Mr Monkey oder wie ein Blogger mehrere Jahre lang den South Tyneside Council in Atem hielt

Die Town Hall von South Shields, in der der South Tyneside Council untergebracht ist.    © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Town Hall von South Shields, in der der South Tyneside Council untergebracht ist.
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Im Nordosten Englands findet man die Region South Tyneside, östlich von Newcastle upon Tyne, mit South Shields als Verwaltungssitz. Die Ratsmitglieder wurden in den Jahren 2008/2009 von einem Blogger in den Wahnsinn getrieben, der unter dem Namen Mr Monkey in seinem „South Tyneside’s Premier Blog“ die Politiker attackierte und ihnen schwere Vergehen vorwarf. Da war von Wahlfälschung die Rede, von Korruption  und Amtsanmaßung und alle Ratsherren/damen wurden beim Namen genannt. Die Bevölkerung amüsierte sich köstlich, so dass Mr. Monkey über 4000 Zugriffe täglich auf seinem Blog verzeichnen konnte. In der Rubrik „Twat of the Week„, was man etwa mit „Blödmann der Woche“ übersetzen kann, nahm er sich jede Woche einen der Ortspolitiker vor und stellte ihn/sie mit Foto an den Pranger.

In South Tyneside lag offenbar vieles im Argen, denn Mr Monkey hatte keine Probleme, seinen Blog mit Inhalt zu füllen.
Dann kam plötzlich am 21. Juli 2009 die Meldung „mr monkey calls it a day“, in der der anonyme Blogger ankündigte, am 30. Juli aufzuhören („this chimp has decided to give his victims an early birthday present“). Er meinte, sein Ziel erreicht zu haben und stellte noch einmal alle seine „Erfolge“ zusammen.
Hörte man damals ein Aufatmen in den Gängen der Town Hall von South Shields? Ja und Nein, denn es war dem Council nicht gelungen, den wahren Namen von Mr Monkey herauszubekommen, trotz intensivster Bemühungen, die sich mehrere Jahre hinzogen, auch nachdem der Blog geschlossen war. Eine amerikanische Anwaltskanzlei wurde eingeschaltet, um die Identität von Mr Monkey herauszufinden, da der Blog auf der in Kalifornien ansässigen Firma WordPress geschrieben worden war. Die Kosten für die ergebnislose  „Hexenjagd“ beliefen sich auf über £200 000, bezahlt aus Steuergeldern, auch das eigentlich ein Skandal.

Ein Ratsmitglied unternahm vor einem kalifornischen Gericht rechtliche Schritte gegen den Rat von South Tyneside, weil er den finanziellen Aufwand für die Suche nach Mr Monkey für völlig überzogen hielt und er das ganze Unternehmen stoppen wollte. Auch diese (erfolglose) Aktion verursachte hohe Kosten.

Die Identität des Bloggers aus South Tyneside konnte nie gelüftet werden; eine kleine Rache hatte Mr Monkey aber noch auf Lager: Nachdem sein Blog eigentlich abgeschlossen war, löschte er ihn nicht, sondern ließ ihn weiterhin bis zum heutigen Tag auf WordPress stehen. Wer möchte, kann ihn hier lesen.

Published in: on 19. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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