Wie die Stadt Bristol in den 1940er Jahren dazu beitrug, den East River Drive in New York zu bauen

Teil des East River Drives in New York, der heute Franklin D. Roosevelt Drive heißt. Author: Bob Jagendorf. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Teil des East River Drives in New York, der heute Franklin D. Roosevelt Drive heißt.
Author: Bob Jagendorf.
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Im Zweiten Weltkrieg wurden viele englische Städte durch deutsche Bombenangriffe zerstört. Neben London, Coventry und Plymouth, um nur einige zu nennen, traf es auch die Stadt Bristol sehr hart. Am 24. November 1940 fegte eine erste Angriffswelle über Bristol, mit verheerenden Auswirkungen. Neben Tausenden von Toten und Verletzten fielen auch Wohnhäuser, Bürogebäude, Kirchen den Bomben zum Opfer, und der Schutt der zerstörten Gebäude türmte sich meterhoch. Wohin nun damit?
Da kam jemand von den städtischen Verantwortlichen auf eine Idee. Viele Schiffe, die aus den USA Vorräte nach Großbritannien brachten, fuhren leer wieder über den Atlantik zurück. Als Ballast füllte man diese Schiffe mit dem Bauschutt aus Bristol auf, die den wiederum in New York abluden, und da man dort damals gerade den East River Drive baute, verwendete man das, was von den zerstörten Häusern in Bristol übriggeblieben war, als Fundament für den Straßenbau auf der anderen Seite des Atlantiks und schüttete einen Teil des East Rivers auf.

In Erinnerung an diese Aktion benannte man die Aufschüttung am East River „Bristol Basin“ und enthüllte am 29. Juni 1942 in Anwesenheit von Bürgermeister Fiori La Guardia (nach dem auch einer der Flughäfen New Yorks benannt wurde) eine Bronzeplakette an der Ecke East River Drive und 25th Street.
Anfang der 1970er Jahre errichte man auf dem Gelände des Bristol Basins einen viertürmigen Wohnkomplex, dem man den Namen Waterside Plaza gab. Die Erinnerungsplakette aus dem Jahr 1942 wurde während der Bauarbeiten entfernt und im Dezember 1974 erneut an einer Mauer angebracht. Dieses Mal enthüllte sie der Hollywood-Schauspieler Cary Grant, der 1904 in Bristol geboren worden war. Hier ist ein Film über die Plaketten auf beiden Seiten des Atlantiks (eine Replika dieser Plakette wurde auch im Zentrum von Bristol angebracht.)

Der East River Drive in New York heißt heute Franklin D. Roosevelt Drive. Die wenigsten, die diese autobahnähnliche Straße befahren, sind sich wohl im klaren darüber, dass sie auf dem Abschnitt zwischen der 23. und der 34. Straße über Baumaterial fahren, das vor mehr als  75 Jahren noch einige Tausend Kilometer entfernt in England in Form von Häusern stand.

Waterside Plaza in New York, erbaut auf dem Schutt zerstörter Häuser aus Bristol. Author: Beyond My Ken. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International.

Waterside Plaza in New York, erbaut auf dem Schutt zerstörter Häuser aus Bristol.
Author: Beyond My Ken.
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Published in: on 3. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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