Pipedown oder Der Kampf gegen die musikalische Umweltverschmutzung

Hier herrscht seit kurzem wohltuende Ruhe: In allen Marks&Spencer-Filialen verzichtet man jetzt auf Hintergrundmusik.   © Copyright Paul Gillett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier herrscht seit kurzem wohltuende Ruhe: In allen Marks&Spencer-Filialen verzichtet man jetzt auf Hintergrundmusik.
   © Copyright Paul Gillett and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Als ich gestern in einem Restaurant frühstückte, lief im Hintergrund die Musik eines Rundfunksenders. Beim anschließenden Einkauf in einem Supermarkt war es das gleiche, auch hier wurde man mit Musik berieselt bzw. belästigt. Angeblich sollen sich ja Kunden in Geschäften mit Hintergrundmusik wohler fühlen und mehr einkaufen, doch ist das wirklich so?

The Pipedown Campaign for Freedom from Piped Music“ kämpft schon seit 1992 gegen diese Form der musikalischen Umweltverschmutzung, mit Erfolg. Umfragen und Untersuchungen der BBC, der Sunday Times und der Universität von Cardiff haben ergeben, dass die meisten Menschen beim Einkauf keine Musikberieselung haben möchten. Dass Kunden in Läden mit Hintergrundmusik mehr einkaufen, scheint auch nicht zu stimmen, denn Supermarktketten wie ALDI, LIDL und Waitrose verzichten darauf und haben keine Umsatzprobleme.

Der erste Erfolg von Pipedown geht auf das Jahr 1994 zurück, als der Flughafen von Gatwick eine Umfrage unter den Reisenden durchführte, die mehrheitlich dafür stimmten, die Hintergrundmusik in den Abfertigungshallen einzustellen, was die Flughafenverwaltung dann auch tat. Weiterhin konnte Pipedown Sainsbury und Tesco davon überzeugen, keine Musik in ihren Läden abzuspielen. Auch die Buchhandelskette Waterstones verzichtet in den meisten Filialen darauf und lässt ihre Kunden in Ruhe ihre Bücher aussuchen. Der jüngste Erfolg der Pipedown-Mitglieder: Ab Mitte diesen Jahres ließen sich die Verantwortlichen von Marks&Spencer schließlich davon überzeugen, dass die sogenannte „piped music“ in ihren Filialen nicht erwünscht ist.

Pipedown hat eine ganze Reihe prominenter Unterstützer, von denen einige aus dem Musikgeschäft kommen wie zum Beispiel der Dirigent und Cellist Julian Lloyd Webber, der Pianist Alfred Brendel und der Dirigent Simon Rattle. Auch die Schauspieler Stephen Fry und Joanna Lumley unterstützen öffentlich die Pipedown-Kampagne, die auf eine Initiative des Umweltaktivisten Nigel Rodgers zurückgeht.

In Deutschland gibt es eine vergleichbare Kampagne, die sich „Lautsprecheraus e.V. – Pipedown Deutschland“ nennt und die auch von Prominenten unterstützt wird wie Ranga Yogeshwar, Dieter Hallervorden und Justus Frantz.

Mit dem Thema Lärm in unserer Gesellschaft und die Bedeutung der Stille beschäftigt sich der Dokumentarfilm „In Pursuit of Silence“ des Regisseurs Patrick Shen, der in diesem Monat in die Kinos Großbritanniens kam. Hier ist der Trailer.

John Cage setzte einmal die musikalische Stille in einem seiner Werke ein, das „4’33““ heißt und in dem nur 4 Minuten und 33 Sekunden Stille zu hören sind.

 

Published in: on 29. Oktober 2016 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

The URI to TrackBack this entry is: https://maricopa1.wordpress.com/2016/10/29/pipedown-oder-der-kampf-gegen-die-musikalische-umweltverschmutzung/trackback/

RSS feed for comments on this post.

2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. *Dass Kunden in Läden mit Musik erfolgreicher sind und mehr verkaufen, *

    Irgendwie verstehe ich diesen Abschnitt nicht. Der ist irgendwie merkwürdig formuliert.

    • Danke für den Hinweis! Manchmal übersieht man doch Fehler, trotz mehrmaligen Korrekturlesens.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: