Joan „Miss Marple“ Hickson und ihr früherer Wohnort Wivenhoe in Essex

Blick von der Kirche St Mary's auf Joan Hicksons Haus an der Rose Lane in Wivenhoe. Author: Keith Beckett. Creative Commons 3.0 Unported.

Blick von der Kirche St Mary’s auf Joan Hicksons Haus an der Rose Lane in Wivenhoe.
Author: Keith Beckett.
Creative Commons 3.0 Unported.

In meinen Augen hatte es nie eine bessere Verkörperung von Agatha Christies Miss Marple gegeben als Joan Hickson in ihrer TV-Serie „Miss Marple“, die von 1984 bis 1992 in England produziert wurde. Es gibt eine schöne DVD-Box mit allen Folgen auch in deutscher Synchronisation. Hier ein kurzer Ausschnitt.

Joan Hickson wurde am 5. August 1906 in Kingsthorpe, einem Vorort von Northampton geboren. 1927 hatte sie ihren ersten Bühnenauftritt. 1946 trat sie in Agatha Christies „Appointment With Death“ (dt. „Der Tod wartet“) in London auf, und die große Dame des Kriminalromans war von Joan Hickson so angetan, dass sie ihr schrieb, sie wünschte sich, dass sie eines Tages einmal ihre Miss Marple spielen würde. Vierzig Jahre später war es dann tatsächlich so weit, dass sich Agatha Christies Wunsch erfüllte.

1958 hatte sich die Schauspielerin in ein beschauliches Dorf in Essex zurückgezogen, in dem sie sich bis ans Ende ihres Lebens außerordentlich wohlfühlte, nach Wivenhoe am River Colne, im Dunstkreis der Universitätsstadt Colchester. Der Campus der  University of Essex grenzt im Norden an das hübsche Dorf, und so wohnen etliche Studenten und Lehrkräfte hier in Wivenhoe.

Joan Hickson hatte sich ein Haus in einer kleinen Straße namens Rose Lane ausgesucht. Was für ein netter Name für eine Straße, die man sich auch in Miss Marples St Mary Mead vorstellen könnte. Ihr Haus am oberen Ende von Rose Lane blickte direkt auf die Kirche St Mary’s, am unteren Ende liegt ein Pub mit dem Namen Rose & Crown direkt am Flussufer. Miss Marple selbst hätte sich hier bestimmt auch wohlgefühlt. Mrs Hickson war Kundin in den Läden von Wivenhoe, sehr beliebt und sicher war man im Ort auch stolz, dass sie sich hier niedergelassen hatte.
Wenn sie in London auf der Bühne stand, versuchte sie so schnell wie möglich anschließend wieder nach Hause zurückzukommen („I love getting back to Wivenhoe. I get out of my wig, bustle and costume in three minutes flat at the end of the play before jumping into a taxi outside the theatre and catching the train home“).

Joan Hickson war mit dem Arzt Eric Norman Butler verheiratet, der 1967 starb. Sie hatten eine Tochter und einen Sohn. Letzerer, Nicholas Butler, interessierte sich sehr für seinen Heimatort und schrieb das 400 Seiten starke Buch „The Story of Wivenhoe„, das 1989 bei der Quentin Press erschien und auf dessen Umschlagfoto die Rose Lane zu sehen ist.

Joan Hickson starb am 17. Oktober 1998 im Colchester General Hospital an den Folgen eines Schlaganfalls (hier die BBC-Meldung über ihren Tod). An ihrem ehemaligen Haus am Rose Lane ist eine blaue Plakette angebracht. Interessanterweise findet man am letzten Haus am unteren Ende der Straße, am Quay House, eine weitere blaue Plakette, die an einen anderen Schauspieler erinnert. Hier verbrachte John Martin-Harvey (1863-1944), Sohn eines lokalen Werftbesitzers, einen Teil seiner Kindheit. Er wollte nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, sondern lieber eine Karriere auf der Bühne suchen. William Schwenck Gilbert half ihm dabei, der zusammen mit Arthur Sullivan als Gilbert and Sullivan weltberühmt wurde. Die blaue Plakette enthüllte übrigens Joan Hickson, und ihr Sohn Nicholas Butler verfasste eine Biografie des Schauspielers „John Martin-Harvey: Biography of an Actor-Manager„, die im Jahr 2002 erschien.

Beerdigt wurde Joan Hickson nicht in Wivenhoe, sondern in dem weit entfernt gelegenen Friedhof von Sidbury in Devon. Der Grabstein trägt die Inschrift „Joan Bogle Butler“ (Ihre Mutter hatte den Mädchennamen Edith Mary Bogle).

Hier ist ein kurzer Film über Wivenhoe heute.

The Rose & Crown am River Colne am Beginn der Straße Rose Lane.   © Copyright Dr Neil Clifton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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