Die Minensucher von der Küste Norfolks – Ein wahres Himmelfahrtskommando

Trimingham Beach in Norfolk. Hier wurde noch bis in die 1970er Jahre nach Minen gesucht.   © Copyright Julian Dowse and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Trimingham Beach in Norfolk. Hier wurde noch bis in die 1970er Jahre nach Minen gesucht.
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Sowohl während der napoleonischen Kriege als auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg fürchtete man in England immer wieder eine Invasion fremder Truppen und so musste die lange Küstenlinie des Landes geschützt werden. Zwischen 1796 und 1814 baute man die Martello-Türme an der Süd- und Ostküste, um Napoleons Soldaten schon früh abzufangen; im Zweiten Weltkrieg wurde auf Anordnung von Sir Winston Churchill die Ostküste vermint. Die genaue Lage der Minen zeichnete man in Karten ein, damit man sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernen konnte. Nachdem sich im Laufe des Krieges abzeichnete, dass mit einer Invasion deutscher Truppen nicht mehr zu rechnen war, begann das Militär, die Minen wieder einzusammeln und stellte fest, dass die Unterlagen mit den Lageplänen nicht mehr aufzufinden waren. Was jetzt? Die Küste Norfolks war gespickt mit den tödlichen runden Scheiben, deren Lage sich durch die Gezeitenströmungen natürlich auch noch verändert hatte.
Ein Spezialtrupp der Royal Engineers, die Sappers, wurden mit dem Himmelfahrtskommando betraut, im Sand der Strände der Ostküste, die Minen wieder aufzuspüren. Es gab damals zwar schon Minensuchgeräte, aber manchmal mussten die Pioniere der Royal Engineers auf dem Bauch liegend und mit einem Stab bewaffnet, den sie vorsichtig in den Sand stießen, ihre Sucharbeiten durchführen. Leider ging das nicht, wie vorauszusehen war, ohne Verluste ab; einige Minen explodierten und töteten die mutigen Soldaten. Insgesamt 26 Männer verloren auf diese Weise im Zeitraum von 1944 bis 1953 ihr Leben. An manchen Strandabschnitten, so z.B. an der erodierenden Küste von Trimingham, dauerten die Räumarbeiten bis in die 1970er Jahre. Erst dann konnte Entwarnung für die Strandbesucher dieser Region gegeben werden.

Bis zum Jahr 2004 gab es kein Denkmal, das an die getöteten Männer erinnerte; auf Initiative eines früheren Offiziers der Royal Engineers, Noel Cashford, änderte sich das. An der Strandpromenade von Mundesley, direkt neben dem Mundesley Maritime Museum, und nicht weit vom Trimingham Beach entfernt, wo am 6. Mai 1953 bei der Minensuche Sergeant Robert O’Doherty und Corporal Kenneth Braddock ums Leben kamen, steht jetzt das Bomb Disposal Memorial, an dem die Namen der 26 mutigen Männer angebracht sind, die bei der Ausübung ihrer Aufgabe starben.

Hier ist ein Film der British Paté über die Minensuche am Strand von Trimingham.

Das Bomb Disposal Memorial in Mundesley (Norfolk).   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das winzige Mundesley Maritime Museu, in dem man sich auch über die Minensucharbeiten informieren kann.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das winzige Mundesley Maritime Museum, in dem man sich auch über die Minensucharbeiten informieren kann.
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Published in: on 7. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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