Bernard Matthews (1930 – 2010) – Der Truthahn-König Englands

Great Witchingham Hall in Norfolk, hier residierte Bernard Matthews jahrzehntelang. Heute ist das Haus immer noch das Hauptquartier der Firma.   © Copyright Adrian S Pye and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Great Witchingham Hall in Norfolk; hier residierte Bernard Matthews jahrzehntelang. Heute ist das Haus immer noch das Hauptquartier der Firma.
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Es begann alles am 8. Mai 1950, als der 20jährige Versicherungsangestellte Bernard Matthews in Acle (Norfolk) zwanzig Truthahneier und einen gebrauchten Brutapparat kaufte. 12 der kleinen Truthähne schlüpften und Matthews verkaufte sie an einen Farmer. Aus dieser Transaktion sollte einmal die größte Truthahnfirma ganz Großbritannines entstehen. Schon drei Jahre später verkaufte der junge Mann 3000 der wohlschmeckenden Vögel, er gab seinen eigentlichen Beruf auf und widmete sich ganz der Truthahnaufzucht. Jetzt brauchte er mehr Platz und da wurde er auf ein heruntergekommenes Herrenhaus aufmerksam, das zum Verkauf stand: Great Witchingham Hall, 18 Kilometer nordwestlich von Norwich, in dem einmal die High Sheriffs von Norfolk gelebt hatten. Bernard Matthews kaufte das Haus für £3000 und  zog zusammen mit seiner Frau Joyce und Unmengen von Truthähnen ein. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn in allen Schlafzimmern wurden die Tiere untergebracht, während die beiden Hausbesitzer in zwei ungeheizten Räumen wohnten. Das muss ja wirklich urgemütlich gewesen sein. Geschlachtet wurden die Truthähne in der Küche des Country Houses. Noch heute ist Great Witchingham Hall das Hauptquartier der Firma Bernard Matthews Ltd, allerdings haben die Vögel das Haus längst verlassen.

Als auch das schöne Haus für die Aufzucht zu klein geworden war, entschied sich Matthews in die Vollen zu gehen und so kaufte er in großem Stil in Norfolk und Suffolk nicht mehr verwendete Flugplätze aus dem Zweiten Weltkrieg auf und baute darauf Truthahnfarmen. Bereits im Jahr 1964 galt Bernard Matthews weltweit als der Experte in Sachen Truthähnen und traf sogar mit dem damaligen sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow zusammen, um ihm Ratschläge für die Geflügelindustrie seines Landes zu geben.
1965 verkaufte B.M. schon über eine Millionen Vögel und kam ins Guinness Buch der Rekorde als größter Truthahnfarmer Europas. Er ließ es sich nicht nehmen, den jeweiligen Regierungschefs seines Landes zu Weihnachten persönlich einen Festtagsvogel in Downing Street 10 vorbeizubringen.

1980 kam sein erster Werbespot ins Fernsehen, in dem der Slogan „Bootiful“ auftauchte, der zum Markenzeichen des Unternehmens werde sollte. Hier ist der Spot zu sehen.

Das Unternehmen expandierte und hat heute einen Umsatz von rund £340 Millionen mit über 2500 Beschäftigten. Eine Tochtergesellschaft wurde in Oldenburg gegründet.

Leider gibt es auch eine dunkle Seite der Firma, die einige Male in den Schlagzeilen stand, weil die hygienischen Zustände in einigen Ställen sehr schlecht waren und die Truthähne von Arbeitern misshandelt wurden. 2007 wurde die Firma Bernard Matthews Ltd mit der Vogelgrippe konfrontiert, was zu einem dramatischen Absatzverlust führte. Dabei stellte sich heraus, dass einige Produkte gar nicht vom britischen Markt stammten, sondern importiert wurden, was wiederum zu einem Vertrauensverlust führte. Eine Marktuntersuchung kam damals zu dem Ergebnis, dass Bernard Matthews Ltd die britische Firma mit dem schlechtesten Ruf war. Das Management steuerte dagegen, indem es versicherte nur noch zu 100% britische Truthähne zu verwenden und den Spruch von „Simple Norfolk Goodness“ ins Programm aufnahm.

Am 25. November 2010 starb der Firmengründer in Great Witchingham Hall, dort, wo er den größten Teil seines Lebens zugebracht hatte. In diesem Film ist er noch einmal zu sehen.

Eine "Truthahnfabrik" auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force Halesworth (Suffolk).   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine „Truthahnfabrik“ auf dem ehemaligen Gelände der Royal Air Force  Halesworth (Suffolk).
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Published in: on 5. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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