Exzentriker – Der Rechtsanwalt Reginald Hine (1883-1949) aus Hitchin in Hertfordshire

Hitchin in Hertfordshire.   © Copyright John Lucas and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Reginald Hine war ein waschechter Hertfordshire Man, geboren in Baldock im Norden der Grafschaft und wohnhaft in Hitchin, nur ein paar Kilometer entfernt. Hine war Rechtsanwalt in Hitchin, d.h. eigentlich war er nur Rechtsanwaltsgehilfe, denn er legte sein Prüfungen erst im Alter von 50 Jahren ab. Dennoch hatte er sich in der Stadt und in der Umgebung einen Namen als erfahrener und tüchtiger Anwalt gemacht. Viel lieber arbeitete der Mann aber als Historiker und da galt sein ganzes Interesse seiner Heimatstadt Hitchin. Es gab wohl kaum jemanden, der sich so gut mit der Stadt auskannte. Das Ergebnis seiner Recherchen waren das zweibändige, mehr als 900 Seiten umfassende Werk „History of Hitchin“ aus den Jahren 1927 und 1929 und „Hitchin Worthies“ (1932). Weiterhin schrieb Hine Bücher über die Kirche St Mary’s , die Grammar School, das Sun Hotel usw. usw.; der Anwalt war ein wandelndes Lexikon, was seine Heimatstadt betraf.
1945 erschien sein Buch „Confessions of an Uncommon Attorney„, das sich damals sehr gut verkaufte. „Uncommon“ war Reginald Hine auf jeden Fall. Er trug häufig eine sehr auffällige Kleidung, die aus bunten Jacketts und noch bunteren Hemden bestand, dazu oft eine Fliege.

Eine besondere Vorliebe hatte Hine für eine verfallene Ruine entwickelt, die nur wenige Kilometer südlich von Hitchin liegt, die Minsden Chapel. Schon seit dem 17. Jahrhundert liegt diese ehemalige, von Pflanzen überwucherte Kapelle in Ruinen. Oft kam er hierher und hier wollte er unbedingt einmal seine letzte Ruhe finden, was ihm auch vergönnt wurde, denn nach seinem Tod wurde seine Asche auf dem Gelände der Minsden Chapel verstreut.

Hines Tod war so ungewöhnlich wie sein Leben. Er neigte zu Depressionen und möglicherweise waren diese auch für sein Ableben verantwortlich. Am 14. April 1949 kaufte er sich auf dem Bahnhof von Hitchin eine Rückfahrkarte nach London. Auf dem Bahnsteig traf er einen Bekannten, mit dem er sich eine Weile unterhielt, dabei war er wie immer sehr lebhaft und freundlich. Als um 10.48 Uhr der Zug aus Cambridge in den Bahnhof einfuhr, wandte sich Hine um und stürzte sich auf die Gleise. Er wurde überrollt und war sofort tot. Ein Gedenkstein an der Minsden Chapel erinnert an diesen ungewöhnlichen Menschen.

Das Buch zum Artikel:
Richard Whitmore: The Ghosts of Reginald Hine: An Uncommon Attorney. Mattingley Press 2007. 240 Seiten. ISBN 978-0955466205.

Der Bahnhof von Hitchin, wo sich Reginald Hine vor einen Zug stürzte.    © Copyright Martin Addison and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Bahnhof von Hitchin, wo sich Reginald Hine vor einen Zug stürzte.
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Die Minsden Chapel.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Minsden Chapel bei Preston in Hertfordshire.
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Published in: on 22. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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