Die Long Bridge in Bideford (Devon) – Eine der längsten mittelalterlichen Brücken Englands

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Über Bideford, die Stadt an der Nordküste Devons, habe ich in meinem Blog bereits zweimal geschrieben: Einmal in Zusammenhang mit Sir Richard Grenville und einmal in Zusammenhang mit Silvesterfeiern.

Zwei Brücken überqueren hier den River Torridge, die große, 1987 in Betrieb genommene A39 Road Bridge, und die wesentlich kleinere, dafür aber viel ältere Long Bridge. Bereits 1286 gab es in Bideford eine Holzbrücke, die den Osten mit dem Westen der Stadt verband. Im Jahr 1474 entstand aus der Holzbrücke eine Steinbrücke, die heute zu den ältesten und längsten mittelalterlichen Brückenkonstruktionen des Landes gehört. 206 Meter ist sie lang und besteht aus 24 steinernen Bögen, die etwas ungewöhnlich aussehen. Betrachtet man die Long Bridge vom Ufer aus, reibt man sich erst einmal die Augen. War der Architekt betrunken, als er die Brücke konstruierte? Die Brückenbögen haben alle eine unterschiedliche Größe, was schon sehr merkwürdig aussieht. Nein, weder der Architekt noch die Bauarbeiter hatten Alkoholprobleme. Die Erklärung ist ganz einfach: Jeder Brückenbogen wurde damals von einem örtlichen Geschäftsmann bezahlt, und wenn er sehr wohlhabend war, spendierte er einen größeren Bogen, die nicht ganz so reichen kamen eben für einen kleineren Bogen auf.

Anfang des 16. Jahrhunderts ergab sich in Bideford ein Problem; die von der Stadt als Verwalter eingesetzten Männer verwendeten das für die Brückenerhaltung vorgesehene Geld für etwas andere Zwecke. Sie zweigten einen erheblichen Teil davon ab, um es sich gut gehen zu lassen, das heißt, sie „versoffen und verfraßen“ es, um es einmal vulgär auszudrücken. Die Bürger Bidefords, die das Geld schließlich aufgebracht hatten, ließen sich das nicht gefallen und zogen gegen die „Gourmets“ vor Gericht, wo sie den Fall klar gewinnen konnten.

Wie viele andere Kolleginnen der Brücke im ganzen Land, erlitt auch die Long Bridge im Laufe ihres Lebens einige Unpässlichkeiten. So rammte sie 1886 ein Schiff, was sie aber glimpflich überstand; schlimmer erwischte es die Brücke 1968, als ein Teil von ihr einstürzte, was zu aufwendigen und teueren Reparaturarbeiten führte. Schwere Lastwagen dürfen nicht mehr über die Long Bridge fahren; seit 2002 gibt es eine Gewichtsbeschränkung von 3 Tonnen.

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Blick durch einen der Brückenbögen der Long Bridge auf die neue A38-Brücke im Hintergrund.   © Copyright Roger A Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick durch einen der Brückenbögen der Long Bridge auf die neue A39-Brücke im Hintergrund.
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Die kreischenden Pfauen von Ushaw Moor (County Durham)

Ein besonders schönes Exemplar eines männlichen Pfaus.   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein besonders schönes Exemplar eines männlichen Pfaus.
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Man begegnet Pfauen häufig in England. Ich erinnere mich da zum Beispiel an einige Stately Homes, in denen die Tiere majestätisch durch die Parkanlagen und Gärten stolzierten wie in Castle Howard (North Yorkshire). In meinem Hotel Pendley Manor bei Tring (Hertfordshire) saßen sie sogar auf den Bäumen und im Trout Inn in Godstow (Oxfordshire) an der Themse spazieren sie manchmal mitten durch die auf der Terrasse sitzenden Gäste. Die männlichen Tiere sind sich ihrer Schönheit ganz offensichtlich bewusst und oft zieren sie sich etwas, wenn Menschen vor ihnen stehen und sie eindringlich bitten, doch endlich ein Rad zu schlagen und ihre schönen Federn zu zeigen. Die Weibchen haben außer ihrer kleinen Krone dagegen nicht sehr viel zu bieten und spielen eher die Rolle der grauen Maus.

Doch nicht jeder liebt diese Ziervögel, beispielsweise die Bewohner des ehemaligen Bergarbeiterdorfes Ushaw Moor im County Durham, und sie haben durchaus Gründe für ihre Abneigung, denn seit sechs Jahren schon werden sie von den Tieren genervt. Vor allem in der Paarungszeit geht es in Ushaw Moor hoch her. Da wird Tag und Nacht gekreischt, was das Zeug hält, und Kreischen gehört zu den Dingen, die Pfauen besonders gut können. Kein Wunder, dass da manchmal an Schlaf für die Dorfbewohner nicht zu denken ist. Weiterhin nerven die Vögel „tierisch“, wenn sie geparkte Autos attackieren. Sobald sie sich im Lack der Fahrzeuge gespiegelt sehen, meinen sie auf einen Widersacher zu treffen und picken wild drauflos. Bei den so geschädigten Autobesitzern hält sich deren Liebe für Pfauen sehr in Grenzen.
Weiterhin machen sich die Vögel im Dorf unbeliebt, wenn sie ihre Notdurft auf den Straßen und Wegen verrichten und dort eine schleimige, schwer zu entfernende Substanz hinterlassen.

Wo die Tiere eigentlich herkommen, weiß niemand so genau; man möchte sie aber in Ushaw Manor auf jeden Fall loswerden und so hat man jetzt im Ort eine Petition gestartet, die dem Durham County Council übergeben werden soll und die bereits von über 100 Bewohnern unterschrieben wurde: „These birds should be in a safe environment where they can be admired and properly looked after and not seen as pests“.
Vielleicht können die Bewohner von Ushaw Moor bald wieder die Nächte durchschlafen. Die Autolackierereien in der Umgebung hingegen würden den Vögeln wohl noch lange nachtrauern.

Der Dorfpub heißt übrigens nicht The Peacock, sondern The Flass.

Das Ortszentrum von Ushaw Moor.   © Copyright Robert Graham and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Ortszentrum von Ushaw Moor.
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Published in: on 29. April 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Lewis Carroll Teil 2: Sein Sterbeort Guildford (Surrey)

The Chestnuts in Guildford.   © Copyright David960 and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Chestnuts in Guildford.
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Nachdem ich in meinem gestrigen Blogpost über Lewis Carroll und seinen Geburtsort Daresbury in Cheshire geschrieben habe, möchte ich heute über Guildford in Surrey schreiben und die Beziehung des Schriftstellers zu dieser Stadt. Charles Lutwidge Dodgson, wie sein richtiger Name lautet, verbrachte hier die letzten Jahre seines Lebens, in einem Haus namens The Chestnuts. Er hatte das Haus nach dem Tode seines Vaters im Jahr 1868 gekauft, denn er war jetzt an das neue Familienoberhaupt und musste sich um seine sechs unverheirateten Schwestern kümmern, die er alle in The Chestnuts unterbrachte. Das Haus steht noch heute an der steilen Straße Castle Hill; nicht weit davon entfernt, an der Castle Street Nummer 12, gibt es einen kleinen Laden, der The Mad Hatter heißt und natürlich…Hüte herstellt und verkauft.

Am 14. Januar 1898 starb Dodgson alias Carroll in The Chestnuts, in dem er 1872 sein zweites erfolgreiches Buch „Through the Looking- Glass“ (dt. „Alice hinter den Spiegeln“) geschrieben hatte. Kurz vor seinem Tod hinterließ er noch Instruktionen wie seine Beerdigungsfeier ablaufen sollte: Ohne großes Brimborium und mit möglichst geringen Kosten. Beerdigt wurde er auf dem Guildford Cemetery an der Straße The Mount im Süden der Stadt. Sein Grabstein trägt den Bibelspruch „Where I Am There Shall Also My Servant Be“ und die Inschrift „Revd Charles Lutwidge Dodgson (Lewis Carroll) Fell Asleep Jan. 14. 1898, Aged 65 Years“.

Die Figuren, die er sich für seine beiden Alice-Bücher erdachte, sind leider nicht auf dem Grab verewigt, die finden wir aber an einer anderen Stelle in Guildford. Am 11. Juli 1984 wurde die Figurengruppe „Alice and the White Rabbit“ in der Nähe des Stadtzentrums am River Wey eingeweiht, die ein lokaler Bildhauer, Edwin Russel, geschaffen hatte und die in London in Bronze gegossen wurde. Die beiden Mädchen, die dort zu sehen sind, wurden nach dem Abbild zweier Freundinnen der Töchter des Bildhauers geformt.

Da Lewis Carroll seinen Roman „Through the Looking-Glass“ in Guildford geschrieben hatte, errichtete man 1990 in den Castle Gardens eine Skulptur von Jeanne Argent, die Alice zeigt wie sie durch einen Spiegel blickt. Die Figur ist nur wenige Meter von Carrolls The Chestnut entfernt.

Das Hutgeschäft The Mad Hatter in der Castle Street.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Hutgeschäft The Mad Hatter in der Castle Street.
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Lewis Carrolls Grab.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lewis Carrolls Grab.
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Alice and the White Rabbit am River Wey.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Alice Through The Looking-Glass" in den Castle Gardens.   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Alice Through The Looking-Glass in den Castle Gardens.
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Published in: on 28. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Lewis Carroll Teil 1: Sein Geburtsort Daresbury (Cheshire)

The Lewis Carroll Centre in Daresbury.   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lewis Carroll Centre in Daresbury.
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Reverend Charles Dodgson arbeitete 16 Jahre lang, von 1827 bis 1843, als Vikar an der All Saints‘ Church in Daresbury in der Grafschaft Cheshire und hier in The Old Parsonage kamen Charles Lutwidge Dodgson, der sich später als Schriftsteller das Pseudonym Lewis Carroll zulegte, und neun seiner Brüder und Schwestern zur Welt. The Old Parsonage existiert schon lange nicht mehr, doch der National Trust hegt und pflegt die Stelle, an der der  „Alice in Wonderland„-Erfinder geboren wurde und die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte, noch immer, obwohl es außer einigen Gedenktafeln an dieser Stelle nichts mehr zu sehen gibt.

In Daresbury ist der Name Lewis Carroll noch immer präsent und es kommen regelmäßig Verehrer aus der ganzen Welt hierher, um den Spuren des Schriftstellers zu folgen. Da gibt es das Lewis Carroll Centre in der Daresbury Lane, ein Anbau an die All Saints‘ Church, das erst 2012 eröffnet wurde und in dem man sich sehr gut über das Leben des Mannes informieren kann, der eines der klassischen Kinderbücher überhaupt geschrieben hat. Im Centre hängt auch noch jene Glocke mit der sein Vater auf dem benachbarten Kanal die Flussschiffer zur Andacht auf seine schwimmende Kapelle rief. Man kann sich die berühmten Geschichten von Alice und ihren Freunden anhören, die zum Beispiel von Ken Dodd gelesen werden. Das Lewis Carroll Centre ist täglich geöffnet und der Eintritt ist kostenlos.

Viele kommen auch nach Daresbury, um sich in der All Saints‘ Church das berühmte Glasfenster anzusehen, auf dem Szenen aus dem Leben Carrolls und aus „Alice in Wonderland“ dargestellt sind. Da finden wir sie alle wieder, den Mad Hatter, die Cheshire Cat und The White Rabbit. 1935 wurde das Glasfenster anlässlich Carolls 100. Geburtstag eingeweiht.

Die Figuren, die wir in dem Glasfenster bewundern können, finden wir in Warrington wieder, das nur wenige Kilometer von Daresbury entfernt ist. Seit 1984 steht dort auf dem Market Square die acht Tonnen schwere Granitskulptur Mad Hatter’s Tea Party, die von Prinzessin Diana anlässlich eines Besuches in der Stadt eingeweiht wurde.

All Saints' Church.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints‘ Church.
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Das Lewis Carroll-Gedenkfenster in All Saints' in Daresbury.   © Copyright Rich Tea and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Lewis Carroll-Gedenkfenster in All Saints‘ in Daresbury.
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Mad Hatters Tea Party in Warrington (Cheshire).   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mad Hatters Tea Party in Warrington (Cheshire).
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Die „All-Time Charts“ der britischen Premierminister

Platz 1 der Charts: Robert Walpole, 1st Earl of Orford. This image is in the public domain due to its Age.

Platz 1 der Charts:
Robert Walpole, 1st Earl of Orford.
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Auf Platz 23 der ewigen Hitliste der am längsten dienenden Premierminister Großbritanniens steht der gegenwärtige Staatschef David Cameron, der am 11. Mai 2010 sein Amt antrat. Er hat gute Chancen noch einige Plätze weiter nach oben zu klettern und dabei Lord John Russell, Clement Attlee und John Major zu überholen.

Unangefochten und wohl unüberholbar auf Platz 1 steht Robert Walpole, 1st Earl of Orford (1676-1745), der erste Premierminister des Landes, der es auf 20 Jahre und 314 Tage brachte.

William Pitt the Younger (1759-1806) schaffte es in zwei Amtszeiten auch auf beachtliche 18 Jahre und 343 Tage und steht damit auf Platz 2 der Rangliste. Er war erst 24 Jahre alt, als er 1783 Premierminister wurde. In dem Film „Amazing Grace“ (dt. „Amazing Grace“) aus dem Jahr 2006 verkörperte ihn übrigens Benedict Cumberbatch.

Den dritten Rang nimmt Robert Banks Jenkinson, 2nd Earl of Liverpool (1770-1828) mit 14 Jahren und 305 Tagen ein. Er war damals 42 Jahre alt, also auch noch verhältnismäßig jung (David Cameron war bei Amtsantritt 43 Jahre alt).

Die einzige Frau, die es jemals geschafft hat, in die Phalanx der männlichen Premierminister einzubrechen, The Baroness Thatcher (1925-2013), steht auf Platz 7 der Charts mit 11 Jahren und 209 Tagen, zwei Plätze vor Tony Blair und fünf Plätze vor Sir Winston Churchill.

Interessant ist auch ein Blick ganz nach unten auf die Tabelle, denn da gibt es eine Handvoll Männer, die es nicht einmal ein ganzes Jahr durchgehalten haben wie zum Beispiel William Cavendish, 4th Duke of Devonshire (1720-1764), der es nur auf 225 Tage gebracht hat oder George Canning (1770-1827), der nach 119 Tagen im Amt verstarb.

Man ist unterschiedlicher Meinung in Großbritannien darüber, ob James Waldegrave, 2nd Earl Waldegrave (1715-1763) und William Pulteney, 1st Earl of Bath (1684-1764) überhaupt zu den Premierministern zählen oder nicht. Waldegrave versuchte vom 8. bis zum 12. Juni 1757 eine Regierungsmannschaft zusammenzustellen, was ihm nicht gelang, und so trat er nach fünf Tagen gleich wieder zurück.
Auch Pulteney scheiterte daran, eine Regierung zu bilden, doch er war schon nach etwas über 48 Stunden weg vom Fenster. Da es das Amt des Premierministers zu der Zeit offiziell noch nicht gab, ist es zweifelhaft, ob der erste Earl of Bath überhaupt in die All-Time Charts der PMs gehört.

Platz 2 der Charts: William Pitt the Younger. This work is in the public Domain.

Platz 2 der Charts:
William Pitt the Younger.
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Platz 3 der Charts: Robert Banks Jenkison. This work is in the public Domain.

Platz 3 der Charts:
Robert Banks Jenkinson, 2nd Earl of Liverpool.
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Der Dorfladen und das Postamt – Zwei aussterbende Institutionen und die „Rural Oscars“

The Churchinford & District Community Shop.   © Copyright Martin Dawes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Churchinford & District Community Shop.
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Man sollte sie hegen und pflegen, die englischen Village Stores und Post Offices, denn sie gehören zu einer aussterbenden Spezies, dank Tesco, Sainsbury’s, Aldi und Lidl. Die kleinen Dorfläden können natürlich preislich und angebotsmäßig nicht mit den Großen der Lebensmittelbranche mithalten, aber sie erfüllten lange Zeit auch eine soziale Aufgabe. So wie im Pub trafen sich die Dorfbewohner im Laden zu einem kleinen Schwätzchen und es wurden Neuigkeiten ausgetauscht. Häufig wurden die Postämter in die Village Stores verlegt, was ja eigentlich keine schlechte Sache war. 12 000 Dorfläden soll es heute noch geben, vor zehn Jahren waren es doppelt so viele.

Von den noch vorhandenen Läden werden jedes Jahr die besten mit den sogenannten „Rural Oscars“ ausgezeichnet;  die offizielle Bezeichnung lautet „Countryside Alliance Awards„. Neben dem Village Shop/Post Office Award werden noch Preise in den Kategorien Local Food, Butcher und Tourism Enterprise verliehen.

Werfen wir einen Blick auf die Shortlist für das Jahr 2015, die 13 Läden umfasst, von denen der beste am 27. April in London mit dem Rural Oscar ausgezeichnet wird. 12 davon sind in England, einer in Wales angesiedelt. Auf der Liste stehen zum Beispiel:

Churchinford & District Community Shop in den Blackdown Hills in Somerset. Mitten im Ort liegt dieser Dorfladen, der mit dem Postamt vereint ist. Hier gibt es auch noch einen schönen Dorfpub, The York Inn.

St Mary’s Post Office an der Old Street in Haughley (Suffolk). Dieses Postamt ist eines der ältesten im Lande; es wurde 1848 eröffnet und stand kurz vor dem endgültigen Aus, als es durch die Spende eines sehr reichen Rechtsanwalts gerettet werden konnte.

Bardon Mill Village Store & Tea Room in Bardon Mill (Northumberland). Dieser Laden erhielt im Jahr 2013 schon einmal die Auszeichnung Village Shop of The Year for the North East of England.

Woods of Whitchurch im The Square in Herefordshire. Dieser Laden bietet großartige Öffnungszeiten, die es mit denen der Supermärkte aufnehmen können: Montags bis samstags von 7 Uhr bis 20 Uhr und sonntags von 8 Uhr bis 15 Uhr. Auch das Sortiment ist beachtlich, selbst ein Catering Service wird angeboten.

Mögen uns diese Läden, die oft mit viel Herzblut geführt werden, noch lange erhalten bleiben!

Siehe auch meinen Blogeintrag über den Orford General Store in Suffolk, den ich vor einigen Jahren schrieb.

St Mary's Post Office in Hauhley (Suffolk).   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s Post Office in Haughley (Suffolk).
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Bardon Mill Village Store & Tearoom in Northumberland.   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bardon Mill Village Store & Tea Room in Northumberland.
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Woods of Whitchurch in Herefordshire.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Woods of Whitchurch in Herefordshire.
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Published in: on 25. April 2016 at 02:00  Comments (1)  

Das Cecil Rhodes Museum in Bishop’s Stortford (Hertfordshire)

Cecil Rhodes' Geburtshaus und das ihm gewidmete Museum.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Cecil Rhodes‘ Geburtshaus in Bishop’s Stortford und das ihm gewidmete Museum.
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Anfang diesen Jahres machte der Name Cecil Rhodes (1853-1902) wieder einmal negative Schlagzeilen in den Medien. Eine Statue des umstrittenen Unternehmers und Politikers sollte vom Universitätsgebäude des Oriel College in Oxford entfernt werden, das meinten jedenfalls viele Studenten dort und zogen protestierend durch die Straßen der Stadt. Seit 1911 ziert die 1,20 Meter hohe Statue die Fassade des Colleges und jetzt soll sie weg, weil der Name Rhodes immer noch mit britischem Kolonialismus in Afrika in Zusammenhang gebracht wird.

1873 studierte Cecil Rhodes am Oriel College und hier in Oxford ist auch der Sitz der Rhodes Stiftung, die Stipendien für ein Studium an der Universität von Oxford vergibt. Der Unternehmer zählte zu seiner Zeit zu den reichsten Männern der Welt und ein großer Teil seines Vermögens floss in die Stiftung ein. Zu den berühmten Nutznießern gehörten u.a. Bill Clinton und Kris Kristofferson.

Geboren wurde Cecil Rhodes am 5. Juli 1853 in Bishop’s Stortford (Hertfordshire) und in seinem Geburtshaus findet sich auch ein Museum, das dem Sohn der Stadt gewidmet ist. Das Netteswell House ist Teil eines Gebäudekomplexes, der sich Rhodes Arts Complex & Bishop’s Stortford Museum nennt und der für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt wird. Teil des Bishop’s Stortford Museums ist die Rhodes Collection, die Dokumente, Fotos und Gegenstände aus dem Leben des Unternehmers zeigt, der die berühmte Diamantenfirma De Beers gegründet hat. Zu sehen sind hier zum Beispiel ein viktorianisches Wohnzimmer wie es zu Zeiten von Rhodes ausgesehen hat, seine Militäruniform aus dem Jahr 1877, afrikanische Kunstgegenstände und Musikinstrumente.

Wer Bishop’s Stortford nicht kennt: Es handelt sich hier um eine etwa 38 000 Einwohner zählende Stadt in der Grafschaft Hertfordshire, nördlich von London, direkt an der Autobahn M1 und am Stansted Airport.

Rhodes Art Complex & Bishop’s Stortford Museum
1-3 South Street
Bishop’s Stortford
Hertfordshire CM23 3JG

Gedenktafel am Geburtshaus.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Gedenktafel am Geburtshaus.
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Der moderne Teil des Rhodes Art Centres.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der moderne Teil des Rhodes Art Complexes.
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Published in: on 24. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Chiltern Society

Die Chilterns bei Turville in Buckinghamshire.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Chilterns bei Turville in Buckinghamshire.
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Die Chilterns sind ein sehr attraktiver Höhenzug, der sich über die Grafschaften Oxfordshire, Buckinghamshire, Hertfordshire und Bedfordshire erstreckt und sich in meinen Augen durchaus mit den Cotswolds messen kann. Dies ist, nebenbei gesagt, das Einsatzgebiet von TV-Inspector Barnaby und deckt sich in etwa mit dem fiktiven Midsomer County.

Da die Chiltern Hills nicht weit von London entfernt sind und die Hauptstadt sowohl über die Autobahn M40 als auch mit Zügen schnell zu erreichen ist, handelt es sich hier um ein sehr gefragtes Wohngebiet mit entsprechend hohen Hauspreisen. Viele „chocolate box villages“ finden sich in den Hügeln und ansprechende Kleinstädte wie The Lee, Amersham, Hambleden oder Nettlebed, um nur einige zu nennen.

1965 wurde die Chiltern Society gegründet, die heute über 6500 Mitglieder zählt. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Erhaltung der Natur und der stetig steigenden Nachfrage nach Wohnraum. Die Gesellschaft versucht, daraufhin zu wirken, dass die planerischen Maßnahmen in Einklang mit der wunderschönen Landschaft stehen und diese nicht verunstalten. Rad- und Wanderwege werden angelegt bzw. bereits bestehende gepflegt und unterhalten.

In jedem Jahr vergibt die Chiltern Society in Zusammenarbeit mit dem Chilterns Conservation Board den Chilterns Buildings Design Award für besonders gelungene neue bzw. restaurierte Gebäude. Im Jahr 2015 waren die Preisträger:

The Great Barn der Micklefield Hall bei Rickmansworth (Hertfordshire) in der Kategorie „Restauration“ – Eine umgebaute historische Scheune.

Warwick House in der High Street von Hemel Hempstead (Hertfordshire) in der Kategorie „Neubau“ – Ein Gebäude mit sechs Wohnungen.

Crendon Cottage in Speen (Buckinghamshire) in der Kategorie „Renovierung“ – Die gelungene Renovierung und Erweiterung eines typischen Chiltern Cottages.

Die Chiltern Society ist auch Eigentümerin einiger Landstriche wie zum Beispiel der Watercress Beds in Ewelme (Oxfordshire), über die ich in meinem Blog schon einmal berichtete, und Bottom Wood bei Stokenchurch (Buckinghamshire).

Sehr wichtig  für die Chiltern Society ist die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft und der örtlichen Kleinbetriebe. So wurde für dieses Jahr ein Real Bread Award ausgeschrieben, an dem Bäckereien teilnehmen können, die Brot nach traditioneller Art und ohne chemische Hilfsmittel herstellen. Auf der Webseite der Gesellschaft finden sich Listen mit Anschriften von Farmshops, Bauernmärkten, lokalen Brauereien und Nahrungsmittelproduzenten.

Viermal im Jahr erhalten die Mitglieder der Gesellschaft das Chiltern Magazine, in dem über Neuigkeiten aus der Region und über die Aktivitäten der einzelnen Gruppen berichtet wird.

Die Chilterns sind eine Area of Outstanding Natural Beauty und das absolut zu Recht. Ich habe mich hier immer sehr wohlgefühlt und darum berichte ich auch so oft über diese Region. Hier ist ein Film über die Chilterns.

Eines meiner Lieblingsdörfer in den Chiltern Hills: The Lee. Eigenes Foto.

Eines meiner Lieblingsdörfer in den Chiltern Hills: The Lee (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Die Watercress Beds in Ewelmw (Oxfordshire).   © Copyright Shaun Ferguson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Watercress Beds in Ewelme (Oxfordshire).
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Published in: on 23. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Specialty Beers – Ungewöhnliche Biersorten

 

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Bierpuristen werden voraussichtlich die Hände über den Kopf zusammenschlagen, wenn sie diesen Artikel lesen. Ich habe einmal einige recht ungewöhnliche Biersorten zusammengetragen, die mir in der letzten Zeit aufgefallen sind.

Banana Bread Beer der Wells & Young’s Brewery in Bedford. „Beer brewed with bananas“ steht auf dem Etikett zu lesen. 5,2% stark ist das Bier, dem man Bananenaroma verpasst hat und das die Brauerei folgendermaßen beschreibt: „seriously fruity, rich, yet suprisingly versatile“. Ich mochte es nicht! Hier sind die Breadettes im Film zu sehen, die das Bier in den USA vermarkten.

Nur unwesentlich besser schmeckte mir Young’s Luxury Double Chocolate Stout aus der gleichen Brauerei in Bedford. „Luxurious and at the same time with a hint of decadence“, so die Beschreibung der Produzenten des 5,2% starken Bieres. Ich hatte einmal ein Beertasting durchgeführt, bei dem es erstaunlicherweise einige Teilnehmer gab, die dieses Schokoladenbier mochten. Hier ist eine sehr positive  „Bierrezension“.

Auch die Chiltern Brewery bei Terrick in Buckinghamshire experimentiert gern und so hat man dort zwei Sorten entwickelt, die recht ungewöhnlich erscheinen. Earl Grey IPA und (ganz neu) Colombian Coffee Porter. Das erstgenannte entstand aus einer Zusammenarbeit der Brauerei mit der Teefirma Birchall’s, die für das Bier ihren Virunga East African Single Estate Tea aus Ruanda zur Verfügung gestellt haben. 3,9% Alkoholgehalt hat das Bier nur. Ich habe es (leider?) noch nicht probieren können.
Auch das Colombian Coffee Porter ist eine Kooperation. Hierbei hat sich die Chiltern Brewery mit der Firma Chartley Coffee aus Staffordshire zusammengetan, die einen Kaffee aus den Bergen Kolumbiens dafür geliefert haben. 4,1% Alkoholgehalt hat das Getränk.

Irving & Co. Brewers in Portsmouth haben eine Bier im Programm, das sich Captain B Spiced Rum Ale nennt. Dieses Bier wird vornehmlich für Bierfestivals hergestellt und hat 5,3%. „Strong sweet and spicy taste of the Caribbean“, so die Beschreibung der Brauerei. Ebenfalls im Programm Thai Me Up, ein Bier mit Geschmacksnoten aus Thailand wie Zitronengras, Koriander und Kardamom. 3,8% Alkoholgehalt. Das Strong Island Hopper schmeckt nach Erdbeeren und Aprikosen und hat 4,5%.

Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen…aber mir ist jetzt nach einem richtigen Bier zumute.

Published in: on 22. April 2016 at 02:00  Comments (4)  

The Axmouth Landslip zu Weihnachten 1839

Hier ereignete sich der legendäre Erdrutsch im Jahr 1839.   © Copyright David Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier ereignete sich der legendäre Erdrutsch im Jahr 1839.
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Die Klippen an der Südküste von Dorset und Devon brechen immer mal wieder ein Stück ab, das ist dort nichts Außergewöhnliches. Aber was sich am Weihnachtstag des Jahres 1839 bei Axmouth (Devon) abspielte, war für die Anwohner schon sehr beängstigend. Schon Tage vorher bemerkten die Menschen, die in ihren Cottages oberhalb der Dowland Cliffs lebten, dass sich in den Hauswänden plötzlich Risse bildeten, die immer größer wurden. Der Boden, auf dem die Häuser standen, verschob sich, so dass die Haustüren nur noch mit Schwierigkeiten geöffnet werden konnten. Als dann in der Weihnachtszeit noch beunruhigende Geräusche dazu kamen, flohen die Leute aus ihren Cottages und brachten sich und einen Teil ihres Eigentums in Sicherheit. Dann geschah das, was als The Axmouth Landslip, manchmal auch The Bindon Landslip (nach einer Farm auf den Klippen benannt), in die Geschichtsbücher einging: Eine etwa 280 000 Quadratmeter große Fläche stürzte über 80 Meter in die Tiefe und riss einige der Cottages mit. Zum Glück kam niemand zu Schaden, da die Häuser alle verlassen worden waren. Ein ganzes Weizenfeld wurde verlagert, das wundersamerweise im folgenden Jahr geerntet werden konnte. Eines der Cottages war noch soweit intakt, dass man es eine Zeit lang als Tearoom verwendete, bevor ein besonders heftiger Sturm es später ins Meer riss. Dieser  Tearoom rentierte sich, denn der Klippenabriss erwies sich als Touristenmagnet. Viele kamen hierher, um sich das Naturereignis aus der Nähe anzusehen.

Auch die Geologen kamen auf ihre Kosten, denn der Abbruch war für sie sehr interessant. Schon 1840 veröffentlichten William Coneybeare und William Buckland eine wissenschaftliche Untersuchung, zu der William Dawson die Illustrationen anfertigte.

Queen Victoria wollte sich das Schauspiel auch nicht entgehen lassen und kam mit ihrer königlichen Yacht vorbei. Ein gewisser Ricardo Linter komponierte die „Landslide Quadrille“ – Das Unglück von Axmouth war damals das Gesprächsthema Nummer Eins.

Der Schriftsteller Sabine Baring-Gould (1834-1924) nahm The Axmouth Landslip als Hintergrund für seinen Roman“ Winifred: A Story of the Chalk Cliffs„, der im Jahr 1900 erschien.

Experten warnen immer wieder davor, dass sich etwas Vergleichbares jederzeit wieder an den Küsten von Dorset und Devon ereignen könnte.

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Published in: on 21. April 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Der Mappleton Bridge Jump an der Okeover Bridge in Derbyshire

Die Okeover Bridge in Mappleton.   © Copyright Chris Morgan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Okeover Bridge in Mappleton.
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Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich an ein einem in der Regel eiskalten Januartag von einer Brücke in den darunter fließenden Fluss zu stürzen. Dieser sogenannte Mappleton Bridge Jump findet immer am Neujahrstag statt und ist Teil eines Wettbewerbs, der weiterhin aus einem Bootsrennen und einem Lauf besteht.
Initiiert wurde das Spektakel 1983 von Jim Breeze, mit der Absicht, die Einnahmen wohltätigen Zwecken zukommen zu lassen. Schauplatz ist der River Dove mit der Okeover Bridge in Mappleton (manchmal auch nur mit einem „p“ geschrieben), nordwestlich von Ashbourne in Derbyshire.

Der Ablauf sieht so aus: Die Teilnehmer paddeln rund 600 Meter den River Dove hinunter, rennen vom Ufer auf die Brückenmauer, springen von dort 9 Meter wieder in den Fluss hinunter und sprinten dann vom Flussufer zum 400 Meter entfernten Pub The Okeover Arms, wo die Sieger ihre Trophäe entgegennehmen. Die Ladies erhalten ein Brass Iron und die Herren den Brass Monkey, und da man schon einmal im Pub ist, dürfte das eine oder andere Pint durch die Kehlen der durchgefrorenen Paddler/Springer/Läufer fließen.

Bis zum Jahr 2014 fand dieser beliebte Wettbewerb am Neujahrstag statt, dann sollte er 2015 auf den Ostermontag verlegt werden, aber da gab es Probleme mit den Bauern, denen die umliegenden Felder gehörten. Dies ist die Zeit, in der Lämmer zur Welt kommen und das verträgt sich nicht mit den zu erwartenden Zuschauermassen, also strich man den Wettbewerb komplett. Auch in diesem Jahr wurde er nicht ausgetragen, was aber einige nicht daran hinderte, am Neujahrstag einen inoffiziellen Bridge Jump durchzuführen wie dieser Film zeigt.

Hier sind einige Bilder vom bisher letzten offiziellen Boat Race and Bridge Jump aus dem Jahr 2014 zu sehen.

Mappletons Pub, The Okeover Arms, ist das Ziel des Wettbewerbs.   © Copyright Graham Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mappletons Pub, The Okeover Arms, ist das Ziel des Wettbewerbs.
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Opernfestspiele in Buckinghamshire Teil 2: The Fingest Great Barn Opera

Fingest Manor Farm Barn. With friendly permission of Sylvia Crowthers.

The Great Barn at Manor Farm.
With friendly permission of Sylvia Crowthers.

Nur wenige Kilometer von Wormsley Park entfernt, wo das Garsington Opera Festival stattfindet, in dem kleinen Dorf Fingest (ich berichtete in meinem Blog schon einmal darüber), gibt es ein weiteres Opernfestival: The Fingest Great Barn Opera. Es wurde so benannt, weil es in einer Scheune der Manor Farm durchgeführt wird. Das Ensemble kommt natürlich nicht aus Fingest und Umgebung; die Darsteller und Musiker haben ihren Stützpunkt in London und nennen sich Diva Opera. Seit dem Gründungsjahr 1996 hat die Truppe schon mehr als 2000 Aufführungen absolviert und 50 verschiedene Opern und Konzerte einstudiert. Neben nationalen Auftritten, zum Beispiel in der Royal Albert Hall, gastierte Diva Opera auch in anderen Ländern, u.a. in so berühmten Stätten wie dem Teatro La Fenice in Venedig. Oft arbeitete man José Carreras zusammen. Hier ist eine Dokumentation über Diva Opera und hier ein kleiner Appetithappen.

Im Frühherbst kommt Diva Opera also nach Fingest und spielt dort am 3. und 11. September Donizettis „Don Pasquale“ bzw. Mozarts „Cosi Fan Tutte„, jeweils unter der Leitung von Bryan Evans. Die Opernaufführungen finden übrigens in traditionellen Kostümen statt und nicht in Straßenkleidung oder ähnlichem wie man es heute in den meisten Opernhäusern sieht.

Natürlich spielt auch hier die ausgedehnte Pause zwischen den Akten eine große Rolle; unter einem Zelt auf dem Hof der Manor Farm sind Tische und Stühle aufgebaut, damit man dort in Ruhe sein Picknick zu sich nehmen kann.

Der Ticketpreis beträgt £75, von dem ein gewisser Anteil wohltätigen Einrichtungen zugute kommt. In diesem Jahr sind es:
Child Bereavement UK – eine Organisation, die sich um Familien kümmert, in denen ein Kind im Sterben liegt bzw. gestorben ist
The SMA Trust, der sich mit dem Thema „Spinale Muskelatrophie“ auseinandersetzt
Best Beginnings – eine Organisation, die Familien hilft, ihren Kindern den besten Start ins Leben zu geben

Wer Interesse an den beiden Aufführungen hat, sollte sich mit der Veranstalterin der Fingest Great Barn Opera Sylvia Crowther in Verbindung setzen unter der Telefonnummer 01491 638474 oder per E-Mail fingestopera@btconnect.com.
Hier ist die Broschüre mit weiteren Informationen und hier die Ticket Request Form.

Manor Farm.   © Copyright Phil Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Manor Farm.
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Bkick auf das idyllisch gelegene Fingest.   © Copyright Michael Trolove and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick auf das idyllisch gelegene Fingest.
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Published in: on 19. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Luise Berg-Ehlers: Mit Virginia Woolf durch England

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplars.

Schon lange wollte ich dieses Buch in meinem Blog vorstellen, jetzt ist es soweit. Luise Berg-Ehlers, deren wunderschöne Bücher „Mit Miss Marple aufs Land“ und „Extravagante Engländerinnen“ ich an dieser Stelle bereits präsentiert habe, hat im Jahr 2012 als Insel-Taschenbuch „Mit Virginia Woolf durch England“ veröffentlicht, in dem sie den Spuren dieser Schriftstellerin nachgeht. Das Umschlagbild zeigt, unschwer zu erkennen, die Mermaid Street in Rye (East Sussex) mit dem Mermaid Inn auf der rechten Seite, eines der am häufigsten fotografierten Motive im ganzen Land. Virginia Woolf war hier in Rye im Lamb House zu Gast, das gleich am oberen Ende der Mermaid Street, in der West Street, zu finden ist. Henry James wohnte hier, ein Freund ihres Vaters, von dem sie, wie Luise Berg-Ehlers schreibt, nicht sehr angetan war. Auch der Mermaid Inn sagte Virginia nicht sehr zu, weil sie von einer alten Frau aus dem Gasthof hinausgejagt worden war.

Die einzelnen Lebensstationen der am 25. Januar 1882 in 22 Hyde Park Gate in London geborenen Schriftstellerin werden in dem Buch detailliert dargestellt, als da sind: London, Surrey, Cambridge und Oxford, Cornwall, Kent und Sussex. Die ausdrucksstarken Fotografien stammen von Luise Berg-Ehlers selbst. „Wer also bei seiner Reise durch England Virginia Woolf als Begleiterin, vielleicht sogar als Reiseführerin wählt, wird manches andere sehen, als es Travel Guides gemeinhin zu präsentieren pflegen“, so die Autorin des Buches und das macht es so besonders interessant für den literarisch interessierten Englandreisenden.

Das Buch schließt mit dem Tode Virginia Woolfs am 28. März 1941 bei Rodmell in East Sussex, wo sie sich im River Ouse das Leben nahm. Ihr Wohnhaus dort, Monk’s House, das seit 1980 dem National Trust gehört, kann besichtigt werden.

Hier ist eine Dokumentation über Virginia Woolf.

Luise Berg-Ehlers: Mit Virginia Woolf durch England. Insel-Verlag 2012. 199 Seiten. ISBN 978-3-458-35806-0

Monk's House inRodmell.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Monk’s House in Rodmell.
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Virginia Woolfs Büste im Garten von Monk's House in Rodmell.   © Copyright PAUL FARMER and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Virginia Woolfs Büste im Garten von Monk’s House in Rodmell.
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Published in: on 18. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Opernfestspiele in Buckinghamshire Teil 1: Das Garsington Opera Festival in Wormsley Park

Der Pavillon der Garsington Opera. Author: Mike Hoban. This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

Der Pavillon der Garsington Opera.
Author: Mike Hoban.
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Die berühmtesten englischen Opernfestspiele „auf dem platten Land“ finden sicher in Glyndebourne in East Sussex statt. Karten dafür zu bekommen, erweist sich immer wieder als sehr schwierig. Es gibt aber auch noch andere jährliche Festspiele, die in der freien Natur ausgetragen werden und die nicht minder interessant sind. Über das Grange Opera House in Northington (Hampshire) berichtete ich in meinem Blog schon einmal. In der Grafschaft Buckinghamshire finden gleich zwei Opernfestivals nur wenige Kilometer voneinander entfernt statt: In Fingest ist die Great Barn Opera zu finden (über die ich demnächst berichten werde) und im Wormsley Park die Garsington Opera.

1989 gründete der Bankier und Liebhaber der klassischen Musik Leonard Ingrams die Garsington Opera, benannt nach seinem Wohnsitz Garsington Manor bei Oxford. Ingrams versuchte jedes Jahr eine Mischung aus bekannten und weniger bekannten Werken der Opernwelt zusammenzustellen, interpretiert von international renommierten Künstlern. Ingrams starb im Jahr 2005 im Alter von 63 Jahren, sechs Jahre später verlegte die Garsington Opera ihren „Austragungsort“ nach Wormsley Park, dem Familiensitz der Getty Family, die sich hier 1986 angesiedelt hatte. Die künstlerische Leitung der Opernfestspiele liegt heute in den Händen von Douglas Boyd, der schon in vielen namhaften Häusern der Welt gearbeitet hat.

Die Aufführungen finden vor der Kulisse der Chiltern Hills in einem speziellen Pavillon statt, der jedes Jahr für das Festival aufgebaut wird und von dem Londoner Architekten Robin Snell entworfen wurde. Werfen wir einen Blick auf das Programm des Jahres 2016. Vom 3. Juni bis zum 17. Juli werden vier verschiedene Aufführungen angeboten:
Tchaikovskys „Eugen Onegin“ (Dirigent: Douglas Boyd), Mozarts „Idomeneo“ (Dirigent: Tobias Ringborg), Rossinis „Die Italienerin in Algier“ (Dirigent: David Parry) und Joseph Haydns „Die Schöpfung“ (Dirigent: Douglas Boyd). Einführungen in die drei Opern finden im April und Mai in Oxford und London statt.

So wie in Glyndebourne gehört auch hier in Wormsley Park eine lange Pause bei den Aufführungen dazu, in der genüsslich Champagner geschlürft bzw. ein Dinner zu sich genommen wird. Festliche Kleidung sollte man bei diesen Opernfestspielen auf jeden Fall anziehen.
Hier ist ein Film über die Festspiele des Jahres 2015.

Man kann Wormsley Park, sowohl von London als auch von Oxford aus, leicht über die Autobahn M40 erreichen und dort die Ausfahrt Nummer 5 nehmen. Bis zum Park sind es dann nur noch 2-3 Kilometer.

Eine der Kulissen der Garsington Opera.   © Copyright Hugh Chevallier and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine der Kulissen der Garsington Opera.
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Während der Pause...   © Copyright Hugh Chevallier and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Während der Pause…
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Published in: on 17. April 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Radiostationen – 97.5 Marlow FM in Marlow (Buckinghamshire)

Marlow und die Themsebrücke.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Marlow und die Themsebrücke.
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Marlow in Buckinghamshire gehört zu meinen Lieblingsstädten in England, daher habe ich schon mehrfach in meinem Blog über den Ort geschrieben. Wenn mich die Sehnsucht nach Marlow überkommt, schalte ich einfach Marlow FM über Internetradio ein und schon bin ich bestens informiert über alles, was sich dort an der Themse tut.

Seit dem 11. Mai 2011 sendet Marlow FM als Community Radio Station auf der Frequenz 97.5 FM rund um die Uhr, wobei in der Zeit von 23 Uhr bis 7 Uhr ausschließlich Musik „vom Band“ gespielt wird. Der Einzugsbereich von Marlow FM umfasst rund 300 000 potentielle Hörer in den Regionen Maidenhead, Reading und Windsor.

Der Eigentümer des Senders ist Marlow FM Limited, eine Non-Profit-Firma, der Tim Ashburner als Managing Director vorsteht, ein Profi, der viele Jahre für die BBC gearbeitet hat. Rund 140 Freiwillige arbeiten zur Zeit in den unterschiedlichsten Funktionen für den Sender.

Das Programm setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen: Breakfast Show (7-9 Uhr), Mid Morning Matters (10-12 Uhr), The Eclectic Light Show (12-14 Uhr), Big Buzz (14-15.30 Uhr), Drivetime (17-19 Uhr). Dieses Schema gilt von Montag bis Freitag, am Wochenende sieht es etwas anders aus. Ergänzt werden diese Programmblöcke durch weitere Shows.

Die Studios von Marlow FM liegen im Longridge Activity Centre an der Quarry Wood Road, das ist die Straße, die hinter der Themsebrücke stadtauswärts links hinter dem Hotel The Compleat Angler abgeht. Die Nähe zur Themse hat auch seine Schattenseite; so wurden die Studios im Januar 2014 überflutet (hier ist ein Film darüber), und der Sender musste kurzfristig in ein anderes Quartier umziehen, in die Methodist Church in der Spittal Street.
Nachdem alles wieder getrocknet und die Schäden behoben worden waren, sendete man wieder wie gewohnt vom Longridge Activity Centre.

Hier ist der Link zum Live-Programm von 97.5 Marlow FM.

Die überschwemmte Quarry Wood Road in Marlow im Januar 2014.   © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die überschwemmte Quarry Wood Road in Marlow im Januar 2014.
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Published in: on 16. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bluebells all over England

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Kaum sind die Snowdrops, die  Schneeglöckchen, verschwunden, haben ihre Stelle die Bluebells, die Glockenblumen, eingenommen. In vielen Teilen Englands sieht man im April und Mai ganze Felder von diesen hübschen blauen Blumen. Mein Foto oben zeigt Bluebells, die ich auf dem Weg von Nettlebed nach Crocker End (Oxfordshire) in einem waldigen Gebiet fand.

Wo es noch viele Glockenblumenfelder zu sehen gibt, hier ist eine kleine Auswahl:

Auf dem Ashridge Estate (National Trust) nördlich von Berkhamstead in Hertfordshire und Buckinghamshire. Hier wird ein Bluebell Walk angeboten, der fast drei Stunden dauert, mehrere Kilometer lang ist und zu den riesigen Feldern mit den blauen Blumen führt.

Sehr beliebt ist der Arlington Bluebell Walk bei Arlington in East Sussex, der sich über das Gelände von drei Farmen erstreckt und seit 1972 existiert.

Wer im Süden Norfolks wohnt, kann sich an den Glockenblumen-Prachtexemplaren in Sisland Carr bei Chedgrave erfreuen, verwaltet vom Woodland Trust.

Stourhead in Wiltshire (National Trust) ist zu jeder Jahreszeit sehenswert. Jetzt im Frühjahr gibt es dort ganze Teppiche von Glockenblumen zu sehen.

Auch Lanhydrock (National Trust) in Cornwall bietet jede Menge an malerischen Bluebells. Am 30. April wird unter fachkundiger Anleitung eine Tour durch die Felder und Wälder durchgeführt.

Hier ist ein stimmungsvoller Film über Bluebells in Cornwall.

Glockenblumenteppiche auf dem Ashridge Estate in Hertfordshire/Buckinghamshire.   © Copyright Cameraman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Glockenblumenteppiche auf dem Ashridge Estate in Hertfordshire/Buckinghamshire.
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Sisland Carr in Norfolk.   © Copyright Ashley Dace and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sisland Carr in Norfolk.
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Im Park von Stourhead (Wiltshire).   © Copyright Len Williams and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Park von Stourhead (Wiltshire).
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Bluebells im Park von Lanhydrock (Cornwall).   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bluebells im Park von Lanhydrock (Cornwall).
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Published in: on 15. April 2016 at 02:00  Comments (4)  
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Mein Buchtipp – Chris Behan & Martin Andrew: Roaming Midsomer – Walking and Eating in the Murderous Heart of England

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Im August  2012 stellte ich Chris Behans Buch „Exploring Midsomer: The Towns and Villages at the Murderous Heart of Englandin meinem Blog vor. Darin befasst er sich mit den Dörfern und Kleinstädten, die als Drehorte für die TV-Krimiserie „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ gedient haben. Ein sehr hübscher Band mit vielen Farbfotos, erschienen in dem großartigen Verlag The History Press in Stroud (Gloucestershire).

Jetzt ist am 3. März in diesem Jahr ein Nachfolgeband erschienen, in dem sich Chris Behan mit Martin Andrew zusammengetan hat: “ Roaming Midsomer – Walking and Eating in the Murderous Heart of England„. Martin Andrew hat schon einige Dutzend Bücher geschrieben mit den Schwerpunkten „Wandern“ und „Historische Darstellungen englischer Städte“.

In diesem neuen Band werden 21 Wanderungen/Spaziergänge in Buckinghamshire und Oxfordshire vorgeschlagen, auf denen wir gute alte Bekannte aus der Krimiserie wiederfinden: Gasthöfe, Cottages, Manor Houses usw. Die Spaziergänge sind etwa zwischen 5 und 10 Kilometer lang, also sehr gut zu schaffen. Auf den jeweiligen Routen werden Pubs zur Einkehr vorgeschlagen; falls man mit seinem Hund unterwegs ist, empfehlen die Autoren, wo man seinen vierbeinigen Freund von der Leine lassen kann und wo möglichst nicht. Sehr praktisch: Behan und Andrew sagen, wo Toiletten zu finden sind (was die Vierbeiner wenig interessieren dürfte) und wo man sein Auto für die Zeit der Wanderung abstellen kann.
Bei jeder der 21 Touren erfährt der Leser, welche Episoden hier gedreht worden sind und die historischen Bezüge zu den jeweiligen Orten. Die Wanderung wird sehr detailliert beschrieben, eine kleine Skizze zeigt den Weg. Man sollte das Buch schon mitnehmen, besser, sich die jeweiligen Seiten kopieren. Mein Exemplar ist nicht sehr gut geleimt, und ich kann mir vorstellen, dass man bald fliegende Blätter in der Hand hält.

Ein Beispiel für einen dieser „Walks“:
Walk 11: Dibley  in the Valley. 6,4 Kilometer lang, der die Orte Turville und Fingest einschließt. Empfohlener Gasthof: The Bull and Butcher in Turville. Keine öffentlichen Toiletten, also: Pub aufsuchen. Parkmöglichkeit am Village Green von Turville.
In der Rubrik „Midsomer Comes to…“ erfährt man, welche Episoden hier gedreht wurden. In Turville zum Beispiel „Murder on St Malley’s Day“ und „The Straw Woman“, in Fingest „Country Matters“ und „Silent Land“. In der Rubrik „A Brief Historical Background“ wird einiges über die Kirche St Mary’s in Turville gesagt. Die Wanderung führt u.a. an der „Tschitty Tschitty Bang Bang-Windmühle“ oberhalb Turvilles vorbei, an der einige Szenen dieses Spielfilms gedreht wurden.

Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen und sich die schönen Fotos anzusehen und es gibt viele Anregungen für einen Besuch in dieser gr0ßartigen Landschaft Englands!!

Chris Behan & Martin Andrew: Roaming Midsomer – Walking and Eating in the Murderous Heart of England. The History Press 2016. 128 Seiten. ISBN 978-0-7509-5587-4.

Die Tschitty Tschitty Bang Bang-Windmühle oberhalb Turvilles. Eigenes Foto.

Die Tschitty Tschitty Bang Bang-Windmühle oberhalb Turvilles.
Eigenes Foto.

St Mary's in Turville. Eigenes Foto.

St Mary’s in Turville.
Eigenes Foto.

 

Balls Park in Hertford (Hertfordshire) – Luxusapartments in einer „Gated Community“

   © Copyright Melvyn Cousins and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Am Stadtrand von Hertford in der Grafschaft Hertfordshire findet sich ein Parkgelände, in dem als Mittelpunkt Balls Park steht, ein ansehnliches, denkmalgeschütztes Haus aus dem 17. Jahrhundert, das in den letzten Jahren als Apartmentkomplex umgebaut worden ist.
Sir John Harrison war der Erbauer von Balls Park; er war langjähriges Parlamentsmitglied, erst für Scarborough, dann für Lancaster. Auf Balls Park ist Harrison 1669 gestorben. Das Haus blieb noch eine ganze Weile in der Familie Harrison, bis es als Zweitwohnsitz der Marquesses of Townshend genutzt wurde, die ihren Hauptsitz auf Raynham Hall in Norfolk hatten. Die nächsten Besitzer waren die Faudel-Phillips‘, die dreimal den High Sheriff of Hertfordshire stellten. Jede Familie nahm Veränderungen und Erweiterungen an dem Gebäude vor.

Nachdem Balls Park 1946 verkauft worden war, nutzte man das Haus mehr als 50 Jahre als Lehrerfortbildungsstätte, dann übernahm die Universität von Hertfordshire für ein paar Jahre, bevor die Firma City&Country, die sich auf Umbauten historischer Gebäude spezialisiert hat, das Gelände kaufte, um aus Balls Park luxuriöse Apartments zu schaffen, die sich über das Mansion House, The Stables und The Coach House erstrecken. Die Konvertierung der Anlage war so gelungen, dass Balls Park mehrere Auszeichnungen des Evening Standards und der Sunday Times gewinnen konnte. In diesem Film ist ein Rundgang durch Balls Park zu sehen, eine „Gated Community“, in der viel Wert auf Sicherheit gelegt wird.

Da das Haus nahe an den Londoner Filmstudios liegt, wurden hier auch mehrere Filme gedreht; dazu gehören:
Amazing Grace“ aus dem Jahr 2006 mit Benedict Cumberbatch und Albert Finney, der in Deutschland unter dem Titel „Der Mann, der die Welt veränderte“ lief.
The Young Victoria“ (dt. „Viktoria, die junge Königin“) mit Emily Blunt und Rupert Friend aus dem Jahr 2009.
Die Teenie-Komödie „Wild Child“ (dt. „Wild Child“) mit Emma Roberts (2008).
Die Episode „Enemy Fire“ aus der TV-Serie „Foyle’s War“ (2004), hier in voller Länge zu sehen.

Village Signs – Horsford in Norfolk

   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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In meiner Reihe über englische Dorfschilder möchte ich heute eines vorstellen, das es mir besonders angetan hat und das an der B1149 in Horsford in Norfolk, nördlich von Norwich, steht. Geschaffen hat es niemand anderes als der in der Branche der Dorfschildmacher herausragende Harry Carter aus Swaffham (Norfolk), über den ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Was bietet sich als Motiv für ein Dorf mit dem Namen Horsford an? Richtig, ein Pferd, das in einer Furt in einem Flusslauf steht. Genau das hat Harry Carter auch in seinem Bild dargestellt. Das weiße Pferd steht in dem flachen Wasser des River Hor an dem das Dorf liegt, und so gibt es auch die Meinung, dass Horsford nicht nach dem „Horse“ sondern nach dem „Hor“ benannt worden ist. Wie auch immer, das Village Sign ist gut gelungen und es wurde 1978 vom Horsford Afternoon Women’s Institute anlässlich seines 50jährigen Bestehens der Gemeinde übergeben. Lady Barrett-Lennard, deren Familie seit Jahrhunderten die Lords of the Manor hier stellte, hatte die Ehre das Schild zu enthüllen. Zu sehen ist es auf der linken Seite der B1149, wenn man die Straße in Richtung Norden befährt.

Fährt man aber in die Gegenrichtung, so sieht man ein ganz anderes Bild auf dem Schild. Es zeigt drei weißgewandete junge Frauen, die sich offensichtlich himmelwärts begeben, vor einem Hintergrund, der aus einer Pyramide, Bergen und einem See besteht. Es handelt sich hierbei um die Nachbildung eines Kirchenfensters in der Dorfkirche All Saints. 1890 wurde dieses Fenster (in München vom Institut für kirchliche Glasmalerei hergestellt) eingebaut, in Erinnerung an die Schwestern Edith, Dorothea und Nona Day, die alle Anfang der 1890er Jahre innerhalb von 18 Monaten an Tuberkulose starben. Eine fiel der Krankheit in Ägypten zum Opfer (daher die Pyramide), die beiden andern in der Schweiz, wo sie Heilung erhofften (daher die Berge und der See). Die Familie Day lebte seinerzeit auf Horsford Hall und war in der Gemeinde sehr beliebt, da sie dem Dorf sehr viel Gutes taten.

Ich liebe diese Village Signs, weil jedes eine Geschichte zu erzählen hat, die sich allerdings dem Betrachter nicht immer auf den ersten Blick erschließt.

Hier ist ein Film mit Bildern aus Horsford.

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Published in: on 12. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Britwell Salome in Oxfordshire

Britwell House.   © Copyright Andrew Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Britwell House.
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An der B4009 zwischen Benson und Watlington, zwei Orte mitten in Inspector Barnabys Midsomer County, über die ich in meinem Blog bereits berichtete, liegt das kleine 200-Seelen-Dorf Britwell Salome, das in zwei Barnaby-Episoden als Drehort diente. Mit der biblischen Salome hat der Ortsname nichts zu tun, was auch für das nicht weit entfernte Berrick Salome gilt. Der Name ist zurückzuführen auf die Familie Sulham bzw. De Sulham, die in beiden Orten Lords of the Manor war.

Das Produktiosteam von „Midsomer Murders“ suchte sich das in georgianischem Stil erbaute Britwell House aus, um Folge 28 „Birds of Prey“ (dt. „Unglücksvögel“) hier zu drehen. Das Haus fungiert als Wohnort der Edmontons und gleich zu Beginn der Episode sieht man wie jemand im Schutz der Dunkelheit die Fassade erklimmt und gegen das Giebelfenster klopft, um dort oben von Charles Edmonton eingelassen zu werden. Noch oft ist Britwell House in dem Film zu sehen wie auch die hochaufragende Säule davor, die im Jahr 1764 errichtet wurde, in Erinnerung an die Eltern des damaligen Besitzers Sir Edward Simeon.

Ausgiebig wurde im Britwell House auch für Episode 50 „Death in Chorus“ (dt. „Tote singen nicht“) gedreht. In dieser Folge wohnen hier Giles und Carolyn Armitage, die ein merkwürdiges Verhältnis zueinander haben.

Britwell House erreicht man über eine lange Zufahrt von der B4009 aus; es ist ein Privathaus, das nicht zu besichtigen ist, aber für Hochzeitsempfänge zur Verfügung steht.

Ein weiteres Haus in Britwell Salome kann man kurz in oben erwähnter Episode „Birds of Prey“ sehen: Bartletts, in dem Naomi Sinclair (dargestellt von Alexandra Gilbreath) wohnt.

Das kleine Dorf in Oxfordshire hat natürlich auch eine Kirche, die hier St Nicholas heißt, und einen Pub, The Red Lion, direkt an der B4009, Gewinner des Oxford Times Restaurant Of The Year Award im Jahr 2014.

Noch einmal das Britwell House.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Noch einmal das Britwell House.
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The Red Lion an der B4009.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 11. April 2016 at 02:00  Comments (1)  
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The Lord Crewe Arms in Blanchland (County Durham)

Mein Place mat.

Mein Placemat.

Das erste Mal wurde ich auf The Lord Crewe Arms in Blanchland aufmerksam, als ich in einem National Trust Shop in York ein Set mit Placemats kaufte. Auf einem der sechs Untersetzer war eine Abbildung des alten Gasthofs zu sehen, die mich gleich faszinierte.

Blanchland liegt ziemlich abgelegen am Rande der Pennines im County Durham an der B6306, ein sehr hübsches Dorf mit mittelalterlichem Charakter, das früher einmal von der Blanchland Abbey dominiert wurde, von der noch Reste vorhanden sind wie das Abbey Gatehouse. Dort, wo im 12. Jahrhundert einmal die Priory stand, befindet sich heute The Lord Crewe Arms, benannt nach einem Bischof in Durham namens Lord Crewe. In dem alten Haus gibt es jede Menge „nooks and crannies“, u.a. einen riesigen begehbaren Kamin in der Küche, der auch heute noch für die Zubereitung von Speisen genutzt wird und in dem sich ein „priest hole“ verbirgt.
In zwei Restaurants wird das Essen serviert: Im Bishop’s Dining Room und in The Larders. Einst war das Haus nur ein normaler Country Pub, der „pub grub“ servierte, doch seitdem The Lord Crewe Arms von der Calcot Hotelgruppe übernommen wurde, hat sich hier einiges geändert. £1.5 Millionen wurden investiert und es entstand ein luxuriöses Hotel mit einer sehr guten Küche. Simon Hicks ist der Küchenchef, der zuvor in London gearbeitet hatte. Die Karte bietet viele regionale Spezialitäten an wie wildwachsenden Knoblauch vom Blagdon Estate, Makrelen aus der Embleton Bay in Northumberland oder Shrimps aus der Morecambe Bay. Drinks werden in der wunderschönen Gewölbebar serviert.

21 Zimmer und Suiten, jeder Raum individuell gestaltet, stehen für Übernachtungen zur Verfügung. Es ist beinahe überflüssig es zu erwähnen: Auch The Lord Crewe Arms hat einen Hausgeist: Es soll sich dabei um Dorothy Forster handeln, die Nichte des Bischofs von Durham, die ihren Bruder Tom aus dem Gefängnis befreit und ihn hier in Blanchland versteckt hatte, bevor dieser ins Exil nach Frankreich floh. Dorothy, so heißt es, wartet noch immer auf die Rückkehr ihres geliebten Bruders, hier im Hotel.

Hier ist ein Film von der Wiedereröffnung des Hotels, nachdem es von der Calcot Gruppe übernommen und renoviert worden war.

Wer sich für The Lord Crewe Arms interessiert: Blanchland liegt am River Derwent, südwestlich des Derwent Reservoirs. Der nächste größere Ort ist Consett.

Lord Crewe Arms
The Square
Blanchland
Consett
County Durham
DH8 9SP

The Lord Crewe Arms in Blanchland.   © Copyright Pauline E and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Lord Crewe Arms in Blanchland.
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Das Abbey Gate House in Blanchland.   © Copyright Andrew Curtis and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Square in Blanchland.   © Copyright Jo Turner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Sir Travers Humphreys (1867-1956) – Einer der renommiertesten Anwälte und Richter Englands

The Old Bailey, die langjährige Wirkungsstätte von von Sir Travers Humphreys.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Wenn jemand das Wort „Christmas“ in seinem Namen führt wie Sir Richard Somers Travers Christmas Humphreys, dann muss es sich doch hierbei um einen netten, freundlichen, gütigen Menschen handeln, da man doch unmittelbar an Father Christmas denkt. Doch es gibt viele Menschen in der englischen Kriminalgeschichte, die diesen Gedanken weit von sich weisen würden, denn Sir Travers Humphreys war dafür verantwortlich, dass diese Menschen zum Tode bzw. zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Travers Humphreys erblickte am 4. August 1867 in der Londoner Doughty Street im Stadtteil Bloomsbury das Licht der Welt. Er studierte die Rechtswissenschaften in Cambridge und ging anschließend wieder nach London zurück, wo er in der Anwaltspraxis von Edward Besley arbeitete. Seinen ersten spektakulären Kriminalfall erlebte er im Jahr 1895, als er als Junioranwalt für die Anklage im Fall Oscar Wilde gegen den Marquess of Queensberry tätig war. Im Central Criminal Court, besser bekannt als Old Bailey, traf Humphreys im Jahr 1910 auf den Mörder Dr. Hawley Harvey Crippen, wieder auf der Seite der Anklagevertretung. Es folgte ein weiterer berühmter Fall, der „Brides in the Bath Murder Case“, in dem George Joseph Smith angeklagt wurde, drei Frauen in der Badewanne ermordet zu haben. Humphreys gelang es, zusammen mit seinen beiden Partnern, die Jury von der Schuld Smiths zu überzeugen, woraufhin dieser zum Tode verurteilt wurde.

1928 ernannte man ihn zum Richter und in dieser Eigenschaft war Humphreys mehrere Jahrzehnte bis zum Jahr 1951 tätig. In dieser Zeit verurteilte er zum Beispiel John George Haigh, den „Acid Bath Murderer“, zum Tode (ich berichtete in meinem Blog über ihn).
Ein Justizirrtum konnte der Richter allerdings nicht vermeiden, als der Mordfall Timothy Evans zur Berufung anstand. Evans wurde vorgeworfen, seine Frau und sein Baby in der Wohnung im Londoner Rillington Place ermordet zu haben. Er wurde zum Tode verurteilt; in der Berufungsverhandlung konnte er Humphreys und die beiden anderen Richter nicht von seiner Unschuld überzeugen und wurde am 9. März 1950 gehängt. Drei Jahre später stellte sich heraus, dass nicht Evans, sondern sein Nachbar John Christie der Mörder war. So eine Fehlentscheidung muss einen Richter doch sicher schwer belastet haben.

Nachdem er in den Ruhestand eingetreten war und 1953 seine Frau Zoë Marguerite verloren hatte, quartierte sich Sir Travers Humphreys in das Onslow Court Hotel im Londoner Stadtteil South Kensington ein, dem heutigen Kensington Hotel. Am 20. Februar 1956 starb Sir Travers.

Stanley Jackson schrieb 1952 eine Biografie über ihn: „The Life and Cases of Mr Justice Humphreys“ (Odhams Press). Der Autor war selbst Anwalt und kannte Humphreys persönlich.

Die Doughty Street im im Londoner Stadtteil Bloomsbury, in der Sir Travers geboren wurde.   © Copyright David P Howard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Foto meines Exemplares.

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Thomas Plume’s Library in Maldon (Essex) – Eine Sammlung alter Bücher in einer ehemaligen Kirche

Thomas Plume's Library in Maldon (Essex).   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Wer zum ersten Mal in Maldon in Essex ist und sich dort in der Innenstadt aufhält, meint an der Ecke High Street/Market Hill eine ganz normale Kirche zu sehen, neben der noch einige alte Grabsteine stehen. Erst beim näheren Hinsehen, erweist sich diese ehemalige Kirche als Bibliothek – ein Schild „Thomas Plume’s Library“ weist darauf hin. St Peter’s Church hieß das Gebäude einmal, das aus Ruinen wieder auferstanden ist und verantwortlich dafür war Thomas Plume (1630-1704), ein in Maldon geborener bibliophiler Kirchenmann des 17. Jahrhunderts. Obwohl er einen großen Teil seines Lebens als Vikar in Greenwich verbrachte, unterhielt er immer eine starke Beziehung zu seinem Geburtsort, was sich dadurch manifestierte, dass er seine über 8000 Bände umfassende Büchersammlung der Stadt Maldon überließ. Um dieser Sammlung einen angemessenen Rahmen zu geben, ließ er die Reste der verfallenen St Peter’s Church in den 1690er Jahren wieder herrichten. Seine 1704 eröffnete Bibliothek sollte für jedermann zugänglich sein, was sie noch heute ist. Die wertvollen Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert stehen noch heute in den Original-Regalen der damaligen Zeit und dürfen natürlich nicht mehr ausgeliehen werden.

Um die Bibliothek kümmert sich ein aus neun Personen bestehender Trust und eine Bibliothekarin, unterstützt von den Friends of Thomas Plume’s Library. Im Laufe der Jahrhunderte sind über 700 Bücher aus der Sammlung abhanden gekommen und man versucht immer wieder, zum Beispiel bei Auktionen, die Originale wiederzubeschaffen, was eine sehr teuere Angelegenheit sein kann. Geld wird natürlich auch ständig zur Restaurierung der in die Jahre gekommenen Folianten gebraucht. Aus Anlass des 300jährigen Bestehens haben die Trustees der Bibliothek einen OPAC spendiert, also einen Online Public Access Catalogue, in dem alle Bestände verzeichnet sind und in dem man recherchieren kann.
Außer den Büchern findet man in der Bibliothek auch noch zahlreiche Manuskripte und Aufzeichnungen von Thomas Plume sowie einige Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert.
Geöffnet ist die Bibliothek dienstags bis donnerstags von 14 Uhr bis 16 Uhr und samstags von 10 Uhr bis 12 Uhr.

Thomas Plume’s Library
Market Hill
Maldon
Essex
CM9 4PZ

West Haslerton – Ein Dorf in North Yorkshire, das zum Verkauf steht

Die Church Street in West Haslerton.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Church Street in West Haslerton.
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Bei meinen vielen Aufenthalten in der Stadt York habe ich auch mehrere Abstecher an die Ostküste von Yorkshire gemacht und dafür oft die A64 York-Scarborough benutzt. Einige Kilometer östlich von Malton führt die A64 an dem kleinen Ort West Haslerton vorbei, der über viele Jahrzehnte in einem Dornröschenschlaf verfallen schien…bis jetzt die britischen Medien über ihn berichteten. „Yorkshire village where time has stood still“ titelte denn auch die Yorkshire Post. West Haslerton steht zum Verkauf und wer bereit ist £20 Millionen auf den Tisch zu legen, kann das Dorf haben, mit „Mann und Maus“. Der Deal umfasst u.a. über 8 Quadratkilometer Fläche, 43 Häuser, einen Pub, Sportplätze, eine Tankstelle mit Werkstatt und die West Haslerton Hall, ein Herrensitz mit 21 Schlafzimmern, der seit mehreren Jahrzehnten unbewohnt ist.

Seit 150 Jahren schon ist das kleine Dorf in North Yorkshire in Privatbesitz und gehörte der Familie Dawnay, die auch in der Hall lebte. 1964 erbte Eve Dawnay West Haslerton von ihrem Vater und führte es in seinem Sinne weiter, das heißt, die Dawnays legten viel Wert auf eine intakte Dorfgemeinschaft, und die Mieten, die verlangt wurden, bewegten sich in einem überschaubaren Rahmen. Kein Wunder, dass die Bewohner sich hier wohlfühlten und nicht wegziehen wollten.
Die unverheiratete Eve Dawnay starb im Dezember 2010 im Alter von 84 Jahren und hinterließ keinen direkten Erben, und so will sich die Familie jetzt von dem Besitz trennen. Man sucht jemanden, dem die Erhaltung des sozialen Umfelds genauso wichtig ist, aber dem Dorf vielleicht ein wenig mehr Leben einhaucht. Die alteingesessene Immobilienfirma Cundalls in Malton hat den Auftrag bekommen, sich um die Veräußerung des Dorfes zu kümmern. Es bleibt zu hoffen, dass es irgendwo im Lande einen Menschen gibt, der bereit ist, die £20 Millionen zu bezahlen und den Ort nicht komplett umkrempelt. Erhaltenswert ist sicher die winzige Grundschule am Ortsrand und das Dorfgasthaus in der Church Street, das sich The Dawnay Arms nennt.

Ich berichtete in meinem Blog schon einmal über ein Dorf in Privatbesitz: Linkenholt in Hampshire.

The Dawnay Arms.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 7. April 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Pubnamen – The Goldfinger Tavern in Highworth (Wiltshire)

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Zugegeben, um einen architektonisch besonders gelungenen Pub handelt es sich hier nicht, aber er ist dafür der einzige auf der Welt, der den Namen Goldfinger Tavern trägt. Man findet ihn in Highworth, einer kleinen Stadt nördlich von Swindon am Newburgh Place. Wenn man den Ort auf der A361 durchquert, kommt man nicht daran vorbei. Um die Goldfinger Tavern zu besuchen, sollte man von der A361 mitten im Ort auf die St Michael’s Avenue abbiegen, die direkt am Pub vorbeiführt.

Was ist jetzt das Besondere an der Tavern? Goldfinger ist sicher jedem bekannt als James Bond-Roman von Ian Fleming, 1959 erschienen, und als Spielfilm aus dem Jahr 1964 mit Sean Connery als James Bond und Gert Fröbe als Auric Goldfinger (hier ist der Trailer). Der geistige Vater von 007, besagter Ian Fleming, wohnte im Nachbardorf von Highworth, in Sevenhampton in seinem Haus Warneford Place und wurde 1964 auf dem Kirchhof von St James beerdigt (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Am 16. März 1972 wurde die Goldfinger Tavern eröffnet, und die Witwe Ian Flemings, Ann Fleming, ließ es sich nicht nehmen, bei der Eröffnungsfeier dabeizusein. Sie durfte das erste Bier zapfen, in Anwesenheit einiger Figuren aus dem Roman/Film, die von Mitgliedern der Highworth Drama Society verkörpert wurden. Einer war als Oddjob verkleidet, nach dem auch eine Bar in der Tavern benannt wurde. Damals gab es auch ein Pubschild mit dem stilisierten Gesicht von Goldfinger, das heute nicht mehr existiert.

James Bond-Fans, die Ian Flemings Grab im benachbarten Sevenhampton einen Besuch abgestattet haben (seine Frau Ann liegt seit 1981 neben ihm), werden sicher auch die Goldfinger Tavern in Highworth aufsuchen, um dort ein Pint auf das Wohl ihres Idols zu trinken.

Goldfinger Tavern
Newburgh Place
Highworth, Swindon SN6 7DN

 

 

Published in: on 6. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Paul Verlaine als Lehrer in Stickney (Lincolnshire)

Die William Lovell Church of England Academy.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die William Lovell Church of England Academy.
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Stickney ist ein Dorf an der A16 in Lincolnshire, inmitten der Fens gelegen. Dieser kleine Ort beherbergte einmal einen berühmten französischen Dichter. Paul Verlaine (1844-1896) unterrichtete ein Jahr lang, von 1875 bis 1876, in der William Lovell’s School Französisch, Latein und Zeichnen. Verlaine, damals 30 Jahre alt, hatte schon ein bewegtes Leben hinter sich, er war Alkoholiker und hatte auch schon 18 Monate im Gefängnis verbracht. Nach seinem Gefängnisaufenthalt ging er direkt nach England; aber in Stickney wusste man von seinem Vorleben nichts, auch nicht von seinem Hang zu jungen Männern, sonst hätte man ihn wohl nicht in der Schule angestellt.

Die Schule hatte einen guten Ruf und stand unter der Leitung von William Andrews, der in London studiert hatte. Verlaine fühlte sich wohl in Stickney, unternahm lange Spaziergänge und lernte, Fußball zu spielen. Er hatte auch kein Problem damit, als Katholik mit seinen Schülern Gottesdienste in der anglikanischen Dorfkirche St Luke’s zu begleiten. Manchmal machten sich seine Zöglinge auch ein bisschen lustig über den Mann mit dem französischen Akzent. So fragten sie ihn, was denn Wasser auf Französisch heißt; wenn er dann antwortete „L’Eau“ wiederholten sie „Water“ – „L’Eau“, was dann wie Napoleons Niederlage in der Schlacht von „Waterloo“ klang. Aber Monsieur Verlaine nahm das alles gelassen hin. In seiner Erinnerung gehörte diese Zeit zu der glücklichsten seines Lebens. Aber nach einiger Zeit fand er das Leben in dem kleinen Dorf doch etwas zu langweilig, und so zog er nach einem tränenreichen Abschied, im März 1876 nach Boston, das etwa 16 Kilometer von Stickney entfernt liegt und wo er mehr Unterhaltungsmöglichkeiten (und Pubs) fand.

Als Paul Verlaine wieder zurück in Paris war, ging es steil abwärts mit ihm. Er lebte in Armenhäusern, verbrachte einige Zeit in Krankenhäusern und gab das wenige Geld, das er hatte  für Alkohol und Prostituierte aus. Am 8. Januar 1896 starb er in Paris.

Die heute William Lovell Church of England Academy genannte Schule liegt an der Main Road, der A16, in Stickney. St Luke’s, die Dorfkirche, findet man einige hundert Meter weiter nördlich.

Die Main Road in Stickney.   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Main Road in Stickney.
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St Luke's Church an der Main Road in Stickney.   © Copyright J.Hannan-Briggs and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Ein Superflugzeug und ein verschwundenes Dorf, das ihm Platz machen musste

Die Bristol Brabazon. This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public Domain.

Die Bristol Brabazon.
This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public Domain.

Ich bleibe heute noch einmal, wie in meinem gestrigen Blogeintrag, im Bristol des Zweiten Weltkrieges, als das britische Verkehrsministerium den Plan fasste, ein riesiges Verkehrsflugzeug zu bauen, das den Nordatlantik überqueren sollte, ohne zwischenlanden zu müssen. Ein Mann mit dem wunderschönen Namen John Theodore Cuthbert Moore-Brabazon, 1. Baron Brabazon of Tara hatte den Vorsitz der Kommission, die sich damit beschäftigte. Die Bristol Aircraft Company wurde mit dem Bau des Flugzeugs beauftragt, das den Namen Bristol Brabazon tragen sollte. Einige Details zu dem fliegenden Riesen:
Es war knapp 54 Meter lang, die Spannweite betrug über 70 Meter und es hatte eine Höhe von 15,24 Meter. Angetrieben wurde die Brabazon von acht Bristol Centaurus-Motoren. Die geplante Reichweite betrug 8900 Kilometer und die Höchstgeschwindigkeit 480 km/h. 100 Passagiere sollten die Reise in die USA machen können und das auf sehr komfortable Weise, zumindest für damalige Verhältnisse.

Am 4. September war es soweit, dass der Prototyp auf dem Filton Aerodrome seinen Jungfernflug absolvieren konnte. Um das Flugzeug aber überhaupt bauen zu können, waren zwei Dinge nötig gewesen: Ein riesiger Hangar und eine erweiterte Landebahn. Der Superhangar musste extra gebaut werden, damit darin die Endmontage vorgenommen werden konnte, die Landebahnerweiterung erwies sich da als schwieriger. Die bereits existierende Landebahn war nur 610 Meter lang, man benötigte aber über 2440 Meter…und da stand ein kleines Dorf im Wege. In Charlton, so der Name des Dorfes standen 38 Häuser, ein Postamt, ein Dorfgemeinschaftshaus und ein Pub, The Carpenters Arms. Eine funktionierende Gemeinschaft hatte sich hier rund um einen Ententeich geformt – und die musste weg. Den Bewohnern flatterte ein Schreiben der Regierung in die Briefkästen, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass ihr Dorf plattgemacht werden musste, weil die Landebahnverlängerung für die Brabazon Vorrang hatte. Ein neues Dorf sollte für sie gebaut werden, was allerdings nie geschah; die Charltonians wurden stattdessen in das nahegelegene Patchway umgesiedelt. Die Bulldozer kamen und machten wie angekündigt alles platt, das Dorf verschwand unter der Asphaltdecke der Landebahn… völlig umsonst wie sich herausstellte, denn erstens benötigte die Brabazon gar keinen so langen Anlauf, um in die Lüfte zu steigen und zweitens erwies sich das Flugzeug als Flop. Keine Airline interessierte sich dafür, keine Bestellungen gingen bei der Bristol Aircraft Company ein. Man unternahm noch einen zaghaften Versuch, eine verbesserte Version zu bauen, blieb damit aber mittendrin stecken. Die fertige Brabazon und die halbfertige Schwester wurden verschrottet. Viele Millionen Pfund an Steuergeldern wurden ausgegeben, ein Dorf dem Erdboden gleich gemacht, für nichts und wieder nichts. Allerdings nutzte man den Monsterhangar und die Landebahn weiter. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis auf dem Gelände wieder ein ganz besonderes Flugzeug hergestellt wurde, das sich allerdings auch wieder als Flop erwies: Die Concorde, von der nur 20 Exemplare gebaut und 14 im Liniendienst eingesetzt wurden.

Das Bristol Filton Aerodrome schloss im Dezember 2012 seine Pforten und wird jetzt für andere Zwecke genutzt.

Diese Dokumentation zeigt die Entwicklungsgeschichte der Bristol Brabazon.

Die riesigen Hangars, in denen die Bristol Brabazon und die Concorde gebaut wurden. This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone.

Die riesigen Hangars, in denen die Bristol Brabazon und die Concorde gebaut wurden.
This work has been released into the public domain by its author, Arpingstone.

Published in: on 4. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Wie die Stadt Bristol in den 1940er Jahren dazu beitrug, den East River Drive in New York zu bauen

Teil des East River Drives in New York, der heute Franklin D. Roosevelt Drive heißt. Author: Bob Jagendorf. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Teil des East River Drives in New York, der heute Franklin D. Roosevelt Drive heißt.
Author: Bob Jagendorf.
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Im Zweiten Weltkrieg wurden viele englische Städte durch deutsche Bombenangriffe zerstört. Neben London, Coventry und Plymouth, um nur einige zu nennen, traf es auch die Stadt Bristol sehr hart. Am 24. November 1940 fegte eine erste Angriffswelle über Bristol, mit verheerenden Auswirkungen. Neben Tausenden von Toten und Verletzten fielen auch Wohnhäuser, Bürogebäude, Kirchen den Bomben zum Opfer, und der Schutt der zerstörten Gebäude türmte sich meterhoch. Wohin nun damit?
Da kam jemand von den städtischen Verantwortlichen auf eine Idee. Viele Schiffe, die aus den USA Vorräte nach Großbritannien brachten, fuhren leer wieder über den Atlantik zurück. Als Ballast füllte man diese Schiffe mit dem Bauschutt aus Bristol auf, die den wiederum in New York abluden, und da man dort damals gerade den East River Drive baute, verwendete man das, was von den zerstörten Häusern in Bristol übriggeblieben war, als Fundament für den Straßenbau auf der anderen Seite des Atlantiks und schüttete einen Teil des East Rivers auf.

In Erinnerung an diese Aktion benannte man die Aufschüttung am East River „Bristol Basin“ und enthüllte am 29. Juni 1942 in Anwesenheit von Bürgermeister Fiori La Guardia (nach dem auch einer der Flughäfen New Yorks benannt wurde) eine Bronzeplakette an der Ecke East River Drive und 25th Street.
Anfang der 1970er Jahre errichte man auf dem Gelände des Bristol Basins einen viertürmigen Wohnkomplex, dem man den Namen Waterside Plaza gab. Die Erinnerungsplakette aus dem Jahr 1942 wurde während der Bauarbeiten entfernt und im Dezember 1974 erneut an einer Mauer angebracht. Dieses Mal enthüllte sie der Hollywood-Schauspieler Cary Grant, der 1904 in Bristol geboren worden war. Hier ist ein Film über die Plaketten auf beiden Seiten des Atlantiks (eine Replika dieser Plakette wurde auch im Zentrum von Bristol angebracht.)

Der East River Drive in New York heißt heute Franklin D. Roosevelt Drive. Die wenigsten, die diese autobahnähnliche Straße befahren, sind sich wohl im klaren darüber, dass sie auf dem Abschnitt zwischen der 23. und der 34. Straße über Baumaterial fahren, das vor mehr als  75 Jahren noch einige Tausend Kilometer entfernt in England in Form von Häusern stand.

Waterside Plaza in New York, erbaut auf dem Schutt zerstörter Häuser aus Bristol. Author: Beyond My Ken. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International.

Waterside Plaza in New York, erbaut auf dem Schutt zerstörter Häuser aus Bristol.
Author: Beyond My Ken.
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Published in: on 3. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Richard Holland: Yorkshire Ghost Stories

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

„Prepare to be frightened by these terrifying tales from around Yorkshire“ heißt es auf dem Titelblatt dieses Buches, das zu einer 30-bändigen Reihe „Ghost Stories“ gehört, die im Verlag Bradwell Books in Sheffield erscheint. Richard Holland hat diesen Band über Yorkshire, die größte Grafschaft Englands, verfasst. Das kleine 80 Seiten umfassende Bändchen passt problemlos in die Jackentasche eines Geisterjägers bzw. in die Handtasche einer Geisterjägerin.
Am Anfang des Buches stehen die beiden für ihre Vielzahl an Geistern bekannten Städte York und Whitby. Kurz und knapp schildert der Autor die Schauplätze der Geistererscheinungen, als da sind das Treasurer’s House, das King’s Manor und Micklegates Holy Trinity in York und Bagdale Hall, Caedmon House und die Abbey in Whitby.

In weiteren Kapiteln stellt Richard Holland u.a. Burton Agnes Hall  (berühmt-berüchtigt für den „Screaming Scull“) vor, die Town Hall in Leeds, wo der Geist des Mörders Charlie Peace sein Unwesen treibt, und die Town Hall von Sheffield, in der ein „Ghost“ den Bediensteten dort in einer Teeküche Streiche spielt.

Der kleine Band ist mit vielen Schwarz-Weiß-Fotos versehen. Man kennt viele der Geschichten schon aus anderen Zusammenstellungen über die mit Geistern so reich versehene Grafschaft, aber für £3.99 ist man mit dem Buch gut bedient und gut gerüstet für eine Yorkshire Ghost Tour.

Richard Holland: Yorkshire Ghost Stories. Bradwell Books 2014. 80 Seiten. ISBN 978-1-90991-404-9

Das Treasurer's House in York. Eigenes Foto.

Das Treasurer’s House in York.
Eigenes Foto.

Whitby Abbey. Eigenes Foto.

Whitby Abbey.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 2. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Waddesdon Village – Ein hübsches Dorf in Buckinghamshire zu Füßen des berühmten Manor House

Waddesdon High Street. Links im Hitergrund The Lion.   © Copyright Des Blenkinsopp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Waddesdon High Street. Links im Hintergrund The Lion.
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Über das wunderschöne Waddesdon Manor habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben, zuletzt über Weihnachten im Manor House. Erbaut wurde es von 1874 bis 1883 von dem französischen Architekten Gabriel-Hippolyte Destailleur im Auftrag des schwerreichen Barons Ferdinand von Rothschild. Eine Information am Rande für alle Freunde von Inspector Barnaby: Hier wurden die Szenen gedreht für Episode 10 „Death of a Stranger“ (dt. „Ein Toter, den niemand vergisst“), als die Barnabys Urlaub in Frankreich machen, und da Waddesdon Manor den Loire-Schlössern nachempfunden wurde, passte das optimal.

Zu Füßen des National Trust-Anwesens liegt das Dorf Waddesdon, das durchaus auch einen Besuch wert ist und sich für einen Spaziergang anbietet. Baron Ferdinand von Rothschild hat hier ebenfalls seine Spuren hinterlassen, indem er zum Beispiel Cottages bauen ließ. An der High Street errichtete er 1887 das Five Arrows Hotel, benannt nach dem Familienwappen der Rothschilds, das aus fünf Pfeilen besteht, die die gebündelte Kraft der fünf Söhne von Mayer Amschel Rothschild symbolisieren. Das Hotel befindet sich dicht an der Zufahrt zum Manor House und wurde von dem Architekten William Taylor errichtet, der aus Bierton, einem Nachbardorf von Aylesbury stammte. Die 16 Zimmer des Hotels tragen alle Namen von berühmten Rothschildweinen; die Gäste erhalten eine kostenlose Eintrittskarte für die Besichtigung der Gärten des Waddesdon Manors.

Nur wenige Meter vom Hotel entfernt, findet man die Village Hall, die Baron Ferdinand von Rothschild 1897 für die Dorfbewohner errichten ließ und die bis zum Jahr 1968 von der Verwaltung des Manor House bewirtschaftet wurde. Seitdem ist das architektonisch sehr hübsche Dorfgemeinschaftshaus in die Hände einer Wohltätigkeitsorganisation übergegangen.

Auch The Lion an der High Street, schräg gegenüber von der Village Hall, ist ein attraktives Gebäude, in dem einige Gästezimmer vorgehalten werden.

Wer sích für Kirchen interessiert, sollte der Dorfkirche St Michael and All Angels einen Besuch abstatten, die im 12. Jahrhundert gebaut wurde und über einen Taufstein verfügt, der einmal in der Kapelle des Blenheim Palastes stand und eine Schenkung des 9. Duke of Marlboroughs war. Eine wirklich sehr schöne und sehenswerte Kirche!

Wohin man in Waddesdon Village auch schaut, überall erfreuen hübsche Häuser das Auge. Wer sich das Manor House mit seinen Gärten ausgiebig ansehen möchte, der sollte sich überlegen, hier im Dorf eine Übernachtung einzulegen. Der einzige Nachteil: Die vielbefahrene A41 (Aylesbury – Bicester), die mitten hindurchführt, da kann es schon mal laut werden.

The Five Arrows Hotel.    © Copyright Philip Jeffrey and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Five Arrows Hotel.
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Waddesdon Village Hall.    © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Waddesdon Village Hall.
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St Michael and All Angels. Author: Andrewrabbot. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

St Michael and All Angels.
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Published in: on 1. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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