Norwich und Nottingham – Zwei UNESCO Cities of Literature

The Forum, in dem die Norwich Millennium Library untergebracht ist.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Forum, in dem die Norfolk and Norwich Millennium Library untergebracht ist.
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Seit dem Jahr 2004 ernennt die UNESCO jährlich sogenannte Cities of Literature; dreimal ist Städten im Vereinigten Königreich diese Ehre zuteil geworden: Edinburgh (2004) in Schottland und Norwich (2012) und Nottingham (2015) in England. Um zur UNESCO Stadt der Literatur ernannt zu werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden, darunter:

  • Es müssen Bibliotheken, Buchhandlungen und private/öffentliche Kulturinstitutionen vor Ort sein, die sich intensiv mit inländischer/ausländischer Literatur beschäftigen
  • Literatur, Theater und Dichtkunst müssen in der Stadt eine herausgehobene Rolle spielen.
  • Literaturfestivals und vergleichbare kulturelle Aktivitäten sollten angeboten werden.
  • Das Verlagswesen muss in der Stadt eine überdurchschnittliche Rolle spielen.

Norwich in der Grafschaft Norfolk erfüllte diese und weitere Kriterien spielend. Beispiele dafür sind u.a.:
Die Norfolk and Norwich Millennium Library gehört zu den beliebtesten öffentlichen Bibliotheken des Landes.
Die Buchhandlungen Waterstones und The Book Hive führen das ganze Jahr über literarische Veranstaltungen durch.
Auch der 1943 gegründete Norwich Writers Circle ist literarisch sehr aktiv und präsentiert monatlich Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen.
Das Writers‘ Centre Norwich fördert das kreative Schreiben lokaler Autoren und führt u.a. Schreibwerkstätten und Lesungen durch und organisiert das internationale Worlds Literature Festival.
Dieser Film zeigt einige Stellungnahmen Einheimischer zu der Auszeichnung der UNESCO.

Wie sieht es nun in Nottingham aus, der zweiten englischen UNESCO City of Literature?
Nottingham war die Heimat einiger literarischer Größen wie D. H. Lawrence, Lord Byron und Alan Sillitoe; aber auch eine Vielzahl weniger bekannter Autoren waren/sind hier zuhause.
Die Stadt unterhält viele Gruppierungen, die sich mit kreativem Schreiben befassen.
Nottingham hat sich aktiv für die Verbesserung der Bildung in der Bevölkerung eingesetzt.
Das 1948 gegründete Nottingham Playhouse hat sich einen sehr guten Ruf erworben.

Auch dieser Film zeigt Stellungnahmen einiger Nottinghamer aus der literarischen Szene der Stadt.

In diesem Sommer gab jede der UNESCO Cities of Literature eine Leseempfehlung ab; die von den beiden englischen Städten sind:
Sarah Perry: The Essex Serpent (Norwich). Sarah wurde 1979 in Essex geboren, lebt aber in Norwich. Sie war UNESCO World City of Literature Writer in Residence in Prag.
Kim Slater: Smart (Nottingham). Das Buch wurde unter dem Titel „Smart oder Die Welt mit anderen Augen“ ins Deutsche übersetzt. Kim wurde in Nottingham geboren und lebt dort auch.

P.S. Die bisher einzige deutsche Stadt, die zur UNESCO City of Literature ernannt wurde, ist Heidelberg (2014).

Das Nottingham Playhouse Theatre.    © Copyright Stephen Richards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Nottingham Playhouse Theatre.
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Published in: on 31. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Canal Museum in Stoke Bruerne (Northamptonshire)

Das Kanalmuseum.   © Copyright Mat Fascione and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kanalmuseum.
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Das kleine Dorf Stoke Bruerne liegt im südlichen Teil von Northamptonshire, nur wenige Kilometer von Northampton entfernt. Bekannt ist der Ort vorwiegend bei Hausbootfahrern, die den Grand Union Canal entschlangschippern.
Hier gibt es das Canal Museum, das über die Geschichte des englischen Kanalbaus informiert.

Das Interesse mit einem „narrow boat“ auf Kanälen entlangzufahren, ist in den letzten Jahren stark gestiegen, zumal immer wieder, lange Jahre brachliegende Kanäle neu eröffnet und freigegeben worden sind.

Das liebevoll gestaltete Museum in Stoke Bruerne gibt Auskunft über die  einstige wirtschaftliche Bedeutung der Kanäle als Transportsystem, zeigt die Arbeit der Schleusenwärter und bietet eine Übersicht über die verschiedenen Bootsformen anhand von zahlreichen Modellen. Das Museum ist täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Neben diesem Museum unterhält der Canal & River Trust noch zwei weitere: Das National Waterways Museum in Ellesmere Port (Cheshire) und das Gloucester Waterways Museum in Gloucester (Gloucestershire).

Wer einmal auf einem Narrow Boat mitfahren möchte, kann dies hier tun, denn „Charlie“ steht für Ausflüge zur Verfügung. Zwei Pubs, die direkt neben dem Grand Union Canal liegen, sorgen für das leibliche Wohl der Museumsbesucher: The Boat Inn und The Navigation.

Fährt man mit dem Boot von Stoke Bruerne in Richtung Blisworth ist ein Hindernis zu überwinden, nämlich der Blisworth Tunnel, mit 2813m Länge, der drittlängste schiffbare Kanaltunnel Englands.

Dieser Film zeigt ein Stück Idylle am Kanal bei Stoke Bruerne.

The Canal Museum
3 Bridge Road
Stoke Bruerne
Towcester NN12 7SB

Eine Schleuse in Stoke Bruerne.   © Copyright Anne Burgess and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Schleuse in Stoke Bruerne.
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Die südliche Einfahrt des Blisworth Tunnels.   © Copyright Mat Fascione and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die südliche Einfahrt des Blisworth Tunnels.
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Published in: on 30. Juli 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Episode 100 „Barnaby muss reisen“ (The Killings of Copenhagen)

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Am Sonntag, dem 31. Juli zeigt das ZDF die Jubiläumsfolge 100 der Krimiserie „Midsomer Murders“ alias „Inspector Barnaby“, die den Titel „Barnaby muss reisen„, im Original „The Killings of Copenhagen„, trägt. Wohin die Reise geht, die John Barnaby und sein Sergeant Charlie Nelson unternehmen müssen, zeigt der Originaltitel, nämlich nach Kopenhagen. DCI Barnaby geht äußerst ungern auf diese Reise, da seine Frau kurz vor der Entbindung steht. In Kopenhagen wurde Eric Calder, der Inhaber einer Keksfabrik aus dem Midsomer County, ermordet, und so treffen die beiden Ermittler auf ihre dänischen Kolleginnen Birgitte Poulsen und Anna Degn, die sie vor Ort unterstützen.

Die Calder’s Biscuit Company kommt Barnaby-Fans vielleicht bekannt vor, handelt es sich doch bei den Außenaufnahmen um denselben Drehort, der schon für die Fabrik, die Plummer’s Relish in Episode 40 „Sauce for the Goose“ (dt. „Die Leiche ist heiß“) herstellt, verwendet wurde: The Maltings in Amersham (Buckinghamshire). Über meinen Besuch dort, berichtete ich bereits in meinem Blog.

Aufmerksame Zuschauer der TV-Serie werden sicher auch die Kirche wiedererkennen, in der die Trauerfeier für Eric Calder stattfindet. Es ist St Mary the Virgin in Denham (Buckinghamshire), die von den Produzenten der Serie immer wieder aufgesucht wurde (vielleicht weil der frühere Produzent Brian True-May hier geheiratet hat). Cully Barnabys Trauung sah man hier in Folge 61 „Blood Wedding“ (dt. „Ganz in rot“), die Barnabys singen in St Mary’s am Heiligen Abend in Episode 37 „Ghosts of Christmas Past“ (dt. „Haus voller Hass“) und der Midsomer Worthy Choir probt hier in Folge 50 „Death in Chorus“ (dt. „Tote singen nicht“). Hier ist ein kleiner Film über die Kirche, auf deren Friedhof das Grab des Erfinders des Schleudersitzes, Sir James Martin, zu finden ist (ich schrieb in meinem Blog darüber).

Bestimmt werden einige Barnaby-Fans auch Schauspieler in Episode 100 wiedererkennen, die schon in früheren Folgen mitgespielt haben. Da ist zum Beispiel Adrian Lukis, der den Julian Calder verkörpert, den Bruder des ermordeten Keksfabrikanten. Lukis spielte 2004 in Folge 37 „Dead in the Water“ (dt. „Nass und tot“) den Phillip Trent, der die Ruderregatta auf der Themse organisiert, Vater der hübschen Hettie. Auch in „Downton Abbey“ spielte Adrian Lukis einmal kurz mit, als Sir John Darnley in Episode 6.1.

Unverwechselbar ist auch das Gesicht und die Figur von Richard Cordery, der in „Barnaby muss reisen“, den  Antiquitätenhändler Atticus Bradley spielt, der zusammen mit seinem Bruder Ernest eine zwielichtige Rolle einnimmt. Cordery war 2004 in Folge 34 „The Straw Woman“ (dt. „Brennen sollst du“) als Dr. John Cole und in Folge 74 „The Made-to-Measure Murders“ (dt. „Du musst dran glauben“) als Morris Bingham zu sehen.

Die junge hübsche Summer Haleston, die in einem Cafè arbeitet und mit Harry Calder befreundet ist, wird von Poppy Drayton gespielt, die auch schon einmal einen Kurzauftritt in „Downton Abbey“ hatte und zwar als Madeleine Allsopp in „The London Season“ (2013).

Die beiden dänischen Ermittlerinnen sind Ann Eleonora Jørgensen, die die Kommissarin Birgitte Poulsen, und Birgitte Hjort Sørensen, die ihre Assistentin Anna Degn spielt. Erstere kennt man in Deutschland aus der TV-Serie „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ (2007-2012), da war sie die Pernille Birk Larsen, letztere aus der Serie „Borgen – Gefährliche Seilschaften“ (2010-2013), in der sie als Katrine Fønsmark zu sehen war.

The Maltings in Amersham (Buckinghamshire) = Die Caldersche keksfabrik. Eigenes Foto.

The Maltings in Amersham (Buckinghamshire) = Calder’s Biscuit Company.
Eigenes Foto.

St Mary the Virgin in Denham (Buckinghamshire). Hier findet die Trauerfeier für Eric Calder statt. Eigenes Foto.

St Mary the Virgin in Denham (Buckinghamshire). Hier findet die Trauerfeier für Eric Calder statt.
Eigenes Foto.

Published in: on 29. Juli 2016 at 02:00  Comments (5)  

Mein Buchtipp – Richard Earl of Bradford: Stately Secrets: Behind-the-Scenes Stories from the Stately Homes of Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Richard Thomas Orlando Bridgeman, der 7. Earl of Bradford, hat ein Buch geschrieben, das jeden interessieren wird, der einmal wissen möchte, was sich hinter den Kulissen der großen englischen Stately Homes, der großen Herrenhäuser, abspielt und was die Führer der Guided Tours nicht erzählen. „Stately Secrets: Behind-the-scenes Stories from the Stately Homes of Britain“ heißt der vollständge Titel des Buches, das erstmals 1996 im Londoner Verlag Robson Books erschien und derzeit leider nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen und der Earl of Bradford hat es mit einer Prise englischen Humors geschrieben.

Da geht es u.a. um eine Gruppe reicher texanischer Geschäftsleute „The Bombay Bicycle Club of Houston“, die für einige Tage Weston Park, das  Anwesen des Earls of Bradford besuchen, mit Radfahren aber nichts im Sinn haben, da sie alle sehr hübsche junge Damen mitgebracht haben (nicht die eigenen!) mit denen sie sich nach dem Dinner auffallend schnell in ihre Zimmer zurückziehen.
Der Duke of Northumberland berichtet von einem Besuch des Boxers Muhammad Alis auf Alnwick Castle, der so beeindruckt von dem Schloss war, dass er sofort nach dem Kaufpreis fragte.

Im Longleat House, wo der Marquess of Bath residiert, fragte ein amerikanischer Besucher beim Anblick der Great Hall „Is this where Lord Bath holds his balls and dances?“ (muss ich das übersetzen?).

Der 7. Earl of Bradford hat noch weitere Bücher geschrieben, zum Beispiel „My Private Parts and The Stuffed Parrot“ (1984), „The Eccentric’s Cookbook“ (1985), in dem es um „strange concoctions, daring delicacies and potted histories“ geht und „Porters English Cookery Bible„, ein Kochbuch aus dem Restaurant des Autors, Porters, im Londoner Covent Garden, das im vorigen Jahr nach Berkhamsted in Hertfordshire umgesiedelt ist. Hier ist ein Film mit Richard, Earl of Bradford, der Tipps für die richtige Suche nach Restaurants gibt.

Richard, Earl of Bradford: Stately Secrets – Behind-the-scenes Stories from the Stately Homes of Britain. Robson Books 1998. 211 Seiten. ISBN 978-1861050359.

Published in: on 28. Juli 2016 at 02:00  Comments (4)  

Die St Austell Brewery – Ein Familienunternehmen in St Austell (Cornwall)

Eigenes Foto

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Walter Hicks legte 1851 den Grundstein für die St Austell Brewery, die seitdem fest in Familienbesitz ist und sich nicht von einem der großen Konzerne schlucken ließ. St Austell liegt an der Südküste von Cornwall und zählt zu den größten Städten der Grafschaft. Die Brauerei beschäftigt die meisten Arbeitnehmer in der Region und beliefert den ganzen Südwesten nicht nur mit ihren Bieren, sondern auch mit anderen Getränken und Spirituosen. Zu dem Unternehmen gehören weiterhin zahlreiche Pubs und Hotels.

Die bekannteste und umsatzstärkste Biersorte der Brauerei ist das Tribute Ale, mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2015 bei der International Beer Challenge und bei den World Beer Awards. Ich habe mir gerade zwei andere Sorten zugelegt, das Admiral’s Ale und Big Job.

Das Admiral’s Ale wurde erstmals 2005 gebraut, aus Anlass des 200. Jahrestages der Schlacht von Trafalgar. Das Etikett zeigt Admiral Nelson mit einem bierflaschenförmigen Fernrohr und den Worten „I see no ships“. Das rückseitige Etikett gibt weitere Informationen: Es war im Blue Anchor in Fraddon (der heute zu der Brauerei gehört), wo der königliche Bote John Richards Lapenotière, der die Botschaft von dem Sieg von Trafalgar und dem Tode Nelsons nach London bringen sollte, eine Pause einlegte, um sich zu erfrischen. In Gedenken an die berühmte Schlacht kann man heute noch mit dem Admiral’s Ale auf Horatio Nelson anstoßen.

Das Big Job ist ein „Cornish Double IPA“, wobei das IPA für India Pale Ale steht, und hat einen Alkoholgehalt von 7,2%. Es ist „massively hopped“ und „dry as a bone“.

Weitere Sorten der St Austell Brewery sind Korev (das Bier, das die Surfer an den Stränden Cornwalls lieben, weil die Brauerei den Sport unterstützt), Hicks Special Draught (in Erinnerung an den Firmengründer gebraut), Eden Pale Ale (in Zusammenarbeit mit dem nur wenige Kilometer entfernten Eden Project entwickelt) und Clouded Yellow (das nach einem Schmetterling benannte Getränk ist eine Art Weißbier, dem Nelken, Koriander und Ahornsirup hinzugefügt werden).

Für alle diejenigen, die sich für den Brauprozess interessieren, wird jeden Freitagnachmittag eine sogenannte „Access All Areas Tour“ angeboten, bei der man einen Blick hinter die Kulissen der St Austell Brewery werfen kann. Für £25 ist man dabei, darin sind (und das ist sicher für die meisten der wichtigste Punkt) drei Pints enthalten plus diverser Bierproben. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele der Tourenteilnehmer am liebsten gleich zu den Pints und zu den Proben gehen und die Besichtigung des Brauvorgangs nach Möglichkeit streichen würden.

Seit 1999 findet jedes Jahr im November das St Austell Celtic Beer Festival in den Kellergewölben der Brauerei statt, bei dem über 150 verschiedene Biersorten aus dem ganzen Südwesten angeboten werden.

Auf dem Gelände der Brauerei gibt es ein Besucherzentrum, in dem man in der Hicks Bar die Produkte der St Austell Brewery probieren, im Restaurant Frühstück, Mittag- und Abendessen zu sich nehmen und im Shop sich mit Souvenirs eindecken kann.

Dieser witzig gemachte und informative Film stellt die Brauerei vor.

St Austell Brewery
63, Trevarthian Road
St Austell PL25 4BY

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Das Besucherzentrum.   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Blue Anchor in Fraddon (Cornwall).   © Copyright Rod Allday and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 27. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das ungewöhnliche Kriegerdenkmal von Studham in Bedfordshire

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Fast jede Stadt und jedes Dorf in England hat einmal ein Kriegerdenkmal errichtet, mit dem die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege geehrt werden. In den Dörfern sind die Erinnerungsstätten oft auf dem Village Green zu finden. In den kleineren Orten hat man die Namen der Gefallenen auf dem Denkmal verewigt. Nur die wenigen glücklichen „Thankful Villages„, über die ich in meinem Blog einmal schrieb, hatten unter ihren Bewohnern keine getöteteten Soldaten zu beklagen.

Auch das kleine Studham im südlichen Bedfordshire hat dort, wo die Church Road, die Dunstable Road und die Kensworth Road zusammenstoßen, gegenüber vom Red Lion Pub, auf einer großen Grünfläche ein Kriegerdenkmal errichtet, das sich aber von den anderen im Land deutlich unterscheidet: In einem gepflegten Heckenviereck steht das gemauerte „War Memorial“ in Form eines Uhrenturms, der den passierenden Autofahrern stets die korrekte Zeit anzeigt. Eingeweiht wurde das Denkmal am 20. Dezember 1919 von Earl Brownlow, der Ende des 19. Jahrhunderts einmal der Kommandeur der Bedfordshire Volunteer Infantry Brigade war.

13 Namen von Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren, und 3, die aus dem Zweiten Weltkrieg nicht nach Hause kamen, sind auf dem Uhrenturm bzw. Kriegerdenkmal festgehalten. Besonders tragisch finde ich, dass sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg  mehrere Brüder aus Studham ums Leben kamen, darunter Laurie Edgar Worthington (1940) und Dennis Leonard Worthington (1942).

Die Fotos der Männer finden sich in einer Glasvitrine in der Dorfkirche St Mary the Virgin am anderen Ende von Studham. Zusammen mit den Soldaten wird auch noch an eine junge Frau erinnert, an Mary Olive Hart, die im Alter von 22 Jahren während eines Angriffs deutscher Luftschiffe durch Schock starb.

Zur Orientierung: Studham liegt rund zwei Kilometer südlich des Whipsnade White Lions und der Whipsnade Tree Cathedral (ich berichtete in meinem Blog darüber), westlich der Autobahn M1.

St Mary the Virgin Studham.   © Copyright John Lord and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Meine Lieblings-Pubs: The Bell Inn in Welford-on-Avon (Warwickshire)

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Meine Frau und ich wohnten einmal in einem wunderschönen Cottage in Welford-on Avon in Warwickshire, nur wenige Meilen von Stratford-on-Avon entfernt. So blieb es natürlich nicht aus, dass wir „The Bell Inn“ einen Besuch abstatteten. Vom Cottage zum Pub waren es vielleicht 500 Meter, aber da die Gemeindeverwaltung von Welford an Straßenbeleuchtung gespart hat bzw. überhaupt keine vorhanden war, gestaltete sich der Weg zum Pub und zurück im Stockdunklen als ziemlich abenteuerlich.

Im „Bell Inn“ war es dafür schön hell und gemütlich warm und hier feierten wir unseren Hochzeitstag. Der Tisch war entsprechend nett gedeckt (ich hatte bei meiner Tischreservierung auf diesen besonderen Tag hingewiesen). Das Haus wurde kürzlich zum wiederholten Male zum „Best Dining Pub in Warwickshire“ erkoren, also eine große Ehre für Colin und Teresa Ombler, die das Haus 1995 übernahmen. Das Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert und enthält alles, was man in einem urigen Pub erwartet: offene Kaminfeuer, Eichenbalken und altes Mobiliar.
Man erzählt sich die Geschichte, dass William Shakespeare einmal auf dem Rückweg nach Stratford-upon-Avon im The Bell Inn auf einen Drink einkehrte und sich bei dem schlechten Wetter eine Lungenentzündung zuzog, an der er dann starb. Aber ob das wohl stimmt?

Im Pub wird u.a. auch Bier von einer sogenannten Microbrewery, also einer kleinen Brauerei, ausgeschenkt, der Purity Brewing Co., die  in Warwickshire ihr Real Ale produziert.

Ein Besuch im „Bell Inn“ lohnt sich also immer, für ein Pint oder für ein nettes Abendessen.

The Bell Inn
Binton Road
Welford-on-Avon CV37 8EB

Unser damaliges Cottage in Welford-on-Avon. Eigenes Foto

Unser damaliges Cottage in Welford-on-Avon.
Eigenes Foto

Published in: on 25. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Tiggywinkles in Haddenham (Buckinghamshire) – Europas größte Klinik für wildlebende Tiere

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Gerade hörte ich vom Tod Les Stockers, der sich um das Wohl der wildlebenden Tiere Englands verdient gemacht hat. Hätte es ihn nicht gegeben, wären unzählige Vögel, Igel, Dachse, Füchse usw. usw. qualvoll an ihren Verletzungen verendet. Les Stocker verstarb am 16. Juli im Alter von 73 Jahren und seine Tierklinik St Tiggywinkles in Haddenham (Buckinghamshire), die er gründete und prägte, wird ihn sehr vermissen. Über Haddenham schrieb ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit den Dreharbeiten zur Inspector Barnaby-Serie.

Es begann in den 1970er Jahren als Les Stocker einen verletzten Igel fand, den er zu einem Tierarzt brachte, der das Tier aber nicht behandeln wollte. Also nahm Stocker das Stacheltier mit zu sich nach Hause und pflegte es selbst gesund. Das war der Startschuss für ein kleines Tierkrankenhaus, das Les und seine Frau Sue in ihrem Garten in Aylesbury (Buckinghamshire) eröffneten. Es sprach sich in der Region herum, dass es da ein Ehepaar gab, das verletzte Wildtiere aufnahm. Mr Stocker gab seinen eigentlichen Beruf auf, kümmerte sich nur noch um das ursprüngliche Hobby und gründete 1983 den Wildlife Hospital Trust. Da besonders viele Igel abgegeben wurden, machten die Stockers eine eigene Igelstation auf, die sie St Tiggywinkles nannten, nach dem Kinderbuch „The Tale of Mrs Tiggy-Winkle“ von Beatrix Potter, in dem ein Igel die Hauptrolle spielt.

Der Garten in Aylesbury wurde schnell zu klein, und so siedelten sich Les und Sue Stocker 1991 in dem nur wenige Kilometer entfernten Haddenham an der Aston Road an, wo sich seitdem Europas größte Tierklinik für wildlebende Tiere befindet. Mehr als 10 000 Tiere werden hier jedes Jahr behandelt; einige bedürfen nur kurzzeitiger Pflege, andere müssen operiert werden. Das Ziel der Klinik ist, alle Tiere wieder in ihr natürliches Umfeld zurückzuführen.
Als der Bee Gees-Sänger Robin Gibb noch lebte, kam er hin und wieder in St Tiggywinkles vorbei und brachte kranke oder verletzte Tiere in die Klinik, die er auf seinem Anwesen oder in der näheren Umgebung gefunden hatte; das waren zum Beispiel Hasen, Igel, Füchse oder Krähen. Robin Gibb lebte im Nachbarort Thame.

Wer sich St Tiggywinkles einmal ansehen möchte, der kann das gern tun. Es gibt ein täglich geöffnetes Besucherzentrum, wo u.a. Hedgehog Talks, Fox Talks und Deer Talks angeboten werden. Es gibt ein Igelmuseum und durch eine Scheibe kann man einen Blick auf die Aufzuchtstation werfen, in der Tierbabies großgezogen werden. Ein Souvenirladen und ein Coffee Shop runden das Angebot der Tierklinik ab. Der Eintritt kostet £5.10 für Erwachsene, £3.20 für Kinder, Senioren haben freien Eintritt.

Wenn man die Aston Road weiter in Richtung Dorfmitte fährt, kommt man direkt am Village Green vorbei, auf dem die Inspector Barnaby-Episode 12 „Judgement Day“ (dt. „Der Mistgabel-Mörder“) gedreht wurde.

Dieser Film zeigt St Tiggywinkles und seinen Gründer Les Stocker, der auch mehrere Bücher veröffentlicht hat wie „Practical Wildlife Care“ (Wiley-Blackwell 2005) oder Kinderbücher wie „Wilf the Smallest Badger in the World and Oher Stories“ (HarperCollins Children’s Books 1998).

Tiggywinkles Wildlife Hospital
Aston Road
Haddenham
Buckinghamshire
HP17 8AF

Hinweisschilder am Village Green von Haddenham, u.a. auch nach Tiggywinkles.    © Copyright Rob Farrow and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hinweisschilder am Village Green von Haddenham, u.a. auch nach Tiggywinkles.
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Englische Kathedralen und ihre Eintrittspreise

Ely Cathedral in Cambridgeshire.   © Copyright Peter Trimming and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ely Cathedral in Cambridgeshire.
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Ist es eigentlich in Ordnung, dass man Eintritt bezahlt, um eine Kirche besichtigen zu können? Bei meinen Reisen durch England musste ich immer wieder feststellen, dass die großen Kathedralen zum Teil heftige Eintrittspreise verlangen. Natürlich gilt das nicht für diejenigen, die in der Kirche beten wollen oder einen Gottesdienst besuchen, doch da gibt es eine Grauzone. Es soll ja auch Touristen geben, die sowohl die Kathedrale besichtigen als auch beten wollen, was macht man mit denen? Auf der einen Seite müssen die großen Kirchen unterhalten werden und das kostet viel Geld (in der Ely Cathedral sind das zum Beispiel pro Tag etwa £6000), vom Staat bekommen sie keine Zuschüsse und auch meist von der Church of England nicht. Auf der anderen Seite sollten doch Gotteshäuser jedermann offenstehen, auch denen, die nur wenig Geld zur Verfügung haben und sich den Eintritt nicht leisten können. Mehrere Male habe ich auch Kirchen erlebt, die zwar keinen Eintritt fordern, aber dafür eine Mindestspende, eine „forced donation“, die etwa in der gleichen Höhe wie die üblichen Eintrittsgelder liegt.

Ich habe hier einmal eine kleine Übersicht von bedeutenden englischen Kathedralen zusammengestellt wie die das mit dem Eintritt halten.

Ely Cathedral (Cambridgeshire) – Hier kostet der Eintritt £8, das Ticket ist dafür ein ganzes Jahr gültig, was für den Touristen in der Regel nicht interessant ist, da er vermutlich nicht wieder hierher zurückkommt. Will man einen der Türme besteigen, kommen noch einmal £7 dazu. Bei zwei Personen sind da schon einmal £30 weg.

Die Canterbury Cathedral (Kent) langt  noch kräftiger zu: £12 muss man bezahlen, um sich diese Kirche anzusehen. Ein Familienticket (2 Erwachsene plus bis zu 3 Kindern) kostet reduziert immer noch £32, da werden sich manche wohl doch überlegen, ob sie dieses Geld aufbringen wollen bzw. können.

Die St Paul’s Cathedral in London geht noch einen Schritt weiter und verlangt stolze £18 für einen Erwachsenen, die man um £2 reduzieren kann, wenn die Tickets online bestellt werden. Das Familienticket (2 Erwachsene, 2 Kinder) kostet £44, also nach derzeitigem Umrechnungskurs 52 Euro.

Die Kathedrale von Exeter (Devon) ist da etwas bescheidener und nimmt dem Besucher £7.50 ab. Kinder (unter 18 Jahren) haben freien Eintritt.

In der Winchester Cathedral (Hampshire) werden £7.95 fällig, worin eine Führung durch die Kirche inbegriffen ist. Kinder unter 16 Jahren zahlen nichts, wenn sie mit der Familie kommen. Die Turmbesteigung wird noch einmal mit £6 in Rechnung gestellt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Kathedrale weder vom Staat noch von der anglikanischen Kirche Unterstützung erhält.

Die Besichtigung des York Minsters (North Yorkshire) kostet £10; Kinder bis zum Alter von 16 Jahren in Begleitung Erwachsener dürfen die Kirche kostenlos betreten. Im Eintrittspreis enthalten ist eine Führung, das Ticket ist ein Jahr gültig. Die Turmbesteigung wird noch einmal extra mit £5 berechnet.

Die Salisbury Cathedral (Hampshire) erhebt keinen Eintritt, dafür wird eine freiwillige Spende in Höhe von £7.50 pro Erwachsenem und £5 pro Kind erwartet. Die Führungen durch die Kirche sind kostenlos. £14 000 fallen hier täglich an und auch diese Kathedrale erhält keinerlei Zuschüsse. Die Turmführung kostet £12.50 für jeden Erwachsenen, £8 für Kinder, das Familienticket (2 Erwachsene, 3 Kinder) £30.

Die Lincoln Cathedral (Lincolnshire) möchten von jedem erwachsenen Besucher £8 und von jedem Kind (5-16 Jahre) £4.80 haben. Das Familienticket (2 Erwachsene , 3 Kinder) bekommt man für £20.80.

Wer sich die Wells Cathedral (Somerset) ansehen möchte, braucht nichts zu bezahlen, aber auch hier wird eine Spende von £6 pro Erwachsenem und £15 von einer Familie erwartet. Die Unterhaltskosten für die Kirche liegen bei £4 500 täglich.

Auch in der Hereford Cathedral (Herefordshire) gibt es keine Eintrittspreise, aber Spenden werden dringend erbeten, weil hier an jedem Tag rund £4 000 für die anfallenden Arbeiten benötigt werden.

Die Peterborough Cathedral (Cambridgeshire) ist sehr bescheiden und lässt jedermann kostenlos hinein. Spenden werden selbstverständlich nicht abgelehnt, aber man überlässt die Höhe der Spende jedem Einzelnen.

„We do not charge for entry to the Cathedral, as we believe this beautiful building should be available to all“, heißt es in der Chichester Cathedral (West Sussex); man bittet aber um großzügige Spenden, damit man in Zukunft keine Eintrittspreise erheben muss.

Die Coventry Cathedral (West Midlands) schließlich belässt es bei £6 Eintritt für jeden Erwachsenen; Kinder dürfen in Begleitung ihrer Eltern kostenlos in die Kirche.

Canterbury Cathedral in Kent.    © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 23. Juli 2016 at 02:00  Comments (5)  

Exzentriker – Der Rechtsanwalt Reginald Hine (1883-1949) aus Hitchin in Hertfordshire

Hitchin in Hertfordshire.   © Copyright John Lucas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hitchin in Hertfordshire.
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Reginald Hine war ein waschechter Hertfordshire Man, geboren in Baldock im Norden der Grafschaft und wohnhaft in Hitchin, nur ein paar Kilometer entfernt. Hine war Rechtsanwalt in Hitchin, d.h. eigentlich war er nur Rechtsanwaltsgehilfe, denn er legte sein Prüfungen erst im Alter von 50 Jahren ab. Dennoch hatte er sich in der Stadt und in der Umgebung einen Namen als erfahrener und tüchtiger Anwalt gemacht. Viel lieber arbeitete der Mann aber als Historiker und da galt sein ganzes Interesse seiner Heimatstadt Hitchin. Es gab wohl kaum jemanden, der sich so gut mit der Stadt auskannte. Das Ergebnis seiner Recherchen waren das zweibändige, mehr als 900 Seiten umfassende Werk „History of Hitchin“ aus den Jahren 1927 und 1929 und „Hitchin Worthies“ (1932). Weiterhin schrieb Hine Bücher über die Kirche St Mary’s , die Grammar School, das Sun Hotel usw. usw.; der Anwalt war ein wandelndes Lexikon, was seine Heimatstadt betraf.
1945 erschien sein Buch „Confessions of an Uncommon Attorney„, das sich damals sehr gut verkaufte. „Uncommon“ war Reginald Hine auf jeden Fall. Er trug häufig eine sehr auffällige Kleidung, die aus bunten Jacketts und noch bunteren Hemden bestand, dazu oft eine Fliege.

Eine besondere Vorliebe hatte Hine für eine verfallene Ruine entwickelt, die nur wenige Kilometer südlich von Hitchin liegt, die Minsden Chapel. Schon seit dem 17. Jahrhundert liegt diese ehemalige, von Pflanzen überwucherte Kapelle in Ruinen. Oft kam er hierher und hier wollte er unbedingt einmal seine letzte Ruhe finden, was ihm auch vergönnt wurde, denn nach seinem Tod wurde seine Asche auf dem Gelände der Minsden Chapel verstreut.

Hines Tod war so ungewöhnlich wie sein Leben. Er neigte zu Depressionen und möglicherweise waren diese auch für sein Ableben verantwortlich. Am 14. April 1949 kaufte er sich auf dem Bahnhof von Hitchin eine Rückfahrkarte nach London. Auf dem Bahnsteig traf er einen Bekannten, mit dem er sich eine Weile unterhielt, dabei war er wie immer sehr lebhaft und freundlich. Als um 10.48 Uhr der Zug aus Cambridge in den Bahnhof einfuhr, wandte sich Hine um und stürzte sich auf die Gleise. Er wurde überrollt und war sofort tot. Ein Gedenkstein an der Minsden Chapel erinnert an diesen ungewöhnlichen Menschen.

Das Buch zum Artikel:
Richard Whitmore: The Ghosts of Reginald Hine: An Uncommon Attorney. Mattingley Press 2007. 240 Seiten. ISBN 978-0955466205.

Der Bahnhof von Hitchin, wo sich Reginald Hine vor einen Zug stürzte.    © Copyright Martin Addison and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Bahnhof von Hitchin, wo sich Reginald Hine vor einen Zug stürzte.
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Die Minsden Chapel.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Minsden Chapel bei Preston in Hertfordshire.
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Published in: on 22. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Türkisring Jane Austens, der beinahe den Finger einer US-amerikanischen Popsängerin geziert hätte

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Die englische Erfolgsschriftstellerin Jane Austen (1775-1817) besaß einmal einen hübschen goldeingefassten Türkisring (hier ist ein Foto davon), den man heute im Jane Austen’s House Museum in Chawton (Hampshire) besichtigen kann. Nach ihrem Tod ging der Ring in den Besitz ihrer Schwester Cassandra über, die ihn wiederum ihrer Schwägerin Eleanor Austen schenkte. Der Ring blieb im Besitz der Familie bis er im Jahr 2012 auf einer Londoner Auktion angeboten wurde. Der festgesetzte Mindestpreis betrug £30 000, eine ziemlich hohe Summe, aber angesichts der Tatsache, dass aus dem Nachlass der Autorin nur drei Schmuckstücke existieren, ein durchaus realistisches Angebot. Doch was dann tatsächlich als Gebot auf den Tisch kam, überraschte alle Interessenten, nämlich £152 450, also mehr als das fünffache des Mindestpreises. Wer war denn bereit, so viel Geld für das Schmuckstück auszugeben? Die US-amerikanische Popsängerin Kelly Clarkson, ein Fan Jane Austens und Sammlerin von Memorabilien der Autorin. Die Texanerin wurde durch die Castingshow American Idol entdeckt und hat seitdem Karriere gemacht. Mehrere ihrer Alben erreichten Platz 1 der amerikanischen Charts. Hier ist sie mit ihrem Song „Because of you“ zu hören.
Doch Kelly Clarkson hatte sich zu früh gefreut, der amtierende Minister für kulturelle Angelegenheiten Ed Vaizey erließ ein Exportverbot für den Ring, denn der sollte im Lande bleiben. Eine Spendenkampagne „Bring the ring home“ wurde ins Leben gerufen, um den Ring der Sängerin wieder abzukaufen und tatsächlich kam genügend Geld zusammen, darunter eine anonyme Spende über £100 000.

Kelly Clarkson war fair, das muss man schon sagen, denn sie stimmte dem Rückkauf zu, ohne Anwälte damit zu beauftragen, Vaizeys Entscheidung anzufechten. Vielleicht kommt sie ja eines Tages in Chawton vorbei und sieht sich den Ring und andere Erinnerungsstücke von Jane Austen in dem ihr gewidmeten Museum an; es liegt an der A31 Winchester-Guildford.

Kelly Clarkson. Author: vagueonthehow. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

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Published in: on 21. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Oldway Mansion in Paignton (Devon) – Ein Stück Frankreich an der Englischen Riviera

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Südlich von Torquay an der Englischen Riviera liegt die Stadt Paignton. Die A3022, die Torquay Road, führt mitten durch den Ort und an einer Parkanlage vorbei, in der sich ein sehr interessantes Bauwerk befindet, das Oldway Mansion. Konzipiert und gebaut wurde das imposante Haus von Isaac Merritt Singer (1811-1875), einem US-amerikanischen Geschäftsmann, der sich sein Vermögen durch seine Nähmaschinenfabrik aufgebaut hatte. Darüberhinaus war Mr. Singer ein äußerst fruchtbarer Mann, der mit mehreren Frauen und Geliebten  24 Kinder zeugte. Ich bin mir nicht sicher, ob er immer den Überblick über seine Sprösslinge und deren Nachkommen hatte.

Singer zog es nach Europa, wo er u.a. in Paris und anschließend in England wohnte. 1871 kaufte er in Paignton ein bebautes Grundstück, dessen Häuser er abreißen und ein neues Gebäude für sich errichten ließ. Doch er hatte das Pech, dass er die Fertigstellung des Oldway Mansions nicht mehr erleben sollte, denn er starb am 23. Juli 1875 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof von Torquay.

Singers Sohn Paris, der, wie sein Vorname vermuten lässt, eine ausgesprochene Vorliebe für alles Französische hatte, machte sich Anfang des 20. Jahrhunderts daran, das Haus nach seinen Vorstellungen umzubauen, wobei er den Palast von Versailles und den Pariser Place de la Concorde vor Augen hatte. Im Treppenhaus hängt eine Reproduktion des berühmten Gemäldes „Le Sacre de Napoléon“ von Jacques-Louis David, im ersten Stock findet man den Spiegelsaal von Versailles wieder. Für die knapp 70 000m² Außenanlagen des Oldway Mansions war der französische Gartenarchitekt Achille Duchesne zuständig.

Paris Singer wollte aber nicht für immer in dem Palast von Paignton wohnen bleiben. Nach einer Affäre mit der Tänzerin Isadora Duncan (ganz der Vater) ging er im Jahre 1917 wieder in die USA zurück.
Das Oldway Mansion durchlief jetzt eine wechselvolle Geschichte. Im Ersten Weltkrieg wurde das Haus, wie so viele andere Stately Homes auch, als Lazarett verwendet, dann übernahm es der Torbay Golf & Country Club, im Zweiten Weltkrieg brachte die Royal Air Force hier ihre Kadetten unter und 1946 kaufte der Paignton Urban District Council es endgültig der Nähmaschinen-Familie ab und machte ein Bürogebäude daraus. Seit 2013 steht das Mansion leer und droht allmählich zu verfallen. Die Reparaturkosten waren dem Council zu hoch und so war man froh, dass die Firma Akkeron aus dem Oldway Mansion ein 57-Betten-Luxushotel machen wollte. Doch bis heute hat sich nichts getan, denn beide Seiten haben sich in Rechtsstreitigkeiten verwickelt und so bleibt die Zukunft des schönen Hauses weiterhin offen.

Drei Filme wurden im Oldway Mansion gedreht, passenderweise 1968 der biografische Film „Isadora“ (dt. „Isadora“), die Lebensgeschichte der Tänzerin und ehemaligen Geliebten des Paris Singer, mit Vanessa Redgrave in der Titelrolle (hier ist der Trailer). 2004 folgte „Churchill: The Hollywood Years“ mit Christian Slater als Winston Churchill (hier ist der Trailer) und 2013 der Kurzfilm „A Dark Tale„, eine „gothic comedy“, die man sich hier ansehen kann.

Dieser Film zeigt Fotos vom Oldway Mansion und den Gartenanlagen.

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Das Treppenhaus mit der Reproduktion des Davis-Gemäldes.   © Copyright Lewis Clarke and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Treppenhaus mit der Reproduktion des David-Gemäldes.
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Isaac Merritt Singers Grabmal auf dem Friedhof von Torquay. This work has been released into the public domain.

Isaac Merritt Singers Grabmal auf dem Friedhof von Torquay.
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The Arthur C. Clarke Award – Die höchste Auszeichnung für Science Fiction-Autoren

Arthur C. Clarke Author: Rob C. Croes / Anefo. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Arthur C. Clarke
Author: Rob C. Croes / Anefo.
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Sir Arthur Charles Clarke (1917-2008) war einer der namhaftesten Science Fiction-Schriftsteller Großbritanniens, der viele Romane und Erzählungen schrieb. Berühmt wurde er durch Stanley Kubricks Verfilmung seiner Kurzgeschichte „The Sentinel of Eternity“ (1951), die 1968 unter dem Titel „2001: A Space Odyssey“ (dt. „2001: Odysee im Weltraum“) in die Kinos kam. Clarke wurde am 16. Dezember 1917 in Minehead in Somerset geboren und wuchs im benachbarten Bishops Lydeard auf. Am 19. März 2008 starb er in Sri Lanka.

Jedes Jahr wird in Großbritannien ein Literaturpreis vergeben, der nach ihm benannt ist, der Arthur C. Clarke Award, und den er mit einer großzügigen Spende auch ins Leben gerufen hat. Was die Dagger Awards der Crime Writers‘ Association für die britische Kriminalliteratur sind, ist der Arthur C. Clarke Award für Science Fiction-Autoren. Erstmals vergeben wurde der Preis 1987 und zwar an Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale„, der in Deutschland unter dem Titel „Der Report der Magd“ erschien.
Ursprünglich erhielten die Preisträger £1000, später dann die Jahreszahl in Pfund Stirling ausgezahlt, in diesem Jahr also £2016.

Emily St John Mandel war 2015 die letzte Preisträgerin. Die Kanadierin wurde für ihren Roman „Station Eleven“ (dt. „Das Licht der letzten Tage“) prämiert. Darin geht es um eine Epidemie, die fast die ganze Menschheit ausgerottet hat.

Der Preis für das Jahr 2016 wird am 24. August in London vergeben. Aus 113 Vorschägen sind 6 in die Shortlist gekommen, aus denen die fünfköpfige Jury den Sieger ermitteln wird.
Hier ist die Shortlist:

Becky Chambers: The Long Way to a Small Angry Planet (Hodder & Stoughton). Die Autorin wurde in Kalifornien geboren und lebt derzeit auf Island; das ist ihr erster Roman. Die deutsche Übersetzung „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ erscheint am 27. Oktober.

Dave Hutchinson: Europe at Midnight (Solaris). Hutchinson wurde 1960 in Sheffield geboren und lebt in London. Dieser Roman schließt an den Vorgänger „Europe in Autumn“ an.

Nnedi Okorafor: The Book of Phoenix (Hodder & Stoughton). Die nigerianisch-amerikanische Autorin ist bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden, darunter mit dem World Fantasy Award und dem Nebula Award for Best Novella.

Iain Pears: Arcadia (Faber & Faber). Pears wurde 1955 in Coventry geboren, ist Journalist, Kunsthistoriker und Schriftsteller und wurde vor allem durch seine Jonathan Argyll-Romane bekannt.

James P. Smythe: Way Down Dark (Hodder & Stoughton). Der erste Band der „Australia“-Trilogie des gebürtigen Londoners, der für The Guardian schreibt.

Adrian Tchaikovsky: Children of Time (Tor). Trotz seines russisch klingenden Namens ist Tchaikovsky Engländer, in Lincolnshire geboren und in Leeds lebend. Er wurde bekannt durch seine „Shadows of the Apt“-Serie.

Arthur C. Clarkes Geburtshaus in Minehead (Somerset) in der Blenheim Road 13.   © Copyright Roger Cornfoot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Arthur C. Clarkes Geburtshaus in Minehead (Somerset) in der Blenheim Road 13.
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Published in: on 19. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Grandma Flew Spitfires“ – Eine Dauerausstellung im Maidenhead Heritage Centre

Ein Spitfire Girl. his artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

Ein Spitfire Girl.
This artistic work created by the United Kingdom Government is in the public domain.

Das erste Mal wurde ich durch die Krimiserie „Inspector Barnaby“ auf die Air Transport Auxiliary (ATA) aufmerksam. In der Episode 99 „The Flying Club“ (dt. „Flieg, Mörder flieg“), über die ich in meinem Blog berichtete, steht die ATA im Mittelpunkt des Geschehens, eine Gruppe von Amateurpiloten (darunter über 160 Frauen) im Zweiten Weltkrieg, die Militärflugzeuge, meist im Inland, hin und her transportierten. Sie brachten zum Beispiel neue Flugzeuge von den Fabriken zu ihren Einsatzorten, reparierte Maschinen zurück zu den Flugplätzen oder Crews dorthin, wo sie gerade dringend benötigt wurden. Sie flogen u.a. Hawker Hurricanes, Lancasters und Spitfires, eigentlich alles, was die Royal Air Force im Einsatz hatte. Das White Waltham Airfield bei Maidenhead in Berkshire war das Hauptquartier der ATA (dort wurde auch die Inspector Barnaby-Folge gedreht) und in Maidenhead selbst, im Maidenhead Heritage Centre in der Park Street, kann man sich eine Dauerausstellung ansehen, die unter dem Titel „Grandma Flew Spitfires“ läuft und die sich mit dem Thema Air Transport Auxiliary beschäftigt. Hier hat man alles zusammengetragen, was man im ganzen Land finden konnte, als da sind Uniformen, Logbücher, Kartenmaterial, persönliche Erinnerungen, Zeitungsausschnitte und jede Menge Fotos.

Besonders der Einsatz der Pilotinnen war damals spektakulär und sie galten als die Glamour Girls der Lüfte; hübsche junge Frauen, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um die ungewohnten Flugzeuge von A nach B zu transportieren. Es waren nicht nur britische Frauen; unter den fliegenden Damen waren auch einige aus den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika. Zahlreiche Bücher sind über sie geschrieben wurden wie „The Female Few: Spitfire Heroines of the Air Transport Auxiliary“ (The History Press 2012) von Jacky Hyams, einige Pilotinnen haben ihre Erlebnisse selbst niedergeschrieben wie Rosemary Du Cros in „ATA Girl: Memoirs of a Wartime Ferry Pilot“ (Muller 1983). Hier ist ein Film über die Spitfire Women.

Um noch einmal auf das Maidenhead Heritage Centre und die Ausstellung „Grandma Flew Spitfires“ zurückzukommen. Das Museum ist dienstags bis samstags von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei, die ATA-Ausstellung aber kostenpflichtig (£3.50).
Eine Besonderheit sei noch erwähnt: Im Haus gibt es einen Spitfire Simulator, in dem jedermann seine Flugkünste in diesem Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs erproben kann. Ein 15minütiger Flug kostet £7.50. Wie das abläuft, zeigt dieser Film.

Maidenhead Heritage Centre
18 Park Street
Maidenhead SL6 1SL

Hier ist die Ausstellung zu sehen.   © Copyright John Raine and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier ist die Ausstellung zu sehen.
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Das White Waltham Airfield bei Maidenhead, früheres Hauptquartier der ATA.   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das White Waltham Airfield bei Maidenhead, früheres Hauptquartier der ATA.
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Henley-on-Thames (Oxfordshire)

The Argyll am Market Place, Ausgangspunkt für die geführten Midsomer Murders-Touren.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Argyll am Market Place, Ausgangspunkt für die geführten Midsomer Murders-Touren.
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Die Regattastadt Henley-on-Thames im Süden der Grafschaft Oxfordshire diente schon mehrere Male als Drehort für die TV-Serie „Midsomer Murders“ alias „Inspector Barnaby„. Seit kurzem wird hier einmal pro Woche ein Rundgang angeboten, der zu den Schauplätzen führt. Von März bis Oktober beginnt die Tour samstags um 11 Uhr am Market Place vor dem Argyll Pub und kostet £5. Wer die Drehorte lieber auf eigene Faust erkunden möchte, kann das anhand eines Planes tun, den man kostenlos im Tourismusbüro bekommt oden den man sich hier herunterladen kann.

Wenn ich an Henley-on-Thames in Zusammenhang mit Tom Barnaby denke, fällt mir als erstes die Folge 37 „Dead in the water“ (dt. „Nass und tot“) ein, die in großen Teilen hier gedreht wurde. Eine Ruderregatta steht im Mittelpunkt dieser Episode, in Anlehnung an die berühmte Henley Royal Regatta, die immer Ende Juni/Anfang Juli auf der Themse ausgetragen wird.

Der Argyll Pub am Market Place, Startpunkt des geführten Rundgangs, war einmal in Folge 51 „Last year’s model“ (dt.“Mörder-Falle“) zu sehen. Der Gastwirt war so stolz darauf, dass er in der Bar eine Messingplakette anbrachte mit der Inschrift, dass Tom Barnaby und Ben Jones bzw. John Nettles und Jason Hughes hier im Jahr 2006 die o.a. Episode gedreht haben. Im Pub hat man auch die Gelegenheit ein spezielles Bier zu probieren, das Midsomer Murders Bitter Sweet Finest Ale.

Ebenfalls am Market Place, neben dem Pub The Three Tuns, findet man in der Hausnummer 7 das Fleischergeschäft Gabriel Machin („Henley’s favourite butcher since 1910“), das in Episode 64 „The magician’s nephew“ (dt. „Der Wald der lebenden Toten“) als Anton Thorneycrofts Butcher Shop diente. Der Gründer Gabriel Machin wurde 1836 geboren, der heutige Besitzer ist Barry Wagner.

Auch die Town Hall findet man am Market Place. Hier ist die Henley Visitor Information untergebracht. Das Gebäude kann man in zwei Barnaby-Folgen sehen: Im oben erwähnten „Last year’s model“, da dient die Town Hall als das Gerichtsgebäude von Causton, und in Episode 68 „The black book“ (dt. „Morden ist auch eine Kunst“), als man die Hall in ein Auktionshaus umwandelte.

Die Hart Street ist die Verlängerung des Market Place in Richtung Themse und hier steht in der Nummer 38 auf der rechten Seite ein wunderschönes Fachwerkhaus, in dem einmal ein spanisches Restaurant, La Bodega, untergebracht war. Dort wurden einige Szenen für die Folge 47 „Down among the dead men“ (dt. „Die Spur führt ins Meer“) aufgenommen. La Bodega wurde 2014 geschlossen und ein Steakhaus der CAU-Kette (Carne Argentina Unica) nahm dessen Platz ein.

Das alte Antiquitätengeschäft Tudor House Antiques in der Duke Street Nummer 49 sieht man in Episode 88 „A sacred trust“ (dt. „Vier Bräute für Christus“).

Auch wer sich für Inspector Barnaby nicht interessiert, wird in Henley-on-Thames auf seine Kosten kommen. Ich bin viele Male in der Stadt gewesen und habe mehrfach in meinem Blog darüber geschrieben. In den chronisch verstopften Straßen ist es nicht ganz leicht, einen Parkplatz zu finden. Mein Tipp: Die Parkplätze am River & Rowing Museum. Von dort ist man zu Fuß in 5 bis 10 Minuten im Zentrum.

Das Fleischergeschäft am Market Place.   © Copyright Roger A Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Fleischergeschäft am Market Place.
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Die Town Hall.   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Town Hall.
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The Old Tudor House in der Duke Street.   © Copyright Kurt C and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 17. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Grafton Manor Hotel in Bromsgove (Worcestershire)

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Wieder ein Hotel, in dem wir uns sehr wohl fühlten: Das Grafton Manor Hotel in Bromsgrove in der Grafschaft Worcestershire.
1567 wurde Grafton Manor vom Earl of Shrewsbury erbaut und hatte eine lebhafte Geschichte, bei der Skandale, der Gunpowder Plot und ein Duell einige der Höhepunkte bildeten. Wer es genauer wissen möchte, kann das auf der Homepage des Hotels nachlesen.

Die heutigen Besitzer sind die Mitglieder der Familie Morris, die das Haus nach dem 2. Weltkrieg übernahmen und es 1980 in ein Luxushotel umwandelten. John und June Morris machten das Haus zu dem, was es heute ist. Ihre Kinder Stephen und Nicola führen es weiter. Ein weiterer Sohn, Simon Morris, der der Küchenchef war, kann aus Krankheitsgründen nicht mehr im Betrieb arbeiten.
In der Küche steht Tim Waldron am Herd. Bei unserem Besuch, der schon einige Jahre zurückliegt, war es noch Simon, der eine besondere Vorliebe für die indische Küche hatte.

Grafton Manor ist sehr beliebt für Hochzeitsfeiern (es hat sogar einen eigenen Wedding dress shop), so dass man bei einem Wochenendbesuch immer vorher nachfragen sollte, ob das Hotel dann auch „hochzeitsfrei“ ist. Ja, die ganzen Webseiten werden von dem Thema „Hochzeiten“ regelrecht beherrscht. Ich hatte einige Male in englischen Hotels das „Pech“, in solche Feiern hineinzugeraten und da fühlt man sich als „normaler“ Gast oft ein wenig beiseite geschoben.

Die Übernachtungspreise im Grafton Manor Hotel sind erstaunlich niedrig; so bekommt man ein Standard-Doppelzimmer bei „booking.com“ schon ab 88 Euro, inklusive Frühstück. Auch die beiden Garden View und Lake View Suiten sind für nur 112 Euro erhältlich. In welchem anderen Country House Hotel gibt das noch?

Eine frühzeitige Reservierung ist ratsam, weil das Haus nur über 8 Zimmer und 2 Suiten verfügt.

Nach meiner Erfahrung mit dem Hotel kann ich es sehr empfehlen. Es liegt am südwestlichen Ortsrand von Bromsgrove, nur wenige Meter von der Autobahn M5 entfernt, von der ich bei meinem Besuch aber nichts hörte.

Grafton Manor Hotel
Grafton, Grafton Lane
Bromsgrove, Worcestershire
B61 7HA, England

Eigenes Foto des Hotelprospekts.

Foto  meines Hotelprospekts.

The Drovers Inn in Gussage All Saints (Dorset) – Von der Dorfgemeinschaft vor dem Tod gerettet

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Schon seit dem 17. Jahrhundert steht The Drovers Inn in dem kleinen Dörfchen Gussage All Saints in Dorset. Auch die Nachbardörfer haben ähnlich nett klingende Namen wie Gussage St Michael und Wimborne St Giles. An einem trüben Novembertag im Jahr 2014 kam das Aus für den hübschen Country-Pub. Er wurde an jemanden verkauft, der den Gasthof abreißen und auf dem frei werdenden Grundstück Wohnhäuser bauen wollte. Die Dorfbewohner waren „not amused“…und wehrten sich; sie wollten unter allen Umständen ihren Dorf-Pub behalten. Die Gussage Community Benefit Society wurde gegründet, ein Geschäftsplan aufgestellt und der Pub am 11. März 2016 von der Gesellschaft gekauft. 170 Anteilseigner gibt es bisher, und viele Dorfbewohner haben darüberhinaus ihre Freizeit und ihr Know how für die Renovierung des Gasthofs zur Verfügung gestellt, der jetzt am 9. Juli eröffnet werden konnte. Stephen und Barbara Aldred sind die neuen Gastwirte, und ich kann mir vorstellen, dass The Drovers Inn wieder gut frequentiert sein wird.

Schon einmal sollte es dem Pub an den Kragen gehen und zwar im Jahr 2000, als ihn die Ringwood Brewery rettete und aufhübschte.
Möge dem Drovers Inn von jetzt an ein langes Leben beschieden sein, mit vielen verkauften Pints. Ich finde es einfach großartig, dass es immer wieder Dörfern gelingt, ihren Village Pub mit sehr viel Engagement vor dem Sterben zu retten, wodurch ein wesentliches Element der Dorfgemeinschaft erhalten bleibt.

The Drovers Inn
Gussage All Saints near Wimborne BH21 5ET
Dorset

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„Bare Britain“ – Großbritannien für Hüllenlose

"Warnhinweis" auf den Nudistenstrand von Studland Beach in Dorset.   © Copyright peter lloyd and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Warnhinweis“ auf den Nudistenstrand von Studland Beach in Dorset.
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Am 3. Mai berichtete ich in meinem Blog über Großbritanniens ältestes Nudistendorf, Spielplatz, in Hertfordshire. Wie in anderen Ländern auch, findet man in Großbritannien ebenfalls Menschen, die sich gern nackt in der freien Natur aufhalten und sich in Organisationen wie zum Beispiel British Naturism zusammengeschlossen haben. Diese Vereinigung der Freunde der Freikörperkultur  bietet das ganze Jahr über Veranstaltungen für ihre Mitglieder an wie in der letzten Woche das Nudefest 2016 auf dem Thorney Lakes Camping and Caravan Park in Langport (Somerset). Dort konnte man sich eine Woche lang verlustieren und an „War time singalongs“, Yogakursen oder Petanque-Spielen teilnehmen.
Am 17. Juli und am 5. August kann man die Abbey House Gardens in Malmesbury in Wiltshire (ich schrieb in meinem Blog darüber) besuchen, die an diesem Tag wieder für Nackte und Bekleidete geöffnet sind.
Party in the Stark“ nennt sich das Wochenende vom 29. bis zum 31. Juli, organisiert von der Naturist Foundation und British Naturism, in Orpington (Kent), an dem Live Bands auftreten.

Am 19. August findet „Bare All for Polar Bears 2016“ im Yorkshire Wildlife Park in der Nähe von Doncaster in South Yorkshire statt, wo Geld für ein Projekt gesammelt wird, das sich um den Schutz von Eisbären kümmert.

The Great British Skinny Dip 2016“ wird vom 2. bis zum 4. September im ganzen Land ausgetragen, eine Art Werbeveranstaltung für textilfreies Schwimmen. Hier ist ein kleiner filmischer Appetitmacher.

Es gibt zahlreiche „naturist venues“ in Großbritannien mit den Schwerpunkten an der englischen Südküste. Da sind Strände oder Strandabschnitte, die „skinny dipper“ besonders gern mögen wie der Blackgang Beach im Süden der Isle of Wight, Gunwalloe Cove in Cornwall oder der populäre Studland Beach in Dorset. Weiterführende Informationen findet man in dem Buch „Bare Britain“ (Lifestyle Press) von Mike Charles und Nick Mayhew-Smith. Über ihr Leben als Nudistinnen in und außerhalb Großbritanniens schreiben Belinda Mosse in „Diary of a Nudist: One Woman’s Intimate Account of Her Journey From Clothed Conformity to Naked Freedom“ (lulu.com) und Sally Dali in „Being Naked: My Enjoyable Experiences as a Naturist“ (CreateSpace Independent Publishing Platform). Die Webseite www.nudist.com gibt darüberhinaus noch viele Informationen für alle, die Großbritannien einmal hüllenlos erleben wollen.

Die Abbey House Gardens in Malmesbury, die man zeitweis auch nackt besuchen kann.   © Copyright Sarah Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Abbey House Gardens in Malmesbury, die man zeitweise auch nackt besuchen kann.
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Published in: on 14. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ballettabende im Hatch House bei Tisbury in Wiltshire

Die Eingangstore zum Hatch House.   © Copyright Maigheach-gheal and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Eingangstore zum Hatch House.
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Am 15. Juli ist es wieder soweit, dann finden im Hatch House in Wiltshire zum siebten Mal die Ballettabende mit der Covent Garden Dance Company statt. An drei Abenden hintereinander geben sich Balletttänzerinnen und – tänzer vor der historischen Kulisse des Herrenhauses aus dem 17. Jahrhundert ein Stelldichein. Unter einem neuen Dach, das den Dutch Garden überspannt, werden die Auftritte der Dance Company von den Besuchern beobachtet, die jeweils während der Pausen der Aufführungen ein dreigängiges Menu zu sich nehmen. £150 kostet ein Platz in der ersten Reihe, inklusive des Menus und der Getränke, £115 in der fünften Reihe.

An diesen drei Abenden hat Matt Brady, der Chef der Covent Garden Dance Company, wieder ein brillantes Programm mit Weltstars zusammengestellt, an dem neben den Londoner Tänzern als Gäste u.a. Mara Galeazzi vom Royal Ballett, Jon Axel Fransson und Silvia Selvini vom Royal Danish Ballett, Vitali Safronkine, Iker Murillo und Marsha Rodriguez von Béjart Ballett in Lausanne auftreten werden. Zur Aufführung kommen sowohl klassische als auch moderne Ballette.

Das Hatch House liegt westlich von Tisbury in Wiltshire, ganz in der Nähe des Old Wardour Castles. Es ist im Besitz von Sir Henry und Lady Frances Rumbold, die hier seit 1977 wohnen. Den beiden schwebte schon immer vor, ihren schönen Dutch Garden in irgendeiner Weise für Theateraufführungen zu nutzen, und als eines Tages Matt Brady vorbeikam, war auch er so von dem Garten angetan, dass er spontan fragte, ob er an diesem Ort Ballettabende aufführen könnte. So entstand das „Ballett under the stars“, das seit 2010 immer erfolgreicher und attraktiver geworden ist.

Hier sind Ausschnitte der Aufführung von 2011 zu sehen.

Mein Buchtipp – Mark Mason: Mail Obsession – A Journey Round Britain by Postcode

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Mark Masons Bücher machen einfach Spaß!! Ich stellte in meinem Blog schon einige seiner Werke vor wie:
Move Along, Please: Land’s End to John O’Groats by Local Bus“ – Eine Reise vom südwestlichsten zum nördöstlichsten Punkt Großbritanniens, ausschließlich mit Linienbussen.

Walk the Lines: The London Underground Overground„, ein Trip durch die britische Hauptstadt entlang aller U-Bahnlinien, aber über der Erde.

The Importance of Being Trivial: In Search of the Perfect Fact„, darin beschäftigt sich Mark Mason mit seinem Lieblingsthema: Trivias und Kuriositäten.

Im Jahr 2015 erschien ein weiteres Buch von ihm, in dem er wieder kreuz und quer durch das gesamte Königreich fährt: „Mail Obsession – A Journey Round Britain by Postcode„. 124 Postleitzahlgebiete gibt es in Großbritannien und alle hat der Autor aufgesucht, per Auto, Bahn und Flugzeug.
Ein typischer „postcode“ sieht beispielsweise so aus: BS35 1HH, das ist der des Thornbury Castle Hotels. Das „BS“ steht für Bristol, also das Postleitzahlgebiet, in der Regel ein größerer Ort. Die „35“ ist der Distrikt innerhalb des Gebietes, dann kommt ein Leerzeichen und es folgt der Zustellbezirk plus die „postcode unit“, das kann eine Straße, ein Haus oder eine Organisation sein.

Mark Mason hakt aber nicht nur die 124 aufgesuchten Postleitzahlgebiete ab, zu jedem hat er eine besondere Kuriosität gefunden. die er genauer unter die Lupe nimmt. Auch hier einige Beispiele:

TR steht für Truro in Cornwall und hierzu gehören die Scilly-Inseln. Dort sind die wenigsten Autos pro Haushalt von sämtlichen britischen Postleitzahlgebieten zugelassen.
PE ist die Postleitzahl von Peterborough in Cambridgeshire. Die Grenze zwischen Lincolnshire und Northamptonshire, die in das Postleitzahlgebiet fällt, ist mit 19 Metern die kürzeste aller britischen Grafschaftsgrenzen.
Das Dorf Bricklehampton liegt im Bereich WR für Worcester. Es hat den längsten Ortsnamen in Großbritannien, in dem kein Buchstabe zweimal vorkommt.

Mark Mason holt sich viele seiner Informationen vom Londoner British Postal Museum  and Archive, wo man ihm bei seinen Recherchen zur Seite steht. Seine weiteste Reise führt ihn in das Haus, das das nördlichste im Land ist und von einer Briefträgerin aufgesucht wird: Es hat den „postcode“ ZE = Shetland, heißt The Haa und liegt auf der Insel Unst.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die Spaß an Trivias haben und die Großbritannien einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchten.

Mark Mason: Mail Obsession – A Journey Round Britain by Postcode. Weidenfeld & Nicolson 2015. 272 Seiten. ISBN 978-0-2976-0851-6

The British Postal Museum and Archive und gleichzeitig Londons größtes Postverteilzentrum.   © Copyright Robin Webster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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The Haa auf Unst (Shetland), bis hierher liefert die Royal Mail Briefe und Pakete.   © Copyright Anne Burgess and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Haa auf Unst (Shetland), bis hierher liefert die Royal Mail Briefe und Pakete.
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Published in: on 12. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Syllabub – Ein Dessert aus dem 17. Jahrhundert

„Syllabub ist ein traditionelles englisches Dessert, das im 17. Jahrhundert populär wurde und bis heute zubereitet wird“, so sagt es die Wikipedia. Ich habe die Nachspeise einige Male in Hotelrestaurants gegessen und sie hat mir immer gut geschmeckt. Natürlich wird Syllabub auch in verschiedenene Varianten serviert; die Hauptbestandteile des Klassikers aber sind Weißwein, Zitronensaft, Zucker, Orangenschale und Schlagsahne, manchmal wird noch Sherry hinzugefügt. Für Kinder kann man statt der Alkoholika Fruchtsäfte verwenden. Serviert wird das Dessert immer gekühlt. meist in Glasbechern.

Einer der ersten Gasthöfe in England, der im 18. Jahrhundert Syllabub auf seiner Speisekarte hatte, war The Druid’s Head in Kingston-upon-Thames (Greater London), der noch heute in der Fußgängerzone am Market Place steht. Offenbar ist man sich dort der Vorreiterrolle in Sachen Dessert nicht mehr bewusst, denn auf der Karte des Pubs sucht man Syllabub vergebens. Dafür wird ein anderes traditionelles Dessert angeboten: Eton Mess Cheesecake.

Die Ursprünge des Syllabubs lassen sich mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen und begannen wohl damit, dass damals Farmarbeiter eine Schale mit Cider oder Wein unter eine Kuh hielten, die sie dann melkten. Das erfrischende Gemisch aus Milch und Alkohol sagte ihnen zu und so wurde es langsam weiterentwickelt. Auch heute noch haben bekannte Köche das Dessert in ihrem Repertoire; so zum Beispiel Gordon Ramsay, der die Nachspeise mit Zitronen und Limetten verfeinert, oder Nigella Lawson, die Amaretto verwendet wie dieser Film zeigt.

The Druid's Head in Kingston-upon-Thames (Greater London). Author: Jim Linwood. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

The Druid’s Head in Kingston-upon-Thames (Greater London).
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Published in: on 11. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The House That Moved – Ein Tudorhaus in Exeter, das umziehen musste

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In der West Street Nummer 24 in Exeter (Devon) steht ein uraltes Tudorhaus („The House That Moved„), das nach Schätzung von Experten im frühen 16. Jahrhundert gebaut worden ist, manche halten es noch für wesentlich älter. Den größten Teil seines Daseins verbrachte das Haus aber nicht an dieser Stelle, sondern etwa 70 Meter entfernt, an der Edmond Street, die es heute nicht mehr gibt. Wie kam es nun zu diesem Umzug?

Exeter wurde im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen bombardiert, wodurch viele historische Gebäude zerstört wurden. Nach dem Krieg zogen sich die Wiederaufbauarbeiten mehrere Jahre hin; ein neues Straßensystem entstand, darunter eine innere Ringstraße (der Western Way), dem weitere alte Häuser zum Opfer fielen. So sollte auch das Fachwerkhaus an der Edmond Street abgerissen werden, das den Bauarbeiten im Wege stand. Da der Zustand des Gebäudes sowieso ziemlich desolat war, dachten sich die Stadtplaner, weg damit, doch sie hatten nicht mit einer Gruppe von Archäologen gerechnet, denen es gelang, das Haus kurz vor dem geplanten Abriss unter Denkmalschutz zu stellen. Was nun? Die Straße musste gebaut, das Haus durfte aber nicht abgerissen werden? Man entschloss sich kurzerhand das alte Gebäude 70 Meter zu versetzen. Das war aber nicht so ohne weiteres zu bewerkstelligen, denn zu dem neuen Standort an der West Street ging es bergauf, bis zu 10% Steigung hatte die Straße. Doch eine Londoner Spezialfirma bekam das hin. Am 9. Dezember 1961 begann der Umzug des 20 Tonnen schweren Gebäudes, der sechs Tage dauern sollte. Hydraulische Hebevorrichtungen sorgten dafür, dass das auf Schienen gesetzte Haus immer genau in der Waagerechten blieb, eine Winde zog es im Schneckentempo den Hang hinauf. Schließlich erreichte das Fachwerkhaus den vorgesehenen neuen Standort und mit einem tiefen Seufzer (so stelle ich mir das jedenfalls vor) ließ es sich dort, hoffentlich für immer, nieder.

Heute finden wir in den historischen Räumen des Erdgeschosses ein Brautmodengeschäft namens Pirouette. Wer sich The House That Moved einmal ansehen möchte: Es liegt südwestlich der Kathedrale, direkt gegenüber der Kirche St Mary Steps am Ende der West Street und nur einen Steinwurf von der Straße entfernt, wegen der es seinen alten Standort verlassen musste, des Western Way (A 3015).

Hier ist ein alter Film, der den Umzug aus dem Jahr 1961 zeigt.

The House That Moved und die Kirche St Mary Steps.    © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The House That Moved und die Kirche St Mary Steps.
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Published in: on 10. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die englischen Sachbuch-Bestsellerlisten im Juli 2016

Im vorigen Jahr warf ich im August einen Blick auf die englischen Sachbuch-Bestsellerlisten; nach knapp einem Jahr möchte ich das noch einmal wiederholen. In der Tendenz hat sich fast nichts geändert, es dominieren nach wie vor die Bücher, die sich mit Essen und mit Abnehmen beschäftigen, also ein Thema, das die breite Masse sehr zu beschäftigen scheint. Alles in allem kann ich die momentane Liste nur als „boring, boring, boring“ bezeichnen. Hier ein Überblick, basierend auf den Bestsellerlisten von Amazon UK und W.H. Smith:

Joe „The Body Coach“Wicks hält bei Amazon momentan Platz 1 und Platz 2 mit seinen beiden Büchern „Lean in 15 – The Shape Plan: 15 Minute Meals With Workouts to Build a Strong Body“ (Bluebird 2016, ISBN 978-1509800698) und „Lean in 15 – 15 Minute Meals and Workout to Keep You Lean and Healthy“ (Bluebird 2015, ISBN 978-1509800667), „the fastest selling cook book of all time in the UK“. Hier ist ein Beispiel für eines seiner Abnehmrezepte im Film. Der 30jährige Body Coach aus Surbiton hat in seinem Land eine riesige Anhängerschaft, darunter den Fußballer John Terry und die Sängerin Ellie Goulding.

Fearne Cotton hat sich auf den Bestsellerlisten zu Joe Wicks gesellt mit ihrem Buch „Cook Happy, Cook Healthy“ (Orion 2016, ISBN 978-1409163756). Die Londoner Fernsehmoderatorin ist durch zahlreiche TV- und Rundfunksendungen bekannt geworden und ist die Schwiegertochter des Rolling Stones Ron Wood. Dieses ist ihr erstes Buch und hier ist ein Bericht der Daily Mail inklusive Video über die Buchpräsentation.

Weiterhin finden wir unter den Top Ten der Bestsellerlisten Dr Michael MosleysThe 8-Week Blood Sugar Diet: Lose Weight Fast and Reprogramme Your Body“ (Short Books 2015, ISBN 978-1780722405). Der Ratgeber wendet sich an die rund 30% der Erwachsenen im Vereinigten Königreich, die erhöhte Blutzuckerwerte haben. Dr Mosley verspricht eine Gewichtsabnahme von durchschnittlich 14 Kilogramm in 8 Wochen, wenn man sich an sein Programm hält. Dieser Film zeigt den Autor des Buches in einem Vortrag über Blutzucker.

Wir bleiben bei dem gleichen Thema mit Karen Thomsons Buch „Sugar Free: 8 Weeks to Freedom From Sugar and Carb Addiction“ (Robinson 2016, ISBN 978-1472136978). Die Autorin hat eine eigene Webseite und einen Blog „Sugar Free Revolution„, worin sie sich mit dem Thema Zucker, besser Zuckervermeidung, beschäftigt. Hier ist ein Video, in dem sie ihr Buch vorstellt.

Ob wohl Michael Mosley und Karen Thomson das folgende Buch aus den Bestsellerlisten empfehlen würden? Es heißt „Tanya Bakes“ (Penguin 2016, ISBN 978-1405927208) und stammt aus der Feder von Tanya Burr. Die attraktive Schönheitsberaterin und Vloggerin geht mit ihrem Buch auf Tournee; mehrere Veranstaltungen sind schon ausgebucht. In diesem Film backt Tanya Burr einen besonderen Käsekuchen.

Zum Abschluss meiner kurzen Sachbuch-Besteller-Übersicht ein Buch zu einem anderen Thema, das ich auch nicht als besonders spannend ansehe (aber das ist natürlich sehr subjektiv): „The Great British Sewing Bee: From Stitch to Style“ (Quadrille Publishing 2016, ISBN 978-1849498821) von Wendy Gardiner, das Begleitbuch zu einer erfolgreichen BBC-Serie, die sich mit Nähen beschäftigt. Hier ist ein Trailer, man kann sich auf Youtube aber auch komplette Folgen ansehen.

Das erste Buch auf der Amazon UK-Liste, das ich mag ist die Nummer 28: Bill Brysons „The Road to Little Dribbling“, das ich in meinem Blog schon vorgestellt habe.

 

Published in: on 9. Juli 2016 at 02:00  Comments (3)  

Spukorte – St Thomas of Canterbury Church in Lapford (Devon)

St Thomas of Canterbury in Lapford (Devon).   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Thomas of Canterbury in Lapford (Devon).
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Canterbury ist weit weg von der Kirche St Thomas of Canterbury in Lapford in der Grafschaft Devon, zur Diözese von Exeter gehörend. Thomas Beckett, nach dem die Kirche benannt ist, soll am Jahrestag seiner Ermordung in der Kathedrale von Canterbury, also am 29. Dezember,  hier in Lapford durch die Straßen reiten, um einen seiner Mörder, William de Tracey, zu konfrontieren, der aus einem der Nachbardörfer stammte. Doch auf diese Spukgeschichte möchte ich heute nicht näher eingehen, sondern auf eine andere, in der ein ehemaliger Pfarrer von St Thomas of Canterbury im Mittelpunkt steht: John Arundel Radford (1799-1861).

Für einen Geistlichen führte Radford einen recht lockeren Lebenswandel. Er war verheiratet, doch galt er im Dorf durchaus als „womanizer“. Mindestens 14 Kinder soll er gezeugt haben und sein Leben lang schleppte er einen Schuldenberg mit sich herum. Als ein neuer Vikar, John Sparke Cookesley, nach Lapford kam, änderte sich einiges für Radford. Der junge Mann sah sehr gut aus, was die Dorfbewohnerinnen wohlwollend zur Kenntnis nahmen. Der Pfarrer mochte das nicht, ja, er wurde ziemlich eifersüchtig, und als dann auch noch seine eigene Frau dem Charme des Neuen zum Opfer fiel, riss sein Geduldsfaden und es kam zu ständigen Streitereien. Als man eines Tages Cookesley tot in seinem Bett fand, war klar, dass Radford seine Hände im Spiel hatte. Er wurde wegen Mordes verhaftet und vor ein Gericht gestellt. Dort fanden ihn die Geschworenen zwar für schuldig, doch sie verurteilten ihn nicht zum Tode, weil er ja immerhin ein Geistlicher war. Schon nach kurzer Zeit war Radford wieder zurück in Lapford und arbeitete weiter in seiner Funktion als Priester. Er stand jetzt unter Beobachtung seiner Vorgesetzten, ließ sich aber nichts weiter zu Schulden kommen.

Als er sein Ende nahen fühlte, sprach er den Wunsch aus, im Inneren der Kirche von St Thomas of Canterbury begraben zu werden. Sollte sein Wunsch nicht akzeptiert werden, drohte er, zurückzukommen und das Dorf heimzusuchen. Die Kirchenoberen erfüllten den Wunsch nicht und so wurde Radford außerhalb beigesetzt. Prompt machte „The Reverend Ruffian“, wie er auch genannt wurde, seine Drohung wahr, und er bzw. sein Geist erscheint seitdem auf dem Kirchhof und im Dorf. Dabei soll er einen bösartigen und ärgerlichen Gesichtsausdruck zur Schau tragen. Ja, hätte er seinen Mit-Geistlichen am Leben gelassen, würde er jetzt seine ewige Ruhe innerhalb von St Thomas of Canterbury gefunden haben.

Published in: on 8. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Quentin Letts: 50 People Who Buggered Up Britain

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Quentin Letts ist ein englischer Journalist, der schon für mehrere Tageszeitungen geschrieben hat, darunter die „Times“, den „Daily Telegraph“ und die „Daily Mail“.
Sein Buch „50 People Who Buggered Up Britain“ (50 Personen, die Großbritannien in die Sch… geritten haben) stand einige Zeit auf den Bestsellerlisten. Es ist eine Art „Hass-Hitparade“, in der er mit 50 Personen hart (manchmal überhart) ins Gericht geht, die seiner Meinung nach entscheidend dazu beigetragen haben, dass sich Großbritannien in einer Abwärtsspirale befindet.

Da finden wir jede Menge Leute aus der Politik: Margaret Thatcher, Tony Blair, Gordon Brown, Edward Heath. Es trifft den früheren Trainer von Manchester United Alex Ferguson, Englands TV-Gärtner Nummer Eins Alan Titchmarsh, den Erfinder der Mini-Roundabouts Frank Blackmore und den Medienmogul Rupert Murdoch.

Ich wundere mich, dass noch keiner von den attackierten Personen zurückgeschlagen hat, denn Letts‘  beißender Spott überschreitet manchmal die Grenzen des guten Geschmacks.
Trotzdem ist das Buch lesenswert und gibt einen Überblick, was in den letzten Jahren im United Kingdom alles falsch gelaufen ist.

In meiner aktualisierten Ausgabe von 2009 hat er noch 5 Banker hinzugefügt und im letzten Kapitel „Bubblin‘ Under“ führt er noch einige Namen auf, die es noch nicht ganz in seine Top 55 geschafft haben wie Roman Abramovich, Paul McCartney und Victoria Beckham.

In diesem Film stellt Quentin Letts sein Buch vor.

Quentin Letts: 50 People Who Buggered Up Britain. Constable 2009. 277 Seiten. ISBN 978-1-84901-127-3.

Published in: on 7. Juli 2016 at 02:00  Comments (3)  

Bremilham Church bei Malmesbury in Wiltshire – Großbritanniens kleinste Kirche

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Vor längerer Zeit habe ich in meinem Blog schon einmal über eine Mini-Kirche in Culbone (Somerset) geschrieben, die als die kleinste im Land gilt. 6,60 Meter x 3,30 Meter sind deren Maße. Diesen Rang macht ihr eine andere Kirche streitig, die Bremilham Church, die auf einer Farm außerhalb von Malmesbury in Wiltshire liegt. Dieses winzige Gotteshaus misst 4 Meter x 3,60 Meter und ist noch in „Betrieb“, das heißt einmal im Jahr findet darin bzw. davor ein Gottesdienst statt und zwar der Rogation Sunday Service, eine Art Erntebitttag, der Ende April/Anfang Mai gefeiert wird. An diesem Tag finden sich um die 50 Gläubige an der Bremilham Church zusammen, die den Sonntagsgottesdienst meist draußen begehen, denn auf der einzigen Kirchenbank im Inneren können gerade einmal vier Personen Platz finden. Wenn dann noch sechs weitere Personen ihre Stehplätze eingenommen haben, ist die Kirche rappelvoll. Einen Altar gibt es nicht, dafür einen Taufstein und eine kleine transportable Orgel.

Bevor die jetzigen Eigentümer der Cowage Farm, auf der die Kirche steht, den Hof übernommen hatten, diente die Kirche sehr weltlichen Zwecken, nämlich als Stall für Truthähne. Der neue Farmer mistete das Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes aus und bat den zuständigen Bischof, die wiederhergestellte Kirche zu segnen, damit sie wieder ihrem ureigenen Zweck dienen konnte. Neben dem jährlichen Rogation Sunday Service finden darin hin und wieder auch einmal Taufen und Beerdigungsfeiern statt, aber das ist eher selten. Niemand weiß genau, warum überhaupt so eine kleine Kirche gebaut worden ist. Bis ins 19. Jahrhundert stand an dieser Stelle ein größeres Exemplar, das aber abgerissen wurde, um Platz für den Winzling zu schaffen, der keinem Heiligen gewidmet ist, was übrigens auch für die namenlose Nachbarkirche in Foxley gilt.

Bremilham Church hat es in das Guinness Book of Records geschafft als kleinste Kirche Großbritanniens, die noch in Betrieb ist. Wer sie sich einmal ansehen möchte: Sie liegt westlich von Malmesbury an der Foxley Road; von dort geht rechts eine Zufahrt zur Cowage Farm und zur Perfection Health & Beauty Farm ab.
Hier ist ein Film über die Kirche.

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Published in: on 6. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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RAF Bassingbourn in Cambridgeshire und ein peinlicher Zwischenfall im Zweiten Weltkrieg

Die Kasernen von Bassingbourn.    © Copyright Alan Kent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Kasernen von Bassingbourn.
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Ganz in der Nähe von Wimpole Hall, über die ich vor wenigen Tagen in meinem Blog schrieb, liegt die ehemalige Luftwaffenstation RAF Bassingbourn in Cambridgeshire, die kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs gebaut wurde und dem RAF Bomber Command unterstellt war. Auch die US-amerikanische Eighth Air Force war hier stationiert.

Am 27. Mai 1940 wurde die Luftwaffenstation bombardiert, aber nicht etwa von deutschen Flugzeugen, sondern von einem aus den eigenen Reihen. Wie konnte es dazu kommen?

Am Abend des 27. Mai war ein Bomber der englischen Air Force in Yorkshire aufgestiegen, um im Schutz der Dunkelheit über die Nordsee nach Holland zu fliegen und dort einen Flugplatz zu bombardieren. Über dem Meer geriet die Besatzung in ein Gewitter, das den Kompass der Maschine so stark beeinflusste, dass der Pilot der Maschine nicht mehr wusste, wo er eigentlich war. Als unter ihm plötzlich eine große Flussmündung auftauchte, ging er davon aus, dass es sich dabei um den Rhein handeln müsse. Also flog er am Fluss entlang, und als er einen Flugplatz unter sich erblickte, warf er seine Bomben über ihm ab. Ein großer Fehler, denn durch den verrückt spielenden Kompass war das Flugzeug in die entgegengesetzte Richtung geflogen, also wieder zurück nach England, und was der Pilot für den Rhein hielt, war in Wirklichkeit die Themsemündung und der bombardierte Flugplatz war RAF Bassingbourn. Als der Flugzeugführer wieder gen Heimat fliegen wollte und die hollandische Küste partout nicht auftauchte, wurde ihm klar, dass da irgendetwas nicht stimmen konnte. Wo hatte er denn nun seine Bombenlast abgeworfen? Das wurde ihm mitgeteilt, als er seine Maschine wieder zum Heimatflughafen zurückgebracht hatte und man dort mit dem Luftfahrtministerium Kontakt aufnahm. In London war bereits bekannt, dass RAF Bassingbourn genau zu der Zeit, als angeblich ein holländischer Flugplatz angegriffen worden war, Ziel einer Bombenattacke war.
Der RAF-Pilot wurde aufgrund seines Fehlers degradiert und musste eine Menge Häme seiner Kollegen einstecken, die zum Beispiel ein Eisernes Kreuz bastelten, das sie ihm mit den besten Grüßen eines dankbaren Führers zuschickten.

Glücklicherweise kam bei dem Bombenabwurf über RAF Bassingbourn niemand zu Schaden und auch die Zerstörungen hielten sich sehr in Grenzen.

In den Jahren 2014/15 geriet Bassingbourn in die Schlagzeilen, als das Verteidigungsministerium libysche Soldaten zwecks Ausbildung in die Kasernen einquartierte. Die jungen Libyer machten das daneben liegende Dorf gleichen Namens und auch Cambridge unsicher, Vergewaltigungsvorwürfe wurden laut und von Disziplin unter den Soldaten konnte keine Rede sein. Ständig mussten sie wieder eingefangen werden, weil sie unerlaubt das militärische Gelände verlassen hatten.

Published in: on 5. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Bruce Masters – Der Mann, der die meisten Pubs in Großbritannien besucht hat und im Guinness Book of Records steht

The Old Weavers House in Canterbury, besucht von Bruce Masters am 4. Januar 2011 Nummer 43739.    © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Weavers House in Canterbury, besucht von Bruce Masters am 4. Januar 2011 (Nummer 43 739).
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Am 11. Juni schrieb ich in meinem Blog über Cathy Price, die sämtliche Pubs mit dem Namen The Red Lion in Großbritannien besucht und darüber ein Buch geschrieben hat. 656 Pubs waren das, eine ansehnliche Leistung. Für Bruce Masters jedoch ist das eine lächerliche Zahl, denn er ist der Mann, der die meisten Pubs landesweit aufgesucht hat und das sind bis heute fast 50 000! Er hat sogar den Ehrgeiz, auch noch die restlichen Pubs aufzusuchen und das wären noch so etwa 16 000. Obwohl bei dem gegenwärtigen Pubsterben die Zahl der Gasthöfe immer weniger wird. Bruce Masterson war Börsenmakler, ist jetzt aber im Ruhestand und hat entsprechend mehr Zeit, sich seinem Zeitvertreib zu widmen. Seit 1960 besucht er regelmäßig die „watering holes“ des Landes und seit 1971 betreibt er das Sammeln als Hobby, indem er alle besuchten Pubs in einer Datei auflistet mit dem Datum des ersten Besuches, dem Ort, der Adresse und der Grafschaft. In jedem Pub trinkt Mr. Masters ein halbes Pint, möglichst ein Real Ale und möglichst ein Bier aus der Region. Eine Million Kilometer hat er auf seinem Pub-Marathon schon zurückgelegt und beinahe täglich werden es mehr. Zweimal pro Woche begibt er sich auf Reisen in das ganze Land, um hinter die Namen bisher noch unbekannter Pubs auf seiner Liste einen Haken als „erledigt“ zu setzen.

Die Nummer Eins der umfangreichen Liste (besucht am 22. Juli 1960) trägt The Unicorn in Hertford (Hertfordshire), der leider im Februar 2009 für immer seine Pforten schloss, was auch für die Nummer Zwei, The Gladstone Arms, in der gleichen Stadt gilt, der 1965 das Handtuch warf. Dafür existiert die Nummer Drei auf der Masters-Liste noch, The Black Horse in der West Street in Hertford, den Bruce Masters im Oktober 1960 aufsuchte. Sankey’s Public House & Seafood Brasserie in Tunbridge Wells (Kent) vermeldet stolz auf seinen Facebookseiten, dass sie die Nummer 47 684 sind.

Bruce Masters wohnt in Flitwick in der Grafschaft Bedfordshire und nennt dort The Bumblebee in der Coniston Road seinen Stamm-Pub.

Published in: on 4. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Bulmers in Hereford – Der weltweit größte Hersteller von Cider

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

In Deutschland nennt man das Getränk Apfelwein, in Frankreich Cidre und in England Cider, und der weltweit größte Hersteller (3 Millionen Hektoliter jährlich) heißt Bulmers mit Sitz in der westenglischen Stadt Hereford. „Releasing the British summer since 1887“ war der stolze Wahlspruch der Firma, die also auf eine fast 130jährige Erfahrung in der Cider-Herstellung zurückblicken kann. Hier ist ein Werbespot.

Bis zum Jahr 2003 war die Firma in Familienbesitz, gehört heute aber dem niederländischen Konzern Heineken. Der Marktanteil der Firma Bulmers am Cider-Verkauf im United Kingdom  beträgt 65%; die bekanntesten Sorten sind Strongbow (der beliebteste Cider überhaupt, trocken), Scrumpy Jack (ebenfalls ein trockener Cider) und Woodpecker (eine süßere Variante).

Gegründet wurde die Firma 1887 in Hereford von dem Pfarrerssohn Henry Percival Bulmer, der für die Herstellung seines Getränkes Äpfel aus der Region verwendete. Noch heute fließt ein großter Teil der Apfelernte in Herefordshire in die Produktion des Apfelweins.
Bulmers stellt aber nicht nur Cider her, sondern auch weitere Getränke wie Pear, den Birnenwein, Crushed Red Berries and Lime, Zesty Blood Orange und Wild Blueberry and Lime.

Seit 1911 ist Bulmers Hoflieferant und darf sich „Cider Maker to Her Majesty the Queen“ nennen, besitzt also einen Royal Warrant.

Hier ist ein kurzer Film über die Firma Bulmers und hier ein Vergleichstest zwischen den Apfelweinen von Bulmers und Magners.

Die riesigen Fabrikanlagen liegen in Hereford am Plough Lane.

Blick auf die Fabrikanlagen der Firma Bulmers in Hereford.    © Copyright Keith Edkins and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick auf die Fabrikanlagen der Firma Bulmers in Hereford.
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Eine Apfelplantage in Herefordshire, deren Äpfel für den Cider der Firma Bulmers verwendet werden.    © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Apfelplantage in Herefordshire, deren Äpfel für den Cider der Firma Bulmers verwendet werden.
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Published in: on 3. Juli 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Wimpole Hall (Cambridgeshire), eine exzentrische Lady und zwei Picknicks

Wimpole Hall in Cambridgeshire.   © Copyright Rob Farrow and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wimpole Hall in Cambridgeshire.
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Wer den Kinofilm „Easy Virtue“ (dt. „Easy Virtue – Eine unmoralische Ehefrau“) aus dem Jahr 2008 mit Jessica Biel und Colin Firth schon einmal gesehen hat (hier ist der deutsche Trailer), der hat (wahrscheinlich ohne es zu wissen) auch Wimpole Hall gesehen, das darin als das Haus der Hursts fungiert.
Wimpole Hall liegt südwestlich von Cambridge und gilt als das größte Haus in der Grafschaft Cambridgeshire, umgeben von 12 km² Farmland und Parklandschaft. Ich möchte hier in meinem Blog nicht die ganze Geschichte des prachtvollen Baus wiedergeben, sondern nur eine kleine, witzige Geschichte erzählen, die sich zum Teil hier abspielte.
Die letzte Besitzerin bis zum Jahr 1976 war Elsie Kipling Bambridge (1896-1976), Tochter des berühmten Rudyard Kipling. Sie hatte 1924 den Diplomaten George Louis St Clair Bambridge geheiratet und beide wohnten seit 1932 auf Wimpole Hall, das sie dann sechs Jahre später kauften. Die Einnahmen aus den verkauften Büchern Rudyard Kiplings warfen immer noch genug Geld ab, um das große Anwesen unterhalten zu können.

Elsie Bambridge sammelte alles was sie an Dokumenten über ihren berühmten Vater erhalten konnte, so dass auf Wimpole Hall ein umfangreiches Rudyard Kipling-Archiv entstand. Die Dame war auch etwas exzentrisch veranlagt, was folgende Geschichte belegt:
Elsie legte sehr viel Wert auf Privatheit und konnte es absolut nicht leiden, wenn fremde Menschen, ohne dass sie eingeladen waren, ihr weitläufiges Grundstück betraten. Genau das passierte an einem Tag, als ein Auto auf das Gelände fuhr, die Insassen ihren Picknickkorb auspackten und sie es sich auf dem Rasen von Wimpole Hall gemütlich machten. Als Elsie das von ihrem Haus aus sah, war sie außer sich vor Empörung. Sie notierte sich das Autokennzeichen und ließ ermitteln, wer die Besitzer waren und wo diese wohnten. Mrs. Bambridge gab in der Küche Order, ihr auch einen Picknickkorb zurechtzumachen, dann bestellte sie ihren Chauffeur, dem sie die Adresse der Eindringlinge gab und machte sich auf den Weg zu dem kleinen Vorstadthaus, das diese bewohnten. Auf dem ebenso kleinen Rasen vor dem Reihenhaus ließ sich Elsie Bambridge nieder, packte ihren Picknickkorb aus und verspeiste genüßlich dessen Inhalt. Leider scheint nicht überliefert zu sein wie die Reihenhausbewohner auf den Eindringling in ihre Privatsphäre reagierten.

Die Besitzerin von Wimpole Hall starb am 24. Mai 1976 und sie wurde auf dem St Andrew Churchyard , direkt neben der Hall, beigesetzt.

Dieser Film zeigt das wunderschöne Haus, das nach dem Tod von Elsie Bambridge in den Besitz des National Trusts übergegangen und zu besichtigen ist.

Wimpole Estate
Old Wimpole Road
Arrington
Royston
Cambridgeshire
SG8 0BW
Die Gartenanlagen von Wimpole Hall.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Gartenanlagen von Wimpole Hall.
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Elsie Bambridges Grabmal auf dem Kirchhof von St Andrew's.   © Copyright Paul Shreeve and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Elsie Bambridges Grabmal auf dem Kirchhof von St Andrew’s.
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Published in: on 2. Juli 2016 at 02:00  Comments (1)  
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