Der Mordfall Helen Davidson aus dem Jahr 1966 – Bis heute ungelöst

Hodgemoor Wood, Schauplatz des Verbrechens.   © Copyright Peter and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hodgemoor Wood, Schauplatz des Verbrechens.
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Vielleicht hätten ja die Detectives Tom bzw. John Barnaby diesen Mordfall gelöst, der sich mitten in ihrem Jagdgebiet Midsomer County, sprich: Buckinghamshire, am 9. November 1966 abgespielt hat und bis heute ungelöst ist. An diesem Tag wurde die Ärztin für Allgemeinmedizin aus Amersham, Dr. Helen Davidson, im Hodgemoor Wood ermordet. Was war da genau passiert?

Dr. Davidson ging am Nachmittag des 9. November mit ihrem Terrier Fancy in dem Waldgebiet spazieren, das südlich von Amersham und westlich von Chalfont St. Giles liegt. Hodgemoor Wood trägt die Bezeichnung Site of Specific Scientific Interest, was bedeutet, dass das Gebiet von besonderem Interesse für den Naturschutz ist. Ihr Auto hatte sie auf einem Parkplatz an der A 355 abgestellt, der Verbindungsstraße von Amersham nach Beaconsfield. Dort fand man es in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages, ihre Leiche wurde kurz darauf rund 500 Meter vom Parkplatz entfernt aufgespürt. Helen Davidson war mit einem Ast erschlagen und übel zugerichtet worden, ihr Hund saß neben ihr.

Das Motiv für den Mord an der Ärztin blieb im Dunkeln, es war kein Raub und es handelte sich nicht um ein Sexualdelikt. Vermutungen wurden laut, dass sie zufällig zwei Liebende in flagranti erwischte, die sie daraufhin umbrachten; aber untermauern konnte niemand diesen Verdacht. Auch die ausgesetzte Belohnung für die Aufklärung des Mordes der Zeitung News of the World in Höhe von £100,000 zeigte keine Wirkung. Chief Superintendent Jack Williams von New Scotland Yard, der auf den Fall angesetzt war, kam nicht weiter; es gab zwar Verdächtige, aber keine Beweise. So wurde der Mordfall Dr. Helen Davidson ein sogenannter „Cold Case“, ein ungeklärter Kriminalfall.

Die Ärztin wohnte in einem Haus namens Ashlyn, das sich in der North Road in Amersham befand, einer ruhigen, baumbestandenen Straße.

Wer sich für diesen Fall interessiert, sollte unbedingt zu dem Buch „Injured Parties: Solving the Murder of Dr Helen Davidson“ von Monica Weller greifen, das  gerade erst am 12. Mai im Verlag The History Press erschienen ist (ISBN 978-0750966955). Die Autorin bekam keinen Zugang zu den Polizeiakten und musste ihre Recherchen vom Punkt Null beginnen, keine einfache Aufgabe nach so vielen Jahren.

Mich hat der Fall besonders interessiert, da ich die Kleinstadt Amersham ganz gut kenne und in meinem Blog darüber berichtet habe.

Amersham Old Town, wo Dr. Davidson praktizierte. Eigenes Foto.

Amersham Old Town, wo Dr. Davidson praktizierte.
Eigenes Foto.

Published in: on 31. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Roald Dahl: Ah, Sweet Mystery of Life

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Ich finde Roald Dahls Kurzgeschichten immer wieder sehr amüsant zu lesen. Sie sind ins Deutsche übersetzt worden und heißen zum Beispiel „Küsschen, Küsschen“, „…und noch ein Küsschen“ und „Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Dahl hat den größten Teil davon in den 1950er und 1960er Jahren geschrieben. Die Fans des 1916 in Wales geborenen und in Great Missenden (Buckinghamshire) 1990 gestorbenen Schriftsteller feiern in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag und da dürfte im Roald Dahl Museum and Story Centre in Great Missenden einiges los sein.

Viele von Dahls Kurzgeschichten spielen in Buckinghamshire, Oxfordshire und den Chiltern Hills, also dort, wo er bis zuletzt lebte. Auch die 6 Geschichten in dem Band „Ah, Sweet Mystery of Life: The Country Stories of Roald Dahl“ sind in dieser Region angesiedelt. Im Mittelpunkt steht Claud Cubbage, der in einer Tankstelle arbeitet und „nebenberuflich“ auch als Wilderer arbeitet. In „The Champion of the World“ gehen er und Gordon auf Fasanenjagd, aber mit einer ganz speziellen Methode, in dem sie den Fasanen mit Schlafmittel versehene Rosinen hinwerfen. Die Auflösung der Geschichte ist wunderschön… Diese Story spielt in einem Waldgebiet bei Haddenham, das früher dem Duke of Buckingham gehörte.

Claud und Gordon agieren auch in „Mr. Feasey“ und da geht es um ein Windhundrennen, bei dem so einiges schiefläuft. In der Geschichte wird Dahls Wohnort und der Pub „The Nags Head“ erwähnt, den ich einmal besucht und über den ich in meinem Blog geschrieben habe.

Meine Lieblingsgeschichte in dem Sammelband ist „Parson’s Pleasure„, in der Reverend Cyril Winnington Boggis durchs Land zieht und in abgelegenen Farmen antike Möbelstücke sucht, von deren Wert die Besitzer nichts ahnen. Die kauft er dann zu einem Spottpreis auf, um sie in London mit einem satten Gewinn wieder zu verkaufen. Auf dem Bauernhof von Mr. Rummins erblickt er ein Chippendale-Möbel aus dem 18. Jahrhundert, das er unbedingt haben muss und das er auch bekommt, aber anders, als er sich das vorgestellt hat… Diese Geschichte hat Roald Dahl auf einer Farm angesiedelt, die unterhalb des Hügels von Brill in Buckinghamshire liegt.

Außer der titelgebenden Geschichte sind in dem Band noch enthalten: The Ratcatcher, Rummins und Mr. Hoddy. Lesevergnügen pur!

Roald Dahl:  Ah, Sweet Mystery of Life. Penguin Books 1990. 161 Seiten. ISBN 0-14-011847-0

Haddenham in Buckinghamshire. Im nahegelgenen Wald spilet "The Champions of the World". eigenes Foto.

Haddenham in Buckinghamshire. Im nahegelegenen Wald spielt „The Champion of the World“.
Eigenes Foto.

The Nags Head in Great Missenden (Buckinghamshire). Eigenes Foto

The Nags Head in Great Missenden (Buckinghamshire). Kommt in „Mr. Feasey“ vor.
Eigenes Foto

Brill in Buckinghamshire. Schauplatz von "The Parson's Pleasure". Eigenes Foto.

Brill in Buckinghamshire. Schauplatz von „Parson’s Pleasure“.
Eigenes Foto.

Published in: on 30. Mai 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Rowland Hill aus Kidderminster – Der Erfinder der Briefmarke

This work is in the public Domain.

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Vor längerer Zeit habe ich in meinem Blog über einen gewissen Rowland Hill geschrieben, der als General in Shrewsbury in Shropshire auf einer Säule zu finden ist und der an der Seite von Wellington in der Schlacht von Waterloo kämpfte. Mit einem anderen Mann, der ebenfalls Rowland Hill hieß, möchte ich mich heute ein wenig beschäftigen. Er ist der Neffe des „Säulen-Generals“ und wurde 1795 in Kidderminster (Worcestershire) geboren. Sein Beitrag zur Entwicklung des britischen Postwesens war historisch gesehen sicher weitreichender als die militärischen Manöver seines Onkels. Nicht nur ein Shopping Centre in seiner Geburtsstadt hat man nach ihm benannt, er wurde auch mit einem Denkmal geehrt, das diese Inschrift trägt:
„Sir Rowland Hill. K.C.B.
Born At Kidderminster 1795
Buried In Westminster Abbey 1879
To His Creative Mind And Patient Energy
The World Is Indebted
For The
Penny Postage
Introduced 1840“

Die von Sir Thomas Brock geschaffene Marmorstatue steht vor der Town Hall von Kidderminster (in der King Edward Street in London gibt es noch ein Bronze-Denkmal für ihn). Auf der oben angeführten Inschrift steht es zu lesen: Rowland Hill war der Erfinder der Briefmarke, und die erste, die man auf Briefen verwendete, war die Penny Black, damals in einer Auflage von 68 808 000 Stück hergestellt. Es gibt heute nicht mehr allzu viele davon; Sammler zahlen für eine postfrische, unbenutzte Marke rund £4,000. Eine Besonderheit der Penny Black: sie war weltweit die erste selbstklebende Briefmarke. Nicht weit von Rowland Hills Denkmal entfernt, erinnert ein Wetherspoon-Pub namens The Penny Black an den berühmten Sohn der Stadt.

Ursprünglich bezahlte der Empfänger das Porto des Briefes, was sich aber als unpraktisch erwies, denn manche nahmen den Brief einfach nicht an, und wer kam dann für die Kosten auf? Viel einfacher (und kostensparender) war da schon die „Methode Hill“, dass eben der Absender die Briefmarke kaufte und sie auf den Brief klebte. Eine Revolution im Postwesen nahm ihren Lauf.

Später beschäftigte sich Rowland Hill mit der Eisenbahn und wurde Vorsitzender der London and Brighton Railway, wo er für komfortable Züge und niedrige Fahrtkosten sorgte, was der Stadt Brighton sehr zugute kam.

1879 starb Rowland Hill in Hampstead in London, wo man eine Straße nach ihm benannte; er wurde in der Westminster Abbey beigesetzt.

Hills Statue vor der Town Hall von Kidderminster.   © Copyright Colin Park and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hills Statue vor der Town Hall von Kidderminster.
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Wetherspoons Penny Black Pub in Kidderminster.   © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wetherspoons Penny Black Pub in Kidderminster.
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Plakette an Hills Wohnhaus in Hampstead. Gleich um die Ecke findet man die Rowland Hill Street.   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Plakette an Hills Wohnhaus in Hampstead. Gleich um die Ecke findet man die Rowland Hill Street.
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D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex) Teil 2: Margery Allingham (1904-1966)

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Nachdem Dr. John Henry Salter, über den ich gestern in meinem Blog berichtete, gestorben war, zog 1935 die Kriminalromanautorin Margery Allingham in das D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex), in dem sie ebenfalls bis zu ihrem Tode im Jahr 1966 leben sollte. Ihr Vorgänger hatte noch zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass seine Jagdtrophäen an Museen verteilt wurden, so dass Margery Allingham und ihr Ehemann Philip Youngman Carter, kurz „Pip“ genannt, in ein Haus ohne ausgestopfte Tiere ziehen konnte.

Allingham war eine bedeutende Autorin von Kriminalromanen; sie stand allerdings nicht in der ersten Reihe wie Agatha Christie oder Dorothy Sayers. Im Mittelpunkt ihrer Krimis steht der Gentleman-Detektiv Albert Campion, der erstmals 1929 in dem Buch „The Crime at Black Dudley“ (dt. „Der italienische Dolch“) auftaucht und letztmals 1968 in dem von Pip Carter vollendeten Buch „Cargo of Eagles“ (dt. „Verschwundene Fracht“). Viele von Allinghams Kriminalromanen wurden ins Deutsche übersetzt, sind aber alle vergriffen und nur noch antiquarisch oder als E-Book erhältlich. Die BBC verfilmte von 1989 bis 1990 einige Romane und Kurzgeschichten unter dem Titel „Campion“ (zwei Staffeln mit insgesamt 16 Episoden); den Titelhelden spielte damals Peter Davison. Hier ist der Vorspann der Serie zu sehen.

In ihrem einzigen Sachbuch, das Margery Allingham 1941 veröffentlichte und das unter dem Titel „The Oaken Heart: The Story of an English Village at War„“ erschien, beschäftigt sie sich mit ihrem Wohnort Tolleshunt D’Arcy zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. D’Arcy House wurde zu einem Air Raid Precautions Post umfunktioniert und Soldaten dort einquartiert. Sie schrieb zu dieser Zeit gerade an ihrem Roman “ Traitor’s Purse“ (dt. „Judaslohn“), konnte sich aber nicht so richtig darauf konzentrieren, da es in ihrem Haus doch recht unruhig zuging. Allingham zeigt den „spirit“, der damals im Dorf herrschte angesichts der Invasionsgefahr und die Hilfsbereitschaft der Bewohner gegenüber den aus der Hauptstadt flüchtenden Menschen.

Margery und Pip waren in das Dorfleben integriert, sie besuchten die örtlichen Pubs und Pip organisierte die jährlichen Cricketmatches zwischen einer Dorfauswahl und dem Londoner Thursday Club, in dem er Mitglied war.

Bis in die 1960er Jahre schrieb Margery Allingham weiter Krimis mit ihrem Serienhelden Albert Campion, bis sie an Krebs erkrankte und am 30. Juni 1966 starb, das heißt, dass sich ihr Todestag in diesem Jahr zum 50mal jährt. Beigesetzt wurde sie auf dem Kirchhof von St Nicholas. Pip Carter starb drei Jahre später und auf ihrem gemeinsamen Grabstein steht zu lesen:

Margery Louise
Wife Of
Philip
Youngman Carter
Who Wrote As
Margery Allingham
1904-1966
To Know Her Was To Love Her

Philip
Her Dearly Beloved Husband
1904-1969

Der Essex County Council hat am D’Arcy House oberhalb der Eingangstür eine blaue Plakette angebracht, mit der daran erinnert wird, dass Margery Allingham hier gewohnt hat. Neben der Tür findet man die Plakette für Dr. Salter. Nach den beiden Hausbewohnern hat man im Dorf zwei Straßen benannt; direkt gegenüber Salter’s Meadow, eine Sackgasse, und ein Stückchen die South Street hinunter, Margery Allingham Place, ebenfalls eine Sackgasse.

Margery Allingham Place in Tolleshunt D'Arcy.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Margery Allingham Place in Tolleshunt D’Arcy.
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Eine Auswahl meiner Margery Allingham-Romane.

Eine Auswahl meiner Margery Allingham-Romane.

D’Arcy House in Tolleshunt D’Arcy (Essex) Teil 1: Dr. John Henry Salter (1841-1932), der unermüdliche Tagebuchschreiber

D'Arcy House.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

D’Arcy House an der South Street von Tolleshunt D’Arcy.
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Ich bin immer wieder entzückt mit welchen hübschen Ortsnamen man in England konfrontiert wird; besonders toll fand ich Tolleshunt D’Arcy in der Grafschaft Essex, nicht weit vom Blackwater Estuary entfernt, dort, wo sich die B1023 und die B1026 kreuzen. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht näher auf den Ursprung des Namens eingehen, sondern auf ein Haus, das an der South Street liegt und D’Arcy House heißt. Hier wohnte einmal von 1864–1932 Dr John Henry Salter, ein Arzt, der nicht nur durch seine medizinischen Verdienste bekannt wurde, sondern auch durch seine Tagebücher, die er im Alter von 8 Jahren begann und erst mit 91 Jahren beendete (in seinem Sterbejahr). 80 Bände hatte Salter gefüllt und dabei über zehn Millionen Wörter geschrieben. Er äußerte sich darin über das Leben auf dem Land, seine Arztpraxis, Freimaurerei, Persönlichkeiten aus der Region und seine Meinung über sie, den Krimkrieg, den Ersten Weltkrieg usw. usw. 1933 wurde eine Zusammenfassung aus den Tagebüchern unter dem Titel „Dr Salter of Tolleshunt D’Arcy in the County of Essex: His Diary and Reminiscences„, herausgegeben von John Ockelford Thomson, in London veröffentlicht. Ich glaube kaum, dass jemand das komplette Tagebuch jemals gelesen hat.
Dr. Salter war außerdem ein leidenschaftlicher Jäger, der auch in ferne Länder reiste, um dort Großwild zu schießen. Die Trophäen hatte er alle im D’Arcy House untergebracht. Direkt vor seiner Haustür, in der Marschlandschaft des Blackwater Estuary, lebten unzählige Vögel, die er mit seinem Gewehr gern reduzierte. Auch über seine gefiederten Freunde schrieb er Bücher, zum Beispiel „Bird Life Throughout the Year“ (London 1913). Der Mann muss einen sagenhaften Verbrauch an Tinte gehabt haben, denn zusätzlich zu seinen Tagebüchern und den Büchern über die Vogelwelt verfasste er auch noch einen Führer für die Themse, von der Quelle bis zur Mündung, und Monografien über Pflanzen in Wales.

So ganz nebenbei soll er auch noch 7000 Kindern in die Welt verholfen und sich natürlich um das Wohl seiner Patienten gekümmert haben. Ach ja, Salter hatte ebenfalls einen hohen Posten in der Freimaurerloge und war Vizepräsident des English Kennel Clubs, denn er erschoss nicht nur Tiere, sondern liebte sie auch, zumindest Hunde. Was für ein Leben!

Am 17. April 1932 starb er in Tolleshunt D’Arcy und wurde auf dem Kirchhof von St Nicholas an der Church Road beigesetzt. Am D’Arcy House wurde ihm zu Ehren eine blaue Plakette angebracht

1935 zog eine in der Welt der Kriminalliteratur bekannte Frau in das D’Arcy House in, über die ich in meinem nächsten Blogeintrag schreiben werde.

St Nicholas Church in Tolleshunt D'Arcy. Hier auf dem Kirchhof ruht Dr. Salter nach eineme langen erfüllten Leben.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Nicholas Church in Tolleshunt D’Arcy. Hier auf dem Kirchhof ruht Dr. Salter nach einem langen erfüllten Leben.
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Hunting the Earl of Rone – Ein mehrtägiges Spektakel in Combe Martin (Devon)

Der Earl of Rone. Author: Andy Kyte. Creative Commons 2.0.

Der Earl of Rone.
Author: Andy Kyte.
Creative Commons 2.0.

Vor einigen Jahren habe ich in meinem Blog schon einmal den sehenswerten Pack o‘ Cards Inn in Combe Martin im Norden Devons vorgestellt, der wie ein Kartenspiel gestaltet worden ist. In diesem Küstenort  spielt sich jedes Jahr Ende Mai während des Bank Holiday-Wochenendes ein kurioses, merkwürdiges Spektakel ab, das Hunting the Earl of Rone heißt; in diesem Jahr vom 27. bis zum 31. Mai.

Bei dem Earl of Rone, der da gejagt wird, handelt es sich um Hugh O’Neill, Earl of Tyrone, der im Jahr 1607 aus seiner irischen Heimat geflohen sein soll und vor der Küste von Combe Martin an Land ging. Dort soll er sich außerhalb des Dorfes versteckt und sich nur von Schiffszwieback, Beeren und kleinen Tieren ernährt haben. Den Bewohnern von Combe Martin kam das verdächtig vor und so alarmierten sie die Behörden, die Soldaten abkommandierten, um den Mann einzufangen. Diese Geschichte (Legende?) wird also alljährlich in den Straßen des Küstenortes wiederbelebt. Hauptfiguren des Schauspiels sind besagter Earl of Rone, der in sackartiger Kleidung, maskiert und mit einer aus Schiffszwiebacken bestehenden Kette um den Hals auftritt, die Grenadiere in voller Uniform, die den Earl jagen, das in vielen englischen Traditionen auftretende Hobby Horse, das Steckenpferd, the Fool und viele Trommler. Nachdem er tagelang im Dorf gesucht wird, findet man den Earl schließlich am Montagabend. Er wird rückwärts auf einen Esel gesetzt, die Grenadiere schießen auf ihn, er fällt vom Esel, wird vom Hobby Horse reanimiert, wieder auf den Esel gesetzt und schließlich am Strand erschossen. Dann wirft man ihn ins Meer – fertig! Eine ziemlich blutrünstige Angelegenheit, aber die Dorfbewohner und die von weiter her angereisten Gäste freut’s. In diesem Film kann man sich den Spaß einmal genauer ansehen.

Tom Brown hat eine kleine Broschüre über diesen alten Brauch veröffentlicht: The Hunting of the Earl of Rone. Eine DVD mit dem gleichen Titel ist ebenfalls hier erhältlich.

Der Strand von Combe Martin, wo der Earl of Rone sein Ende findet.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Strand von Combe Martin, wo der Earl of Rone sein Ende findet.
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Published in: on 26. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Schiffsglocke der Lutine im Hauptgebäude von Lloyd’s of London

 

Die Lutine Bell. This work is in the public domain.

Die Lutine Bell.
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Die „Lutine“ war eine französische Fregatte, deren Stapellauf 1779 erfolgte. Sie ging später als „HMS Lutine“ in den Besitz der Royal Navy über und sank am 9. Oktober 1799 vor der niederländischen Küste.

Am 17. Juli 1858 barg man die Schiffsglocke aus dem Wrack und hängte sie im Underwriting Room der Versicherungsgesellschaft Lloyd’s of London auf. Mittlerweile hat die Schiffsglocke mehrere Umzüge hinter sich und hängt jetzt in dem supermodernen aktuellen Gebäude von Lloyd’s of London in der Lime Street.

Die Glocke wurde ursprünglich angeschlagen, wenn ein Schiff überfällig war (Lloyd’s versicherte Schiffe). Ein Glockenschlag bedeutete schlechte Nachrichten, zwei Glockenschläge gute Nachrichten. Auf diese Weise wurden alle Lloyd’s-Angestellten gleichzeitig über eine Sachlage informiert.

Dieser Brauch wurde aufgegeben und die Lutine Bell schlägt nur noch bei besonderen Anlässen, z.B. wenn jemand aus dem Königshaus stirbt (das war bei Prinzessin Dianas Tod der Fall) oder bei Katastrophen (z.B. bei 9/11 oder bei den Londoner Bombenanschlägen am 7. Juli 2005). Hier kann man die Glocke einmal hören, aber wirklich nur einmal.

 

Published in: on 25. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Wilderness Festival 2016 in Cornbury Park (Oxfordshire)

Die Eingangstore zu Cornbury Park.   © Copyright john shortland and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Eingangstore zu Cornbury Park.
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Es ist allerhand los beim Wilderness Festival, das in diesem Jahr vom 4. bis zum 7. August wieder in Cornbury Park in Oxfordshire veranstaltet wird. Ausgelassen und wild wird hier vier Tage lang gefeiert und das ganze Spektakel erinnert sehr stark an die Hippie-Zeit Ende der 1960er Jahre in Kalifornien. Höhepunkt des Festivals dürfte am 5. August der Auftritt von Robert Plant auf der Hauptbühne sein. Zusammen mit den Sensational Spaceshifters wird das ehemalige Led Zeppelin-Mitglied mit Sicherheit die Fans in Ekstase versetzen, vielleicht u.a. auch mit „Whole Lotta Love“ wie hier zu sehen. Weiterhin kann man während des Festivals Auftritte von den Flaming Lips und den Crystal Fighters sehen.
Außer den musikalischen Höhepunkten gibt es noch jede Menge anderes zu sehen und zu hören wie 300 Stunden „Talks and Debates“ im Forum, dem Literary Tent und The Odditorium. Anthony Beevor wird einen Vortrag halten zu dem Thema „From Stalingrad to Syria: How Warfare Has Changed“ und der Astronom Martin Rees über „Surviving The Century — and the Post-human Future Beyond“.

Die Naturfreunde wird sicher das Wild Swimming im See interessieren oder das Bogenschießen oder die Spaziergänge in den Wäldern von Cornbury Park. In Workshops kann man die Kunst der Parfümherstellung lernen oder wie man mit bloßen Füßen über offenes Feuer geht. Es gibt ein Lakeside Spa mit Aromatherapie, Heiße Stein-Massagen und Gesichtsbehandlungen.
In der Abteilung „Essen und Trinken“ werden auch in diesem Jahr wieder Long Table Banquets angeboten, bei denen die Gäste gemeinsam an langen Tischen essen. Die Organisatoren des Festivals konnten sehr namhafte Köche gewinnen, die sich um das leibliche Wohl der Besucher kümmern: Raymond Blanc, der 3-Sterne-Koch vom Le Manoir aux Quat’Saisons in Great Milton (ich berichtete in meinem Blog über das Haus), Skye Gyngell, die 1*-Köchin vom Petersham Nurseries Cafe in Richmond bei London und Virgilio Martinez, ein Peruaner, der in Lima eines der 50 besten Restaurants der Welt leitet.

Einen kleine Vorgeschmack wie es beim Wilderness Festival zugeht, zeigt dieser Film. Das komplette Veranstaltungsprogramm für dieses Jahr ist der Homepage des Festivals zu entnehmen.

Cornbury Park liegt nordwestlich von Oxford bei Charlbury. Das Haus und das Gelände gehören Robin Cayzer, 3rd Baron Rotherwick. Im Juni findet hier noch ein weiteres Event statt, die Field & Country Fair 2016.

Im Hintergrund Cornbury Park.   © Copyright Michael Westley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Hintergrund Cornbury Park.
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Published in: on 24. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Clovelly in North Devon – Von Eseln, Schlitten und einem Land-Rover

Die Hauptstraße von Clovelly mit dem New Inn.   © Copyright Tony Atkin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Hauptstraße von Clovelly mit dem New Inn.
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Ich bin auf meinen Reisen durch England nur einmal in Clovelly gewesen, jenem kleinen idyllischen Küstenörtchen im Norden der Grafschaft Devon. Wobei das Wort „idyllisch“ relativ zu sehen ist, denn in der Hauptsaison im Sommer ziehen Menschenmassen durch das Dorf, und erst nachdem die Tagestouristen verschwunden sind, kehrt etwas mehr Ruhe in den Ort ein.

Clovelly hat einige Besonderheiten, die sonst kaum noch irgendwo anders in England zu finden sind. Um in das Dorf zu gelangen, muss man eine Eintrittsgebühr bezahlen, die zurzeit £7 kostet. Darin enthalten sind der Parkplatz und der Zugang zum Fisherman’s Cottage, zum Charles Kingsley Museum und zum Clovelly Court Garden.

Wer gehbehindert, Rollstuhlfahrer oder auf einen Rollator angewesen ist, hat schlechte Karten in Clovelly, denn vom Parkplatz aus führt nur eine steile kopfsteingepflasterte Straße zum kleinen Hafen hinunter. Autos sind auf dieser Straße tabu; Anlieferungen für die Geschäfte, Hotels und Restaurants erfolgen auf Schlitten. Esel waren wichtige Lastenträger, die den Transport bergaufwärts übernahmen und noch heute spielen die Grautiere hier eine Rolle, allerdings überwiegend zur Kinderbelustigung, indem sie die lieben Kleinen zu Ausritten mitnehmen. Natürlich stehen sie auch für Fotos zur Verfügung. 12 Esel und 2 Maultiere sind gegenwärtig in Clovelly im Einsatz; zu Transportzwecken werden sie nur noch gelegentlich eingesetzt.

Wer sich die Mühe die Abstiegs und Wiederaufstiegs der Hauptstraße entziehen möchte oder eben gehbehindert ist, der kann auf einen Landrover-Service zurückgreifen, der die Passagiere auf Nebenstraßen zum Hafen bringt.

Eine Übernachtung im Dorf kann sicher sehr interessant sein und dafür stehen zwei Hotels zur Verfügung: The New Inn an der Hauptstraße und der Red Lion direkt am Hafen. Wer dort nächtigt, braucht die Eintrittsgebühren für den Ort nicht bezahlen. Man stellt sein Auto auf dem Parkplatz ab, schnappt sich einen Schlitten, um das Gepäck zu transportieren, und macht sich damit auf den steilen Abstieg zur Unterkunft.  Auf Wunsch sind die Hotels aber auch beim Transport des Gepäcks behilflich.

Es gibt auch Tricks wie man kostenlos zum Hafen kommt und die Eintrittsgebühren sparen kann wie dieser Film zeigt. Das wird natürlich von den „Clovelly-Betreibern“ gar nicht gern gesehen.

Menschenleer ist die steile Dorfstraße wenn wieder einmal eine „Flash Flood“ Clovelly heimsucht, dann stehen auch schon einmal einige Wohnungen unter Wasser, in diesem Film zu sehen.

Machen wir doch einmal einen Rundgang durch den attraktiven Ort mit einem offiziellen Tour Guide.

Die Transportschlitten auf der Hauptstraße. This work has been released into the public Domain.

Transportschlitten auf der Hauptstraße.
This work has been released into the public Domain.

Die Clovelly-Esel auf dem Weg zur Arbeit.   © Copyright Pauline E and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 Clovelly-Esel auf dem Weg zur Arbeit.
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The Red Lion Hotel am Hafen.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Red Lion Hotel am Hafen.
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Published in: on 23. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubschilder – „Labour in Vain“

All Labour in Vain in Horsehay (Shropshire), leider nicht mehr existent.   © Copyright Mike White and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Labour in Vain in Horsehay (Shropshire), leider nicht mehr existent.
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Labour in Vain“ kann man am besten mit „Vergebliche Liebesmüh“ übersetzen und diese Worte zieren einige wenige Pubschilder in England. Die eigentliche Aussage sollte heißen: Wir brauen hier so gutes Bier, dass jeder Versuch, uns zu übertreffen „vergebliche Liebesmüh“ wäre. Doch die ideenreichen Maler von diesen Wirtshausschildern fanden weitere Motive, die sie ihren Auftraggebern vorschlugen, wobei eines für besondere Aufregung sorgte und das einen Pub in Yarnfield in Staffordshire betraf. Dort zeigt das Schild einen kleinen dunkelhäutigen Jungen, der in einem Badezuber sitzt und von einer weißen Frau geschrubbt wird, wobei ein ebenfalls weißer Mann zusieht. 1994 beschwerten sich zwei junge Mädchen über das Schild, das daraufhin abgehängt und durch ein anderes ersetzt wurde, das einen Farmer zeigt, der mit Hilfe von zwei Pferden Saatgut ausbringt, das gleich wieder von hungrigenMöwen aufgefressen wird (hier zu sehen). Auch keine schlechte Idee. Das kontroverse, politisch nicht korrekte Pubschild wurde dann nach einigen Jahren wieder im Biergarten aufgehängt, was erneut die Behörden auf den Plan rief. Die Dorfbewohner von Yarnfield und die „Pub Regulars“ hatten jetzt aber die Nase voll, sie wollten ihr ursprüngliches Wirtshausschild behalten und bei einer Umfrage sprach sich die überwältigende Mehrheit für den Verbleib aus. Sie hielten das Bild mit dem kleinen schwarzen Jungen überhaupt nicht für rassistisch und der Name des Pubs sollte auch erhalten bleiben (es war die Rede davon, ihn in Yarnfield Arms“ umzubennen). Die Gemüter scheinen sich aber mittlerweile beruhigt zu haben, denn nach größeren Umbauarbeiten im vorigen Jahr hat das Gasthaus wieder unter dem Namen „Labour in Vain“ eröffnet, lediglich das kontroverse Schild ist nicht mehr zu sehen, sondern  das alternative mit dem Farmer.
Böse Zungen haben einmal behauptet, dass die auf dem Schild abgebildete Szene einen Jungen zeigt, der das Ergebnis einer außerehelichen Affäre ist und dass man versucht, ihn „weiß zu waschen“, um die Sache etwas zu verschleiern

Ein ähnliches Pubschild zierte einmal „All Labour in Vain“ in Horsehay bei Telford in Shropshire, der leider nicht mehr existiert. Auch darauf war ein schwarzer Junge zu sehen, der in einem Badezuber sitzt und von mehreren Menschen saubergeschrubbt werden soll. Hierbei handelt es sich aber um einen Jungen, der in einem Kohlebergwerk arbeitet und man versucht, den armen kleinen Kerl vom Ruß zu befreien.

Labour in Vain in Yarnfield (Staffordshire).   © Copyright Mick Malpass and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Labour in Vain in Yarnfield (Staffordshire).
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Published in: on 22. Mai 2016 at 02:00  Comments (1)  

Famous Graves – Richard Cabells Grabmal in Buckfastleigh (Devon)

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Squire Richard Cabells Grabmal auf dem Kirchhof von Holy Trinity.
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Im 17. Jahrhundert lebte in Buckfastleigh (Devon) am Rande des Dartmoors ein Mann, den man getrost als Stinkstiefel bezeichnen kann. Squire Richard Cabell quälte und misshandelte jeden, der ihm unter die Finger kam, egal, ob es sich dabei um seine Frau, seine Kinder, seine Diener oder um Tiere handelte. Er war damals der meistgehasste Mann in der Region, dem man nachsagte, dass er seine Seele dem Teufel verschrieben hatte. Es ging sogar das Gerücht um, Squire Cabell hätte seine Frau ermordet.
Ganz plötzlich starb der Mann am 5. Juli 1677 und man kann nicht sagen, dass die Trauer in Buckfastleigh besonders groß war. Ob es bei seinem Tod mit rechten Dingen zuging? Man forschte damals lieber nicht nach, vielleicht hatte ja jemand etwas nachgeholfen, aber das wollte niemand so genau wissen. Richard Cabell wurde auf dem Kirchhof der Holy Trinity Church im Familiengrab beigesetzt und in der Nacht soll eine Meute von riesigen Hunden aus dem Dartmoor gekommen sein, die an seinem Grab heulten und jaulten. Den Dorfbewohnern war das alles zuviel und so verbarrikadierten und vergitterten sie das Grabmal und legten einen großen schweren Stein auf die Grabstelle, um sicherzugehen, dass Cabell nicht daraus entfliehen konnte. Viele Menschen machten einen große Bogen um Cabells letzte Ruhestätte, denn immer wieder hörte man Berichte über unheimliche Vorgänge dort und oft waren die besagten Hunde aus dem Dartmoor involviert.

Sir Arthur Conan Doyle soll von der Geschichte gehört und seinen Roman „The Hound of the Baskervilles“ (dt. „Der Hund von Baskerville“) darauf basiert haben, wobei Richard Cabell als Vorbild für Sir Hugo Baskerville diente.

Holy Trinity Church hat eine lebhafte Vergangenheit. Dadurch, dass die Kirche ziemlich einsam liegt, war ihr Kirchhof ideal für „bodysnatcher„, die Leichen ausgruben, um sie gewinnbringend an medizinische Hochschulen zu verkaufen, die einen ständigen Bedarf für Forschungszwecke hatten. 1849 fielen Teile der Kirche einer Brandstiftung zum Opfer; nachdem auch noch der Kirchturm vom Blitz getroffen worden war, reparierte man das Gotteshaus wieder. Im Zweiten Weltkrieg gingen einige Kirchenfenster zu Bruch, auf Grund von Bombenabwürfen ganz in der Nähe. Doch der Todesstoß für Holy Trinity ereignete sich am 21. Juli 1992, als nachts in die Kirche eingebrochen und unter dem Altar ein Feuer gelegt wurde; das Gebäude brannte vollkommen aus. Wer hatte diese Tat begangen? Man munkelte in Buckfastleigh, dass dieser Brand auf das Konto von Satanisten ging, die seit langer Zeit die Kirche und das Grab von Squire Richard Cabell als Treffpunkt für ihre Rituale auserkoren haben sollen. Hier ist ein Film über die Kirche.

Holy Trinity ist eine Ruine, lediglich der Turm hatte bei dem Brand keine größeren Schäden erlitten, und so kann man hin und wieder die Glocken der Kirche hören.

Über Buckfastleigh habe ich in meinem Blog zweimal geschrieben, einmal über den Buckfast Tonic Wine, der in der Abbey hergestellt wird, und über den Valiant Soldier, „the Pub where time was never called“.

Die Ruinen von Holy Trinity.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ruinen von Holy Trinity.
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The Chapel of St Peter-on-the-Wall bei Bradwell-on-Sea (Essex)

   © Copyright Hywel Williams and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Es gibt wohl kaum eine Kirche in England, die einsamer liegt als St. Peter-on-the-Wall, einige Kilometer von Bradwell-on-Sea in Essex direkt an der Themsemündung gelegen. Um dorthin zu gelangen, fährt man von Bradwell aus mit dem Auto zu einem kleinen Parkplatz, von dem man noch ein gutes Stück zu Fuß (etwa 15-20 Minuten) laufen muss.

Die Kapelle ist eines der ältesten kirchlichen Gebäude in England und wurde im Jahr 654 von dem angelsächsischen Mönch und Bischof von Northumbria St. Cedd gegründet.

St. Peter ist immer geöffnet und ist zu einer kleinen Pilgerstätte für Menschen aus der ganzen Welt geworden. An jedem ersten Wochenende  im Juli findet hier das Bradwell Festival statt; in diesem Jahr am 2. und 3. Juli und es steht unter dem Motto „Connect, Celebrate“.

Im Sommer werden an jedem Sonntagabend um 18.30 Uhr „Summer Sunday Evening Services“ abgehalten, aber da die Kapelle immer geöffnet ist, kann man jederzeit auch für sich selbst die Ruhe und die Atmosphäre dort genießen.

Geisterjäger haben in der Vergangenheit diese einsame Kirche auch aufgesucht, denn es heißt, St. Peter sei „haunted„. Hier ist ein kleiner Film darüber.

   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 20. Mai 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Frank Robinson – The Xylophone Man of Nottingham (1932-2004)

Lister Gate in Nottingham.   © Copyright Andy Jamieson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lister Gate in Nottingham.
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In vielen Städten gibt es Originale und Exzentriker, die sich im Zentrum aufhalten und durch ihre Musik oder andere Dinge auf sich aufmerksam machen. In meinem Wohnort war es einmal ein Drehorgelspieler, der jede Menge Stofftiere auf seiner Orgel sitzen hatte und der die Geldeinnahmen für wohltätige Zwecke spendete.

In Nottingham war Frank Robinson so ein Original, der als The Xylophone Man bekannt und allseits beliebt war. Er spielte 15 Jahre lang auf seinem Xylophon, meist in der Fußgängerzone Lister Gate vor C&A und H&M. Seine musikalischen Fähigkeiten hatten sehr enge Grenzen und ein richtiger Genuss war Franks Musik wahrlich nicht, aber er und sein Xylophon gehörten eben zu Lister Gate.

1932 wurde Frank Robinson in Cotgrave geboren, einer der Vorstädte von Nottingham, und hier wohnte er auch bis zu seinem Tod. Von 1989 an fuhr er täglich in die Innenstadt, besetzte seinen Lieblingsplatz in der Lister Gate, nahm sein Xylophon auf den Schoß und klimperte drauflos. Ich bin nicht sicher, ob die Menschen, die in den umliegenden Geschäften und Büros arbeiteten, auch große Fans von Frank Robinsons Musik waren, die sich doch durch eine gewisse Eintönigkeit auszeichnete.

Am 4. Juli 2004 erlitt The Xylophone Man im Alter von 73 Jahren im Krankenhaus einen Herzinfarkt und starb. An seiner Beerdigung nahmen über 100 Menschen teil, auch Vertreter des Rates der Stadt Nottingham, ein Zeichen für die Wertschätzung, die der stets freundliche Mann genoss. Am 10. November 2005 wurde ihm zu Ehren sogar eine Plakette enthüllt und zwar an seinem Lieblingsplatz an der Lister Gate. Darauf steht geschrieben: “He played his Xylophone here for fifteen years, bringing a smile to the faces of the people of Nottingham”.

Dieser Film zeigt einen Auftritt der Frank Robinson Tribute Band vor dem H&M Store in Nottinghams Lister Gate. „Xylophone Man“ ist auch der Titel eines Songs der Punkband Apocalypse Babies, hier zu hören.

FRank Robinsons Geburts- und Heimatort.   © Copyright Alan Murray-Rust and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Frank Robinsons Geburts- und Heimatort.
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Published in: on 19. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Seckford Hall bei Woodbridge – Ein sehr empfehlenswertes, romantisches Hotel in Suffolk

Eigenes Foto

Seckford Hall ist eines meiner Lieblingshotels, in dem ich mehrfach gewohnt habe. Allein die Zufahrt  zu dem Haus, das aus dem 16. Jahrhundert stammt und das von einer Vielzahl von Kaminen dominiert wird, ist atemberaubend.
Seckford Hall liegt in Suffolk, wenige Gehminuten von Woodbridge entfernt.

32 Hotelzimmer gibt es im Hotel und im gegenüberliegenden Courtyard, darunter  einige sehr schöne Suiten wie z.B. der Tudor Room mit einem großen Four-Poster-Bett. Einige Möbelstücke, die früher einmal im Windsor Castle und im Buckingham Palace standen, haben jetzt in Seckford Hall ihre Heimat gefunden und in der getäfelten Lounge steht ein Stuhl auf dem Edward VII 1910 gestorben sein soll.

Seit meinem letzten Besuch hat sich im Restaurant-Bereich einiges getan. Das  Club Bar Restaurant gibt es nicht mehr und das Hauptrestaurant heißt jetzt „1530“ und ist „stylischer“ geworden.

Die Zimmerpreise beginnen bei etwa 165 Euro für ein Standard-Doppelzimmer mit Frühstück und für einen „Feature-Room“ bezahlt man ab 200 Euro; das ist im Vergleich zu vielen anderen Country House Hotels, in denen ich übernachtet habe relativ wenig.

Im Seckford Spa and Leisure Club finden sich ein Hallenbad, Fitnessgeräte und ein Schönheitssalon. Wenige Schritte vom Hotel entfernt, bietet der Seckford Golf Club dem sportlich Interessierten einen 18-Loch-Platz an.

Ich kann dieses Hotel, das über ein ausgeprägt angenehmes und ruhiges Ambiente verfügt,  jedem empfehlen, der das umliegende Constable Country besuchen möchte und einen zentralen Übernachtungsort sucht.

Seckford Hall Hotel
Woodbridge, Suffolk, IP13 6NU

Unser Zimmer mit eigener kleiner Terrasse. – Eigenes Foto

Eigenes Foto des Hotelprospekts.

 Foto meines Hotelprospekts.

Published in: on 18. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Pubnamen – „The Hole in the Wall“

The Hole in the Wall in Little Wilbraham (Cambridgeshire).   © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Hole in the Wall in Little Wilbraham (Cambridgeshire).
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Auf Pubs mit dem Namen „Hole in the Wall“ stößt man in England hier und da. Mein „The Wordsworth Dictionary of Pub Names“ gibt gleich ein ganzes Bündel von möglichen Erklärungen für diesen Namen ab. Da gab es früher beispielsweise in den Gefängniszellen, in denen zum Tode Verurteilte auf ihre Hinrichtung warteten, Löcher in der Wand, durch die die Gefangenen sprechen konnten. Diese Vorrichtung existierte auch in Schuldgefängnissen, durch die die Schuldner mit Nahrung versorgt wurden. Zu der Zeit, als es noch Leprakranke gab, hatte man in deren Behausungen in der Außenwand Löcher, wodurch die Priester ihre Hände streckten, um die Bewohner zu segnen usw. usw.

Ich habe hier einige Beispiele für Pubs mit dem Namen The Hole in the Wall zusammengestellt:

Einen sehr hübschen Gastropub findet man in dem kleinen Dorf Little Wilbraham in der Grafschaft Cambridgeshire, in dem Alex Rushmer am Herd steht, den man aus der TV-Kochshow „Masterchef“ kennt. Das Pubschild zeigt eine Mauer mit einem Loch in der Mitte, lässt aber keine Rückschlüsse auf die Bedeutung zu.

The Hole in the Wall in der Straße High Petergate, direkt an der  Bootham Bar in York, zeigt auf dem Pubschild die Ruinen der St Mary’s Abbey; der Name geht aber auf Ausgrabungen im Jahr 1816 zurück, als man unter dem Haus auf ein Loch stieß, das zu einem Verlies führte, in dem früher Gefangene angekettet worden waren. Aus dem einstigen Board Inn wurde daraufhin The Hole in the Wall, in dem es, wir sind in York(!), spuken soll.

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Wie The Hole in the Wall an der Waterloo Station in London zu seinem Namen kam, ist nicht schwer zu erraten, denn es liegt direkt unter einer Eisenbahnbrücke in einem „Loch in der Wand“ oder besser ausgedrückt, in einer der Arkaden des Viadukts.

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Auch die Stadt Darlington im County Durham im Norden Englands verfügt über ein Hole in the Wall am Market Place. Man vermutet, dass der Name auf ein Loch in Darlingtons mittelalterlicher Grenzmauer zurückzuführen ist. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gasthaus von einem berühmten Sportler geführt. Landlord war damals George Butterfield, der 1906 den Weltrekord über eine Meile innehatte und bei den Olympischen Spielen 1908 in London Großbritannien in den Disziplinen 1500 Meterlauf und 3000 Meterlauf vertrat.

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Wir bleiben zum Schluss des kleinen Überblicks in Nordengland und zwar in Bowness-on-Windermere in der Grafschaft Cumbria, wo wir The Hole in t‘ Wall am Robinson Place finden, auch bekannt unter dem Namen New Hall Inn, der älteste Pub des Ortes. Daneben stand früher einmal eine Schmiede, und da die Arbeit darin sehr durstig machte, schlug man einfach ein Loch durch die Außenmauer, durch das der Schmied bedient werden konnte.

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Published in: on 17. Mai 2016 at 02:00  Comments (5)  

Barbara Cartland (1901-2000) und ihr Anwesen Camfield Place in Hertfordshire

Das Eingangstor zu Camfield Place.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zu Camfield Place.
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Woran erinnert man sich am ehesten, wenn man den Namen Barbara Cartland hört? Sicher an ihre ungeheure Produktivität, was die Zahl ihrer romantischen Liebesromane angeht; 723 sollen es gewesen sein. Niemand weiß genau wie viele ihrer Bücher verkauft worden sind, die Schätzungen schwanken zwischen 750 Millionen und 2 Milliarden. Dann erinnert man sich bestimmt noch an ihren extravaganten Kleidungsstil, der von der Farbe Rosa klar dominiert wurde wie dieser Film zeigt. Die Dame ließ sich in einem weißen Rolls Royce chauffieren und hatte einen Koch eingestellt, der sich um ihr leibliches Wohl kümmerte.

Seit dem Jahr 1950 wohnte Barbara Cartland in der Nähe von Essendon in Hertfordshire in ihrem Landsitz Camfield Place. Dieses Haus wurde 1867 von Beatrix Potters Großvater erbaut, in dem die Schriftstellerin ihr weltberühmtes Kinderbuch „The Tale of Peter Rabbit“ schrieb. Es steht ganz in der Nähe von Hatfield House, das einmal Heinrich VIII. gehörte und in dem seine Kinder Mary und Elizabeth aufwuchsen. Im Jahr 1550 schoss Elizabeth auf dem weitläufigen Gelände von Hatfield House ihren ersten Hirsch und an dieser Stelle ließ sie eine Eiche pflanzen, The Deer Oak, die später zu dem Anwesen Camfield Place gehörte.

Barbara Cartland liebte diesen 400 Jahre alten Baum und 1976 ließ sie eine Weihnachtskarte anfertigen, auf dem sie und ihr Pekinese Mai-Mai unter der Eiche zu sehen waren. Bevor sie am 21. Mai 2000 im Alter von 98 Jahren  in Camfield Place starb, äußerte sie den Wunsch, unter The Deer Oak begraben zu werden und zwar in einem Sarg aus Pappe, denn die Dame war sehr umweltbewusst und wollte nicht, dass das Holz eines Baumes dafür verwendet wurde. Die Beerdigungsfeier wurde von Reverend John Cotton geleitet, dem früheren Pfarrer von St Mary’s im benachbarten Essendon. Die Trauergemeinde sang Barbara Cartlands Lieblingslied „I Believe“, das durch den US-amerikanischen Sänger Perry Como bekannt gemacht worden war. Ihr Enkel William trug eines ihrer Gedichte vor und ihre Tochter Raine, Stiefmutter von Diana, Princess of Wales, las eine Passage aus der Bibel. Dieser Film zeigt die Ankunft der Trauergäste in Camfield Place.

Es gibt zurzeit noch kein „richtiges“ Barbara Cartland Museum, aber ein virtuelles, das man sich hier ansehen kann.

In einem Cottage auf dem Gelände von Camfield Place erblickte am 14. November 1967 Letitia Dean das Licht der Welt, die später Schauspielerin wurde und allen, die die Endlos-TV-Serie „EastEnders“ kennen, ein Begriff ist; darin spielt sie die Rolle der Sharon Watts. Als Letitias Mutter kurz vor der Geburt ihrer Tochter stand, schickte Barbara Cartland eine alte Tür in das Cottage, mit dem Hinweis, sie unter das Bett zu legen, damit sie beim Geburtsvorgang einen festen Halt hätte. Ja, ein wenig exzentrisch war sie schon, die Lady in Pink.

Camfield Place liegt östlich von Hatfield in Hertfordshire an der B158, die von Essendon nach Brookman’s Park führt.

 

The British Asparagus Festival im Vale of Evesham (Worcestershire)

Ein Spargelfeld bei Defford in Worcestershire.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Spargelfeld bei Defford in Worcestershire.
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Nicht nur in Deutschland ist Spargel sehr beliebt, auch die Engländer haben ihn „zum Fressen gern“, obwohl sie den grünen Spargel dem weißen vorziehen.
Am 23. April, dem St. George’s Day, war es wieder soweit und im Vale of Evesham in der Grafschaft Worcestershire startete das British Asparagus Festival, das 2006 ins Leben gerufen wurde. Bis zum 21. Juni gibt es jede Menge Aktivitäten rund um den Spargel wie Kochvorführungen, Ausstellungen, Führungen usw. Mit einem sogenannten „Asparabus“ werden Fahrten durch die Spargelregion angeboten, auf denen man u.a. auf Revill’s Farm bei Defford auch ein Feld ansehen kann, auf dem das Gemüse angebaut wird.

Im Mittelpunkt vieler Aktivitäten steht der „Fleece Inn“ in Bretforton, über den ich in meinem Blog schon einmal berichtete. Da wird zum Beispiel vom 29. Mai bis zum 5. Juni Spargel versteigert, wobei der Erlös der örtlichen Blaskapelle, der Bretforton Silver Band zukommt. Am 30. Mai führt der dem National Trust gehörende Pub einen Asparagus Family Fun Day durch mit Morris Dancers usw. Der Fleece Inn hat in der Spargelzeit sogar spezielle Cocktails kreiert wie Aspara-Martini und Bloody Aspara-Mary. Natürlich gibt es auch spezielle Spargelmenüs, die von Chefkoch Derek Cooke zubereitet werden, der im Londoner Ivy unter Marco Pierre White gearbeitet hat.

Am 4. und 5. Juni findet das Asparafest statt, „Worcestershire’s Aspara-tastic Music and Food Festival“  auf dem Gelände der Ashdown Farm in Badsey bei Evesham. Dort gibt es u.a. ein Spargelwettessen, Spargelweitwurf und in zahlreichen Verkaufsständen kann man sich an Spargelwurst und Spargeleis erfreuen. Hier ist ein Film über das Fest.

Eine kleine Attraktion während des Asparagus Festivals ist „The World’s only fortune-telling asparamancer„. Anhand einiger hingeworfener Spargelstangen kann Jemima Packington jedem, der es möchte, die Zukunft voraussagen. Dieser Film zeigt die Wahrsagerin bei der Arbeit.

Also, es ist jede Menge los in der Spargelzeit rund um die Stadt Evesham und mein Übernachtungstipp ist das wunderbare kuriose The Evesham Hotel, das ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt habe (allein schon die Toiletten dort sind eine Reise wert!).

The Fleece Inn in Bretforton (Worcestershire), wo viele Veranstaltungen rund um den Spargel stattfinden.   © Copyright Chris Allen and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Fleece Inn in Bretforton (Worcestershire), wo viele Veranstaltungen rund um den Spargel stattfinden.
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Revill's Farm Shop in Defford (Worcestershire), eine der Anlaufstationen des A   © Copyright Paul Harrop and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Revill’s Farm Shop in Defford (Worcestershire), eine der Anlaufstationen des Asparabus.
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Ein "Spargel-Poller" an der Bridge Street in Evesham (Worcestershire).   © Copyright Roy Hughes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Spargel-Poller“ an der Bridge Street in Evesham (Worcestershire).
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Published in: on 15. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Beatrix Potter (1866-1943) – England feiert ihren 150. Geburtstag

Hill Top House in Near Sawrey (Cumbria).   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hill Top House in Near Sawrey (Cumbria).
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Was haben William Shakespeare, Roald Dahl und Beatrix Potter gemein? Ja, sie sind alle Schriftsteller in der „Oberliga“ der englischen Literatur und alle drei haben in diesem Jahr ein Jubiläum: Shakespeare starb vor 400 Jahren, Dahl wurde vor 100 Jahren geboren und Beatrix Potter vor 150 Jahren.

Beatrix Potter ist die Schöpferin von Peter Rabbit, jenem Kaninchen, das im Jahr 1901 das Licht der Welt erblickte und wohl das berühmteste Kaninchen der Weltliteratur ist. Mit 45 Millionen verkauften Exemplaren ist das Buch „The Tale of Peter Rabbit“ (dt. „Die Geschichte von Peter Hase“) eines der erfolgreichsten Kinderbücher aller Zeiten, und da seine literarische Mutter in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag feiert, darf sich Peter darüber freuen, auf einer 50 Pence-Münze abgebildet zu werden, die ihm bzw. ihr zu Ehren in Großbritannien in diesem Jahr geprägt wird. Das ist übrigens das erste Mal, dass eine Figur aus einem Kinderbuch auf einer britischen Münze erscheint.

Beatrix Potter wurde 1866 in London geboren, sie verbrachte aber einen großen Teil ihres Lebens im Lake District, einer Region, die ihr zur Heimat wurde. Ihr Haus, die Hill Top Farm, die heute dem National Trust gehört, steht in Near Sawrey und ist zu besichtigen. Fans ihrer Bücher zieht es auch nach Bowness-on-Windermere, wo sich mitten im Ort „The World of Beatrix Potter“ etabliert hat und wo man auf Schritt und Tritt dem Kaninchen Peter Rabbit begegnet. Hier am Lake Windermere feiert man in diesem Jahr nicht nur Beatrix Potters 150. Geburtstag, sondern auch noch das 25-jährige Bestehen dieses Museums.

Jede Menge Events werden in diesem Jahr in „The World of Beatrix Potter“ angeboten, u.a. vom 27. Juni bis zum 4. September eine Bühnenshow mit dem Titel „Where is Peter Rabbit?“. Es gibt Peter Rabbit Frühstücksparties und Peter Rabbit Afternoon Tea Parties. Am 28. Juli, dem Geburtstag von Beatrix Potter, kann man den ganzen Tag lang von reduzierten Eintrittspreisen profitieren.
Peter Rabbit dominiert dieses Museum eindeutig, da haben es die anderen Kinderbuchfiguren wie Jemima Puddle-duck und Mrs. Tiggy-winkle nicht ganz leicht, sich gegen das Kaninchen zu behaupten.

Im Lake District gibt es zu Ehren von Beatrix Potter so viele Veranstaltungen, dass es den Rahmen meines Blogs sprengen würde, sie alle aufzuzählen. Hier ist eine Übersicht.

Die Beatrix Potter Society beschäftigt sich seit 1980 intensiv mit der Autorin und veranstaltet vom 5. bis 9. Juli in Bowness-on-Windermere eine International Study Conference unter dem Titel „Beatrix Potter – A Lasting Legacy„, auf der Vorträge gehalten werden wie „In the shadow of Aesop: Beatrix Potter’s retelling of The Town Mouse and the Country Mouse“.

Der Spielfilm „Miss Potter“ (dt. „Miss Potter“) aus dem Jahr 2006 zeigt das Leben der Schriftstellerin, verkörpert von Renée Zellweger.
Hier sind die beliebtesten Figuren aus den Beatrix Potters Büchern zu sehen.

Ein besonders schönes Buch mit wunderbaren Fotografien erschien im Jahr 2000: „Die Welt der Beatrix Potter: Künstlerin, Märchenerzählerin, Farmersfrau“ von Susan Denyer (Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 144 Seiten. ISBN 978-3875848199. Das Buch ist leider vergriffen, aber antiquarisch problemlos zu bekommen.

The World of Beatrix Potter in Bowness-on-Windermere.   © Copyright Brian Clift and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The World of Beatrix Potter in Bowness-on-Windermere.
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Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Published in: on 14. Mai 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Der Grizedale Sculpture Park in Cumbria

Das Grizedale Visitor Centre.    © Copyright Nigel Mykura and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Grizedale Visitor Centre.
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Zwischen dem Lake Windermere und dem Coniston Water im Lake District liegt der Grizedale Forest, in den ein „Sculpture Park“ integriert ist. Seit 1977 haben Künstler aus aller Welt hier ihre Skulpturen aufgestellt; zurzeit sind es 40, von denen einige nur vorübergehend, einige aber auch auf Dauer hier im Wald zu sehen sind.
Im Besucherzentrum kann man sich vorab schon einmal informieren, wo die einzelnen Kunstwerke zu finden sind, die man dann zu Fuß oder per Fahrrad aufsuchen kann. Ich habe hier einmal einige Beispiele aufgeführt:

Sehr schön finde ich den Red Sandstone Fox von Gordon Young, der 1991 aufgestellt wurde. Young wurde zuletzt durch seinen „Comedy Carpet“ auf der Promenade von Blackpool bekannt, das wohl größte Kunstwerk in Großbritannien.

   © Copyright Kate Jewell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Seit 1994 ist die Skulptur „Stag Herd Roof“ von Andy Frost im Grizedale Forest zu finden, eine kleine Herde von Hirschen und Rehen, die auf einem Dach stehen. Der Künstler hat noch fünf weitere Skulpturen erschaffen, die im Wald verteilt sind.

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Between Elephants“ heißt ein Kunstwerk von Iraida Cano, ein zu einem Elefanten umgestalteter Felsen, seit 1995 hier vorzufinden. Cano ist eine Künstlerin aus Toledo in Spanien.

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Die „Lady of the Water“ wurde von der irischen Künstlerin Alannah Robins geschaffen und 1995 aufgestellt. Das Werk gehört zu den besten Frauenskulpturen Großbritanniens, so die Zeitung „The Guardian.

   © Copyright Stephen Middlemiss and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Großartig ist David KempsAncient Forester “ aus dem Jahr 1988, der noch einen Bruder, „Ancient Forester 2“ hat, der sieben Jahre später in die Skulpturensammlung hier im Lake District aufgenommen wurde.

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The Alhambra Room im Rhinefield House Hotel bei Brockenhurst in Hampshire

With friendly permission of Hand Picked Hotels.

With friendly permission of Hand Picked Hotels.

Über meinen Besuch im Rhinefield House Hotel bei Brockenhurst im New Forest berichtete ich in meinem Blog vor einiger Zeit. Ich war von diesem einsam gelegenen Haus sehr angetan und kann einen Aufenthalt dort sehr empfehlen. Ein ganz besonderes Zimmer versteckt sich im Rhinefield House, das vor allem für private Abendessen für bis zu 12 Personen genutzt werden kann: The Alhambra Room, ein im maurischen Stil gehaltener, wunderschöner Raum, den man hier mitten im New Forest nicht erwartet hätte.

Rhinefield House wurde in den 1880er Jahren von Edward Lionel und Mabel Walker-Munro erbaut und der Alhambra Room war ein Geburtstagsgeschenk Mabels an ihren Mann, das an ihren gemeinsamen Aufenthalt während der Flitterwochen in Granada erinnern sollte, bei dem sie auch die berühmte Alhambra dort besichtigt und die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte. Der Raum war als Raucherzimmer konzipiert, in das sich die Herren nach dem Abendessen zurückziehen konnten. Der Architekt William Henry Romaine-Walker (1854-1940) hatte den Alhambra Room kreiert; er und Augustus E. Tanner waren auch für den gesamten Bau des Rhinefield House verantwortlich. Für diesen in England einzigartigen Raum verwendete Romaine-Walker u.a. venezianisches Glas, Onyx aus Persien und getriebenes Kupfer für die Wände. Überall finden sich Inschriften wie „There is no God but God and Mohammed is his Prophet“ und „The heavens and the earth testify to the magnificence of God“. Mosaike auf dem Boden wecken Erinnerungen an die Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht.

Noch ein Wort zum Architekten William Henry Romaine-Walker. Seine Handschrift findet man zum Beispiel auch im Chatsworth House, wo er die Haupttreppe neu entworfen hat, und er baute das Danesfield House bei Marlow in Buckinghamshire, das seit 1991 auch als Hotel geführt wird (ich berichtete in meinem Blog darüber).

Das Rhinefield House Hotel im New Forest. Eigenes Foto.

Das Rhinefield House Hotel im New Forest.
Eigenes Foto.

Published in: on 12. Mai 2016 at 02:00  Comments (3)  
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The D-Day Darlings – Interpretinnen von Hits aus dem Zweiten Weltkrieg

The White Cliffs of Dover, besungen von den D-Day Darlings.   © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The White Cliffs of Dover, besungen von den D-Day Darlings.
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Als sich 2014 der D-Day, also die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg, zum siebzigsten Mal jährte, hatten Stacey Wood, Katie Ashby und Emily Jane Brooks besonders viel zu tun, denn sie wurden als D-Day Darlings gut gebucht. Die drei Damen haben sich ganz der Musik verschrieben, die damals während des Krieges in Großbritannien sehr populär war, also Melodien von Vera Lynn, Judy Garland oder den Andrew Sisters. „Proudly keeping the wartime spirit alive“ ist das Motto der drei Sängerinnen und so ziehen sie denn von Stadt zu Stadt und präsentieren die alten Hits, die man in Deutschland wohl schon längst eingemottet hätte. Uniformiert oder in zeitgenössischer Kleidung trällern sie demnächst im Evesham Arts Centre, beim Afternoon Tea Dance im Hilton Hotel in Bracknell und beim Forties Weekend im Elgin Hotel in Blackpool.

2006 hatte sich das Trio formiert, ihre Musik fand Anklang und 2010 zogen die Damen mit dem Musical „The Songs That Won The War“ durch die Lande, das zu Beginn des Zweiten Weltkriegs spielt. Die D-Day Darlings arbeiten eng mit der British Legion zusammen, der sie Anteile ihrer Einnahmen durch Auftritte und Plattenverkäufe spenden.

Besonders beliebt sind zum Beispiel ihre Versionen des Vera Lynn-Songs „The White Cliffs of Dover„, „Boogie Woogie Bugle Boy“ der Andrew Sisters und Vera Lynns „There’ll Always Be An England„.

 

Romulus und Remus in Somerset

   © Copyright Phil Williams and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Eine Statue von Romulus und Remus, den Kindern des Gottes Mars, von einer Wölfin gesäugt, wäre in der italienischen Hauptstadt sicher keines Kommentares wert, aber an einer einsamen Landstraße in Somerset? Am Rande der Mendip Hills verläuft die A39, die hier Bristol Road heißt, und zwischen der Priddy Road und dem Haydon Drove findet man direkt am Straßenrand diese Skulptur und da fragt man sich natürlich, wie die hier wohl herkam.

Im 2. Weltkrieg gab es ein Kriegsgefangenenlager außerhalb von Wells, in dem sich viele Italiener aufhielten, die auf den Farmen der Umgebung arbeiteten. Einer von ihnen, Gaetano Celestra, von Beruf Maurer, war damit beschäftigt, Grundstücksmauern in der Umgebung auszubessern, die durch deutsche Bomben beschädigt worden waren. In seiner Freizeit schuf er mit Hilfe einiger Kollegen im Jahre 1945 dieses Monument aus Beton, um sich für die Freundlichkeit der „Wellsianer“ zu bedanken, die die Italiener gut behandelten.  Als Vorlage für das Monument soll eine Abbildung auf einer italienischen Banknote gedient haben, die wiederum nach einer Bronze aus dem 15. Jahrhundert gestaltet war, deren Bildhauer unbekannt ist und die in der National Gallery of Art in Washington, D.C. steht.

Die Italiener kamen mit den Einheimischen so gut klar, dass noch heute in der Umgebung von Wells viele italienischstämmige Menschen wohnen, möglicherweise einige davon Nachkommen von Gaetano dem Bildhauer, der sich nach dem Krieg hier in Somerset ansiedelte.

Im Jahr 2002 wurde das Monument von der Firma D’Ovidio Bros restauriert, da es schon einige Schäden aufwies. Seit 2008 steht es unter Denkmalschutz.

Eine Bemerkung am Rande: Nur wenige Kilometer von Romulus und Remus entfernt, gab es in den Mendip Hills in Priddy einen Pub, The Miner’s Arms, der für zwei Dinge berühmt war: Hier wurde „Mendip Wallfish“ serviert, das sind Schnecken, die in einem leerstehenden Swimming Pool gezüchtet wurden, und hier wurde Champagnerbier gebraut. Erstere habe ich dort nie probiert, aber das Bier habe ich im Pub verkostet und mir auch einige Flaschen mit nach Hause genommen. Leider ist das Gasthaus schon lange geschlossen.

Die Bronze in der National Gallery of Art in Washington, D.C. Author: East TN. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Die Bronze in der National Gallery of Art in Washington, D.C.
Author: East TN.
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The Miner's Arms in Priddy (Somerset) wie er einmal aussah.   © Copyright ceridwen and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Miner’s Arms in Priddy (Somerset) wie er einmal aussah.
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Published in: on 10. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Darts – Das beliebte Spiel in Pubs, das man dort früher nicht ausüben durfte

The Adelphi in Leeds.   © Copyright Eirian Evans and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Wurfpfeilspiel Darts verbindet man automatisch mit Pubs. In zahllosen britischen Gasthäusern hängt irgendwo eine Dartscheibe an der Wand, an der sich die „locals“ immer wieder versuchen. Einen Popularitätsschub hat das Spiel sicher auch durch die Live-Übertragungen der Weltmeisterschaften auf den TV-Sportkanälen erlangt. Doch es gab eine Zeit, zu der man Darts in Pubs nicht spielen durfte, da es zu den Glücksspielen zählte. So wurde im Jahre 1908 der Landlord des Adelphi Inns, Jim Garside, in Leeds (West Yorkshire) vor den Magistrates‘ Court der Stadt gebracht, weil er Darts in seinem Pub erlaubt hatte. Garside bat das Gericht, zu seiner Entlastung einen gewissen William „Bigfoot“ Annakin zuzulassen, einen Schmied, der zugleich der beste Dartspieler im Adelphi Inn war. Der Richter stimmte zu und so wurde im Gerichtssaal eine Dartscheibe aufgebaut. Euer Ehren rief Mr. Annakin mehrere Nummernfelder zu, die er treffen sollte, was „Bigfoot“ problemlos erledigte. In einer Version der Geschichte heißt es, dass Gerichtsangestellte das nachmachen sollten, wobei sie aber kläglich scheiterten. Dadurch wurde bewiesen: Darts ist kein Glücksspiel, sondern ein Geschicklichkeitsspiel und das war wiederum in Pubs nicht verboten. Publican Jim Garside wurde daraufhin freigesprochen.

Immer wieder hat man Versuche unternommen, Darts als olympische Disziplin anzuerkennen, doch erfolglos. Frühestens bei den Olympischen Spielen 2024 wäre es möglich, diese Sportart zu integrieren, aber besonders gut stehen die Chancen dafür nicht.

Dieser Film der BBC zeigt die Bedeutung des Dartspiels in Großbritannien.

Published in: on 9. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Berry Head Lighthouse – Der kleinste Leuchtturm in Großbritannien bei Brixham in Devon

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An der Spitze der Berry Head-Halbinsel bei Brixham in Devon, eine sehr hübsche Hafenstadt (über das Coffin House dort habe ich in meinem Blog einmal berichtet), steht der kleinste Leuchtturm Großbritanniens. 1906 wurde dieser Mini-Leuchtturm erbaut und noch heute schickt er alle 15 Sekunden seinen Orientierungsstrahl aufs Meer, den man bis zu 35 Kilometer weit sehen kann. Gerade einmal fünf Meter hoch ist das Türmchen und das hat seinen guten Grund, denn hätte man ihn damals höher gebaut, so könnte es passieren, dass bei schlechtem Wetter die tief hängenden Wolken oder Nebel die Befeuerung verhüllen oder zumindest einschränken. Das Berry Head Lighthouse steht auf einer 58 Meter hohen Klippe und gehört damit zu den höchstgelegenen. Einen Vollzeit-Leuchtturmwärter hat es hier nie gegeben, nur jemanden, der zweimal am Tag nach dem Rechten sah. 1921 wurde die Anlage automatisiert, 1974 auf elektrischen Betrieb umgestellt.

Verantwortlich für den Unterhalt des Leuchtturms war und ist die in London ansässige Leuchtfeuerverwaltung Trinity House, die für ganz England und Wales  zuständig ist, und die vom Planning Centre in Harwich (Essex) aus Berry Head Lighthouse überwacht.

Wer sich die Anlage einmal ansehen möchte, der muss sein Auto auf einem Parkplatz abstellen, von dem aus man in wenigen Minuten die Klippen erreicht, wo den Besucher ein spektakulärer Blick auf das Meer erwartet. Häufig liegen vor der Küste riesige Öltanker, die darauf warten, dass Lotsen sie durch die Gewässer geleiten.

Die Halbinsel Berry Head ist eine Site of Special Scientific Interest, das heißt, ein unter Naturschutz stehendes Gebiet. Es gibt hier ein Besucherzentrum, und wer hier einmal eine Nacht verbringen möchte, der kann das in dem schön gelegenen Berry Head Hotel tun.

Dieser Film zeigt einen Spaziergang entlang der Klippen von Berry Head (nur für Schwindelfreie!).

   © Copyright Ruth Sharville and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Berry Head Hotel.   © Copyright Bill Boaden and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 8. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Spukorte – The Bear Inn in Stock (Essex)

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Leider habe ich im The Bear Inn in Stock (Essex) an der B1007 noch kein Pint getrunken, weil ich dort immer vor den Öffnungszeiten durchgefahren bin. Der Gasthof liegt ein Stück von der High Street zurück und das Pubschild ziert ein dicker Braunbär. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

In vielen Bücher über „haunted Pubs“ wird The Bear gelistet, denn um ihn rankt sich die Geschichte von Charlie the Spiderman; das war ein Stallknecht im 18. Jahrhundert, dessen Aufgabe es war, sich um die Pferde der Gäste zu kümmern. Charlie war dem einen oder anderen Pint natürlich nicht abgeneigt, aber er hatte ein Problem: Als Stallbursche verdiente er nur sehr wenig und Bier kostete Geld. Eines Tages kam er auf eine Idee, um sich noch zu weiteren Pints zu verhelfen, die er umsonst bekommen konnte. Er verdingte sich im The Bear Inn sozusagen als Hobby-Zauberer und das ging so. In den einzelnen Räumen des Pubs gab es Kamine, die sich alle irgendwo im oberen Stockwerk vereinigten, was aber nicht alle wussten. Charlie schnappte sich also einen Krug Bier und kletterte einen der Kamine nach oben, wo er in Ruhe sein Bier austrank. Dann kletterte er einen anderen Kamin wieder hinunter und: Tata, da war er wieder, aber in einem anderen Raum. Die „locals“ kannten den Trick natürlich, aber die „first-timer“ nicht und staunten. Gern gaben sie dem Knecht daraufhin ein Bier aus. Da man ziemlich gelenkig sein musste, um zwischen den Kaminen hin und herzuklettern, nannte man Charlie in Stock den „Spiderman“.

An einem Weihnachtsabend spielte Charlie sein Spiel wieder einmal. Die Einheimischen langweilte das allmählich und so wollten sie ihn zu ihrem eigenen Vergnügen ausräuchern. Sie fachten das Kaminfeuer noch einmal kräftig an und freuten sich schon auf einen rußschwarzen, verschwitzten Spinnenmann…doch es kam niemand von oben heruntergehastet. Charlie war nicht mehr, er erlitt einen jämmerlichen Erstickungstod. Jetzt gibt es zwei verschiedene Versionen über das Ende der Geschichte: In der einen wird Charlie eingeklemmt zwischen zwei Kaminen später aufgefunden, in der anderen findet man Charlie überhaupt nicht mehr, trotz gründlichen Kaminfegens. Und so meinen manche, dass der Stallknecht noch immer irgendwo in dem Kaminlabyrinth, mittlerweile gut durchgeräuchert, feststeckt.

Der Geist Charlies aber ist noch aktiv; so heißt es, dass der eine oder andere Gast und auch die Landlords des Pubs ihn zum Beispiel mit dem Kopf nach unten in einem der Kamine hängen gesehen haben. Rußspuren tauchen unerklärlicherweise auf dem Teppichboden des Gasthauses auf und einige behaupten sogar, den Spiderman in voller Stallknechtmontur gesehen zu haben wie er aus einem Kamin heraustrat.

Wie auch immer, ob mit oder ohne Spiderman, bei meinem nächsten Besuch in Essex werde ich hier einmal einkehren und vielleicht ein Pint Bombardier Glorious English probieren.

The Bear Inn
16 The Square
Stock
Ingatestone CM4 9LH

 

 

Die World Dock Pudding Championships in Mytholmroyd (West Yorkshire)

Mytholmroyd (West Yorkshire) und der River Calder, an dessen Ufer das Wildgemüse wächst.    © Copyright JThomas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mytholmroyd (West Yorkshire) und der River Calder, an dessen Ufer das Wildgemüse wächst.
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Am 17. April in diesem Jahr fanden wieder die World Dock Pudding Championships in Mytholmroyd in West Yorkshire statt. Im Community Centre der kleinen Stadt, in der 1930 der Dichter Ted Hughes geboren wurde, fanden sich Männer und Frauen zusammen, die darum wetteiferten, wer den besten Dock Pudding zubereiten kann. Seit 1971 wird dieser in der Welt einmalige Wettbewerb ausgetragen, so dass der vielleicht etwas hochtrabende Titel „World Championships“ zutrifft, obwohl die Teilnehmer alle aus der Region stammen.

Was ist nun „Dock Pudding“? Es ist ein spezielles Frühstück, das gern hier in West Yorkshire zubereitet und gegessen wird. Hauptbestandteil ist besagter „dock“, ein Wildgemüse, das den lateinischen Namen Polygonum Bistorta hat und bei uns als Wiesenknöterich oder Schlangenknöterich bekannt ist. Diese Pflanze wächst im Tal des River Calder, der durch Mytholmroyd fließt. Außer  diesem Wildgemüse gehören in den Dock Pudding noch weitere Zutaten wie Zwiebeln und Haferflocken, aber jeder der Wettbewerbsteilnehmer hat da so sein spezielles Rezept, mit dem er/sie die Jury überzeugen will, dass sein/ihr Dock Pudding der leckerste ist. Ergänzt wird das Frühstück natürlich noch durch Eier, Schinken und/oder Würstchen.

Die Köchinnen und Köche bereiten ihre Dock Puddings auf offener Bühne zu, begleitet von der Blasmusik einer regionalen Kapelle. Der Jury werden die einzelnen Varianten hinter verschlossenen Türen vorgesetzt und sie probieren alle vom gleichen Teller, machen sich ihre Notizen und kommen dann am Ende (wenn sie alle pappsatt sind) zu einem gemeinsamen Ergebnis. Dieses wird dann verkündet und der Sieger bzw. die Siegerin erhält einen Pokal und wird zum World Champion ausgerufen. Wie das bei den Weltmeisterschaften in Mytholmroyd zugeht, zeigt dieser Film.

Robbie Coltrane schreibt in seinem Buch „B-Road Britain“ über seine Teilnahme an dem Wettbewerb.

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – North Stoke in Oxfordshire

Die Telefonzelle neben der Village Hall von North Stoke, zu sehen zu Beginn der Barnaby-Episode.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Telefonzelle neben der Village Hall von North Stoke, zu sehen zu Beginn der Barnaby-Episode.
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Vor längerer Zeit schrieb ich an dieser Stelle einmal über meine Aufenthalte im The Springs Hotel bei Wallingford in Oxfordshire. In diesem Haus wohnte einmal der Deep Purple-Sänger Ian Gillan, wovon noch heute der gitarrenförmige Swimming Pool zeugt. Direkt neben dem Hotel und dem The Springs Golf Club liegt das Dörfchen North Stoke, in dem eine einzige Episode der Inspector Barnaby-Serie gedreht wurde und das ist schon eine Weile her. „Ring Out Your Dead“ war Folge 20, die unter dem Titel „Glockenschlag zum Mord“ erstmals im Jahre 2007 im ZDF gezeigt wurde; 2002 wurde sie in England ausgestrahlt.

Ein Teil der Dreharbeiten fand in North Stoke an der Themse statt, das im Film Midsomer Wellow heißt. Gleich nach dem Vorspann sind einige dieser Szenen zu sehen, die auf der Hauptstraße des Ortes spielen, die einfach nur The Street heißt. Da ist die charakteristische rote Telefonzelle zu sehen und dort wird der grantige Reggie Harton um ein Haar von Detective Sergeant Troy mit dem Auto überfahren. Die Telefonzelle steht direkt neben der über 100 Jahre alten Village Hall von North Stoke, die in Midsomer Willow Village Hall umfunktioniert wurde, in der die Glockenläuter auf die Entscheidung der Jury warten, wer den Wettbewerb als bester „bell-ringer“ gewonnen hat. Adrian Scarborough, der den fanatischen Peter Fogden spielt, läuft mit dem gewonnenen Pokal in den Händen laut jubelnd aus der Village Hall hinaus. Eine weitere Szene mit Adrian Scarborough wurde im Church Lane gedreht; dort fährt er auf seinem Fahrrad in Richtung The Street und biegt dort ab.

In „Ring Out Your Dead“ hat man, wie in vielen anderen Episoden auch, sehr viele Szenen zusammengeschnippelt, die in mehreren Drehorten gefilmt wurden. Die Kirche ist nicht St Mary in North Stoke, sondern St Leonard’s in Watlington (Oxfordshire) und auch die Tea Rooms sind woanders, nämlich in Taplow (Buckinghamshire), wo auch die Szenen auf dem Village Green gedreht wurden.

Zurück zu North Stoke: Im Church Lane in der Rectory Farm wohnte übrigens der bekannte Schauspieler Michael Caine, und noch eine Berühmtheit hatte sich North Stoke als Wohnsitz ausgesucht: Die Sängerin Clara Butt (1872-1936), die in der Brooke Lodge in The Street wohnte und auch im Dorf starb. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Kirchhof von St Mary. Hier ist sie mit „Land of Hope and Glory“ zu hören.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Themse liegt Cholsey, wo Agatha Christie begraben liegt und wo die Inspector Barnaby-Episode 77 „The Silent Land“ (dt. „Geisterwanderung“) gedreht wurde; ich berichtete in meinem Blog darüber.

North Stoke Village Hall.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

North Stoke Village Hall.
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Church Lane, die Adrian Scarborough alias Peter entlangradelt.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Church Lane, die Adrian Scarborough alias Peter Fogden entlangradelt.
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The Street in North Stoke.   © Copyright David Purchase and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Street in North Stoke.
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Reverend Frederick Nolan, der Pfarrer aus Prittlewell (Essex) und sein Kampf gegen die besessenen Glockenläuter

St Mary's in Prittlewell.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Prittlewell.
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Reverend Frederick Nolan (1784-1864) war ein aus Irland stammender Theologe, der am 25. Oktober 1822 die Pfarrstelle von St Mary’s in Prittlewell in Essex übernahm, heute Teil der Stadt Southend-on-Sea. Mr. Nolan war ein sehr fleißiger Mann, der sich nicht nur um seine Gemeinde kümmerte, sondern auch viele Bücher schrieb, die sich zugegebenermaßen mit etwas abseitigen Themen beschäftigten. So hieß eines seiner Werke „The Expectations formed by the Assyrians that a Great Deliverer would appear about the time of our Lord’s Advent, demonstrated“ und eines „The Egyptian Chronology analysed, its theory developed and practically applied, and confirmed in its dates and details, from its agreement with the Hieroglyphic Monuments and the Scripture Chronology“.

Wenn man solche Bücher schreibt, braucht man sicher absolute Ruhe und man möchte nicht gestört werden, um in der Konzentration zu bleiben. In dieser Hinsicht hatte es Reverend Nolan nicht leicht. Das Pfarrhaus war wie üblich ganz in der Nähe der Kirche und St Mary’s verfügte damals über eine Schar außerordentlich fleißiger Glockenläuter, die vom „bell-ringing“ gar nicht genug bekommen konnten. Sie standen extra früh auf, um schon um 5 Uhr morgens das erste Glockengeläut zu starten. Der Pfarrer war etwas genervt davon und bat sie, doch etwas später, so gegen 8 Uhr damit zu beginnen, was aber auf völliges Unverständnis der Läuter stieß. Die Glockenfreunde von St Mary’s blieben bei der frühen Stunde und läuteten auch den ganzen Tag hindurch. Frederick Nolan war ein geduldiger Mensch und ertrug die Glocken von St Mary’s 18 Jahre lang; erst nach dieser langen Zeit, als seine Nerven durch das Gebimmel wieder einmal blank lagen, rastete er eines Tages aus, rannte mit einem Messer in der Hand die Stufen des Kirchturms hinauf und begann, die Glockenseile durchzuschneiden. Nur mit Mühe konnte man ihm von seinem Vorhaben abbringen. Nolan ging noch einen Schritt weiter, verschloss seine Kirche und postierte einen Polizisten vor die Tür. Die Glockenläuter von Prittlewell waren erbost und schlugen daraufhin die Fenster der Pfarrei ein, was wiederum Reverend Nolan veranlasste, mit einer Pistole Warnschüsse abzugeben. Als dann die bell-ringer auch noch über das Kirchendach in den Turm gelangten, um zu ihren geliebten Glocken zu kommen, richtete der Pfarrer seine Pistole direkt auf sie.

Die Kirchenbehörden schalteten sich ein, um den eskalierenden Streit zu beenden. Die Glockenläuter wurden mit einer Geldstrafe belegt, der  Anführer, der nicht daran dachte, die auch zu bezahlen, sogar für einige Monate ins Gefängnis gesteckt. Allesamt wurden sie von den Behörden streng ermahnt, ihren Pfarrer nicht mehr zu belästigen, woran sie sich dann wohl auch hielten. Der Reverend blieb noch viele weitere Jahre (insgesamt waren es 42) in seiner Pfarrgemeinde in Prittlewell. Wie die Glocken von St Mary’s klingen, zeigt dieser Film.

Die Details dieser Geschichte fand ich in Paul Wreyfords ausgezeichnetem Buch „The A-Z of Curious Essex„, erschienen 2013 im Verlag The History Press.

Reverend Nolans einstiger Arbeitsbereich.   © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Reverend Nolans einstiger Arbeitsbereich.
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Spielplatz – Englands ältestes Nudistendorf bei Bricket Wood in Hertfordshire

   © Copyright Rob Candlish and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Nur wenige hundert Meter von der Autobahn M25 entfernt, in einem Waldgebiet am Lyle Lane bei Bricket Wood in der Grafschaft Hertfordshire, liegt Englands ältestes Nudistendorf, dem man den deutschen Namen „Spielplatz“ gegeben hat. In über 30 Bungalows wohnen hier Menschen jeden Alters, die gern hüllenlos durchs Leben gehen. Darüber hinaus stehen weitere Häuser zur Verfügung, die an Gäste vermietet werden.

Gegründet wurde „The Naked Village“ 1929 von Charles und Dorothy Macaskie, die den Moloch London verließen und vor den Toren der Stadt das Wäldchen kauften, um dort in Ruhe ihre Tochter Iseult aufziehen zu können. Nach und nach bauten sie Bungalows, einen Swimmingpool und die Stichstraße zur Lyle Lane. Englands erstes Nudistendorf erblickte das Licht der Welt.

Spielplatz Naturist Resort“ wird heute als Club geführt, das heißt, man muss die Mitgliedschaft erwerben, um dort wohnen zu dürfen.  £230 kostet das für ein Ehepaar. Auch Nichtmitglieder können auf dem Spielplatz übernachten, entweder in den kleinen Chalets oder in mitgebrachten Wohnwagen, Wohnmobilen und Zelten.

Mittelpunkt der Anlage ist das Clubhaus, in dem eine Sauna, ein Jacuzzi und Solarium sowie ein Restaurant und eine Bar untergebracht sind.
Die Regeln des Nudistendorfes sehen vor, dass man in der gesamten Anlage keine Kleidung trägt, es sei denn das Wetter lässt das nicht zu. Fotografieren ist ein absolutes Tabu und jegliche Formen sexueller Anmache werden nicht toleriert.

1961 wurden Teile des Nudistenfilms „Naked As Nature Intended“ (hier ist ein Ausschnitt) mit Pamela Green in der Hauptrolle hier in der Anlage gedreht. In der damaligen Zeit war so ein Film noch ziemlich skandalös; Pamela Green schrieb ein Buch darüber, das 2013 erschien: „Naked As Nature Intended: The Epic Tale Of A Nudist Picture“ (Suffolk & Watt).

Das älteste Nudisten-Magazin der Welt erscheint auch in England und existiert bereits seit 117 Jahren: H&E Naturist.

Spielplatz Ltd
Lye Lane
Bricket Wood
St Albans
Hertfordshire
AL2 3TD

 

 

Published in: on 3. Mai 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Hingham (Norfolk) – Von hier kamen die Vorfahren eines berühmten amerikanischen Präsidenten

   © Copyright Craig Tuck and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Dorfschild von Hingham in Norfolk, westlich von Norwich gelegen, zeigt einen wesentlichen Moment der Geschichte des Ortes: Die Abreise der Pilgrim Fathers mit Segelschiffen in Richtung Amerika. Im 17. Jahrhundert machten sich auch einige Bewohner aus Hingham auf den weiten Weg über den Ozean, um in der Neuen Welt ein neues Leben zu beginnen; unter ihnen ein gewisser Samuel Lincoln, der 1637 England verließ. Samuel war in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und hatte das Weberhandwerk gelernt. Er sah für sich aber keine Zukunft in seinem Heimatland und hoffte in Amerika glücklicher zu werden. Dort hatte sich bereits sein älterer Bruder Thomas niedergelassen, in einem Ort im heutigen Massachusetts, der nach dem Heimatdorf Hingham benannt war.

Samuel Lincoln konnte in Amerika Fuß fassen, er heiratete und hatte elf Kinder. Aus dieser Linie stammte ein berühmter Nachkomme, der Abraham Lincoln hieß, am 12. Februar 1809 zur Welt kam und der zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden sollte. Nach etwas über vier Jahren Präsidentschaft, in der er die Sklaverei abschaffte, wurde er am 15. April 1865 im Ford’s Theatre in Washington D.C. von John Wilkes Booth erschossen.

Wahrscheinlich wäre die Geschichte der Vereinigten Staaten anders verlaufen, wenn es vor der Abreise des jungen Samuel Lincoln nicht zu Erbschaftsstreitigkeiten gekommen wäre, in die sein Vater verwickelt war. Samuels Großvater Richard Lincoln, ein wohlhabender Mann, hatte aus vier Ehen mehrere Kinder. Als Richard starb, vererbte er sein gesamtes Vermögen an seinen jüngsten Sohn Henry, Samuels Vater ging leer aus. Hätte er geerbt, wäre Samuel wahrscheinlich nie nach Amerika ausgewandert und es hätte nie einen Abraham Lincoln gegeben…

Noch heute hält man die Erinnerung an die Lincoln-Familie in Hingham aufrecht. In der Dorfkirche St Andrew’s ist in einer Wandnische die Büste von Abraham Lincoln eingelassen, die im Jahre 1919 vom US-Botschafter John W. Davis enthüllt wurde. Nicht weit von der Kirche entfernt, steht die 1977 erbaute Village Hall von Hingham, die nach Abraham Lincoln benannt wurde. Am Fairland Court hat sich Lincoln’s Tea and Coffee Shoppe etabliert; der Schriftzug über dem Laden ist sowohl von der britischen als auch von der amerikanischen Fahne eingerahmt. Das kleine Lokal hat sich allerdings nicht auf amerikanische Speisen spezialisiert.

Das amerikanische Gegenstück zu dem Dorf in Norfolk liegt direkt am Meer, südlich von Boston. In der Nähe der Kleinstadt Hingham, Massachusetts, findet man mehrere Orte, deren Namen ebenfalls an England erinnern wie Braintree, Weymouth und Dedham.

Abraham Lincolns Büste in der Kirche St Andrews.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Abraham Lincolns Büste in der Kirche St Andrew’s.
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Die Lincoln Village Hall in Hingham.   © Copyright Charles Greenhough and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Lincoln Village Hall in Hingham.
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