Hallsands in Devon – Das Dorf, das vom Meer verschlungen wurde

Hallsands im Jahr 2016.   © Copyright David Martin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hallsands im Jahr 2016.
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In dem kleinen Dörfchen Hallsands an der Südküste der Grafschaft Devon, östlich von Kingsbridge, lebten jahrhundertelang Fischer. Es gab hier alles, was man so brauchte wie einen Pub und einen kleinen Laden. Der Ort, der zwischen den steil abfallenden Klippen und dem Meer angesiedelt war, überlebte viele Stürme, die immer mal wieder über ihn hinwegfegten…bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Bereits 1896 entstand der Plan, die Royal Dockyards in Devonport, einem Ortsteil von Plymouth, zu erweitern. Der Marinehafen war von großer Bedeutung für ganz Großbritannien, und so bekam John Jackson den Auftrag, sich um die Arbeiten zu kümmern. Er benötigte dafür jede Menge Sand und Kies, was in Hülle und Fülle direkt vor Hallsands im Meer zu finden war. Die entstehenden Hohlräume würden von selbst wieder durch Kiesel aufgefüllt, die das Meer herantransportiert, so die Aussage der Techniker. Über 650 000 Tonnen Sand und Kies wurden in den nächsten Jahren von Hallsands nach Devonport gebracht, mit dem Resultat, dass der Strand an der Entnahmestelle langsam absackte. Die Bewohner von Hallsands schlugen Alarm, woraufhin die Behörden die Sachlage untersuchte. Alles kein Problem, beruhigten sie die Menschen, die dort wohnten, und es wurde weiter in großem Stil Baumaterial aus dem Meer geholt. Von wegen „kein Problem“, als nächstes fielen die Wellenbrecher um, die Straße, die nach Hallsands führte, war nicht mehr passierbar und die ersten Häuser wurden instabil. Eine erneute Untersuchung ergab, dass das Dorf Gefahr lief, bei schweren Stürmen erhebliche Probleme zu bekommen, und so wurden die Baggerarbeiten vor Hallsands eingestellt. Aber der angerichtete Schaden war nicht mehr rückgängig zu machen. Am 26. Januar 1917 zog ein ungewöhnlich heftiger Sturm auf und die aufgewühlten Wellen zerstörten den größten Teil des Dorfes. Die Fischer und ihre Familien hatten keine Wahl, sie mussten Hallsands verlassen, das Dorf existierte nicht mehr, bis auf ganz wenige unbewohnbare Häuser. Jahrelang kämpften die ehemaligen Bewohner darum, Entschädigungen zu erhalten und was sie dann bekamen, war eine lächerliche Summe.

Heute kann man sich das, was einmal Hallsands war von einer Aussichtsplattform aus ansehen. Über dem abhandengekommenen Dorf steht ein kleiner Apartmentkomplex, dort wo früher einmal ein von den drei Trout-Schwestern geführtes Hotel war.

Im Januar diesen Jahres richtete ein Sturm weiteren Schaden in Hallsands an, in dem der gesamte Strand weggespült wurde. Die ganze Küste in dieser Region erodiert so langsam vor sich hin, und so mancher Hausbesitzer dort muss sich Sorgen um seine Zukunft machen.

Dieser Film zeigt wie Hallsands heute aussieht.

Was vom Dorfe übrigblieb.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was vom Dorfe übrigblieb.
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Langsam bröckelt hier alles weg.   © Copyright David Martin and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Langsam bröckelt hier alles weg.
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Published in: on 14. Oktober 2016 at 02:00  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Wunderschön!
    Beste Grüße aus Wales🙂


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