Atherstone in Warwickshire und seine vergangene Hutindustrie

Was von der einst florierenden Hutindustrie in Atherstone übrigblieb: Die Britannia Works.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was von der einst florierenden Hutindustrie in Atherstone übrigblieb: Die Britannia Works der Firma Wilson & Stafford.
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Am 7. Oktober schrieb ich in meinem Blog über den Ort Atherstone und sein verrücktes Ball Game. Doch über die Kleinstadt in Warwickshire gibt es noch einiges mehr zu berichten. Abgesehen davon, dass der Discounter Aldi hier am Old Holly Lane seine UK-Zentrale hat, war die Stadt lange Zeit für ihre Hutfabrikation über die Grenzen des Königreichs bekannt.
Ursprünglich wurden hier in der Long Street schon seit dem 17. Jahrhundert Hüte in Heimarbeit hergestellt, so richtig in Schwung kam die Hutproduktion aber erst durch Charles Vero und James Everitt, die sich darauf spezialisierten, ihre Filzhüte in die Vereinigten Staaten und in die Karibik zu verkaufen, dort, wo man damals Sklaven hielt. Diese Männer trugen nämlich mit Vorliebe Filzhüte, die man seinerzeit „billycock“ nannte, eine Art Melone. Der Name des Hutes stammt von den Coke-Brüdern William und Edward von Holkham Hall in Norfolk, die diese Art Hüte für ihre Wildhüter entwickelten, damit diese bei Ausritten gegen tiefhängende Äste geschützt waren.

In Atherton wurden diese strapazierfähigen Filzhüte also in großen Stückzahlen angefertigt, wobei die Firmen Denham & Hargrave, Vero & Everitt und Wilson & Stafford tonangebend waren. Etwa 3000 Männer und Frauen waren in Spitzenzeiten in der Hutindustrie des Ortes beschäftigt. Doch dann kam der Einbruch, als die Sklaverei abgeschafft wurde. Einer der wichtigsten Absatzmärkte brach weg, was die Firmen in Atherstone zu spüren bekamen. Doch da in den vielen Kriegen des 19. Jahrhunderts ein ständiger Bedarf an Kopfbedeckungen für Soldaten herrschte, blieben die Firmen weiterhin im Geschäft.
Richtig bergab ging es dann nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Nachfrage nach Filzhüten stark zurückging und importierte Hüte billiger waren als die aus der heimischen Produktion. In den 1980er Jahren übernahm Wilson & Stafford die beiden oben genannten Konkurrenten. Doch auch sie mussten schließlich 1999 die Segel streichen und ihre Britannia Works an der Coleshill Road ein für alle Mal schließen.
Das große verfallene Fabrikgebäude soll jetzt teils abgerissen, teils umgebaut werden und daraus eine Apartmentanlage entstehen.

Übrigens stammt der Ausdruck „Mad as a hatter“ (soviel wie „total verrückt“) aus der Zeit der Hutmacherei im 18. und 19. Jahrhundert, als bei der Produktion von Filzhüten Quecksilber verwendet wurde. Arbeiter („hatter“), die täglich mit diesem giftigen Stoff in Berührung kamen, entwickelten häufig das Hutmachersyndrom, eine Krankheit, die das Nervensystem schädigt.

Das Buch zum Artikel:
Judy Vero: A Concern in Trade – Hatting and the Bracebridges of Atherstone 1612 – 1872. Warwickshire Books 1995. 112 Seiten. ISBN 978-1871942156.

Published in: on 20. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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