Meine Gin-Trilogie Teil 2: The Bombay Sapphire Distillery in Laverstoke (Hampshire)

Es gibt wohl keine Bar in England, die etwas auf sich hält, die keinen Gin der Marke Bombay Sapphire vorrätig hät. Das Markenzeichen dieses Gins ist die auffällige blaue Flasche, deren Etikett ein Bild Königin Victorias zeigt und den Schriftzug „From A 1761 Recipe“ trägt.
Der Hersteller, die Bombay Spirits Co., die zu dem Bacardi-Konzern gehört, ist seit 2014 in Laverstoke in Hampshire ansässig (hier ist ein Film von der Eröffnung). Dort ist man in eine uralte, mehr als 1000 Jahre alte Mühle am River Test gezogen, in der einmal handgeschöpftes, edles Papier hergestellt wurde. Diese alten Fabrikgebäude hat man sorgfältig restauriert und in eine Gin-Destillerie umgewandelt. Besonders auffällig sind die neu entstandenen gläsernen Gewächshäuser, in denen die Pflanzen wachsen, die zur Produktion des Gins benötigt werden und das sind:
Zitrone, Mandel, Süßholz, Wacholder, Schwertlilie, Angelica, Koriander, Zimtkassie, Kubeben-Pfeffer und Paradieskörner. Das erforderliche Wasser, um den Alkoholgehalt zu reduzieren, stammt aus den Waliser Bergen, aus dem Lake Vyrnwy, einer landschaftlich sehr schönen Gegend.

Das Design für die Gewächshäuser stammt übrigens aus den renommierten Heatherwick Studios in London, die auch den neuen Routemaster Bus konzipiert haben.

Der berühmte Saphir „Star of Bombay„, der im Smithsonian Institute in Washington D.C. aufbewahrt wird, gab dem Gin seinen Namen.

Wer sich für die Herstellung des Bombay Sapphires interessiert, der kann die Destillerie besichtigen; sie ist täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet (im Winterhalbjahr von 11 Uhr bis 18 Uhr). Angeboten werden geführte Touren (£25) und „self-guided tours“ (£15), darüberhinaus noch einige mehrstündige Spezialtouren.
Dieser Film gibt einen sehr guten Überblick, was den Besucher in der Destillerie erwartet.

Zu finden ist die Laverstoke Mill an der B3400, der London Road, zwischen Overton und Whitchurch, in dem kleinen Ort Laverstoke; Basingstoke und das Highclere Castle („Downton Abbey“) sind nur wenige Autominuten entfernt.

Der Star of Bombay. This work is in the public domain.

Der Star of Bombay.
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Die Laverstoke Mill am River Trent.    © Copyright Rob Farrow and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Laverstoke Mill am River Trent.
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Die Gewächshäuser in der Laverstoke Mill.   © Copyright Rob Farrow and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Gewächshäuser in der Laverstoke Mill.
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Published in: on 31. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Meine Gin-Trilogie Teil 1: The Nicholas Culpeper Pub im Gatwick Airport – Hier befindet sich die weltweit erste und einzige Gin-Destillerie in einem Flughafen

Hier im Gatwick Airport North Terminal findet man die Gin-Destillerie.   © Copyright Mary and Angus Hogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Gatwick Airport North Terminal findet man die Gin-Destillerie.
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Gestern erwähnte ich in meinem Blog den Gatwick Airport, südlich von London, in dessen Abfertigungshallen die Hintergrundmusik abgestellt wurde. Dort gibt es im Nord-Terminal eine weltweit einzigartige Besonderheit: Im Nicholas Culpeper Pub befindet sich eine Gin-Destillerie; kein anderer Flughafen in der ganzen Welt kann sich damit brüsten. Seit Anfang diesen Jahres wird hier ein spezieller London Dry Gin hergestellt, extra für den Airport kreiert. In den letzten Jahren ist Gin in Großbritannien wieder sehr populär geworden (ich berichtete in meinem Blog einmal über die verheeerenden Folgen des Gin-Genusses im London des 18. Jahrhunderts) und so schuf der Gin-Experte Matthew Servini ein neues Rezept, in dem er Ingredienzien aus der ganzen Welt verwendet, zum Beispiel Rinde vom Chinesischen Zimtbaum und indische Engelwurz. Die Flaschen, die man hier kauft, sind nummeriert und tragen die Unterschrift des Destillateurs. Natürlich kann man an der Bar des Pubs den Gin probieren bzw. ihn in Form verschiedenartiger Cocktails zu sich nehmen. Da gibt es u.a. den Culpeper G&T, den Aviation und den Elderflower Spritz. Auf der Getränkekarte steht auch der berühmte Bombay Sapphire, der in der Laverstock Mill in Hampshire hergestellt wird und über den ich morgen in meinem Blog berichten werde.

Auf der Speisekarte des Pubs findet sich als Spezialität „Gin cured smoked salmon“, das habe ich sonst noch nie gesehen.

Der Name „Nicholas Culpeper Pub“ kommt übrigens von dem englischen Apotheker und Kräuterkenner Nicholas Culpeper (1616-1654),  der zur Bekämpfung von Krankheiten die Heilkraft der Pflanzen einsetzte. Geboren wurde er übrigens in dem kleinen Dorf Ockley in Surrey, das nur wenige Kilometer von der Start- und Landebahn des Flughafens von Gatwick entfernt liegt.

Geöffnet ist The Nicholas Culpeper Pub & Dining von 4 Uhr bis 22 Uhr.

 Nicholas Culpeper. This work is in the public domain.

Nicholas Culpeper.
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Pipedown oder Der Kampf gegen die musikalische Umweltverschmutzung

Hier herrscht seit kurzem wohltuende Ruhe: In allen Marks&Spencer-Filialen verzichtet man jetzt auf Hintergrundmusik.   © Copyright Paul Gillett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier herrscht seit kurzem wohltuende Ruhe: In allen Marks&Spencer-Filialen verzichtet man jetzt auf Hintergrundmusik.
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Als ich gestern in einem Restaurant frühstückte, lief im Hintergrund die Musik eines Rundfunksenders. Beim anschließenden Einkauf in einem Supermarkt war es das gleiche, auch hier wurde man mit Musik berieselt bzw. belästigt. Angeblich sollen sich ja Kunden in Geschäften mit Hintergrundmusik wohler fühlen und mehr einkaufen, doch ist das wirklich so?

The Pipedown Campaign for Freedom from Piped Music“ kämpft schon seit 1992 gegen diese Form der musikalischen Umweltverschmutzung, mit Erfolg. Umfragen und Untersuchungen der BBC, der Sunday Times und der Universität von Cardiff haben ergeben, dass die meisten Menschen beim Einkauf keine Musikberieselung haben möchten. Dass Kunden in Läden mit Hintergrundmusik mehr einkaufen, scheint auch nicht zu stimmen, denn Supermarktketten wie ALDI, LIDL und Waitrose verzichten darauf und haben keine Umsatzprobleme.

Der erste Erfolg von Pipedown geht auf das Jahr 1994 zurück, als der Flughafen von Gatwick eine Umfrage unter den Reisenden durchführte, die mehrheitlich dafür stimmten, die Hintergrundmusik in den Abfertigungshallen einzustellen, was die Flughafenverwaltung dann auch tat. Weiterhin konnte Pipedown Sainsbury und Tesco davon überzeugen, keine Musik in ihren Läden abzuspielen. Auch die Buchhandelskette Waterstones verzichtet in den meisten Filialen darauf und lässt ihre Kunden in Ruhe ihre Bücher aussuchen. Der jüngste Erfolg der Pipedown-Mitglieder: Ab Mitte diesen Jahres ließen sich die Verantwortlichen von Marks&Spencer schließlich davon überzeugen, dass die sogenannte „piped music“ in ihren Filialen nicht erwünscht ist.

Pipedown hat eine ganze Reihe prominenter Unterstützer, von denen einige aus dem Musikgeschäft kommen wie zum Beispiel der Dirigent und Cellist Julian Lloyd Webber, der Pianist Alfred Brendel und der Dirigent Simon Rattle. Auch die Schauspieler Stephen Fry und Joanna Lumley unterstützen öffentlich die Pipedown-Kampagne, die auf eine Initiative des Umweltaktivisten Nigel Rodgers zurückgeht.

In Deutschland gibt es eine vergleichbare Kampagne, die sich „Lautsprecheraus e.V. – Pipedown Deutschland“ nennt und die auch von Prominenten unterstützt wird wie Ranga Yogeshwar, Dieter Hallervorden und Justus Frantz.

Mit dem Thema Lärm in unserer Gesellschaft und die Bedeutung der Stille beschäftigt sich der Dokumentarfilm „In Pursuit of Silence“ des Regisseurs Patrick Shen, der in diesem Monat in die Kinos Großbritanniens kam. Hier ist der Trailer.

John Cage setzte einmal die musikalische Stille in einem seiner Werke ein, das „4’33““ heißt und in dem nur 4 Minuten und 33 Sekunden Stille zu hören sind.

 

Published in: on 29. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
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The Good Pub Guide 2017

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Seit dem 8. September ist er auf dem Markt, der aktuelle „The Good Pub Guide 2017“ in seiner 35. Auflage. 1982 erschien diese Bibel für alle Pub-Gänger zum ersten Mal, herausgegeben von Alisdair Aird. 1996 kam Fiona Stapley als Mit-Herausgeberin dazu, die dann das Steuer ganz übernahm.

Zu einer Englandreise gehört für mich ein Pub-Führer unbedingt dazu. Vor einigen Jahren schwenkte ich vom „Good Pub Guide“ zum „AA Pub Guide“ um, der ca 2000 Pubs vorstellt und bebildert ist. Jetzt bin ich wieder beim Original gelandet, das auf 1072 Seiten rund 5000 empfehlenswerte Pubs auflistet. Geordnet ist das Buch alphabetisch nach Grafschaften und da stehen jeweils die besonders empfehlenswerten Gasthäuser am Beginn, die von Inspektoren genauestens unter die Lupe genommen worden sind, gefolgt von der Rubrik „Also Worth a Visit“, in der von Lesern genannte Pubs gelistet sind. Diese haben durchaus die Chance in den Hauptteil aufgenommen zu werden, wenn entsprechend viele positive Kommentare eingegangen sind. Man wird also durchaus dazu eingeladen, an der Gestaltung des Pub-Guides mitzuwirken  (am Ende des Buches finden sich entsprechende Formulare, die man ausfüllen und an die Redaktion schicken kann).
Die inspizierten Pubs werden sehr ausführlich beschrieben, mit den Namen der Licensees, den Öffnungszeiten und den angebotenen Biersorten. Man erfährt ob WLAN angeboten wird und ob Hunde willkommen sind und die angebotenen Speisen werden auszugsweise beschrieben.

In jeder Ausgabe des „Good Pub Guides“ wird der Pub des Jahres gekürt, sowie in Unterkategorien die besten ihrer Art genannt.

Pub of the Year 2017 ist „The Horse Guards Inn“ in Tillington (West Sussex) mit der Begründung: „A 300-year-old inn with all the character that goes with great age but with inventive food, lovely service, cosy bedrooms and a lush garden“. Der Enterprise-Pub liegt etwa 100 Meter von der A272 (Petworth – Midhurst) entfernt, gegenüber der Kirche All Hallows.

Unspoilt Pub of the Year 2017: Ye Olde Gate Inn in Brassington (Derbyshire)
Country Pub of th Year 2017: Cottage of Content in Carey (Herefordshire)
Town Pub of the Year 2017: Bank House in King’s Lynn (Norfolk)
Dining Pub of the Year 2017: The Red Lion in East Chisenbury (Wiltshire)
Inn of the Year 2017: The Inn at Whitewell in Whitewell (Lancashire)

The Good Pub Guide 2017. Edited by Fiona Stapley. Ebury Press 2016. 1072 Seiten. ISBN 978-1-78503-322-3. Der Preis beträgt £15.99.

Pub of the Year 2017: The Horseguards Inn in Tillington (West Sussex).   © Copyright Shazz and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Pub of the Year 2017:
The Horseguards Inn in Tillington (West Sussex).
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Die Stott Hall Farm in West Yorkshire – Ein Bauernhof, der zwischen den Fahrbahnen der M62 liegt

   © Copyright Peter McDermott and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Fährt man auf der Autobahn M62, die im Norden Englands die Städte Liverpool und Hull verbindet, westlich von Huddersfield am Booth Wood Reservoir entlang, teilen sich dort die jeweils dreispurigen Fahrbahnen und was liegt genau in der Mitte? Man glaubt es nicht: Ein Bauernhof. Die Stott Hall Farm ist umgeben von brausendem Autoverkehr, riesige Lastzüge donnern nur wenige Meter an den Gebäuden des Hofs vorbei, auf dessen Gelände Schafe grasen. Wie hält man das aus bzw. wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Auf jeden Fall war die Stott Hall Farm schon viel früher da als die M62, nämlich seit 1737. Friedlich und ruhig ging es hier oben auf den Pennines zu, bis zu den frühen 1970er Jahren, als die Ost-West-Autobahn gebaut wurde. Im Zuge der Bauarbeiten wurden hunderte von Häusern entlang der geplanten Trasse plattgemacht und so sollte es auch der Farm an den Kragen gehen. Die damaligen Bewohner wehrten sich mit Händen und Füßen gegen den Abbruch ihres Eigentums und es sah ganz nach Zwangsräumung aus. Doch plötzlich hielten die Bulldozer nicht mehr auf die Farm zu, sondern machten einen Bogen um sie herum. Die Straßenbaubehörde hatte beschlossen, die Trassen um die Stott Hall Farm zu verlegen. Warum? Hatte der Widerstand des Farmers Früchte getragen? Jahrelang sprach man von dem mutigen, hartnäckigen Bauern, der der M62 erfolgreich die Stirn geboten hatte, aber in Wahrheit sah es anders aus. Die geologischen Untersuchungen hatten damals ergeben, dass es sinnvoller wäre, die Autobahn um den Bauernhof herumzubauen, da der Untergrund, auf dem die Farm steht, nicht optimal für die ursprünglich geplante Trassenführung war. Also, noch mal Glück gehabt, dachten sich die Farmbewohner.

Nun müssen sich diese aber mit dem Verkehrslärm abfinden, der Tag und Nacht zu hören ist. Hin und wieder erleben sie auch einen Unfall mit und es kommen Autofahrer, die wegen Spritmangels liegengeblieben sind und um Hilfe bitten.

Damit der Farmer auch aus dieser Autobahnumklammerung herauskommt, wurden extra Unterführungen gebaut.

Wie es sich so auf der Stott Hall Farm lebt, zeigt dieser Film.

 

Published in: on 27. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Der Jubilee Pool in Penzance (Cornwall) – Ein nasses Vergnügen seit 1935

   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Im Süden Londons gibt es den Tooting Bec Lido und den Brockwell Lido, Cheltenham freut sich über seinen Sandford Parks Lido und Plymouth über den Tinside Pool. Alle diese großen Freibäder, die in England Lido genannt werden, haben eines gemeinsam: Sie standen alle schon einmal vor dem Aus, wurden aber durch die Initiative einiger tatkräftiger Menschen gerettet und erfreuen sich noch heute bzw. heute wieder im Sommer großer Beliebtheit.

Auch der Jubilee Pool in Penzance in Cornwall durchlebte einige Phasen dieser Existenzunsicherheit. Im Mai 1935 an der Battery Road direkt am Meer eröffnet, zeichnet sich dieser im Art Déco-Stil erbaute Lido durch seine ungewöhnliche dreieckige Formgebung aus. Er ist der größte Salzwasser-Pool in ganz Großbritannien mit einer Ausdehnung von 100×73 Meter an den jeweiligen Achsen. Über fünfzig Jahre war der Jubilee Pool in Betrieb, dann zeigten sich bauliche Probleme und die Zukunft sah gar nicht mehr so gut aus. Glücklicherweise nahm sich ein ehemaliger Architekt des Schwimmbades an, gründete die Jubilee Pool Association, ereichte es, dass der Lido unter Denkmalschutz gestellt wurde und trieb so viel Geld auf, dass er wiederhergestellt werden konnte. 1994 nahm das Freibad seinen Betrieb wieder auf.

Im Februar 2014 geriet der Jubilee Pool erneut in Schwierigkeiten. Schwere Stürme fegten in diesem Monat über den Südwesten Englands hinweg und zerstörten große Teile der Anlage, die daraufhin geschlossen werden musste. Wieder begann man in Penzance für die Reparaturarbeiten Geld heranzuschaffen und der Coastal Communities Fund, der Penzance Town Council, The Friends of Jubilee Pool und andere Organisationen brachten die erforderlichen Mittel auf. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte der Jubilee Pool am 28. Mai in diesem Jahr erneut eröffnet werden wie dieser Film zeigt.

Am 11. September wurde die Saison 2016 beendet. Hoffen wir, dass die Herbst- und Winterstürme in diesem Jahr gnädig mit dem Jubilee Pool umgehen.

Der Jubilee Pool nach der Wiedereröffnung 2016.   © Copyright Roy Hughes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Jubilee Pool nach der Wiedereröffnung 2016.
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The AA Big Road Atlas Britain 2017

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Trotz Navigationsgerät und Google Maps benötige ich doch immer noch einen Straßenatlas, um eine Reise vorzubereiten und auch vor Ort. Für meine Fahrten kreuz und quer durch England benutze ich seit vielen Jahren den „Big Road Atlas Britain“ der Automobile Association (AA), der Mitte des Jahres in der 26. Auflage für das Jahr 2017 erschienen ist. Mein bisheriges Exemplar war schon einige Jahre alt und löste sich durch häufigen Gebrauch in seine Einzelteile auf, so dass ich mir die Neuauflage zugelegt habe. Es ist ein Straßenatlas in Spiralbindung im XXL-Format (28,7cm x 38,9cm) und kostet nur £10,99 (bei Amazon UK £7,69)

Mir gefallen besonders die klaren und übersichtlichen Karten, die Farbgebung und die gute Lesbarkeit. Gegenüber den Vorauflagen hat sich nicht besonders viel geändert, denn neue Straßen werden in England eher selten gebaut. Der „Big Road Atlas Britain“ verzeichnet die rund 3500 fest installierten Geschwindigkeitsmessanlagen in ganz Großbritannien, die meist an Unfallschwerpunkten angebracht sind. Wer erstmals mit dem Auto in das Königreich reist, kann sich in dem Atlas über sämtliche Verkehrszeichen und die Bedeutung der „road markings“ informieren. Weiterhin findet man viele eingezeichnete touristische Sehenswürdigkeiten wie die des National Trusts und von English Heritage. Auf einer Extraseite werden die wichtigsten touristischen Hotspots mit den entsprechenden Codes für Navigationsgeräte genannt. 67 Stadtpläne sind sowohl im Atlasteil als auch im Anhang abgedruckt. 21 Seiten lang ist das Register.

Fazit: Ein sehr empfehlenswerter Straßenatlas mit dem ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe.

The AA Big Road Atlas Britain 2017. AA Publishing 2016. 144 Seiten. ISBN 978-0749577759

Published in: on 25. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  

Stalybridge (Greater Manchester) – Einige Anmerkungen

Q"" in der Market Street.   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Q“ in der Market Street.
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Auf die Fragen „Wer hat den längsten… kürzesten… ältesten… einzigen…?“ würden die Bewohner von Stalybridge in der Region Greater Manchester viermal die Arme heben und „Wir!“ rufen.

Stalybridge ist eine Kleinstadt mit knapp 25 000 Einwohnern rund 10 Kilometer östlich von Manchester, die früher einmal komplett von der Textilindustrie geprägt war. Es gibt einige Besonderheiten in Stalybridge, über die ich an dieser Stelle berichten möchte.

Die Stadt hat zwei Pubs, die sowohl den längsten als auch den kürzesten Namen in ganz Großbritannien führen und damit in das Guinness Book of Records aufgenommen wuurden. „The Old Thirteenth Cheshire Astley Volunteer Rifleman Corps Inn“ liegt in der Astley Street und der Tameside Metropolitan Borough hat am 30. Mai 1995 eine blaue Plakette am Haus angebracht, deren Inschrift noch einmal bestätigt, dass wir es hier mit dem längsten Pubnamen im Königreich zu tun haben. Die Einheimischen nennen ihn der Einfachheit halber kurz „The Rifleman“. Eigentlich müsste ich sagen „nannten“, denn Mitte des Jahres wurde der Gasthof dauerhaft geschlossen; wahrscheinlich wird man an der Stelle ein Wohnhaus errichten. Wieder ein Pub, der den Bach heruntergegangen ist.

In der Market Street von Staybridge steht der Pub mit dem kürzesten Namen: The Q Inn, kurz „Q„. Mitte im Zentrum der Stadt steht er, verfügt ebenfalls über eine blaue Plakette und erfreut sich hoffentlich noch eines langen Lebens.

Neben dem längsten und kürzesten Pubnamen rühmt sich Stalybridge auch der ältesten Blaskapelle der Welt, der Stalybridge Old Band, die bereits 1809 gegründet wurde. In der „Judge’s Bar“ in der Corporation Street hat sie ihr Hauptquartier. Die Brass Band ist noch heute aktiv und nimmt zum Beispiel an Wettbewerben teil wie dem Rochdale Brass Band Contest (gestern am 23. Oktober) und dem Yorkshire Contest in Holmfirth (West Yorkshire) am 6. November. Hier ist eine Hörprobe.

Um noch einmal auf die Judge’s Bar zurückzukommen; sie wurde nach Jack Judge (1878-1938) benannt, einem ehemaligen Fischhändler aus Oldbury (West Midlands), der später statt Fische zu verkaufen lieber eine Bühne bestieg und seine Sangeskunst zur Schau stellte. Dieser Jack Jones soll am 30. Januar 1912 hier in Stalybridge binnen einer Stunde in der Newmarket Tavern das berühmte Lied „It’s a Long Way to Tipperary“ geschrieben haben, das am nächsten Tag im Grand Theatre seine Uraufführung erlebte. Dafür wurde er mit einer Skulptur am Lord Pendry Square geehrt, die ihn zusammen mit einem Soldaten zeigt. Allerdings gibt es auch Leute, die behaupten, das Lied wäre gar nicht in Stalybridge, sondern in Judges Geburtsstadt Oldbury geschrieben worden.

Nun zum Abschluss noch zum „einzigen„; dabei handelt es sich um den einzigen noch verbliebenen Laden in der Region, der Kutteln (tripe) verkauft: The Tripe and Sandwich Shop in der Melbourne Street. Es gibt wohl nicht allzuviele Menschen, die Genuss am Verzehr von Rinderpansen haben, aber hier kann man sie noch kaufen. Es gibt in Großbritannien sogar The Tripe Marketing Board, die sich „Kutteln-Promotion“ auf seine Fahnen geschrieben hat. Sollte sich tatsächlich jemand für Pansen interessieren (mein Pudel aß die früher für sein Leben gern), Dr Derek J. Ripley hat ein Buch darüber geschrieben „A Brief History of Tripe“ (TMB Books 2015).

Der berühmte Hollywoodschauspieler Richard Gere, der 1978 in Stalybridge Szenen für seinen Film „Yanks“ (dt. „Yanks – Gestern waren wir noch Fremde“) gedreht hatte, soll einmal gesagt haben, dies wäre eine der schlimmsten Städte, die er je gesehen hätte. In einem Interview, das Gere in diesem Jahr gab, bestritt er das und behauptete („tongue-in-cheek“?), Stalybridge wäre eines der schönsten Dörfer, in dem er je gewesen wäre.

Die Jack Judge Statue.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Jack Judge Statue am Lord Pendry Square.
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Published in: on 24. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Tom Fort: Channel Shore – From the White Cliffs to Land’s End

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

In meinem gestrigen Blogbeitrag schrieb ich über die Fährverbindung von Dünkirchen nach Dover und den schönen Blick auf die weißen Klippen, den man bei der Ankunft auf die Hafenstadt hat. Diese White Cliffs of Dover sind der Startpunkt einer Reise, die der Schriftsteller Tom Fort per Fahrrad unternommen hat und die ihn entlang der englischen Südküste bis zum Land’s End in Cornwall führte. Seine Reiseeindrücke hat er in dem Buch „Channel Shore – From the White Cliffs to Land’s End“ festgehalten, das 2015 erstmals erschien und in diesem Jahr als Taschenbuch erhältlich ist.

Auch Tom Fort ist von der Stadt Dover nicht sehr angetan. Die Gebäude an den Einfall- bzw. Ausfallstraßen „…shake and reverberate with the sound and fury of forty-ton loads“. Der Endpunkt der Reise, Land’s End, ist zwar nicht von dem Lärm von 40-Tonnern erfüllt, dafür ist an diesem südwestlichsten Punkt Englands ein Touristen-Amüsierbetrieb entstanden, ein „trashy dump“, ein „clutter of commercial enterprises“ wie es Fort formuliert, der von der Firma Heritage Great Britain betrieben wird, der u.a. auch der Gegenpol, John O’Groats im Norden Schottlands, gehört.

Doch zwischen diesen beiden wenig attraktiven Orten findet Tom Fort auf seiner Fahrradreise überwiegend sehr eindrucksvolle Küstenregionen vor wie die Jurassic Coast in Devon, die Strände an der englischen Riviera und die steilen Felsen in Devon und Cornwall.

Das Buch macht Appetit auf einen Besuch der englischen Südküste; leider ist die Qualität der Schwarz-Weiß-Fotos sehr schlecht. Ein sechsseitiges Literaturverzeichnis regt dazu an, sich mit einzelnen Etappen der Reise detaillierter zu beschäftigen.

In meinem Blog stellte ich schon einmal ein anderes Buch von Tom Fort vor: „The A303: Highway to the Sun„.

Tom Fort: Channel Shore – From the White Cliffs to Land’s End. Simon&Schuster 2016. 431 Seiten. ISBN 978-1-4711-2973-5

Published in: on 23. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Fährverbindung von Dünkirchen nach Dover – Ein Erfahrungsbericht

DFDS Seaways bedient die Strecke Dünkirchen-Dover.   © Copyright TheTurfBurner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

DFDS Seaways bedient die Strecke Dünkirchen-Dover.
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Seit der Eröffnung des Eurotunnels haben wir den Ärmelkanal immer unterirdisch durchquert (ich berichtete in meinem Blog darüber); eine bequeme Angelegenheit, denn in einer guten halben Stunde ist man von Calais kommend in Folkestone eingetroffen. Ende September in diesem Jahr haben wir uns wieder einmal für die Fährüberfahrt entschieden, von Dünkirchen nach Dover. Nach einer Zwischenübernachtung in Brügge nahmen wir die 10 Uhr-Fähre ab Dunkerque, wie Dünkirchen in Frankreich heißt. Um den Fährhafen zu erreichen, muss man auf der Autobahn A16 ganz um die Stadt herumfahren, bis die N316 abgeht, die zu einem großen Kreisverkehr führt, von wo aus man über die Route de la Maison Blanche direkt zum DFDS-Terminal geleitet wird. Alles ist sehr gut ausgeschildert. Am Terminal findet die Passkontrolle und gegebenenfalls die Gepäckkontrolle statt; bei uns wurde nur ein kurzer Blick in den Kofferraum geworfen. Am Terminal wird den Passagieren mitgeteilt, auf welcher Spur sie sich einordnen müssen (ich glaube, es waren über 30 Spuren, wir hatten die Nummer 29).

Die Preise für die Überfahrt bewegen sich je nach Wochentag und Abfahrtszeit zwischen 45 Euro und 130 Euro (ein PKW inklusive fünf Personen), in Spitzenzeiten auch manchmal darüber. Zwölfmal am Tag verkehren die Fähren von Dünkirchen nach Dover bzw von Dover nach Dünkirchen.
Ich hatte noch zwei Extras dazugebucht:
Das bevorzugte Boarding kostet 12 Euro pro Fahrzeug; dadurch kommt man auf eine Extra-Fahrspur und gelangt zuerst an Bord und verlässt das Schiff als Erster.
Für 15 Euro pro Person hat man Zutritt zu der Premium Lounge, in die man durch einen einzutippenden Zahlencode gelangt. Wenn man keine Lust hat, die zwei Stunden, die die Überfahrt dauert, in dem wuseligen und vollen Aufenthaltsbereich der Fähre zu verbringen, hat man hier in der Lounge seine Ruhe. An den großen Panoramafenstern stehen Sessel, Stühle und Tische; am Büffett kann man sich an alkoholfreien Getränken bedienen und bekommt zur Begrüßung ein Glas Sekt gereicht. Tageszeitungen liegen aus und das WLAN ist kostenlos. Wer etwas essen möchte, kann an seinem Tisch bestellen und bekommt das Gewünschte vom Servicepersonal serviert. Natürlich gibt es auch eine separate Toilette für die Gäste der Premium Lounge. Ich finde diese Einrichtung sehr gut und kann diese Zusatzbuchung nur empfehlen.

Der Vorteil bei einer Fährüberfahrt gegenüber dem Eurotunnel ist der tolle Blick auf die White Cliffs of Dover wie sie Vera Lynn so schön besang. Als wir das Schiff im Dover Ferry Port verließen, begaben wir uns in Richtung A20 und fuhren durch nicht enden wollende Baustellen. Dies ist ein besonders hässlicher Teil der Hafenstadt. Man atmet auf, wenn man Dover in Richtung Folkestone verlassen hat.

Fazit: Die Fährverbindung ist eine Alternative zum Eurotunnel, rund 45 Kilometer näher von Deutschland aus und mit zwei Stunden Überfahrt auch kein Problem. Bei Herbststürmen würde ich allerdings immer den Tunnel vorziehen.

Dieser Film vermittelt einen kleinen Eindruck wie es an Bord der Fähre zugeht.

Die weißen Klippen von Dover kommen in Sicht. Eigenes Foto.

Die weißen Klippen von Dover kommen in Sicht.
Eigenes Foto.

Die Dover Eastern Docks.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Dover Eastern Docks.
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Published in: on 22. Oktober 2016 at 02:00  Comments (6)  
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St Michael’s Mount in Cornwall – Geplanter Wohnsitz des NS-Außenministers Joachim von Ribbentrop

St Michael's Mount bei Marazion in Cornwall.   © Copyright Mack McLane and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Michael’s Mount bei Marazion in Cornwall.
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Joachim von Ribbentrop (1893-1946) war von 1936 bis 1938 Botschafter des Deutschen Reichs in London. In diesen Jahren hatte er eine besondere Vorliebe für die Grafschaft Cornwall entwickelt, in die er mehrfach reiste. Seine Lieblingsorte waren das Tregenna Castle bei St Ives und St Michael’s Mount bei Marazion. Schon als Kind und als Heranwachsender besuchte er die Grafschaft im Südwesten Englands und Ribbentrop galt lange als anglophil. Während seiner Zeit als Botschafter genoss er in England ein gewisses Ansehen und war häufig Gast bei einflussreichen Persönlichkeiten. Ein besonderer Wesenszug des Mannes war seine Großspurigkeit und Arroganz. Bei einem seiner Besuche in Cornwall, nicht lange vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, soll er doch tatsächlich gesagt haben, dass, sobald Deutschland die Weltherrschaft übernommen hätte, er seinen Wohnsitz nach St Michael’s Mount verlegen würde, denn Hitler hätte ihm nach der Eroberung Großbritanniens für seine Loyalität Cornwall versprochen. Die Reaktion der Anwesenden kann man sich vorstellen.

Joachim von Ribbentrop wurde nach seiner Zeit als Botschafter in Großbritannien Außenminister der nationalsozialistischen Diktatur. Bei den Bombenangriffen deutscher Flugzeuge in England sollten bestimmte Regionen in Cornwall ausgespart werden, auf Anweisung Ribbentrops. Er wollte nicht, dass seine geplanten Wohnsitze dort zerstört wurden.  Glücklicherweise kam es weder zu einer deutschen Weltherrschaft noch zu einer Eroberung Großbritanniens, so dass Ribbentrop seine Pläne mit ins Grab nehmen musste; er wurde bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und im Oktober 1946 hingerichtet.

St Michael’s Mount wird vom National Trust verwaltet und ist seit Mitte des 17. Jahrhunderts der Familiensitz der St Aubyns. Das Tregenna Castle bei St Ives, das sich Ribbentrop als Feriendomizil „reserviert“ hatte, ist heute eine große Hotel- und Apartmentanlage mit einer sehr schönen Aussicht auf die Bucht wie dieser Film zeigt.

Das Buch zum Artikel:
Andrew Lanyon: Von Ribbentrop in St Ives. Dolam Scott 2011. 100 Seiten. ISBN 978-1905553761.

Tregenna Castle.    © Copyright Andy F and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Tregenna Castle.
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Joachim von Ribbentrop. Attribution: Bundesarchiv, Bild 102-18083. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.

Joachim von Ribbentrop (1893-1946).
Attribution: Bundesarchiv, Bild 102-18083.
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Wer war eigentlich…Samuel Ryder, der den Ryder Cup aus der Taufe hob?

 

Der Ryder Cup. Author: Dan Perry. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Der Ryder Cup.
Author: Dan Perry.
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In der Welt des Golfsports ist das alle zwei Jahre stattfindende Turnier, das den Namen Ryder Cup führt, ein wichtiges Ereignis. Die Crème de la Crème der Golfer Europas tritt gegen die Besten aus den Vereinigten Staaten an. Ausgetragen wird es abwechselnd auf Golfplätzen in Europa und in den USA. Das letzte Turnier fand vom 27. September bis zum 2. Oktober 2016 in Chaska in Minnesota statt, gewonnen von den USA. Erstmals wurde der Ryder Cup im Jahr 1927 in Worcester in Massachusetts ausgetragen und ebenfalls von der amerikanischen Mannschaft gewonnen.

Woher kommt nun der Name Ryder Cup?
Dahinter steckt ein wohlhabender Mann namens Samuel Ryder (1858-1936) aus St Albans in Hertfordshire, der sein Vermögen durch das Versenden von Pflanzensamen in kleinen Tütchen erwarb. Der in Preston (Lancashire) geborene Samuel Ryder hatte die Idee, gemeinsam mit seiner Frau, von ihrer Wohnung in der Folly Lane in St Albans aus, Samen von allen möglichen Pflanzen zu einem Einheitspreis in das ganze Königreich zu verschicken. Sie machten alles selbst, sie erstellten die Kataloge und füllten die Tütchen mit dem Samen in ihrem Gartenschuppen ab. Das Geschäft florierte und so zogen Mr und Mrs Ryder mehrfach in größere Räumlichkeiten in der Stadt um; schließlich endeten sie in der Straße Holywell Hill, wo Samuel Ryder 1911 ein Verwaltungsgebäude errichten ließ (in dem sich heute das Hotel The White Hart befindet). Der gleiche Architekt baute Jahre später direkt daneben die Seed Hall, in der man sich die Pflanzen auch ansehen konnte, die aus dem Tütchensamen entsehen sollten. In diesem sehr ansehnlichen Haus in der Nummer 29 Holywell Hill befindet sich heute das Café Rouge, ein französisches Restaurant.

Als Samuel Ryder 50 Jahre alt wurde, bekam er Probleme mit seiner Gesundheit und sein Hausarzt empfahl ihm, zu seiner Entspannung Golf zu spielen. Er trat dem Verulam Golf Club bei und so ergab es sich im Laufe der Zeit, dass die Idee eines Golfturniers in ihm keimte. Als Trophäe des sogenannten Ryder Cups gestaltete die renommierte in Sheffield (später in London) ansässige Firma Mappin&Webb einen Pokal, der damals £250 kostete. Als Modell für den Golfspieler auf dem Deckel des Pokals diente Ryders Golflehrer Abe Mitchell, der später auch an einigen Turnieren teilnahm.
Hier ist ein alter Film aus dem Jahr 1929, in dem Samuel Ryder eine Rede hält.
Samuel Ryder starb am 2. Januar 1936 und wurde auf dem Hatfield Road Cemetery in St Albans beigesetzt.

Das Buch zum Artikel:
Peter Fry: Samuel Ryder – The Man Behind the Ryder Cup. Wright Press 2010. 145 Seiten. ISBN 978-0953908714.

Links steht Samuel Ryders ehemaliges Verwaltungsgebäude, rechts die frühere Seed Hall in der Straße Holywell Hill.   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Links steht Samuel Ryders ehemaliges Verwaltungsgebäude, rechts die frühere Seed Hall in der Straße Holywell Hill.
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Samuel Ryders Grab   © Copyright Ian Capper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Samuel Ryders Grab auf dem Hatfield Road Cemetery in St Albans.
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Published in: on 20. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Schiffbruch der „Hera“ am Gull Rock vor der Südküste Cornwalls am 31. Januar 1914

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Unglücksstelle, der Gull Rock.
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Der Gull Rock, einige hundert Meter vom Nare Head an der Südküste Cornwalls entfernt, war ein für die Schifffahrt berüchtigter Felsen im Meer. Gerade bei schlechter Sicht kollidierten immer wieder Schiffe an ihm. In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1914 kam der deutsche Frachter „Hera“ auf dem Weg von Chile, beladen mit Guano, bei sehr schlechtem Wetter dicht an der Küste vorbei und krachte gegen den Felsen. Die „Hera“ legte sich auf die Seite und die Besatzung versuchte, in die Rettungsboote zu steigen, doch zwei von ihnen drifteten ab und nur eines war einsatzbereit, in das sich einige Männer flüchteten und das bald darauf voll Wasser lief. Signalraketen wurden in der Hoffnung abgeschossen, dass dadurch jemand auf die Notsitaution aufmerksam gemacht würde, was auch der Fall war. Das Seenotrettungsboot in Falmouth wurde alarmiert, das jedoch erst einige Stunden später an der Unglücksstelle eintraf. Nur fünf Männer konnten gerettet werden. Am nächsten Tag spülte das Meer Wrackteile und tote Seeleute an den Strand.

Insgesamt konnte man zwölf Tote bergen, die alle auf dem Kirchhof von St Symphorian in Veryan (Cornwall) beigesetzt wurden und zwar in einem Reihengrab von fast dreißig Meter Länge, was wohl das längste Grab Großbritanniens sein dürfte. Am 4. Februar fand die Beisetzungsfeier statt, die etwa 700 Bewohner aus Veryan und den umliegenden Orten besuchten. Die Namen der toten deutschen Seeleute wurden auf einem Marmorgedenkstein eingraviert. Auch nach mehr als hundert Jahren wird das Veryan Long Grave noch heute gehegt und gepflegt. Anlässlich des 100. Jahrestages des Schiffsunglücks gab es auf dem Kirchhof von St Symphorian noch einmal eine kleine Gedenkfeier, an der eine über hundert Jahre alte Dame teilnahm, die damals als kleines Baby auf dem Arm ihrer Mutter die Beerdigung der Seeleute erlebte.

Veryan liegt an der Roseland Heritage Coast westlich von Portloe.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).   © Copyright Dave Kelly and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Symphorian in Veryan (Cornwall).
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David Bowie und Aylesbury in Buckinghamshire

Aylesbury Market Square.    © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aylesbury Market Square.
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Als David Bowie am 10. Januar in diesem Jahr starb, war die Trauer in der Stadt Aylesbury in Buckinghamshire besonders groß und es wurden spontan unter den Torbögen am Market Square Blumen niedergelegt. Warum gerade in Aylesbury? Der 1947 in London geborene Sänger stellte 1971 und 1972, also am Beginn seiner Karriere, zwei seiner bedeutendsten Alben im örtlichen Musikclub Friars Aylesbury vor; das waren „Hunky Dory“ und „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars„. In einem seiner Songs auf dem „Ziggy Stardust“-Album, „Five Years„, bezieht er sich in der ersten Zeile auf Aylesbury, wenn er singt „Pushing through the market square, so many mothers sighing“. Und am Market Square, in der Borough Assembly Hall, war damals in den 1970er Jahren der Musikclub ansässig, in dem Bowie auftrat.

Friars Aylesbury gibt es noch heute. Europas größter Musikclub (so steht es auf der Homepage) hat mehrere Ortswechsel vorgenommen, war von Ende 1984 bis Mitte 2009 geschlossen, eröffnete dann erneut im Civic Centre und zog 2010 in das Waterside Theatre um, nicht weit vom Market Square entfernt.

David Stopps, Musikmanager, der im Friars Aylesbury alles was Rang und Namen hatte, im Laufe der Jahrzehnte auftreten ließ, hatte denn auch die Idee, in Aylesbury eine Statue von David Bowie errichten zu lassen und zwar unter den Arkaden des Marktplatzes, dort, wo Bowie damals im Musikclub auftrat. Die Idee fand viele Anhänger, der Aylesbury Vale District Council gab seine Genehmigung, die geplante Statue an dieser Stelle aufzustellen. David Stopps ist jetzt dabei, das Geld dafür aufzutreiben, denn die Steuerzahler sollen damit nicht belastet werden. £150 000 soll das Kunstwerk kosten mit dessen Gestaltung der weltweit angesehene Bildhauer Andrew Sinclair beauftragt worden ist. Sinclair hatte sein Studio in Wendover, einer kleinen Stadt vor den Toren Aylesburys, bevor er nach Devon zog. Die Errichtung der Statue ist für das Jahr 2017 geplant. Hier ist ein Beitrag zum Thema von der BBC.

Der Aylesbury Market Square diente übrigens als Inspiration für den Song „Market Square Heroes“ der 1979 in der Stadt in Buckinghamshire gegründeten Band Marillion.

Wandmalerei in Aylesburys Friars Park Shopping Centre, das viele der Berühmtheiten zeigt, die im Musikclub Friars Aylesbury aufgetreten sind.   © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Wandmalerei in Aylesburys Friars Park Shopping Centre, das viele der Berühmtheiten zeigt, die im Musikclub Friars Aylesbury aufgetreten sind.
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Published in: on 18. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Britannia Inn am Ende der Welt in Dungeness (Kent)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Es ist schon eine eigenartige Landschaft, wenn man von New Romney in Kent nach Süden abbiegt und auf dem Coast Drive bis zur äußersten Landspitze von Dungeness fährt, die von dem Kernkraftwerk Dungeness Power Station beherrscht wird. Zwischen der schmalen Straße und der Küste liegen Hütten, teils bewohnt, teils unbewohnt, manche verfallen, dazwischen hingestreut einige Schiffsrümpfe. Hier ist einer der längsten Kiesstrände der Welt und dieser Kiesboden zieht sich bis zur Dungeness Road hin. Wer an der Straße parken will, sollte sehr vorsichtig sein, und immer nur längs parken, auf keinen Fall im rechten Winkel zur Straße, denn man kann mit den Rädern schnell in diesem Kies versinken wie es mir vor einigen Tagen erging. Die Vorderräder meines Autos verschwanden in diesem lockeren Geröll und ich kam nicht mehr aus eigener Kraft heraus. Dank der Hilfsbereitschaft eines zufällig vorbeikommenden Autofahrers und eines Polizeiautos konnte ich nach mehreren Versuchen mittels einer Kette herausgezogen werden. Wird mir eine Lehre sein!

Am äußersten Ende der Dungeness Road, in Sichtweite des Kernkraftwerks liegt der Britannia Inn, ein barackenähnliches Gebäude mit einem (befestigten!!) Parkplatz davor und einigen Außensitzplätzen, von denen aus man einen Blick auf die beiden Leuchttürme hat. Wir nahmen ein Masterbrew der Brauerei Shepherd Neame zu uns, der der Pub auch gehört. Besonders gemütlich fand ich den gut besetzten Gastraum eigentlich nicht, er wirkte irgendwie kalt und kahl. An den Deckenbalken hingen unzählige Schlüsselringe. Gegessen haben wir hier nicht, im Tripadvisor finden sich relativ viele negative Anmerkungen über die Qualität und die Preise der angebotenen Speisen.
Wie auch immer, es ist schon merkwürdig hier unten in Dungeness. Einige Künstler haben sich in diesem abgelegenen Gebiet niedergelassen wie zum Beispiel im Dungeness Open Studio, schräg gegenüber vom Britannia Inn.

Nicky Minaj nahm ihr Musikvideo „Freedom“ hier auf und die Episode „Natural Causes“ (dt. „Wer ohne Sünde ist“) der TV-Serie „Inspector Lynley“ endet dramatisch auf dem Old Lighthouse, von dem aus man einen tollen Blick auf Dungeness hat. Auch der Britannia Inn ist in der Folge innen und außen zu sehen.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Dungeness Power Station und das Old Lighthouse. Eigenes Foto.

Dungeness Power Station und das Old Lighthouse.
Eigenes Foto.

Künstlerstudio gegenüber vom Britannia Inn.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Künstlerstudio gegenüber vom Britannia Inn.
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Published in: on 17. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Claydon House bei Middle Claydon in Buckinghamshire – Seit 60 Jahren beim National Trust

   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Sir Ralph Bruce Verney, 5th Baronet, übergab Claydon House, seinen Familiensitz, im Jahr 1956 dem National Trust, mit der Auflage, dass er und seine Nachkommen auch weiterhin in dem Landhaus wohnen können. Der NT war einverstanden und so lebt die Verney-Familie noch heute in einem Flügel des Gebäudes, das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut worden war.

Was gibt es für Besonderheiten im Claydon House? Im ersten Stock des Hauses hat man ein kleines Museum eingerichtet, das der berühmten Krankenschwester Florence Nightingale (1820-1910) gewidmet ist. Sie war hier häufig zu Gast, da ihre ältere Schwester Parthenope, Lady Verney, eine Zeitlang Hausherrin war. Diese hatte Harry Verney, 2nd Baronet geheiratet, und war maßgeblich an den umfangreichen Umbauarbeiten am Claydon House beteiligt. Florence Nightingale standen mehrere Räume zur Verfügung und sie konnte hier in Ruhe ihren schriftstellerischen Arbeiten nachgehen. Der National Trust hat in einem der Räume Florences Wohnzimmer wieder hergestellt wie es einmal ausgesehen hat, man kann ihr Bett besichtigen und es gibt eine Fülle von Briefen, Dokumenten und anderen Memorabilien aus ihrem Leben zu sehen. In London steht übrigens am Themseufer, gegenüber dem Parlamentsgebäude, ein größeres Florence Nightingale Museum.

Das Claydon House ist auch ein Ort, an dem viele Veranstaltungen stattfinden. In diesem Jahr spielte beispielsweise das Claydon Chamber Orchestra klassische Werke, ein Abend war den Werken Johann Sebastian Bachs gewidmet. Dann gibt es Vorträge über die Menschen, die im Claydon House gewohnt haben und Führungen der anderen Art, nämlich, wenn das Haus für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Ein buntes Programm wird alljährlich auf die Beine gestellt.

Claydon steht für Hochzeitsfeiern zur Verfügung und natürlich auch für Filmproduktionen. Zuletzt wurden hier Szenen für den Film „Far From The Madding Crowd“ (2015) gedreht (hier ist der Trailer zu sehen).

Auf dem Gelände des Anwesens finden jährlich Hovercraftrennen statt wie dieser Film zeigt.

Direkt neben Claydon House steht die Gemeindekirche von Middle Claydon, All Saints, in der viele Monumente zu finden sind, die an Mitglieder der Verney-Familie erinnern.

Wer das National Trust-Haus besichtigen möchte: Es ist in der Regel bis Ende Oktober geöffnet und schließt dann über das Winterhalbjahr. Claydon Estate liegt etwa zwischen Buckingham und Aylesbury und schmiegt sich an das Dörfchen Middle Claydon an, wovon auch die Zufahrt erfolgt (über die Queen Catherine Road).

Dieser Film stellt das Claydon House vor.

Claydon House
Middle Claydon
near Buckingham
Buckinghamshire MK18 2EY

All Saints Parish Church.    © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints Parish Church.
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Published in: on 16. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Tring Brewery in Hertfordshire und das De Havilland Aircraft Museum

Die Brauerei an der London Road.   © Copyright Michael Trolove and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Brauerei an der London Road.
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Ich finde es immer wieder erstaunlich, welche Namen englische Brauereien ihren Bieren geben; da müssen sehr fantasievolle Menschen am Werke sein. Auch die Tring Brewery in Hertfordshire, in dem gleichnamigen Ort ansässig, macht da keine Ausnahme. Da heißt ein Bier „Side Pocket For A Toad“, ein anderes „Death Or Glory“ und wieder ein anderes „Aldbury Alchemist“.

Zwei erfahrene Braumeister lenken die Geschicke der Brauerei, der Gründer Richard Shardlow und Andrew Jackson, die beide vorher in anderen großeren Brauereien des Landes gearbeitet haben.

Seit Anfang des Jahres 2016 hat man in der Tring Brewery eine neue Serie aufgelegt, monatlich wechselnde saisonale Biere, die alle nach Flugzeugen der Firma De Havilland benannt sind. Die Flugzeugbaufirma hatte ihren Stammsitz in Hatfield, ebenfalls in Hertfordshire, und ein großes Museum bei London Colney, dicht an der Autobahn M25, sammelt alle Flugobjekte dieser Firma, das De Havilland Aircraft Museum. Dort ist man gerade dabei einen neuen Hangar zu bauen, in den alle Flugzeuge untergebracht werden sollen, die bisher noch draußen stehen und Wind und Wetter ausgesetzt sind. Mehr als £2 Millionen wird das neue Gebäude kosten und trotz Unterstützung durch den Heritage Lottery Fund fehlen noch immer rund £500 000. So hat sich die Tring Brewery mit dem Museum zusammengetan, um einen Teil der benötigten Gelder zusammenzubringen.

Im Monat Januar begann die neue Bierserie mit „Albatross„, benannt nach einem Verkehrsflugzeug, das De Havilland Ende der 1930er Jahre baute. Es folgten „Hornet“ im Februar und „Hummingbird“ im März. Das Bier des Monats Oktober ist zurzeit „Vampire„, in den letzten beiden Monaten des Jahres werden noch „Wooden Wonder“ und „Comet“ gebraut.

Man kann alle Biersorten der Brauerei in deren Shop in der London Road, gegenüber von Tesco, kaufen. Die Tring Brewery bietet donnerstags und samstags auch Besichtigungstouren mit Verkostung an.

Mein Übernachtungstipp für diese Region: Das Pendley Manor Hotel im Cow Lane, östlich von Tring.

Tring Brewery
Dunsley Farm
London Road
Tring
Hertfordshire
HP23 6HA

Das De Havilland Aircraft Museum bei London Colney (Hertfordshire).   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das De Havilland Aircraft Museum bei London Colney (Hertfordshire).
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Eine De Havilland Vampire, nach der das Bier des Monats Oktober benannt wurde. This work has been released into the public domain.

Eine De Havilland Vampire, nach der das Bier des Monats Oktober benannt wurde.
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Published in: on 15. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Hallsands in Devon – Das Dorf, das vom Meer verschlungen wurde

Hallsands im Jahr 2016.   © Copyright David Martin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hallsands im Jahr 2016.
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In dem kleinen Dörfchen Hallsands an der Südküste der Grafschaft Devon, östlich von Kingsbridge, lebten jahrhundertelang Fischer. Es gab hier alles, was man so brauchte wie einen Pub und einen kleinen Laden. Der Ort, der zwischen den steil abfallenden Klippen und dem Meer angesiedelt war, überlebte viele Stürme, die immer mal wieder über ihn hinwegfegten…bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Bereits 1896 entstand der Plan, die Royal Dockyards in Devonport, einem Ortsteil von Plymouth, zu erweitern. Der Marinehafen war von großer Bedeutung für ganz Großbritannien, und so bekam John Jackson den Auftrag, sich um die Arbeiten zu kümmern. Er benötigte dafür jede Menge Sand und Kies, was in Hülle und Fülle direkt vor Hallsands im Meer zu finden war. Die entstehenden Hohlräume würden von selbst wieder durch Kiesel aufgefüllt, die das Meer herantransportiert, so die Aussage der Techniker. Über 650 000 Tonnen Sand und Kies wurden in den nächsten Jahren von Hallsands nach Devonport gebracht, mit dem Resultat, dass der Strand an der Entnahmestelle langsam absackte. Die Bewohner von Hallsands schlugen Alarm, woraufhin die Behörden die Sachlage untersuchte. Alles kein Problem, beruhigten sie die Menschen, die dort wohnten, und es wurde weiter in großem Stil Baumaterial aus dem Meer geholt. Von wegen „kein Problem“, als nächstes fielen die Wellenbrecher um, die Straße, die nach Hallsands führte, war nicht mehr passierbar und die ersten Häuser wurden instabil. Eine erneute Untersuchung ergab, dass das Dorf Gefahr lief, bei schweren Stürmen erhebliche Probleme zu bekommen, und so wurden die Baggerarbeiten vor Hallsands eingestellt. Aber der angerichtete Schaden war nicht mehr rückgängig zu machen. Am 26. Januar 1917 zog ein ungewöhnlich heftiger Sturm auf und die aufgewühlten Wellen zerstörten den größten Teil des Dorfes. Die Fischer und ihre Familien hatten keine Wahl, sie mussten Hallsands verlassen, das Dorf existierte nicht mehr, bis auf ganz wenige unbewohnbare Häuser. Jahrelang kämpften die ehemaligen Bewohner darum, Entschädigungen zu erhalten und was sie dann bekamen, war eine lächerliche Summe.

Heute kann man sich das, was einmal Hallsands war von einer Aussichtsplattform aus ansehen. Über dem abhandengekommenen Dorf steht ein kleiner Apartmentkomplex, dort wo früher einmal ein von den drei Trout-Schwestern geführtes Hotel war.

Im Januar diesen Jahres richtete ein Sturm weiteren Schaden in Hallsands an, in dem der gesamte Strand weggespült wurde. Die ganze Küste in dieser Region erodiert so langsam vor sich hin, und so mancher Hausbesitzer dort muss sich Sorgen um seine Zukunft machen.

Dieser Film zeigt wie Hallsands heute aussieht.

Was vom Dorfe übrigblieb.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was vom Dorfe übrigblieb.
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Langsam bröckelt hier alles weg.   © Copyright David Martin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Langsam bröckelt hier alles weg.
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Published in: on 14. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Die kleinste Konzerthalle der Welt in Snape (Suffolk)

Die rote Telefonzelle vor dem Besucherzentrum.   © Copyright Roger Cornfoot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die rote Telefonzelle vor dem Besucherzentrum.
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Über die Verwendung ausgedienter Telefonzellen zu anderen Zwecken habe ich in meinem Blog gelegentlich geschrieben. Da gibt es eine Mini-Bibliothek, eine Mini-Kneipe oder eine Defibrillator-Station, die in ehemaligen roten Telefonzellen untergebracht worden sind. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

In Snape in Suffolk, dort wo der berühmte Kunstkomplex Snape Maltings steht, gibt es eine in die kleinste Konzerthalle der Welt umfunktionierte Telefonzelle. Snape Maltings ist dafür bekannt, dass der Komponist Benjamin Britten sein 1948 ins Leben gerufenes Aldeburgh Festival seit 1968 hier in den Gebäuden einer ehemaligen Mälzerei abhält. Die Konzerthalle wurde im Jahr davor von der Queen höchstpersönlich eröffnet. Seitdem treten regelmäßig namhafte Künstler aus der ganzen Welt am Ufer des River Alde auf.

Die vor dem Eingang des Besucherzentrums stehende Telefonzelle diente ursprünglich dazu, von hier aus Eintrittskarten in dem einige Kilometer entfernten Ticketbüro zu bestellen, doch im Zeitalter des Mobiltelefons benötigte man sie nicht mehr. So kam man im vorigen Jahr auf die Idee, dort einen Mini-Konzertsaal zu installieren, der aus einem Headset besteht, über das man eine Aufführung des Orchesterwerks „The Sea“ hören kann, das der englische Komponist Frank Bridge 1910 geschrieben hat. Doch man kann das Werk, das vom BBC Symphony Orchestra gespielt wird, nicht nur hören, sondern über das Headset auch sehen und sogar über Kopfbewegungen die Perspektive verändern, und das in einem Winkel von 360°. Wer will, kann so dem Dirigenten Martyn Brabbins genau auf die Finger schauen oder einen Blick in den Zuschauerraum werfen; jeder ist sein eigener Kameramann. Zweck dieser Einrichtung, ist, dass auf diese Weise das Interesse an den musikalischen Aufführungen geweckt wird, also Werbung in eigener Sache.

Hier ist Frank Bridges „The Sea“ so zu hören und zu sehen wie in der Telefonzelle und steuern kann man die Kamera auch.

Die "richtige" Konzerthalle von Snape Maltings.   © Copyright Chris Allen and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die „richtige“ Konzerthalle von Snape Maltings.
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Published in: on 13. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Krimiautorin Gladys Mitchell und die Verfilmung ihrer Bücher

Corfe Mullen in Dorset, wo Gladys Mitchell von 1961 bis 1982 lebte.   © Copyright John Palmer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Corfe Mullen in Dorset, wo Gladys Mitchell von 1961 bis 1983 lebte.
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Gladys Mitchell (1901-1983) war eine Krimiautorin, deren Werke in Deutschland kaum bekannt sind. Gerade einmal drei Romane aus ihrem umfangreichen Werk wurden ins Deutsche übersetzt: „Das Geheimnis der Zwillinge“ (Originaltitel: „The Echoing Strangers“) und „Des Teufels Ellenbogen“ (Originaltitel: „The Devil’s Elbow“), beide 1953 erschienen, und „Mord auf Skeleton Island“ (Originaltitel: „Skeleton Island“) aus dem Jahr 1969.

Gladys Mitchell wurde 1901 in Cowley in Oxfordshire geboren, dort, wo sich einige Jahre später die Autofabrik Morris niederließ. Ein Krimi aus dem Jahr 1936 heißt denn auch „Dead Men’s Morris„. Die Dame war Lehrerin von Beruf und unterrichtete in mehreren Schulen im Großraum London. Nach ihrer Pensionierung siedelte sie nach Corfe Mullen in Dorset über, wo sie weitere Krimis schrieb; in der Regel einen pro Jahr. 1976 erhielt sie den Silver Dagger der Crime Writers Association und eine Zeitlang wurde sie auf die gleiche Stufe wie Agatha Christie und Dorothy Sayers gestellt. Doch dann verblasste ihr Ruhm allmählich. Auf dem britischen Buchmarkt sind einige von Mitchells Werken noch heute erhältlich, die meisten in E-Book-Form.

Die Protagonistin der Werke Gladys Mitchells heißt Beatrice Adela Lestrange Bradley und nach ihr wurde auch eine TV-Serie benannt, die die BBC von 1998 bis 2000 ausstrahlte. „The Mrs Bradley Mysteries“ umfassten nur fünf Episoden, Stoff genug für weitere 61 Folgen hätte es noch gegeben, doch die Fernsehserie schlug nicht so ein wie man es erhofft hatte, obwohl Mrs Bradley von einer sehr bekannten Schauspielerin verkörpert wurde, nämlich von Diana Rigg, unvergesslich als Emma Peel in „The Avengers“ (dt. „Mit Schirm, Charme und Melone“). An ihrer Seite spielt Neil Dudgeon, den wir als DCI John Barnaby in „Midsomer Murders“ kennen. Dudgeon ist der Chauffeur George, der Mrs Bradley in einem Rolls Royce durch das Land fährt.

Ich habe mir einmal die Episode 2 „The Rising of the Moon“ angesehen, die auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1945 basiert. Diana Rigg schafft es immer noch, auf dem Bildschirm sehr präsent zu sein und spielt ihre Rolle gut. Gedreht wurde diese Folge zu weiten Teilen auf dem Village Green von The Lee und in Little Missenden, beide in Buckinghamshire gelegen. In Deutschland wurde die TV-Serie nie gezeigt.

Wer sich näher mit Gladys Mitchell beschäftigen möchte: Es gibt eine umfangreiche „Tribute“-Website über die Autorin.

The Kings Arms Hotel – Ein sehr empfehlenswertes Hotel an der High Street von Old Amersham (Buckinghamshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Bei unserem vorletzten Besuch in Old Amersham, nördlich von Beaconsfield in Buckinghamshire, fanden wir das Kings Arms Hotel an der High Street sehr verlockend und dieses Mal haben wir uns entschieden, dort für einige Tagen zu wohnen…eine sehr gute Entscheidung. Wer den Film „Four Weddings and a Funeral“ (dt. „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) gesehen hat, kann sich eventuell noch an eine nächtliche Szene erinnern, die vor dem Hotel gedreht worden ist. Die anschließende Szene mit Hugh Grant und Andie McDowell, die in einem Himmelbettzimmer spielt, wurde im Nachbarhotel „The Crown“ gedreht. Beide Hotels gehören denselben Besitzern.

Wir hatten Zimmer Nummer 12 gebucht, eine Suite unter dem Dach mit uralten Holzbalken und auch einem Himmelbett. Der Boden war etwas uneben und gewöhnungsbedürftig; Badezimmer und Toilette schlossen sich ohne Tür an den Wohnraum an. Das Badezimmer war etwas boutiqueartig ausgestattet mit einem schüsselförmigen Waschbecken und einer Einhand-Mischbatterie (!!!), nicht selbstverständlich in englischen Hotels. Ein Zimmer zum Wohlfühlen. Gehbehinderte sollten diese Suite besser nicht buchen, da sie nur über mehrere Treppen und Gänge zu erreichen ist. Wir blickten auf den Parkplatz des Hotels, dessen Zufahrt durch einen Torbogen führt, durch den früher die Kutschen gefahren sind, denn The Kings Arms war einmal ein „Coaching Inn“. Diesen Innenhof kann man in dem Miss Marple-Spielfilm „Murder at the Gallop“ (dt. „Der Wachsblumenstrauß“) mit Margaret Rutherford in der Hauptrolle sehen, aber auch andere Teile des Hotels wurden für die Dreharbeiten damals 1963 verwendet.

The Kings Arms verfügt über eine/n Bar/Pub und über ein hübsches Restaurant, in dem auch das Frühstück serviert wird.

Ganz besonders aber gefiel uns der exzellente, freundliche, aufmerksame Service an der Rezeption. Schon bei der Ankunft empfing uns eine junge Dame, mit der wir sofort ins Gespräch kamen und die uns in unser Zimmer führte. Im Verlauf unseres Aufenthaltes, der leider von einem gravierenden Autoproblem geprägt war, erwies sie sich als außerordentlich hilfreich, was auch für die beiden Hotelbesitzer galt. Wir durften unser Auto nach unserer Abreise eine Woche lang auf dem Hotelparkplatz stehen lassen, bevor es nach Deutschland zurücktransportiert wurde. Auch in anderer Hinsicht zeigte man sich uns gegenüber als sehr entgegenkommend. Dieses Hotel kann ich in jeder Beziehung empfehlen!

The Kings Arms
30 High Street
Amersham
Buckinghamshire HP7 0DJ

Unser Zimmer Nummer 12. Eigenes Foto.

Unser Zimmer Nummer 12.
Eigenes Foto.

Das türlose Badezimmer. Eigenes Foto.

Das türlose Badezimmer.
Eigenes Foto.

Published in: on 11. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Crap Towns…zum dritten

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Schon zweimal habe ich in den letzten Jahren in meinem Blog die britischen Crap Towns vorgestellt, einmal 2011 und einmal 2013. Die Hitliste der Top 50 dieser „Sch…städte“ wurde jeweils von Sam Jordison und Dan Kieran zusammengestellt und in einem Buch veröffentlicht. Man muss aber dazu sagen, dass es sich hier um keine wissenschaftliche Untersuchung handelt, sondern um rein subjektive Meinungsäußerungen, die sehr witzig formuliert sind (die betroffenen Städte finden das wahrscheinlich nicht witzig).

Mit dem Buch „Crap Towns Returns“ (Quercus Editions) aus dem Jahr 2013 werden die Crap Town Charts von den beiden Herausgebern auf den neuesten Stand gebracht und siehe da…es hat sich vieles verändert. Hier sind die aktuellen Top Ten.

Platz 1: London
Platz 2: Bradford
Platz 3: Chipping Norton
Platz 4: Southampton
Platz 5: York
Platz 6: Gibraltar (!)
Platz 7: Coventry
Platz 8: Nuneaton
Platz 9: High Wycombe
Platz 10: Stoke-on-Trent

Gegenüber den letzten Top Ten ist lediglich Coventry übriggeblieben. Die üblichen Verdächtigen wie Slough, Hull, Bedford oder Morecambe sind komplett aus den Top 50 verschwunden, dafür sind einige Orte weit oben angesiedelt, die man dort überhaupt nicht vermuten würde.

Beispiel: Chipping Norton in den Cotswolds, eine hübsche kleine Stadt, die so schlecht abschneidet, weil sich dort sehr viel Prominenz und sehr viel Neureiche niedergelassen haben, so auch der sogenannte Chipping Norton Set, über den ich in meinem Blog schon einmal berichtet habe; und diese Leute kommen in den Augen der Bewerter außerordentlich schlecht weg. Ich wiederhole noch einmal: Es sind sehr subjektive Bewertungen! Die Stadt Chipping Norton selbst steht gar nicht in der Kritik…zumal die kritisierten Leute fast alle in den Dörfern drumherum wohnen.

York befindet sich auf Platz 5, und was steht da auf der Negativseite einer meiner Lieblingsstädte? Es ist zu „touristy“ (o.k., da ist was dran), es ist dauernd überschwemmt (ja, das kommt leider hin und wieder vor) und die Bewohner sind den „Southerners“ gegenüber nicht sehr freundlich (damit kann ich leben; die „Southerners“ betrachten die „Northerners“ ja auch etwas von oben herab). Die schlechte Bewertung der Stadt York kann ich also nicht nachvollziehen.

Über London auf Platz 1 kann man geteilter Meinung sein, Bradford, Coventry und Nuneaton haben schon immer keinen besonders guten Ruf gehabt und High Wycombe in Buckinghamshire ist in der letzten Zeit immer mehr „den Bach heruntergegangen“ („derelict town centre, failed local industry, racial tension and absurd house prices“).

Die letzten Seiten von „Crap Town Returns“ machen aber Hoffnung, denn dort werden die Städte aufgelistet, die offensichtlich einen Aufschwung erlebt haben und nicht mehr in der Top 50-Liste auftauchen wie schon oben erwähnt.

Das zentrum von Chipping Norton.   © Copyright roger geach and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Zentrum von Chipping Norton.
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Das überflutete York.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das überflutete York.
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Published in: on 10. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  

Mein Zeitschriftentipp – „Exclusively British“

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Alle zwei Monate erscheint in Großbritannien das Hochglanzmagazin „Exclusively British“ („Visit And Experience The Best Of Britain“), das von der Contista Media Ltd in Warsash bei Southampton herausgegeben wird. Es ist eine Lifestyle- und Reisezeitschrift, die sich u.a. mit Mode, Hotels und Reisezielen in Großbritannien beschäftigt. Das Einzelheft kostet £4.25, was für den Umfang von 130 Seiten und vielen großformatigen Fotos eigentlich recht wenig ist. Man muss dafür allerdings auch viel Werbung hinnehmen, die sich hauptsächlich  an gut betuchte Leserinnen und Leser wendet. Das Jahresabonnement des Magazins kostet außerhalb Großbritanniens £45, eine Digitalausgabe ist ebenfalls erhältlich für €20.99.

Mir liegt das aktuelle September/Oktoberheft vor und da gibt es zum Beispiel folgende Themen:

Kaschmirwolle und Tweed
Luxuskaufhäuser in London
Veranstaltungen zu Roald Dahls 100. Geburtstag
950. Jahrestag der Schlacht von Hastings
Eine Reise durch das Wye Valley an der Grenze zwischen Wales und Herefordshire
Wimbledon und sein Tennismuseum
Der Twinings Tea Shop am The Strand in London

Ein Schwerpunkt der Zeitschrift  „Exclusively British“ liegt auf der Vorstellung von noblen Hotels, und so findet man in dieser Herbstausgabe Präsentationen u.a. des Flemings Mayfair in London, des Seaham Hall Hotels in Durham, der Hound Lodge auf dem Goodwood Estate und dem Hever Castle Bed and Breakfast. Unter der Rubrik „Property“ sind in diesem Heft nur wenige, aber sehr erlesene zum Verkauf stehende Häuser angeboten, wobei das im 18. Jahrhundert gebaute Hinwick House in Bedfordshire mit £14.5 Millionen alle anderen in den Schatten stellt.

 

 

Published in: on 9. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Manor House in Little Missenden (Buckinghamshire)

Eigenes Foto.

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Nur ein paar Schritte von der Kirche St John the Baptist in Little Missenden (Buckinghamshire), über die ich gestern in meinem Blog berichtete, steht das Manor House, ein zweistöckiges, von einer Mauer umgebenes Gebäude, das aufmerksame Zuschauer der „Inspector Barnaby“-TV-Serie sicher wiedererkennen werden, denn es diente mehrfach als Drehort für einzelne Episoden wie Nummer 56 „Death and Dust“ (dt. „Denn du bist Staub“), als das Haus der Compton-Schwestern in Nummer 71 „Small Mercies“ (dt. „Böse kleine Welt“) und als Arztpraxis für den schmierigen Doktor Wellow in Folge 45 „Dead Letters“ (dt. „Die tote Königin“).

Ich kam vergangene Woche wieder einmal an dem schönen Haus vorbei, das durch ein schmiedeeisernes Tor zu erreichen ist; dahinter sind die ausgedehnten Parkanlagen zu erkennen. Die ältesten Teile des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im vorigen Jahr stand das Haus für £3.75 Millionen zum Verkauf und offensichtlich hat es einen neuen Besitzer gefunden.

Im 18. Jahrhundert gehörte das Manor House tatsächlich einmal einem Arzt und zwar Dr Benjamin Bates, dem damaligen Leibarzt des durch den Hellfire Club berühmt und berüchtigt gewordenen Sir Francis Dashwood. Auch Bates war Mitglied dieser Knights of St. Francis, wie sich die Hellfire-Leute selbst nannten, die sich gern erotischen Eskapaden hingaben, vor allem in den Katakomben von Dashwoods Haus in West Wycombe (Buckinghamshire).
Der ebenfalls berühmte (aber nicht berüchtigte) Maler Sir Joshua Reynolds ging im Manor House aus und ein, denn er war mit Dr Benjamin Bates befreundet. Reynolds Freundin, die schweizerisch-österreichische Malerin Angelika Kauffmann, ließ es sich nicht nehmen, die Garten- und Parkanlagen zu gestalten.

Eigenes Foto.

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Das Little Missenden Festival 2016 in der Kirche St John the Baptist

Eigenes Foto.

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Über Little Missenden als Schauplatz mehrerer Episoden der „Inspector Barnaby“-Serie habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Ich mag dieses kleine Dorf in Buckinghamshire und habe es erst vor ein paar Tagen erneut besucht. Überall hingen Plakate über das anstehende Musikfestival, das vom 7. bis zum 16. Oktober in der Gemeindekirche St John the Baptist abgehalten wird. Nur zwei Veranstaltungen finden in der Village Hall statt. Ich stattete der hübschen Kirche einen Besuch ab (die Türen waren glücklicherweise geöffnet), die schon ganz herbstlich geschmückt war.

Zum 57. Mal freut sich die Gemeinde auf das Festival, das aus einer bunten Mischung von Klassik, Jazz, Folk und Vorträgen besteht. Hier ist ein Blick auf das Programm für das Jahr 2016:

Der russische Pianist und Kammermusiker Pavel Kolesnikov wird das Festival am 7. Oktober mit Robert Schumanns Nachtstücken opus 23 eröffnen. Am folgenden Tag steht Jazz auf dem Programm; es tritt auf das Mark Armstrong Quintett. Gleichzeitig hält die Schriftstellerin Rose Tremain in der Village Hall einen Vortrag über ihre Werke.
Im Laufe des Festivals sind u.a. noch italienische Madrigale der Formation Gesualdo Six und Bach-Werke der beiden Violonistinnen Aisha Orazbayeva und Eloisa-Fleur Thom zu hören. Einen zweiten Vortrag in der Village Hall gibt es am 15. Oktober, dann spricht der Historiker John Gash von der Universität Aberdeen über den Maler Caravaggio und seinen Einfluss auf andere Künstler.

St John the Baptist bietet nicht allzu viele Plätze und so dürften die Veranstaltungen schnell ausgebucht sein. Ich kann mir vorstellen, dass es an den Veranstaltungsabenden Schwierigkeiten mit den Parkplätzen geben wird, denn bei meinem Besuch an einem Dienstagvormittag war der Straßenrand im Dorf schon sehr gut mit Fahrzeugen belegt. Hier ist ein Film über ein früheres Festival.

Nur ein paar Schritte von der Kirche entfernt, liegt das sehr ansprechende Manor House von Little Missenden (mehrfach bei „Inspector Barnaby“ zu sehen), über das ich morgen in meinem Blog schreiben werde.

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Ein herbstliches Gesteck am Kircheneingang. Eigenes Foto.

Ein herbstliches Gesteck am Kircheneingang.
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Published in: on 7. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Tim Hampson: CAMRA’s 101 Beer Days Out

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Tim Hampson kennt sich in Sachen Bier hervorragend aus. Er führt einen Bierblog und hat bereits mehrere Bücher verfasst wie „London’s Best Pubs“, „London Riverside Pubs“ und „The Beer Book“. Mit „101 Beer Days Out: Exciting and Unusual Experiences for Beer Lovers Around Britain“ hat Hampson einen Reiseführer für Bierfreunde vorgelegt, der quer durch Großbritannien führt und 101 Tipps für „beer lovers“ gibt. Erschienen ist das Buch bei Campaign For Real Ale, kurz CAMRA, ein 1971 gegründeter Interessenverband für alle, die mit Bier und Pubs zu tun haben.

Ursprünglich kam das Buch im Jahre 2012 auf den Markt, liegt aber mittlerweile in einer überarbeiteten und aktualisierten Fassung vor.
Die Reise beginnt im Südosten Englands mit einem Besuch der Shepherd Neame Brauerei (Tipp 1) in Faversham (Kent), dort wo auch das jährliche Hop Festival (Tipp 2) stattfindet. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor auf die Verbindung Bier und Eisenbahn und so erfahren wir u.a. von dem Real Ale Train (Tipp 13) in Hampshire, der zweimal im Monat die Watercress Line befährt und mehrere Biersorten an Bord anbietet. Auf dem Bahnsteig 1 des Bahnhofs von Hartlepool (County Durham) findet man das Rat Race Ale House (Tipp 88), das nur zu den Zeiten geöffnet hat, zu denen Züge verkehren.

Am Anfang des Buches stellt Tim Hampson die einzelnen Biersorten vor, die es in Großbritannien gibt und listet die Bierfestivals auf, die im Laufe eines Jahres veranstaltet werden.
Ein wirklich interessantes Buch für alle, die an englischen Bieren und an ungewöhnlichen Pubs interessiert sind.

Tim Hampson: 101 Beer Days Out: Exciting and Unusual Experiences for Beer Lovers Around Britain. Campaign for Real Ale 2015. 221 Seiten. ISBN 978-1-85249-328-8.

Die Shepherd Neame Brewery in Faversham (Kent).   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Shepherd Neame Brewery in Faversham (Kent).
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Die Watercress Line in Hampshire.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Watercress Line in Hampshire.
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Follies – Humphrey Sturts Horton Tower bei Chalbury Common in Dorset

   © Copyright Trevor Harris and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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„Solitary, massive and unusually ugly“, so beschreiben Gwyn Headley und Wim Meulenkamp den Horton Tower in ihrem Buch „Follies: A Guide to Rogue Architecture in England, Scotland and Wales„. Der so abgewertete Turm steht einsam auf einer Wiese nahe der Dörfer Chalbury Common und Horton in Dorset. Mit 43 Metern Höhe gehört er zu den höchsten Follies im ganzen Land und wurde, wie sich das für ein Folly gehört, ohne erkennbaren Zweck von einem reichen Exzentriker gebaut, von Humphrey Sturt (1724-1786), so um 1750 herum. Sturt war Architekt und so entwarf er seinen einsamen Turm auch selbst. Wenn er nicht gerade Türme baute, war er im Londoner Parlament zu finden, denn zehn Jahre lang vertrat er als Member of Parliament die Grafschaft Dorset.

Man vermutete damals, dass der MP seinen Turm als Aussichtsplattform nutzen wollte, um von dort oben den Nachthimmel zu beobachten oder, eine andere Version, um bei der Jagd zuzusehen, die sich auf den Feldern darunter abspielte. Wie auch immer, der aus roten Ziegelsteinen gebaute, sechsstöckige Horton Tower, auch Sturt’s Tower genannt, wurde irgendwann nicht mehr geliebt und so verfiel er langsam vor sich hin. Besteigen kann man ihn schon lange nicht mehr, doch vor einiger Zeit hat der Turm einen praktischen Nutzen gefunden, denn die Firma Vodafone brachte an ihm Mobilfunkmasten an, diskret versteht sich, und verbunden mit einigen Restaurierungsarbeiten.

Kurzfristig herrschte im Jahr 1967 am Horton Tower einmal richtig Leben, als hier Dreharbeiten für den Spielfilm „Far From the Madding Crowd“ (Regie: John Schlesinger; dt. „Die Herrin von Thornhill“) stattfanden. Gedreht wurde im Inneren und zwar eine Hahnenkampfszene. Als das Filmteam abzog, verfiel der Turm wieder in einen Tiefschlaf.

Hier ist ein Film über den Horton Tower, von einer Drohne aus gesehen.

   © Copyright Simon Barnes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 5. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Horsted Place Country House Hotel bei Little Horsted (East Sussex) – Revisited

Eigenes Foto.

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In der vergangenen Woche besuchte ich noch einmal das Horsted Place Country House Hotel in der Grafschaft East Sussex. Dicht an der A26, die nach Lewes führt, liegt das Hotel, ideal für Besucher des Glyndebourne Festivals, das nur wenige Autominuten entfernt liegt. 1851 wurde das eindrucksvolle Haus gebaut, das zum großen Teil von dem bedeutenden Architekten Augustus Welby Northmore Pugin entworfen wurde, ein Verfechter des Gothic Revival-Stils.

1965 erwarb Lord Rupert Nevill das Haus und gestaltete es komplett um; auch der umliegende Park und die Gärten wurden neu konzipiert, wozu sich Lord Nevill die fachmännische Hilfe von Sir Geoffrey Jellicoe (1900-1996) sicherte, einer der großen Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts, der u.a. die Gärten von Sutton Place in Surrey und den Rosengarten in Cliveden (Berkshire) anlegte.Im Park finden sich schöne alte Bäume, ein Gartenhaus und es schließt sich ein Golfplatz an.

Da der Lord mit dem Gatten der Königin befreundet war, ließen sich die Queen und Prinz Philip hin und wieder auch im Horsted Place sehen. Es gibt sogar einen Queen’s Walk, der vom Hotel zur Kirche St Michael and All Angels in Little Horsted führt; so benannt, weil die Königin bei ihren Besuchen dort zum Gottesdienst ging.

Das Hotel verfügt über Doppelzimmer, die im günstigsten Fall im Winterhalbjahr £145 kosten; schöner sind natürlich die großen Suiten wie die Windsor und die Portsmouth Suite und das Highlight des Hauses, die Neville Suite, die ab Nacht inklusive Frühstück zu haben sind. Wir übernachteten in der wunderschönen Windsor Suite, in der die Queen bei ihren Besuchen im Horsted Place immer wohnte.

Für das leibliche Wohl der Gäste ist Küchenchef Allan Garth verantwortlich, der früher einmal unter Albert Roux im Londoner Le Gavroche gearbeitet und im michelinbesternten Gravetye Manor (ich berichtete darüber) in West Sussex gekocht hat. Das relativ kleine Restaurant, in dem auch das Frühstück serviert wird, ist sehr angenehm und mit einem großen Kamin bestückt.

Wie so viele Hotels in England ist auch das Horsted Place beliebt für Hochzeiten und da diese Veranstaltungen für Hotelgäste manchmal ganz schön störend sein können, ist es angebracht, bei der Buchung zu fragen, ob das Haus zum gewünschten Termin „hochzeitsfrei“ ist.

Horsted Place Hotel
Little Horsted, Uckfield,
East Sussex TN22 5TS
Tel: 01825 750581

Der gläserne Eingang zu unserer Windsor-Suite. Eigenes Foto.

Der gläserne Eingang zu unserer Windsor-Suite.
Eigenes Foto.

Die Windsor-Suite. Eigenes Foto.

Die Windsor-Suite.
Eigenes Foto.

Das Restaurant vom Horsted Place. Eigenes Foto.

Das Restaurant vom Horsted Place.
Eigenes Foto.

Der Treppenaufgang. Eigenes Foto.

Der Treppenaufgang.
Eigenes Foto.

Im Park. Eigenes Foto.

Im Park.
Eigenes Foto.

Die Tewkesbury Battlefield Society und ihr Kampf um ein Schlachtfeld

The Bloody Meadow, Teil des Schlachtfeldes von Tewkesbury.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Bloody Meadow, Teil des Schlachtfeldes von Tewkesbury.
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Am 4. Mai 1471 fand bei der Stadt Tewkesbury in Gloucestershire eine Schlacht statt, bei der die Truppen des Hauses Lancaster  auf die Truppen des Hauses York trafen. Die Yorkisten zogen aus dieser blutigen Schlacht innerhalb der Rosenkriege als Sieger hervor. Die Kampfhandlungen spielten sich in ummittelbarer Nähe der Tewkesbury Abbey ab und noch heute heißt ein Teil des Terrains „Bloody Meadow„. Beim jährlich stattfindenden Tewkesbury Medieval Festival (ich berichtete in meinem Blog darüber) wird die Schlacht von 1471 noch einmal nachgestellt.

Es ist nicht mehr allzuviel vom Battlefield übriggeblieben. Teile davon sind bebaut worden und die restlichen Felder sind in der Hand des Tewkesbury School Funds. 2013 sollten diese verkauft werden und das rief die Tewkesbury Battlefield Society auf den Plan, deren Zieles es ist „to preserve, promote and interpret the history, archaeology and natural history of the sites associated with the battle for the present and future generations“. Die Gesellschaft fürchtete, dass die Felder des ehemaligen Schlachtfeldes in die Hände von Bauunternehmern fallen würden, die darauf Häuser errichten könnten. Also beschloss die Tewkesbury Battlefield Society selbst ein Kaufgebot abzugeben, nachdem sie binnen kurzer Zeit die Summe von 135 000 Pfund zusammengebracht hatte. Doch die entstandene Euphorie fiel bald wieder in sich zusammen, denn die Verantwortlichen des Tewkesbury School Funds weigerten sich plötzlich, nach Rücksprache mit ihren Anwälten, die Grundstücke an die Gesellschaft zu verkaufen, aus juristischen Gründen wie es hieß. Die Battlefield Society ließ nicht locker und erhöhte ihr Angebot noch einmal um 30 000 Pfund, doch ohne Erfolg; das Kaufangebot wurde zurückgezogen.
Die mutigen Damen und Herren starteten noch einmal einen letzten Versuch, indem sie in der Stadt Tewkesbury, deren Bürger mehrheitlich für den Erhalt des Schlachtfeldes sind, eine Petition in Umlauf brachte, mit dem Ziel, diese der Stadtverwaltung vorzulegen, damit sie eine sogenannte „compulsory purchase order“ erlässt, das ist eine in Großbritannien rechtlich zulässige Zwangsenteignung. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten.

Seit 2013 erinnert eine hölzerne Skulpturengruppe an die Schlacht von Tewkesbury, die aus zwei Pferden besteht. Auf dem einen Pferd sitzt ein Ritter, der die siegreichen Yorkisten verkörpert, das andere Pferd ist reiterlos und stellt die besiegten Lancastrians dar. Die Tewkesbury Battlefield Society hatte diese Skulpturen bei dem Künstler Phil Bews in Auftrag gegeben, und ich finde die Figuren sehr gelungen. „The Arrivall“ wird dieses Kunstwerk genannt. Zu finden ist es am Rande des ehemaligen Schlachtfeldes an der A38 südlich von Tewkesbury am Stonehills Roundabout.

Der siegreiche Ritter der Yorkisten am Stonehills Roundabout.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der siegreiche Ritter der Yorkisten am Stonehills Roundabout.
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Das reiterlose Pferd eines gefallenen Ritters der Lancastrians am Stonehills Roundabout.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das traurige, reiterlose Pferd eines gefallenen Ritters der Lancastrians am Stonehills Roundabout.
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Published in: on 3. Oktober 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Totnes (Devon), Sir Francis Drake und das jährlich stattfindende Orangen-Rennen

   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die spinnen, die Engländer, würde Asterix sagen: Die einen rennen hinter Käselaibern her wie in Gloucestershire am Cooper’s Hill, die anderen hinter Orangen wie in Totnes in Devon. Über Totnes als Großbritanniens erste Transition Town habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. Jedes Jahr im August organisiert hier die Totnes Elizabethan Society die Orange Races, bei denen es darauf ankommt, eine Orange so schnell wie möglich ins Ziel zu bringen, ohne dass man sie in die Hand nimmt und trägt. Die Schauplätze für die Rennen sind die High Street und die Fore Street. Sieger ist derjenige, der seine noch halbwegs intakte Apfelsine über die Ziellinie bringt, wobei man nie sicher sein kann, ob es sich dabei noch um dieselbe Frucht handelt, mit der man gestartet ist.

450 Meter lang ist der Parcours vom Market Place bis zum Royal Seven Stars Hotel, den die Erwachsenen zurücklegen müssen, die Kinder haben eine kürzere, nicht so steile Strecke zu bewältigen. Nachdem alle Teilnehmer ihre Orangen ins Ziel gebracht haben, gibt es anschließend noch ein Auktion, deren Erlös wohltätigen Zwecke zugute kommt, und darauf folgt die Siegerehrung in den einzelnen Altersklassen.

Wo kommt dieser Brauch denn eigentlich her? Die Legende sagt, dass in den 1580er Jahren der berühmte Seefahrer Sir Francis Drake bei einem Besuch in Totnes mit einem Jungen zusammenstieß, der gerade Orangen auslieferte. Da zu dieser Zeit Orangen sehr teuer und begehrt waren, rannten der verzweifelte Auslieferungsjunge und die Kinder, die das kleine Unglück mitbekamen, die steile High Street hinunter, um die Zitrusfrüchte wieder einzusammeln. Sir Francis als Verursacher des Dramas soll sich dabei nicht beteiligt haben.

Die Totnes Elizabethan Society hatte in den 1970er Jahren die Idee, dieses Rennen als Touristenattraktion wieder aufzunehmen. In diesem Film kann man sich den gesamten Ablauf der Veranstaltung ansehen.

Diese steile Straßen hinunter, High Street und dann Fore Street, müssen die Orangen befördert werden.   © Copyright Chris Denny and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diese steilen Straßen hinunter, High Street und dann Fore Street, müssen die Orangen befördert werden.
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Hier am Royal Seven Stars Hotel ist das Ziel des Apfelsinenrennens.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Royal Seven Stars Hotel ist das Ziel des Apfelsinenrennens.
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