Die verrückten Ideen des Sir Francis Galton (1822-1911) Teil 2

Sir Francis Galton, der Mann, der den Frauen nachspähte.  Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Sir Francis Galton. – Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Außer dem Erstellen seiner „Beauty Map“, über die ich gestern in meinem Blog schrieb, hatte Sir Francis Galton noch ein ganzes Füllhorn weiterer schräger Ideen. Hier sind einige Beispiele:

Mr Galton machte sich seinerzeit Gedanken darüber, ob Gebete tatsächlich etwas bewirken würden. Je mehr für bestimmte Menschen gebetet würde, man nehme zum Beispiel gekrönte Häupter, umso länger müssten diese eigentlich leben. Bei Gottesdiensten betet die Gemeinde eigentlich immer darum, dass ihr König oder ihre Königin lange leben möge.  So die Theorie. Wie sieht es denn nun in der Praxis aus? Sir Francis Galton untersuchte die Lebenserwartung der Monarchen und kam zu dem Ergebnis, dass diese keineswegs länger lebten als „normale“ Menschen, im Gegenteil sie lebten kürzer. Folgerichtig sind Gebete also „für die Tonne“ wie Galton argumentierte, sie bringen überhaupt nichts. Der Klerus sah das natürlich ganz anders und attackierte den Mann aufs schärfste. Das Gegenargument der Kirchenmänner: Wenn die Untertanen für ein langes Leben ihres Souveräns beten, meinen die das wahrscheinlich gar nicht wirklich, also können Gebete in diesem Fall auch nicht wirken.

Sehr schön finde ich auch Galtons Idee, die er in jungen Jahren hatte, als er in einem Krankenhaus arbeitete, alle Medikamente, die er in der Krankenhausapotheke vorfand an sich selbst zu testen und zwar in alphabetischer Reihenfolge. Erstaunlicherweise schaffte er es bis zum Buchstaben „C“, als das Crotonöl an der Reihe war. Dieses Öl galt als extrem starkes Abführmittel und soll höchst bedenklich in der Anwendung sein, mit unkalkulierbaren Nebenwirkungen. Die Einnahme dieses Präparats überzeugte auch Galton, dass die Idee mit dem Medikamententest am eigenen Körper nicht zu seinen besten gehörte.

Der Mann konnte einfach nicht über einen längeren Zeitraum stillsitzen, ohne dabei etwas zu überlegen oder irgendetwas zu zählen, so auch bei dem Anfertigen seines Porträts. Während der Maler mit Hingabe die Gesichtszüge von Sir Francis Galton auf die Leinwand brachte, zählte letzterer die Pinselstriche, die der Meister dafür benötigte und schrieb darüber eine wissenschaftliche Abhandlung.

Galton machte sich über alles Gedanken, auch darüber wie sich bei einer Gesellschaft die Sympathien zwischen den einzelnen geladenen Gästen entwickelten. So brachte er bei einem Abendessen unter den Stuhlbeinen kleine Drucksensoren an, die er mit einem Messgerät verband. Wenn jetzt einer der Dinnergäste sich besonders häufig nach links oder rechts wandte, bedeutete das eine Druckverlagerung und daran konnte Galton erkennen, wer an wem besonderes Interesse zeigte. Tata!

Wer sich weiter mit den Ideen und Gedankengängen des exzentrischen Mannes auseinandersetzen möchte, der sollte zu folgendem Buch greifen:

Martin Brookes: Extreme Measures  – The Dark Visions and Bright Ideas of Francis Galton. Bloomsbury 2004. 320 Seiten. ISBN 978-0747566663 (Vergriffen, aber leicht zu beschaffen).

 

Published in: on 16. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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