Spukorte – Das Londoner Theatre Royal Drury Lane und The Man in Grey

Das Theatre Royal Drury Lane in London.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Theatre Royal Drury Lane in London.
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Bei einer Führung, die ich vor einiger Zeit durch das Londoner Theatre Royal Drury Lane mitmachte, wurden die Teilnehmer auch hinter die Kulissen des ältesten Theaters der Stadt geführt und der Zuschauerraum stand ebenfalls auf dem Programm. Neben den interessanten Fakten über die Aufführungen, die hier bereits stattfanden, äußerte sich unser Führer detailliert über die Spukgeschichten, die sich schon seit langer Zeit um das Haus ranken. Im Mittelpunkt dieser Erzählungen steht immer wieder The Man in Grey, eine Gestalt, die sich meist tagsüber zeigt und die schon von sehr vielen Besuchern und am Theater Beschäftigten gesehen worden ist. Diese geisterhafte Gestalt erscheint oft im zweiten Rang, bekleidet ist sie mit einer gepuderten Perücke, einem Dreispitz und einem grauen Reitmantel. The Man in Grey nimmt immer den gleichen Weg, von der einen Seite des zweiten Rangs humpelt er zur anderen Seite und verschwindet dort durch eine Wand.
1939, bei einer Fotosession auf der Bühne, wurde die Gestalt von den meisten der anwesenden Schauspielern gesehen wie sie ihren üblichen Weg auf dem zweiten Rang nahm.
Man sagt, Schauspieler seien abergläubisch und das trifft sicher auch auf viele der im Drury Lane beschäftigten zu, denn das Erscheinen des Man in Grey vor einer Premiere signalisiert einen erfolgreichen Verlauf des Theaterstücks, heißt es jedenfalls. So geschehen bei Miss Saigon, Oklahoma, South Pacific und The King and I.

Wer ist nun dieser mysteriöse Mann, der offenbar eine enge Verbindung zu dem Theater hat und an dem Wohlergehen der Aufführungen sehr interessiert ist? Man weiß es nicht, aber es könnte sich um jemanden handeln, der im Theatre Royal Drury Lane ermordet worden ist. Bei Renovierungsarbeiten in den 1870er Jahren fanden Bauarbeiter hinter einer Mauer (durch die der Geist immer verschwindet) einen Raum, den bisher niemand kannte. Darin fanden sie ein Skelett, in dessen Rippen noch immer ein Dolch steckte; an dem Toten fand man Überreste von grauer Kleidung. Handelte es sich dabei um ein Eifersuchtsdrama aus vergangener Zeit, bei dem ein eifersüchtiger Schauspieler seinen Nebenbuhler erdolcht und dann in diesem Raum versteckt hat? Man wird es wohl nie mehr erfahren.

Außer dem Man in Grey gibt es im Theater weitere geisterhafte Erscheinungen, so will man den berühmten Clown Joseph Grimaldi (1778-1837) mehrfach gesehen und „gespürt“ haben, denn der Clown hat die Vorliebe Theaterpersonal in den Hintern zu treten. Und noch ein Clown und Pantomime sucht in geisterhafter Form das Theater auf: Dan Leno (1860-1904). Auch er hat die unangenehme Angewohnheit Schauspieler zu schubsen und an der Perücke zu ziehen, während diese in den Kulissen stehen und auf ihren Auftritt warten. Dan Leno verfiel am Ende seines Lebens in geistige Umnachtung.

Eine Aufführung im Theatre Royal Drury Lane in der Catherine Street, in dem zurzeit Roald Dahls Charlie and the Chocolate Factory gespielt wird, ist also nie langweilig, denn man weiß nie, was da noch so alles geschehen wird. Vielleicht sollte man sich bei einem Besuch einen Platz im zweiten Rang reservieren lassen…

Dieser Film zeigt ein Team von Geisterjägern im Theater bei der Arbeit.

Über das Londoner Theater und den Baddeley Cake schrieb ich in meinem Blog schon einmal.

 

   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 28. Februar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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  1. Sehr schön gruselig🙂


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