Joe Orton und Kenneth Halliwell – Zwei Londoner Autoren und ihre ungewöhnliche Behandlung von Bibliotheksbüchern

Die Islington Public Library an der Essex Road.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Joe Orton (1933-1967) war ein britischer Dramatiker, der zusammen mit seinem Freund Kenneth Halliwell (1926-1967), einem Schauspieler und Schriftsteller, in einem kleinen Appartment in London lebte. Anfang der 1960er Jahre waren sie mit dem Buchbestand ihrer Bibliothek in Islington absolut unzufrieden und beschlossen, sich dafür zu rächen. In großem Stil klauten sie Bücher und schlachteten einen Teil davon aus, d.h. sie schnitten besonders schöne Bilder aus und machten daraus in ihrem Schlafzimmer Collagen; ihre Art von  „Guerilla Artwork
Aber das reichte ihnen nicht aus; sie gingen noch einen Schritt weiter und veränderten das Aussehen der Bibliotheksbücher, indem sie Bilder auf die Schutzumschläge klebten, die dort absolut nicht hingehörten. (Beispiel 1, Beispiel 2). Weiterhin schrieben sie Buchbesprechungen, die vor Obszönitäten nur so wimmelten und klebten diese ganz vorn in die Bücher ein. Mit diesen manipulierten Büchern schlichen sie sich wieder in die Bibliothek von Islington ein und platzierten sie irgendwo auf Tische und in Regale. Dann begann für die beiden die Zeit des Vergnügens: Sie beobachteten wie Bibliotheksbesucher die „verschönerten“ Bücher in die Hand nahmen, die eingeklebten Besprechungen lasen und puterrot wurden; so etwas Obszönes hatten sie noch nie gesehen. Orton und Halliwell gingen zufrieden nach Hause, denn für sie hatte sich der Aufwand gelohnt.
Als die Bibliothekare die Veränderungen an ihren Büchern merkten, waren sie „not amused“. Bald richtete sich ihr Verdacht auf die beiden Männer und sie stellten ihnen eine Falle, in die die beiden auch tappten.

Die Polizei stellte fest: Orton und Halliwell hatten 72 Bücher geklaut und 1,653 Bilder aus Bibliotheksbüchern herausgeschnitten; außerdem hatten sie noch Überziehungsgebühren zu bezahlen (sie klauten nicht nur, sie liehen auch richtig aus!). Die beiden  wurden vor Gericht gestellt und zu 6 Monaten Gefängnis und £262 Geldstrafe verurteilt.

Wenn man unschuldige Bibliotheksbücher so brutal behandelt, dann kann das nicht gut gehen. Was folgte? Kenneth Halliwell schlug am 9. August 1967 seinem Freund Joe Orton den Schädel ein, anschließend brachte er sich selbst um.
Dieser recht ungewöhnliche Film zeigt die Beziehung der beiden.

Die verunstalteten Bücher hat man behalten, sie sind jetzt im Islington Local History Centre in der St John Street zu begutachten.

In diesem Film schildert Joe Orton seine Missetaten.

Hier in der Noel Road Nummer 25 in Islington kamen Joe Orton und Kenneth Halliwell zu Tode.   © Copyright Christopher Hilton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der Noel Road Nummer 25 in Islington kamen Joe Orton und Kenneth Halliwell zu Tode.
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Published in: on 5. Februar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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