Pengersick Castle in Cornwall – Eine beliebte Burg bei Geisterjägern

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Heute zu Halloween habe ich wieder einmal ein gruseliges Thema ausgesucht – eine Burg in Cornwall, von der es heißt, sie wäre „the most haunted location in the UK„. Diese Aussage habe ich schon sehr häufig gehört, ob Burg, Herrenhaus, Kirche oder Pub, man schmückt sich in Großbritannien gern mit dem Etikett „most haunted“.

Pengersick Castle ist eine alte Burg bei Germoe und Praa Sands im Südwesten der Grafschaft Cornwall, die schon mehrere Teams von Geisterjägern angezogen hat, so z.B. den Ghost Club und die TV-Crew von „Most Haunted„. In dem alten Gemäuer kann man angeblich alles finden, was das Herz eines Geisterjägers höher schlagen lässt: Einen unheimlichen Mönch, den Geist eines Mörders, eine Frau in Weiß, einen dämonischen Hund, dazu merkwürdige Geräusche und Stimmen.
Im Mittelpunkt einiger dieser geisterhaften Erscheinungen steht John Milliton, der den Turm des Pengersick Castles im 16. Jahrhundert erbauen ließ. Er soll versucht haben, seine Frau mit vergiftetem Wein umzubringen und stand im Verdacht, einen Mann ermordet zu haben. Dieser finstere Bursche geht also nach wir vor in seiner ehemaligen Burg um und versetzt Geisterjäger in Angst und Schrecken. Auch andere frühere Burgbewohner wie Henry Pengersick waren keine angenehmen Zeitgenossen. Von diesem Henry sagt man, dass er ein Schlägertyp war und einen Mönch, Bruder Thomas, verletzt hat, der auf der Burg umgehen soll; mehrfach hat man hier schon Mönchsgesänge gehört.

Pengersick Castle rühmt sich auch eines sehenswerten mittelalterlichen Gartens, dessen Designer, Dan McLaughlin, 2013 mit dem Cornish Distinctiveness Design Award ausgezeichnet wurde. Man kann die Burg und die Gärten besichtigen, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung.

Dieser Film zeigt eine nächtliche „ghost hunt“ des Ghost Clubs und hier ist die Episode der TV-Serie „Most Haunted“.

 

 

3 unternehmungslustige Londonerinnen und ihre Exkursionen

Ein Bus der Linie 1. Author: Oxyman. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Ein Bus der Linie 1.
Author: Oxyman.
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Jo Hunt, Linda Smither und Mary Rees sind Londonerinnen im Ruhestand, denen so schnell nicht langweilig wird, denn sie haben ein Hobby, das sie über Jahre hinweg in Atem hält: Sie „sammeln“ Buslinien und Museen in ihrer Stadt. Wie ist das zu verstehen?
Die Sache mit den Buslinien ist mittlerweile abgeschlossen. Die drei Damen hatten sich vorgenommen, einmal sämtliche Buslinien Londons von Anfang bis Ende abzufahren, wofür sie fünf Jahre brauchten. Am 5. März 2009 ging es los mit der Linie 1, die von  der New Oxford Street zur Canada Water Station führt, dann folgten sämtliche Linien in aufsteigender Reihenfolge, rund 600. Die Damen machten sich mit dem von ihnen gesetzten Ziel keinen Stress, mal fuhren sie nur einmal in der Woche mit einem Bus durch die Stadt, mal hakten sie gleich mehrere Touren an einem Tag ab. Der ganze Spaß kostete sie nichts, denn sie fuhren mit dem Freedom Pass, der es Londonern, die über 60 alt sind, erlaubt, die U-Bahn, die Busse und noch einige andere Verkehrsmittel kostenlos zu benutzen.

Über ihre Ausflüge kreuz und quer durch die Metropole führten sie einen Blog, in dem sie festhielten, was auf jeder Buslinie besonders interessant war und machten Fotos davon. Ein Beispiel: Am 30. November 2009 befuhren die Damen die Linie 45, die von King’s Cross Station zum Clapham Park führt. Auf der Fahrt sahen sie u.a. das Eastman Dental Hospital, Baldwins Natural Products, ein Laden, der seit 1844 besteht, den Sun & Doves Pub und das London Welsh Centre. Alles wird sorgfältig beschrieben und verlinkt, so dass das Lesen dieses Blogs eine wahre Freude ist. Hier ist der Start des Blogs mit der Linie 1.

Nachdem die drei Damen nun sämtliche Buslinien kennengelernt hatten, überlegten sie sich, was sie als Nächstes in Angriff nehmen könnten und da kam ihnen die Idee, sich einmal alle Museen der Stadt anzusehen, ein Unterfangen, das nicht weniger zeitaufwendig ist. Etwa 250 Museen soll es in London geben und man begann mit der National Portrait Gallery am Trafalgar Square am 19. März 2014. Die letzte Blog-Eintragung, die ich für den 26. Oktober 2015 fand, beschäftigte sich mit dem Museum of London Docklands. Wie schon bei den Buslinien werden auch die Museumsbesuche im Blog akribisch dokumentiert und mit Fotos und Links versehen. Eine sehr interessante und lehrreiche Lektüre!!

Dieser Film zeigt Jo Hunt, Linda Smither und Mary Rees bei ihrer letzten Bus-Exkursion.

Die National Portrait Gallery, erste Station der Londoner "Museumssafari".   © Copyright Matt Harrop and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die National Portrait Gallery, erste Station der Londoner „Museumssafari“.
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Published in: on 30. Oktober 2015 at 02:00  Comments (2)  

The Northumberlandia – The Lady of the North

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Der Angel of the North, jene stählerne, von Sir Anthony Gormley geschaffene Riesengestalt an der A1 bei Gateshead (Tyne and Wear) hat als Symbolfigur für den Nordosten Englands vor drei Jahren Konkurrenz bekommen. Seit 2012 ruht eine gigantische Frau in der Nähe des Ortes Cramlington in Northumberland, der man kurzerhand den Namen Northumberlandia gegeben hat. Weitere Bezeichnungen für die Dame sind „Goddess of the North“ und „The Naked Lady of Cramlington„.  Der US-amerikanische Landschaftsarchitekt Charles Alexander Jencks hat sieben Jahre lang an der nackten Dame getüftelt und sie dann innerhalb von zwei Jahren erschaffen. Dazu mussten 1,5 Millionen Tonnen Erdreich bewegt werden, das man zum größten Teil von einem nahegelegenen Tagebau, der Shotton Surface Mine, erhalten hat. Bei Fertigstellung der Northumberlandia war diese 34 Meter hoch und 400 Meter lang, die größte liegende weibliche Figur weltweit.

£3 Millionen hat die „Naked Lady“ gekostet, getragen von der Banks Group, der der Tagebau nebenan gehört, und vom Blagdon Estate, auf deren Gelände die Dame genüsslich hingestreckt ist. Matthew Ridley, der fünfte Viscount Ridley, ist der gegenwärtige Eigentümer der Ländereien von Blagdon.

Am 3. September 2012 wurde die Northumberlandia offiziell von der Princess Royal Anne eingeweiht. Im ersten Jahr kamen schon 120 000 Besucher, worüber sich natürlich die Geschäftsleute der umliegenden Ortschaften freuen. Ein Besucherzentrum wurde ebenfalls schon errichtet, das von Mittwoch bis Sonntag geöffnet ist. Der Zugang zu dem Park, in dem die Goddess of the North eingebettet ist, ist täglich von morgens bis abends möglich; ein Eintritt wird nicht erhoben.

Wer sich über die Northumberlandia schon vorab oder auch später vor Ort über sein Smartphone informieren möchte, kann dies über eine spezielle App tun, und wer auf seine Drohne auch hier nicht verzichten kann, der darf sie mitbringen und einsetzen, nachdem er sich die Erlaubnis vom Land Trust eingeholt hat, der den Park managt.

Die Northumberlandia liegt nördlich von Newcastle-upon-Tyne, östlich der A1 und am westlichen Ortsrand von Cramlington.

Dieser Film vermittelt einen Eindruck von dem Parkgelände.

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Published in: on 29. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Bill Bryson: The Road to Little Dribbling – More Notes From a Small Island

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Vor exakt 20 Jahren las ich Bill Brysons Buch „Notes From a Small Island„* und war davon so begeistert, dass ich seitdem sämtliche seiner Bücher verschlungen habe. In den „Notes“ schreibt er von seiner ersten Reise quer durch England; ein wunderbares humorvolles Buch.
Als ich vor einigen Monaten hörte, dass er noch einmal einen Trip durch das Land gemacht hat und das Ergebnis dieser Reise wieder in Buchform erscheinen soll, war ich voller Erwartung und freute mich schon auf die Lektüre. Am 8. Oktober wurde dann „The Road to Little Dribbling: More Notes From a Small Island“ veröffentlicht, und ich habe es mit der gleichen Begeisterung wie den ersten Band gelesen. Der US-Amerikaner aus Iowa, der seine zweite Heimat in England gefunden hat, ist einfach ein begnadeter Schriftsteller mit einem unvergleichlichen Humor. Der Daily Telegraph schrieb über das Buch „Hugely funny (not snigger-snigger funny, but great-big-belly-laugh-till-you-cry-funny)„; sehr schön formuliert, wobei ich die Lektüre auch „snigger-snigger funny“ fand.

Bill Bryson folgte auf seiner Reise nicht den Spuren seines ersten Aufenthaltes, sondern schlug eine andere Route ein, die ihn vom Süden des Landes, von „Bugger Bognor“, bis zum äußersten Nordwestzipfel Schottlands, zum Cape Wrath führte. Er schildert auf der Wegstrecke ein Land, in das er sich schon seit langem verliebt hat; sieht aber auch die Gefahren, dass sich England weiter zu seinen Ungunsten verändern wird. Verödete High Streets, Seebäder, in die kaum noch jemand kommt, Pubsterben, Vermüllung der Landschaft, das sind nur einige der kritischen Punkte, mit denen England kämpft. Bill Bryson ist aber auch immer wieder begeistert von der wunderbaren Natur des Inselstaates, und er setzt sich für deren Erhaltung ein. Einige Jahre lang war er Präsident der Campaign To Protect Rural England.

„The Road to Little Dribbling“ ist ein wunderbares Buch mit leider nur 384 Seiten. Der letzte Satz des Waschzettels fasst den Inhalt prägnant zusammen: „Bryson gives us an acute and perspective insight into all that is best and worst about Britain today„.
Dies ist mein persönliches Buch des Jahres, das ich jedem empfehlen kann, der sich auch nur ansatzweise für Großbritannien interessiert (Bryson bereist nicht nur England, sondern auch Wales und Schottland). Dem kritischen Artikel über das Buch in Mail Online kann ich nicht zustimmen. Hier ist ein Interview mit ihm.
Das wunderschöne Umschlagbild stammt übrigens von dem renommierten Cover Art-Künstler Neil Gower.

Wann eine Übersetzung ins Deutsche erscheinen wird, konnte ich leider noch nicht ermitteln.

*Das Buch wurde 1999 als Fernsehserie verfilmt. Hier ist Teil 1 zu sehen.

Bill Bryson: The Road to Little Dribbling – More Notes From a Small Island. Doubleday 2015. 384 Seiten. ISBN 978-0-857-52234-4.

Nachtrag vom 01.05.2016: Am 25. April erschien die deutsche Übersetzung des Buches im Goldmann-Verlag unter dem Titel „It’s teatime, my dear!: Wieder reif für die Insel“.

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 28. Oktober 2015 at 02:00  Comments (8)  
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Derwent Island – Eine romantische Insel im Lake District, die früher einmal von King Pocky beherrscht wurde

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In der Hauptsaison gibt es wohl kaum eine Region in England, die überlaufener ist als der Lake District im Nordwesten des Landes. Menschenmassen überfallen die malerischen Dörfer, auf den Seen tummeln sich unzählige Boote jeglicher Bauart.

Auf dem Derwent Water, gegenüber von Keswick, gibt es ein winziges Refugium, auf dem Ruhe herrscht: Derwent Island, das im Besitz des National Trusts ist und nur an fünf Tagen im Jahr besucht werden kann und das auch nur mittels eines  Kanus. Der NT hat die Insel samt Wohnhaus vermietet.

Im Mittelalter gehörte die Insel der Fountains Abbey in Yorkshire, der nächste Besitzer war der König und ab 1569 siedelten sich dort deutsche Bergleute an. 1778 kaufte ein englischer Exzentriker namens Joseph Pocklington Derwent Island für 300 Pfund und errichtete darauf ein Wohnhaus. Der reiche Bankierssohn aus Nottinghamshire residierte 17 Jahre lang auf dem kleinen Eiland. Die Nachbarn auf dem Festland gaben ihm den Spitznamen King Pocky und wie ein kleiner König gebärdete sich Mr. Pocklington auch. Er ließ auf seiner Insel eine kleine Kirche bauen, ein Bootshaus im Stil einer Kapelle und ein Miniatur-Fort, das er mit Kanonen bestückte und das er Fort Joseph nannte. Von diesem Fort aus beschoss er dann bei den jährlich auf dem Derwent Water von ihm veranstalteten Regatten die Teilnehmer, die so taten, als würden sie eine Invasion der Insel starten. Ja, unter King Pockys Regentschaft auf Derwent Island war hier immer was los.

Aber nicht jeder aus der Region Keswick fand das lustig; vor allem der Dichter William Wordsworth regte sich fürchterlich über die Bebauung der Insel auf und nannte das Haus einen Schandfleck.

1951 ging die Insel in den Besitz des National Trusts über. Es ist nicht ganz einfach, sich Derwent Island und Derwent House anzusehen, denn an den fünf Besichtigungstagen pro Jahr, werden nur jeweils 18 Personen per Kanu von Keswick aus herübergebracht, die dann zwei Stunden Zeit haben, sich alles anzusehen. £12 kostet der Besuch.

Hier ist ein Film des National Trusts über den Derwent Island Open Day. Auch heute werden wieder Regatten auf dem See ausgetragen wie dieser Film zeigt.

Das Bootshaus auf Derwent Island.    © Copyright Graham Robson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Bootshaus auf Derwent Island.
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Published in: on 27. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Robin Hoods Grab auf dem Gelände des Kirklees Estates in West Yorkshire

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Den Namen der fiktiven/realen (?) Figur Robin Hood bringt man eigentlich mit dem Sherwood Forest in Nottinghamshire in Verbindung, wo er mit seinen Spießgesellen sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Sein Ende fand der bis heute populäre Räuber aber in einem anderen Teil Englands, in West Yorkshire. Als sich der Outlaw während eines Aufenthaltes dort krank fühlte, suchte er die Kirklees Priory auf, in der Hoffnung, dass man ihm dort helfen würde. Die Priorin von Kirklees war Robins Cousine (in manchen Quellen steht, er war ihr Neffe) und da fühlte er sich in guten Händen. Aber da täuschte er sich gewaltig, denn sie hegte schon lange einen Groll gegen ihren Cousin. Sie wendete das Allheilmittel in der damaligen Zeit gegen alle möglichen Krankheiten an, den Aderlass. Sir Roger of Doncaster, einer der größten Widersacher Robin Hoods und der Geliebte der Priorin, stachelte die Frau an, den Outlaw verbluten zu lassen, was sie denn auch bereitwillig tat. Doch bevor sein Tod eintrat, nahm Robin noch einmal alle Kräfte zusammen und blies in sein Horn, was seinen engsten Freund Little John auf den Plan rief. Den bat er um Pfeil und Bogen, und seine letzte Tat war, einen Pfeil durch das offenstehende Fenster seines Krankenzimmers zu schießen. Dort, wo der Pfeil auftraf, wollte Robin begraben werden; sein Wunsch wurde von Little John erfüllt.

Robin Hoods Grab findet man ca 500 Meter von dem Torhaus der einstigen Kirklees Priory entfernt, dort, wo sein Krankenzimmer war. Die Priory selbst existiert schon lange nicht mehr. Es ist von Eisenpfählen umgeben, da früher immer mal wieder „Fans“ des Outlaws kleine Stückchen des Steins abmeißelten, die angeblich Zahnschmerzen heilen sollten.

Robin Hoods Grab steht auf privatem Gelände, ist also nicht ohne weiteres zugänglich. Der heutige Kirklees Estate zieht sich an der Wakefield Road entlang, der A644; die Zufahrt erfolgt über eine kleine Straße, die beim The Three Nuns Gasthof, von der Wakefield Road abgeht. Die nächstgelegene Ortschaft ist Mirfield.

Hier ist ein Film von einem Besuch am Grab Robin Hoods. Das seines Freundes Little John liegt übrigens in Hathersage in Derbyshire (ich schrieb in meinem Blog einmal darüber).

Das Kirklees mPriory Gatehouse.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kirklees Priory Gatehouse.
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Published in: on 26. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Songs about London – Chris Rea: Road to Hell

Irgendwo hier entstand Chris Reas "Road to Hell".   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Irgendwo hier entstand Chris Reas „Road to Hell“.
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Ich bin die M25, die einmal rund um London führt, viele Male gefahren, sowohl im Uhrzeigersinn als auch gegen den Uhrzeigersinn. Die Ringautobahn war zwar immer sehr voll, aber glücklicherweise bin ich bisher noch nie in einen der Monsterstaus geraten, die leicht entstehen, wenn ein Unfall mehrere Fahrstreifen blockiert.

Was macht ein Rocksänger, wenn er mit seinem Auto in einen Stau gerät? Er komponiert während der Wartezeit einen Song. So geschehen an einem Wintertag im Jahr 1988, als es Chris Rea auf dem London Orbital erwischte und zwar dort, wo sich die M25 mit der M4 kreuzt, ein für Staus besonders anfälliges Teilstück der Autobahn. Rea kritzelte auf einem Stück Papier den Text für einen zukünftigen Song, den er entsprechend der Situation „Road to Hell“ nannte und der zu einem seiner großen Hits werden sollte. Wozu doch Staus auch gut sein können!

Der Zettel, auf dem Chris Rea den Song schrieb, wurde im Jahr 2010 von ihm bei einer Auktion eingereicht, deren Erlös dem Teenage Cancer Trust zugute kommen sollte, doch der Mindestpreis wurde nicht erreicht und daher ersteigerte niemand den ersten Entwurf des berühmten Songs.

„The Road to Hell“ erschien als Teil 1 und Teil 2 auf Chris Reas zehntem gleichnamigen Studioalbum, das 1989 veröffentlicht wurde. Hier ist das Musikvideo zu sehen.

Der Schriftsteller Jake Wallis Simons hat in seinem 2014 erschienen Roman „Jam“ (er wurde nicht ins Deutsche übersetzt) über einen Stau auf der M25 geschrieben. Simons zeigt in seinem Buch das Verhalten der Insassen mehrerer Fahrzeuge während des Stillstands. „This hellish ring of ordered chaos“ und „This endless strip of highway to nowhere” sind nur einige der Äußerungen, die über die Ringautobahn in dem Roman fallen.

Published in: on 25. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Emily Kearns: Underground, Overground – A London Transport Miscellany

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Schon in ihrem Buch „Mind the Gap: A London Underground Miscellany“ (Summersdale 2013) beschäftigte sich Emily Kearns mit einem Teil des Londoner öffentlichen Personenverkehrs, der U-Bahn. In ihrem neuen Buch „Underground, Overground – A London Transport Miscellany„, das in diesem Jahr erschienen ist, weitet sie das Thema auf die anderen Zweige des Nahverkehrs aus, die oberirdisch stattfinden wie Busse und Taxen. Aber der „Tube“ wird auch in diesem Buch viel Raum gewidmet.

In kurzen Kapiteln gibt Emily Kearns einen Überblick über die Entwicklung des „London Transports“, beginnend mit den Hackney Carriages des 17. Jahrhunderts bis hin zur geplanten Crossrail 1 und 2. Die Crossrail 1 ist ein Expresszug, der nach Fertigstellung von Reading in Berkshire bis nach Shenfield in Essex führen soll, wobei das Kernstück ein neuer Tunnel ist, der quer durch das Zentrum Londons führt. Im Jahr 2019 soll Crossrail 1 den Betrieb aufnehmen. Das Buch geht auch kurz auf Crossrail 2 ein, eine Verbindung von Hertfordshire nach Surrey via London-Zentrum, die möglicherweise 2030 ihren Betrieb aufnehmen wird, falls London nicht das Geld ausgeht, denn die Bauarbeiten verschlingen Unsummen.

Weitere Themen in „Underground, Overground“ sind die Trams und Trolleybusse, die Docklands Light Railway (die fahrerlose Bahn im Osten der Stadt), das öffentliche Fahrradverleihsystem Santander Cycles (gern auch Boris Cycles nach Londons Bürgermeister genannt), die Themse als Verkehrsader und die relativ neue Emirates Air Line, die Gondelbahn, die Greenwich mit den Docklands verbindet.

Ich kann den kleinen handlichen Band allen empfehlen, die sich etwas näher mit dem hochinteressanten Thema „London Transport“ befassen möchten.

Emily Kearns: Underground, Overground – A London Transport Miscellany. Summersdale 2015. 203 Seiten. ISBN 978-1-84953-752-0

Published in: on 24. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The World Nettle Eating Championships im Bottle Inn in Marshwood (Dorset)

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Jedes Jahr finden im „Bottle Inn“ in Marshwood (Dorset) die World Nettle Eating Championships statt, ein Wettbewerb, an dem ich um keinen Preis teilnehmen würde. Es geht darum, innerhalb einer Stunde so viel Brennnesseln wie möglich zu essen, die den Männern und Frauen, die gern Weltmeister in dieser Disziplin werden möchten, in Form von Stengeln vorgesetzt werden, von denen sie dann die Blätter der Urticas (so der lateinische Name) pflücken und sie sich in den Mund schieben müssen. Lediglich Wasser oder Bier darf zur Hilfestellung verwendet werden. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Pints vor Beginn des Wettbewerbs sehr hilfreich zur Bewältigung dieser recht unangenehmen Aufgabe sein können. Es gibt bestimmte Techniken wie man die Brennnesseln isst, ohne sich den Gaumen zu verbrennen;  sinnvoll ist es, die Blätter zwischen den Fingern so zu falten, dass die Brennhaare innen sind und dadurch ihre teuflische Wirkung nicht entfalten können. Die Sieger des Wettbewerbs schaffen jedes Jahr so um die 23 bis 24 Meter der Brennnesselstengeln. Das nächste Turnier wird voraussichtlich am 18. Juni 2016 stattfinden.

Wie kam es überhaupt zu diesen kuriosen Weltmeisterschaften, zu denen sogar Teilnehmer aus Übersee angereist kommen?
1986 stritten zwei Farmer aus Dorset darüber, wer die größten Brennnesseln im Garten hatte. Regelmäßig wurden die Pflanzen der Konkurrenten  daraufhin im Bottle Inn vermessen. Eines Tages kam Alex Williams mit einer über 5 Meter hohen Pflanze an und prahlte, wenn jemand mit einer noch höheren Brennnessel käme, würde er seine komplett aufessen. Er hatte Pech: Es kam jemand mit einem noch größeren Gewächs und, getreu seines Versprechens, verspeiste Alex seine Brennnessel, woraus ein jährlich statt findender Wettbewerb wurde. Der Weltmeister erhält einen Pokal und ein Preisgeld von £100, das er vielleicht gleich anschließend im Bottle Inn wieder umsetzt.

Der Bottle Inn liegt ziemlich einsam an der B3165 und gehört zu der 300-Seelen-Gemeinde Marshwood, etwa neun Kilometer nordöstlich von Lyme Regis. Der Nachbarort ist übrigens Bettiscombe, ein Dorf, das wegen seines „Screaming Skull“ in fast jedem Buch über Geister erwähnt wird.

Dieser Film zeigt wie es bei den Championships zugeht.

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The UK Roundabout Appreciation Society – Die Freunde des Kreisverkehrs

Ein Mini-Roundabout, der gleichzeitig als Parkplatz dient bei Gillingham (Kent).   © Copyright David Anstiss and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Mini-Roundabout bei Gillingham (Kent), der gleichzeitig als Parkplatz dient.
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Am liebsten würde ich hier in Deutschland auch eine Gesellschaft zur Förderung des Kreisverkehrs gründen, denn in unserem Land fristen Kreisverkehre im Vergleich zu Ländern wie Frankreich und England immer noch ein Schattendasein. Weg mit den grässlichen und hässlichen Ampelanlagen und her mit den viel umweltverträglicheren Kreisverkehren, die man optisch auch noch sehr schön gestalten kann. Vor einiger Zeit las ich in einer englischen Zeitung, dass ein Politiker meinte, dass 90% aller Ampelanlagen im Königreich überflüssig wären und durch Kreisverkehre ersetzt werden könnten. Und das in England!!

Die UK Roundabout Appreciation Society listet auf ihren Webseiten die Vorteile des „roundabouts“ bzw. „gyratories“ auf und tut das natürlich, wie sind ja in England, mit „tongue in cheek“. Mit den Worten „Un-like fascist, robotic traffic lights where we are told when to stop and go, the roundabout allows us to show one another our very own English driving decorum“ wird hier die Essenz dieser Verkehrsregelungsmaßnahme zusammengefasst. Ist das nicht eine wunderschöne Formulierung?

Es gibt die Mini-Roundabouts mit nur wenigen Metern Durchmesser, es gibt die ineinander verschachtelten Kreisverkehre wie den Magic Roundabout in Swindon (Wiltshire), es gibt große Gartenanlagen inmitten eines Kreisverkehrs. Für die Verzierung sind der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Kevin Beresford, Chef der UK Roundabout Appreciation Society, hat in diesem Jahr einmal die besten zwölf auf der ganzen Welt zusammengestellt und da ist der Sieger der Railway Roundabout in Hobart in Tasmanien geworden. Nur ein englischer Kreisverkehr ist unter den Top 12 zu finden: Der Duck Pond Roundabout in Otford (Oxfordshire), auf dem ein Ententeich angelegt ist und der daher auch „Duckingham Palace“ genannt wird:

Idylle mitten auf einem Kreisverkehr in Otford (Oxfordshire).   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Idylle mitten auf einem Kreisverkehr in Otford (Oxfordshire).
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Ich habe hier einmal einige Bilder von besonders gelungenen bzw. ungewöhnlichen Roundabouts zusammengetragen:

Ein ehemaliges Rettungsboot bildet den Mittelpunkt dieses Kreisverkehrs in Hythe (Hampshire).   © Copyright Peter Trimming and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein ehemaliges Rettungsboot bildet den Mittelpunkt dieses Kreisverkehrs in Hythe (Hampshire).
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Eien kleine Parkanalge inklusive Telefonzelle auf dem Roundabout at Meadway bei Golders Green in London.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Ein Kriegerdenkmal auf einem Roundabout in Alnmouth (Northumberland).   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Clock Roundabout in Hyde (Greater Manchester).   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Chicken Roundabout bei Ditchingham (Norfolk) über den ich in meinem Blog schon einmal berichtete.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Kreisverkehr mit Friedhof: Der Portwood Roundabout in Stockport (Greater Manchester).   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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So wird man in New Brighton (Merseyside) begrüßt.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 22. Oktober 2015 at 02:00  Comments (6)  
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Drei Spielfilme, die in der Londoner U-Bahn gedreht wurden

Charing Cross Station.   © Copyright Oxyman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Zahlreiche Spielfilme wurden schon in der Londoner U-Bahn gedreht, wobei sich die Gänge, Stationen und Gleisanlagen besonders für gruselige Filme eignen. Speziell die aufgegebenen Stationen wie die Aldwych Tube Station sind bei den Produktionsgesellschaften beliebt, weil man hier in aller Ruhe drehen kann, ohne von den U-Bahnpassagieren gestört zu werden. Ich habe einmal drei Filme ausgesucht, in deren Mittelpunkt die Londoner „Tube“ steht.

Wie mag es wohl in den endlosen Gängen der U-Bahn aussehen, wenn nachts keine Züge mehr fahren? Diese Erfahrung muss Kate, deutsche Agentin bei einer Modeagentur, in dem Film „Creep“ (2004) machen, als sie spätabends auf dem Bahnsteig der Station Charing Cross einschläft und erst wieder aufwacht, als alle Ausgänge verschlossen sind. Was sie jetzt alles erlebt, möchte man seinem ärgsten Feind nicht wünschen. Kate wird gespielt von Franka Potente, Regie führte Christopher Smith. In diesem Film jagt ein Schockeffekt den nächsten und er ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Eine DVD in deutscher Synchronisation mit dem Titel „Creep“ ist erhältlich; einen Vorgeschmack gibt der Trailer.

Nicht weniger aufregend und schockierend ist der Film „Death Line“ (1972), der in den USA als „Raw Meat“ und in Deutschland unter dem vielversprechenden Titel „Tunnel der lebenden Leichen“ in den Kinos lief. Der Regisseur Gary Sherman hat den Film 1972 gedreht, basierend auf einer von ihm geschriebenen  Geschichte, in der es um Kannibalismus geht. Auf einer U-Bahnbaustelle unterhalb des Britischen Museums wird eine Gruppe von Arbeitern verschüttet, die sich nur durch Kannibalismus am Leben halten können. Als nur noch einer zurückbleibt, macht der sich auf Suche nach Nahrung zwischen den U-Bahnstationen Russell Square und Holborn
Donald Pleasance und Wo-ein-Horrorfilm-gedreht-wird-darf-ich-nicht-fehlen Christopher Lee sind in dem Streifen zu sehen, den es auch einmal als DVD in deutscher Synchronisation gab und der im regulären Handel meines Wissens nicht mehr erhältlich ist. Hier ist der Trailer.

Das schlimmste, was einem Fahrer der Londoner U-Bahn passieren kann, ist, wenn sich ein Selbstmörder vor seinen Zug wirft, was gar nicht so selten passiert (die Northern Line verzeichnet die meisten Selbstmorde). Um dieses Thema geht es in dem Film „Three and Out“ aus dem Jahr 2008, der in Deutschland unter dem Titel „3 und Raus“ lief und als DVD erhältlich ist. Hierbei handelt es sich nicht um einen Horrorfilm, sondern um eine Komödie mit schwarzem Humor. Paul Callow ist U-Bahnfahrer, dem binnen weniger Tage zwei Männer vor seinen Zug fallen und getötet werden. Pauls Kollegen berichten ihm von einer wenig bekannten Regel der U-Bahnverwaltung, dass Fahrer, denen in einem Monat drei Menschen vor den Zug fallen, entlassen werden und als Entschädigung zehn Jahresgehälter ausgezahlt bekommen. Dieses Angebot ist für Paul sehr verlockend und so macht er sich auf die Suche nach einem dritten Opfer… In den Hauptrollen sind Mackenzie Crook und Gemma Arterton zu sehen. Regie führte Jonathan Gershfield. Hier ist der Trailer.

U-Bahnstation Russell Square. Author: Sunil060902. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

U-Bahnstation Russell Square.
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Holborn Underground Station.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Der verbarrikadierte Eingang zur früheren Aldwych Tube Station, die früher Strand Station hieß, und die gern für Filmaufnahmen verwendet wird.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der verbarrikadierte Eingang zur früheren Aldwych Tube Station, die früher Strand Station hieß, und die gern für Filmaufnahmen verwendet wird.
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Published in: on 21. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Atherstone in Warwickshire und seine vergangene Hutindustrie

Was von der einst florierenden Hutindustrie in Atherstone übrigblieb: Die Britannia Works.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was von der einst florierenden Hutindustrie in Atherstone übrigblieb: Die Britannia Works der Firma Wilson & Stafford.
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Am 7. Oktober schrieb ich in meinem Blog über den Ort Atherstone und sein verrücktes Ball Game. Doch über die Kleinstadt in Warwickshire gibt es noch einiges mehr zu berichten. Abgesehen davon, dass der Discounter Aldi hier am Old Holly Lane seine UK-Zentrale hat, war die Stadt lange Zeit für ihre Hutfabrikation über die Grenzen des Königreichs bekannt.
Ursprünglich wurden hier in der Long Street schon seit dem 17. Jahrhundert Hüte in Heimarbeit hergestellt, so richtig in Schwung kam die Hutproduktion aber erst durch Charles Vero und James Everitt, die sich darauf spezialisierten, ihre Filzhüte in die Vereinigten Staaten und in die Karibik zu verkaufen, dort, wo man damals Sklaven hielt. Diese Männer trugen nämlich mit Vorliebe Filzhüte, die man seinerzeit „billycock“ nannte, eine Art Melone. Der Name des Hutes stammt von den Coke-Brüdern William und Edward von Holkham Hall in Norfolk, die diese Art Hüte für ihre Wildhüter entwickelten, damit diese bei Ausritten gegen tiefhängende Äste geschützt waren.

In Atherton wurden diese strapazierfähigen Filzhüte also in großen Stückzahlen angefertigt, wobei die Firmen Denham & Hargrave, Vero & Everitt und Wilson & Stafford tonangebend waren. Etwa 3000 Männer und Frauen waren in Spitzenzeiten in der Hutindustrie des Ortes beschäftigt. Doch dann kam der Einbruch, als die Sklaverei abgeschafft wurde. Einer der wichtigsten Absatzmärkte brach weg, was die Firmen in Atherstone zu spüren bekamen. Doch da in den vielen Kriegen des 19. Jahrhunderts ein ständiger Bedarf an Kopfbedeckungen für Soldaten herrschte, blieben die Firmen weiterhin im Geschäft.
Richtig bergab ging es dann nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Nachfrage nach Filzhüten stark zurückging und importierte Hüte billiger waren als die aus der heimischen Produktion. In den 1980er Jahren übernahm Wilson & Stafford die beiden oben genannten Konkurrenten. Doch auch sie mussten schließlich 1999 die Segel streichen und ihre Britannia Works an der Coleshill Road ein für alle Mal schließen.
Das große verfallene Fabrikgebäude soll jetzt teils abgerissen, teils umgebaut werden und daraus eine Apartmentanlage entstehen.

Übrigens stammt der Ausdruck „Mad as a hatter“ (soviel wie „total verrückt“) aus der Zeit der Hutmacherei im 18. und 19. Jahrhundert, als bei der Produktion von Filzhüten Quecksilber verwendet wurde. Arbeiter („hatter“), die täglich mit diesem giftigen Stoff in Berührung kamen, entwickelten häufig das Hutmachersyndrom, eine Krankheit, die das Nervensystem schädigt.

Das Buch zum Artikel:
Judy Vero: A Concern in Trade – Hatting and the Bracebridges of Atherstone 1612 – 1872. Warwickshire Books 1995. 112 Seiten. ISBN 978-1871942156.

Published in: on 20. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wo liegt das tatsächliche Zentrum Londons, von wo aus alle Entfernungen berechnet werden?

Die Reiterstatue von Charles. I. am Trafalgar Square.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Reiterstatue von Charles I. am Trafalgar Square.
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Ich frage mich manchmal, wenn ich zum Beispiel auf einer englischen Autobahn unterwegs bin und den Entfernungshinweis „London 120 Miles“ lese, was damit tatsächlich gemeint ist. Zählen die Meilen bis zur Stadtgrenze oder bis ins Zentrum? Wenn es das Zentrum ist, wo liegt das dann genau?

Die richtige Antwort lautet: Alle Entfernungsangaben von und nach London beginnen an der Reiterstatue von Charles I. in Charing Cross am Trafalgar Square. Die Bronzeskulptur wurde 1633 im Auftrag des Königs von dem französischen Bildhauer Hubert Le Sueur geschaffen, der auch noch mehrere andere Kunstwerke für Charles I. anfertigte. Aufgestellt hat man die Statue an dieser Stelle aber erst im Jahr 1675 unter Charles II.; in der Zeit dazwischen, im Englischen Bürgerkrieg, war sie bei einem Schmied in London versteckt, der sie eigentlich in ihre Bestandteile zerlegen sollte, dies aber nicht tat.

Bevor Charles I. auf seinem Pferd diesen Platz vor dem Trafalgar Square einnahm, stand hier das letzte Eleanor Cross, das ein anderer König, nämlich Edward I., zu Ehren seiner verstorbenen Frau Eleonore von Kastilien baute. Dies war das letzte der 12 Eleanor Cross genannten Monumente, die von Lincoln nach London führten (ich berichtete in meinem Blog darüber). Auf Anordnung des Parlaments wurde das Gedenkkreuz 1647 abgerissen. Sehr viel später, erst 1875, stellte man vor dem Bahnhof Charing Cross eine 21 Meter hohe Replika dieses Monumentes auf. Von hier aus werden aber die Entfernungen von London aus nicht gemessen, wie viele immer noch meinen.

Eine in den Boden gelassene Plakette hinter der Reiterstatue Charles‘ I. der City of Westminster gibt folgende Information:
On the site now occupied by the statue of King Charles I. was erected the original Queen Eleanor’s Cross a replica of which stands in front of Charing Cross Station. Mileages from London are measured from the site of the original Cross„.
Da haben wir es Schwarz auf Weiß (bzw. Weiß auf Bronze).

Dieser Film zeigt die Statue von Charles I. und erzählt deren Geschichte noch einmal nach.

Die Replika des letzten Eleanor Cross vor dem Bahnhof Charing Cross.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Replika des letzten Eleanor Crosses vor dem Bahnhof Charing Cross.
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Published in: on 19. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Ring of Red auf den Autobahnen M25 und M60 am Remembrance Day

Eine Mohnblume ("poppy"); Symbol des gedenkens an gefallene Soldaten.   © Copyright Richard Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Mohnblume („poppy“); Symbol des Gedenkens an gefallene Soldaten.
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Am Remembrance Day, dem zweiten Sonntag im November, gedenkt man in ganz Großbritannien den in den beiden Weltkriegen und danach gefallenen Soldaten. An zahllosen Kriegerdenkmälern im Land kommen Menschen zusammen, legen Kränze aus Mohnblumen nieder und halten zwei Schweigeminuten um 11 Uhr ab. Die Mohnblume (poppy) ist das Symbol schlechthin für die Erinnerung an die Männer und Frauen, die für ihr Land gestorben sind. Man trägt sie am Revers als künstliche Ansteckblume und im vorigen Jahr wurden bei der Installation Blood Swept Lands and Seas of Red fast 900 000 Mohnblumen am Tower of London angebracht, für jeden gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs eine.

Eine ganz besondere Aktion haben sich britische Biker für den Remembrance Sunday ausgedacht. Wie schon im Vorjahr wollen sie auch jetzt am 8. November die weltgrößte „poppy“ bilden und zwar an zwei Stellen im Land. Einmal auf der M25, der London Orbital, der Ringautobahn, die 188 Kilometer um die Hauptstadt herumführt und einmal auf der M60, dem 58 Kilometer langen Autobahnring um Manchester. Die Idee für diese „The Ring of Red“ genannte Aktion hatte eine Motorradfahrerin namens Julia Stevenson aus Dartford in Kent. Die Biker werden in mohnblumenroter Kleidung auf den beiden Autobahnen einen Kreis bilden „the biggest poppy in the world„. Auf der London Orbital wird man im Uhrzeigersinn fahren, auf dem Manchester Ring Motorway gegen den Uhrzeigersinn.

Gestartet werden die beiden Rings of Red von der Organisation Ride of Respect, in der sich Biker zusammengefunden haben, die bei „Massenausritten“ Geld für wohltätige Zwecke sammeln, das Angehörigen gefallener Soldaten zugute kommt bzw. für in Auslandseinsätzen verwundete Armeeangehörige verwendet wird. Der diesjährige Ride of Respect ging im Mai nach Royal Wootton Bassett, einer Stadt in Wiltshire, die sich einen Namen gemacht hat, indem sie die in die Heimat zurückgebrachten, in Afghanistan und in Irak gefallenen Soldaten auf besondere Weise geehrt hat (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Hier ist ein Film vom letztjährigen Ride of Respect auf der M25.

Die M25.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die M25 bei Denham.
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Die M60, kurz vor der Ausfahrt 5.   © Copyright Andy Farrington and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die M60, kurz vor der Ausfahrt 5.
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Published in: on 18. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Swan in Pangbourne – Das einstige „Grenz-Gasthaus“ und drei Männer, die nicht mehr auf der Themse fahren wollten

Hochbetrieb am Swan in Pangbourne.   © Copyright Geoff Pick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hochbetrieb am Swan in Pangbourne.
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Dass der kleine Ort Pangbourne in Berkshire nicht zu den ärmsten des Landes gehört, sieht man allein schon daran, dass an der Station Road Lamborghini-Verkaufsräume direkt neben denen der Firma Bentley zu finden sind. Wir befinden uns hier eben im Speckgürtel von London. Ich mag diese Region an der Themse sehr, die sich von Wallingford bis nach Reading zieht. Über die Whitchurch Toll Bridge, die Berkshire mit Oxfordshire verbindet, schrieb ich ich vor einigen Monaten.

Diese Grenze zwischen den beiden Grafschaften verlief einmal genau durch den Swan Inn am Ufer der Themse; um es noch genauer auszudrücken, die Grenzlinie teilte die Bar des Pubs in zwei Teile. Ein Teil der Bar lag also in Berkshire und der andere in Oxfordshire. Das führte zu einem Kuriosum, denn die beiden Counties hatten unterschiedliche Ausschankzeiten. Wenn es abends soweit war, dass der Gastwirt die Worte „Time Gentlemen, please“ ausrief, um seine Gäste darauf aufmerksam zu machen, dass er nun gleich schließen müsse, ergriffen alle ihre Gläser und zogen damit an das andere Ende der Bar, das in der Grafschaft mit den längeren „licensing hours“ lag, wo sie dann fröhlich weiter tranken. Tolle Sache! Der Wirt musste nur aufpassen, dass keiner seiner Gäste aus Versehen die Grenze überschritt und sich dadurch strafbar machte.

Wer das wunderbare Buch „Three Men in a Boat“ von Jerome K. Jerome gelesen hat, kann sich vielleicht noch daran erinnern, dass Jerome, George und Harris mitsamt ihrem Hund Montmorency hier bei strömendem Regen in Pangbourne die Nase voll hatten von ihrer Themsefahrt und sie am Swan Inn beendeten. „…three figures, followed by a shame-looking dog, might have been seen creeping stealthily from the boat-house at the Swan, towards the railway station…“

Den Swan Inn gibt es nach wie vor in Pangbourne; hier kann man auf der Terrasse direkt an der Themse ein Bier trinken und, falls man mit einem Boot kommt, direkt davor anlegen. In welchem Jahr das Gasthaus erbaut worden ist, kann man nicht exakt sagen, „Circa 1642“ steht an der Fassade, na ja, immerhin ein Anhaltswert.

Die Speisekarte ist ein wenig auf die Lage an der Themse abgestimmt, so findet man darauf z.B. ein Boatman’s Lunch und, was ich besonders einfallsreich finde, als Dessert ein „The Swan Cygnet-Ture Ice Cream Sundae“. Dafür haben wenigstens keine Schwänlein ihr Leben lassen müssen!

The Swan liegt an der Straße Shooter’s Hill, nur ein paar Schritte vom Bahnhof entfernt, von dem aus damals die drei Männer und ihr Hund Pangbourne fluchtartig in Richtung London verlassen haben.

Übrigens machte der Comedian David Walliams („Little Britain“) hier im Swan Station, als er im September 2011 die Themse durchschwamm, wie dieser Film zeigt.

Blick auf die Themse von der Terrasse des Swans.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick auf die Themse bei Pangbourne, dort wo The Swan liegt.
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Claverton Manor bei Bath (Somerset), Winston Churchill und das American Museum in Britain

Claverton Manor bei Bath.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Claverton Manor bei Bath.
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Am 26. Juli 1897 kam ein 22 Jahre junger Mann  in das Claverton Manor bei Bath in Somerset und hielt dort eine Rede vor der Primrose League, einer Vereinigung konservativer Männer, die der Vater des jungen Mannes, Lord Randolph Churchill, 1883 gegründet hatte. Es handelt sich bei dem Redner natürlich um Winston Churchill, der zu der Zeit Soldat und Kriegsberichterstatter war. Es war Churchills erste öffentliche Rede, die er mit den Worten begann „unaccustomed as I am to public speaking“, aber er brauchte sich keine Sorgen um die Resonanz zu machen, denn seine Rede war exakt einstudiert und kam bei den Zuhörern gut an, die Churchills Worte immer wieder mit einem „Hear, hear“ und einem „Cheers“ begleiteten.

Der Herrensitz Claverton Manor, so wie wir ihn heute stehen sehen, wurde 1820 erbaut und am 1. Juli 1961 als das American Museum in Britain für die Öffentlichkeit freigegeben. Es ist das einzige Museum außerhalb der Vereinigten Staaten, das Exponate aus der amerikanischen Kulturgeschichte, von den frühen Siedlern bis ins 20. Jahrhundert, ausstellt.

Die beiden Gründer des Museums waren der US-Amerikaner Dallas Pratt und der Engländer John Judkyn, die hier ganz in der Nähe von Bath im Claverton Manor jede Menge Americana zusammentrugen. In den Period Rooms kann man sich zum Beispiel anhand der ausgestellten Möbel darüber informieren wie amerikanische Familien in den jeweiligen Jahrhunderten gelebt haben. In anderen Räumen werden Kunstgegenstände wie Bilder und Skulpturen zur Schau gestellt.

Eine eigene Abteilung zeigt Quilts, also Zierdecken, die die Quäker und die Amischen herstellten. Dallas Pratt vermachte 1988 seine Sammlung von 200 historischen Landkarten dem Museum, eine der umfangreichsten und wertvollsten Sammlungen dieser Art in Europa.

Zusätzlich zu den Standard-Ausstellungen finden regelmäßig Sonder-Ausstellungen statt wie z.B. „Spirit Hawk Eye: A Celebration of American Native Culture“ und „Gangsters & Gunslingers“.

Das American Museum in Britain ist in der Regel von März bis Oktober und in der Vorweihnachtszeit von Dienstag bis Sonntag geöffnet und kostet £10 Eintritt. Man erreicht das Museum über die Straßen The Avenue bzw. Claverton Hill, östlich der Universität von Bath.

Hier ist ein Film über das Museum.

Plakette am Claverton Manor, das an Churchills Jungfernrede erinnert.   © Copyright Anthony O'Neil and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Plakette am Claverton Manor, die an Churchills Jungfernrede erinnert.
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Published in: on 16. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Concrete Cows in Milton Keynes (Buckinghamshire)

Die Originale im Shopping Centre.   © Copyright Cameraman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Originale im Shopping Centre.
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Wie das mit Kunstwerken oft so ist, fanden auch die Concrete Cows der in Kanada geborenen Künstlerin Liz Leigh sowohl Zustimmung als auch Ablehnung. Sie schuf die kleine Tierherde, die aus drei Kühen und drei Kälbern besteht, Ende der 1970er Jahre in einem Studio bei Milton Keynes in Buckinghamshire, und man findet sie heute neben der Schnellstraße A422, dem Monks Way, auf einer Weide im Bancroft Park, wo sie friedlich vor sich hin grasen.

Um genau zu sein, das sind nicht die Originale, die stehen nämlich im Central Milton Keynes Shopping Centre, sondern Repliken, die man hier aufgestellt hat. Warum? Die armen Tiere sind im Laufe ihres Lebens schon übel misshandelt, gestohlen und entführt worden. Das kleinste Kalb, Millie Moo, wurde schon bald nach seiner Geburt mitten in der Nacht gestohlen und musste ersetzt werden. Jahre später wurde es entführt und eine Lösegeldforderung gestellt; irgendwann tauchte Millie dann wieder auf. Dann wurden die Tiere von irgendwelchen Spaßvögeln neu angemalt, mal in Pink, mal als Zebra, mal zu Halloween als Gerippe (wie dieser Film zeigt). Ja, die kleine Herde hatte es nicht leicht.

Die Skulpturen sind aber schon lange in Milton Keynes verankert, was sich darin zeigt, dass die Fan-Tribüne des örtlichen Fußballvereins, des Milton Keynes Dons Football Clubs, The Cowshed, der Kuhstall, genannt wird und dass die Maskottchen des Clubs zwei Kühe namens Donny und Mooie sind.

Dann gibt es in der Stadt noch eine Brauerei, The Concrete Cow Brewery, und einen Verlag namens Concrete Cow Press.

Zwei der Kühe haben sogar schon einmal eine Reise nach Italien unternommen. Gut verpackt schickte sie man zur Biennale nach Venedig, wo sie stolz ihr Heimatland vertraten. Im Gegensatz zu den in freier Natur lebenden bzw. aufgestellten Kuh-Repliken haben es die Originale in dem Einkaufszentrum besser, denn hier fallen sie nicht so leicht Vandalen zum Opfer.

Man kann die Concrete Cows sehen, wenn man die A5 am Abbey Hill Roundabout verlässt und auf den Monks Way in Richtung Bedford und M1 abbiegt, gleich hinter der ersten Brücke stehen sie auf der linken Seite.

In diesem Film kann man sich die Tiere noch einmal in Ruhe ansehen.

Die in freier Wildbahn lebenden Repliken-   © Copyright Cameraman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die in freier Wildbahn im Bancroft Park lebenden Repliken.
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Published in: on 15. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Tube Challenge

Chesham Tube Station; hier starteten Clive Burgess und Ronan McDonald bei ihrem Weltrekord am 19. Februar 2015.   © Copyright Peter and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Chesham Tube Station; hier starteten Clive Burgess und Ronan McDonald bei ihrem Weltrekord am 19. Februar 2015.
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Zu den Guinness World Records zählt ein Wettbewerb, bei dem man so schnell wie möglich sämtliche Stationen der Londoner U-Bahn besuchen muss: The Tube Challenge genannt. Ein neuer Rekord wurde in diesem Jahr mit 16 Stunden, 14 Minuten und 10 Sekunden aufgestellt, wodurch die bisher schnellste Zeit um etwa 6 Minuten unterboten wurde. Clive Burgess und Ronan McDonald sind die beiden Rekordinhaber, die in dieser Zeit alle 270 Stationen der U-Bahn aufgesucht haben.
Es ist nicht ganz leicht, die ideale Route auszusuchen; das Wochenende kommt dafür nicht in Frage, weil dann einige Stationen geschlossen sind und auch in der Woche sind nicht alle Bahnhöfe ständig geöffnet. Man muss auch nicht alle Stationen via U-Bahn erreichen, es ist erlaubt, zu Fuß oder per Bus die Distanzen zu überbrücken. Taxen, Autos und Fahrräder sind wiederum tabu.

Die beiden Rekordinhaber starteten ihre Tour weit außerhalb von London in Chesham auf der Metropolitan Line und beendeten ihre über 16 Stunden dauernde Mammutfahrt in Heathrow Terminal 5 auf der Piccadilly Line. Die Vorbereitungszeit für den Rekordversuch dauerte sechs Monate, wobei die Fahrpläne intensiv studiert und Testläufe unternommen wurden. Auch die Logistik der Unternehmung bezüglich Essen, Trinken und Toilettenbesuche muss genauestens im voraus geplant werden.

Erstmalig wurde die Tube Challenge am 13. Juni 1959 vorgenommen; damals lag die Zahl der aufzusuchenden Stationen bei 264.

Es gibt auch noch eine ganze Reihe von sogenannten „Alternative Tube Challenges„, die nicht ganz so anstrengend sind wie die „Grand Tour“, z.B.:

Bei der Royal Challenge müssen alle 18 Bahnhöfe aufgesucht werden, die das Wort „Royal“ im Namen führen bzw. die nach Königen, Königinnen und Prinzen benannt sind (dazu gehören neben der U-Bahn auch die Overground-Stationen und die der Docklands Light Railway. Rekord: 4 Stunden, 49 Minuten, 41 Sekunden.

Wer an der Points of the Compass Challenge teilnehmen möchte, muss zu allen U-Bahnhöfen fahren, in deren Namen die Wörter North, South, West und East erscheinen. Rekord: 6 Stunden, 52 Minuten, 48 Sekunden.

Bei der Alphabet Challenge gilt es, jeweils einen Bahnhof mit jedem Buchstaben des Alphabets aufzusuchen. Es geht also beim Buchstaben „A“ los und endet mit „W“, da es keine Stationen mit den Buchstaben X, Y und Z gibt. Rekord: 4 Stunden, 51 Minuten, 59 Sekunden.

Hier ist ein Film über eine Tube Challenge aus dem Jahr 2011.

Heathrow Terminal 5; Endpunkt des Weltrekordversuchs.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Heathrow Terminal 5; Endpunkt des Weltrekordversuchs.
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Published in: on 14. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Fleetwood in Lancashire – Heimat der Fisherman’s Friends

Das Firmengelände in Fleetwood (Lancashire).   © Copyright Peter Bond and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Firmengelände in Fleetwood (Lancashire).
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Nördlich von Blackpool, an der Mündung des River Wyre, liegt die 26 000 Einwohner zählende Stadt Fleetwood in Lancashire. Nähert man sich Fleetwood von Süden auf der A585 kommt man auf einen großen Kreisverkehr, auf dessen Mitte ein wuchtiges Denkmal steht, das von der Figur des Eros gekrönt wird, eine Replika der Statue auf dem Londoner Piccadilly Circus. Auf einer Inschrift steht dort zu lesen: „Fisherman’s Friend Welcomes You To Fleetwood„. Die Eros-Statue ist ein Geschenk der Familie Lofthouse, Inhaberin der Marke Fisherman’s Friend, an die Stadt Fleetwood, wo ihre Fabrikgebäude stehen, in denen die weltberühmten Halspastillen hergestellt werden. Auch die Bronzeskulptur „Welcome Home“ an der Promenade von Fleetwood, die eine Mutter mit einem Baby auf dem Arm und ein kleines Mädchen zeigt, die alle aufs Meer hinausblicken und wohl den Vater willkommen heißen, wurde von der Firma Lofthouse of Fleetwood gesponsert.

Das Familienunternehmen geht auf das Jahr 1865 zurück, als der Apotheker James Lofthouse auf Wunsch der örtlichen Fischer eine Tinktur zusammenstellte, die ihnen bei ihrer schweren Arbeit auf dem Meer ein wenig half, kräftig durchatmen zu können. Aus der Tinktur, die aus Lakritze, Eukalyptus und Menthol besteht, wurden bald Pastillen, die die Fleetwood-Fischer sehr zu schätzen wussten. Hundert Jahre später ging es mit dem Fischfang bergab und das hätte auch das Ende der Pastillen sein können, wenn nicht Doreen Lofthouse so clever gewesen wäre, ihr Produkt auch anderweitig anzubieten, erst in ganz Lancashire, dann im ganzen Land und schließlich in allen Teilen der Welt. In mehr als 100 Länder werden die Pastillen heute verkauft, wobei Deutschland der größte Abnehmer ist. Fünf Milliarden Pastillen werden Jahr für Jahr in den Fabrikgebäuden in Fleetwood hergestellt. Waren es früher die Fischer, die auf Fisherman’s Friend schworen, sollen es heute u.a. die Opernsänger sein, die auf die Pastillen nicht verzichten möchten.

Dem Familienunternehmen hier oben in Lancashire geht es gut, und das scheint auch für die Arbeiter in der Fabrik zuzutreffen, denn ich las in einem Artikel der Mail Online, dass die Krankheitsquote deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegt und dass einige Arbeiter seit Jahrzehnten nicht einen einzigen Ausfalltag hatten. Liegt das an der Luft in den Fabrikhallen, die mit Menthol und Eukalyptus geschwängert ist?

Bereits dreimal wurde die Firma Lofthouse of Fleetwood Ltd mit dem begehrten Preis Queen’s Award for Enterprise ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung, die ein britisches Unternehmen erhalten kann.

Das 60 000 Quadratmeter umfassende Gelände der Firma liegt an der Maritime Street, im Süden der Stadt, dicht an der A585.

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Der Fisherman's Friend Roundabout.   © Copyright Steve Fareham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Fisherman’s Friend Roundabout.
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Die "Welcome Home"-Statue an der Promenade von Fleetwood.   © Copyright Barbara Carr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die „Welcome Home“-Statue an der Promenade von Fleetwood.
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Published in: on 13. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Lord Leycester Hotel in Warwick (Warwickshire)

Reproduced from the “Our Warwickshire” website ©Benjamin Earl. Creative Commons 2.0

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1926 eröffnete  Arthur Henry Tyack das Lord Leycester Hotel in der Jury Street im Zentrum von Warwick, das seitdem das führende Haus in der Stadt ist. Die Ursprünge des Gebäudes gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück; sein Name lautete einmal Jury Street House, dann Capital Manor House und später wurde daraus der Three Tons Inn. Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte man das Haus in ein Wohnheim für Schülerinnen um, die die Warwick High School besuchten. Im Zweiten Weltkrieg funktionierte man das Hotel in einen amerikanischen Offiziersclub um, nach Kriegsende wurde es wieder als Hotel genutzt.

Von 1998 bis 2003 nahm man eine groß angelegte Renovierung des Hauses vor, das danach über den entsprechend notwendigen Standard in den Zimmern verfügte.
Ich habe in dem 3-Sterne-Hotel einmal eine Nacht verbracht und fühlte mich darin recht wohl. Durch die zentrale Lage erreicht man in wenigen Minuten alle Sehenswürdigkeiten von Warwick: Das Warwick Castle ist z.B. nur etwa 400m entfernt, das beeindruckende Lord Leycester Hospital liegt an der der High Street, der Verlängerung der Jury Street.

Die Doppelzimmer kosten etwa £60.00, was für englische Verhältnisse recht wenig ist.
Das Hauptrestaurant ist die Jesters Brasserie, auch in der Stratford Bar kann man sein Essen zu sich nehmen.
Das Haus verfügt übrigens über einen eigenen Parkplatz für Hotelgäste, zu dem man durch einen Torbogen gelangt.

Fazit: Wer für wenig Geld die Hauptstadt der Grafschaft Warwickshire erkunden möchte und nicht allzu hohe Ansprüche stellt, ist im Lord Leycester Hotel gut aufgehoben.

Lord Leycester Hotel
17-19 Jury Street
Warwick  CV34 4EJ

Published in: on 12. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
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The Ghost Bus Tours in London – Die mobile Geistertour, die Londons dunkle Seiten zeigt

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Der Herbst ist gekommen, die Tage werden kürzer, die Nächte länger, es stürmt und regnet: Ideales Wetter für eine unheimliche Reise auf den Spuren mysteriöser Ereignisse in der britischen Hauptstadt. Während die Teilnehmer traditioneller „Ghost Tours“ zu Fuß durch die Straßen gehen und versuchen, unter ihren Regenschirmen trocken zu bleiben, können die, die eine Ghost Bus Tour gebucht haben, darüber nur lachen. Doch wird dem einen oder der anderen das Lachen vielleicht vergehen, denn in diesem pechschwarz gestrichenen Bus geht es unheimlich zu.

Jeden Abend jeweils um 19.30 Uhr und um 21 Uhr startet die Tour vor dem Grand Hotel in der Northumberland Avenue, ganz in der Nähe vom Trafalgar Square. Rund 75 Minuten lang geht es durch das Londoner Zentrum, wo die Busgäste auf die dunkle Seite der Metropole aufmerksam gemacht werden. Ein unheimlicher Schaffner und andere merkwürdige Mitreisende sorgen auf der Fahrt für die entsprechende Atmosphäre an Bord.

Bei dem Bus handelt es sich um einen umgebauten doppelstöckigen Routemaster, dem letzten aus den Beständen der Necropolis Bus Company, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei Beerdigungen sowohl die Verblichenen als auch deren Angehörige zu den Friedhöfen fuhr. 1967 wurden bei einem Brand im Depot alle Busse bis auf diesen einen zerstört, der 40 Jahre lang vor sich hin gammelte, bis er dann wieder liebevoll restauriert wurde und jetzt als Necrobus erneut durch Londons Straßen fährt.

Die Fahrt ist nicht ganz billig und kostet umgerechnet rund 28 Euro, Kinder unter 16 Jahren zahlen 21 Euro. In York und in Edinburgh werden übrigens auch Ghost Bus Tours angeboten.

Beim Joy of Death Festival des Jahres 2012 in Bournemouth wurde der Necro Bus mit einer Urkunde als „Best Alternative to a Hearse“ ausgezeichnet.

Einen Vorgeschmack auf eine nächtliche Tour mit dem schwarzen Vehikel gibt dieser Film.

Published in: on 11. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Romney Marsh – Einige Anmerkungen

Ein wolkenverhangener Tag in der Romney Marsh.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein wolkenverhangener Tag in der Romney Marsh.
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Kommt man durch den Eurotunnel in Folkestone an, hat man nicht weit zu fahren, um zur Romney Marsh zu gelangen, jener dünn besiedelten Landschaft, die sich Kent und East Sussex teilen und die sich gern „The Fifth Continent“ nennt. Der Kleriker Richard Harris Barham (1788-1845), den man eher unter seinem Pseudonym Thomas Ingoldsby als Schriftsteller kennt, hat diesen Begriff in seinem Buch „The Ingoldsby Legend“ geprägt: „The world according to the best geographers is divided into Europe, Asia, Africa, America, and Romney Marsh„.

Diese Region bietet so einiges und es ist vor allem diese eigenartige Atmosphäre, die die Romney Marsh so interessant macht.
Der 1994 verstorbene Filmregisseur Derek Jarman hatte ganz unten auf der Dungeness Peninsula seinen berühmten Garten. Drei Martello Towers sind hier zu finden, und als eine der Attraktionen gilt die Romney, Hythe and Dymchurch Railway, eine knapp 22 Kilometer lange Schmalspurbahn, die von einer Dampflokomotive angetrieben wird und seit 1927 besteht.

Am äußersten Südende der Dungeness-Halbinsel verschandeln die Gebäude der Dungeness Nuclear Power Station das Landschaftsbild. Die Blöcke A1 und A2 wurden am 31.12. 2006 abgeschaltet und befinden sich im Rückbau, die Blöcke B1 und B2 sollen 2018 ebenfalls abgeschaltet werden, aber es wird noch sehr lange dauern, bis die letzten Reste dieser hässlichen Anlage abgetragen sind.

Interessant sind die „Sound Mirrors“ bei Greatstone-on-Sea (ich berichtete in meinem Blog darüber), die Vorgänger der Radaranlagen, die man sich ansehen kann.
In der Romney Marsh Wartime Collection in Brenzett hat man seit 1972 Ausrüstungsgegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg zusammengetragen, sowie Fundstücke von Flugzeugabstürzen; auch eine jener Dambuster-Bomben, die Barnes Wallis entwickelt hatte (s. dazu meinen Blogeintrag), ist hier ausgestellt.

Am westlichen Rand der Romney Marsh liegt Rye, für meine Begriffe eine der hübschesten Städte ganz Englands. Ich übernachtete mehrere Male im Mermaid Inn, auch einmal in einem Zimmer, das sich Dr. Syn’s Bedroom nannte (hier nachzulesen). Jener Dr. Syn war eine Romanfigur des Schriftstellers Arthur Russell Thorndike (1885-1972), die in einigen seiner Bücher auftrat, erstmals 1915 in „Doctor Syn: A Tale of the Romney Marsh„. Er war einer der vielen Schmuggler, die sich früher in dieser Region aufhielten, denn Frankreich liegt direkt gegenüber und von dort schaffte man illegal Alkohol und Tabakwaren ins Land. Dr. Christopher Syn war der Chef einer Schmugglerbande, der sich „The Scarecrow„, also die Vogelscheuche, nannte und dem es jahrelang immer wieder gelang, die Leute vom Zoll zu überlisten, die seiner Bande ständig auf der Spur waren. Russell Thorndyke schrieb zwanzig Jahre später noch weitere sechs Dr Syn-Romane. 1963 verfilmte Walt Disney den Stoff für eine dreiteilige Fernsehserie, die sich „The Scarecrow of Romney Marsh“ nannte und die auch vor Ort gedreht wurde; hier ist ein Ausschnitt zu sehen.

In Dymchurch gedenkt man alle zwei Jahre der Romanfigur, indem man den „Day of Syn“ zelebriert, im August 2016 findet der nächste statt.

Die 17. Folge der Krimiserie „Inspector Lynley“ wurde in Dungeness gedreht: „Natural Causes“ (dt. „Wer ohne Sünde ist“). Die Episode endet mit dramatischen Szenen auf dem Old Lighthouse.
Die Produzenten des Musikvideos „Freedom“ mit der US-Rapperin Nicki Minaj suchten sich die Küstenlandschaft von Dungeness als Drehort aus; darin sind auch die Sound Mirrors zu sehen.

Die A259 Folkestone-Rye zieht sich quer durch die Romney Marsh; empfehlenswert ist der Coast Drive, der sich von Littlestone bis hinunter nach Dungeness führt.

Derek Jarmans Garten.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Derek Jarmans Garten.
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Romney, Hythe and Dymchurch Railway   © Copyright Kenneth Yarham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Romney, Hythe and Dymchurch Railway.
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Dungeness Power Station.   © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Dr Syn's Guesthouse and Restaurant in Dymchurch.   © Copyright David Anstiss and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dr Syn’s Guesthouse and Restaurant in Dymchurch (Kent).
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Published in: on 10. Oktober 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Die Wymondham Abbey in Norfolk – Die Kirche mit den Doppeltürmen

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Unter den zahllosen Kirchen in der Grafschaft Norfolk fällt die Kirche von St Mary and St Thomas of Canterbury in
Wymondham besonders auf. Der Grund: Die Doppeltürme des auch Wymondham Abbey genannten Gotteshauses. Da gibt es auf der einen Seite einen achteckigen Glockenturm und auf der anderen Seite einen viereckigen. Etwas unüblich; wie konnte es dazu kommen?

Die Kirche diente von Anfang an sowohl den dort ansässigen Benediktinermönchen als auch der Gemeinde von Wymondham als Andachtsstätte. Da war ein Streit schon vorprogrammiert, wer nun worüber zu bestimmen hatte. Die Mönche wollten über die gesamte Kirche das Sagen haben, womit die Gemeinde aber überhaupt nicht einverstanden war.

Da sowohl Mönche als auch die Gemeinde über eigene Glocken verfügten, kam es zu einer Auseinandersetzung, wessen Glocken denn nun aufgehängt werden sollten. Die Mönche bauten für ihre einen eigenen achteckigen Turm, woraufhin die Gemeindemitglieder von Wymondham trotzig am anderen Ende der Kirche ihren Turm errichteten und ihre Glocken darin aufhängten. Dieser viereckige Turm war höher und imposanter als der andere; doch bevor der Gemeindeturm den der Mönche zu sehr in den Schatten stellte, kam man zu einer Übereinkunft und die Gemeinde ließ es bei einer Höhe von ca 45 Metern bewenden. Der Erzbischof von Canterbury kam persönlich nach Wymondham, um den Streit beizulegen und bat die Gemeinde, ihre Glocken nur dann zu läuten, wenn es die Mönche nicht störte. Von da an schien man wieder gut miteinander auszukommen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten an der Kirche vorgenommen, denn der Zustand des Mauerwerks war in besorgniserregendem Zustand. Der achteckige Turm ist heute nur noch eine Ruine. Haben die Mönche damals schlechter gebaut als die Gemeindemitglieder, deren Turm noch in voller Pracht steht?

Zur Orientierung: Wymondham liegt südwestlich von Norwich.

Dieser Film zeigt die Wymondham Abbey von außen und von innen.

 

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Published in: on 9. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Songs about London – The Kinks: Waterloo Sunset

Sonnenuntergang an der Waterloo Bridge.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sonnenuntergang an der Waterloo Bridge.
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Am 5. Mai 1967 wurde einer der schönsten Songs der 60er Jahre veröffentlicht. „Waterloo Sunset“ von den Kinks. „The Greatest Song about London“ wurde das Lied in einer Umfrage einer Londoner Radiostation genannt oder „Anthem of London„, so „Time Out“. Noch einen Schritt weiter ging der Musikjournalist Robert Christgau, der sogar von „the most beautiful song in the English language“ sprach.

Ray Davies von den Kinks schrieb und produzierte „Waterloo Sunset“, das erst als Single und dann auf dem Album „Something Else by The Kinks“ erschien. Ursprünglich sollte der Song „Liverpool Sunset“ heißen und mit dem „dirty old river“ meinte Davies eigentlich den River Mersey und nicht die Themse. Doch da die Beatles mit Titeln wie „Penny Lane“ immer wieder ihre Heimatstadt Liverpool besangen und damit viel Aufmerksamkeit auf die Stadt am Mersey lenkten, meinte der Kinks-Boss, jetzt wäre London auch mal wieder dran und benannte seinen Song um. Da er die Waterloo Bridge mehrmals pro Woche überquerte, bot sie sich als „replacement“ für Liverpool an.

In dem Lied geht es um ein Pärchen, Terry und Julie, das sich regelmäßig Freitagabend am Waterloo-Bahnhof trifft und von dort aus die Waterloo Bridge überquert, von wo aus sie den Sonnenuntergang beobachten.

Ray Davies veröffentlichte 1997 ein Buch mit Kurzgeschichten, das ebenfalls den Titel „Waterloo Sunset“ trug (Penguin Books, ISBN 978-0140253368, leider vergriffen, aber antiquarisch problemlos zu bekommen).

Hier ist das Lied zu hören.

Published in: on 8. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Atherstone Ball Game – Ein „Ballspiel“ der besonders ruppigen Art in Warwickshire

Die Long Street in Atherstone.   © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Long Street in Atherstone.
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An 364 Tagen geht es in der Kleinstadt Atherstone in Warwickshire recht friedlich zu, doch wenn der Fastnachtsdienstag, Shrove Tuesday im Englischen, kommt, dann ist hier die Hölle los. In der Long Street, der Hauptstraße des Ortes, wird der Verkehr umgeleitet, viele Ladenbesitzer verbarrikardieren ihre Geschäfte, denn um 15 Uhr geht es hier außerordentlich ruppig zu: The Atherstone Ball Game ist angesagt, ein traditionelles Spiel, das seit über 800 Jahren ausgetragen wird. Um es genau zu sagen, in diesem Jahr zum 816. Male. Früher spielten Teams aus Warwickshire gegen Teams aus Leicestershire, heute spielt jeder gegen jeden oder es bilden sich Pub-Teams und dergleichen.

Um Punkt 15 Uhr wird ein spezieller schwerer, mit Wasser gefüllter Lederball aus einem Fenster der Barclay’s Bank in der Long Street in die tobende Menge geworfen; im Allgemeinen gewinnt man für diesen „Anstoß“ eine Persönlichkeit aus dem Showbusiness oder dem Sport. Was dann mit dem Ball passiert, ist dem Außenstehenden nicht so ganz ersichtlich, denn es gibt beim Atherstone Ball Game keine Regeln, außer einer: Man sollte möglichst keinen anderen Mitspieler ins Jenseits befördern. Das ist gar nicht so einfach, dies nicht zu tun, wenn man sich den Ablauf des „Spiels “ anguckt. Der Sieger ist der, der den Ball um 17 Uhr, wenn ein Hornbläser das Spiel abpfeift,  im Arm oder wo auch immer hält und der darf ihn dann auch behalten. Wer eines der vier verschiedenfarbigen Bänder, die am Ball befestigt sind, am Ende des Spiels vorzeigen kann, erhält dafür jeweils £10.

Dass es bei einem so wüsten Kampf um einen Ball nicht ohne Blessuren zugeht, liegt auf der Hand. Wenn ich mir die Filme ansehe, die bei Youtube eingestellt sind, muss ich sagen, dass manche Kampfhandlungen schon wie ernsthafte Schlägereien aussehen. Auch der Polizei von Atherstone geht manches zu weit. Beim Betrachten der Bilder, die die in England allgegenwärtigen CCTV-Kameras in diesem Jahr aufgenommen haben, hat die Gewalttätigkeit in der Long Street einen neuen Höhepunkt erreicht, wie dieser Film zeigt. Sicher sind vor Beginn des Spiels etliche Pints durch die Kehlen der Spieler gelaufen und so, richtig vorgeglüht, hat man noch weniger Hemmungen, auf andere Spieler einzuschlagen.

So sah der Ball bei den Atherstone Ball Games im Jahr 2012 aus. Author: Adrian Roebuck. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

So sah der Ball bei den Atherstone Ball Games im Jahr 2012 aus.
Author: Adrian Roebuck.
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Published in: on 7. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Famous Graves – Sylvia Plath in Heptonstall (West Yorkshire)

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Es waren einmal zwei Dichter, die sich ineinander verliebten: Sylvia Plath, eine Amerikanerin aus Massachusetts (1932-1963) und Ted Hughes, ein Yorkshireman, der 1930 in dem kleinen Ort Mytholmroyd (West Yorkshire) geboren wurde. 1956 heirateten sie und hatten zwei Kinder miteinander: Frieda Rebecca und Nicholas Farrar. Ihr gemeinsamer Weg führte sie in die USA, zurück nach London und schließlich nach Devon. Sehr lang und glücklich sollte ihre Ehe nicht sein, denn auf der einen Seite litt Sylvia unter Depressionen, auf der anderen Seite ging Ted fremd und ging ein Verhältnis mit Assia Wevill ein. Am 11. Februar 1963 nahm sich Sylvia Plath in London das Leben, was ihren Ehemann schwer traf; auch Assia Wevill schied 1969 freiwillig aus dem Leben und nahm dabei ihre gemeinsame vierjährige Tochter mit.

1984 wurde Ted Hughes von der Königin zum Poet Laureate ernannt, was er bis zu seinem Tod am 28. Oktober 1998 blieb.

Der Dichter aus Yorkshire sorgte dafür, dass Sylvia Plaths sterbliche Überreste in die Nähe seines Geburtsortes gebracht wurden; er wählte dafür den Kirchhof von St Thomas the Apostle in dem kleinen Dorf Heptonstall in West Yorkshire aus, ein Nachbarort des bekannteren Hebden Bridge. Auf dem Grabstein findet sich die Inschrift „In Memory of Sylvia Plath Hughes 1932-1963“ mit dem Zusatz „Even amidst fierce flames the golden lotus can be planted„.

Sylvia Plath hatte viele Anhängerinnen, die es ihrem Ehemann nicht verzeihen konnten, dass er sie (angeblich) in den Tod getrieben hatte und so machten sich immer wieder einige von ihnen auf den Weg nach Heptonstall, um den Namenszug „Hughes“ vom Grabstein zu entfernen. Auch waren viele Sylvia Plath-Fans nicht damit einverstanden, dass ihre letzte Ruhestätte so nahe am Geburtsort ihres Ehemannes lag. Das kleine unscheinbare Grab auf dem Kirchhof von St Thomas the Apostle, das viele Besucher häufig vernachlässigt vorfanden, ist nach Meinung der Plath-Freunde ihrer Bedeutung nicht angemessen, und so wurde immer wieder der Ruf laut, ein größeres ansprechenderes Memorial zu errichten. Hier ist ein Film über Sylvias Grab.

Ted Hughes wurde übrigens nicht hier oben im Norden Englands bestattet, dort, wo er seine Kindheit verbracht hatte; seine Asche wurde im Dartmoor verstreut und ihm zu Ehren ein Granitgedenkstein in einer entlegenen Region des Dartmoors aufgestellt.

Über die Beziehung Sylvia Plaths zu Ted Hughes entstand 2003 der Film „Sylvia“ mit Gwynneth Paltrow in der Titelrolle und Daniel Craig als Ted Hughes. Hier ist der Trailer.

St Thomas the Apostle in Heptonstall (West Yorkshire).   © Copyright Alexander P Kapp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Thomas the Apostle in Heptonstall (West Yorkshire).
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Das Geburtshaus von Ted Hughes in Mytholmroyd (West Yoerkshire).   © Copyright Phil Champion and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Geburtshaus von Ted Hughes in Mytholmroyd (West Yoerkshire).
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Der Ted Hughes Memorial Stone im Dartmoor.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Ted Hughes Memorial Stone im Dartmoor.
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Bernard Matthews (1930 – 2010) – Der Truthahn-König Englands

Great Witchingham Hall in Norfolk, hier residierte Bernard Matthews jahrzehntelang. Heute ist das Haus immer noch das Hauptquartier der Firma.   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Great Witchingham Hall in Norfolk; hier residierte Bernard Matthews jahrzehntelang. Heute ist das Haus immer noch das Hauptquartier der Firma.
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Es begann alles am 8. Mai 1950, als der 20jährige Versicherungsangestellte Bernard Matthews in Acle (Norfolk) zwanzig Truthahneier und einen gebrauchten Brutapparat kaufte. 12 der kleinen Truthähne schlüpften und Matthews verkaufte sie an einen Farmer. Aus dieser Transaktion sollte einmal die größte Truthahnfirma ganz Großbritannines entstehen. Schon drei Jahre später verkaufte der junge Mann 3000 der wohlschmeckenden Vögel, er gab seinen eigentlichen Beruf auf und widmete sich ganz der Truthahnaufzucht. Jetzt brauchte er mehr Platz und da wurde er auf ein heruntergekommenes Herrenhaus aufmerksam, das zum Verkauf stand: Great Witchingham Hall, 18 Kilometer nordwestlich von Norwich, in dem einmal die High Sheriffs von Norfolk gelebt hatten. Bernard Matthews kaufte das Haus für £3000 und  zog zusammen mit seiner Frau Joyce und Unmengen von Truthähnen ein. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn in allen Schlafzimmern wurden die Tiere untergebracht, während die beiden Hausbesitzer in zwei ungeheizten Räumen wohnten. Das muss ja wirklich urgemütlich gewesen sein. Geschlachtet wurden die Truthähne in der Küche des Country Houses. Noch heute ist Great Witchingham Hall das Hauptquartier der Firma Bernard Matthews Ltd, allerdings haben die Vögel das Haus längst verlassen.

Als auch das schöne Haus für die Aufzucht zu klein geworden war, entschied sich Matthews in die Vollen zu gehen und so kaufte er in großem Stil in Norfolk und Suffolk nicht mehr verwendete Flugplätze aus dem Zweiten Weltkrieg auf und baute darauf Truthahnfarmen. Bereits im Jahr 1964 galt Bernard Matthews weltweit als der Experte in Sachen Truthähnen und traf sogar mit dem damaligen sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow zusammen, um ihm Ratschläge für die Geflügelindustrie seines Landes zu geben.
1965 verkaufte B.M. schon über eine Millionen Vögel und kam ins Guinness Buch der Rekorde als größter Truthahnfarmer Europas. Er ließ es sich nicht nehmen, den jeweiligen Regierungschefs seines Landes zu Weihnachten persönlich einen Festtagsvogel in Downing Street 10 vorbeizubringen.

1980 kam sein erster Werbespot ins Fernsehen, in dem der Slogan „Bootiful“ auftauchte, der zum Markenzeichen des Unternehmens werde sollte. Hier ist der Spot zu sehen.

Das Unternehmen expandierte und hat heute einen Umsatz von rund £340 Millionen mit über 2500 Beschäftigten. Eine Tochtergesellschaft wurde in Oldenburg gegründet.

Leider gibt es auch eine dunkle Seite der Firma, die einige Male in den Schlagzeilen stand, weil die hygienischen Zustände in einigen Ställen sehr schlecht waren und die Truthähne von Arbeitern misshandelt wurden. 2007 wurde die Firma Bernard Matthews Ltd mit der Vogelgrippe konfrontiert, was zu einem dramatischen Absatzverlust führte. Dabei stellte sich heraus, dass einige Produkte gar nicht vom britischen Markt stammten, sondern importiert wurden, was wiederum zu einem Vertrauensverlust führte. Eine Marktuntersuchung kam damals zu dem Ergebnis, dass Bernard Matthews Ltd die britische Firma mit dem schlechtesten Ruf war. Das Management steuerte dagegen, indem es versicherte nur noch zu 100% britische Truthähne zu verwenden und den Spruch von „Simple Norfolk Goodness“ ins Programm aufnahm.

Am 25. November 2010 starb der Firmengründer in Great Witchingham Hall, dort, wo er den größten Teil seines Lebens zugebracht hatte. In diesem Film ist er noch einmal zu sehen.

Eine "Truthahnfabrik" auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force Halesworth (Suffolk).   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine „Truthahnfabrik“ auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force  Halesworth (Suffolk).
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Published in: on 5. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubnamen – Heart(s) of Oak

Heats of Oak in Drybrook (Gloucestershire).   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hearts of Oak in Drybrook (Gloucestershire).
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Sehr viele Pubs in England mit dem Namen „Heart of Oak„, bzw. in der Pluralform, gibt es nicht, aber immerhin doch einige. Was bedeutet der Begriff?

Da gibt es zuerst eine biologische Bedeutung: Das Herz der Eiche ist das Innere des Baumstammes, das sich durch besondere Härte auszeichnet und früher gern beim Bau von Schiffen verwendet wurde. An die 2000 Eichen benötigte man damals im 18. Jahrhundert, um ein Kriegsschiff anzufertigen.

Mit „Heart of Oak“ bezeichnete man auch gern einen besonders tapferen und mutigen Menschen.

Und schließlich ist „Heart of Oak“ der Name des offiziellen Marsches der englischen königlichen Marine, komponiert von William Boyce; der Text stammt von dem berühmten Theaterschauspieler David Garrick. Beide Männer lebten im 18. Jahrhundert. Der martialische Refrain lautet:
Heart of Oak are our ships,
Jolly Tars are our men,
We always are ready: Steady, boys, Steady!
We’ll fight and we’ll conquer again and again.

Hier ist der Marsch zu hören.

So stehen die Schilder der Pubs mit dem Namen „Heart of Oak“ also häufig in enger Beziehung zu historischen Segel- oder Kriegsschiffen.
Ein besonders schönes Exemplar ziert das Schild des zu den Admiral Taverns gehörendem „Hearts of Oak„-Pub in Drybrook in Gloucestershire: Ein unter vollen Segeln dahingleitendes Schiff, auf dem Weg zu einem Kriegseinsatz? Drybrook ist ein hübsches Dorf im Forest of Dean, nahe der Grenze zu Wales.

Ähnlich beeindruckend ist das Pubschild des „Hearts of Oak„-Pubs in Lowestoft in Suffolk. Dieses über die Toppen geflaggte Schiff sieht aus, als ob es gerade von einem siegreichen Kampfeinsatz in den Heimathafen zurückkehrt. Das Gasthaus steht in der Raglan Street des Küstenortes.

Das „Heart of Oak“  in der Newtown Road in Hereford (Herefordshire) hat mit aufgetakelten Segelschiffen nichts am Hute; dessen Pubschild zeigt nur eine allein stehende, einsame Eiche.

Das gleiche gilt für die ehemalige Kutschenstation „The Heart of Oak“ in Pinhoe bei Exeter in Devon. Das Pubschild zeigt einen stilisierten Baum, der wohl eine Eiche darstellen soll.

Hearts of Oak in Lowestoft (Suffolk).   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Heart of Oak in Hereford (Herefordshire).   © Copyright Trevor Littlewood and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Heart of Oak in Pinhoe.   © Copyright Anthony Vosper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Heart of Oak in Pinhoe (Devon).
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Published in: on 4. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Layer Marney Tower (Essex) – Eines der schönsten Tudorgebäude Englands

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In meinem früheren Blogeintrag „I love…Tudor chimneys“ zeigte ich u.a. auch ein Foto von den wunderschönen Tudor-Ziegelsteinschornsteinen des Layer Marney Towers in Essex. Mich beeindrucken diese Schornsteine immer wieder und hier auf dem Layer Marney Tower, südwestlich von Colchester, kann man einige besonders gelungene Prachtexemplare bewundern. Das aus der Tudorzeit stammende Torhaus gilt mit 24 Metern als das höchste im ganzen Land und ist wirklich sehr imposant.  Konzipiert wurde die Anlage um 1515 von Henry Marney, dem ersten Baron Marney, der 1485 in der Schlacht von Bosworth und 1487 in der Schlacht von Stoke kämpfte.

Fast hätte am 22. April 1884 das Totenglöckchen für das große Torhaus geläutet, als das Erdbeben von Colchester  schwere Schäden in der Region anrichtete und auch Layer Marney Tower betroffen war. Glücklicherweise waren die Geschwister Alfred und Kezia Peache, die von ihrem Vater viel Geld geerbt hatten, bereit, die Kosten für die Restaurierungsarbeiten zu übernehmen und damit eines der schönsten Gebäude in England zu erhalten.

1959 wurde Layer Marney Tower nach mehreren Besitzerwechseln von Gerald and Susan Charrington übernommen, die zwei Jahre zuvor in Layer Marney geheiratet hatten. Die neuen Besitzer erwiesen sich als Segen für das Haus, denn auch sie steckten viel Geld hinein und öffneten es erstmalig für die Öffentlichkeit, die vorher noch nie Zutritt bekommen hatte.

Heute kann man in dem historischen Gebäude heiraten, Konferenzen durchführen oder es für Veranstaltungen jeder Art buchen. Auch Besuche für Einzelpersonen sind an bestimmten Tagen möglich.

Ach…fast hätte ich es vergessen: Layer Marney Tower hat einen Ruf als Geisterhaus („one of the most haunted buildings in England“). Henry Marney, der das Haus konzipierte, aber die Fertigstellung nie erlebte, soll hier umgehen, sowie eine Frau in einem viktorianischen Kostüm. In der Scheune will man geisterhafte Arbeiter gesehen haben und es gibt Berichte über Poltergeistaktivitäten und merkwürdige Geräusche. Natürlich war das Team von „Most Haunted“ auch schon in Layer Marney Tower; hier ist die entsprechende Sendung zu sehen.

Einige Filme wurden hier auf dem Gelände gedreht wie u.a. „Preaching to the Perverted“ (dt. „The Fetish Club“) im Jahr 1997 und „The Canterbury Tales“ (dt. „Pasolinis tolldreiste Geschichten“) im Jahr 1972.

Hier ist ein Rundgang durch Layer Marney Tower zu sehen.

Das impposante Torhaus.   © Copyright Derek Voller and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das imposante Torhaus.
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Das Treppenhaus.   © Copyright Derek Voller and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Treppenhaus.
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Im Inneren von Layer Marney Tower.   © Copyright Derek Voller and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Inneren von Layer Marney Tower.
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Published in: on 3. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Sam Larner – The Singing Fisherman aus Winterton-on-Sea von der Küste Norfolks

Winterton-on-Sea (Norfolk).   © Copyright Andy Jamieson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Winterton-on-Sea (Norfolk).
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Vor einiger Zeit schrieb ich in meinem Blog über Alan Smethurst, den Singing Postman aus Norfolk, der mit einer seiner Platten sogar den Beatles in den Hitparaden Englands Konkurrenz machte. Dieses Phänomen gelang Sam Larner, ebenfalls aus Norfolk, zwar nicht, aber wer kann schon von sich behaupten, im Alter von 78 Jahren ins Musikbusiness eingestiegen zu sein?

Sam Larner wurde 1878 in Winterton-on-Sea an der Ostküste Norfolks geboren, einem Ort, dessen Männer zum größten Teil ihren Lebensunterhalt als Fischer verdienten. Viele andere Möglichkeiten gab es damals in dieser Region nicht. „For me and my brothers that was either sea oder gaol“, sagte Sam Larner später einmal. Im Alter von vierzehn Jahren fuhr Sam erstmals zur See und dem Beruf des Fischers sollte er mehrere Jahrzehnte lang nachgehen. Winterton-on-Sea war sein ganzes langes Leben lang sein Heimathafen.

Was machen Fischer, wenn sie von anstrengenden Tagen auf dem Meer nach Hause zurückkehren? Na klar, sie gehen in den Pub. Das waren zu Sams Zeiten The Three Mariners und The Fishermans Return in Winterton-on-Sea. Das erstgenannte Gasthaus gibt es schon lange nicht mehr, wogegen das zweite noch existiert. Ich weiß nicht, welche Biersorten damals angeboten wurden, heute kann man im Fishermans Return u.a. Adnams Regatta und Woodforde’s Wherry zu sich nehmen.
Je mehr Bier die heimgekehrten Fischer tranken, umso sangesfreudiger wurden sie auch, und da tat sich Sam Larner besonders hervor. Gern schmetterte er Lieder wie „Cruising Round Yarmouth„, „The Ghost Ship“ und „The Dogger Bank„, in denen es um das raue Leben auf hoher See ging.

1956 machte ein Produzent von BBC Birmingham, Philip Donnellan, eine Tour durch England, um Tonbandaufzeichnungen mit Arbeitern in unterschiedlichen Berufen aufzunehmen, und da traf er zufällig in Winterton-on-Sea auf Sam Larner. Als er von seinen Sangeskünsten erfuhr, nahm er im Jahr darauf 25 seiner Lieder auf und ließ ihn in zwei seiner Radioshows auftreten. Als der Folksänger und Plattenproduzent Ewan McColl von Sam hörte, machte er sich gemeinsam mit der Liedermacherin Peggy Seeger auf den Weg nach Winterton-on-Sea, wo er sich viele Stunden lang mit dem fast achtzigjährigen Fischer unterhielt, Interviews mitschnitt und natürlich jede Menge Lieder aufnahm. Aus diesem Material entstand schließlich die erste LP des Singing Fisherman, die den Titel „Now is the Time for Fishing“ trug; darauf waren 19 Songs zu hören, plus Geschichten, erzählt von Sam Larner. Noch heute ist eine CD mit diesen Aufnahmen im Handel erhältlich. Sam hatte noch mehrere Auftritte im Radio, bei denen er seine Fähigkeiten als Sänger unter Beweis stellte.
Am 11. September 1965 starb er in Winterton-on-Sea, dort, wo er sein ganzes Leben zugebracht hatte. An seinem Haus am Bulmer Lane brachte man 2008 eine blaue Plakette an. Kürzlich war sein 50. Todestag, und ich kann mir vorstellen, dass man Sam Larner in Winterton-on-Sea so schnell nicht vergisst.

Hier ist er mit „The Lofty Tall Ship“ und hier mit „Merry Month of May“ zu hören.

Hier, im Fisherman's Return, schmetterte Sam Larner einst seine Lieder.   © Copyright Suse and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 2. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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