Whistlejacket – Ein Pferd und sein Porträt

This work is in the public Domain.

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In der National Gallery am Londoner Trafalgar Square hängt das Bild eines Pferdes, das zu den schönsten zählt, die jemals gemalt worden sind. 292 cm × 246.4 cm sind die Dimensionen dieses Gemäldes, für das George Stubbs (1724-1806) verantwortlich zeichnet, der vielleicht beste Pferdemaler aller Zeiten. 1997 erwarb die National Gallery das Bild für £11 Millionen.

Whistlejacket“ hieß der Hengst, der sich Mitte des 18. Jahrhunderts einen Namen als Rennpferd machte. Nur viermal wurde er in seiner Karriere geschlagen, die er im Alter von zehn Jahren beendete und anschließend als Zuchthengst weiter „arbeitete“. Whistlejacket war viele Jahre lang im Besitz von Charles Watson-Wentworth, dem 2. Marquis of Rockingham, und dieser gab auch George Stubbs den Auftrag, sein Pferd zu malen. Stubbs war nicht nur ein exzellenter Maler, sondern er verstand auch sehr viel vom Körperbau der Pferde. In York hatte er Anatomie studiert und in Lincolnshire zahlreiche Pferde seziert, so dass er auf Grund seines Erfahrungsschatzes 1766 ein Buch mit dem Titel „The Anatomy of the Horse“ veröffentlichen konnte.

George Stubbs begab sich im Jahr 1762 also nach Wentworth Woodhouse, dem riesigen Anwesen, auf dem der superreiche, zweimalige Premierminister Marquis of Rockingham wohnte (in der Nähe von Rotherham in South Yorkshire) und begann das Porträt des Hengstes zu malen. Whistlejacket stand im Ruf, sehr temperamentvoll und häufig sehr übellaunig gewesen zu sein. Als er wieder einmal Modell gestanden hatte und sein Bild sah, soll er so wütend geworden sein, dass er versuchte, das Gemälde zu attackieren. Nur mit großer Mühe konnte man den Hengst daran hindern, es gleich wieder zu zerstören. Der Marquis of Rockingham war mit dem Porträt so zufrieden (und mit der Reaktion seines Pferdes), dass er es, so wie es war, ohne weitere Hintergrundmalerei, in einem der Räume von Wentworth Woodhouse aufhängte.

Noch drei Anmerkungen:

  • Der Name des Pferdes, Whistlejacket, leitet sich von einem in Yorkshire heimischen Gebräu ab, das sich aus Gin und Zuckerrübensirup zusammensetzt.
  • Das Anwesen Wentworth Woodhouse, das größer als der Buckingham Palast ist, wurde gerade in diesem Monat an die in Hongkong ansässige Investment Firma Lake House Group verkauft. Der Verkaufspreis soll um die  £8 Millionen Pfund betragen haben; sehr wenig für ein Haus dieser Größe, aber um es wieder komplett zu restaurieren, rechnet man mit rund £40 Millionen Zusatzkosten.
  • Das Buch „The Anatomy of the Horse“ von George Stubbs ist noch heute im Buchhandel lieferbar (Dover Publications. 121 Seiten. ISBN 978-0486234021).

Wer sich Whistlejacket in der National Gallery ansehen möchte, der sollte den Raum 34 aufsuchen. Dort hängt George Stubbs‘ Pferdeporträt zwischen zwei Bildern von Thomas Gainsborough, „The Market Cart“ und „The Watering Place“.
Hier ist ein kleiner Film über das Gemälde.

Wentworth Woodhouse in South Yorkshire, das frühere "Zuhause" von Whistlejacket.   © Copyright Paul Buckingham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wentworth Woodhouse in South Yorkshire, das frühere „Zuhause“ von Whistlejacket.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Paul Buckingham and
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Published in: on 28. November 2015 at 02:00  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich habe heute den Film „Darkest Hour“ gesehen, in dem Gary Oldman Winston Churchill spielt und zurecht dafür ausgezeichnet wurde. Leider erlaubt sich der Film (nicht nur) eine Inkorrektheit: Kurz bevor George VI. Churchill im Buckingham Palace empfängt und zum PM ernennt, sieht man ihm im Gespräch mit Neville Chamberlain. Im Hintergrund überdeutlich zu sehen: „Whistlejacket“. Auch bei Churchills Abgang mit seinem König später auf der linken Seite über dem Kamin (https://www.youtube.com/watch?v=1q7U9C8Hq1g – ab 0:38 Min.).

    Allein: Das Gemälde verließ sicher nie Wentworth Woodhouse. Die Lösung jedoch ist einfach: In dem Film hielt der Landsitz als Double für den Monarchenpalast her – und den Filmemachern ist ihr Produktionsdesign-Fauxpas nicht aufgefallen oder sie haben ihn großzügig übersehen.

    • Hallo Frank,
      vielen Dank für diese interessante Ergänzung!
      Viele Grüße
      Ingo

  2. Ein super Beitrag mein lieber Ingo!


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