 8. Staffel „Second Sight“ (dt. „Blick in den Schrecken“), die 2004 gedreht wurde. Pete Kubatsky, gespielt von Will Keen, ist der Pfarrer der Kirche, der es gar nicht gut findet, dass das Baby Christine Kirby nicht getauft werden soll; also greift er zu anderen Mitteln…

Holy Trinity in Penn Street, die sich durch die gleichnamige Kirche in Penn durch den spitzen Kirchturm unterscheidet, wurde 1849 von dem Architekten Benjamin Ferrey erbaut, auf dessen Konto noch Dutzende weiterer Kirchen gehen (z.B. auch Holy Trinity in Henley-on-Thames).  Förderer der Holy Trinity Church ist Frederick Richard Penn Curzon, 7th Earl Howe, Deputy Leader des House of Lords, der im Ort im Penn House lebt, in dem auch schon Dreharbeiten für die Barnaby-Serie stattgefunden haben. Besonders bemerkenswert in der Kirche ist der Taufstein, der am Ende von „Second Sight“ zu sehen ist, wenn Pfarrer Kubatsky bei Blitz und Donner eine Zwangstaufe vornehmen will. Der schwere Grabstein, den Little Mo aus dem Boden reißt, um damit die Kirchentür aufzubrechen, ist sicher anschließend wieder fest eingegraben worden (wenn es denn ein echter Grabstein war, was zu bezweifeln ist). Das große Gemälde, das man im Film in der Kirche sehen kann, ist eine Kopie von Raffaels „Transfiguration“, dessen Original in der Vatikanischen Pinakothek hängt.

So ganz habe ich die verzwickte Familiengeschichte der Kirbys und Ransomes nicht verstanden, aber für mich ist die „Location“ der Midsomer Murder-Serie sowieso von größerem Interesse als die Handlung.

Und noch einmal Holy Trinity aus einer anderen Perspektive.   © Copyright Andrew Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Und noch einmal Holy Trinity aus einer anderen Perspektive.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Andrew Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Penn Street Village Green.   © Copyright David Purchase and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Penn Street Village Green.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Purchase and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 14. September 2015 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Saddleworth Whit Friday Brass Band Contests

Brass Bands in Delph.   © Copyright Paul Anderson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Brass Bands in Delph (Greater Manchester).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Anderson and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Jedes Jahr am Freitag nach dem Pfingstfest (Whit Friday) quälen sich Dutzende von Reisebussen durch die Region Saddleworth östlich von Oldham (Greater Manchester), die ihre Passagiere, Männer und Frauen in Uniformen und mit Blasinstrumenten bewaffnet, in den Dörfern Delph, Denshaw, Diggle, Dobcross und wie sie alle heißen, absetzen. Sie alle haben nur ein Ziel: Die Teilnahme an den Saddleworth Whit Friday Brass Band Contests, dem wohl größten Wettbewerb seiner Art in England.

Brass Bands verbindet man mit dem Norden des Landes, mit Bergarbeiterstädten und seit 1996 mit dem großartigen Spielfilm „Brassed Off„, der in Deutschland unter dem Titel „Mit Pauken und Trompeten“ lief. Hier ist der Trailer zu sehen.
Seit 1884 treffen sich die Brass Bands aus dem ganzen Land hier am Saddleworth Moor (berühmt-berüchtigt durch die beiden Serienmörder Myra Hindley und Ian Brady, die ihre Opfer hier verscharrten und die in die Kriminalgeschichte als die Moors Murderers eingingen), einer rauen Moorlandschaft, nicht weit von der Großstadt Manchester entfernt.
In diesem Jahr nahmen 126 Bands teil, die von Dorf zu Dorf zogen und dort jeweils ihr Können zeigten. Die Juroren können die Brass Bands nicht sehen, sie müssen also blind, nur ihrem Gehör folgend, die Qualität jeder einzelnen Band beurteilen und fällen dann ihr Urteil. Den Gesamtpreis 2015 gewann in diesem Jahr die Fairey Band aus Stockport, die sich selbst „One of the world’s finest brass bands“ nennt; gefolgt von der 1855 gegründeten weltberühmten Black Dyke Band aus Queensbury (West Yorkshire). Platz 3 belegte die renommierte Brighouse and Rastrick Brass Band aus Brighouse (West Yorkshire).

Was sich da an diesem Whit Friday in den Dörfern am Rand der Pennines abspielt, kann man daran sehen, wieviele Bands jeweils auftraten: In Delph zum Beispiel waren 77 Brass Bands zu hören, in Lydgate 74 und in Dobcross 69. Ich möchte da kein Preisrichter gewesen sein, denn für ungeschulte Ohren klingen die Bands doch alle sehr ähnlich.

Dieser Film zeigt wie es bei den Saddleworth Whit Friday Brass Band Contests in Delph zugeht und dieser Film zeigt Szenen aus Denshaw.

Brass Bands in Dobcross (Greater Manchester).   © Copyright Paul Anderson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Brass Band in Dobcross (Greater Manchester).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Anderson and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 13. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Anthony Payne, The Cornish Giant – Einer der größten Menschen des 17. Jahrhunderts

The Tree Inn in Stratton (Cornwall).   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Tree Inn in Stratton (Cornwall).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Am Tree Inn in Stratton in Cornwall prangt ein Schild, auf dem ein hochgewachsener Mann in einer roten Robe zu sehen ist. Es steht nicht dabei, um wen es sich handelt. Um die Ecke herum, am Eingang zum Stratton Post Office, das im Gebäude des Pubs untergebracht ist, finden wir den Mann auf dem Bild wieder. Ich löse das Rätsel auf: Es handelt sich hier um Anthony Payne,  den sogenannten „Cornish Giant„, einem mit 2,23 Meter größten Menschen des 17. Jahrhunderts.

Geboren wurde der Riese im Manor House, dort, wo jetzt der Tree Inn steht; er lebte in dem Haus und er starb auch hier. In der Schlacht von Stamford Hill am 16. Mai 1643 kämpfte Payne im Bürgerkrieg an der Seite von Sir Beville Grenville für die Royalisten. Später wurde der große Mann Bodyguard von Charles I, den er an Körpergröße weit überragte, denn der König maß nur rund 1,53.

Viele der Männer mit Supergrößen wurden nicht sehr alt, Anthony Payne dagegen starb erst 1691 im Alter von 81 Jahren im Manor House. Sein Sterbezimmer lag im 1. Stock und als man ihn hinuntertragen wollte, stellte man fest, dass das nicht so ohne weiteres ging. Mit seiner enormen Körpergröße passte er nicht durch die Tür und so musste man erst einige Balken entfernen und ihn dann mit Hilfe von Seilen und einem Flaschenzug ins Erdgeschoss hieven.
Beerdigt wurde er auf dem Kirchhof von St Andrew’s in Stratton in einem nicht markierten Grab und es bedurfte vieler kräftiger Männer, um seinen Sarg zu tragen. Bei Grabungsarbeiten im 19. Jahrhundert stieß man auf dem Kirchhof auf einen überdimensionalen Sarg, in dem das Skelett eines Riesen lag. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelte es sich dabei um Anthony Payne.

Das Bild, das wir am Tree Inn von ihm sehen, ist eine Kopie des Porträts, das Sir Godfrey Kneller (1646 – 1723) von ihm in Plymouth anfertigte. Kneller war ein in Lübeck geborener Porträtmaler, den Charles II an seinen Hof holte.

Spukt sein Geist noch immer im Tree Inn, in dem Haus, in dem er einen großen Teil seines Lebens verbrachte? Geisterjäger waren auf jeden Fall schon einmal da.

Stratton liegt an der A39, gleich neben Bude.

Das Postamt im Tree Inn mit dem Porträt Anthony Paynes.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Postamt im Tree Inn mit dem Porträt Anthony Paynes.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Humphrey Bolton and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Andrew's Church in Stratton.   © Copyright Mike Searle and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Andrew’s Church in Stratton.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mike Searle and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 12. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

She Sells Sea Shells… Ein „tongue-twister“, der weltweit Verwendung findet

Plakette an Mary Annings Haus in Lyme Regis (Dorset). Sie soll für den Zungenbrechersatz "Modell gestanden haben". This work is released into the public domain

Plakette, die an Mary Anning in Lyme Regis (Dorset) erinnert. Sie soll für den Zungenbrechersatz „Modell gestanden haben“.
This work is released into the public domain.

Wie in der deutschen Sprache gibt es auch im Englischen zahlreiche Zungenbrecher, hier „tongue twisters“ genannt.
Einer meiner Favoriten ist dieser:

She sells sea-shells on the sea-shore.
The shells she sells are sea-shells, I’m sure.
For if she sells sea-shells on the sea-shore
Then I’m sure she sells sea-shore shells.

1908 wurde daraus ein Lied, das von Terry Sullivan und Harry Gifford geschrieben wurde. Hier kann man es sich einmal anhören.
Wer ist denn nun diese „she“, die an der Küste Muscheln verkauft? Es heißt, dass dies Mary Anning gewesen sein soll, die von 1799 bis 1847 in Lyme Regis in Dorset lebte. Wie viele andere in dieser Küstenregion auch verkaufte sie Fossilien, die sie an der Jurassic Coast aufsammelte. Aus der Verkäuferin wurde später eine der angesehensten Paläontologinnen der damaligen Zeit. Im Lyme Regis Museum kann man sich über die bemerkenswerte Frau näher informieren. Die Amerikanerin Tracy Chevallier hat ein Buch über sie geschrieben, das den Titel „Remarkable Creatures“ trägt und in deutscher Übersetzung „Zwei bemerkenswerte Frauen“ heißt. Darin geht es um die Freundschaft Mary Annings mit Elizabeth Philpot, einer anderen Fossiliensammlerin aus Lyme Regis.

Den Satz „She Sells Sea Shells“ findet man heute in Zusammenhang mit allen möglichen Dingen:

So gibt es ein Bier mit diesem Namen, das von der Ramsgate Brewery bei Broadstairs in Kent gebraut wird.

In Withiel in Cornwall arbeitet die Silberschmiedin Emily Nott-Bower, die Muscheln, Seesterne und anderes am Strand zu findendes Meeresgetier als Inspiration für ihren Schmuck verwendet, der unter dem Namen She Sells Sea Shells in ausgewählten Juwelierläden Cornwalls zu bekommen ist.

In Sanibel in Florida gibt es zwei Läden am Periwinkle Way, die She Sells Sea Shells heißen, in denen so ziemlich alles angeboten wird, was man aus Muscheln herstellen kann.

Eine Bikini-Boutique She Sells Sea Shells findet man in dem Küstenort Dunsborough in Western Australia.

Einem Nudelsalat für Kinder hat man den Namen gegeben, und eine Episode der US-Fernsehserie „China Beach„, die von 1988 bis 1991 lief, hieß in Anlehnung an den Zungenbrechersatz „She Sells More than Sea Shells„.

 

Published in: on 11. September 2015 at 02:00  Comments (2)  

Bowood House and Gardens in Wiltshire

Bowood House.   © Copyright Trevor Rickard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bowood House.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Trevor Rickard and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Vielleicht war es doch etwas verfrüht, das Big House in Bowood 1955 abzureißen und nur noch das Little House stehenzulassen. Daraus hätte man doch sehr gut ein komfortables Hotel machen können. Aber zu spät: Ein neues Hotel wurde auf dem Gelände hier in Wiltshire errichtet und das Little House entsprechend aufgemöbelt, so dass sich der damalige Besitzer, der 8. Marquess of Lansdowne, darin wohlfühlen konnte.

Bereits seit 1754 bewohnen die Lansdownes Bowood, das in etwa zwischen Calne und Chippenham liegt. In dieser Zeit haben sie zahlreiche historische Objekte und Kunstgegenstände zusammengetragen wie u.a. den „wedding chair“ Königin Victorias, die Keith Jewellery Collection und die Napoleonic Collection mit der Totenmaske des Kaisers und einem seiner Taschentücher. In der gemütlich eingerichteten Bibliothek finden sich 5000 ledergebundene Bücher und in dem daneben gelegenen Labor entdeckte im Jahr 1774 Dr. Joseph Priestley den Sauerstoff; Priestley war Lehrer der beiden Söhne des ersten Marquess of Lansdowne. Es gibt also allerhand zu sehen und zu entdecken im Bowood House.
Viele Besucher kommen aber vor allem wegen der Gärten hierher, die der berühmte Landschaftsgärtner Lancelot „Capability“ Brown in den 1760er Jahren anlegte und die später von anderen Gärtnern noch erweitert wurden. Einbezogen in die Parklandschaft ist der langgezogene See und Charles Hamilton’s Cascade Waterfall. Hier ist ein Film über die Gärten.

Das Haus und die Gärten sind zu besichtigen; der Eintrittspreis beträgt £11.

Über eine separate Zufahrt erreicht man das 2009 eröffnete Bowood Hotel, Spa and Golf Resort, in dem man in luxuriösem Ambiente wohnen, schlafen, essen und Golf spielen kann. Das Shelburne Restaurant ist für ein genüssliches, edles Abendessen geeignet, während die ganztägig geöffnete Clubhouse Brasserie rustikaler eingerichtet und das Speisenangebot bodenständiger ist. Das Interieur des Hotels wurde von der Marchioness of Lansdowne gestaltet. Wer hier einmal übernachten möchte: Die Zimmerpreise beginnen ab etwa 200 Euro. Hier sind einige Bilder vom Hotel zu sehen.

Bowood House and Gardens
Calne
Wiltshire
SN11 OLZ

Bowood Gardens.   © Copyright David Gearing and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bowood Gardens.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Gearing and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bowood Lake.   © Copyright Michael Garlick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bowood Lake.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Michael Garlick and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hamilton's Cascade.   © Copyright Brian Robert Marshall and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hamilton’s Cascade Waterfall.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Brian Robert Marshall and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bowood Hotel, Spa and Golf Resort.   © Copyright Virginia Knight and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bowood Hotel, Spa and Golf Resort.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Virginia Knight and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Meine Bowood-Broschüre.

Meine Bowood-Broschüre.

Der Mock Mayor der Ock Street in Abingdon in Oxfordshire

Die Ock Street in Abingdon.   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ock Street in Abingdon.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Steve Daniels and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Blog schon einmal über die „Mock Mayor“-Zeremonie in Woodstock in Oxfordshire geschrieben, wo eine Art Neben-Bürgermeister  für einen bestimmten Zeitraum gewählt wird. Etwas Ähnliches spielt sich alljährlich in einer anderen Stadt der Grafschaft Oxfordshire ab, in Abingdon, ein paar Kilometer südlich von Oxford.
Immer an dem Samstag, der dem 19. Juni am nächsten liegt, wählen die Bewohner der Ock Street einen eigenen Bürgermeister. Die Ock Street ist ein Teil der Haupttrasse, der A415, die sich in Ost-West-Richtung durch Abingdon zieht.

Dieser „Mock Mayor“ vertritt die Stimme des Volkes und soll dem richtigen Bürgermeister und den Ratsherren und -frauen auf die Finger sehen, damit sie keine unpopulären Entschlüsse fassen. Wie nicht anders zu erwarten, geht es bei der Zeremonie feucht-fröhlich zu und die Abingdon Traditional Morris Dancers, unter deren Federführung der ganze Spaß abläuft, sind von 10 Uhr morgens bis in den Abend tanzenderweise in der Stadt unterwegs. In diesem Jahr begannen die Morris-Tänze vor dem Black Swan; währenddessen wurde die Wahlurne vor einem anderen Pub, The Brewery Tap, aufgestellt, in die man bis 16 Uhr seinen Wahlzettel einwerfen konnte. Nach dem Auszählen der Stimmen wurde der Sieger bekanntgegeben, der in diesem Jahr Duncan Brown hieß und schon einmal das Amt des richtigen Bürgermeisters ausgeübt hatte.
Der neue Mayor der Ock Street wurde dann mit den entsprechenden Accessoires für sein Amt ausgestattet, einer Schärpe, einem Schwert, einem Kelch und einem Hut, und auf einer Sänfte die Straße entlanggetragen.

Die Abingdon Morris Dancers hatten in diesem Jahr zwei befreundete Tanzgruppen eingeladen, die Bampton Traditional Morris Men und die Wychwayz Border Morris, beide aus Oxfordshire. Ein ganz wichtiger Bestandteil der gastgebenden Abingdon Morris Dancers sind die Ock Street Horns, die einmal zu dem Kopf eines Bullen gehörten, der im Jahre 1700 in der Stadt gebraten worden war. Diese Hörner sind auf einer hölzernen, geschnitzten Maske montiert, die wiederum auf einer Stange angebracht ist und bei den Auftritten mitgeführt wird.
Mit einem letzten Tanz auf dem Marktplatz von Abingdon gingen dann am Abend die diesjährigen Feierlichkeiten zu Ende und auf der Ock Street kehrte wieder Ruhe ein, d.h. so richtig Ruhe gibt es hier nicht, da der Durchgangsverkehr auf der A415 das nicht zulässt.

In diesem Film sind die Abingdon Traditional Morris Dancers zu sehen und hier sieht man die Verkündigung des Mayors of Ock Street aus dem Jahr 2011.

Die Abingdon Traditional Morris Dancers bei der Arbeit.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Abingdon Traditional Morris Dancers bei der Arbeit.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Colin Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Wahllokal in der Ock Street, The Brewery Tap.   © Copyright Mike Faherty and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Wahllokal in der Ock Street, The Brewery Tap.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mike Faherty and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Good Pub Guide 2016: Die besten Pubs des Jahres

Pub of the Year 2016: The Horse & Groom in Bourton-on-the-Hill (Gloucestershire).   © Copyright Peter Whatley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pub of the Year 2016: The Horse & Groom in Bourton-on-the-Hill (Gloucestershire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Peter Whatley and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Am 3. September ist er zum 34. Male erschienen, der Good Pub Guide 2016 mit rund 5000 Empfehlungen. Alistair Aird rief den Pubführer 1982 ins Leben, Fiona Stapley führt ihn ab dieser Ausgabe weiter, und er ist so etwas wie die Bibel für Bier- und Pubfreunde geworden. Auf 1104 Seiten werden die besten Gasthäuser des Landes vorgestellt und wie jedes Jahr erhalten einige von ihnen besondere Auszeichnungen. Hier sind einige ausgewählte Exemplare:

Pub of the Year 2016 wurde The Horse & Groom in Bourton-on-the-Hill in Gloucestershire. Besucht man das nahegelegene Batsford Arboretum kommt man automatisch auf der steilen Hauptstraße des Ortes, der A44, oben auf dem  Hügel vorbei. Es gehört schon einiges dazu, sich gegen 5000 Bewerber durchzusetzen, doch für den Cotswold-Pub ist das nichts Neues, erhielt er doch schon vorher Auszeichnungen wie u.a. den Michelin Guide Bib Gourmand 2014 und 2015. Man legt im Horse & Groom sehr viel Wert auf die Qualität der angebotenen Speisen und natürlich müssen auch die Biere sehr gepflegt sein, die aus regionalen Brauereien kommen (Prescott Brewery, Stroud Brewery, Cotswold Lion Brewery usw.).

Die Auszeichnung New Pub of the Year 2016 ging interessanterweise an ein Haus, das sich selbst als „England’s Oldest Inn“ bezeichnet und sich auf das Jahr 947 zurückverfolgen lässt: Das renovierte The Porch House im Touristenort Stow-on-the-Wold (Gloucestershire), ebenfalls in den Cotswolds gelegen. Brakspeare-Biere geben hier in der Bar den Ton an und das Restaurant ist „Upper Class“, so gibt es hier jeden Mittwochabend Hummer als Spezialität.

Country Pub of the Year 2016 wurde The Fleece in Bretforton (Worcestershire), den ich mehrfach aufsuchte und darüber in meinem Blog auch geschrieben habe. Dieser dem National Trust gehörende Pub am nördlichen Rand der Cotswolds ist unbedingt zu empfehlen!

Über die Auszeichnung Unspoilt Pub of the Year 2016 freut sich der White Lion Inn in Barthomley, ein reetgedeckter Bilderbuch-Pub nahe der Autobahn M6 in Cheshire. “ Timeless and unpretentious“ nennt der Good Pub Guide diesen Gasthof aus dem 17. Jahrhundert.

The Fat Cat in Norwich (Norfolk) wurde zum Beer Pub of the Year 2016 ernannt, übrigens schon zum sechsten Mal! 32 Biere werden hier in der West End Street ständig vorrätig gehalten, ein Paradies für Biertrinker.

Wine Pub of the Year 2016, wie schon im Vorjahr, kann sich Woods Bar and Restaurant in Dulverton (Somerset) am Rande des Exmoors nennen. Über 400 Weine sind hier im Angebot und jeden kann man auch glasweise bekommen (eine Seltenheit). Woods gehört auch zu den Top Ten Pubs des Jahres 2016.

Zum Town Pub of the Year 2016 wurde schließlich The Wykeham Arms ernannt, der ganz in der Nähe der Kathedrale von Winchester in Hampshire liegt und offenbar gern von prominenten Persönlichkeiten aufgesucht wird; David Bowie, Robert Plant und Colin Firth sind hier schon zu Gast gewesen und weit vor ihnen Lord Nelson. Das Gasthaus geht bis in das Jahr 1755 zurück, als es als Kutschenstation diente.

New Pub of the Year 2016: The Porch House in Stow-on-the-Wold (Gloucestershire).   © Copyright Mark Percy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

New Pub of the Year 2016: The Porch House in Stow-on-the-Wold (Gloucestershire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mark Percy and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Country Pub of the Year 2016: The Fleece in Bretforton (Worcestershire).   © Copyright Trevor Harris and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Country Pub of the Year 2016: The Fleece in Bretforton (Worcestershire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Trevor Harris and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Unspoilt Pub of the Year 2016: The White Lion in Barthomley (Cheshire).   © Copyright Alexander P Kapp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Unspoilt Pub of the Year 2016: The White Lion in Barthomley (Cheshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alexander P Kapp and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Beer Pub of the Year 2016: The Fat Cat in Norwich (Norfolk).   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Beer Pub of the Year 2016: The Fat Cat in Norwich (Norfolk).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright N Chadwick and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wine Pub of the Year 2016: Woods Bar and Restaurant in Dulverton (Somerset).   © Copyright Roger Cornfoot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wine Pub of the Year 2016: Woods Bar and Restaurant in Dulverton (Somerset).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Roger Cornfoot and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Town Pub of the Year 2016: The Wykeham Arms in Winchester (Hampshire).   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Town Pub of the Year 2016: The Wykeham Arms in Winchester (Hampshire).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Mike Quinn and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 8. September 2015 at 02:00  Comments (1)  

Die Minensucher von der Küste Norfolks – Ein wahres Himmelfahrtskommando

Trimingham Beach in Norfolk. Hier wurde noch bis in die 1970er Jahre nach Minen gesucht.   © Copyright Julian Dowse and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Trimingham Beach in Norfolk. Hier wurde noch bis in die 1970er Jahre nach Minen gesucht.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Julian Dowse and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sowohl während der napoleonischen Kriege als auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg fürchtete man in England immer wieder eine Invasion fremder Truppen und so musste die lange Küstenlinie des Landes geschützt werden. Zwischen 1796 und 1814 baute man die Martello-Türme an der Süd- und Ostküste, um Napoleons Soldaten schon früh abzufangen; im Zweiten Weltkrieg wurde auf Anordnung von Sir Winston Churchill die Ostküste vermint. Die genaue Lage der Minen zeichnete man in Karten ein, damit man sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernen konnte. Nachdem sich im Laufe des Krieges abzeichnete, dass mit einer Invasion deutscher Truppen nicht mehr zu rechnen war, begann das Militär, die Minen wieder einzusammeln und stellte fest, dass die Unterlagen mit den Lageplänen nicht mehr aufzufinden waren. Was jetzt? Die Küste Norfolks war gespickt mit den tödlichen runden Scheiben, deren Lage sich durch die Gezeitenströmungen natürlich auch noch verändert hatte.
Ein Spezialtrupp der Royal Engineers, die Sappers, wurden mit dem Himmelfahrtskommando betraut, im Sand der Strände der Ostküste, die Minen wieder aufzuspüren. Es gab damals zwar schon Minensuchgeräte, aber manchmal mussten die Pioniere der Royal Engineers auf dem Bauch liegend und mit einem Stab bewaffnet, den sie vorsichtig in den Sand stießen, ihre Sucharbeiten durchführen. Leider ging das nicht, wie vorauszusehen war, ohne Verluste ab; einige Minen explodierten und töteten die mutigen Soldaten. Insgesamt 26 Männer verloren auf diese Weise im Zeitraum von 1944 bis 1953 ihr Leben. An manchen Strandabschnitten, so z.B. an der erodierenden Küste von Trimingham, dauerten die Räumarbeiten bis in die 1970er Jahre. Erst dann konnte Entwarnung für die Strandbesucher dieser Region gegeben werden.

Bis zum Jahr 2004 gab es kein Denkmal, das an die getöteten Männer erinnerte; auf Initiative eines früheren Offiziers der Royal Engineers, Noel Cashford, änderte sich das. An der Strandpromenade von Mundesley, direkt neben dem Mundesley Maritime Museum, und nicht weit vom Trimingham Beach entfernt, wo am 6. Mai 1953 bei der Minensuche Sergeant Robert O’Doherty und Corporal Kenneth Braddock ums Leben kamen, steht jetzt das Bomb Disposal Memorial, an dem die Namen der 26 mutigen Männer angebracht sind, die bei der Ausübung ihrer Aufgabe starben.

Hier ist ein Film der British Paté über die Minensuche am Strand von Trimingham.

Das Bomb Disposal Memorial in Mundesley (Norfolk).   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Bomb Disposal Memorial in Mundesley (Norfolk).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Adrian S Pye and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das winzige Mundesley Maritime Museu, in dem man sich auch über die Minensucharbeiten informieren kann.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das winzige Mundesley Maritime Museum, in dem man sich auch über die Minensucharbeiten informieren kann.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Halling and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 7. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Mein Buchtipp – Hugh Barker: Hedge Britannia

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Fährt man in ländlichen Gebieten Englands auf B-Straßen oder noch kleineren Wegen, gerät man häufig auf kurvenreiche Strecken, die von hohen Hecken gesäumt und, wenn man ein linksgelenktes Auto fährt, schwer zu überblicken sind. Hecken sind allgegenwärtig, ob zur Umzäunung von Weideflächen oder zur Umgrenzung von Grundstücken. Engländer lieben sie heiß und innig und daher hat Hugh Barker sein Buch auch „Hedge Britannia: A curious history of a British obsession“ genannt. Darin erfahren wir auf über 300 Seiten allerlei Wissenswertes über Hecken, z.B. dass es jährlich unzählige Nachbarschaftskonflikte über zu hoch gewachsene Exemplare gibt, die manchmal vor Gericht landen. Barker erzählt die Geschichte von einem Mann in Lincolnshire, der sich so sehr über die Hecke seines Nachbarn ärgerte, dass er regelmäßig nachts aufstand und gegen sie pinkelte, bis sie schließlich einging. Der Nachbar filmte ihn dabei und erstattete Anzeige, woraufhin der „Midnight Piddler“ einen Tag im Gefängnis zubringen musste. Ebenfalls in Lincolnshire wurde ein Mann von seinem Nachbarn erschossen, da es zu einem Disput über eine fünf Meter hohe Hecke gekommen war.

Wer schon einmal im Chatsworth House in Derbyshire oder in Levens Hall in Cumbria war, hat sich sicher an den kunstvoll geschnittenen, „topiary“ genannten Hecken erfreut. Auch in vielen anderen Schlössern und Landhäusern lassen die Gärtner ihren Fantasien freien Lauf und zaubern mit ihren Heckenscheren manchmal erstaunliche Gebilde.

Hugh Barker lässt sich in seinem sehr interessanten Buch weiterhin über Heckenlabyrinthe aus wie wir sie beispielsweise in Hampton Court, Hever Castle und Chatsworth finden.
Wir erfahren bei der Lektüre des Buches einiges über das „hedge-laying„, also den Anbau von Hecken, und dass man die höchste Hecke des Landes im National Pinetum in Bedgebury in Kent findet, die über 40 Meter misst.

Wer sich für das Thema interessiert, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen, dessen Schwarz-Weiß-Fotos leider von schlechter Qualität sind.

Hugh Barker: Hedge Britannia: A curious history of a British obsession. Bloomsbury 2012. 327 Seiten. ISBN 978-1-4088-0186-4

Eine unübersichtliche von Hecken gesäumte Straße in Shropshire.   © Copyright David Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine unübersichtliche, von Hecken gesäumte Straße in Shropshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Smith and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Topiary Gardens von Levens Hall in Cumbria.   © Copyright Richard Sutcliffe and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Topiary Gardens von Levens Hall in Cumbria.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Sutcliffe and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Heckenlabyrinth von Chatsworth in Derbyshire.   © Copyright Linden Milner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Heckenlabyrinth von Chatsworth in Derbyshire.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Linden Milner and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hedg-laying in Norfolk.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hedge-laying in Norfolk.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Evelyn Simak and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 6. September 2015 at 02:00  Comments (4)  
Tags:

Rochdale Town Hall – Ein neugotisches Gebäude, an dem Adolf Hitler sehr intereressiert war

   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Rochdale ist eine 88 000 Einwohner zählende Stadt, die zu Greater Manchester gehört und 16 Kilometer nordöstlich der Großstadt liegt. Am 27. September 1871 wurde hier ein beeindruckendes Gebäude eingeweiht, das von dem Architekten William Henry Crossland im neugotischen Stil erbaut wurde: Die Rochdale Town Hall. Wer meinen Blogeintrag über Thomas Holloway gelesen hat, kann sich vielleicht noch daran erinnern, dass Crossland auch für die Konstruktion des Royal Holloway Colleges in Egham (Surrey) und des Holloway Sanatoriums in Virginia Water (Surrey) verantwortlich zeichnete.

Der Bau der Town Hall von Rochford dauerte fünf Jahre und kostete die damals gewaltige Summe von £160 000, was etwa dem 20fachen heute entspricht. Schon nach 12 Jahren sollte der Turm abgerissen werden, da sich bereits Holzfäule in ihm ausgebreitet hatte, aber ein Feuer kam den Abrissarbeiten zuvor. Ein neuer Turm, dieses Mal aber komplett aus Stein erbaut, wurde in Auftrag gegeben und der Architekt Alfred Waterhouse, der schon die Town Hall von Manchester geschaffen hatte, führte ihn aus. Der Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner war begeistert von dem Bauwerk und bezeichnete es als “ a rare picturesque beauty“.

Der größte Teil der städtischen Ämter sind heute in dem neuen Gebäudekomplex Number One Riverside untergebracht, und so wird die Town Hall in erster Linie für kulturelle und zeremonielle Zwecke verwendet.

Wäre es im Zweiten Weltkrieg zu einer erfolgreichen Invasion Englands durch die deutschen Truppen gekommen, würde die Town Hall von Rochdale wohl schon lange nicht mehr dort stehen, wo sie hingehört, denn merkwürdigerweise war Adolf Hitler von diesem Gebäude so fasziniert, dass es Pläne gegeben haben soll, nach denen die Town Hall komplett Stein für Stein abgetragen und irgendwo in Deutschland wieder aufgebaut werden sollte. Eine verrückte Idee! Aber woher wusste Hitler eigentlich von dem Gebäude im fernen Norden Englands?

Da gibt es unterschiedliche Theorien. Die eine lautet, dass Hitler im Winterhalbjahr 1912/13 in Liverpool bei seinem Halbbruder Alois und seiner Frau Bridget in Liverpool gewohnt und dabei das nicht weit entfernte Rochdale besucht hat.

Die andere Theorie: Hitler wurde durch den faschistischen, in den USA geborenen Politiker William Joyce (der 1946 in England wegen Hochverrats hingerichtet wurde), auch als Lord Haw-Haw bekannt, auf die Town Hall aufmerksam gemacht, denn Joyce wohnte einmal in Glodwick bei Oldham, nur wenige Kilometer von Rochdale entfernt.

Auffällig war damals, dass die deutschen Bomber die Stadt Rochdale verschonten, während überall in der Umgebung die Orte bombardiert wurden. So steht die imposante Town Hall glücklicherweise noch immer an der Straße The Esplanade und nicht irgendwo in Berlin oder Nürnberg.

Hier ist ein Film über die Town Hall.

   © Copyright michael ely and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright michael ely and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 5. September 2015 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

Buckinghamshires Best Kept Villages 2015

Jedes Dorf hätte gern die Auszeichnung „Best Kept Village“ und jedes Jahr werden die Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien verliehen, so auch in meiner Lieblings-Grafschaft Buckinghamshire.

Die Jury inspiziert die sich bewerbenden Dörfer unter bestimmten Gesichtspunkten: Wie ist der Zustand der Village Hall, des Kirchhofs, des Kriegerdenkmals? Wie sieht es mit Unrat auf den Straßen aus? Wie ist der Gesamteindruck? Nachdem man sich ein Bild von alldem gemacht hat, kommt die Jury zu einem Ergebnis und verteilt die Auszeichnungen.

Hier sind die Sieger des Jahres 2015 in Buckinghamshire:

– Den Gurney Cup (Dörfer unter 500 Einwohnern) erhielt in diesem Jahr Stoke Goldington, ein kleines gepflegtes Dorf an der B526, dicht an der Autobahn M1 gelegen. Die High Street wird von hübschen Häusern gesäumt; ein Pub, The Lamb, hat überlebt, der andere, The Malting House, wurde geschlossen.

– Den Morris Cup (Dörfer mit 500 – 1500 Einwohner) ging in diesem Jahr an Cuddington, ein sehr hübsches Dorf, nördlich der A418, das mehrfach Schauplatz von Midsomer Murders-Episoden war, in dem Inspector Barnaby auf Jagd nach Mördern ging (was aber die Jury nicht davon abhielt, Cuddington den Preis zu verleihen :-)). Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, denn es gibt einen sehr angenehmen Pub, The Crown, einen Dorfladen und die Kirche St Nicholas.

Stewkley erhielt zum wiederholten Male den DeFraine Cup (1500 – 3000 Einwohner). Das westlich von Leighton Buzzard gelegene Dorf sollte eigentlich einmal abgerissen werden, um Platz für einen weiteren Londoner Flughafen zu schaffen, aber die Bewohner schafften es, dieses Schicksal von Stewkley abzuwenden. Der Ort verfügt auch über eine der längsten Dorfstraßen in ganz Großbritannien.

An Dörfer über 3000 Einwohner wird der Pushman Cup verliehen, den in diesem Jahr Haddenham erhielt. Ich muss schon wieder an die TV-Serie „Inspector Barnaby“ erinnern, denn wir befinden uns hier tief im Midsomer County: In der Folge 12 „Judgement Day“ (dt. „Der Mistgabelmörder“) steht der Perfect Village Competition im Mittelpunkt, gedreht auf dem Village Green vor der Dorfkirche. Jetzt hat Haddenham also auch „in echt“ den Wettbewerb gewonnen, zu Recht wie ich meine, denn dieser Ort hat mir bei meinem Besuch besonders gut gefallen. Idylle pur!

Den Michaelis Cup erhalten größere Orte mit städtischem Charakter und einer Bevölkerung von über 3000. Der diesjährige Sieger: Marlow an der Themse. Hier kann es in der Touristensaison schon ganz schön voll werden, aber die Kleinstadt ist immer gepflegt und strahlt eine angenehme Atmosphäre aus.

Den Tindall Cup schließlich, der an Gewinner des Vorjahres vergeben wird, ging an Chalfont St Peter. Zusammen mit den anderen Chalfonts ist das ein sehr wohlhabender Ort, der durch seine günstige Autobahn-Verbindung zu London und wegen seiner Nähe zu den Pinewood- und Elstree-Filmstudios als Wohnort für Film- und Fernsehprominenz sehr begehrt ist.

The Sword of Excellence„, das ist der Sieger aller Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl, erhielt in diesem Jahr Marlow.

Amersham Old Town gewann leider keinen der Cups, wurde aber mit der Dashwood Trophy geehrt, als „bester Zweiter“.

Am 12. September werden die Auszeichnungen in den jeweiligen Dörfern durch Buckinghamshire Lord Lieutenant Sir Henry Aubrey Fletcher überreicht.
Wer einmal durch diesen Teil Englands reist, dem kann ich einen Besuch der (im doppelten Sinne) ausgezeichneten Dörfer sehr empfehlen.

Stoke Goldington.   © Copyright Richard Schmidt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Stoke Goldington.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Richard Schmidt and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Nicholas in Cuddington. Eigenes Foto.

St Nicholas in Cuddington.
Eigenes Foto.

Stewkley.   © Copyright Alex McGregor and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Stewkley.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Alex McGregor and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Haddenham. Eigenes Foto.

Haddenham.
Eigenes Foto.

Marlow. Eigenes Foto.

Marlow.
Eigenes Foto.

Chalfont St Peter.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Chalfont St Peter.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Nigel Cox and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Amersham Old Town. Eigenes Foto.

Amersham Old Town.
Eigenes Foto.

Published in: on 4. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Taplow in Buckinghamshire

Die High Street von Taplow. Old Lodge ist das letzte Haus in der Reihe.   © Copyright David Hawgood and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Taplow. Old Lodge ist das letzte Haus in der Reihe.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright David Hawgood and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das kleine Taplow in Buckinghamshire könnte man auch als Vorort der weit größeren Stadt Maidenhead bezeichnen, die wiederum zu Berkshire gehört. Man weiß in dieser Region nicht immer, in welcher Grafschaft man sich nun eigentlich befindet. Über Taplow Court habe ich vor einiger Zeit in meinem Blog schon geschrieben.

Sowohl der „alte“ als auch der „neue“ Inspector Barnaby waren hier schon einmal auf Mörderjagd. John Nettles, alias Tom Barnaby, drehte im Jahr 2002 in Taplow für die Episode 20 „Ring out your dead“ (dt. „Glockenschlag zum Mord“), eine meiner Lieblings-Folgen. In der High Street  fanden die Location Manager die Old Lodge, ein recht unscheinbares Haus, das im Jahr 1805 erbaut worden war, und das man in die „Cosy Kitchen Tea Rooms“ verwandelte, das von Sue Tutt (gespielt von Clare Holman, die wir auch als Dr. Laura Hobson in der Krimireihe „Lewis“ kennen) betrieben wird. Die Kirchen-Szenen drehte man nicht in St Nicholas, der Dorfkirche von Taplow, die gleich um die Ecke liegt, sondern stoppelte sie, wie so oft in „Midsomer Murders“, aus mehreren anderen Kirchen (Watlington, Bray, Monks Risborough) zusammen, was der ortsunkundige Betrachter natürlich nicht merkt. Dafür sieht man in „Glockenschlag zum Mord“ auch das Village Green von Taplow an der Rectory Road, wo sich Emma Tyroe und Dennis Ebbrell treffen.

Zehn Jahre später rückte das „Barnaby“-Produktionsteam erneut in Taplow ein, mit Neil Dudgeon als DCI Barnaby. Jetzt drehte man hier die Episode 93 „Written in the stars“ (dt. „Sonne, Mond und Sterne“) und verwendete noch einmal die Old Lodge in der High Street; dieses Mal machte man aus dem Haus eine Apotheke: „Dutta’s Pharmacy„, geleitet von dem indischstämmigen Henry Dutta. An der Außenfassade wirbt er für seine Dienstleistungen, zu denen u.a. „Eye Tests“ und „Phytotherapy“ gehören.

Für die Erlaubnis, die Folge 93 im Dorf zu drehen, erhielt der Taplow Parish Council von der Midsomer Murders-Produktionsgesellschaft übrigens £1200.

Wer sich auf die Spuren von Inspector Barnaby begibt und das hübsche Taplow besucht, der kann am Village Green im The Oak & Saw vielleicht ein Pint trinken (Brakspear Bitter und Fuller’s London Pride gehören zu den „regulars“) oder auch zu Mittag essen.

Taplow Village Green.   © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Taplow Village Green.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stefan Czapski and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Oak & Saw am Village Green.   © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Oak & Saw am Village Green.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stefan Czapski and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

Published in: on 3. September 2015 at 02:00  Comments (3)  
Tags:

St Mary the Virgin in Great Warley – Eine Jugendstilkirche in Essex

   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Salmon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was gibt es für ein Dorf Schöneres, als einen reichen Mäzen zu seinen Einwohnern zählen zu können, der am Wohlergehen des Ortes interessiert ist. Great Warley, südlich von Brentwood in Essex, dicht an der M25 gelegen, hatte um die Jahrhundertwende einen solch reichen Gönner: Evelyn Heseltine, ein Börsenmakler aus London.

Die alte Dorfkirche St Mary’s war ziemlich verfallen und man benötigte dringend eine neue. So wurden Spendenlisten ausgelegt, in der Hoffnung auf diese Weise zumindest einen Teil des Geldes zusammenzubringen. Als auch Mr. Heseltine um eine Spende gebeten wurde, sagte der Nein, aber er würde dem Dorf gern eine neue Kirche auf seine Kosten bauen lassen. Great Warley war glücklich über dieses Angebot.
Mit dem Design der neuen Kirche wurden Charles Harrison Townsend und Sir William Reynolds-Stephens beauftragt, die einmal etwas ganz anderes machen wollten: Sie gestalteten die Inneneinrichtung nach dem gerade vorherrschenden Jugendstil oder Art Nouveau wie man in England dazu sagte. Vielleicht war der eine oder andere Dorfbewohner zunächst etwas überrascht über die neue Kirche, aber ich könnte mir denken, dass sie alle letztendlich stolz über diese (fast) einzigartige Jugendstilkirche waren. Soviel ich weiß, gibt es nur noch zwei andere Kirchen in England mit Jugendstilelementen: St Bartholomews in Brighton und St Georges in Newcastle-upon-Tyne.

Townsend und Reynolds-Stephens verwendeten für den Innenausbau sehr viel Marmor, Email, Bronze und Perlmutt. Besonders gelungen sind der Lettner, der aus Perlmuttblüten und Emailfrüchten besteht und das Taufbecken aus weißem und schwarzem Marmor, von zwei Bronzeengeln umrahmt.

Ein Überbleibsel aus der alten Kirche St Mary’s existiert noch, die Alabasterfigur des Giles Fleming, ein Gutsherr aus dem 17. Jahrhundert, der sich hoffentlich auch in dieser Jugendstilumgebung wohlfühlt.

St Mary the Virgin liegt südlich des Ortes an der Great Warley Street, der B186, ziemlich versteckt hinter Büschen und Bäumen. Wie so oft in englischen Kirchen steht man auch bei St Mary the Virgin meist vor verschlossenen Toren. Die Öffnungszeiten sind hier zu ersehen.

St Mary the Virgin
Great Warley Street
Brentwood
Essex
CM 13 3JP

Der Lettner.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Lettner.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Salmon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Taufbecken.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Taufbecken.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Salmon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Altarraum.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Altarraum.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright John Salmon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Published in: on 2. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
Tags:

Die Black Cab Sessions – Musik auf dem Rücksitz Londoner Taxis

Ein Londoner Black Cab. Attr.: Unisouth. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Ein Londoner Black Cab.
Attr.: Unisouth.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Alle Londoner Taxis haben, bevor sie erstmals eingesetzt werden, den „Condition of Fitness“-Test zu bestehen, in dem „Transport for London“ genau festlegt, wie die Fahrzeuge konfiguriert sein müssen. Da geht es zum Beispiel um die Größe des Passagierraums, das Taxi-Schild auf dem Dach, um Heizung und Ventilation. So muss u.a. sichergestellt sein, dass ein Fahrgast mit Bowler Hut bequem auf dem Rücksitz Platz nehmen kann.

Nicht geregelt ist wieviele Musiker sich gleichzeitig im Fahrgastraum aufhalten dürfen und ob sie dabei auch ihre Instrumente benutzen können. Gut, dass dem so ist, denn sonst würde es vielleicht die Londoner Black Cab Sessions nicht geben.

Jono Stevens ist der geistige Vater dieses Projekts, bei dem Musiker unter dem Motto „One song, one take, one cab“ einmalig im Taxi Platz nehmen und während der Fahrt ihre Künste zum Besten geben. Das Ganze wird gefilmt und dann ins Internet gestellt. Schon seit 2007 gibt es die Black Cab Sessions und die Londoner Cabbies scheinen daran Gefallen gefunden zu haben, denn die wenigsten lehnen entsprechende Anfragen ab.

Auch prominente Musiker haben schon den Weg in den Passagierraum der Black Cabs gefunden wie Rufus Wainwright, Mumford & Sons, Brian Wilson von den Beach Boys, die Sugababes, Charlotte Gainsbourg oder Ryan Adams. Die meisten Filmclips beginnen damit, dass zuerst der Taxifahrer zu sehen ist, der seine musizierenden Gäste vorstellt.

Probleme gab es mit der Hackney Colliery Brass Band, die einfach nicht komplett in das Taxi passen wollte; so behalf man sich, indem drei der Bläser in ein Black Cab verfrachtet wurden und die übrigen Bandmitglieder daneben herliefen.

Ich finde, die Black Cab Sessions sind eine witzige Idee und viele Musiker fanden das auch, sonst hätten nicht schon so viele daran teilgenommen.