John Wheeley Lea, William Henry Perrins und die Worcestershire Sauce

 

Eigenes Foto.

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Wenn das Essen einmal wieder fade schmeckt, greift man in England gern zur Flasche mit der Worcestershire Sauce, um es für den Gaumen interessanter zu machen. „Brings Food alive!“ steht es denn auch auf dem Flaschenetikett. Für deutsche Zungen ist das Wort „Worcestershire Sauce“ nicht ganz leicht auszusprechen und auch meine Frage im Supermarkt, in welchem Regal denn diese Würzsauce zu finden sei, musste ich mehrmals wiederholen, bis jemand verstand, was ich kaufen wollte.

Das Etikett der Flasche verrät eine ganze Menge Informationen über die Worcestershire Sauce, z.B. dass sie 18 Monate gereift ist, dass es sie schon seit 1837 gibt und dass sie in Worcester hergestellt wird. Selbst die Ingredienzien werden genannt: Malzessig, Branntweinessig, Melasse, Zucker, Salz, Sardellen, Tamarindenextrakt, Zwiebeln, Knoblauch, Gewürze, Aromen. Also so richtig appetitanregend klingt das eigentlich nicht.

Der Name LEA & PERRINS prangt in Großbuchstaben auf dem Etikett, und das sind die beiden Herren, die für die Sauce verantwortlich waren. John Wheeley Lea und William Henry Perrins besaßen in den 1830er Jahren eine Drogerie in der Broad Street Nummer 68 in Worcester (da, wo heute die Patisserie Valerie untergebracht ist). Dort soll sie einmal ein reicher Mann aufgesucht haben, der viele Jahre in Indien gelebt und von dort ein Rezept für eine Sauce mitgebracht hatte. Der Herr bat die beiden Drogisten, diese Sauce für ihn herzustellen, worauf sich Mr. Lea und Mr. Perrins auch einließen. Doch als sie das Resultat ihrer Mixtur kosteten, schmeckte es so übel, dass sie die Sauce am liebsten gleich weggeschüttet hätten, aber sie lagerten das Gebräu stattdessen im Keller ihres Hauses und vergaßen es…bis sie nach einiger Zeit den Keller aufräumten, die Tinktur noch einmal probierten und erstaunlicherweise als wohlschmeckend empfanden. Die Geburtsstunde der Worcestershire Sauce hatte geschlagen, und die beiden Drogisten beschlossen, die Sauce kommerziell herzustellen. 1842 verkauften sie 636 Flaschen, 1855 waren es schon 30 000 Flaschen; der Siegeszug der Würzsauce hatte begonnen. Die Produktionsstätte in der Bank Street wurde nach einigen Jahrzehnten zu klein, und so baute man eine neue Fabrik an der Midland Road, in der noch heute produziert wird.

Die Firma Lea & Perrins wurde 1935 von HP Foods übernommen, die eine ähnliche Sauce namens HP Sauce im Programm hatten. Seit 2005 gehört Lea & Perrins dem US-amerikanischen Konzern Heinz, der sich im vorigen Jahr mit dem Konzern Kraft unter dem Namen Kraft Heinz zusammengeschlossen hat.

Das Buch zum Artikel:
Paul Hartley: The Lea & Perrins Worcestershire Sauce Cookbook. Absolute Press 2005. 80 Seiten. ISBN  978-1904573296.

Das Lea & Perrins Building in der Midland Road in Worcester.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Lea & Perrins Building in der Midland Road in Worcester.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Philip Halling and
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Published in: on 12. Februar 2016 at 02:00  Comments (4)  
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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Ingo,
    ja, wenn man die Sauce in Deutschland, und ebenso hier in den USA, kaufen will, muss man eben nach „Worrtschester“ [um die Aussprache einmal so zu umschreiben] Sauce fragen. Habe ich auch hierzulande schon oft festgestellt. Aber englische Städtenamen und ihre Aussprache sind nun einmal wirklich etwas ganz Besonderes. Neulich ist mir dazu ein passendes YouTube Video [https://www.youtube.com/watch?v=C9vQm9J2ofI] untergekommen.
    Hab‘ ein feines Wochenende,
    Pit

    • Hallo Pit,
      danke für einen netten Kommentar!! Das Video ist wirklich sehr schön!
      Viele Grüße.
      Ingo

      • 🙂

  2. […] geht im Buch weiter mit William Addis, dem Erfinder der Zahnbürste, John Wheeley Lea und William Henry Perrins, die die Worcestershire Sauce erstmals anrührten, und Ben Bullock, verantwortlich für den […]


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