Das Erdbeben von Colchester (Essex) im Jahr 1884 und seine verheerenden Folgen

In der Region von Abberton und Langenhoe lag das Epizentrum des schweren Erdbebens.   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Region von Abberton und Langenhoe lag das Epizentrum des schweren Erdbebens.
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Erdbeben bringt man eigentlich nicht unbedingt mit England, sondern eher mit dem pazifischen und asiatischen Raum in Verbindung. Doch sollen hier jährlich an die 300 Beben stattfinden, die allerdings so schwach sind, dass man sie kaum spürt. Ganz anders war es aber am 22. April 1884, einem Dienstag, als sich in der Region südlich von Colchester in Essex um 9.20 Uhr morgens das schwerste Erdbeben der letzten Jahrhunderte auf der britischen Insel ereignete. Auf der Richter-Skala soll das Beben eine Stärke von 4,6 bis 5,1 erreicht haben.

Das Epizentrum lag etwa bei den beiden Dörfern Abberton und Langenhoe, dort, wo heute das Abberton Reservoir zu finden ist. 20 Sekunden nur bebte die Erde, was aber ausreichte, dass in einem Radius von circa 200 Kilometern mehr als 1200 Gebäude beschädigt wurden. In dem kleinen Dorf Peldon in Essex blieb kein Haus verschont, die Kirche erlitt schwere Schäden, ebenso der Dorfpub The Rose and Crown. In Wivenhoe wurde ebenfalls die Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen. Noch schlimmer erwischte es die Kirche St Mary the Virgin in Langenhoe, die man zwei Jahre später wieder aufbaute und dabei das alte Baumaterial verwendete. 1962 riss man die Kirche aber komplett ab, denn es hatten sich statische Probleme ergeben, die möglicherweise noch auf das Erdbeben zurückzuführen waren. In Abberton erlitten die Schule und das Pfarrhaus schwere Schäden. Die schon vor dem Beben als unsicher eingestufte Kirche St Mary’s in Salcott-cum-Virley überlebte die Erschütterungen nicht und stürzte ein. Ihre Ruinen sind noch heute am Mill Lane zu sehen.

Hunderte von Menschen wurden durch das Beben obdachlos, Opfer soll es aber nach den zeitgenössischen Quellen keine gegeben haben, was schon an ein Wunder grenzt. Hätte sich das Beben abends oder nachts ereignet, also zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen in ihren Häusern gewesen wären, hätte es sicher ganz anders ausgesehen. Die arme Bevölkerung war besonders betroffen, denn deren oft dünnwandige Häuser konnten dem Erdbeben keinen Widerstand bieten.

Aus einem Hilfsfond, der im August 1884 etwa eine halbe Million Pfund beinhaltete (nach heutiger Kaufkraft), wurde der Wiederaufbau der Häuser, Schulen und Kirchen unterstützt.
Hier ist ein Interview mit einer Augenzeugin, die das Beben als junges Mädchen erlebte.

Die Ruinen der Kirche St Mary's in Salcott-cum-Virley (Essex).   © Copyright Glyn Baker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ruinen der Kirche St Mary’s in Salcott-cum-Virley (Essex).
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Published in: on 19. Januar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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  1. […] Erdbeben von Colchester, über das ich kürzlich in meinem Blog schrieb, richtete auch in der Kirche All Saints’ Schäden an, denn eine der vier Fialen auf […]


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