Die Window Tax und andere kuriose Steuern

So sah ein Haus aus, dessen Fenster zwecks Steuervermeidung zugemauert wurden. Hier ein Beispiel aus Bridgwater aus Somerset.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

So sah ein Haus aus, dessen Fenster zwecks Steuervermeidung zugemauert wurden. Hier ein Beispiel aus Bridgwater in Somerset.
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Von 1696 bis 1851 wurde sie erhoben, die Window Tax oder Fenstersteuer, und sie war alles andere als beliebt (sofern Steuern überhaupt beliebt sein können). König William III. war der Initiator, denn der Staat brauchte Geld, und da war jedes Mittel recht, um die Kassen zu füllen. Die Fenstersteuer wurde mehrfach geändert; zuerst gab es pro Haus eine Pauschalsteuer, dann erhob man die Gebühren abhängig von der Zahl der Fenster. Natürlich war man auf der Seite der steuerzahlenden Hauseigentümer erfinderisch und mauerte einfach einige Fenster zu, um in eine günstigere Steuerklasse zu rutschen. Das Nachsehen hatten dann meistens die Mieter, die plötzlich des Tageslichts beraubt waren. Die Inspektoren, die unterwegs waren, um die Gebäude auf ihre Fensterzahl hin zu überprüfen, hatten keine Probleme, Bestechungsgelder anzunehmen, und waren sie auf ihrer Inspektionstour einmal dagewesen, konnte man damit rechnen, dass sie in der nächsten Zeit sobald nicht wieder auftauchten, und so wurden eben einige Fenster wieder zugänglich gemacht. Der eine oder andere wohlhabende Besitzer eines großen Landhauses brüstete sich seiner zahlreichen Fenster respektive seines Reichtums und ließ alle Welt wissen, dass er die Fenstersteuer locker bezahlen konnte.
Erst zur Zeit Königin Victorias, als deutlich wurde, dass dunkle, fensterlose und nicht lüftbare Räume ein hohes Gesundheitsrisiko für die Bewohner darstellten, verabschiedete sich der Staat von der gehassten Fenstersteuer. Dieser kleine Film zeigt weitere Details über die Steuer.

Da in früheren Zeiten immer wieder viel Geld benötigt wurde, um Kriege zu führen, ließen sich die Verantwortlichen ständig neue Arten von Steuern einfallen. So führte William Pitt the Younger eine Steuer auf Haarpuder ein, mit dem Perücken gern behandelt wurden, aber das brachte nicht viel Geld ein, weil die Zahl der Perückenkäufe stark zurückging.
Das gleiche galt für die Hutsteuer; je teurer ein Hut war, desto höher wurde er besteuert. Jeder Hut musste als Nachweis der entrichteten Steuer im Innern eine Steuermarke tragen; die Fälschung dieser Marken wurde sogar mit dem Tode bestraft.

Die „brick tax“ wurde eine Zeit lang auf Ziegelsteine erhoben, was dazu führte, dass die Bauherren einfach größere Steine verwendeten, woraufhin der Staat eine höhere Steuer auf größere Ziegel festsetzte.

1712 hatte jemand die grandiose Idee, bedruckte Tapeten zu besteuern. Kein Problem, sagten sich die potentiellen Käufer und tapezierten ihre Räume mit einfarbigen Tapeten, auf die sie dann die gewünschten Muster malten. Steuerzahlung umgangen!

Fazit: Der Erfinderungsreichtum des Staates in der Erhebung neuer Steuern, stieß sofort auf den Erfindungsreichtum der Bürger, diese zu umgehen.

Published in: on 8. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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