Belisha Beacons – Sie sorgen für mehr Sicherheit für Fußgänger

Belisha Beacons in Norwich.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Belisha Beacons in Norwich.
    © Copyright David Dixon and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In Deutschland gibt es sie nicht, die von sogenannten Belisha Beacons gesicherten Fußgängerüberwege. Wer schon einmal in England war, kennt diese Zebrastreifen, auf die nicht wie in Deutschland ein entsprechendes Schild aufmerksam macht, sondern zwei blinkende Kugelleuchten, die auf beiden Seiten der Straße stehen. Bei Sonnenlicht kaum zu sehen, bei Dunkelheit aber sehr wohl, blinken die Belisha Beacons im Sekundentakt und Autofahrer haben hier zu warten, bis die Fußgänger die Straße überquert haben, was auch fast immer gut klappt.

Benannt wurden die Warnleuchten nach Leslie Hore-Belisha (1895-1957), der von 1934 bis 1937 Verkehrsminister war, und sich vehement für die Sicherheit von Fußgängern einsetzte. Zu der Zeit war die Zahl der Verkehrsunfälle außergewöhnlich hoch; etwa die Hälfte der Opfer waren Fußgänger und rund 75% der Unfälle ereigneten sich in geschlossenen Ortschaften. Fast wäre Hore-Belisha selbst einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen, als er einmal in London die Camden High Street überqueren wollte und dabei um ein Haar von einem Sportwagen erfasst wurde, der mit weit überhöhter Geschwindigkeit die Straße entlangraste.

Bei Autofahrern war er nicht so beliebt, da er mit dem Road Traffic Act Geschwindigkeitsbegrenzungen einführte (30 Meilen pro Stunde in geschlossenen Ortschaften). Dadurch und durch weitere Maßnahmen wie dem verbindlichen Führerscheintest konnte die Zahl der Verkehrsunfälle drastisch gesenkt werden. So verwundert es auch nicht, dass Hore-Belisha, der Mann mit einem Herz für Fußgänger, Vizepräsident der 1929 gegründeten Pedestrians Association wurde.
Ein konservativer Unterhausabgeordneter, Colonel John Moore-Brabazon, hatte für die Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung überhaupt kein Verständnis und meinte, früher hätte man ja auch jede Menge Hühner  und Hunde überfahren. Im Laufe der Zeit hätten Hunde gelernt, Autos aus dem Weg zu gehen und man sähe heute kaum noch tote Hunde am Straßenrand. Dieser Lernprozess würde auch bei Menschen eintreten. Moore-Brabazon wurde im Zweiten Weltkrieg unter Sir Winston Churchill selbst Verkehrsminister, interessierte sich aber mehr für den Luftverkehr (in Stoke Poges in Buckinghamshire traf ich ihn wieder; dort ist er im Memorial Garden beigesetzt).

Andere Formen von Fußgängerüberwegen sind:
Pelican Crossing -> ampelgeregelte Überwege, die man selbst durch Druckknöpfe auslöst (abgeleitet von PELICON =  Pedestrian light controlled)
Puffin Crossing -> so ähnlich wie Pelican Crossing, nur dass die Rot-Grün-Ampel für die Fußgänger auf der gleichen Straßenseite ist und nicht auf der gegenüberliegenden, was besonders für Menschen mit Sehproblemen wichtig ist
Toucan Crossing -> hier können Fußgänger und gleichzeitig auch Radfahrer die Straße überqueren (Toucan = two can, also zwei können gleichzeitig)
Pegasus Crossing -> hier können Fußgänger und gleichzeitig auch Reiter die Straße überqueren, wobei die Reiter eigene Druckknöpfe zum Auslösen der Ampel in etwa zwei Meter Höhe haben und die Rot-Grün-Männchen durch Rot-Grün-Pferde ersetzt sind.

Es gab einmal einen Pub in Rainham in Kent, der Belisha Beacon hieß, der aber nicht mehr existiert.

Hier ist ein witziger Film aus dem Jahr 1948, der zeigt wie man eine Straße überqueren bzw. nicht überqueren soll.

Belisha Beacons in London.   © Copyright Robert Lamb and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Belisha Beacons in London.
   © Copyright Robert Lamb and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pelican Crossing auf der Isle of Wight.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pelican Crossing.
    © Copyright Jaggery and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Beispiel für ein Puffin Crossing.   © Copyright Albert Bridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Beispiel für ein Puffin Crossing.
    © Copyright Albert Bridge and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Toucan Crossing.   © Copyright Albert Bridge and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Toucan Crossing.
    © Copyright Albert Bridge and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pegasus Crossing.   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pegasus Crossing.
    © Copyright Gerald England and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

 

 

Published in: on 1. Juli 2016 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The URI to TrackBack this entry is: https://maricopa1.wordpress.com/2016/07/01/belisha-beacons/trackback/

RSS feed for comments on this post.

2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. […] Traffic Act von 1934, erlassen von dem damaligen Verkehrsminister Leslie Hore-Belisha (nach dem die Belisha Beacons benannt worden sind), setzte die Höchstgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften auf 30 mph […]

  2. […] Ingos England-Blog tauchen wir ein in einige Besonderheiten des britischen Straßenverkehrs. Bleiben wir noch ein […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: