Edward „The Boy Jones“ – Der Teenager, der Queen Victoria im Buckingham Palast an die Wäsche wollte

Der Londoner Buckingham Palast - Ziel des Stalkers Edward Jones.   © Copyright Graham Robson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Londoner Buckingham Palast – Ziel des Stalkers Edward Jones.
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Als es Michael Fagan am 9. Juli 1982 gelang, bis in das Schlafzimmer von Königin Elizabeth vorzudringen, ohne dass es die Sicherheitsleute des Buckingham-Palastes mitbekamen, ging diese Meldung durch die Welt und zeigte eklatante Sicherheitslücken im royalen Schutz auf.

Rund 150 Jahre früher war es einem 14-jährigen Jungen aus London gleich dreimal geglückt, die damals noch laxeren Sicherheitsvorkehrungen des Palastes zu umgehen. Edward Jones (1824-1893) spazierte an einem Tag im Dezember 1838 als Schornsteinfeger verkleidet (manche Quellen sagen, er sah lediglich furchtbar schmutzig aus) in den Buckingham-Palast, setzte sich auf den Thron, ging in die Privatgemächer Queen Victorias und stahl ihre Unterwäsche, dann versteckte er sich im Ankleideraum unter einem Sofa, wo er schließlich entdeckt und aus dem Palast entfernt wurde. In der anschließenden Gerichtsverhandlung stieß er auf einen sehr nachsichtigen Richter, der das Ganze als Teenagerspaß ansah und Edward „The Boy Jones“ freisprach.

Zwei Jahre später, im Dezember 1840, wiederholte der Junge eines Nachts seine Eskapaden im Palast, wanderte mehrere Stunden durch die Räume, belauschte eine Unterhaltung der Königin mit ihrem Mann und wurde dann geschnappt. Dieses Mal erhielt er eine Strafe von drei Monaten. Die Öffentlichkeit war damals entsetzt und fragte sich wie es möglich sein konnte, dass ein 16-jähriger Nichtsnutz so ohne weiteres in einen königlichen Palast eindrang.

Es dauerte nicht lange, bis Edward, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, zum dritten Mal in den Buckingham Palast einbrach. Er versorgte sich in der königlichen Küche mit kaltem Fleisch und Kartoffeln und verspeiste das alles genüsslich in der Picture Gallery, wo er dann erneut aufgegriffen und den Behörden übergeben wurde. Wieder erhielt „The Boy Jones“ eine dreimonatige Gefängnisstrafe aufgebrummt.

Mittlerweile war der erste königliche Stalker zu einer Berühmtheit im Land geworden, den die Regierung so schnell wie möglich los werden wollte. Man verfrachtete ihn in die Royal Navy, wo er sechs Jahre zubringen musste (ohne dass ein Richter das angeordnet hatte) und transportierte ihn schließlich, nachdem er wieder wegen Einbruchs verhaftet worden war, nach Australien. Wie ein Bumerang kam er erneut nach England zurück, machte sich wieder einiger Verbrechen schuldig, wurde eingesperrt und ging auf Einladung seines Bruders, dieses Mal freiwillig, nach Australien zurück. Eine Zeit lang diente Edward Jones in der Stadt Perth im Westen Australiens als „town crier“, er verfiel dem Alkohol und starb am 26. Dezember 1893 in Bairnsdale, nachdem er sturzbetrunken von einer Brücke gefallen war. In Bairnsdale wurde Jones auch begraben, dort erinnert auf dem Friedhof eine Plakette an ihn, worauf irrtümlich steht „Transported to Australia in 1840 for breaching security at Windsor Castle„. Sein Vorname wird auf der Plakette auch mit Thomas statt mit Edward angegeben.

Jan Bondeson hat ein Buch über den Fall geschrieben: „Queen Victoria’s Stalker: The Strange Story of the Boy Jones“ (Amberley Publishing 2010. 160 Seiten. ISBN  978-1445606972).
Der Spielfilm „The Mudlark“ (dt. „Der Dreckspatz und die Königin“), mit Alec Guinness und Irene Dunn, der 1950 in die Kinos kam, wurde von den Eskapaden des Boy Jones inspiriert. Hier ist der Trailer.

Die Erinnerungsplakette auf dem Friedhof von Bairnsdale in Australien. Author: ALFAMAX1 This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die Erinnerungsplakette auf dem Friedhof von Bairnsdale in Australien.
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